Buchtitel
ISBN 3-937264-31-0
Gürtel der
Meteoriten
Lyrik.
10.000 Aufschläge
Band 20: Aufschläge
9501 - 9827
Harald
Birgfeld
ISBN
3-937264-31-0
"Es
lohnt sich, einmal einen heutigen Dichter kennen zu lernen, der mit der
deutschen Sprache einen faszinierend fremden Weg betritt und trotzdem dem Leser
Freiraum lässt für eigene Gedankengänge, ohne dass die Probleme in erhobener
Zeigefingermanier zu zeitkritischen Trampelpfaden werden." (1986: Gutachten)
Harald
Birgfeld, von Beruf Diplom-Ingenieur, schrieb die meisten seiner Gedichte während
der morgendlichen Fahrt mit der Hamburger S-Bahn zur Arbeit. Seine Texte entstanden fast immer bereits in
endgültiger Form.
Copyright 2008 beim Autor, Harald
Birgfeld, alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieser Veröffentlichung darf ohne
schriftliche Erlaubnis des Herausgebers, Harald Birgfeld, reproduziert werden.
Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Verfilmung und
Einspeicherung sowie Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Herausgeber, Autor,
Redakteur: Harald Birgfeld.
Über
e-mail: Harald.Birgfeld@t-online.de.
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Du stehst vor mir,
dein
Ohr liegt auf der
Hand,
Und später liegt es
auf dem
Rücken,
Immer horcht es
überall hinein,
Das liebst du
maßlos, wenn du liebst,
Du registrierst
sogar die
Risse, wie sie
reißen.
Aufschlag 9502
Einmal hatte ich an
dir die neuen
Rohre zu verlegen,
Und ich nahm dir
alle
Kleider ab
Und stieß und fiel
auf die
Begierde,
Danach, sah ich,
hattest du die
Zeit genutzt
Und sie für mich
verwendet.
Aufschlag 9503
Später, du lagst
neben mir,
Erhob ich mich,
Und dies erfuhr ich
gleich,
Du hattest in der
Zwischenzeit, als
wir uns nicht mehr
Auseinanderhalten
konnten,
Über mich verfügt
Und über mich entschieden
Und mir eine
Schließlichkeit und
Endlichkeit verliehen,
Die du dir genommen
hattest.
Aufschlag 9504
Du legtest mir die
Fingerspitze auf
den Mund,
Und
Sturm hielt mir den
Atem an, dass ich
mich seitlich drehen musste,
Ich entdeckte eine
Lücke
Und entkam durch
sie mit deiner
Fingerspitze auf
dem
Mund.
Aus deinem
Haar hing eine rote
Schleife,
Und sie wehte
federleicht in deinen
Tanz,
Und als du dich mir
zeigtest,
Überzeugtest du
mich gleich,
Dass sie dir ganz
und gar
Und überall am
Leibe wuchsen.
Aufschlag 9506
Die
Schuhe, die du
trugst,
Erkannte ich
sofort,
Sie waren aus
demselben
Tuch wie alles, was
sich über deinen
Körper zog,
Darunter lebtest du
mit dir,
Es drückte sich
auch jede der
Bewegungen nach
außen,
Und wir lebten
außerhalb der
Häute gut zusammen.
Aufschlag 9507
Aus deinen
Augen schien die
Bosheit,
Und du batst mich
um ein
Glas mit reinem
Wasser,
Um daraus zu
trinken,
Und du saßt dabei
bis an den
Hals im klaren,
fließenden Gewässer
Deine
Hände langten nach
dem
Becher,
Und du strecktest
ihn mir nicht heraus.
Aufschlag 9508
Wir lebten in den
Speichen eines
Rades,
Das würd irgendwann
zu seinem
Nutzen
Laufen lernen.
Aufschlag 9509
Wenn wir zusammen
kamen,
Uns besuchten,
klopfte jeder an,
Wir klopften uns
ganz leise auf den
Rücken und wohl auf
die Brust
Und lauschten;
Einmal, wenn wir
nicht mehr daran dächten,
Würde sicherlich
das
Klopfen auch von
innen her
Nach außen dringen.
Als es
unaussprechlich wurde, schwiegen wir,
Und als ich alt
geworden war,
Dazwischen lagen
kaum zwei
Tage, war das
Walzgold
hochgekommen,
Hatte sich gelöst
Und blätterte nun
ab,
Ich sah darunter
Flugrost liegen,
Und der wurde nun
erst frei,
Und alles war noch
einmal
Unaussprechlich.
Aufschlag 9511
Wir ließen
voneinander ab,
Und wirklich war
das freie
Fallen völlig frei,
An nichts mehr,
außer an uns selber,
Konnten wir uns
messen,
Und wir trieben
orientierungslos
Und langsam
auseinander,
Unaussprechlich
langsam wuchs der
Abstand,
Und wir ließen uns
zurück.
Aufschlag 9512
Immer wieder kam
dies
Hundetier zu uns,
Ich musste es
missachten,
Und ich sprach es
an
Und streichelte
sein
Fell, um die
Gerechtigkeit ganz auszugleichen,
Ja, um ihretwillen,
Und von dir erhielt
es Futter,
Und du sagtest
auch, es sei um
Meinetwillen,
Und es habe alles
seine
Richtigkeit.
Aufschlag 9513
Die
Zunge lag in ihrem
Nest
Und drehte sich,
Ich hielt die hohle
Hand daneben
Und sie schlängelte
sich über ihren
Rand dorthin
Und feuchtete das
Rund,
Sie würde sich, das
wusste ich genau,
Besinnen.
Aufschlag 9514
Du flüstertest mit
mir,
Du sagtest auch,
dass deine
Nerven in die
Kleider wüchsen,
Und sie spürten
dort die eigne
Nähe hinter sich
Und übertrügen sich
auf mich,
Du lebtest ganz in
diesem
Abenteuer.
Scharenweise war
ich so entkommen,
Und du lachtest
über mich,
Es gäbe keine
abgezäunten
Weiden ohne dich
als
Hüterin, als
Wächterin,
Und jede
Weide mündete
gewiss
In eine andere,
Und scharenweise
hütetest
Du mich.
Aufschlag 9516
Was du dachtest,
lauschte ich von deinen
Ohren ab,
Du kanntest diesen
Fluchtweg nicht,
Ich atmete so sanft
an dir,
Dass dich ein
Schauer überrannte.
Aufschlag 9517
Einmal gab ich mich
dir hin,
Du quältest dich
Und ich verwaltete
sekundenlang dein
Leiden,
Und ich sah, wie
Leben ohne Glauben
zur
Gewohnheit werden
konnte.
Aufschlag 9518
Einmal redetest du
von der Frau
Und von der langen
Zeit, in der ihr
die
Gemeinschaft eurer
Leiden
Täglich neu
lebendig werden ließt,
Ein nassgeschwitzter
Frauenkörper war
dir immer recht,
Und sie war
Meisterin, so
sagtest du, im
Zählen und
Vergleichen unsrer
Schwächen.
Aufschlag 9519
Wir erfanden eine
Kopfschrift, die
lag neben uns
Und über uns
Und unter uns
Und um uns her,
wenn wir mit unsren
Scheiteln leise
aneinander rührten,
Und wir standen
Kopf auf Kopf
Und standen als
Verdopplung ganz im
Spiegel
Und erfanden,
So erklärten wir es
anderen, die
Kopfschrift,
Und man tat uns ab
Und lacht über
unsre
Liebe, die war
offenkundig
Und lag überall
herum.
Einmal öffnetest du
blitzschnell deine
Hand,
Dann war sie wieder
fest verschlossen,
Und ich hatte ganz
genau darin das sonderbare
Rot aus Tiefen
deines Mundes scheinen sehen,
Das war mehr als
nur der
Schriftzug deines
Namens.
Aufschlag 9521
Kinder spielten auf
den schrägen Steinen,
Und ich hatte
Angst um sie,
Du liebtest alles,
was sich irgendwie
An dir versuchte,
Und ich mochte
nicht mit
Halbwahrheiten um
dich kämpfen,
Und ich warb um
dich
Und warb um nichts
Mit allem was ich
hatte,
Das war nichts
dagegen.
Aufschlag 9522
Du beugtest dich zu
mir herab
Und über mich, die
Haare fielen lang
um uns herum, ein
Zaun, der brachte
Dunkelheit,
Den liebte ich,
Und innerlich
ermahnte ich dich immer wieder,
Warnte dich, du
solltest deine
Haare nicht im
Becken waschen,
Und du liefertest
dich aus
Und warst
bedenkenlos.
Aufschlag 9523
Wir kannten uns nun
langsam aus
Das
Wasser, das in uns
die
Tropfsteinhöhlen
bildete,
War nie verloren,
Und ihr
Wachstum konnten wir
nicht nachvollziehen,
Es ging alles viel
zu schnell
Und war vorbei,
Bevor wir es
erfassen konnten.
Aufschlag 9524
Du warfst die
nassen
Haare in den
Rücken,
Und du trocknetest
sie mit den unnachahmlichen
Bewegungen,
Es wurde eine
Kunst zur
jugendlichen Überraschung,
Die verstand vom
Alltag gar nichts.
Ich liebte deine
Kunst, es ging um
sie,
Und täglich einmal
legte ich den
Kopf in deinen
Schoß,
Das war nicht
recht,
Und was ich suchte,
konnte ich in deinem
Alltag nicht
entdecken,
Und es regnete
darauf das
Laub, das sollte
liegen bleiben,
Und ich durfte
nichts entfernen.
Aufschlag 9526
Du zittertest,
Und deine
Hand verschüttete
das Süßgetränk,
Ich würde einen
Tag nun warten
müssen,
Bis ich aus dir
trinken könnte,
Und ich hatte keine
Zeit dafür, das
hattest zu zuvor bemerkt
Und dich
erschrocken.
Aufschlag 9527
Deine
Arme hieltst du auf
den Rücken,
Und du hattest sie
verschränkt,
Und du verdecktest
nichts an deinem
Leib,
Ich lernte deine
Körpersprache
mühsam
Sprechen.
Aufschlag 9528
In deinem ganz
geheimen
Fach entdeckte ich,
Dass sich
gestohlene
Bestecke, wie man
sie zum
Essen brauchte,
häuften,
Und ich sagte
nichts zu dir
Und nichts zu mir
Darüber.
Aufschlag 9529
Es türmten sich in
deinem
Kleid gestohlne Gegenstände,
Und ich sah dir
heimlich zu,
Und alles war ein
Raubgut, das mir
fehlte,
Ich vermisste
wirklich nichts davon
Und staunte über
dich.
Du knietest auf dem
flachen
Holzbrettwagen, den
stieß man mit
Händen von der
Straße ab
Und ließ ihn ziellos
gleiten,
Deinem fehlte eines
der vier
Räder,
Und du musstest
schrecklich leiden unter deinem
Kniefall,
Der geschah nur auf
drei
Rädern,
Und er brachte dich
nicht mehr
Voran.
Aufschlag 9531
In deiner
Liebe wolltest du
allein das
Wort sein,
Und du fülltest
meinen
Mund mit Sand,
Der war zu süß zu
speisen,
Und du hattest das
Ersticken sehr gut
Vorbereitet.
Aufschlag 9532
Durch mich war ich
betroffen,
Und ich ließ dich
alles wissen,
Weil es mich
betraf,
Das störte dich,
Und rasend wurdest du
vor
Zorn, vom
Einzigen hätt ich
das Wichtigste vertan
Und dich auch
völlig
Übersehn.
Aufschlag 9533
Wenn du vor mir
standst
Und mich bestachst,
Erlagen meine
Augen deinen
Blicken,
Die entließen mich
nicht einen
Tanz zu wagen
Und sich mit den
andren
Auszutauschen.
Aufschlag 9534
Es war noch nicht
genug,
Du jätetest an dir
ein
Unkraut, das ich
nie gesehen hatte,
Und die schmalen
Wege, die zu deinen
Brunnen führten,
Waren sommerlich
vor mir geharkt,
Und hinter mir
blieb diese
Erdzier unverändert,
unberührt,
Du riefst dich
selber aus
Als du mich auf
dich warten
Sahst.
Ich wollte nicht in
deinen
Kopf,
Und du beschriebst
ein
Bild, das stand
darin,
Und, als ich es
doch sehen musste, durch den
Mund,
Blieb von den
Farben die
Begeisterung alleine übrig,
Sie erschreckte
sich
In einem angenehmen
Dunkel.
Aufschlag 9536
Du sprachst mit
mir,
Und ich entdeckte
einen
Schwan auf deiner
Zunge, der schwamm
ruhig
Und zufrieden,
Und du wusstest
lange schon von seinem
Aufenthalt,
Ich sollte mich um
mich
Nicht sorgen.
Aufschlag 9537
Ich stolperte
Und fiel an dich,
du schlugst mit dem
Gesicht an eine
Steinwand,
Die war viel zu
hart,
Es brach an dir das
Porzellan in
Scherben,
Die verließen dich
Und lagen unter dir
am
Boden,
Und ich konnte
meine
Schuld nicht
schnell genug
Erklären.
Aufschlag 9538
Du warst ein ganz
poröser
Mensch,
Es fiel mir schwer,
dich zu verstehen,
Deine
Oberfläche war sehr
warm
Und weich
Und glatt
Und täuschte mich,
Und irgendetwas,
das dich an mir störte,
Hattest du mir
vorenthalten.
Aufschlag 9539
Nichts geschah,
Und überall war
Ruhe,
Hier in unsrem
Zimmer herrschte
Schweigen,
Das war eine
Dunkelheit in einer
anderen,
Und mit dem
Küchenmesser stach
ich zu
Und riss ein
Loch hinein,
Das war mir lange
noch nicht tief genug,
Die
Nester lagen weit
dahinter.
Einmal sah ich dich
im
Tanz,
Du trugst ein
weißes
Stirnband, das war
aus lackiertem
Eisendraht,
Und, wie du
sagtest, fest in dir verankert,
Und es wär ein
Opfer, müsstest du
es
Irgendwann einmal
entfernen lassen,
Sei es auch um
Meinetwillen.
Aufschlag 9541
Einmal suchtest du
vergeblich,
Und du fandst noch
Vielerlei,
Das hättest du in
deinem
Leben nie gesucht,
So gabst du dich
mit mir zufrieden,
Und ich stöberte
doch immerzu in alten
Schachteln.
Aufschlag 9542
Weiße
Kerzen wuchsen an
dem Baum,
Und sie entzündeten
sich ohne fremde
Hilfe,
Und es war ein
heller
Tag, der ließ den
Schein nicht zu,
Man sah die
Lichter kaum,
Du wurdest auch
nicht wach davon,
Obwohl ich dich an allen
Zweigen rüttelte
Und schüttelte.
Aufschlag 9543
Irgendwann einmal
gerietst du in totalen
Stillstand, du
versprachst dir davon eine
Rettung,
Und die trat nicht
ein,
Ich würde dich das
nächste
Mal begleiten
Und vor diesem
Sog bewahren
Und in der
Bewegung halten
müssen.
Aufschlag 9544
Wir wussten nicht
mehr weiter,
Und seit ich in
deinem
Hause wohnte,
breitete sich der
Zerfall schnell
aus,
Was ich bemerkte,
war fast immer schon drei
Tage alt,
Wenn ich dich
ansprach,
Warst du längst auf
Reisen.
Einmal fiel ein
runder
Lichtschein in das
Zimmer unsrer
Nacht, du freutest
dich so kindlich über seine
Rückkehr, die
verstand ich nicht
Und suchte nach der
Lampe, die könnt
ich, so sagtest du,
In meinem ganzen
Leben nicht
entdecken,
Und sie blühe viel
zu selten
Und nur in der
Nacht.
Aufschlag 9546
Ich gab dir
flüchtig einen
Kuss,
Du gabst mir ganz
genau so flüchtig eine
Antwort,
Und wir dürften ja
die
Eingeschlossenen
nicht stören,
Und ich könnt von
ihrem
Aufenthalt nichts
wissen,
Und ich wusste
wirklich nichts,
Wir waren unter uns
Und miteinander
Viel zu flüchtig.
Aufschlag 9547
Du warst die
Wirklichkeit zur
Probe,
Und, wenn wir die
nicht bestünden,
Würd sie bleiben,
Und von dir war
dabei
Nicht einmal die
Rede, so brutal war
deine Probe einer
Wirklichkeit.
Aufschlag 9548
Ich sah in dein
Gesicht,
Du ahntest nichts
davon,
Ich blätterte es um
Und um
Und um
Und vor
Und blätterte
zurück,
Und endlich fand
ich mich dazwischen,
Und ich war von
deiner
Wirklichkeit
Sehr weit entfernt.
Aufschlag 9549
Ich traf dich noch
ein letztes
Mal und sagte auch,
Dass ich es müde
sei, der
Wächter eines
Luftlochs weiterhin zu sein,
Und sah, dass du
schon ganz
Und gar in einer
Glashaut lebtest,
Die war angenehm zu
tragen,
Und du trügest sie,
Seit sie dich
überfroren hatte.
Einmal nur verlor
ich meinen
Drehpunkt aus den
Augen,
Und die
Hand, die du mir
reichtest,
Flog zu schnell
vorbei,
Ich sah nur noch
ihr
Kommen und ihr
Schwinden
Und war plötzlich
nicht mehr sicher,
Wer es war,
Der sie mir
reichte.
Aufschlag 9551
Die
Warnsignale kehrten
nach
Und nach zurück,
Ich weiß, dass mein
Gedächtnis sie nun
wieder kennenlernte,
Und die
Zeit, aus der sie
stammten,
War doch längst
vorbei,
Vielleicht war das
der
Grund dafür
Und weiter nichts.
Aufschlag 9552
An dir war
Gutes und auch
Böses leicht zu trennen,
Als ich eine
Lebensmitteldose
öffnete,
Um schnell zu
essen, lag darin ein
Schlüssel,
Und ich hatte freie
Wahl:
Dort lag der
Hunger,
Und das
Schloss war mir
bekannt.
Aufschlag 9553
Du griffst nach
einem
Schmetterling, als
er die Flügel schloss
Und stillhielt,
Und ich weiß,
Dass ich dich
damals ganz genau so fing,
An meinen
Fingern blieb dein
Buntstaub haften
Bis zu diesem
Augenblick.
Aufschlag 9554
Ich öffnete das
Fenster nur ein
wenig,
Und, wenn dir die
schmalen
Träger deines
Kleides von den
Schultern
rutschten,
Hörte ich ein Volk
in tiefer
Knechtschaft durch verborgne
Ritzen stöhnen,
Deine eignen
Stießt du angelweit
nach außen auf
Und schobst die
Träger mit den Fingerspitzen
Langsam hoch.
Du klagtest über
meine
Antwort, die war
dir zu knapp,
Ich griff ins
flache
Küstenwasser
Und hob
Kieselsteine ab,
Um nach dem
Grund zu schauen.
Aufschlag 9556
Als ich dich sah,
Ich kann es gar nicht
anders sagen,
Warst du halb, du
endetest in einer
Hälfte,
Und du sagtest
auch, dass wesentliche
Teile in der andren
Ebene zu sehen
wären
Und dort
existierten,
Und, dass ich mich
umsäh, nützte nichts,
Und einen
Rat könntst du mir
Auch nicht geben.
Aufschlag 9557
Um dich herum fuhr
eine gelbe
Spielzeugeisenbahn,
die hatte keinen
Halt auf ihrem
Kreis,
Der wurde, ohne,
dass du etwas dazu tatst,
Ganz weit
Und stieß fast an
die
Zimmerwände
Und dann wieder eng
und nah,
Dass du dich
fürchtetest vor der
Berührung,
Und an mir vorbei
gab dieses
Fahrzeug regelmäßig
ein
Signal, das hörte
ich von weitem,
Und es kam auch
nicht aus deinem
Mund, den hieltst
du aufgerissen in der
Angst verschlossen.
Aufschlag 9558
Du kamst in einem
weiten, weißen
Rock
Und setztest dich,
Der leichte
Stoff stieg auf
Und legte sich auf
mich,
Und unter einer
frühen
Sonne, die sich
niederließ,
Um aus dem
See dann
aufzusteigen,
Zogen wir in uns,
um unter einer
Haut die Falten
Auszuglätten.
Aufschlag 9559
An deinem
Armreif hing ein
Kettchen,
Das würd ihn
zusammenhalten,
Sollte sich der
Reifen öffnen;
Aus den
Kettengliedern kam
der
Sommerschrei der
Mauersegler,
Und dich sah ich
auch,
Du schaukeltest
darin
Und schwangst bis
her
Zu mir.
Es war ein dummer
Weg, der lag
unsichtbar zwischen diesen
Sprechgeräten, die
benutzten wir,
Einander nah zu
sein,
Du hörtest nur das
Lagerfeuer, weil
ich es beschrieb,
Es könnte aber auch
mein
Abbrand sein,
Ich wusste nicht,
Wie wahr ich meine
Wahrheit hielt.
Aufschlag 9561
Hinter dir stand
wirklich eine
Krankheit, deine
Augen brannten
lichterloh,
Ich konnte dir
nicht helfen,
Und das
Feuer stand
geschützt im Fenster;
Als ich deine
Wange streichelte,
glitt meine
Hand auch über
schwarze
Kerzendochte.
Aufschlag 9562
Du hattest dich
kopiert
Und kamst zu mir,
Und nur an einer
Stelle warst du
nicht gut zu erkennen,
Und ich sei, so
sagtest du danach zu anderen,
Zufriedener als
sonst mit dir gewesen,
Mir verbrannte
unversehens das
Papier in offner Hand.
Aufschlag 9563
Ich stempelte im
Rausch den Kuss auf
deine Sohlen,
Schrieb auf
Pergament die neue
Zahl in eine lange
Reihe fremder Zahlen
Und war froh, noch
Platz darauf für
mich
Zu finden.
Aufschlag 9564
Mir hing die
Dunkelheit noch in
den Augen,
Deine
Nacht hieltst du
schon wieder aufgerollt im
Arm,
Du müsstest gehen
Und dir anderswo,
so sagtest du,
Die zweite
Nacht bereiten.
Ich sah von oben in
die
Nacht,
Es war der
Rosenstock, der
brachte einen eignen
Sternenhimmel,
Und die
Bilder setzten wir
hinein
Und gingen in dem
Duft spazieren.
Aufschlag 9566
Einmal hatte ich
dich überfallen,
Und du gabst gleich
nach,
Es war die
angelehnte
Tür, von der ich
noch nichts ahnte,
Und du zogst danach
mit reicher
Beute ab,
Die konntest du von
mir nicht haben,
In der
Kammer meiner
Schätze fehlte nichts,
Es häuften sich
vielmehr die
Neuigkeiten,
Die würd ich dir
irgendwann in
Ruhe zeigen.
Aufschlag 9567
Wir verglichen uns,
Und ich litt unter
einer
Vergewaltigung
durch rote Farben,
Darin warst du
eingeschlossen,
Und du tastetest
mit deinen
Fingern unsre Hälse
ab,
Erspürtest so die
Einengung der
Münder,
Und du spürtest
ihre scharfen
Kanten,
Und du
unterschiedst mich nicht
Von anderen.
Aufschlag 9568
Jedem
Schlaf an mir gab ich
noch ein
Geheimnis mit,
Von außen sah man
gleich,
Dass unser
Haus geschützt auf
hohen
Pfählen stand,
Wir hatten wirklich
keine
Angst.
Aufschlag 9569
Zuerst erkannte ich
an dem, was du an deine
Lippen drücktest,
einen
Kinderkopf,
Ich hatte mich geirrt,
Aus deiner
Brust konntst du dein
Herz entnehmen und
liebkosen
Bis zum
Tod,
Dann gabst du es,
ein wenig reuevoll,
An dich zurück.
Einmal nur
erlaubtest du an dir mir deine
Einzelheiten
anzusehen,
Und du zeigtest
deinen
Mund,
Ich musste meine
Augen dabei
schließen
Und ertastete so
fassungslose
Dinge, dass ich
mich unlösbar in dein
Lügennetz
verstrickte
Und in ihm verfing,
Ich ließ es ohne
Risse an dir
hängen.
Aufschlag 9571
Plötzlich lagst du
in der
Müdigkeit,
Die war nicht übertragbar,
Und die
Wärme deines
Körpers
War ein völlig
unpersönliches
Geschenk.
Aufschlag 9572
Dein
Haus war neu für
mich,
Ich sah die
Tür, die war dein
Mund,
Du selbst zogst dir
die
Decke über deinen
Kopf
Und fandst nicht
Unterschlupf bei
mir.
Aufschlag 9573
In einem
Baum entdeckte ich
den Vogel,
Der war aus
Papier, mit Noten
übersät,
Du lachtest über
mich
Und zeigtest mir
den
Wald, in dem wir
standen,
Alles, was ich
sähe, dich mit eingeschlossen,
Sei doch nur
Kulisse für das
kleine Tagesspiel,
Das wurde mir nicht
wahr.
Aufschlag 9574
Du kämmtest dir das
Haar, im
Garten kräuselte
sich leicht der
Regenlack, der lag
auf einem
Gartentisch,
Ich sehnte mich
nach einer
Hand,
Die müsste mich
entdecken.
In einer
Miniatur versteckt,
entdeckte ich die
Frauenaugen wieder,
Niemand durfte an
dich rühren,
Und der
Fächer deiner
Augenlider
Harrte meinetwegen
weit geöffnet aus,
Die feine
Arbeit darauf sah
ich ganz
Genau.
Aufschlag 9576
Dann hörte ich zwei
harte
Kugeln über einen
Steinfußboden rollen,
Und du bücktest
dich sofort danach,
Ich sah
sekundenlang die schwarzen
Höhlen deiner
Augen,
Und du lachtest
über mich
Und sagtest gleich,
dass sich die
Augen nicht in
unsren Augen zeigten
Und uns leicht
verließen.
Aufschlag 9577
Du zeigtest mir an
dir die feinen
Risse des Metalls,
Die drangen bis
nach draußen
Und verrieten viel
von einem tiefen
Zustand,
Den konnt man sonst nicht entdecken,
Und du
untersuchtest mich von
Zeit zu Zeit
Genau.
Aufschlag 9578
Einmal gabst du mir
in deinem
Schoß die Hand
Und führtest mich,
Es war die
Zeit, da hätte ich
dich sonst verfehlt
Und wär
vorbeigeeilt.
Aufschlag 9579
Wie hatte ich mich
nur an dir
Verletzen können,
Blut trat aus
Und tropfte auf den
Boden,
Deine
Augen flackerten
ein wenig,
Und du suchtest
irgendwie nach einem
Pflaster,
Zwischen uns zog
man die
Gitterstäbe hoch,
Du hättest sie
nicht halten können.
Klein warst du
Und unbedeutend,
Und du schwiegst,
Und durch den
See in dir sah ich hindurch,
Es waren nur die
vielen
Adern, die in andre
weit entfernte
Seen reichten
Und mich
irritierten
Und dich
einbezogen.
Aufschlag 9581
Du warst klein
Und unbedeutend
Und sehr schön,
Das ließ dich viel
bedeuten,
Und dein erster
Schritt war
ungelenk,
Der
Tageabbau nahm fast
überhand,
An dir war nichts
erforscht.
Aufschlag 9582
Du klagtest,
Dass man dich
„zermachen“ würde,
Und ich fragte
nach,
Ich kannte mich
doch aus an dir,
Du sandtest mich in
deinen
Kreuzgang, dort
befände sich ein
Innenhof, der sei
als einziges
Nach oben
Offen.
Aufschlag 9583
Wenn wir uns
begegneten,
Hing zwischen uns
als erstes dieser
Vorhang, daran
waren kleine, bunte, gläserne
Und bleigefasste
Scheiben
aufgezogen,
Die berührten sich
Und ließen, stießen
sie zusammen,
Voreinander gar
nichts hören.
Aufschlag 9584
Vor euch stand ein
Löwentier aus
Stein,
Dort kanntet ihr
euch aus,
Und unter euren
schwarzen
Augengläsern saht
ihr her zu mir
Und teiltet mich
gelangweilt auf,
Als
Zwischenmahlzeit
durfte es wohl
Reichen.
Du gingst mit mir
spazieren,
Und wir hatten
Glück, das Wetter
über uns war gut,
Und, was sich unter
uns im
Himmel tat,
erreichte höchstens unsre
Füße,
Auf der
Weide ließen wir
Gedanken, die wir
hatten, grasen,
Und ich hätte deine
Hand ergriffen,
Wäre sie mir nah
gewesen.
Aufschlag 9586
Du liebtest mich,
so sagtest du, das
Brot an mir sei
frisch
Und voller Duft,
Und kräftig waren
deine
Zähne;
Meine
Feinde saßen hinter
dir auf einer
Gartenbank und
gähnten,
Mir zur
Seite stelltest du
ein junges, völlig weißes
Mädchen, das nahm
meine
Hand
Und führte mich
davon.
Aufschlag 9587
Ratlos stand ich
nun vor dir,
…als ich dich
damals überließ…
Ich hätte die
Begegnung meiden
sollen…
Und ein
Wiedersehen, sich
wie damals wieder sehen,
War nicht möglich,
Und dein
Glockenturm war
längst schon
Abgebaut.
Aufschlag 9588
Mit meinem
Finger stieß ich
sanft in deinen
Mund, darin gabst
du mir deine
Hand, dass ich dir
nicht verlorenging,
Und die
Bewegung, die dort
herrschte,
Schlug an mich
Und konnte nichts
bewegen.
Aufschlag 9589
Du zeigtest auf ein
Standbild,
Und du zeigtest
unentwegt
Auf mich dort
drüben,
Und, bevor ich ganz
erstarren würde,
Stieg ich auf als
Taubenschwarm,
Der kreiste über
dir
Und fiel nicht ein;
Du sahst mir lange nach.
Den nächsten
Herbst, das hatten
wir uns vorgenommen,
Würden wir in einer
Farbe malen wollen,
Und ich rahmte
unsre
Zimmerdecke jetzt
schon ein,
Du brachtest von
der
Straße dieses
ausgesetzte, zahme
Tier mit heim,
Das würde unser
Neugehege
Irgendwie beleben.
Aufschlag 9591
Seltsam nahm sich
eine
Anstecknadel aus,
Du trugst sie an
dem
Kleid, sie sollte
dich, so sagtest du, an eine
Einzelheit
erinnern,
Damals wärest du
voll
Glück gewesen,
Und ich schwieg
Und ließ in diesem
Fall die Revision
Nicht zu.
Aufschlag 9592
Als ich zu dir kam,
lag dort mein
Kopf, den hattest
du
Gepflegt,
gereinigt, aufbewahrt
Und auch mit ihm
gesprochen,
Und du wolltest
nichts von den
Gesprächen zu mir
sagen,
Irgendein
Geheimnis wolltest
du mit mir
Behalten.
Aufschlag 9593
Einmal drehtest du
dich um,
Du standst vor mir
Und sahst mich
rücklings an,
Dein
Kopf lag etwas auf
der Schulter,
Und du wolltest
wissen,
Ob ich hinter dir
den
Wandkalender
fälschen würde,
Der stand offen,
ohne jedes
Datum auf dem
Tisch,
Das war dein
Werk, ich hätte es
erkennen sollen.
Aufschlag 9594
In den
Gärten wuchs ein
neuer
Schachtelhalm, der
wuchs bis in die
Bäume,
Und es war ein
Ursprung, der war
wohl versehentlich entstanden,
Und dein langes,
rotes
Haar fiel kraus in
meine
Felsenritzen,
Und es säte sich
dort aus
Und würde wachsen.
Deine
Füße hatten ein
Geländer, das war
zart und schmal,
Und nachts entstand
darin ein schwaches
Licht, das reichte
für uns beide
Aus.
Aufschlag 9596
Einmal sah ich eine
Königswürde, die
lag eingesperrt in einer
Glasvitrine,
Und du standst an
meiner
Seite,
Du warst viel zu
groß für mich
Und viel zu schön,
Und meine
Liebe bäumte sich
vor
Freude auf,
Sie galt den großen
Frauen,
Du verstandst mich
gleich.
Aufschlag 9597
Einmal zog ich
meinen
Haken aus der Wand,
Du sagtest auch,
Wie gut, dass du so
nahebei
Gestanden hättest,
Und ich wäre tief
gefallen,
Hättest du nicht
schnell genug die
Hand in meinen
Weg gehalten,
Später würde ich es
noch einmal
Versuchen,
Das versprach ich
mir.
Aufschlag 9598
Ich konnte den
Gedanken nicht
beruhigen,
Er huschte ratlos
zwischen dir
Und mir
Und übersprang die
leicht erhobnen
Hände,
Keiner von uns
beiden
Nahm ihn an.
Aufschlag 9599
Ich sagte auch
durch dieses
Sprechgerät zu dir:
Was ich zu
schreiben hätte,
Dürfte ich nicht
schreiben,
Was ich dir zu
sagen hätte,
Könnte ich nicht
sagen, wegen der
Entfernung zwischen
uns,
Ich hatte dich auf
mich gelegt,
Mein
Mund und meine
Zähne spielten an
der
Warze deiner Brust.
Einmal, wir
erinnerten uns beide,
Hatt ich dich verletzt,
Es blutete an mir,
Und doch erkannte
ich sofort die
Lust an dem
Lebendigen Verzehr.
Aufschlag 9601
Ich sah die Blume
Und an ihr die
Blütenblätter
Und den Kelch
Und nah und näher
wurde die
Entfernung,
Und ich lag doch
ohnehin schon mit den
Augen fast auf
deiner
Haut.
Aufschlag 9602
So erkannte ich den
Traum an dir,
Die
Lider gingen schwer
Und langsam auf und
ab,
Du standst vor mir,
Und meine
Antwort, die ich dir
nicht gab,
Fiel mit dem
Bergbach talwärts.
Aufschlag 9603
An deinen
Beinen wuchs ein
Flaum,
An deinen
Frauenhänden
flimmerte der rote
Schimmer deiner
Haare,
Alles war von dir
allein nach eigenem
Entwurf gestrickt,
Und alles war ganz fehlerfrei
sobald ich es
Berühren durfte,
Deine
Kunst war groß.
Aufschlag 9604
Dein schwächster
Turm war dieses
dünne Morgenkleid,
Das hatte
Wände aus Papier,
Es wäre leicht
entzündet,
Und ich griffe
leicht hindurch,
Es war der stärkste
Turm, von dem ich
je berichten könnte,
Und er hielt mich
lange ab.
Abends kamst du
dann zurück in dein
Geschirr, das legte
ich dir an
Und legte meine
Hand auf deine
Brust, um mich zu
Vergewissern.
Aufschlag 9606
Ich stehe auf
Und gehe so zur
Ruhe,
Auch das
Kissen, das du mir
herüberschiebst,
Ist heut ein
Nagelbrett,
Ich werd es lassen
müssen, diesen
Tag drauf zu
verbringen.
Aufschlag 9607
Du sahst nur einmal
zu mir auf,
In deinen
Augen zog sich um
die
Iris dieser dunkle
Kreis,
Mir gegenüber lauerte
das
Wildtier, das
beäugte mich,
Ganz leise wipptest
du mit deinem
Fuß, der stieß
dabei mit seiner
Spitze auf den
Boden.
Aufschlag 9608
Auf dem
Steintische ließ
ich einen
Stahlring tanzen,
das
Gespräch auf harter
Platte lief stets in
den Stillstand,
Als ich mich zur
Seite drehte,
rolltest du geräuschlos über unsren
Tellerrand.
Aufschlag 9609
Nachts, als deine
Augen wieder
leuchteten,
Sah ich hinein, es
waren kleine Räume,
Und dort liefen
fotographisch festgehaltene
Erinnerungen ab,
Und neben mir war
mancher
Platz noch
unbesetzt.
Du hattest einen
Liebeskoffer, der
blieb stets geschlossen,
Und du stelltest
ihn an deine
Seite,
Und ich nahm ihn
heimlich, um daran zu horchen,
Und bewegte ihn
Und schüttelte
daran
Und hörte drinnen
helles
Klappern von
Metallen,
Mancher
Raum in meinem Kopf
war unbesetzt.
Aufschlag 9611
Inzwischen
schliefst du fest,
Ich lag an deiner
Seite, dicht vor
deiner Tür
Und sah durchs
Schlüsselloch,
Und drinnen brannte
immer noch ein
Licht,
Du unterhieltst
dich angeregt mit fremden
Menschen.
Aufschlag 9612
Jetzt konnte ich
mich freuen,
Heute sah ich
wieder
Apfelblütenknospen
aus dir wachsen,
Sicher würden sie
bald springen
Und sich bringen,
Einen
Ast schnitt ich
schon vorher ab
Und brachte ihn in
meine warme
Stube,
So begegnetest du
dir vorweg
Und sahst dich
schneller reifen.
Aufschlag 9613
Morgens ging in
deinen
Haaren schon die
Sonne auf, die
Augen zogen sie als
Pferdchen in die
Höhe,
Irgendwo dazwischen
musste der geschickte
Kutscher sitzen,
Der tat alles,
Was du wolltest.
Aufschlag 9614
Dein
Brief kam mit dem
Boten,
Der war noch nicht
schnell genug, die
Seiten waren
unbeschrieben weiß,
Und in dem
Umschlag lagen alle
Worte abgeplatzt
Und abgestorben auf
dem
Boden.
Alles, alles traute
ich mir zu,
Und ein
Gebot nicht
einzuhalten
Oder im
Verbot zu leben,
Hätte mich
zerstört,
Auf deine
Fingernägel legte
ich den
Kuss, du würdest
diese
Erde, ohne noch an
mich zu denken,
Neu lackieren,
Und wer wollte nun
Beweise sammeln,
Und ich selbst war
weit entfernt, erneut
Verdacht zu
schöpfen,
Alles, alles traute
ich mir zu.
Aufschlag 9616
Heute Morgen
zeigtest du mir gleich dein
Fußgelenk
Und daran einen
Hauch des roten
Reifens, der war
Nachts gewachsen,
Und du freutest
dich,
Darüber, sah ich,
wuchs ein schöner
Mund,
Du konntest noch
nichts von ihm wissen,
Und er würde sicher
alles bald erklären,
Und wir waren sehr
geduldig,
Und wir warteten
auf ihn.
Aufschlag 9617
An deinem
Bett stand eine
Trommel,
Die war neu,
Und keiner durfte
sie berühren,
Hier, so sagtest
du, wär nun der
Tanzplatz deiner
Träume,
Sicher würden wir
bald davon
Hören.
Aufschlag 9618
Als ich zögerte,
Entstand ein Stau,
In meinem
Rücken drängte man
nun nach,
Vor mir entschiedst
du dich für mich
Und winktest mit
dem
Finger, dir zu
folgen,
Unter mir tat sich
die
Erde auf, die war
so fest,
Und über mir
entstand ein
Freiraum,
Der war so nicht zu
erreichen.
Aufschlag 9619
Deine
Hoffnung stieg,
weil du die junge
Birke sahst,
Die langte mit den
Wurzeln unter meine
Gehwegplatten,
Und du haktest dich
in meinen Arm
Und freutest dich
Und maltest unsre
Zukunft farbig
Und ein wenig
schräge aus.
Meine
Briefe waren
unterwegs zu dir,
Ich wich auch nicht
von deiner
Seite,
Und ich wollte
selber sehen,
Wie sie dich
erreichten,
Wenn sie dich
erreichten,
Und du wusstest
nichts davon
Und machtest mich
zu deinem
Boten,
Der brach auf zu
mir.
Aufschlag 9621
Zwischen uns war
alles rein,
Wenn ich dich ließ,
riss ich die voll geschriebnen
Seiten von dir ab,
Die legte ich
beiseite,
Später würde ich
vielleicht…
Doch das war jetzt
nicht wichtig,
Manchmal musste ich
mich sehr beeilen,
Draußen stand man
an
Und wartete.
Aufschlag 9622
In der
Tiefe einer
Straßenpfütze stand ein
Himmel, der war
winzig gegen mich,
Ein andres
Mal hieltst du ganz
still ein klares
Wasser in der Hand,
Ich sollte dich
draus trinken
Und ich trank
Und trank
Und trank.
Aufschlag 9623
An einem
See entdecktest du
den langen
Halm, den hatte nun
der
Wind geknickt,
Du warst so
fassungslos darüber,
Und du sprachst den
ganzen
Abend von nichts
anderem,
Tatsächlich hatte
sich zum
Horizont ein Sturm
geflüchtet,
Der hätt in der
Nacht erst kommen
dürfen.
Aufschlag 9624
Anders ist es
zwischen uns,
Ich sehe, dass du
mich betrachtest,
Dass du mir das
erste
Mal auch glaubst,
Es könnt ja sein,
dass du mit meinem
Leben etwas
anzufangen weißt,
Du legtest auch den
Stecker aus der
Hand.
Alles, was ich
ließ, das tat ich;
Wollte ich mir
Gutes tun, stieß
ich mich ab,
Und trieb davon,
Wir sahen uns im
Fenster wieder,
Und der
Zeitblick, der uns
blieb, war viel zu kurz
Und ging zu schnell
vorbei,
Man hätte uns ein
wenig
Aneinander binden
sollen.
Aufschlag 9626
Wenn sich deine
Haut mir näherte,
kam
Glas an Glas,
Ich meinte, die
Berührung müsste
Scherben bringen,
Umgekehrt sprang
ich durch jeden
Ring, den
brauchtest du nur hoch
Zu halten.
Aufschlag 9627
Vor dir hatte ich
die
Tagessinnlichkeit
verborgen,
Mit den
Augen fraß ich aus
den Winkeln,
Jede
Handbewegung, die
du für mich machtest,
Tauchte mich in
eine Waschung,
Die würd ich am
Abend widersinnlich
Trinken wollen.
Aufschlag 9628
Sonst war ich sehr
roh mit mir
Und glaubte
innerlich nicht einen
Augenblick an meine
Sinnlichkeit,
Die
Tageswunden konnten
nachts nicht heilen,
Ich verschwieg mir
selbst
Stationen meiner
Reise.
Aufschlag 9629
Das
Angebot lag
kostenlos herum,
Es war sehr schwer,
nicht anzunehmen,
Was ich nicht
begehrte;
Eine
Frau verschwieg ihr
Lächeln nicht
Und sah mich
freundlich an,
Ihr
Finger hakte wie
versehentlich in eine
Schlaufe meiner
Jacke ein.
An einem
Seidenfaden hing
ein Luftballon,
Den zogst du an der
Hand,
Und er war leicht
Und strebte hoch,
Und so empfindsam, sagtest
du, sei auch die
Zärtlichkeit des
Herzens,
Die hielt dauernd
Ausschau nach den
scharfen
Ecken.
Aufschlag 9631
Morgens küsse ich
dich in den
Nacken, der ist
regennass,
Du schlägst den
Mantelkragen hoch,
dass ich nichts merken kann,
Für mich kommst du
doch wirklich aus dem
Trockenen
Und trägst ein
Nachtgewand,
Dafür bin ich mir
selber
Zeuge.
Aufschlag 9632
Du hattest dich
verletzt,
Es war nicht
schlimm, das
Pflaster brachte
ich umsonst,
Du hattest dich
schon völlig abgeschirmt
Und saßt vor deinem
rohen
Fleisch.
Aufschlag 9633
Ganz genau
betrachtet,
War sogar dein
Mund ein Riss des
Silberfelles,
Und kein
Schneider würde
hier auf den
Gedanken kommen….
Aufschlag 9634
Du warst zerstreut
Und du zerstreutest
mich versehentlich,
Wir liefen
ineinander
Und verliefen dann
gelegentlich bergab,
Wir meinten lange
Zeit, wir hätten
uns gekannt,
Du sagtest auch,
dass du in jedem
Fall ein Kind von
mir empfangen wolltest,
Und der
Abstand wurde immer
größer.
Dann machtest du an
mir die
Absicht wahr,
Uns fest zu binden,
Dich sah ich als
Blumenbinderin,
Von mir war keine
Spur,
Ich sah uns gerne
zu.
Aufschlag 9636
Ich konnte mich
noch gut erinnern
An die
Wohligkeit in dir,
Du hattest dich das
erste
Mal mit großer
Heftigkeit
Um mich
herumgeschlagen
Und dich völlig
zugeknöpft,
Mir passte damals
jede
Kleidung, die du
Meinetwegen trugst.
Aufschlag 9637
Deinem
Lachen kam ich
nicht zuvor,
Es war der erste
Frühlingswind, an
den ich mich erinnerte,
Der stand in einer offnen Tür,
Du lachtest über
meine
Jahreszeiten;
Manche
Bilder waren
unbezahlbar,
Und sie hingen auf
dem
Gehsteig, fast
schon ungeschützt an einer
Wand, wo man sie
auch erwartete.
Aufschlag 9638
Zwischen uns sprach
niemand von
Gerechtigkeit,
Die Schale, die
dich trug, hing hoch,
Und schwierig war
es, dort
Gewichte
abzusetzen,
Einmal werde ich
dich fragen wollen,
Wie es war, so über
mir,
Wahrscheinlich
wirst du dann
Grad gehen.
Aufschlag 9639
In deinem
Haar beginnt die
Fährte, die zu
deinen Schläfen
Und zu deinen
Wangen
Und zu deinem Mund
Hin führte, meine
Hände fingen alles
ein,
Was sich bewegte,
Und wir trafen uns
gelegentlich.
Du öffnetest den
Mund, ich sah
hinein
Und auf zwei warme,
dunkelrote
Kirschen,
Und aus einer
schimmerte bereits der helle
Kern, die
Haut daran war auch
zerrissen.
Aufschlag 9641
Aus dir trank meine
Uhr,
Und sah ich auf,
begann ein
Glockenschlag mich
zu erreichen,
Der kam von sehr
weit
Und ließ mich
weithin horchen.
Aufschlag 9642
Ich fuhr an dir
vorbei
Und dachte nach,
Es mochte sein,
dass du auf falschen
Gleisen lagst,
Und ich, was wusste
ich von mir,
Ich sah zu dir,
Die
Nachbarschaft war
unbegreiflich eng,
Und die
Geschwindigkeiten
Passten sich nun
an.
Aufschlag 9643
Dann dachte ich an
mich
Und dachte auch an
mich dabei
Und an die
gottverdammte
Schüchternheit von
dir
Und wagte nicht,
dir zu begegnen,
Später sagten
andere zu mir,
Du wärest grade
satt gewesen
Und ich hätte
Glück gehabt
Und hätte recht
gedacht.
Aufschlag 9644
In einem
Tanz entfernte sich
dein Kopf
Und tanzte über
dir,
So hatte ich die
Leidenschaft noch
nie gesehen,
Sie gebot mir
Einhalt,
Und ich zog die
kleine
Brücke, die mich zu
dir führte,
Langsam wieder ein.
Mich irritiert der
Schlaf, den brachte
ich heut mit zu dir,
Auf deinem
Leib entsteht an
jedem
Platz ein
Teilgesicht, ein
Auge, deine
Nase, deine
Wangen,
Überall begegnet
dir mein
Schlaf,
Der ruht sich aus
auf dir.
Aufschlag 9646
Ich sah dich nicht
Und ging an dir spazieren,
Und die kleine
Brücke führte mich
zu deinem
Mund, der hatte
seine
Pforten angelehnt,
Sie waren leicht zu
öffnen,
Und von drinnen
rief die
Hand nach mir.
Aufschlag 9647
Aufrecht stehend
Und die
Beine in den Himmel
ragen lassend,
Und mit dem
Gesicht auf deinem
Bauch nach andren
Ausschau haltend,
Lernten wir uns
kennen,
Sonst war niemand
weit
Und breit zu sehen.
Aufschlag 9648
In deiner
Blätterkrone
konnten sich die
Tauben nicht
versammeln, deine
Zweige waren weich
Und hingen lang
herab,
Würd ich nur einen
deiner
Arme fest in mir
vergraben,
Schlüge er gleich
Wurzeln.
Aufschlag 9649
Einmal sahst du
mich in deiner
Nähe,
Und du haktest dich
gleich ein in meinen
Arm, dein
Blick stieg auf als
Taubenschwarm
Und ließ sich auf
mir nieder,
Ich war nicht, das
wussten wir, der
Herr der Welten.
Manchmal dunkelt es
zu früh,
Und manchmal zieht
die
Flut sich nicht
zurück,
Und manchmal, wenn
ich nach dir greife,
Bleibt mein
Arm ganz
führungslos an meinem
Körper hängen,
Und du richtest
dich nach meinen
Augen,
Die begreifen alles
viel zu schnell
Und lassen gar
nichts gelten.
Aufschlag 9651
Die
Nacht kamst du zu
mir
Und brachtest eine
Decke mit, die
würde für uns beide reichen,
Und ich hatte ja
ein reiches
Bett gedeckt,
Und du sprachst von
dem
Reisezug, der
könnte diesmal auf der freien
Strecke liegen
bleiben,
Und du hättest
vorgesorgt.
Aufschlag 9652
Es blieb mir noch
der
Rest zu tun,
Ich schweifte
haltlos aus,
Und tagelang saß
ich in einem Stuhl
Und war betroffen
von den
Bildern, die ich
frei ließ, die mich überkamen,
Und du sprachst
mich kaum noch an.
Aufschlag 9653
Ich sah dich an
Und sah zu dir
Und sah nach dir,
Und hinter dir
stand auch dein Bild,
Es stand vor dir
Und über dir
Und an dir
seitlich,
Und es war dein
Bild,
Das lebte ganz
natürlich rundherum
Und zeigte sich von
allen
Seiten.
Aufschlag 9654
Von einem
Tag zum andren
Warst du völlig
frei,
Und nichts
bekümmerte dich mehr,
Du trankst aus
Fingern andrer
Leute,
Und du trugst dich
fort
Und legtest dich
auf einen
Müllberg, um ganz
unter dir
Mit dir allein zu
sein.
Ich kannte ein
Rezept, das gab ich
dir,
Und es beschrieb
ein
Kinderspiel, das
wolltest du erproben
Und erschosst mich
noch am selben
Abend, weil ich nicht
mehr spielen wollte,
Und ich ließ dich
liegen
Und anwendete
Gewalt an dir.
Aufschlag 9656
Du sprachst mich
höflich an,
Und du
entschuldigtest dich auch bei mir,
Als wäre ich dir
völlig fremd, ein
Unbekannter,
Und wir hatten doch
bis heute
Zweigelebt und
zweigeteilt
Und zweigelitten
und uns zweigefreut,
Und
Rucksackgurte
liefen über deine Schultern,
Und du fragtest neu
Und ganz persönlich
nach dem Weg,
Und ob ich dir ein
wenig weiterhelfen könnte,
Und ich lernte dich
in
Wahrheit kennen.
Aufschlag 9657
Ich aß von deinem
Obst,
Du reichtest mir
ein
Messer, um es
abzuschälen,
Später zog ich dir
die
Haut mit meinen
Fingern ab,
Die
Früchte, die dir
wuchsen, fielen,
Ohne, dass ich sie
berührte, meinem
Mund zu.
Aufschlag 9658
Ich trank bei dir aus
einem leeren
Becher,
Und ich aß von
einem leeren
Teller,
Und du hattest
recht, die
Speise, die du
botst,
War reich
Und wohlgedeckt
dein
Tisch, der
Hunger sättigte mit
mörderischer
Gier.
Aufschlag 9659
Ich sah dir ins
Gesicht
Und ließ den
Schleier davor
wieder sinken,
So erschrak ich
damals, als ich dieses
Goldgeschenk aus
Angst vor seinem
Wert nicht annahm,
Und ich blieb auch
jetzt der
Räuber, der viel
schlimmer war,
Als all die
anderen.
Du hattest dir, vor
mir verborgen,
Fesseln angetan
Und lagst in meinem
Bett, die Decke
reichte deinen
Schultern bis zum
Horizont,
Du locktest mich
mit lieben Worten,
Und du reiztest
mein
Geschlecht, dass
ich dich sehr begehrte,
Und du stauntest
über mich,
Als ich dich wieder
ließ
Und dich dir
überließ
Und dir nichts ließ
Und nichts an dir
bemerkte,
Dass ich dich
verließ.
Aufschlag 9661
Ich dankte dir
Und küsste dir die
Stirn,
Ich dachte auch, du
wärest gut zu mir gewesen,
Guten Willens, würd
man sagen,
Und es federte mich
das
Metall so angenehm
Und sanft zurück,
Dass ich nicht
weiter fragte.
Aufschlag 9662
Ich erzählte dir
sehr viel vom
Flieder
Und dem nassen
Duft nach warmem
Regen
Und versteckte
deinen
Augen meinen Mund,
Der war noch voller
blauer
Blüten.
Aufschlag 9663
Morgens hatte ich
nur einen
Rest des Fells in
meiner Hand,
Du hattest dich
sonst gänzlich
Aufgefressen,
Und du herrschtest
schrecklich über dir
Und gabst nichts
ab.
Aufschlag 9664
Manchmal bliebst du
hinter
Gittern,
Ich benutzte dann
die
Stange von der
Wand, nach dir zu
stoßen,
Und ich stach nach
dir,
Das hattest du mir
aufgetragen.
Manchmal sah ich
dich dein
Herz entnehmen,
Du entließt es aus
der
Hand, es sprang vor
dir
Und spielte ganz in
deiner
Nähe,
Und es schoss beim
leisesten
Geräusch zurück,
Du nahmst es in die
Arme,
Irgendwann dürft
ich es sicher
Einmal tragen.
Aufschlag 9666
Alles sollte
schnell gehn,
Und ich drängte
dich, dein
Leib entdeckte sich
nun selbst
Und schmolz aus
deinen
Kleidern über meine
Arme,
Und du hattest in
der
Eile ganz
vergessen, deine
Flügel abzulegen,
Die bewegten sich
nur etwas,
Um sich abzuwenden.
Aufschlag 9667
Du standst an
deinem
Herd,
Und ich umfasste
dich von hinten,
Und die schweren
Eisen, die du
täglich fasstest, fielen in die
Bratenpfanne,
Und ich sah es
selbst,
Wie sie
zerschmolzen
Ohne zu
zerschmelzen.
Aufschlag 9668
Ich war voll
Ungeduld,
Und hinter dir
verwischten sich die kleinen
Wellen zur
Unendlichkeit,
Ich spannte einen
Schirm, der hielt
nichts auf,
Ich stand auch auf
der falschen
Seite.
Aufschlag 9669
Du stelltest mich
ins
Glas
Und zündetest den
Docht an mir mit
einem Streichholz an;
Nach oben, wo die
Flamme brannte, gab
es kein
Entweichen,
Und die
Augen deiner
Neugier waren rundherum auf mich
Gerichtet.
Du gucktest durch
ein winzig kleines
Fenster, darin war
kein Glas,
Du riefst nach mir,
Dass ich dir helfen
sollte,
Und aus deinem
Spiegel sei dein
Zweitgesicht
gefallen,
Und ich dürfte es
vor deinen
Augen hier nicht
finden.
Aufschlag 9671
Wir ließen viel
zurück,
Und vieles warf ich
fort,
Weil es mich
hinderte
Und weil du darum
batst;
Es war ein fremder
Hund, der wich
nicht von der Pforte
Und auch nicht von
meiner
Seite, wenn ich
fortging,
Und er nannte mir
gleich seinen
Namen,
Und er hing an mir,
Obwohl ich nach ihm
trat.
Aufschlag 9672
Als ich dich wieder
sah,
Das war von einem
Tag zum anderen,
Trugst du die
schwere
Haartracht,
Und du saßt am
Straßenrand
Und betteltest
Und sagtest auch,
Es würde sicher einer
von uns beiden
Einen
Anfang machen.
Aufschlag 9673
Deine
Hand war leer,
Ich trank daraus so
viel,
Du brauchtest sie
nicht nachzufüllen,
Und es war dir
recht,
Und deine andre
Hand bediente sich
an mir.
Aufschlag 9674
Ich ging um dich
herum,
Es war
verführerisch, was du mir sagtest,
Und ich glaubte dir
Und fand den
Rücken überspannt
mit einer Leinwand,
Und es war der
Platz, den du mir
überlassen wolltest,
Später könnte ich
mir deinen ganzen
Leib entdecken.
Wir lagen noch in unsren
morgendlichen
Betten,
Und ich griff nach
deiner Hand
Und zog sie unter
meine
Wange, die lag auf
dem Kissen,
Später, als ich
meine Augen öffnete,
Sah ich, dass du
mir diese
Hand zurückgelassen
hattest,
Und ich las auf
einem
Zettel, dass du
mich nicht hattest
Stören wollen.
Aufschlag 9676
Es war nicht zu
verhindern,
Und aus meinen
Haaren sprang ein
Feuer auf dich über
Und lief auf und ab
an dir,
Du merktest nichts
davon,
Ich deckte dich mit
allem, was ich hatte, zu,
Die
Flamme züngelte an
dir
Und wurde blau
Und schwach
Und langsam kalt,
Bis sie dich ganz
vergessen hatte.
Aufschlag 9677
Der
Mund, an dem ich
lag, war nicht dein
Frauenmund,
Der war weit über
mir
Und hatte sich
tapetengleich
Auf deinen ganzen
Leib verteilt
Und sprach von
überall mit mir,
Dass ich ihn
nirgends fand.
Aufschlag 9678
Als wir uns
begrüßten, nahm ich deine
Hand, dir zitterte
ein wenig,
Es entstand ein
seltsam dumpfer
Ton, der lief durch
deinen
Körper
Und verklang in
einer
Lichtung, die ich
noch nicht kannte.
Aufschlag 9679
Du hattest mich
beobachtet,
Ich war dir
plötzlich mittelbar,
Du würdest mich
verwerten können,
Und du dachtest an
ein
Kind von mir,
Der
Zeiger über dir
Schlug weit, weit
aus,
Du wolltest
unbedingt
Auf viel zu harten
Saiten spielen.
Wir ließen uns im
Rasen nieder,
Du begehrtest, dass
ich dich begehrte,
Und die vielen
Leute um uns her,
beachteten mit keinem
Blick das Gras
Und nicht die
Öffnungen darin,
Mir zog die
Scham das Fell auf
das Gesicht,
Ich mähte mich
Zugrunde.
Aufschlag 9681
Deine
Haare wuchsen als
ein
Netz um dich,
Ich wusste von der
Laube, die dahinter
lag,
Die
Suche musste sich
am
Ende doch noch
lohnen.
Aufschlag 9682
Es war dies
Glücksgefühl, dass
mich die
Arme nach dir
strecken ließ,
Du warst zu dieser
Zeit in andren
Dingen,
Und es blieb ein
knapper
Trost,
Ich griff nicht
mehr umsonst nach den
Vergeblichkeiten.
Aufschlag 9683
Ich suchte deinen
Mund, um ihn zu
öffnen
Und in dich zu
schauen,
Und du gabst mir
etwas nach
Und ließt mich bis zu deiner ersten
Schranke kommen,
Diese
Sperre dürfte ich
niemals passieren,
Aber etwas von dem
Vorland gabst du
für mich auf.
Aufschlag 9684
Ich lag an deinem
Herzen
Und erschrak, als
deine
Turmuhr plötzlich
schlug,
Sie war so tief in dir
verborgen,
Und ich hatte
nichts von ihr gewusst,
Ich stieg nur kurz
an deinen
Mund, flog auf
Und fiel schon
wieder ein, an dir zu
Nisten.
Einmal hattest du
dich, wie du sagtest, an der
Haut verwundet,
Und ich hob dein
Pflaster an, um nachzuschaun,
Es war ja nur der
Pfützenrand, der
auf der
Straße trocknete,
Und niemand dachte
mehr an einen
Regen letzte Nacht.
Aufschlag 9686
Ich blieb
Und blieb
Und blieb an dir,
Die
Sonne brach hervor
Und zeichnete die
Ränder scharf,
Ich wollte gar nichts
sehen,
Und ich wartete
Und wartete,
Und ich versäumte
viel an dir vor lauter
Sonne.
Aufschlag 9687
Ich weiß nicht,
Ob es dir so geht
wie mir,
Ich denke, die
Gedanken wandern
durch den
Hals in meinen Kopf
Und finden nicht
heraus,
Und immer enger wird
es zwischen ihnen,
Und in deine
Hände möchte ich
mich schütteln
Und dann sehen, was
du
Auffängst.
Aufschlag 9688
Eine lange
Zeit, so sagtest
du, wärst du
Gefangene gewesen,
Und ich hatte
Mitgefühl
Und fragte nach dem
Grund, den wolltest
du nun endlich
Von mir wissen,
Und ich hätte dir
doch
Hafterleichterung
versprochen.
Aufschlag 9689
Einmal prallten wir
mit unsrer
Wahrheit
aufeinander,
Die so sagtest du,
sei unwahr,
Und, weil ich dir
in der
Wahrheit glaubte,
zwangst du mich zum
Rückzug,
Den versprach ich
dir
Und konnte dir
nicht glauben,
Und wir stießen
immer wieder an derselben
Stelle aufeinander.
Kannst du davon
wissen, dass ich
Hunderttausend
dünnste Drähte denke,
Ob du weißt, dass
mir die langen, weichen
Haare, die du
fallen lässt, mit
Hunderttausend
Schaltungen verbunden sind,
Und ob du weißt,
wohin die
Leitungen
verlaufen,
Ob du etwas weißt…
Aufschlag 9691
Sicher würdest du
bald denken, dass die
Sitzbank viel zu
hart sei,
Dass die Kleidung
rau
Und unerträglich
sei
Und dass wir die
Notwendigkeiten
kaum beachteten,
Und sicher würdest
du bald an dich denken;
Und die
Sitzbank schliff
sich ab,
Die
Kleidung wurde
weich
Und schmiegte sich
dir an,
Und man bedachte
die
Notwendigkeiten,
Sicher würdest du
bald wieder
An dich denken.
Aufschlag 9692
Deine
Kleider waren
selbst genäht
Und gut zu lesen,
Und du hattest
einen
Umhang, der bestand
aus ganzen
Sätzen
Und erzählte nur
von dir.
Aufschlag 9693
Heute Morgen
standst du auf,
Dein
Haar verfing sich an
dem Bettgestell
Und riss den
Kopf von deinem
Leib,
Du merktest nichts
davon
Und gingst, dich
anzukleiden
Und den
Tagesweg zu deiner
Arbeit,
Und ich lag, so
regungslos ich konnte, auf der
Lauer.
Aufschlag 9694
Einmal löstest du
dich vor mir auf,
Direkt vor meinen
Augen wurdest du
mir unsichtbar,
Ich ging durch dich
hindurch
Und konnte es nicht
glauben,
Und ich sagte
nichts zu dir als ich dich wiederfand,
Du kamst
geradeswegs aus mir
Zu mir
Und mir entgegen.
Ein andres
Mal fand ich dich
unter deinen eingestürzten
Worten liegen,
Und du kämpftest
gegen sie
Und schobst sie hin
Und her, sie neu zu
ordnen,
Und ich sah dir zu
Und auch, dass sich
von mir kein
Wort auf dir
befand,
Ich wusste nichts
von der
Bedeutung,
Und ich konnte gar
nichts davon halten.
Aufschlag 9696
Nah genug erkannte
ich die kleine
Nebentür an deinem
Kopf,
Sie öffnete sich
kurz für einen
Unterlieferanten,
Der versorgte dich,
wie ich es eben sah, mit einer
Dauerkrankheit,
Davon würde man dich
nicht mehr teilen können,
Und du risst aus
mir ganz rücksichtslos heraus,
Was du gebrauchen
konntest.
Aufschlag 9697
Ich sprach von dir
Und über dich
Und blätterte an
dir
Und stieß auf eine
immer wieder neue
Nachricht,
Die war nur für
mich
Bestimmt.
Aufschlag 9698
Manchmal waren
deine
Felder leer,
Wir standen ratlos
vor dem
Spiel, dem fehlten
die Figuren deiner Seite,
Und du wolltest
alles sein zugleich
Und auch die
Spielerin,
Die konnte nicht
verlieren.
Aufschlag 9699
Du fragtest mich aus
deinem
Schlaf, ob denn
dein
Schlaf beendet sei,
Ich sagte dir die
Wahrheit,
Und du konntest
weiter schlafen
Und standst auf
Und ließt den ganzen
Tag für dich an dir
vorbei geschehen,
Und du dirigiertest
ihn durch keine
Tür.
Du warntest mich
vor
Blendung durch das
Sonnenlicht, als
ich in deine Augen sah,
Ich aber brauchte
die
Bestätigung,
Und schnell
entstand der neue
Schwarzpunkt meiner
neuen
Blindheit,
Und ich nahm sie
kaum noch wahr.
Aufschlag 9701
Du hattest dich aus
meinem
Arm gelöst,
Ich hätte darin nie
Gefahr gesehen,
Und du stiegst
sofort nach oben auf,
Ich konnte dich
nicht mehr erreichen,
Kaum gelangten noch
die
Rufe bis an unsre
Ohren,
Dann warst du im
weißen
Licht total
verblasst.
Aufschlag 9702
In deinem
Hausdach öffnete
ich eine Luke,
Die blieb schräge
stehen,
Unter einem
Sommerhut sahst du
zu mir, die
Lagerzäune waren
wirklich weit, weit fort,
Wir hatten damit
nichts zu schaffen,
Und du botst mir
deine
Schulter an zum
Kuss,
Ich küsste dort das
feine, blaue
Äderchen, das trieb
dicht oben unter deiner
Haut
Und schimmerte
hindurch.
Aufschlag 9703
In deinem
Horizont
bestelltest du die Felder,
Ich sah nichts
davon,
Doch schafftest du
in einem fort die
Früchte her, die
waren alle essbar
Und genießbar,
Und man musste sie
zuvor halbieren,
Sonst zerfielen sie
sofort zu
Staub.
Aufschlag 9704
Es ist wahr, du
hattest dieses
Graulicht in den
Augen,
Und ich gab es an,
man schrieb es auf,
Sonst hatte ich mit
dir
Nichts mehr
gemeinsam als das
Wissen um die
Augenfarbe,
Die sah ich alleine
von uns beiden,
Und du sprachst zu
mir
In fünf verschiednen
Sprachen.
Ich schreckte aus
dem Schlaf
Und sah zu dir,
Auf deiner
Seite tummelten
sich meine Träume,
Sie gehorchten mir
nicht mehr
Und waren deine
Gäste,
Mein
Erschrecken war
umsonst,
Ich musste mich
gedulden.
Aufschlag 9706
Das
Speisenmädchen
sollte lächeln,
Und es sah durch
mich hindurch, kein
Lächeln wuchs;
Die
Ferne, hinter mir,
kam ohne sich zu nähern
Auf sie zu,
Ich spürte sie fast
Wand an Wand in meinem
Rücken.
Aufschlag 9707
Hinter
Glas sah ich dich
stehen, deine
Augen waren mild
Und weit geöffnet,
Und sie kehrten
nicht zurück aus dir,
Ich hätte deinen
Blick vielleicht in
weiter Ferne treffen
Und ihn wenden
können,
Er verlor sich
hinter deinem
Rücken,
Und ich konnte
nicht dort hin.
Aufschlag 9708
Einmal riss ich dir
ein
Loch in dein
Gesicht,
Du wusstest nichts
davon,
Und trotzdem
nutztest du von nun an diese
Öffnung, um zu
sprechen,
Und ich fasste Mut
Und werde
irgendwann mein
Werk vollenden.
Aufschlag 9709
Du hattest mich
gerufen,
Und ich kam zu dir,
Du wiest mich in das
Nachbarzimmer,
Und ich ging
hinein,
Du standst ein
zweites
Mal vor mir,
Du hattest mich dir
überlassen,
Und ich blieb
Und ging zurück
Und überließ mich dir,
wie du es tatst,
Der
Weg war völlig
unverändert.
Du trugst ein rotes
Kleid und rote
Schuhe,
Und du hattest rote
Bänder in dein Haar
geflochten,
Und um deine linke
Fessel lief ein
rotes Seidenband,
Ich sah auch deinen
Mund und deine Ohren
Und die warme
Farbe unter deinen
Fingernägeln,
Und mit deiner
Zunge küsstest du
mir meine Lider;
Milde fielen mir
die schönen
Tropfen in die
Augen,
So gab sich
Ertrinken leicht.
Aufschlag 9711
Wir gingen aus, du
hattest dich in meinen
Arm gehakt, da sah
ich auf den
Weg und auch auf
deine Füße,
Und du gingst ganz
eng an mir auf einer
Wolkendecke,
Davon konntest du
nichts wissen, deine
Augen sandten ja
die
Blicke in die
Wolkendecke,
Und sie hingen fest
Und gingen dort
spazieren.
Aufschlag 9712
Diesen
Sonntag hatte ich
für mich gerahmt, die
Tür war fest
verschlossen,
Und man klopfte
nicht,
Ich hatte meinen
Sonntag rot
gestrichen,
Und die
Lieblingsfarbe
sollte mich doch nicht
Verraten.
Aufschlag 9713
Meine
Hand lag dir im
Schoß,
Ich suchte mir ein
Nest,
Ich suchte eine
warme, weiche Stelle,
Suchte einen
wolkenfreien Platz,
Das ließt du heute nicht mehr zu
Und wehrtest dich
ganz heftig gegen jede
Bettelei.
Aufschlag 9714
An dir sah ich die
Spuren eines
Einbruchs ganz genau,
Der
Türgriff, der dich
öffnen sollte, war verbogen,
Und wir wollten
nicht
Gewalt anwenden,
Die stand zu
gewaltig in der
Tür.
Einfach war dein
Herz,
Es lag herum;
In einer Schachtel,
lachtest du,
Wär es versperrt,
Man würde nicht
mehr daran stoßen,
Und es sei ein
großer
Wert, um den es
ginge.
Aufschlag 9716
Du hattest einen
Zweig im Mund,
Ich sorgte mich,
dass du versehentlich
Vergiftet werden
könntest,
Und du bliebst ganz
unbekümmert,
Und du zeigtest mir
in deinen
Lippen, die weit auseinanderklafften,
dass der
Zweig sich aus dir
selbst
Entwickelt hatte
Und an dieser
Stelle einzig aus
dir ragte.
Aufschlag 9717
Manchmal gingst du
fort,
Dann legtest du den
Schlüssel, der dich
öffnen konnte,
Einfach unter deine
Zunge.
Aufschlag 9718
Ich sah es so:
Heut fiel der
letzte
Finger von dir ab,
Er blieb am
Boden liegen, der
war weich
Und nahm ihn auf,
Dass er sofort
darin verschwand;
An deiner
Hand, das konntest
du mir zeigen,
Fehlte keiner
deiner
Finger.
Aufschlag 9719
Du stehst hinter
mir
Und flüsterst mir
ins Ohr,
Ich schreibe mit
dem
Finger Wort für
Wort in einen Luftraum,
Und das
Spruchband, das
entsteht, rollst du gleich auf,
Du willst es
anderswo verwenden,
Wo man es auch
sehen darf.
Ein
Fremder hätte über
dich gestaunt,
Und ich, ich hatte
mich daran gewöhnt,
Dass du zum
Teil
Und manchmal
gänzlich transparent den
Umgang mit mir
pflegtest.
Aufschlag 9721
Schnell schloss
sich dein
Mund,
Und deine
Lippen zogst du ab,
kein
Wort getraute sich mehr
auf die
Straße,
Und, was mich
betraf,
Nahmst du mir ab.
Aufschlag 9722
Ich lag im
Schatten deines
Schlafs,
Wir lagen also
beide unter deinen
Träumen,
Und du achtetest
auf mich,
Ich war zu neu,
Es trieben immer
wieder leichte
Blätter reinen
Goldes sanft auf unsre
Münder zu,
Sie würden uns
ersticken,
Wollte man mit
ihnen reden.
Aufschlag 9723
Wir wussten von den
großen abgerissnen
Netzen dort im
Meer,
Und uns, hier an
der
Küste konnte nichts
passieren,
Meine
Augen wachten in
der Luft,
Mit meinen
Füßen war ich
hilflos
Und auf deine
Führung angewiesen.
Aufschlag 9724
In deinem
Garten hing ein
Seil,
Das bildete die
große
Schlaufe,
Und man saß darin
Und schwang weit
aus,
Nach oben konnte
niemand mehr das
Schaukelende
finden,
Es verlief in
unsichtbarer
Höhe, du
versuchtest dich darin,
Ich ahmte alles
nach.
Du saßt auf einem
Koffer, der stand
mir im Weg,
Du warst die
Spitzentänzerin,
Die hielt auch ihre
Füße jetzt im
Stillstand
senkrecht.
Aufschlag 9726
Als du mich verlassen
wolltest,
Stelltest du den
Koffer in das
Zimmer,
Und ich musste dir
den
Abschied geben,
Und der
Koffer fiel zur
Seite
Und sprang auf,
Du hattest nichts
darin als eine
Leere,
Und die schüttetest
du, ohne es zu wollen,
Auf mich aus.
Aufschlag 9727
Einmal wollte ich
dich doch ertappen,
Und du stahlst mir
die
Gedanken, ohne mich
zu wecken,
Ich, so sagtest du,
sei noch weit draußen,
Und die grünen
Segel
Müsste ich noch
erst erfinden.
Aufschlag 9728
Ich liebte die
Gesprächigkeit an dir,
Aus deinen
Augenwinkeln schoss
dein Blick,
Ein
Tänzer ließ die
Beine über eine
Brüstung hängen,
So sprachst du mit
mir,
Ich saß dir ganz
alleine auf der
Sitzbank gegenüber.
Aufschlag 9729
Einmal sah ich dein
Gesicht,
Es lag in meinen
Händen,
Und ich neigte mich
zu dir,
Das
Wasser stand nicht
still
Und löste
augenblicklich
Alles wieder auf.
Die
Händlerin hielt mir
die
Blumen in den Weg,
Ich lehnte ab,
Erst, als ich dich
erkannte,
Musste ich dich
wirklich leugnen,
Und ich lief zurück
Und sah dich an
Und hatte mich nun
doch geirrt.
Aufschlag 9731
Ich stand in deiner
Tür,
Und du probiertest
ungeniert dein
Tageskleid,
Das trugst du nicht
auf deinem
Leib,
Und dein
Gesicht kam
ausgewählt
Aus einem
Kleiderschrank.
Aufschlag 9732
Du schliefst dabei
Und nahmst es hin,
Und später zog ich
auch das
Nachtkleid wieder
über dich,
Du strecktest nicht
einmal die
Hände nach mir aus,
Und die
Tapetenmuster
hielten sich ganz
Unverändert.
Aufschlag 9733
Einmal flüstertest
du mir ins
Ohr,
Ich küsste deine
Hand
Und schob dich ab,
An meinem
Kartenhaus sah ich
den
Einsturz, der
vollzog sich über Stunden,
Und er war nicht
aufzuhalten.
Aufschlag 9734
Du harktest schmale
Wege, die verliefen
durch dein
Haar,
Mir machtest du nichts
vor,
Ich kannte mich gut
aus an dir
Und lief durch
deine
Gärten
Und entdeckte alle
Brunnen
Und verspielte
Und verträumte
Plätze, die würd
ich dir gerne zeigen.
Du fragtest mich
nach meinem
Mond,
Den konnte man doch
sehen,
Und ich hatte auch
gesagt,
Dass ich ihn nur
dorthin geworfen hatte,
Um ihn loszuwerden,
Und ich wusste,
dass du deinen eignen
Mond für mich
versteck hieltst.
Aufschlag 9736
Ich kenne das
Gefühl, von dem du
redest,
Und ich gehe oft
aus mir
Und fort
Und überlasse dich
dir ganz.
Aufschlag 9737
Die
Welt, in der wir
wohnten,
War unendlich weit
entfernt
Von unsrer
Welt.
Aufschlag 9738
Auf dem
Fenster steht der
Wind,
Die
Fenster runden sich
Und werden gelb
Und haben in der
Mitte einen
schwarzen Punkt,
So siehst du mich
mit
Möwenaugen an,
Die bleiben starr,
Und unverbindlich
redest du mit mir,
Die weißen
Flügel legtest du
mir vorher schon um meinen
Hals.
Aufschlag 9739
Die
Flut kam an mein
Bett,
Du neben mir,
bliebst noch verschont,
Am
Morgen war es umgekehrt,
Und deine
Sorgen legtest du
auf mich,
Zum
Abend, sagte ich,
müsst man die
Dinge klären,
Sicher würden wir
uns irgendwann
Erneut begegnen.
Ich legte meine
Hand auf dich,
Die glitt schnell
über alles hin, die
Landschaft unter ihr
war sanft
Und schon zu weit
entfernt,
Du warst in voller
Fahrt auf mich
geschleudert
Und schon wieder
abgeprallt.
Aufschlag 9741
Einmal, als ich
dich verließ,
Du lagst ja links
von mir,
Lagst du auch
rechts
Und hieltst mir
schnell den
Finger auf den
Mund, damit ich schwieg,
Ich kam nun auch zu
dir,
Und auf der andren
Seite warst du
eingeschlafen,
Und ich nahm dich,
Wie du es
verlangtest,
Noch einmal.
Aufschlag 9742
Ich faltete ein
Stück Papier
Und hielt es mir
vor Augen,
Zwischen uns
entstanden
Zeichen, die sich
niederschlagen sollten,
Und ich gab uns
beiden gleiche
Teile ab,
Und jeder musste an
dem anderen entziffern
Und es
niederschreiben.
Aufschlag 9743
Niemand sprach ein
Wort,
Ich war dir gut, so
wie du mir,
Wir hingen schon
seit langem auf das
Holz gemalt an
einer glatten Wand,
Die tat sich
schwer,
Uns immerfort zu
tragen.
Aufschlag 9744
Ein
Schleppkahn schob
sich unter unsre
Brücke,
Und wir gingen auf
die andre
Seite, um ihn zu
erwarten,
Und ich wusste
schon,
Obwohl du hier an
meiner
Seite standst,
Du würdest auf dem
Fahrzeug liegen
Und zu uns nach
oben winken,
Und kein
Kahn kam an.
Einmal tötete ich
mich,
Wir gingen nebenher
Und sahen uns nur
zu,
Ein andres
Mal müsst ich dich
Übersehen.
Aufschlag 9746
In der
Stadt lag Licht auf
den Kanälen,
Und vor deinem
Fuß saß eine junge
Katze,
Auf den
ausgestreckten
Finger fiel ein
scharfer
Strahl, der ließ
ihn feuerrot erscheinen,
Und wir hatten uns
Gewarnt.
Aufschlag 9747
Du kamst zurück aus
deinem
Garten,
Darin stand der
lange Sommerregen,
Und die nassen
Bilder hatte er an
dich gehängt,
Mir blieb kaum
Zeit für diese
Galerie.
Aufschlag 9748
Der
Philosoph war
Kugelschnitzer,
Irgendwann würd ich
ein zweites
Mal beginnen dich
zu lieben
Und zuvor die alten
Nester von dir
reißen müssen,
Und es eilte nicht.
Aufschlag 9749
Du ließt mich wieder raten,
Und es war das
erste
Mal, dass ich an
deiner
Brust den eignen
Herzschlag hören konnte
Und ihn auch
erkannte,
Und es schlug mein
Herz
Und schlug
Und schlug
Und schlug ganz
unersättlich,
Und in mir hielt
alles seinen
Atem an.
Weil du zu mir
schwiegst, bedachte ich,
Es könnte sein,
dass du an einem
Ende noch gefroren
Und am andern Ende
in der
Schmelze seist,
Dein
Schweigen konnte
dich in jedem
Fall verraten,
Und ich blieb noch
lange auf der
Hut
Vor dir.
Aufschlag 9751
Du flogst oft aus
Und kamst mit süßen
Worten wieder,
Später sah ich,
weil ich sehen musste,
Dass du sie dem
Kehrreim unsrer
Kinderlieder nahmst,
Die sang sonst
keiner mehr.
Aufschlag 9752
Als du heimkamst
Redetest du mir von
Städten
Und von Ländern
Und von Menschen,
die uns nahe wären,
Und ich ging hinaus
Und fand
tatsächlich alles vor der
Eingangstür
gestapelt.
Aufschlag 9753
Du saßt an eine
Wand gelehnt, auf
deinem
Kopf saß ein
Gerät, das du
genosst,
Und deine
Augen waren fest
geschlossen,
Und ich liebte dein
Gesicht und küsste
es, dein
Kopf schwang weit
zur Seite aus
Und pendelte sich
ein,
Es mochte sein,
dass du dort drinnen
Feste feiertest.
Aufschlag 9754
Du nähtest
Knöpfe auf die
eigne Haut,
Die saßen fest
Und würden halten,
Und ich war
verzweifelt über dich
Und weinte
bitterlich
Und wusste keinen
Rat.
Meine
Kehle war fest
zugeschnürt, die
Worte saßen
eingeklemmt,
Du sprachst so froh
mit mir,
Und auch vor einem
Spiegel
War an mir nichts
zu erkennen.
Aufschlag 9756
Ich streckte meine
Hand nach dir
Und fand es wahr,
der
Raum war noch von
dir gefüllt,
Schon einmal griff
ich ahnungslos ins
Leere.
Aufschlag 9757
Um eines
Abenteuers willen beugte
ich mich über einen
Blumenstrauß
Und atmete die
Düfte,
Dabei sah ich auch
den
Ring an deinem
Finger,
Und kein andres
Mal als jetzt, so
sagtest du,
Sei es wohl besser
das
Geheimnis mit in
unsren
Schlaf zu nehmen.
Aufschlag 9758
Wir gingen durch den
Regen,
Und an dir war
nichts mehr umzublättern,
Durch die
Seiten schlug die
Schrift,
Ich nahm dich heim
Und hatte
Angst, dich aus
Versehen
Einzureißen.
Aufschlag 9759
Damals gab ich dir
den ersten
Kuss,
Vielleicht war es
auch umgekehrt,
Auf einem unsrer
Münder stand der
Sand,
Wir wären fast
daran
Ertrunken.
Halb war unsre
Hängebrücke zu
begehen,
Und der
Rest bestand
vorerst aus stramm gespannten
Seilen,
Und du wohntest in
dem
Haus
Und ich in einem
Apfelbaum,
Wir suchten beide
von den
Früchten, die uns
gegenüberlagen,
Welche zu erlangen.
Aufschlag 9761
Einmal liebten wir
uns sehr,
Ich dachte so von
dir
Und du von mir,
Im
Vorhof lag die
abgestürzte Glocke,
Deren
Riss lief durch die
Bandschrift.
Aufschlag 9762
Wir wollten aus den
Gläsern trinken,
Und wir hatten kein
Getränk,
Ich ließ auf jeden
Boden der Gefäße eine
Kugel rollen,
Die erinnerte uns
immerzu
An alles.
Aufschlag 9763
Als ich dich küssen
wollte,
War ich ungestüm
Und drang in deinen
Mund,
Der war gefüllt mit
kalten, runden, weißen
Marmorkugeln,
Die ergossen sich
auf mich
Und überrollen
meinen
Ansturm.
Aufschlag 9764
Dich trug ein
großes, weißes
Pferd,
Stolz saßt du auf
Und sagtest auch,,
Dass ich dir nichts
zu glauben brauchte,
Und ich sah,
Du hattest dich in
deinem
Bett hoch
aufgerichtet,
Und die
Zügel führtest du
sehr stramm.
Ein leichter
Wind entstand,
Ich wachte auf,
Du schlugst mit
deinen
Flügeln, die
bedeckten mich nicht mehr,
Der
Tag begann für dich
mit einem
Freiflug.
Aufschlag 9766
Hier in deinem
Schoß belebte sich
der Himmel,
Jetzt sah ich durch
Holz
Und traute mich dem
Spinnweb an,
Der
Selbstmord dauerte
nur noch
Sekunden lang.
Aufschlag 9767
Der
Raum an sich ist
ohne Farben,
Und ich griff noch nachts
nach dir
Und fand den
Schalter nicht,
Du legtest deine
Hand auf meine,
Die verhakte sich
in deinem
Schoß,
Der
Taubenschwarm war
aufgestiegen,
Und ich hörte an
dem
Rauschen, dass er
seine Kreise zog,
Er traute sich
nicht
Einzufallen.
Aufschlag 9768
Der
Raum an sich ist
ohne
Fallen,
Und wir stehen
waagerecht, die
Füße zeigen in den
Horizont,
Wir liegen, stehen
unverkrampft,
Es ziehen uns
Gewichte etwas in
die Höhe,
Alles gleicht sich
aus.
Aufschlag 9769
Einmal hatte ich an
dir versagt,
Und meine
Wunde offenbarte
sich,
In deinem
Spiegel fandst du
nichts an dir
Und ordnetest die
Kleider, die dich
trugen.
Du wolltest sicher
sein
Und sahst durch
Fingerritzen,
Und ich lebte
rückhaltlos in meiner
Traurigkeit,
Selbst das war viel
zu viel,
Und von der
Quälerei
Stahlst du mir
etliches.
Aufschlag 9771
Du hattest viel
gelernt
Und legtest deinen
Arm um meinen Hals,
Wir lebten sonst in
sehr entfernten
Welten weit von
uns,
Und in den
Armen
Sahen wir uns kaum.
Aufschlag 9772
Mit meinem
Schuh verwischte
ich den
Kreidekreis auf
deinem Straßenpflaster,
Nur dich selbst
ließ ich mit einer
Nadel festgesteckt
in einer
Mitte stehen,
Jede
Orientierung hatte
ich verloren.
Aufschlag 9773
Ich saß dir
gegenüber,
Und ich überraschte
dich,
Du hattest nicht
mit mir gerechnet,
Neben uns bediente
jemand einen
Horizont,
Den fuhr er nur für
uns
Herein.
Aufschlag 9774
Eines fiel mir an
dir auf
Und irritierte
mich,
Ich sah auf deine
Schuhe
Und in dein Gesicht
Und sah auf deine
Kleider,
Und ich fand es
nicht,
Und meine
Kräfte gingen mir
mit einem
Schlag verloren.
Deine
Liebe, sagtest du,
sei sonder jeden Fall,
Und ich verstand
dich nicht,
Auch meine
Liebe war ein
Sonderfall
Und galt hier gar
nichts,
Gegenseitig
garantierten wir uns unsre
Unschuld.
Aufschlag 9776
Es ging so schnell,
Und ich besuchte
dich
Und war gleich
außer mir
Und blieb
Und ging zugleich
Und war dir
untertan
Und über alle
Maßen über dich
empört
Und küsste deine
Füße,
Und du wehrtest ab
Und wolltest es
nicht lassen,
Und du legtest
deinen
Nacken unter meinen
Mund.
Aufschlag 9777
Nachts erwachte
ich,
Wir lagen schräge
im
Geröll,
Mit meinen
Händen griff ich in
den Hang
Und rutschte
langsam ab,
Und du an meiner
Seite lagst so
schwerelos
Und fest,
Mit etwas
Mut hätt ich mich
an dir halten können.
Aufschlag 9778
Es kam ein
Wort, das stieg
noch etwas auf,
Bevor es niederfiel
Und schwemmte über
mich,
So steinern war ich
nie zuvor gewesen,
Und ich kämpfte nicht
mehr um mein
Überleben,
Und ich sah mich,
weil ich nichts mehr sehen konnte,
Nach dir um.
Aufschlag 9779
Wir waren zwei
Skulpturen,
Und wir kamen gut
voran mit unsrer
Arbeit aneinander,
Auch das
Werkzeug, das wir
füreinander hatten,
Wurde immer feiner.
Du schliefst
sofort, dass ich das erste
Mal den
Sternenhimmel über dir erblickte,
Und die langgezognen
Silberwolken
rollten fast geräuschlos über dich,
Der
Strand lag dir
Und mir zu
Füßen.
Aufschlag 9781
Morgens lag ein
Roststaub unter
deinen Augen,
Der begann im
Sonnenlicht ganz
sanft zu blinken,
Und zum
Abend wandelte er
sich zum
Blankmetall,
Die
Nacht stand noch
bevor.
Aufschlag 9782
Wir hatten es mit
Licht versucht
Und mit der
Nacht,
Es war umsonst
gewesen,
Nun begegneten wir
uns im
Zwischenraum, der
stieß an uns,
Wir wussten nichts
von seiner
Existenz
Und nicht, wie
lange er anhalten würde.
Aufschlag 9783
Um dich her liegt
Glas, es ist noch
unzerbrochen,
Und ich wage nicht,
dich anzuschaun,
Du sagst auch,
Dass es
unzerbrechlich sei
Und sagst, es fehle
dir die
Lust ein Glas zu
rahmen,
Wenn es sich vor
gar nichts stellt
Und nichts zu
schützen weiß.
Aufschlag 9784
Einmal schwang in
mir der tiefe
Ton des
Saiteninstrumentes,
Und du stelltest
mich auf dich,
Dass ich mich
übertrug,
So brachst du mittendurch für mich
Und in zwei
Hälften.
Abends häuteten wir
uns
Und tauschten unsre
Kleider,
Viele
Leute kamen, um uns
zuzuschauen,
Und sie sahen nicht
das
Wort
Und konnten auch
nicht glauben,
Was wir zeigten.
Aufschlag 9786
Morgens, als es
heller wurde,
Sah auch ich an dir
die hellen
Flecken,
Und du hattest
dich, so dachten wir,
An mir verbrannt,
Und wirklich war es
so,
Dass unter dir die
Glut schon Löcher
fraß.
Aufschlag 9787
Ich rief in deinen
Mund den Widerruf
Und dachte auch,
Von hier wär wohl
der
Weg zu deinem
Herzen
Schnell und kurz.
Aufschlag 9788
Ich zuckte kurz mit
meinen
Schultern,
Und du sahst mir
aus dem
Spiegel zu,
Wir hätten gern
gewusst,
Wer von uns beiden
was gefragt,
Wer unbefriedigt
bleiben musste.
Aufschlag 9789
Wenn ich heimfand,
War es dir schon
recht,
Und du warst immer
hier;
Ich fragte dich ja
auch nicht,
Wo du bliebst, wenn
du in meinen
Armen lagst,
Und nicht, an wem
du dich und was
Mit deinen
Händen festhieltst.
Früher schrie ich
einmal laut nach
Zärtlichkeit,
Und das war falsch,
Der
Raum, in dem ich
mich befand, war hohl,
Und er verstärkte
jeden
Laut zu einem
ungeheuren
Sturm,
Der hätte töten
können.
Aufschlag 9791
Du hieltst den
Morgenmantel mit
den Händen zu,
Das tatst du nur um
meinetwillen,
Und du kanntest
dich gut aus an mir,
Dann ließt du deine
Hände fallen
Und ich biss in
deinen
Schoß,
Wär ich von dir
erwählt,
Hätt ich mein
Leben so nicht
zeigen dürfen.
Aufschlag 9792
Du spielst mit der
Kastanienfrucht,
die rollt von einer
Hand zur anderen
Und ist so
dunkelblank geflammt,
Das ist, sagst du,
der
Kopf der Weisen,
Der taugt morgen
nur noch für die
Spielzeugschnitzerei,
Und ich entreiß sie
dir
Und schneide in die
Schale einen
Scherenschnitt, der
steht in deinem
Rücken an der Wand.
Aufschlag 9793
Dann gibst du mir
die
Hand
Und bietest mir
noch mehr
Und überredest mich
Und mein Gewissen,
Und du überlässt
dich mir nun ganz
Und kommst, so
sagst du, später wieder,
Um dich abzuholen.
Aufschlag 9794
Dies war der
Aufschub zwischen
uns,
Du kamst am Morgen,
Und ich weiß genau,
dass dieser
Tag erst morgen
seinen
Anfang nehmen wird,
Und gestern war es
So wie heute.
Die
Kleidung war ganz
einfach, du trugst
Weiß und
Dunkelblau,
Und deine
Haut war weiß,
nicht hell,
Und dunkelblau war
deine
Zunge,
Jede
Leibesöffnung,
alles, was du dachtest, selbst das
Weiß der Augen war
fast schwarz,
Ich musste dich
bemerken.
Aufschlag 9796
Als ich dich fragte,
standst du auf, das
Feuer, das ich
legte, leckte auch nach meinem
Rücken,
Und ich brauchte
keine
Unschuld zu
beweisen,
Irgendwann würd
sich das
Feuer selbst
verzehren,
Und du achtetest
nicht mehr auf mich.
Aufschlag 9797
Neben uns fiel
jemand in das
Gras
Und war erschöpft,
die
Steigung war zu
stark gewesen,
Wir hier oben
fürchteten den
Rückweg, der ging
steil bergan,
Das
Ende war nicht
einzusehen.
Aufschlag 9798
Einmal stieß ich an
das
Blech, das lag zu
deinen nackten, bloßen
Füßen,
Und du wusstest
nichts darüber,
Und ich sagte dir,
dass ich kein
König sei
Und dass das
Blech schon lange
nicht mehr
Glühe.
Aufschlag 9799
Morgens sah ich dir
in deine
Hände,
Und du kleidetest
dich an
Und führtest mich
auf deine
Weise sicher über
dich
Und gut zu mir
zurück,
So lernte ich dich
kennen.
Damals lösten wir
uns voneinander,
Und wir machten
eigentümliche
Bewegungen,
Was ich an
Schwere annahm, was
mich fast zum
Stillstand brachte,
Führte dich an eine
ungeheure
Schnelligkeit,
Und du gestandst
dir alles ein,
Und du befreitest
dich für dich
Und keine
Lüge sollte stehen
bleiben,
Und du gabst mir
Nachricht.
Aufschlag 9801
An dir, in dir, um
dich, fand ich
Geröll und viel
Gestein,
Das war
herabgestürzt
Und lag auf halbem
Weg, es sollte
mich, so sagtest du,
Nicht schrecken,
Und du wolltest mir
mit deiner eignen
Hand, den Eingang
räumen
Und den
Füßen alles ebnen.
Aufschlag 9802
Wir fragten auch,
was nach uns wäre,
Und ich schaute
hinter dich,
Es war ja alles
leer,
Du lachtest über
mich,
Und ich verbot es
dir, in meinem
Rücken nachzusehen.
Aufschlag 9803
Als ich dich nahm
Und du dich etwas
wehrtest,
Alles war dir
gleich
Und wiederholte
sich für dich,
Als ich dich nahm,
kam mir auch der
Gedanke an ein
Bettelweib,
Das wäre leicht zu
pflegen,
Und es hätte keine
Risse.
Aufschlag 9804
In deinen
Augen fackelte der
Horizont die
Abendsonne ab,
Auf meiner
Regenwand entstand
der späte
Regenbogen,
Der ließ seine
Farben prächtig
aus.
Auf deinem
Schwarzschuh trugst
du eine kleine, rote
Schleife, gestern
Abend küsste ich an
dieser Stelle deinen Fuß,
Ich wusste nicht,
Dass sich der
Lochfraß so schnell
zeigen konnte.
Aufschlag 9806
Dann bedachte ich
dein
Herz, du sprachst
von dünner Wandung
Und von dünner
Haut,
Und auch von
zweimal
Haut,
Das sei dann
doppelt
Haut.
Aufschlag 9807
Wir sprachen nicht,
Und die
Gedanken tauschten
sich ganz ohne unser
Wissen aus,
Von außen, sagte
man, dass unsre
Köpfe ineinander
steckten,
Und ich sah dir gern
so nah wie möglich in die
Augen,
Und die
Wimpern streiften
Und verhakten sich
ein wenig.
Aufschlag 9808
Wir litten beide
einen
Tageshunger, der
war mörderisch,
Und unsre
Speise konnten
andere nicht führen,
Und die
Länge unsrer Arme
reichte nicht von
Mund zu Mund.
Aufschlag 9809
In der
Nacht verrietst du
mir ein
Licht, das
schimmerte ganz schwach aus dir,
Du flüstertest mir
zu, dass jener
Untergang nur
unsertwegen
Noch nicht ganz
ertrunken sei,
Wir wollten beide
etwas
Nachsicht nehmen.
Später kam die
Flut,
Wir zogen uns vom
Strand zurück,
Und deine langen
Haare löste dir der
Wind,
Sie stiegen auf
Und reichten in die
größte
Höhe, deine
Krone ging
verloren,
Und du sagtest
gleich, dass es nicht
Schade darum sei.
Aufschlag 9811
Einmal sagtest du,
du wärest mir ein
Zufluchtsort und
nicht
Belohnung,
Davon könnte ich
nicht reden,
So ertapptest du
mich doch,
Und du verdammtest
diese, meine
Schwäche nicht
Und wurdest eine
starke
Siegerin,
Die zeigte sich nun
voller
Demut
Und genoss das
Unterliegen.
Aufschlag 9812
Die
Wassernebel
reichten schnell an uns heran, der
Tag blieb grau und
feucht,
Du standst vor mir,
die
Frau in deiner
Eingangstür war nackt
Und spielte
unablässig unentschlossen nur den
Anfang einer
Melodie,
Die würde ich gern
weitersingen wollen.
Aufschlag 9813
Als ich dich sah,
fiel mir der
Rocksaum wieder
ein,
Er war, das gebe
ich nun zu, einst
Grenze, Laken unter
mir
Und
Anfang eines
Abenteuers,
Ende eines
Fluchtseils, das nicht reichte,
Scheuerleiste für
die umgenähte
Rettung,
Und du kleidestest
dich um
Und hingst dich
neben deine vielen andren
Kleider.
Aufschlag 9814
Dann gab ich nach
Und ließ dir eine
Botschaft bringen,
Mir war dieses neue
Wissen unbedeutend,
Und du ludst mich
ein
Und überraschtest mich
mit dieser
Botschaft,
Und du gäbest nach
Und stimmtest zu,
Ich dürfte von dir
nehmen,
Alles, was ich
wollte,
Und ich blätterte
in dir herum
Und blieb an keiner
Stelle hängen.
Gestern nahm ich
mir die
Pflicht, von dir
getrennt zu sein,
Darüber lachtest
du,
Du legtest deinen
Kopf ins
Gästezimmer,
Und ich selbst
vermied mich diese
Nacht,
Am
Morgen zeigtest du
mir gleich dein altes
Lager, das lag
neben meinem,
Und es war zerwühlt
Und noch voll
Leidenschaft,
Das konnte von uns
beiden, wussten wir,
Nicht sein.
Aufschlag 9816
Jemand rief dich
aus,
Du wolltest dich
schon melden,
Und ich hielt dich
fest
Und unterdrückte
dich,
Und ohne deine
Antwort abzuwarten
War man es
zufrieden,
Es war so,
Wie man von dir
erwartete,
Von mir war nicht
die
Rede.
Aufschlag 9817
Deine nassen
Haare hingen lang
Und über deine
nackte
Brust,
Dort kräuselten
sich gleich die Wellen,
Und ich sah dir zu,
Und vor mir stand
die
Frucht der
Phantasie
Und das von mir
gefällte
Urteil.
Aufschlag 9818
Wir litten beide
unter diesem heißen
Licht,
Das kam nicht mehr
von außen,
Und wir zogen uns
zurück in eine dunkle
Kammer,
Die wies uns sofort
als
Strahlenquellen
Aus.
Aufschlag 9819
Du sangst das
Lied des Hauses,
Welches in dir
wohnte,
Und es wohnte tief
in dir,
Ich hätte sonst in
meinem
Leben nichts davon
erfahren.
Wir saßen einmal
eng an eng in unsrer
Stube,
Meine
Hand lag dir im
Schoß,
Mein
Mund versuchte
deine Brust,
Und deinen
Atem bliest du mir
mit spitzem
Mund, noch
körperwarm, in meine
Haare,
Ja, wir saßen eng
an eng,
Und auf uns fiel
der erste
Schnee.
Aufschlag 9821
Ich suchte nach dem
Mittel,
Und ich fand es
nicht,
Du machtest mir zum
Trost aus deiner
Hand die
Schale,
Und ich durfte
daraus
Trinken.
Aufschlag 9822
Du empfingst von
mir am
Abend
Und gebarst am
andren
Tag,
Du zeigtest mir die
Frucht bei
Tageslicht,
Und du und das, was
du mir zeigtest,
Waren schreckliche
Geschöpfe, ihr wart
eins
Und doch zugleich
geteilt,
Und abends hatte
ich doch nichts
Davon gewusst
Und dir nichts
angesehen, weiße
Laken hatte ich
genug,
Die wolltest du
nicht haben.
Aufschlag 9823
Mit einer
Herbstzeitlosen kam
die dunkle
Jahreszeit zu mir,
der
Wind ließ seine
Brandung über meinen
Garten rollen,
Ich verlangte nur
von dir, mich so zu lassen,
Ohne jede
Häuslichkeit
Und ohne die
Geborgenheit,
Die du mir botst.
Aufschlag 9824
Es war die
Frage nach den
weißen
Tüchern, die du
nähtest, offen,
Nichts verrietst du
mir,
Es blieb, wie du es
wolltest
Und es machtest,
Und der
Sinn, so sagtest
du,
Würd sich uns
sicher offenbaren
Und nicht lang
Verschlossen
bleiben.
Wir lagen
ineinander,
Jeder von uns
beiden lag in jedem,
Um uns her war
Dunkelheit,
Wir waren hier
allein in unsrer
Liebe,
Und die
Stimmen, die wir
hörten, kamen aus demselben
Raum
Und sicher nicht
von uns,
Wie lauschten
angestrengt nach
Draußen.
Aufschlag 9826
Schon flog ich
zurück zu dir,
Kaum dass ich dich
verlassen hatte,
Und ich stand erst
in der
Tür, die ging nach
innen auf,
Und ließ mich ein.
Aufschlag 9827
Ich fragte dich,
Du sagtest: „Ja“,
Dann fragte ich
dich umgekehrt
Du sagtest wieder:
„Ja“
Und meintest beide
Male mich,
Die
Fragen, die ich
stellte,
Hätten dich
betreffen können.
ISBN 3-937264-31-0