ISBN
3-937264-30-2
Gürtel
der Meteoriten
Lyrik.
10.000
Aufschläge
Band
19: Aufschläge 9001 - 9500
Harald Birgfeld
"Es lohnt sich, einmal einen heutigen Dichter kennen zu
lernen, der mit der deutschen Sprache einen faszinierend fremden Weg betritt
und trotzdem dem Leser Freiraum lässt für eigene Gedankengänge, ohne dass die
Probleme in erhobener Zeigefingermanier zu zeitkritischen Trampelpfaden
werden." (1986: Gutachten).
Harald Birgfeld,
von Beruf Diplom-Ingenieur, schrieb die meisten seiner Gedichte während der
morgendlichen Fahrt mit der Hamburger S-Bahn zur Arbeit. Seine Texte entstanden fast immer bereits in
endgültiger Form.
Copyright
2009
beim Autor, Harald Birgfeld, alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieser
Veröffentlichung darf ohne schriftliche Erlaubnis des Herausgebers, Harald
Birgfeld, reproduziert werden. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen,
Übersetzungen, Verfilmung und Einspeicherung sowie Verarbeitung in
elektronischen Systemen.
Herausgeber,
Autor, Redakteur: Harald Birgfeld. Über e-mail: Harald.Birgfeld@t-online.de.
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bis Aufschlag 9500 |
Aufschlag
9001
Ich fand dich schon das zweite
Mal
umarmt mit deinem eignen
Schatten,
der war blendend weiß,
Dass
deine
Augen
davon tränten.
Aufschlag 9002
Immer leerer wurde das
Gesicht
von dir,
Und
schließlich blieben nur die
Augen
übrig, die sich
Schrecklich
öffneten
Und
zu mir schrien.
Aufschlag 9003
An deinen
Kleidern
schlug das
Blutlicht
hoch,
Du
hieltst die blasse
Hand
ganz dicht vor meine Augen,
Und
die grelle
Sonne
stand dahinter.
Aufschlag 9004
Von nun an sahn wir uns von allen
Seiten,
auch von oben
Und
von unten,
Und
es konnte uns an uns
Nichts
mehr entgehen.
Du hängtest deine
Zeit
mit mir, so sagtest du,
In
eine Schaukel,
Und
es wäre immerfort ein
Schwung
darin,
Und
überhaupt verschwiegst du meine
Angst
vor einem
Überschlag.
Aufschlag
9006
Unter mir stand diese dumme
Krankheit,
Und
ich sprach davon,
Und
du und einer deiner
Helfer
gruben meine
Erde
um,
Und
ich verschloss die
Haut,
die aufgerissen war, mit einem
Baumwollfaden,
Der
lag irgendwo herum.
Aufschlag
9007
Ich
würde mich, so sagtest du,
An
dich gewöhnen,
Und
die neue
Schönheit,
die ich an dir suchte, würde alt,
Ich
würde sie vergessen,
Und
ich fragte dich in kurzer
Zeit
das dritte
Mal
nach deinem Namen,
Dann
schrieb ich ihn auf
Und
meinen gleich daneben,
Und
du warst es froh
Und
hattest recht.
Aufschlag
9008
Es gab so viele
Möglichkeiten,
Und
ich saß vor meiner Tür,
Und
als der
Wind
sie hin und her stieß,
Hängte
ich sie aus
Und
setzte mich darauf,
Und
du, die mich nicht kannte,
Riefst
nach einem Tischler,
Der
sollt einen
Stuhl
anfertigen,
Den
wolltest du mir
Schenken.
Aufschlag
9009
Der
Tisch
stand eng am Sofa,
Darauf
saßen wir,
Und
ich bedrängte dich,
Und
Platz war nicht für dich
Und
nicht für mich,
Und,
als die
Vase
schwankte, wagtest du es nicht, die
Hand
dahin zu schicken,
Und
mich fasstest du nicht an
Und
lebtest ängstlich in dem
Winkel
zwischen
Kissen.
Gestern Abend durfte ich dein
Gast
sein,
Und
du hattest alles für uns zwei gerichtet,
Und
die
Teller
hatten keine Böden,
Und
die
Gläser
hatten Löcher,
Und
auch die
Bestecke
waren gummiweich,
Und
ich verstand dich gut,
Und
reichlich war die
Speise,
die wir hatten.
Aufschlag
9011
Es war ja wirklich so, dass uns der
Frost
mit leeren Eimern
Über
unsre Dächer hob,
Und,
würde einer jetzt den anderen berühren,
Spränge
sicher dieser
Eisbruch
quer durch ihn
Und
würde schrecklich durch die
Kälte
singen.
Aufschlag
9012
Mit
Kohle
zog ich
Weiche,
schwarze, parallele
Linien
bis auf deinen Leib
Und
über ihn hinaus, dass ich aus der
Station
auf dir den
Ausweg
fände,
Und
die
Schienen
liefen schnurgerade in den
Schnee,
der draußen lag.
Aufschlag
9013
An deinem
Hals
hing dieses lange, goldne
Kettchen,
das fiel so belanglos über deine
Brust,
Und
schwierig war es,
Mich
an diesen
Handlauf
zu erinnern,
Und
er rollte über mich hinweg
Und
ließ sich nicht ergreifen.
Aufschlag 9014
Dein
Gesicht
war ebenmäßig, voller
Freiheit,
Die
war aufgestellt als
Wache,
Und
es kam kein einziger
An
ihr vorbei.
Deine
Haare
standen dir nach
Frauenart
in langen
Locken
auf der Schulter,
Und
man sagte nicht umsonst, dass sich die
Fensterpuppen
nichts aus ihren
Haltedrähten
machten,
Und
du lebtest völlig zwanglos von der einen
Helligkeit
Zur
anderen.
Aufschlag 9016
Wenn
du in größter
Hitze
warst, war deine
Hitze
nicht im Mittelpunkt,
Und,
wäre ich ein
Forscher,
suchte ich dich sicher
An
der völlig falschen
Stelle,
Und
du lachtest über mich
Und
hieltst die
Hände
über dir
Verschlossen.
Aufschlag 9017
Nur
dieses kleine
Gummiband
war
Schaukelsitz
in deinen Haaren,
Und
ich schwang und schwang darin
Bis
du es achtlos abnahmst, auf den
Nachttisch
warfst,
Und
deine
Locken
traten über ihre
Ufer.
Aufschlag 9018
Du
wolltest leise etwas rufen oder
War
es doch ein
Schrei,
der kam von außen
Und
er drang in deinen
Mund
und sank dort weich in deine
Kehle,
Und
die
Tauben
stiegen gurrend auf
Und
schraubten sich aus meinen
Händen
in die
Höhe.
Aufschlag 9019
Du
hattest mir erzählt, dass die
Gebäude
nachts die langen
Schatten
in den
Himmel
warfen,
Und
wir spielten nun ein neues
Spiel,
Und
unsre
Hände
glitten über unsre
Stadt,
vom Licht ins Dunkle,
Und
wir waren noch die
Einzigen
dort oben.
Es
war doch dumm,
Dass
du mir fortliefst,
Und
du hattest mir vor langer
Zeit
erzählt, man würde seine
Liebe
immer wiederfinden,
Spränge
man ins Meer
Und
hielte man die
Augen
unter Wasser
Offen.
Aufschlag 9021
Du
sprachst zu mir,
Ich
wusste nicht, was du mir sagen wolltest,
Und
dein
Mund
stand etwas offen,
Und
ich sah darin die
Pendeltür,
die schwang nach beiden Seiten,
Und
sie wurde heftig aufgestoßen
Und
auch festgehalten
Und
schlug an die
Rückwand
Und
dann wieder ganz nach vorne.
Aufschlag 9022
Wir
liebten uns
Und
lagen nackt im
Schnee
im Garten,
Und
wir waren aus dem heißen
Bad
gekommen,
Und
wir dampften auf,
Hier
draußen war es
Nacht,
das überraschte uns,
Denn
drinnen, in der
Wohnung
lebten wir seit
Tag
und Nacht nur noch im
Tag.
Aufschlag 9023
Die
Schneelandschaft
entzündete im
Eingravierten
Astwerk dunkler
Bäume
nur für uns die
Schwarzlaternen
großer
Wintervögel
an,
Die
strahlten mit dem
Licht
nach oben.
Aufschlag 9024
Zwischen
dir und mir war alles gut,
Und
wir verstanden uns
Und
jeder achtete genau darauf,
Wenn
sich der
Spalt,
der uns zu trennen suchte,
Auftat,
Und
wir hatten auch gesehen,
Dass
sich andere sehr sicherten, mit
Seilen
und mit Haken aneinander banden,
Und
wir sprangen einfach ohne jeden
Halt
hinüber zu dem anderen,
Der
fürchtete sich sehr.
Die
erste
Kälte
war vorbei,
Da
putztest du schon dein
Gefieder,
Und
ich sah genau, wie du die
Flügel
schärftest
Und
die langen dünnen
Spitzen
liefen blinkend aus.
Aufschlag 9026
Du
sahst es ganz genau,
Wie
ich im
Schlehenstrauch
verunglückte, ein
Dorn
stach durch die Brust
Und
hielt mich angenagelt,
Und
von oben ließt du nur den
Hauch
des Atems auf mich fallen,
Du
bewegtest dich sonst nicht
Und
blicktest auch nicht fort.
Aufschlag 9027
Mit
neuem
Mut
stand ich in deiner Tür
Und
hätte nur zu klopfen brauchen,
Und
ich wusste dich dahinter,
Und
ich wusste auch,
Du
wusstest mich davor,
Es
kam der
Frost
so stark, dass ich befürchtete, das
Wort
müsst an der
Zunge
kleben bleiben.
Aufschlag 9028
Und
ein
Kind,
das Raureif von der
Klinke
einer Pforte lecken wollte,
Fror
mit seiner
Spucke
fest daran,
Und
in der
Angst,
der Vater hatte keine andre Wahl,
Musst
er auf eine
Kinderzunge
urinieren
Und
sie so erwärmen.
Aufschlag 9029
Nachts
stahl ich mich hinter deine
Augen,
Und
ich musste lange warten,
Bis
du eingeschlafen warst
Und
dich nicht stören würde,
Und
die
Dinge,
die ich kannte,
Kannte
ich nicht mehr aus deinen
Augen.
Heimlich,
wenn du mich nicht sahst,
Ging
ich auf allen Vieren,
Und
du trugst mir ein
Geheimnis
an,
Es
müsste irgendjemand auf den
Händen
gehen,
Und
du fändest täglich neue
Spuren,
Und
du würdest es nun üben wollen,
So
zu gehen, um den andren zu
Entdecken.
Aufschlag 9031
Du
hättest es bemerkt, so sagtest du,
Dass
deine
Augen
heimlich mit den
Ohren
sprächen,
Und
die
Zunge
hättest du auch im Verdacht
Und
wüsstest nicht,
Wer
noch von dir so vieles wüsste
Was
du selber nicht erführest,
Und
du sahst in meine
Augen,
in den Mund
Und
auch in meine Ohren
Und
in meine Nase,
Und
du hättest diesmal nichts gefunden,
Und
ich hätte
Glück
gehabt.
Aufschlag 9032
Ich
überraschte dich, du lagst im
Bett,
An
deiner
Seite
lag dein Ebenbild,
Es
war genau wie du
Und
sah auch aus wie du
Und
sprach mit dir zur gleichen
Zeit
die gleichen Worte,
Es
war eine
Spiegelei
in den Bewegungen von euch,
Ihr
wart von mir nicht
Überrascht.
Aufschlag 9033
Draußen
breitete sich eine
Ruhe
aus, gefolgt von einer
Leere,
Und
ich ging zurück zu dir
Und
sagte nichts
Und
sah dich an,
Und
du sahst auch durch mich hindurch,
Und
draußen, sagtest du, säh man die
Ruhe
und die Leere,
Beide
stünden eng an eng
Vor
deinen
Augen.
Aufschlag 9034
Abends
gingen wir zu zweit in eine
Stadt,
Und
von den
Türmen
konnte man hernieder schaun,
Es
war die
Nacht
die mit den Lichterketten weit in deine
Augen
fiel
Und
dort die
Straße
hell erleuchtete,
Und
ich ging lang mit dir
Spazieren.
Früh
am
Morgen,
als ich mich erinnerte,
Griff
meine
Hand
nach dir, ich fand nur tiefe
Linien
in dem Laken
Und
ein wenig
Farbe
in den Kreisen,
Und
du hattest deine
Bindung
an das Gegenständliche
Ganz
aufgegeben.
Aufschlag 9036
Deine
Farben,
deine
Linien
waren völlig frei,
Und
wollte ich dich sprechen,
Formte
sich ein
Bild
daraus, das stand ganz still
Und
war die
Antwort,
Und
Bewegung war
Gespräch
mit mir.
Aufschlag 9037
Dann
maltest du dich
Schwarz
auf Weiß,
Es
musste festlich sein
Und
sollte mir gefallen,
Und
du warst nur noch auf dieser
Leinwand,
Und
ich löste deine
Felder
auf,
Sie
durften sich vor mir so frei es ging
Bewegen.
Aufschlag 9038
Du
sagtest mir ins
Ohr
ein Wort,
Das
war so sanft, so süß, so fremd,
Dass
ich es nicht verstand,
Und,
wär es mir gelungen
Es
genau zu hören, sagtest du dazu,
Wär
ich schon lange tot
Und
du wärst noch vor mir
Gestorben.
Aufschlag 9039
Wir
reisten oft,
Wir
reisten oft
Und
immer im
Gepäck,
Wir
reisten oft
Und
immer im
Gepäck
des anderen,
Wir
reisten oft
Und
immer im
Gepäck
des anderen
Und
reisten niemals fort
Und
kamen nicht aus dem
Gepäck
heraus.
Ich
sah dich nackt
Und
schmuck- und kleiderlos,
Und
nirgends ragte einer meiner
Nägel
aus den Wänden,
Und
die
Bilder,
die ich früher an dich hängte,
Waren
fort im
Austausch
gegen fremde Leute,
Die
konnt ich an dir nicht
Sehen.
Aufschlag 9041
Du
standst in meinem
Rücken,
Und
ich konnte dich gut spüren,
Und
wir sprachen so:
Du
sahst auf mich,
Und
die
Gefühle,
die ich hatte,
Waren
nicht zu unterdrücken,
Und
ich würde mich gleich zu dir umdrehn,
Dann
stünd deine
Sprache
mir im Rücken,
Und
von dir wär keine
Spur.
Aufschlag 9042
Es
gab auch
Augenblicke
zwischen uns,
Die
wiederholten sich blitzschnell,
Und
nacheinander löschten sich die
Stadtlaternen
mehrmals aus
Und
wurden in der
Zwischenzeit
nicht neu
Gezündet.
Aufschlag 9043
Ich
wollte irgendwann verreisen,
Und
es stand ein
Fenster
in der Landschaft,
Und
ich nahm dich mit
Und
stellte dich davor,
Und
ich saß auf dem
Stuhl
dahinter,
Und
wir waren lange
Fort.
Aufschlag 9044
Du
hattest das
Talent
dich zu verkleiden,
Und
du hattest dabei keine
Kleider
an und warst die
Frau,
die dreifach schnell verwandelt,
Kopf
und Schoß und Leib in ihren Händen bot,
Du
hörtest nicht auf das,
Was
ich dir sagte,
Und
ich hätte dich zu gern
Mit
dir betrogen.
Es
fiel ein wahrer
Stern
mit einer Lichtspur, die ich sah,
Vor
meine Füße und schlug auf,
Ein
Stein,
den ich dann aufhob,
Und
er war sehr klein und schwer,
Und
du fielst mir ins
Wort
und glühtest alles aus,
Dass
es nun doch als
Staub
in meiner Hand zerbrach
Und
nicht zu halten war.
Aufschlag 9046
Schwer
war mir der
Kopf,
dass er nach hinten
Und
nach vorne fiel
Und
nicht zu halten war,
Und
du griffst ein
Und
putztest ihn ein wenig ab
Und
legtest ihn
Beiseite.
Aufschlag 9047
Deine
Haare
fielen extraweich,
Und
meine
Hände
spielten sich als
Tänzerinnen
dort hinüber und hinein,
Und
sie verdingten sich an dir,
Und
du erschrakst, als ich mit meinen
Stümpfen
nach dir langte.
Aufschlag 9048
Mein
Mund
blieb lange fort,
Ich
trug ein
Tuch
darüber, dass man den
Verlust
nicht sah,
Und
alle sagten, dass es ganz verständlich sei,
Man
sollte doch sein
Herz
nie auf der Zunge tragen,
Und
man schnitt sie mir heraus
Und
sandte sie dem
Reisenden
gleich hinterher.
Aufschlag 9049
Wir
wohnten in dem
Wagen,
der war brüchig
Und
stand fest auf seinen
Rädern
und die rollten ihn nicht mehr,
Und,
wenn ich zu dir kam, erlaubtest du die
Liebe
nur noch hinter Panzerglas
Und
legtest diese harte
Scheibe
auf die Betten,
Sonst
war alles abgeräumt.
Auf
jeden
Fuß
band ich mir eine brennende Laterne,
Und
du lachtest über mich,
Es
sei doch tags nicht nötig,
Und
es war doch so,
Was
du nicht wissen konntest, dass es nur
Geschwisterkinder
meiner Kopflaterne waren,
Die
hielt ich ganz dicht vor dein
Gesicht,
dass sie mir deinen
Weg
verriet,
Den
ich dann mit dir ging.
Aufschlag 9051
Wir
malten uns den
Horizont
an jede Zimmerwand
Und
hielten uns daran,
Und
keiner durfte ihn berühren,
Und
in
Wahrheit
wurde er nach kurzer
Zeit
zum Sehschlitz, den wir
Äußerlich
bewachten.
Aufschlag 9052
Einmal
kam ich in dein
Zimmer,
Und
es schlugen mir die
Äste
und die Zweige stehngebliebner
Worte
ins Gesicht,
Ich
wusste ja von nichts
Und
wurde sehr verletzt,
Und
du warst hier nicht
Aufzufinden.
Aufschlag 9053
Ich
lud dich zu mir ein
Und
liebte eine
Liebe,
die ich für dich fand
Und
sprach darüber auch zu dir,
Das
machte dich zu meinem
Mittelpunkt,
Das
griff dich an und schuf ein
Fieber,
dass dich fast getötet hätte,
Und
ich riss, so schnell ich konnte, alle
Wände
wieder ein.
Aufschlag 9054
Zweifach
hing an deinem
Hals
ein dünnes Kettchen,
Das
hing dort nur einfach,
Und
du beugtest dich ein wenig vor,
Und
unabtrennbar blieb die
Schattenschnur
auf deiner Haut,
Sie
ließ auch meine
Finger
sich darunter
Schieben.
Du
hieltst mir deine
Hände
hin,
Sie
waren wohl gefesselt,
Aber
nicht so fest, wie ich befürchtet hatte,
Und
ich nahm das
Goldband
ab
Und
löste so mit einem dummen
Griff
dein Leben auf,
Es
fiel in übermäßig vielen
Und
unendlich kleinen
Einzelteilen
auf den
Boden.
Aufschlag 9056
Wir
gingen vor die
Lampe
schwarzen Lichts,
Das
machte unsre
Körper
völlig weiß
Und
völlig durchsichtig
Und
ließ es zu, dass wir uns
Ineinander,
durcheinander fallen lassen konnten,
Und
Berührung
gab es nicht.
Aufschlag 9057
Vor
der schwarzen
Lampe
wurden alle
Schatten
weiß,
Das
waren wir,
Wir
wurden von uns selbst zum eingebrannten
Hohlschnitt,
den wir nicht mehr
Füllen
konnten.
Aufschlag 9058
Ich
bat dich um
Verzeihung,
dass ich dich nicht sah,
Ich
war trotz heiler
Augen
innenblind
Und
ließ dich ruhig die
Erinnerung
in meinem Innern
Reparieren
wollen,
Und
du hast ja gar nichts
Vorgefunden.
Aufschlag 9059
Ich
verstand so vieles nicht,
Und
heute, als du fortgingst,
Sagtest
du sofort, dass unser
Abschied
immer eine
Wiederholung
wäre,
Du
kamst mir im
Haus
entgegen, um ein zweites
Mal
zu gehen,
Und
ich wagte mich nicht mehr
Hinein.
Man
wollte dich bestehlen,
Das
war ich,
Und
mit sich nehmen, was zu brauchen war,
Das
ließt du zu,
Und
nichts war außer dir und mir,
Da
stahl ich uns.
Aufschlag 9061
Eines
Tages
riss dein Schmuck,
Dass
ich erschrak,
Und
aus den
Wunden
deiner Haut trat weißer
Saft,
Wie
sollte ich ihn so schnell färben können,
Dass
es niemand sah?
Aufschlag 9062
Ich
sehnte mich nach oben in den freien
Raum,
der sei, so sagtest du, doch überall,
Und
schobst aus meiner
Nähe
alle Gegenstände fort,
Und
du warst völlig schwerefrei
Und
nicht mehr zu
Erreichen.
Aufschlag 9063
Ich
sah dich lange an
Und
wartete, das fiel dir auf,
Und
du verstandst mich gut
Und
zeigtest unter deinem
Leib
die zarten Knospen,
Und
die jungen
Blätter
lagen drum herum gerollt im
Aufbruch.
Aufschlag 9064
Du
trankst aus einem leeren
Glas,
das stand auch auf dem Kopf
Und
war zwar leer doch auch gefüllt
Und
stand verkehrt herum
Und
lief nicht aus.
Es
war nur, dass ich dir das
Stirnhaar
richtete
Und
machte auch den ersten
Schritt
aufs Gletscherbrett, das lag darunter,
Und
ich stürzte mit der
Schneelawine,
die sich löste,
Über
dein
Gesicht,
das blieb so hart, mein
Mund
schlug sich an weißen
Kliffen
blutig.
Aufschlag 9066
Dies
war ein
Kuss,
der kämpfte um sein Überleben,
Und
ich spürte, dass die
Wärme
des Erstickens in mir
Aufstieg.
Aufschlag 9067
In
deinen
Augen
lagen Wendeltreppen,
Und
ich sah hinein,
Und
meine
Blicke
liefen mit den
Wendeln
in die Tiefe,
Und
die
Treppen,
die so offenbar begannen,
Wanden
sich unendlich oft hinab,
Ich
fiel so schnell
Und
schon so lange,
Und
die
Arme
streckte ich nun aus nach beiden
Seiten,
um den Sturz zu
Dirigieren.
Aufschlag 9068
Wir
schleppten beide an dem schwimmenden
Gebirge,
das war ganz aus
Eis
und schmolz in unsrem Rücken
Und
zerbarst mit unerhörtem
Lärm,
Und
ich nahm an, dass wir vielleicht in eine falsche
Richtung
zögen,
Und
du gabst mir keine
Sicherheit.
Aufschlag 9069
Jeder
deiner
Seufzer
stand im Raum,
Du
schwiegst dazu
Und
sagtest nichts,
Ich
durfte dich nicht fragen,
Und
ich sah den
Schauer,
der dir über
Schultern,
Hals und Nacken lief
Und
dann verblüht zu
Boden
fiel.
Wir
liebten uns
Und
stießen aneinander,
Und
es war der einzige
Zusammenstoß,
der unser blankes
Blech
noch blanker hatte werden lassen,
Und
es galt ja sonst das allerstrengste
Nichtberühren.
Aufschlag 9071
Es
ist dir gleich, sagst du,
Und
klappst dich einfach auf
Und
zeigst auf deine vielen
Fächer,
auf versteckte Laden,
Und
ich tu mich um in allergrößter
Eile,
Und
du findest mich gelassen
Wie
die anderen,
Die
standen auch im
Fieber,
nah an dir,
Dir
nah.
Aufschlag 9072
Als
ich dummer Mensch
Die
Werte wog, weil ich so hungerte,
Ja,
wie ich jahrelang die
Steine
ordentlich herangetragen hatte,
Weil
ich, als ich hungerte, vielleicht an
Treue
dachte,
Weil
ich etwas speisen wollte,
Das
beständig war,
Als
ich nur einmal wog,
Stießt
du mit deinem
Fuß
die Mauer um, dass ich darunter fiel,
Und
mehr traf mich, dass ich von meinem
Machwerk
fast erschlagen wurde, als dein Lachen,
Das
war zuckersüß
Und
unbegreifbar fern
So
nahe über mir.
Aufschlag 9073
Ich
wollte nichts mehr heilen
Und
auch nichts mehr retten,
Und
ich schnitt mir meine
Augenlider
ab, damit ich besser sehen konnte,
Und
die neue
Technik
ließ es zu,
Ich
sah dich emsig mit den
Leuten
sprechen,
Dass
sie nicht erschraken
Über
meine aufgerissnen
Worte,
die sie sahen.
Aufschlag 9074
Dein
Lächeln
war der Kragen deines
Innenpelzes,
Der
blieb mir verborgen,
Wurde
nie von mir gesehen,
War
von keinem
Jäger,
Und
er reizte mich zur
Jagd.
Dein
Fell
war seidenweich
Und
zu erkennen nur im Gegenlicht,
Mein
Atem
legte Wege
Und
Kanäle dort hinein,
Ich
kannte mich bald aus
Und
konnte dir davon
Erzählen.
Aufschlag 9076
Ich
fuhr auf
Linien
deiner Hand,
Die
hielt mich fest, als sich das
Ufer
näherte
Und
du mich riefst
Und
ich den
Aufstieg
zu dir
Plante.
Aufschlag 9077
Als
du kamst, war es zu spät,
Es
war ja nur ein
Stehplatz,
den ich hatte,
Und
er war das
Billigste
im Angebot,
Das
war dir teuer,
Und
das
Bild,
an dem ich malte, konnte kein
Ersatz
sein,
Und
es zeigte dich auch nur am
Rand.
Aufschlag 9078
Aus
deinem
Haar
klang eine
Melodie,
die war ganz einfach
Und
verfing sich mehrfach,
Und
ich fragte dich,
Warum
du nicht wie sonst ein
Liedlein
singen wolltest,
Und
du kämmtest dich zu meiner
Freude
lange,
Und
das
Zimmer
war sehr warm,
Das
tat dir gut.
Aufschlag 9079
Eines
Tages
riss man mir die schönen
Kacheln
von der Wand,
Du
stecktest deine
Hände
in die Manteltasche,
Und
das
Pflaster,
das ich gegen
Herzschmerz
trug, war wertlos
Und
bewirkte gar nichts.
Ich
fuhr an dir vorbei
Und
wusste nicht, warum,
Sonst
hätte hier der
Zug
gehalten,
Und
ich sah in deinem aufgerissnen
Mund
ein Schild,
Das
sah ich ganz genau
Und
las die
Schrift
darauf
Und
konnte sie nicht lesen
Und
verließ den
Zug
an einer Falschstation,
Dort
standst du schon
Und
wartetest auf mich.
Aufschlag 9081
Ich
wünschte mir, dass deine
Hand
in meinen Nacken führe,
Und
sie kam nie an,
Mein
Mund
vergrub sich anfangs gleich
Und
tief in ihrer
Innenseite
und ertrank darin.
Aufschlag 9082
Einmal
dachten wir zugleich das Gleiche,
Und
es stieß an deine und an meine
Vorderwand
Und
prallte ab
Und
schlug, das sahen wir beim anderen
Und
spürten es an uns, zur gleichen
Zeit
an unsre Hinterwände,
Und
wir stimmten überein
Und
sprachen nicht drüber.
Aufschlag 9083
Es
schmerzte mich mein
Herz,
das sagte ich zu dir,
Weil
du mich kanntest,
Und
es war von mir nur einer dieser dummen
Übersetzungsfehler,
Den
du gleich erkanntest.
Aufschlag 9084
Morgens
ging ich aus der
Tür
und küsste dich
Und
küsste dann die
Tür
und dann den Weg
Und
danach nichts,
Und
irgendwann würd ich den
Sinn
und den Zusammenhang,
Der
zwischen dir, der
Tür
und auch dem Weg bestand,
Erfahren.
Einen
Fehler
machte ich an dir,
Ich
setzte meinen kleinsten
Fehler
so tief an,
Dass
er vor mir wie nie geschehen war,
Und
machte dich zur
Meisterin
der
Sprengkunst.
Aufschlag 9086
Wir
schliefen glücklich ein,
Und
noch im letzten
Augenblick
stieß ich den
Fuß
in deine Schlaftür,
Und
ein
Folterknecht,
der mich im
Eifer
übersah, trug mein Gesicht
Uns
sprang in deinem
Schlaf
auf mich,
Ich
lag in
Gurten
auf mir ausgebreitet.
Aufschlag 9087
An
meinem
Leib
entdecktest du ein
Längenmaß,
das maß mich überall,
Du
wolltest dich mit mir vergleichen,
Und
es war ja überhaupt nicht übertragbar,
Selbst
die
Sprache,
die sich leicht bewegte,
Blieb
an dir und mir,
An
unsren
Zungen
hängen.
Aufschlag 9088
Mit
meiner
Zunge
ging ich gern auf deinem
Mund
spazieren,
Und
ich brauchte diese weiten, ausgedehnten
Ruhewege,
Und
ich meldete mich gleich nach meiner
Rückkehr
wiederum
Bei
dir.
Aufschlag 9089
Du
griffst in meiner
Gegenwart
zum
Tod,
der stand bereit
Und
war von dir geladen,
Und
ihm war es gleich,
Er
wäre auch zu mir gekommen,
Hätt
ich ihn gerufen,
Und
er sagte wenig
Und
war gar nicht intressiert
Und
ließ sich auch von dir nicht zwingen
Und
ging fort.
Einmal
traf ich dich im
Schlaf,
Wir
sprachen über dessen
Eigenarten,
über Schwerelosigkeit
Und
über rückwärtslaufende
Gedanken
und auch über einen
Anfang,
der sich dauernd wiederholte,
Und
versprachen uns,
Uns
nicht zu wecken und im
Wachen
nicht danach zu fragen,
Und
wir saßen später lange vor dem
Spiegel,
der war unser
Zeuge.
Aufschlag 9091
Du
sagtest einfach:
„Wenn
du mal ein
Leben
brauchst, nimm meines,“
Und
ich hätte deines gern dazu,
Das
gabst du nun nicht mehr,
Ich
wusste auch nicht,
Wie
ich es dir hätte anders sagen sollen,
Und
ich hätte wirklich gerne zwei,
Es
war mir doch von dir so
Angeboten
worden.
Aufschlag 9092
Hättest
du gesprochen,
Hättest
du erklärt, mir nur ein
Wort
gesagt, dann hättest du dir jedes
Wort
und auch dich selbst ersparen können,
Und
ich hätte nichts gemerkt von deiner
Gegenwart,
die ließ mich lange raten
Und
auf eine
Antwort
warten.
Aufschlag 9093
Du
ludst mich in dein
Haus,
das stand in einem Baum,
Und
wirklich lagen wir in einem
Nest
aus allerlei
Geflecht,
das hattest du gesammelt,
Während
wir drauf lagen.
Aufschlag 9094
Es
wurde mir mein
Herz
so leicht,
Es
drängte sich nach draußen,
Und
ich gab es schweren
Herzens
frei,
Es
stieg sofort, so schnell es konnte, auf
Und
war mit nichts mehr einzuholen
Oder
zu erreichen.
Dein
Leben
war so leicht zu retten,
Und
es war, so sagtest du,
Schon
hundertmal erstickt an
Liebe,
Und
du starbst
Geduldig.
Aufschlag 9096
Mir
war der eigne
Atem
sichtbar,
Und
er schrieb sich vor mir auf,
Ich
nahm es ganz gelassen,
Und
es war so, wie es war,
Und
deine
Finger
schoben meine
Worte
als ein Spielzeug hin und her,
Du
ahntest nicht, woher sie kamen,
Und
sie gaben ihren
Sinn
nicht ab an dich.
Aufschlag 9097
Dein
Kleid
war gelb,
Es
war nur eine
Schleife
abzunehmen,
Gelb
war auch die Haut darunter,
Als
du sprachst, ich sah auf deine
Zunge,
fiel das gelbe
Licht
bis tief in dich auf irgendeinen
Grund,
So
hattest du dich
Hingegeben.
Aufschlag 9098
In
deinen
Augen
zündetest du blaue
Lichter
an, die gaben in der
Nacht
den schwachen
Schein,
der fiel auf dein Gesicht,
Und
selbst durch die geschlossnen
Lider
konnte ich bis tief in kleine
Höhlen
schauen,
Dort
entdeckte ich zwei blaue
Herzen,
die ganz unterschiedlich schlugen,
Und
sie wussten voneinander
Nichts.
Aufschlag 9099
Es
war für dich der schönste
Augenblick,
wenn ich dich morgens spannte,
Und
die
Feder
in dir aufzog,
Und
nur einmal musste ich dich retten,
Und
es schnellte damals etwas von dir ab,
Das
fing ich ohne
Werkzeug
vor dem Aufprall
Und,
bevor es sichtbar wurde,
Ab.
Wenn
ich heimkam,
Trafst
du auch grad ein,
Du
sagtest mir,
Es
könnte niemals sein,
Dass
ich vor dir bei dir wär,
Und
auch umgekehrt
Wär
es nicht möglich,
Und
ich war so oft wie du
Allein.
Aufschlag 9101
Bei
den
Kindern
war es anders,
Die
erkannten sich an einem
Bleistiftstrich
auf dem Papier
Und
sprachen gleich mit sich;
Und
dich in mir
Und
mich in dir zu finden
War
zu schwer,
Ich
wollte uns darum mit dünnem, steifem
Draht
in uns
Ergründen.
Aufschlag 9102
Dein
Haus
war hoch gebaut
Und
reichte bis in deine
Haare,
Und
es gab davor
Stationen,
die verwirrten mich
Und
strahlten ihre
Wege
ab in falsche Richtungen,
Das
konnte ich nicht mehr
Bedenken.
Aufschlag 9103
In
deiner
Tür
stand immer eine Wache,
Die
hielt wurfbereit ein
Menschennetz,
Das
sollte mich nicht schrecken, sagtest du,
Und
nie hab ich gesehen, dass sie etwas fing,
Und
traute deinem
Eingang
gar nicht.
Aufschlag 9104
Über
uns war eine
Oberfläche,
die sah ich von hier,
Wir
hätten unser
Tauchen
schon beenden können,
Und
du zeigtest mit der
Hand
nach unten,
Dort
war
Licht,
das hatte ich ganz
Übersehen.
Außerdem
vergaßt du,
Dass
wir angegurtet waren,
Und
man warnte überall vor einer schnellen
Bremsung,
Und
wir standen still
Und
mussten einfach
Warten,
warten, warten.
Aufschlag 9106
In
deinem
Nacken
kräuselte sich
Frauenhaar,
das roch ein wenig,
Und
ich liebte diesen
Duft
Und
blies es mit dem
Atem
hoch,
Und
auch das
Fach
darunter wurde
Sichtbar.
Aufschlag 9107
Du
sahst mir zu:
Durch
meinen
Händetrichter
lief ein weißer
Sand,
der floss so weich
Und
strömte ab als
Milch,
die ließ sich schon beim zweiten
Mal
auf deine
Lippen
rieseln,
Und
ich wüsste gern, ob sich dein
Durst
ein wenig legte unter diesen
Tropfen.
Aufschlag 9108
Selbst
deine
Nässe,
die dein Körper schuf,
Verschlang
der
Fisch,
weil seine
Haut
sich fürchtete.
Aufschlag 9109
Immer
schneller spielten deine
Worte
auf dem
Instrument,
das hatte ich an mir entdeckt
Und
dir gelegentlich gezeigt
Und
lief nun sehr
Gefahr,
an deiner
Schwingung
zu
Zerreißen.
Es
lag mein
Mund
auf deinem,
Und
ich wusste nicht mehr, ob man
Aß
beim Essen oder trank beim Trinken
Oder
ob man sprach beim
Sprechen,
Und
ich liebte diesen neuen
Hunger,
der lag fest auf meiner
Zunge.
Aufschlag 9111
Unter
deiner
Haut
entdeckte ich die schmalen, blauen
Flüsse,
Und
ich baute mir ein
Boot,
das trieb auf deiner
Oberfläche
jeden Strom hinab
Bis
in die kleinsten
Äste,
Und
ich sah mich immer wieder um nach einem
Ursprung.
Aufschlag 9112
Deine
Hand
strich mir mit einer lieben
Geste
über eine Wange,
Und
es nützte nichts,
Du
flogst so schnell vorbei,
Auf
meiner
Seite
war kein
Fänger
darauf vorbereitet.
Aufschlag 9113
Ich
küsste dich,
Vielleicht,
ich weiß es nicht,
War
es auch umgekehrt,
Ich
weiß auch nicht, woher die
Münze
kam, die lag auf deiner
Zunge,
Und
es konnte niemand, den wir fragten, das
Metall
bestimmen,
Und
die
Währung,
die drauf stand,
War
völlig unbekannt.
Aufschlag 9114
Wir
hakten unsre
Finger
ein
Und
gingen nahe über unsrer
Erde
durch die Luft
Und
hofften,
Dass
es uns nicht schmerzen würde,
Wenn
wir grad an dieser
Stelle
aneinanderwüchsen.
Dein
langer
Haarzopf
sollte mich ein wenig tragen,
Und
ich stand mit einem
Fingerboot
in deinem Kragen
Und
sprang auf
Und
glitt die
Wellen
ab,
Bis
sie am
Strand
aufs Ufer liefen
Und
mich wieder von dem
Rücken
warfen.
Aufschlag 9116
Du
sagtest gleich,
Ich
käme noch dahinter,
Und
es läge gar nichts vor,
Und
heute grade sollte nichts an dir
Geöffnet
werden,
Und
ich sei doch sonst so rücksichtsvoll,
Du
redetest mir ins
Gewissen,
Und
das war ganz ungewiss,
Ich
wusste nicht,
Wovon
du sprachst.
Aufschlag 9117
Du
legtest nachts ein
Seidentuch
auf deinen Mund,
Das
lag dort völlig ruhig,
Und
kein
Atem
hob es an
Und
schob es fort,
Ein
übergroßes
Lid,
das sollte dir die Träume schützen
Und
sie vor Verrat bewahren,
Und
ich hielt mein
Ohr
ganz nah daran
Und
hörte hinter diesem
Vorhang
fremde Namen
Fallen.
Aufschlag 9118
Auf
deinem
Arm
saß wieder dieser unbekannte
Flötenspieler,
Und
er war nicht sichtbar,
Und
die
Lieder,
die ich hörte,
Kamen
eigentlich von deiner
Brust,
dort schlich mein Ohr herum
Und
traf auf meinen
Mund,
der spielte unermüdlich ohne
Unterlass.
Aufschlag 9119
Du
trugst so gerne schwarze
Kleider,
Und
ich hatte dich in dieser
Trauer
schon vor einem
Jahr
geliebt,
Und
heute, als du von mir
Abschied
nehmen musstest,
Legtest
du dir weiße
Trauerkleider
An.
Die
Sonne
stand auf deinem goldnen Halsband,
Und
sie sprang von einem
Plättchen
auf das andere,
Ich
musste mich darauf beeilen,
Und
der
Schienenstrang
war viel befahren,
Und
ich selbst war
Führer
dieser
Züge.
Aufschlag 9121
Manchmal
sah ich noch die
Uhrzeit,
umgeblättert immer wieder neu in deinen
Augen,
Wahllos
lief sie vor
Und
sprang zurück
Und
hatte fast schon ihren
Sinn
verloren,
Und
du lachtest über meine
Unaufmerksamkeit
Und
über meine
Ahnungslosigkeit.
Aufschlag 9122
Wir
verglichen unsre
Zeit
Und
hatten keine Uhren,
Und
wir legten unsre
Handgelenke,
Puls an Puls,
Sie
mochten sich dort selbst vergleichen,
Und
wir fragten sonst nicht mehr
Und
wollten unsre
Zeit
auch nicht mehr
Richtig
stellen.
Aufschlag 9123
Einen
ganzen
Tag
hieltst du die Augen zu,
Ich
sollt dich führen,
Und
du wolltest tief in mein
Vertrauen
tauchen,
Und
ich sprach zu dir
Und
zeigte dir die ganze
Welt
an einem Tag
Und
ließ dich nicht von meiner
Hand,
die hatte ich aus
Sorge
in dem Zimmer bis zum
Abend
angebunden.
Aufschlag 9124
Du
entdecktest meine
Sonnensegel,
die du nicht verstandst,
Und
unbekannt war dir die neue
Mode,
Und
du fragtest heimlich überall nach ihrem
Ursprung
Und
wie man sie ohne jeden
Übergang
und so direkt
Und
so lebendig, wie bei mir,
Mit
seinem
Leib
verbinden könnte.
Du
sprachst von einem
Lichtunfall,
den du erlitten hattest,
Und
ich sah doch nichts an dir,
Ich
hätt dich retten können,
Und
du sagtest mir, dass nur in deinem
Innern,
ja vielleicht in deinem
Kopf
der Blaustrahl seinen
Bogen
zöge,
Und
du brenntest langsam aus
Und
wolltest noch die eine
Und
die andere
Verbindung
lösen.
Aufschlag 9126
Wir
sprachen miteinander,
Nein,
du redetest mit mir
Und
klagtest auch, dass meine
Ohren
dich nicht hörten,
Und
ich sah in
Wahrheit
nur die
Mückentiere
in der
Lichtung,
die sich an dir auftat,
Spielen.
Aufschlag 9127
Ich
brachte
Blumen,
Und
es war ein schöner
Strauß,
den küsstest du in deiner Freude,
Und
er schmolz sofort, wo ihn dein
Mund
berührte,
Und
die
Tropfen
waren klar
Und
liefen ab,
Und
du bemerktest nichts davon
Und
liebtest ihn, als wäre er ein
Teil
von dir und auch, als wäre er dir grad
Geboren.
Aufschlag 9128
Unter
deinem
Kleid
sahst du nicht aus wie andre
Frauen,
Und
ich wusste nicht, warum,
Es
war wohl nur, dass keine
Tür
ins Innre
Führte.
Aufschlag 9129
Deine
Zimmer
waren kalt und freundlich,
Und
die
Offenheit,
die von dir ausging,
Mochte
wohl auch hier entstehen,
Und
die
Fenster
standen mitten in dem
Raum,
man konnte sie von beiden
Seiten
öffnen, schließen
Und
begehen.
Du
gingst mit einem
Stofftier
in dein Bett
Und
sprachst mit ihm,
Und
zwischen dir
Und
mir lag außerdem ein unsichtbares
Eselstier,
Das
hielt mich fest in seinem
Arm,
Und
jeder
Schrei
von mir
Würd
dich nur stören
Und
mich enger fangen.
Aufschlag 9131
Alles
war dir recht, die
Zeit
zu messen,
Und
es standen dumme
Gegenstände
auf dem Tisch,
Du
lagst im
Bett,
weil du erkrankt warst,
Und
du würdest pünktlich aufstehn
Und
genesen sein
Und
richtetest dich nach zwei
Steinen
Und
nach einem
Zug,
der fuhr auf seinem
Weg
durch deine Stube,
Und
du danktest mir für den
Besuch
Und
für die
Präzision,
mit der ich eingetroffen war.
Aufschlag 9132
Früher
staunte ich, dass wir im
Fallrohr
gleichschnell fielen,
Und
es war ja so,
Dass
du schon längst an mir
Vorbeigefallen
warst,
Und
hier, an meiner
Seite
blieb nur eine dumme
Illusion,
die war mir lieb
Und
blieb sehr lange.
Aufschlag 9133
Du
schenktest mir ein winziges
Paket,
das öffnete ich unter einer
Lupe
mit dem spitzen Instrument
Und
fand ein rosa
Herz
auf einer Schale liegen,
Das
schlug ohne
Unterbrechung,
Und
du sagtest mir ins
Ohr,
du würdest trotzdem weiterleben,
Und
es machte dich so froh.
Aufschlag 9134
Ich
war ein dummer
Mensch,
Ich
küsste deine
Haut,
Du
wolltest
Leben
auf den Bildschirm bringen,
Und
dahinter musstest du als
Pflegerin
die Zahlen ordnen,
Und
man ließ dir keine Wahl,
Es
gab nur eine
Ziffer
zu erkennen,
Doch
die konntest du nicht lesen,
Die
lag mir auf meinen
Lippen.
Ich
legte meinen
Arm
um deinen Hals
Und
sah dich lange nicht,
Und
später schriebst du mir, der
Arm
sei so gut angewachsen,
Und
er trage
Früchte,
Und
du sehntest dich nach mir,
Und
ich vermisste nichts.
Aufschlag 9136
In
jedem deiner
Augen
funkelten drei helle
Lampen,
Und
sie mochten wohl in meinem
Rücken
stehen,
Und
du sagtest leis zu mir, dass dieses
Funkeln,
das dich von mir träfe, tiefe
Löcher
in dich brenne,
Und
die
Nacht,
gleich hinter mir,
Sei
nie so schwarz gewesen,
Und
ich sah auf dich voll
Neugier.
Aufschlag 9137
Lange
hatte ich die
Sehnsucht
in mir ausgebreitet,
Und
es standen diese beiden
Tropfen
eng an eng auf einem Tisch,
Und
wäre ich an ihn versehentlich gestoßen,
Träfe
mich von dir nur eine sanfte
Handbewegung…
Aufschlag 9138
Meine
Lippen
waren überall,
Ich
wandte mich zur Seite,
Und
ich hätte meine
Wangen
kühlen sollen,
Und
die
Stirn
war heiß,
Und
meine
Arme
hingen schlaff herab,
Und
in dem
Nachbarzimmer
sah ich mich,
Ich
war schon über dich gebeugt
Und
wartete,
Du
hattest dich in deine
Hand
verbissen.
Aufschlag 9139
Dieses
sei die Schwelle,
Und
das
Land
dahinter wolltest du in
Zukunft
mit mir teilen,
Es
sei neu und unentdeckt,
Auch
sollte ich die fremden
Arme,
die auf deinen Schultern lagen,
Ganz
vergessen,
Und
ich fand in dieser
Wand
den Durchschlupf nicht,
Und
tags
Und
nachts warst du ganz eng an meiner
Seite,
Und
du wuchst nicht nach.
Wir
sprachen miteinander,
Und
wir standen mitten in dem
Abschied,
Und
ich warf nach vorne einen Stein
Und
einen anderen nach hinten,
Und
wir merkten uns die
Aufschlagstellen,
Und
wir würden sehr schnell wissen,
Wohin
uns die
Zukunft
bringen würde.
Aufschlag 9141
Es
gab auch keine
Mittel,
uns zu prüfen,
Und
ich hatte festgestellt, dass deine
Eigenschwingung
Ganz
und gar von meiner abwich,
Und
sie würden sich nicht einmal
Überlagern
können,
Und
ich schwieg zu dir darüber,
Und
es war dir recht.
Aufschlag 9142
Wir
gingen durch die
Winterlandschaft,
Und
die
Kälte
wuchs direkt ins dunkle
Himmelsblau,
das hätte ich mit aller
Wärme
meines ganzen Lebens
Niemals
schmelzen können,
Und
du freutest dich so sehr in meiner
Nähe,
Und
du wärmtest dir an mir die
Hände,
Und
sie dampften schon ein wenig.
Aufschlag 9143
Auf
meinem
Frühstückstisch
serviertest du mir feine, weiße
Scherben
aus dem Porzellan,
Das
sei mein Nachtwerk,
Und
ich hätte dir gesagt, der
Löffel,
den man führt,
Passt
immer nur zu einer
Suppe.
Aufschlag 9144
Wir
tranken aus dem einen
Glas,
das reichte immer nur für einen,
Und
der andere begnügte sich
Und
musste warten,
Und
ein andres
Mal
hätt jeder trinken können,
Und
wir schämten uns zu zweit,
Und
keiner griff nach seinem
Glas.
Aus
deinen
Haaren
wuchs ein
Seidenfaden,
der war sehr verspielt,
Und
als ich etwas daran zog, bewegte ich den
Mechanismus,
der dich öffnete,
Und
ohne seine
Hilfe
hätte ich dich nie gefunden
Und
erkannt.
Aufschlag 9146
Mit
meinem dritten
Auge
sah ich dich ganz anders,
Und
ich spürte damit deine
Wärmebilder
auf,
Und
die bewegten sich ganz langsam, deine
Wärme
stand im Raum und blieb,
Ja,
selbst, wenn du ihn schnell verließt,
Und
sie vermischte sich danach,
Und
manchmal konnte ich mich
Gleich
nach dir in eben diesen
Raum
begeben,
Und
kein
Wärmeauge
merkte einen
Unterschied.
Aufschlag 9147
Mitten
in dem
Zimmer
hing dies Seil,
Das
war armdick
Und
hatte keinen eignen
Sinn,
Und
dir, so sagtest du, sei wichtig es mit deinen
Händen
zu berühren
Und
dich zu erinnern,
Und
es führte wirklich
Ohne
Haken,
Ohne
Ösen durch die
Zimmerdecke.
Aufschlag 9148
Du
gabst nicht nach,
Und
tausendmal ging ich in dich
Und
durch dich durch,
Und
hinter mir flosst du zusammen,
Und
du warst vor mir kein
Widerstand.
Aufschlag 9149
Dein
Schoß
wurd mir ein wunderbares Lager,
Und
nach kurzer
Zeit
kamst du dazu
Und
fandst dich wohlig warm
Und
sahst mich nicht
Und
klagtest auch nicht über deine
Einsamkeit
mit dir.
Du
legtest deine
Hand
auf meine Fieberstirn,
Und
wirklich fuhr das kleine
Boot
mit etwas kühlem
Wind
durch mich hindurch,
Und
schräge standen seine
Segel.
Aufschlag 9151
Ich
biss in eine gelbe
Blume,
die war bitter,
Und
du lachtest über mich,
Und
selbst an dir brächt jeder
Biss
von mir die tausendfache Bitterkeit,
Und
deine
Schmerzen
hätte ich umsonst,
Die
würdest du im
Freudenschrei
Zuoberst
legen.
Aufschlag 9152
Als
du mit deinen
Armen
balanciertest,
Sah
ich schnell auf deine
Füße,
Und
die standen voreinander,
Aber
fest auf einem Boden,
Und
ich konnte deine offenbare
Lüge
nicht verstehen.
Aufschlag 9153
Deine
Haare
waren lang,
Du
trugst sie offen,
Und
du kämmtest sie in meiner
Gegenwart,
sie wuchsen dabei schnell
Und
reichten,
Noch
bevor ich bei dir eingetroffen war,
Bis
an den
Boden,
Und
dahinter saß nur noch die
Holzform,
Und
die hatte man bezogen mit der
Kopfhaut.
Aufschlag 9154
Alles
konntest du an deinem
Körper
ändern,
Und
ich hatte mich daran gewöhnt,
Und
irgendwann, erinner ich mich gut.
Erschienst
du mir aus warmem, weichem,
Glas,
das brach nicht aus
Und
riss nicht ein,
Du
selbst warst damals fort auf
Reisen.
Ich
sah es gern,
In
deiner
Stirn
stand eine kleine
Säulenreihe,
die verdeckte den Balkon,
Darauf
erschienst du manchmal,
Fremd
gekleidet,
Und
du winktest mir verstohlen zu,
Ich
sollte endlich kommen,
Und
ich wusste einfach nicht…
Wie
käme ich nur unentdeckt an dem
Gesicht
vorbei?
Aufschlag 9156
Du
konntest deine
Augenlider
lange offen halten,
Und
dahinter sah ich dich vor einer
Leinwand
stehen,
Und
du maltest mich, so schnell du konntest ab,
Und
musstest bis zum nächsten
Lidschlag
fertig sein,
Die
Bilder
wurden immer ungenauer
Und
verwischter, bis ich mich zum
Schluss
erkannte,
Und
du schlugst den
Vorhang
nicht mehr auf.
Aufschlag 9157
Das
verstand ich nie an dir, die
Weichen,
die du auf der
Herfahrt
selber stelltest,
Hielten
mich so lange auf,
Du
warst dir deine
Prüferin,
obwohl du wusstest,
Wie
ich nach dir drängte,
Und
zurück, als mir die
Trennung
von dir schwer fiel, stand ein
Schnellzug
nur für mich bereit,
Der
brachte mich direkt zu dir,
Und
nirgends war ein
Halt.
Aufschlag 9158
In
deinem
Zimmer
stand die Schüssel,
Und
du hattest dich darin gewaschen,
Und
es lag ein
Duft
nach Haut und
Reinlichkeit
im Raum,
Du
hattest dir dabei ein
Stückchen
fremder Gegenwart mit abgewaschen,
Das
lag nun daneben,
Und
es wurde immer weniger
Und
löste sich schon auf.
Aufschlag 9159
Neben
dir stand ein
Gefühl
für mich,
Es
war das einzige, das ich erkannte,
Und
es öffnete das
Fenster,
Und
es lehnte sich, soweit es eben konnte,
Dort
hinaus.
Auf
deiner
Haut
war eine offne
Stelle,
die verheilte nicht
Und
bliebe auch für mich,
So
sagtest du, als
Luftloch,
Das
hieltst du mir ständig frei.
Aufschlag 9161
Nah
genug an dir
Entschieden
wir nun die
Verwechslung
hinzunehmen,
Und
aus einer
Einzelheit,
Und
läg sie noch so eng an einer anderen,
War
gar nichts zu beschließen,
Und
wir blieben höflich zueinander,
Auch
danach,
Und
hinterher stahl keiner etwas.
Aufschlag 9162
Ich
mied den
Eingang,
Und
die
Tür
stand offen,
Und
ich hörte, wie du drinnen
Nach
mir suchtest
Und
mich riefst,
Und
hinten stieß ich mit dem schweren
Werkzeug
durch die
Mauer,
um zu dir zu kommen.
Aufschlag 9163
Diesmal,
sagtest du,
Sollt
ich dich teilen,
Und
du wärst es endlich leid,
Dich
dauernd zu zerreißen,
Und
ich nahm dich ganz wie immer,
Und
es war dir wieder alles
Überlassen.
Aufschlag 9164
Die
Frauen
hängten ihren Männern
Liebesketten
um den Hals
Und
schmückten sich auch selbst,
Und
deine
Arme
wünschte ich mir manchmal fort von dir als
Ring,
der sich beim Tanz
In
meinem
Nacken
schlösse.
Auf
deinen
Lippen
stand mein Name,
Und
ich fand es gut
Und
kam zu dir,
Und
du warst überrascht
Und
fragtest mich nach meinem
Namen,
Der
erinnerte dich irgendwie an jemanden,
Den
hattest du gekannt,
Und
nun, bei mir, erging es dir ganz
Ähnlich.
Aufschlag 9166
Am
Finger
trugst du einen Ring,
Der
sollte mich nicht stören,
Und
er war ja ein
Geschenk
von mir,
Wir
dachten es zugleich,
Dann
sagtest du, dass seine
Wahrheit
nur für dich alleine gelte,
Und
du würdest ihn sonst niemals tragen,
Und
ich sollte mich durch mich
Nicht
schrecken lassen.
Aufschlag 9167
Dann
sah ich dir verstohlen in die
Augen,
Und
sie hingen so verzweifelt hinter ihren
Wimpern,
Und
dein
Mund
gab einen Einblick frei,
Er
zeigte mir die vielen kahl gefressnen
Stellen
auf dem Rasen,
Und
das
Grün,
das ich so an dir liebte,
War
verloren,
Und
das alles kam von mir,
Es
wurde
Zeit
für mich.
Aufschlag 9168
Auf
deinen
Lippen
stand der Schweiß,
Er
brach aus meiner
Stirn
und zeigte sich bei dir,
Dass
ich das
Unheil
sah, als es sich auf dich stürzte,
Und
es kam, das war ganz sicher,
Nur
von mir.
Aufschlag 9169
Dein
Herz
fiel dir aus deiner Hand,
Ich
war so nah daran
Und
konnt es sicher fangen,
Und
es blieb nur kurz in mir,
Bis
ich dir glauben konnte,
Dann
bedanktest du dich noch
Und
stahlst es dir zurück,
Es
dauerte ja alles kürzer,
Als
der kürzeste der
Augenblicke,
Und
die währen lang,
Und
können sich in keinem
Fall
entschließen.
Heute
Morgen war dein
Leben
neu geboren,
Und
du spürtest es,
Ich
hatte alle
Lampen
so auf dich gerichtet,
Dass
du sie nicht sahst,
Und
aus dir selbst war jeder
Weg
bis an die Oberfläche hell beleuchtet,
Und
du kamst mir überall darauf entgegen
Und
du winktest schon von
Weitem.
Aufschlag 9171
Es
war nicht so, dass ich in dir nichts sah,
Ich
hielt ja deine
Haut
ganz nah vor meine
Augen,
Und
durch jede
Pore
konnte ich dich deutlich sehen,
Und
im
Hintergrund
stand eine grelle
Lampe,
die mir half.
Aufschlag 9172
Ich
zeigte dir den
Schaltknopf
über den ich funktionierte,
Und
du wolltest dich auf diese
Weise
nicht berauben lassen,
Und
die
Liebe
bliebe dir,
Und,
was du von mir wüsstest,
Würdest
du dich nun für alle
Zeit
vergessen lassen.
Aufschlag 9173
Auf
dem
Schreibbrett
lasen wir den Fehler,
Und
du sagtest nichts,
Und
ich erlebte ihn als
Neuigkeit,
Dann
wies ich auf das
Messer,
dass so tief in meinem
Körper
saß,
Und
du, du lachtest auf,
Es
wäre grade umgekehrt,
Und
niemand achte auf den
Fehler,
Und
wir löschten ihn nicht aus.
Aufschlag 9174
Du
sprachst durch ein
Gerät
mit mir,
Ich
liebte deine
Stimme
gleich
Und
hatte
Angst,
dich anzuschaun,
Und
du bliebst freundlich,
Und
mit liebem
Ton
gabst du mir deine wahre
Nummer
durch, so könnte ich mir das
Gerät,
wenn ich es wollte,
Kaufen.
Es
war ein andres
Mal,
dass ich erschrak,
Ich
stieß versehentlich mit dem
Finger
in dein Auge,
Und
es war aus hartem
Glas,
Und
auch das andere,
Du
klopftest schnell dagegen,
War
in einem Panzer,
Und
du wolltest, sagtest du,
Mit
mir nicht über deine
Augen
reden
Und
dich nicht mit einem anderen
System
vergleichen lassen.
Aufschlag 9176
Du
setztest dich in einen
Wäschekorb,
der hing in einer
Schaukel,
Und
der
Schwung,
den du verlangtest, kam von mir,
Und
nur der
Augenblick,
da ich den
Anstoß
gab, blieb mir, dich zu berühren,
Und
du sangst ein
Spottlied
über mich, das hatte ich
Gedichtet.
Aufschlag 9177
Immer
wieder stieß ich auf die
Bilder
aus dem Krieg,
Der
trieb auf dich und mich,
Und
tröstlich war es nicht, dass diese
Bilder,
wie du sagtest, aus der
Zukunft
kämen,
Dass
sie gar nicht wahr sein müssten,
Und
ich dachte, dass es nicht zu viel sei, jeden
Tag
auf irgendetwas zu verzichten,
Und
die
Gesternbilder
waren so erschreckend ähnlich,
Und
ich hätte gern an deiner
Brust
gelegen.
Aufschlag 9178
Auf
den
Fensterritzen
stand der
Wind,
den hörte ich
Und
knöpfte deinen
Mantel
fester zu,
Es
war dir recht, dich mir so nackt
Und
bloß zu zeigen,
Und
wir hatten nur den
Platz,
der zwischen
Fenster
und dem Rahmen lag,
Und
schwiegen über diese
Enge.
Aufschlag 9179
Ich
hatte diese
Tür,
die unsre
Zimmer
trennte, ausgehängt,
Es
war nun alles offen zwischen uns,
Und
jeder lauschte auf den andren
Atem,
der wurd überdeutlich,
Und
zwei fremde
Namen
standen nun im
Durchgang
Gegenüber.
Zwei
Selbstportraits
begannen sich zu
Portraitieren,
Und
ich kam dazu und sah,
Wie
weit du dich von dir entferntest,
Und
du warst mit deinen eignen
Bildern
nicht mehr
Zu
erreichen.
Aufschlag 9181
Du
sahst zu mir
Und
gleich danach schon in den
Raum,
in dem ich mich befand,
Und
gleich danach schon auf die
Straße
hinter mir,
Auf
das, was dort geschah,
Und
wenig, dachte ich,
Warst
du dir treu geblieben,
Und
du standst dir doch so nah,
Ja,
warst dir immer noch
Am
nächsten.
Aufschlag 9182
Wir
lagen beide in dem
Mehlbett,
Und
es lag sich weich darin,
Wir
atmeten so flach es ging,
Nicht
zu ersticken,
Und
wir wollten diesen
Abdruck
unbedingt
Erhalten.
Aufschlag 9183
Ich
entdeckte, dass ich
Blicke
sehen konnte,
Ja,
ich spürte sie, bevor sie mich erreichten,
Und
ich lernte, ihnen auszuweichen,
Und
es wuchs ein langer
Weg,
der legte sich im hohen
Bogen
zwischen uns,
Und
groß war unsre
Mühe,
Uns
zu sehen.
Aufschlag 9184
Deine
heißen
Wangen
kühltest du an meiner Stirn,
Und
die lag weich an einem
Apfel,
der hing noch am Baum
Und
wich vor meinem
Kommen
aus
Und
rollte mir zur
Seite.
Dein
kleiner
Mund
war halb geöffnet,
Und
ich blies an ihm den dumpfen
Ton,
Du
lerntest schnell darauf mit mir die
Melodie
zu pfeifen,
Das
war nichts für mich alleine,
Und
mein
Atem
mischte sich in einem
Zug
mir deinem.
Aufschlag 9186
An
deinem
Eingang
hingen kleine, rote Lampen,
Und
man meinte, dass es
Tropfen
deines Blutes wären,
Und
ich sorgte mich um dich
Und
heftete ein
Liebespflaster
auf die Stelle,
Und
es tränkte sich sofort.
Aufschlag 9187
An
deinem
Fußgelenk
fand ich ein goldnes
Kettchen,
Und
es würde mir,
Sollt
ich dich dort besuchen, sicherlich zur
Fessel
werden,
Und
die
Küsse
fielen hier, kaum sichtbar,
In
ein
Netz.
Aufschlag 9188
Ich
beuge mich ganz ruhig über dich,
Du
liegst verborgen in dem
Bett,
Und
deine
Hand
liegt dir im Schoß,
Der
Schlaf
hält diesen
Platz
für mich besetzt,
Ich
fühl mich wohl
So
fest an dich gepresst,
Du
lässt mich nicht mehr los.
Aufschlag 9189
Du
hältst den
Blick
gesenkt, fast schon verschämt,
Dann
schickst du plötzlich deine
Augen
in die langen Winkel,
Und
sie sehen auf zu mir
Und
drohen mit der ganzen
Härte
deiner Liebe,
Die
weiß nichts von mir,
Und
aus den
Felsen
fällt ein kalter
Wind
ins
Segelboot.
Wir
sahen uns mit
Absicht
in die Augen,
Und
wir saßen uns
So
nah wie möglich gegenüber,
Und
wir hüteten uns jeder das
Gespräch
als ein Geheimnis unsres
Denkens,
Und
die
Sätze
blieben vor den
Lippen
liegen.
Aufschlag 9191
Ich
wünschte dich zu sehen,
Und
ich sehnte mich nach deinem
Haar,
nach deinem Nacken
Und
nach allem,
Und
ich hätte es zu gerne
Alles
und zugleich gehabt,
Und
als du kamst, trugst du den
Kopf
dreifach für mich,
Ich
sollte mich entscheiden.
Aufschlag 9192
Im
Dach
erkannte ich ein Oberlicht,
Von
dort sah ich ins
Haus,
Du
spieltest ganz alleine unter mir
Mit
deinem
Leben,
Und
es war dir wichtiger
Als
alles andere,
Und
meinen
Kuss
tat ich auf deine
Stirn,
die fand ich in der
Nähe
des
Verschlusses.
Aufschlag 9193
Auf
einer freien
Strecke
stand ein Halteschild,
Das
hielt uns nicht mehr auf,
Es
gab nur dieses eine
Schienenpaar,
das mussten wir benutzen,
Und
die
Richtung
war uns vorgegeben.
Aufschlag 9194
Wir
beide wollten keine
Abkehr,
Wollten
uns nicht voneinander wenden,
Und
am schönsten zeigte sich der
Traum,
wenn man die
Himmel,
die zu unsren Füßen lagen,
Nicht
berührte,
Und
wir würden wohl den
Abstand
zwischen uns
Auch
ohne
Schritte
überbrücken.
Das
Buch,
aus dem du last,
War
leuchtend eingeschlagen,
Und
ich sah dir über deine
Schulter,
Und
du sagtest mir die reine
Wahrheit,
Und
ich musste dir nun glauben,
Weil
du aus dir sprachst.
Aufschlag 9196
Damals
küsste ich dich auf den
Mund
Und
fand dich vor als einen
Königsapfel,
der war reif,
Und
du erlaubtest mir hineinzubeißen,
Und
das
Früchterund
verdankte deiner
Gegenwehr,
dass ich es
Heil
gelassen hatte.
Aufschlag 9197
Ich
war ja dumm gewesen,
Als
du mir die
Blumen
brachtest und sofort vergingst,
Ganz
tief im
Strauß
entstandst du völlig neu für mich
Und
wuchst daraus zu deiner
Größe,
Und
du zogst mich mit hinein,
Wir
schwammen lange in dem
Meer
der Düfte,
Das
ich an dir fand
Aufschlag 9198
Von
dem
Gewinn
verlange ich ja nichts,
Und
wenn du es verlangst,
Verlange
ich auch den
Gewinn,
den zahle ich für dich,
Auch
wenn du nichts für dich verlangst,
Als
den
Gewinn.
Aufschlag 9199
Heimlich
sah ich, wie du abends deine
Füße
in das Wasser stelltest,
Und
die ganze
Nacht
triebst du ein
Feuerwerk,
das hatte reichlich Nahrung,
Und
am
Morgen
saß dein
Kopf
verkehrt herum,
Du
wolltest ihn auf jeden
Fall
so tragen.
Mit
dem
Sonnenuntergang
war auch mein
Brennglas
wertlos,
Und
du zeigtest mir ein anderes
Gerät,
das wusste unser
Mondlicht
so zu sammeln,
Dass
darunter Eis entstand,
Und
leichte blaue
Flammen
zuckten drüber hin.
Aufschlag 9201
Du
sahst mich an, weil ich in dem
Spaziergang
stehen blieb,
Und
wirklich litt ich unter dem
Gewicht
des einen einzigen
Gedanken
sehr,
Du
brachtest mich mit nichts zum
Stehen.
Aufschlag 9202
An
deinen
Ohren
steckten rosarote
Und
zwei weiße Perlen,
Und
sie glänzten feucht,
Und,
als ich sie berühren wollte,
Rollten
diese
Tropfen
ohne jeden Halt zu
Boden,
Und
es bildeten sich augenblicklich
Neue,
denen glaubte ich.
Aufschlag 9203
Einmal,
als ich dich begrüßte,
Legte
ich den
Kuss
auf deine Stirn,
Die
stürzte ein
Und
hätte mich fast umgerissen,
Und
der
Krater
war sehr tief
Und
ohne
Mitte.
Aufschlag 9204
Für
unsre
Speise
kaufte ich uns neue Löffel,
Und
ich kaufte auch den
Wert
mit ein, der galt dir nichts,
Du
sagtest auch, was uns am
Leben
hielte, wär mit teuersten
Geräten
niemals
Einzufangen.
Du
wusstest alles,
Und
du wusstest auch von mir den
Augenblick,
in dem ich tödlich war,
Und
lange schon vorher schlosst du die
Augen,
um mich nicht mit diesem
Wissen
zu erschrecken,
Und
du gabst dich immer
Offenbar.
Aufschlag 9206
Ich
sah zwei
Helfer,
Und
sie spannten zwischen sich ein
Sprungseil,
das galt mir,
Ich
sollte mich versuchen,
Und
sie kamen mir entgegen,
Und,
als ich entdeckte, dass es beide
Male
du warst, wusste ich mir keinen
Rat
mehr und blieb stehen,
Und
das
Seil
schnitt sich durch mich
Hindurch.
Aufschlag 9207
Auf
einem
Foto,
dass du von mir machtest,
War
ich halb zu sehen,
Und
ich stand am Rand,
Du
wiest mich darauf hin, dass dieses
Foto
gut gelungen wäre,
Und
es zeigte mich in allem
Ganz.
Aufschlag 9208
Die
Spitze
eines Turmes
War
so unerreichbar hoch,
Wir
mussten beide über seine
Höhe
lachen,
Und
sie ragte eigentlich, wenn wir es wollten,
Nur
ein wenig aus dem
Frühstückstisch,
an dem wir saßen,
Und
wir wollten es
Und
achteten nicht mehr
Darauf.
Aufschlag 9209
In
deine blauen
Augen
fiel ich gern,
Ein
See,
der mich noch weiter atmen ließ,
Und
auch auf seinem
Grund
erfanden rasche
Hände
blaue Augen,
Und
die waren tief.
Wir
saßen im Gestein
Und
lauschten in die weite
Ruhe,
Und
ganz oben hörten wir, dass
Meereswellen
aneinander schlugen,
Und
hier unten schwiegen wir,
Und
jeder würde gerne wohl als erster
Sprechen
wollen.
Aufschlag 9211
Das
Gras
stand gar nicht tief im Wasser,
Und
die
Strömung
legte sich um jeden Halm,
Und,
wenn wir aneinander stießen,
Das
war sicher, sicher, sicher,
Könnt
uns niemand hören,
Und
ich lauschte angestrengt an dir
Und
du an mir,
Es
war nichts zu vernehmen.
Aufschlag 9212
In
dem
Blumenstrauß
stand ein
Gesicht,
das welkte ebenso nach ein paar
Tagen
wie die Blüten,
Und
wir rührten diese
Vase
nicht mehr an
Bis
alles abgefallen war
Und
auf dem
Tischtuch
lag
Aufschlag 9213
Aus
einem
Haus
stieg weißer Rauch,
Und
draußen war noch immer
Kälte,
Und
vor deinem
Mund
lag
Wort
für Wort gefroren,
Und
ich musste
Weiterwarten.
Aufschlag 9214
Wir
bauten ein
Gerüst,
das schraubten wir mit
Haken
an die Wand,
Das
ließt du dir an dir gefallen,
Und
erst, als ich oben stand,
Entdeckte
ich dahinter dein
Gesicht
und auch den
Grund
für unsre
Arbeit.
Einmal
sagte ich noch „Ja“ zu dir,
Das
hatte ich gelogen,
Und
dein
Blick
sprang hoch an mir, dein
Fuß,
auf dem du standst,
Trank
gierig Wasser,
Und
ich musste dieses
Unheil,
um der Wahrheit willen,
Auf
mich wenden,
Musste
einfach widerrufen,
Und
mein „Nein“ traf dich, als du im
Sprung
gewesen warst, genau ins
Schulterblatt.
Aufschlag 9216
Ich
legte eine
Leiter
an und stieg hinauf,
Man
sagte mir,
Dort
oben sollte ich dich retten,
Und
ich wusste schon vorweg,
Dass
du mich um der
Rettung
willen von der
Leiter
stoßen würdest,
Unten
wandte man sich ab,
Man
konnte sich auf dich
Verlassen.
Aufschlag 9217
In
dem
Garten
wuchs ein kleiner Turm,
Der
hatte unterirdisch sicher noch ein kleines
Haus,
Und
du verbotst es mir danach zu graben,
Dies
sei ein
Verlies,
das du bestiegst,
Und
mir gebotst du hier zu warten,
Und
drei
Tage
später ging der
Turm
in meinem Garten wieder unter,
Und
es gab auch in der
Tiefe
keine Spur
Von
dir.
Aufschlag 9218
Du
kamst zu mir,
Ich
sah es gleich,
Man
hatte dich frisch aufgeschnitten,
Und
ich wagte nicht zu fragen,
Wer
dich wo…
Und
voller
Übermut
war dir ein
Bild
in deine Stirn gestickt,
Das
hätte ich bemerken
Und
erwähnen sollen,
Und
du warst von mir enttäuscht,
Und
heimlich suchte ich an dir.
Aufschlag 9219
Mein
Hals
war heiß und trocken,
Und
ich musste auf das
Wasser
einer Schmelze warten,
Und
du führtest mich in ein
Gebirge,
dort wär Eis genug,
Und
mich an meiner
Hand
ging ich dir nach
Und
glaubte fest an das
Gesagte.
Ich
weiß noch, wie es war,
Als
du entstandst,
Du
konntest davon gar nichts wissen,
Und
in meinem
Zimmer
gab es keinen
Menschen
außer mir,
Da
saßt du plötzlich in dem
Stuhl
und sagtest,
Nur
für mich wärst du gekommen,
Einfach
aus dem
Augenblick
heraus,
Und
hinterließt in mir ganz unabsichtlich deine
Leere,
Und
ich musste eine neue unsichtbare
Mitte
finden.
Aufschlag 9221
Es
fiel dir auf, dass wir zur gleichen
Zeit
das gleiche taten,
Und
du dachtest anderes dabei als ich,
Und
zwischen dir
Und
mir geschah doch niemals
Gleiches
in der gleichen
Zeit.
Aufschlag 9222
Die
Vögel
zogen über uns nach Norden,
Und
ich ritzte mir in meine
Haut
den Pfeil, den sie dort oben bildeten,
Und
flog allein davon,
Du
würdest mir ja ohnehin nicht
Glauben.
Aufschlag 9223
Die
Erde
riss ein wenig auf,
Ich
zeigte dir den
Keim,
der sich dort bildete,
Und
wies dir nach,
Dass
ich erst gestern so entstanden war,
Und
mein
Gedächtnis,
das nicht weiter reichte,
War
mir der
Beweis.
Aufschlag 9224
Als
wir uns dann wiedersahen
Und
uns auch erkannten,
Kämpften
wir nach kurzen
Augenblicken
schon um unser Leben,
Und
das
Wasser
aus der Schmelze wollte uns
Ertränken.
Wir
fielen auseinander
Und
der
Schnee,
der zwischen uns die weißen
Wolken
schob, nahm jede Sicht,
Es
nützte nichts,
Das
wir uns fest an unsren
Händen
hielten,
Und
wir wussten nicht einmal,
Von
wem der andre sprach
Und
ob wir mit ihm redeten.
Aufschlag 9226
Eine
dieser weißen
Flocken
fiel auf deine
Stirn,
sie flammte auf
Und
brach ein rotes
Licht,
Ich
sah zum ersten
Mal,
woher du kamst.
Aufschlag 9227
Du
hattest etwas in der
Hand,
das war dir wichtiger, als alles andere,
Und
als ich es mir zeigen ließ,
War
es ein
Ding,
das hatte eine kurze Lebenszeit,
Du
wolltest, dass sie nur für dich verging,
Es
durfte niemand nahe sein,
Ich
kannte dies
Gefühl,
wenn man den anderen
Bestahl.
Aufschlag 9228
Ich
fragte dich,
Weil
ich dich fragen musste,
Und
du lehntest ab,
In
dir wär keine
Mehrheit
mehr für mich,
Und
meine
Stimme
galt hier nichts,
Und
deine
Wähler
zeigtest du mir nicht,
Weil
ich sie kannte.
Aufschlag 9229
Als ich entdeckte,
Dass du nur dein
Abbild warst,
Schnitt ich dich
aus
Und zündete dich
zwischen spitzen
Fingern an
Und hielt dich fest
Und sah dir ins
Gesicht, das
änderte sich in den Flammen
Nicht.
Geschenkt nahm ich
dich nicht,
Ich wollte dich mit
mir beschenken,
Und du nahmst von
mir nichts an,
Und in dem
Geld, du hattest
viel davon,
Und alles war für
mich geplant,
Wär ich ertrunken,
Und, so eng wie ich
mit dir verbunden war,
Würd zwischen uns
dein
Wunder nicht
geschehen können.
Aufschlag 9231
Du sangst für mich ein
Liebeslied, das
klang mir schön und warm,
Und deine
Füße warfen in dem
Tanz die
Schuhe ab,
Und sie bewegten
sich auf mir,
Ich war aus
Panzerglas, das
brach nicht
Und das riss nicht
ein
Und hielt dir
stand.
Aufschlag 9232
Auf dem
Weg lag eine
Blumenblüte,
Die ich an mich
nahm,
Und wochenlang lag
sie ganz frisch
Auf meinem Tisch
Und schien in ihrer
Pracht zu wachsen
ohne
Dass ich sie
bewässerte,
Sie welkte nicht,
Ich hatte den
Verdacht, dass sie
in jeder
Nacht erneuert
würde,
Und ich kümmerte
mich nicht darum,
Und kannte mich in
dem
Betrug nicht aus.
Aufschlag 9233
Es neigte sich ein
großer
Haken, der dich
suchte,
Über dich,
Du kanntest ihn,
Er würde dich, so
sagtest du,
In weitem
Bogen von mir
tragen,
Und er nahm dich in
den Arm
Und setzte dich
ganz nah zu mir in eine
Menschenmenge,
Die hielt fest an
dir,
Es war auch nicht
mehr möglich,
Dir zu winken.
Aufschlag 9234
Wir waren auf dem
Flur, dort stand
nur eine Lampe,
Und dein
Fuß ließ sie
verlöschen,
Und es war so
plötzlich
Und so völlig
dunkel,
Das ich dich nicht
mehr begriff
Und keine
Wand mehr fand,
Mich blendete die
Schwärze tiefer als
die
Dunkelheit um mich.
Du sagtest nichts
zu mir von unsrer letzten
Nacht,
Mir hatte jemand
meinen
Angstschweiß
abgetupft,
Und morgens gab es
nichts,
Das uns erinnerte,
Es mochte auch der
Traum noch nicht zu
Ende sein,
Das wusstest du
vielleicht.
Aufschlag 9236
Auf deinen
Mund fiel leicht
der
Schatten eines
Blattes,
Und er legte sich
auf meinen letzten
Kuss,
Der stieg in dieses
Schiffchen, und
fuhr, als es sich bewegte,
Auf und ab
Und wollte von dem
Boot nicht lassen.
Aufschlag 9237
Die
Ornamente seien
tiefe Kunst,
Ich fand genug an
dir,
Und, wenn du
lächeltest und weintest,
Zeugtest du ein
Heer davon,
Die hatte es zuvor
noch nie in einer
Kunst gegeben.
Aufschlag 9238
In deinem
Zimmer steckte
dieser
Nagel in der Wand,
Es war ein völlig
trockner
Raum,
Und trotzdem lief
die
Rostspur dort
herab,
Das hätte, sagtest
du, nichts zu bedeuten,
Und der
Nagel habe seinen
Sinn erfüllt und
dürfte nun
Verbluten,
Und er diene dir
nur noch als
Haken.
Aufschlag 9239
Der
Wind lieh mir den
Arm
Und seine
Hand,
Ich spielte mit den
Nackenhaaren,
Und die
Finger tasteten
erst dein
Gesicht, dann
deinen Körper ab,
Ich wurd erst wach, als du im
Schutz vor Sturm an
eine
Wand gedrängt, die
Kleider an dir
richtetest
Und eine Bö auf
deinem
Atem stand
Und dich beinah
erdrückte.
Wir teilten alles
ein,
Du plantest weit
voraus den
Antrag auf ein
eignes
Kind, das würde uns
erst fremd sein,
Und die
Mutter lebte weit
entfernt
Und von dem
Vater wusstest du
nur wenig,
Und es gab an dir
kein
Zeichen, das
Begierde weckte,
Und die Zeit mit
dir
Wurd schließlich
aufgeteilt von mir in kleine
Winkelfelder,
Keines davon musste
ich bestellen,
Und in meinem
Schrank hielt ich
noch einen
Frauenrock
versteckt.
Aufschlag 9241
Abends kamen
wundersame
Wesen an mein Bett,
Sie waren farbig
und sehr geometrisch,
Und sie redeten mit
mir,
Und ich verstand
sie nicht, die
Sprache war mir
fremd,
Und dich berief ich
mir zum
Zeugen,
Und es war dir
alles recht,
Du sagtest auch,
wie schwer es dir gefallen sei,
Dich so von dir zu
trennen.
Aufschlag 9242
Oft erinnertest du
mich ans letzte
Jahr, wir schöpften
damals mit den
Händen Wasser in
die
Körbe, die wir auf
dem
Rücken trugen,
Und wir konnten es
nicht lassen,
Und wir kamen nicht
zu uns.
Aufschlag 9243
Du liebtest mich,
Das hattest du
gesagt,
Und meine
Antwort hättest du
wohl gern gehört
Und sagtest gleich,
Dass ich dir nichts
zu sagen brauchte,
Und mit deinen
Händen schöpftest
du ein wenig frisches
Wasser, das du mir
entgegen hieltst,
Es schwamm kein
Fisch darin,
Ich brauchte es
auch nicht zu trinken,
Und es war nur eine
liebe
Geste, die du
machtest,
Und ich sah den
Grund, der war
nicht
Tief.
Aufschlag 9244
Drüben schwamm ein
wenig
Seetang auf der
Wasseroberfläche,
Und es wurde
Zeit für uns, die
Netze auszuflicken,
Und man sah schon
überall hindurch
Und hätte dich und
mich mit
Leichtigkeit
Erkennen können.
In der
Liebe sollte ich
dich fest in meinen
Armen halten,
Und ich wollte dir
gehorchen,
Und ich schob die
Hand auf deinen
Rücken immer neu
Und immer weiter
unter deine
Federn, die
verschoben sich
Und knickten ein,
Und letztlich blieb
ein
Flaum, der hielt
dich ganz
Bedeckt.
Aufschlag 9246
In der
Laube fand ich dich
auf einer
Bank, die stand im
Freien,
Und es schützte
dich das
Dach darüber,
Und du ludst mich
ein,
Es käme gleich der
weiche, warme
Regen, den du allzu
gerne mit mir teilen würdest,
Und ich setzte
mich, so eng es gehen mochte,
Neben dich,
Und niemand, warst
du sicher, würde deine
Kammer jemals
finden,
Und sie bliebe auch
vor mir
Geheim.
Aufschlag 9247
Schade,
Dass du gar nichts
sahst, das
Bild, von dem du
sprachst,
War unsichtbar für
mich,
Und du beschriebst
mir etwas,
Das ich besser
kannte,
Mochte sein,
Dass ich mich viel
zu nah
Und viel zu eng
An dir befand.
Aufschlag 9248
Wir zündeten ein
kleines
Feuer an,
Das war zuerst so
unbedeutend,
Dass ich es in
meinen bloßen
Händen halten
konnte,
Und es spiegelte
sich alles, was ich sagte,
In den Augen
wieder,
Und du blicktest
hastig hin und her,
Du mochtest meinen
Mund in deiner Eile
streifen,
Der verbrannte
schon mit seinem
Rücken.
Aufschlag 9249
Ich kam zu dir,
Das ließt du zu,
Und reiste mit dem
Kamm durch deine
Haare,
Und ich fand so
sehr
Gefallen an dem
Wellengang,
Ich nutzte mich
nicht ab
Und sah auch über deine
Schulter in den
Spiegel,
Wo du über alles
wachtest.
Nachts ging dein
Gesicht verloren,
Und ich tastete
durch eine unbekannte
Landschaft, die war
voller
Fallen, die ich
liebte,
Und ich stürzte
gern
Hinein.
Aufschlag 9251
Wir saßen
voreinander,
Und wir schwiegen,
Und ich sah zu dir,
Und viel zu lang wurd uns die
Zeit,
Und deine
Kleider zupftest du
zurecht
Und pflegtest dir
die
Fingernägel,
Und du blicktest
sicher auch auf mich,
Und unser
Warten aufeinander
war ein
Eilzug, der war viel
zu schnell
Und machte nirgends
Halt.
Aufschlag 9252
Aus dem, was du mir
sagtest,
Schnitt ich nur
heraus, was mir gefiel,
Den
Rest würd ich so
unbenutzt,
Wie du es gabst,
Behalten.
Aufschlag 9253
Nichts wär hier zu
hören, sagtest du,
Es hingen
Augenblicke an der
Wand, die hattest
du von uns gesammelt,
Und sie dröhnten
mir in meinen
Ohren,
Und sie standen mir
im
Gegenwind auf
meinem Atem,
Der ging mir
Verloren.
Aufschlag 9254
Ich weinte in der
Wunde, die ich
hatte,
Und du sandtest
einen
Spott, der war auf
mir ein
Öl, das zündete
sich von alleine an,
Und deine
Decke, diese
Flammen zu ersticken,
Fand ich nicht,
Es war ein
Blaulicht, das auf
deinem
Körper
Zuckte.
Alles flog so
schnell vorbei,
Wir hielten an
Und standen voreinander,
Und die
Rasterscheibe
Drehte sich schon
zwischen uns,
Die ließ uns im
Zusammenhang
erscheinen,
Und zerschnitt uns
trotzdem immerzu
Und ohne
Unterlass.
Aufschlag 9256
Es war nur das
Relief an dir,
An dem ich mich
verletzte,
Das lief ganz um dich
herum, der
Eingang war wohl
auf der
Unterseite, die
behieltst du noch für dich,
Du hättest sie, so
sagtest du,
Noch nicht geformt,
Es gäbe auch bis
jetzt noch keinen
Grund dazu,
Und darum auch kein
Bild.
Aufschlag 9257
Unter meinem
Haar könnt ich dir
etwas zeigen,
Und es wär ein
Ausblick, der geht
über in die
Tagesbläue,
Und du sähest sie
gleich hinter einem
Loch darin, wenn du
nur wolltest,
Und du kämmtest
mich
Und wolltest nichts
Verstehen.
Aufschlag 9258
Hinter deinem
dünnen
Schleier hing schon
dein
Gesicht, dein
Mund schien durch
Und blähte dieses
Tuch mit deinem
Atem,
Und es lief die
Brust in ihrer
Wölbung mit dem
Hauch dahinter über
dich,
Und deine
Tagesdecke
Rührte ich nicht
an.
Aufschlag 9259
Lieber sähst du nichts,
Als dass du alles sähst,
Weil du ja ohnehin
nur sahst,
Was du nicht sehen
wolltest,
Und du schwiegst
dich aus
Und fragtest mich
so stumm,
Und
Antwort konnte ich
nicht geben,
Weil ich selbst nur
sah,
Was ich nicht sah,
Und ganz vergebens
wäre es,
Davon zu reden.
Ich achtete sehr
auf das
Frauenlachen,
Und ich hörte diese
Fröhlichkeit in
ihm,
Die
Hand verdeckte nur
den Mund,
Der rang mit einem
Zungenkuss, den du
mir selber gabst,
Die
Augen waren ganz
auf mich gerichtet,
Und sie ließen
nicht mehr ab von mir
Und kauerten sich
nieder
Vor dem
Sprung.
Aufschlag 9261
Ich rief nach dir,
Du löstest dich
sofort
Und fielst in meine
Arme, die hielt
ich, soweit ich konnte, offen,
Und wir mussten
beide nur noch warten, bis das
Echo kommen würde,
Das verhallte oft
ganz ungehört
In irgendeiner
Nähe, die man nicht
Erkannte.
Aufschlag 9262
Du achtetest genau
auf jeden
Handgriff, den ich
machte,
Und die
Kerze stand in
einem
Drahtgestell, das
fuhr sie auf und nieder,
Und das
Tageslicht, das auf
ihr brannte,
Schob sich manchmal
und in
Absicht viel zu nah
an dich heran,
Du hattest dich
noch nie
Gewehrt.
Aufschlag 9263
Heute traf ich dich
das erste
Mal,
Du wusstest manches
über mich,
Was ich nicht
wusste,
Und du sagtest nur
von mir, was richtig war,
Und neben dir lag
dieser
Katalog, der führte
mich
Und, alphabetisch
richtig eingegliedert
Und beweglich,
transparent und fehlerfrei,
Auch dich,
Den hattest du noch
kurz zuvor in deiner
Hand gehalten.
Aufschlag 9264
Hinter deiner
Tür hing leuchtend
rot ein
Warnhemd, das
trugst du,
Um dich zu
schützen,
Und du zogst es
jetzt gleich über dich,
Es sei auch nicht
die
Frage der Gefahr
durch mich
Und auch kein
Zeichen einer
Schuld.
Du riefst mich, dir
zu helfen,
Und ich kam sofort,
Ich fand dich
unverletzt
Und nicht
geschwächt,
Und bald, so
sagtest du,
Begänne hier in dir
der
Kampf,
Und du und ich, wir
hatten jeder einen
Platz auf der
Tribüne.
Aufschlag 9266
Du hattest mich
sehr schnell
Verstanden,
Und du nutztest
jede
Pause,
Und dir war es
recht,
Mich hier mit mir
Und nebenan allein
zu finden,
Und auf dich stieß
ich zugleich von allen
Seiten.
Aufschlag 9267
Deine
Blumen waren
Ölgemälde,
Und die
Zimmer deine
Blumengärten,
Und das ganze
Haus war nur der
Baum, in dem wir
lebten,
Und ich küsste
deine
Zweige,
Und ich stahl dir
manches frische
Blatt vom Leib,
Dahinter stand
schon eine neue
Knospe.
Aufschlag 9268
Heute brach die
erste weiße
Blüte auf,
Und warm war deine
Innenhand,
Es legte sich mein
Mund mit seinem
Rücken dort hinein
Und sah dich an,
Es fiel auf mich
dein
Atem.
Aufschlag 9269
Ich sah dich in dem
Vogelnest, das
stand in weißer Blüte,
Und ich sprach dich
an in einer
Vogelsprache, die
verstandst du nicht,
Du zeigtest nur auf
einen dünnen
Draht, den musste
man in eine
Klemmvorrichtung
stecken,
Und du flogst
sofort davon.
In deinem
Zimmer hatte alles
seinen Platz,
Und meine
Liebe war gleich
neben mir
Und gegenüber
deiner
Eingangstür an eine
freie
Wand geschraubt,
Die zeigtest du mir
als
Willkommen.
Aufschlag 9271
Irgendwann
entdeckte ich an dir die feinen
Drähte,
Und sie wuchsen
überall aus deinem
Leib
Und waren weich
Und anschmiegsam
Und sehr
geschmeidig,
Und sie waren
einfach zu verschieben,
Wenn man mit der
Hand darüber fuhr,
Sie störten nicht
Und richteten sich
immer wieder auf
Und tasteten nach
einer unsichtbaren
Beute, die du ganz
mit dir
Alleine warst.
Aufschlag 9272
Du sagtest mir,
dass du mit deiner
Suche nach Ersatz
für mich
Beginnen würdest,
Und ich wagte
nicht, dich auszufragen,
Und du warst auch
so bestimmt,
Und gelte der
Ersatz nur der
Person, so wüßt ich dennoch nicht,
Wem er nun galt,
Ob ich um
deinetwillen
Oder du nun
meinetwegen
Gehen musstest.
Aufschlag 9273
Ich blies die
Staubgefäße von dir
ab,
Es stieg ein gelber
Regen um dich auf,
Und gegenüber stand
schon einer,
Der war aus dem
Gelb herausgebrannt
Und wurde
ausgestellt,
Man würde ihn
vielleicht erneut
Verwenden.
Aufschlag 9274
Heute Nacht, so
sagtest du,
Hätt wieder eine
Hand an deinen
Traum gerührt,
Du wusstest nicht,
Ob du bestohlen
worden warst
Und suchtest gleich
an mir,
Das war umsonst,
Und ich war in der
Nacht nicht
eingeschlafen,
Und du selbst
beraubtest dich ja oft genug
Der eignen
Träume.
Du sprachst mit
einem
Tier, dem flogen
deine
Küsse in das warme
Fell,
Dann beugtest du
dich ganz zu mir herab
Und bliest die
Haare hoch
Und suchtest mit
dem
Mund darin
Und mit der
Zunge, bis du mich
Verspürtest.
Aufschlag 9276
Ich kam zurück
Und stand in einer offnen
Tür, die pendelte
noch immer hin und her,
Das kam nicht mehr
von dir,
Es kam von einem
Wind, der jetzt in
deiner alten
Kammer wohnte,
Und ich nahm dich
von der
Wand, die war an
dieser Stelle hell geblieben,
Und es war zu spät,
Du schadetest dir
selbst
In viel zu vielem
Viel zu viel.
Aufschlag 9277
Immer tat ich alles
viel zu spät,
Und selbst, was ich
zu früh begann,
War schon vergangen
Noch bevor es
angefangen hatte,
Und die
Hände waren
übervoll,
Ich warf sie in den
Fluss, der trug sie
nicht davon
Und schwemmte sie
zurück,
Dass ich mich
schämte
Und sie wieder an
mich nehmen musste,
Und ich konnte so
Und so nichts
fassen.
Aufschlag 9278
Ich sang ein
Lied, das stand
geschrieben,
Und es war ein
monotones
Lied, das sang das
rote
Band, das wir mit
unsren
Fingern strammten,
Und auf dem wir
Töne zupften,
Und wir durften uns
nicht von dem
Faden lösen,
Und ich knotete
mich fest an dich,
Und mir geschah es
ebenso mit dir,
Das haben wir im
Spiel ganz
unbewusst getan.
Aufschlag 9279
Die
Kinder tanzten
Löcher in ein Buntpapier
Und sahen dann
hindurch,
Ich stand vor dir
Und hatte dich
herausgeschnitten,
Und mein
Blick ging nicht an
dir vorbei
Und drang nicht
ein.
Draußen standst du angelehnt
an einen
Stamm,
Ich ging zu dir,
Und aus dem
Haus rief eine
Stimme mich zurück,
Du hasstest es, mit
mir in dem
Betrug zu leben,
Und es fiel im
Haus ein Blatt vor
meine
Füße, das war von
dem
Baum gerissen
Und ließ wissen,
dass du mich am
Stamm erwartetest.
Aufschlag 9281
Es war ein
Spiel, dass du dich
vor mich stelltest,
Und ich stellte
mich vor dich,
So standst du
zwischen mir,
Und gleich danach,
das
Spiel ging weiter,
Stand ich eng um
dich,
So standst du ganz
in mir,
Wir nannten uns
nun:
„Einer aus dem
anderen“,
Und waren ganz
verspielt.
Aufschlag 9282
Ich gab dir nach,
Ich wusste nicht
warum,
Du legtest deinen
Kopf auf meine
Schulter, die brach
ein
Und ließ dich
stürzen
Und in mir
ertrinken.
Aufschlag 9283
Plötzlich standst
du so vor mir,
Wie ich dich nie
verlassen hatte,
Und du warst das
Wunschbild, das
sich zeigte,
Und ich streckte
meine
Arme nach dir aus
Und hielt sie wohl
zu steil
Und spießte dich in
deinem ersten
Anlauf damit
Tödlich auf.
Aufschlag 9284
Du schliefst vor deinen
eignen
Augen ein
Und gingst
Und ließt dich sitzen, wo du saßt,
Und überließt dich
ganz dem
Zufall,
Und es war die
Peinlichkeit, die
mir um deinetwillen
So zu schaffen
machte,
Und ich musste als
ein völlig
Unbeteiligter auf
deine
Rückkehr warten.
Du ludst mich ein,
Es war schon spät,
Und vor mir stand
die
Müdigkeit, die
hielt ihr
Netz bereit, das
hing,
Ich sah es nun, in
deinen
Händen,
Und es lag als
Schleppe über
deinem Arm,
Du sagtest gleich,
Es sei von dir
geflickt
Und ausgebessert,
Und es würde mich
nicht halten.
Aufschlag 9286
Du führtest mich
durch einen
Flur
Und sagtest auch,
dass du hier jeden
Winkel kennen
würdest,
Und ich solle dir
vertrauen,
Eigenartig, fiel
mir ein,
Ich hatte dir das
gleiche einen
Augenblick zuvor
ins
Ohr geraunt.
Aufschlag 9287
Du brauchtest viele
Helfer für die eine
Messung, die dir
wichtig schien,
Sie galt dem ganz
besonderen
Gefühl auf deiner
Haut,
Die war so
regenschwer geworden,
Und die
Wolle, die dir
wuchs, war durchgenässt,
Und ich sah nichts
davon
Und konnte dir
nicht helfen,
Und ich sah, wie
nötig
Hilfe war.
Aufschlag 9288
Dein
Gesicht stieg auf
ins Regengrau,
Und meine
Augen, die dir
folgten,
Wagten nicht den
Glanz, den
Schimmer davon
abzuwischen,
Und der
Regen fiel uns
hinterher.
Aufschlag 9289
Dann deutetest du
Stille an,
Ich wusste gleich,
Dass dich dies
sonderbare
Fühlen wieder
überkam,
Du sagtest einmal:
Eines
Blattes Schatten
habe sich auf dir
Verirrt,
Und blicktest auf
Und ab an dir, ihm
nach,
Und nichts war dort
Zu spüren.
Ich suchte dich
schon überall,
In jede
Schachtel hatte ich
geschaut,
Dann fand ich dich
vor mir,
Du warst ganz starr
Und stumpf
Und stumm,
Ich konnte dir
nicht trauen,
Und ich schloss
dich auf
Und sah hinein,
Du standst in dir,
wie du vor mir,
Und schwer wog nun
die
Leere überall,
Sie stach in jede
Tiefe ohne
Aufprall.
Aufschlag 9291
Man sagte mir:
„Du hältst ein
Glas in deiner
Hand,
Zerbrich es nicht
Und schneid dich
nicht an seinen
Scherben,“
Und es stieß mich
jemand an, dass dieses
Glas zu Boden fiel,
Ich riss die
Hände hoch
Und dachte nur an
mich,
Und, als das
Glas zersprang,
War ich gerettet,
Und es bluteten
allein die
Scherben unter mir
Und fielen fort
Und fort bis zur
Unkenntlichkeit.
Aufschlag 9292
Als man dich in der
Glaskunst schuf,
Standst du im Feuer
Und warst biegsam
Und elastisch,
Und in meiner
Hand stehst du als
unberührbar klirrendes
Geschenk
Und frierst dich
ein in mir,
Und spröde ragen
deine
Enden in den Tag,
Ich kann dich so in
blauen
Flammen nicht
ertragen.
Aufschlag 9293
Ich küsste deinen
Nacken,
Und du legtest
deine
Hand an meinen
Hals,
Die drehte ich vor
meinen
Mund, der sah
hinein
Und atmete auch aus
dem
Fenster, das du
darin
Offen hieltst.
Aufschlag 9294
Alles, was ich
sicher wusste,
Hatte ich an mir
erfahren,
Und du lachtest
über mich
Und meine Dummheit,
Und ich dürfte,
wenn ich wollte,
Alles an dir
öffnen,
Und ich mühte mich
umsonst,
Es war wohl ein
geheimer
Schraubverschluss
an dir,
Den zu bedienen
Konnte man nicht
lernen.
An deinem
Arm sah ich den
Silberschmuck, der
war so blank
Und äugte
ängstlich, wenn ich näher kam,
Und er versteckte
sich an dir,
Du sagtest auch,
das wäre eine
Art mit dir zu
reden,
Und ich sprach dich
nicht mehr an.
Aufschlag 9296
Du gingst in deinem
Haus spazieren, wie
in dir,
Ich meine so:
Es gab nichts, das
dich hinderte,
Und
Gegenstände blieben
dir im
Weg
Und waren nicht im
Weg,
Ich wusste nicht,
wohin ich laufen sollte,
Wenn du auf mich
Zugingst.
Aufschlag 9297
An deiner
Tür wies mich das
Schild zurück,
Es war nicht
Draußen angebracht.
Aufschlag 9298
Neben dir lag
dieses
Tier, es trug ein
warmes, braunes
Fell, das hatte ich
schon oft an dir bemerkt,
Es mochte sein,
Dass ich das
Tier zum ersten Mal
Entdeckte.
Aufschlag 9299
Du wolltest mich
mit einem
Schritt erreichen,
Das war leicht,
Du standst ja nah
genug vor mir,
Und als du deine
Augen übermütig
schlosst,
Trat ich beiseite,
Und der
Sturz war deine eigne
Schuld,
Du warst mit nichts
zu halten,
Und ich selbst war
auch nicht angehakt
Wie du.
Du zwangst mich zu
vertrauen,
Und du maltest mit
der
Hand ein Fenster in
die Luft vor dir
Und gingst
hindurch,
Und, als ich dir
nun folgen musste,
Brachen beide
Flügel deiner
Künste,
Und die
Splitter trafen
Mörderisch.
Aufschlag 9301
Wir waren im
Gespräch,
Und einmal stieß
ich auf ein
Wort, das brach ich
aus der
Mauer,
Und es war ein
Farbstein,
Und du sagtest
später,
Dass du dir um meinetwillen
deine
Zunge abgebissen
hättest,
Und ich wüsste doch
so etwas
Überhaupt nicht
Auszubessern.
Aufschlag 9302
Du richtetest dir
deine
Haare,
Und ich sollte dir
dort hinten eine
Schleife binden,
Und ich tat es
gern,
Du schautest mir, durch
dich hindurch,
Verstohlen auf die
Finger,
Und es wäre
sinnlos, dir die
Binde von den Augen
Wieder abzunehmen.
Aufschlag 9303
Einmal standen wir
ganz nahe voreinander,
Und ich legte
meinen
Leib in deinen,
Nur die
Köpfe blieben
leicht getrennt
Und lernten sich so
kennen.
Aufschlag 9304
Du zeigtest mir nur
ungern dieses eine
Zimmer,
Und ich spürte sehr
dein
Zögern,
Und du sagtest
auch,
Ich sollte doch
verzichten auf die
Ansicht deiner
abgelegten
Köpfe,
Und ich musste dir
versprechen,
Dich sofort danach
in meinen eignen
Kopf zu führen.
Auf der
Straße stieß ich
mit dem
Fuß an bunte
Schnüre, die dort
lagen,
Sie gefielen mir,
Ich ließ sie
deshalb liegen,
Und die
Frau, die mir
begegnete,
Sah ich nach etwas
suchen,
Und sie ging an mir
vorbei
Und fand mich
nicht,
Und auch die
Schnüre stieß sie
achtlos an die
Seite.
Aufschlag 9306
Immer noch lagst du
im
Weg,
Und niemand hob
dich auf,
Und, wer sich
näherte, wich wieder aus,
Es mochte sein,
dass man die vielen
Scherben scheute,
Weil man sie nicht
richten konnte,
Mocht auch sein, dass
man den
Rest sich selber
überlassen
Und so schützen
wollte.
Aufschlag 9307
Auf dem
Finger trugst du
einen
Ring, der fasste
einen Edelstein,
Und Ring und Stein
erstrahlten,
Und sie waren gut
Durchblutet.
Aufschlag 9308
Für die
Feier trugst du
eine
Krone, die war aus
Papier,
Und später würdest
du sie auf dem
Kopf entzünden,
Und wir sahen alle
zu,
Du branntest völlig
auf in einem
Atemzug,
Die leichte
Asche stieg nach
oben.
Aufschlag 9309
Dann trennten sie
die
Hände, die sich
aneinander hielten,
Und sie ließen los,
Die eine blieb,
Die andere fiel in
das
Wasser und versank
sofort,
Man hätte auch
nichts anderes
Erwarten sollen.
Als ich ehrlich
war,
Gestand ich alles,
Und der
Kuss war nur der
Anfang eines langen
Fadens,
Und ich liebte, ja
ich liebte auch die
Feuchtigkeit in
deinem Mund
Und stand darin
Und achtete auf
jede Wölbung
Und verlor den
Eingang ganz aus
meinen
Augen.
Aufschlag 9311
Du, ja du allein,
warst meine
Denknotwendigkeit,
Die schloss den
Irrtum
Einfach ein.
Aufschlag 9312
Du trugst am
Hals ein kleines
rotes
Tuch, das fiel auch
etwas über deine
Brust und sollte
dir ein
Niemandsland
bedecken,
Und du zeigtest mir
in einem flachen
Flug darüber,
welche weiten
Ebenen noch vor mir
lagen.
Aufschlag 9313
Früher hattest du
noch einen andren
Namen, das war
lange vor der
Zeit mit mir,
Man las ihn auf den
alten, alten
Karten,
Damals galt an dir
die frühe
Landschaftskunde.
Aufschlag 9314
So vermochte ich
nichts auszurichten,
Und die
Kleinigkeiten
blieben winzig,
Und durch deinen
Kopf entstand ein
großes Bild,
Du zwangst mich,
hinter dir zu stehen,
Um genug zu sehen,
Und du wurdest
immer
Deutlicher davor.
Deine
Hände flogen auf
Und schwirrten als
zwei zahme
Vögel durch den
Raum
Und setzten sich,
wenn du es wolltest,
Überall auf jeden
Platz und hin zu
jedem.
Aufschlag 9316
Es ist die sehr
verliebte
Spiegelei mit dir
und mir,
Wir gehen
miteinander ineinander,
Und wir dürfen auch
allein im andren sein,
Und neuerdings,
Das brachtest du
herein,
Kehrt jeder hin und
wieder
Bei sich selber
ein,
Dich lass ich dabei
nicht aus meinen
Augen.
Aufschlag 9317
Du hattest es noch
nicht gemerkt,
Und ich schwieg
ganz darüber,
Und es liefen tiefe
Spuren über deinen
Rücken,
Und die
Füße standen noch
Darin.
Aufschlag 9318
Auf der andren
Straßenseite wuchs
ein Wald,
Von dem fiel dieser
Lügenwind herüber,
Und es roch nach
Meer und eingerissnen Netzen,
Und du sagtest
irgendwann,
Wer diesseits
stünde,
Wäre bis in alle
Zeit gezwungen in
die
Eigenquälerei.
Aufschlag 9319
Ich lief davon
Und stolperte im
Abschied über
diesen Unterschied
Um dessentwillen
ich dich ließ:
Nur dir galt meine
Und auch deine
Liebe.
In deinem
Schatten lag ich
lange, denn dort schien die
Sonne früh vom
Aufgang bis zum
Untergang,
Dann traf ein
Riss in die
Fassade,
Und der helle
Tag wurd mir zur ersten
Finsternis, die
dich verbarg.
Aufschlag 9321
Gestern schenkte
ich dir dieses lange
Schönheitsnetz,
Das zogst du über
dich,
Und gerne sah ich,
Wie du dich darin
entferntest,
Und die
Grenze zwischen dir
Und mir wurd sichtbar,
Heute, als ich‘s
wieder haben wollte,
War es kalt und
starr, ein fester
Draht, der ließ
sich nicht von seiner
Stelle biegen.
Aufschlag 9322
Ich wurde krank
Und sah, dass auch
die
Gegenstände lebten,
Und von dir erfuhr
ich,
Dass das alles
richtig sei,
Und überdies
verlangtest du das
Holz an dir ein
wenig
Auszuschneiden.
Aufschlag 9323
Du sprachst von
meinem
Körper und von
meiner
Männlichkeit,
Die war dir recht,
Und dass ich dich
als liebe
Diebin immerfort
beim
Stehlen überführte,
sei die
Sache wert.
Aufschlag 9324
Unsre
Häuser standen
gegenüber,
Und wir schauten
gegenseitig in die
Fenster
Und beliehen uns
Und kauften uns auf
die
Entfernung frei
Und aus.
Die
Sonne stand in
deinen
Haaren,
Und sie brach die
Tannenzapfen darin
auf,
Sie sprangen
Und sie ließen ihre
braunen
Samen über deine
Schultern aus den
Locken fallen.
Aufschlag 9326
Dein
Gesicht war kaum
noch greifbar,
Und ich wusste
auch, dass
Fische, die im
Wasser standen,
Dort in Wahrheit
Einen andren
Platz einnahmen
Als ich ihnen
eingestand.
Aufschlag 9327
Alles war mir lieb
an dir,
Ich nahm dich, wie
du warst,
Auch, dass du deine
langen
Locken schneiden ließt,
Erfand ich mir als
Anfang für ein
neues
Wachstum, das
verbotst du mir,
Und auch, dass ich
dich so für mich verwendete,
Ich sollte mich an
die totale
Nichtanwendbarkeit
Gewöhnen.
Aufschlag 9328
Die
Uhr stand über dir,
Und, wollte ich sie messen,
Müsstest du dich völlig still verhalten,
Irgendwann, so riefst du mir noch nach,
Hättst du mir deine
Zeit doch selbst gesagt.
Aufschlag 9329
Man entdeckte die
Mechanik der
Gelenke,
Und ich küsste
deine
Beugen,
Und in jedem
Tal verfolgte ich
die eigenen
Gerüche,
Die entstanden aus
den einzelnen
Begebenheiten,
Die erfasste
niemand
Außer mir.
Ich trat zu dir, so
nah es eben ging,
Und unsre
Hände lagen in den
Maschen eines Drahtes
links und rechts fest aufeinander,
Und ich war noch
nicht bereit, das
Gitter zwischen uns
Herauszunehmen,
Und wir hielten uns
ja auch
Daran.
Aufschlag 9331
Mein
Ekel kleidete dich
in Bedürftigkeit,
Dein
Kopf riss ab
Und lag daneben,
Und ich hätte dich
so niemals
Übersehen können.
Aufschlag 9332
Du sagtest einmal
auch, dass du in einer
Strafe lebtest, um
dem
Urteil zu entgehen,
Und ich war doch
völlig neu in deinem
Leben,
Und du strecktest
dich zufrieden
Und ein wenig
selbstgefällig,
Und es häufte sich
auf einem kleinen
Berg in mir
Verachtung
Und die
Lust kaputt zu
machen,
Und ich drehte mein
Gesicht so schnell
zur Seite, dass der
Hals abbrach.
Aufschlag 9333
Später lernte ich
dich besser kennen,
Und es saßen
unterschiedliche
Gesichter dir in
jeder Öffnung deines Kopfes,
Und du hattest es
noch nicht bemerkt
Und sagtest auch,
Es sei wohl deine
Art, sich selbst zu
portraitieren,
Und ich war mir
meiner
Sache völlig
sicher.
Aufschlag 9334
Du sagtest auch ein
andres
Mal, ich könnte mich
um deinetwillen von dem
Schatten lösen, der
mir dauernd folgte,
Und du sprängest
gerne ein,
Es bliebe der
Verdacht auch so
auf deiner und auf meiner
Seite,
Und wir wüssten
davon beide,
Und er sei nicht
mehr behandlungswürdig
Und auch nicht
Erwähnenswert.
Du aßt von einem
neuen
Apfel, der war
außen weiß
Und innen grün,
dass ich vor dir erschrak,
Ich sah auch an dem
Mund die
Feuchtigkeit,
Die glänzte
schillernd zu mir her,
Und niemals wieder
würde ich den
Boten irgendwie
Belohnen.
Aufschlag 9336
Du lagst auf deinem
Rücken unter mir,
Ich fand uns hier in einer
Liebe wieder,
Und ich war so unbeherrscht
Und achtete auf nichts
Und riss dich ein an vielen
Stellen,
Und du meintest gleich,
Man sollte ruhig noch einmal versuchen,
Dich zu reparieren.
Aufschlag 9337
Später lagen wir
auf einer
Schale, die uns
wog,
Wir wussten ganz
genau die
Summe unserer
Gewichte,
Und die stimmte
nicht mehr überein mit diesem
Maß,
Wir hätten noch die
Kraft, die uns
zusammenschloss,
Gewichten müssen,
Die war nun
verloren.
Aufschlag 9338
Ich hatte dich
versehentlich verletzt,
Es tat mir leid,
Ich nahm dich in
den
Arm, um dich zu
trösten,
Und dein
Schmerz, so sagtest
du,
Sei nicht die
äußerliche
Stelle,
Sondern, dass du
dich
Mir offenbaren musstest,
Sei kaum noch zu
heilen.
Aufschlag 9339
Von deinem
Und von deinem
Leben hattest du
mir nichts erzählt,
Es fiel mir aber
auf, dass man den
Reisezug, in dem
wir saßen,
Unvermutet um
Waggons
verlängerte,
Die konnte ich von
meinem
Platz nicht sehen,
Und es war nur
dieser
Ruck zu spüren,
Der ging alle an.
Wir lebten ständig
aus dem
Kaufhauskatalog,
der bot uns alles an,
Und selbst an dir
und mir
Entdeckten wir die
langen
Warennummern, die
wir uns in irgendeiner
Not wohl gegenseitig
Ausgegeben hatten.
Aufschlag 9341
Als ich dich erfand
Und kennenlernte
Und du dich für
mich lebendig machtest,
Strich ich meine
erste
Zukunft völlig aus,
Man koppelte sie
noch in meiner
Gegenwart an einen
fremden Zug,
Der fuhr so eilig
an
Und fort,
Als fürchte er um
seine
Beute.
Aufschlag 9342
Deine
Eigenbilder zeigten
dich als
Schwebeteile in dem
Nest,
Das trieb auf einer
Morgenstunde
Und schlug seicht
und frisch an meine
Füße,
Und der
Strand war flach,
Und alles blieb an
seinem
Platz und trieb
nicht ab
Und nicht hinaus,
Und winzig kleine
Kräuselwellen
legten sich
Darüber.
Aufschlag 9343
An einem
Morgen fand ich
dich ganz heiter,
Und du warst zu
Gast bei dir, dein
Kopf frisierte sich
Und pflegte sich
vor einem
Spiegel,
Deine
Arme hatten sich zu
mir gelegt, die
Beine suchten
irgendetwas,
Und dein
Leib genoss die
Ruhe um sich her,
Du hattest dich bis
hier
Noch nicht bemerkt.
Aufschlag 9344
Ich ließ mir meine
Augen nicht mehr
stehlen,
Und ich sah nicht
hin zu dir,
Und auch bei
anderen
Verließ ich mich
nicht mehr auf deren gute
Sichtbarkeit.
Dein
Leib wär schön,
So sagtest du von
dir,
Man fänd dich auch
gefällig,
Und du seist die
Dienende an dir
Und wandtest alle
Künste auf,
Und manche
List gelang dir
gut,
Du warst auch auf
der
Hut vor den
Verfolgern,
Die entsandtest du
nach dir,
Und denen würdest
du am
Ende nicht
entkommen.
Aufschlag 9346
Drüben fuhr ein
kleines
Schiff mit grünen
Segeln,
Und ich küsste
deine
Augenlider,
Darin stand der
Wind und blähte sie,
Wir kamen gut
voran.
Aufschlag 9347
Verrat, so sagtest
du, schlöss
Treue überhaupt
nicht aus,
Und hinter mir fiel
eine
Tür ins Schloss,
Die konnte ich
alleine nicht mehr öffnen,
Und du legtest dir
ein
Schlüsselchen auf
deine ausgestreckte
Zunge,
Und ich stand auf
halbem
Weg ganz still
Und musste
irgendwie zu dir
Gelangen.
Aufschlag 9348
Du fülltest ein
Getränk ins Glas,
Wir wollten beide
daraus trinken,
Ich entdeckte einen
Riss im Boden, wo
sich
Tropfen sammelten
und niederfielen,
Und du sagtest mir,
es wäre deine
Schuld, du hättest
das
Getränk vom
falschen Ende her
Hineingegossen,
Und es sei nun viel
zu spät.
Aufschlag 9349
Wir gingen in der
Stadt spazieren,
Und wir waren
Kopf an Kopf,
Man sagte hinter
uns:
„Wir wissen nicht,
wie sie die
Köpfe jemals wieder
Voneinander trennen
können,“
Und wir hatten
nichts davon
Bedacht.
Es schlug im
Turm die Uhr,
Wir sprangen in den
Hauseingang
Und wären auf der
Straße viel zu
leicht zu treffen,
Und der
Klang schwoll an
Und wieder ab,
Und er berührte uns
nur noch am
Rand.
Aufschlag 9351
An dir verging nun
Tag um Tag,
Und hinter deinem
Mund risst du das
oberste
Kalenderblatt mit
deiner Zunge ab,
An mir, so sagtest
du, verginge keine
Zeit, sie sei in
einem fort am
Ende,
Und ich sei noch
lange nicht so weit
Wie du.
Aufschlag 9352
Dann hörte ich von
dir
Von meiner
Zeit vor mir,
Die war ja niemals
Wirklichkeit
gewesen,
Und du gabst mir
recht,
Und immer gäbe es
nur etwas
Zu vergessen,
Wenn man nichts
vergaß.
Aufschlag 9353
Ich schlug mir an
die
Stirn
Und griff nach
einem
Stern, der war
sofort in meiner
Hand,
Und was zum
Greifen nahe lag,
gleich hinter dieser
Wand, war
unerreichbar fern,
Ich hoffte auf die
blanken
Stellen hinter
deinen Augen,
Dass vielleicht von
dort die
Antwort käme.
Aufschlag 9354
Einmal kam es vor,
das ich mich in die
Statue verliebte,
Und ich nahm mir
vor, ihr alle
Zärtlichkeit zu
geben,
Die sie brauchte,
Und mit einem
schweren
Hammer schlug ich
sie entzwei
Und weinte über den
Verlust, den
brachte ich dem ahnungslosen
Künstler bei.
Einmal sah ich
dich,
Nur dieses eine
Mal,
Und mein
Gepäck fiel von der
Schulter,
Und es ging sofort
verloren,
Und es waren große
Werte, die ich
darin hatte,
Und ich fragte niemals
irgendjemanden
Wo es geblieben war
Und keinen einzigen
nach dir.
Aufschlag 9356
Manchmal ging ich
einen
Schritt vor dir,
Weil du es so
verlangtest,
Und du sagtest
auch,
Es wäre mir dann
leichter, dir zu folgen,
Und du achtetest
auf diesen einen
Schritt von mir.
Aufschlag 9357
Du geschahst genau
vor meinen
Augen,
Und ich sah an dir
vorbei,
Du hieltst dich
fest am fernsten
Rand in meinem
Blickfeld,
Und ich wurde so zu
deinem
Mittelpunkt,
Um den ich kreiste.
Aufschlag 9358
Anfangs litt ich unter
meiner
Leidenschaft
Und riss sie aus,
Das öffnete die
Wunde weit,
Es war der rechte
Augenblick
Sie zuzupflastern.
Aufschlag 9359
Du lachtest über
mich,
Weil ich mich
schämte
Und dich fragte
Und nicht nachließ,
Und ich wurd zum
Pfeil der
Gegenseite,
Und du redetest mit
deinem ganzen
Leib, der war sehr
gut zu treffen,
Ich betrog dich
nicht mit meiner
Lust,
Du fandst mich
wirklich nicht in dir
Verlogen.
Ich lag in einer
Wüste,
Und es fiel mir
ein, dass sich mein
Kopf in seiner
neuen
Heimat tummeln
sollte,
Dass wir hier
alleine wären,
Und ich suchte ihn
und auch ein wenig
Trost
Und kamen so zu
dir,
Dass du uns neu
Zusammensetztest.
Aufschlag 9361
Einmal brach ein
Feuer in mir aus,
Es brannte
rücksichtslos
Und überraschend,
Und es war wohl das
Verbot, das ich
missachtet hatte,
Ja, ich zündete
versehentlich dies
Feuer an
Und würde sicher
darin sterben,
Und die
Decke, die du auf
mich warfst,
Entzündete sich
noch
Bevor sie mich
erreichte.
Aufschlag 9362
Ließ ich etwas
sein,
So war es mehr als
dass ich etwas tat,
Das
Glas, das du mir
reichtest,
Hatte keinen
Boden,
Und ich sollte
daraus trinken,
Und mein
Durst ließ mich
allein zurück,
Er war mit nichts
zu stillen.
Aufschlag 9363
Wir lebten beide in
demselben
Zimmer,
Und wir liebten
alle
Eigenheiten an uns
selbst
Und liebten auch
die
Fäden, die
verliefen zwischen uns,
Wir dachten an
dieselbe
Luft, die atmete
der eine und der andere,
Die atmeten wir
beide ein
Und schoben unsre
Münder aufeinander,
Dass uns
schwindelte.
Aufschlag 9364
Wir wollten beide
auch dasselbe hören,
Und wir lebten
darum
Ohr an Ohr,
Ich wusste nicht,
was du vernahmst,
Und hier, auf
meiner
Seite schlugen
schwere Brecher auf den
Strand.
Wir wollten uns in
unsrer
Liebe einig sein
Und hielten uns an
unsren
Händen, die wir
ineinander falteten,
Und sie gerieten so
in eine schlimme
Rechtsverdrehung
Und in eine
schlimme
Linksverdrehung,
Die war nicht mehr
aufzulösen,
Und die
Augen suchten
hinter den geliebten
Schultern Halt an
fremden
Haken.
Aufschlag 9366
Eines
Tages war ich
schlecht auf dich zu sprechen,
Und es war nicht
deine
Schuld,
Und draußen wurde,
weit in einer
See, ein Beben
ausgelöst,
Das spürte ich bis hier,
Ich hatte doch
schon einmal vor dem
Wellenberg
gestanden.
Aufschlag 9367
Es war ehrlich
Und auch wahr,
Dass ich mich nie
erinnerte
Und nur an mich,
Und auf der
Tagesfahrt mit dir,
Die wir ja täglich
wiederholten,
Bliebst du unser
Fahrgast, der mich
kannte.
Aufschlag 9368
Aus deinem
Hinterglasgemälde
Wischte ich mich
aus,
Die
Spuren blieben auf
der andren
Seite,
Wo du saßt.
Aufschlag 9369
Über mir begann die
Hörigkeit, die
schlug sich auf die
Erde nieder,
Und ich rechnete
mir die
Entfernung aus, die
nötig wäre, um die
Luft, das Wasser
und das Feuer und die
Erde zu vergessen,
Und der
Abstand reichte bis
zu mir,
Und in die
Falle war ich nur
geraten,
Weil dies doch ihr
Wesen war.
Ich versprach dir
viel
Und wusste nicht,
Ob du mir glauben
konntest,
Und du überschlugst
die
Seiten ohne
Neugier,
Das würd ich an dir
nie
Wagen.
Aufschlag 9371
Ich wollte alles
nehmen
Wie es war,
Und in dem ersten
steilen
Berg schlug ich
Kristall aus einem
Stein, es war von
außen nicht zu sehen,
Und du nahmst es an
als
Schmuck für deinen
Hals.
Aufschlag 9372
In dem
Blumenstrauß
vermischten sich die Farben,
Und das
Seil, nach dem ich
Ausschau hielt,
Lag über deinem
Tisch,
Du wusstest über
die
Beschaffenheit, wie
ich sie wünschte,
Ganz genau
Bescheid und auch
Wofür ich es
gebrauchen wollte.
Aufschlag 9373
Du wünschtest dir
für deine
Schönheit einen
Duft,
Ich suchte überall
Und stahl dir
schließlich das,
Was dich umgab,
Was mich an dir
betörte,
Und es war dir
angenehm
Und mir vertraut.
Aufschlag 9374
Dein langes
Kleid war
dunkelblau,
Und weiße
Seide glaubte ich
darunter,
Und du kamst zurück
Und kleidetest dich
damit ein,
Du wolltest
wirklich
Gegenwärtig sein.
Ich bin gelähmt
Und mag und kann
nicht mehr,
Der letzte
Meter, der mich von
dir trennt,
Nach diesem langen
Lauf, verkehrt sich
in die größte der
Entfernungen,
Und ich seh dich erst jetzt genau.
Aufschlag 9376
Du standst mit
deinem
Rücken an dem Baum,
Das
Grün an ihm wuchs
schnell,
Und noch bevor ich
dich erreichte,
Warst du übervoll
mit frischem
Blätterwerk,
Das griff nach mir,
Und meine
Wangen drückte ich
hinein.
Aufschlag 9377
Wir wollten uns im
Gras begegnen,
treffen,
Und ich fand dich
nicht,
Du riefst nach mir
Wie man wohl ruft,
wenn man sich
Völlig freigibt,
Und ich hörte
wirklich nur die
Gräser, die sich
aneinander rieben,
Und du warst nun
erst mit mir zufrieden.
Aufschlag 9378
Du hattest dir in
diesem
Frühjahr weiße oder
rosa
Blüten in dein Haar
gesteckt,
Die trugen schon am
selben
Abend wunderbare
rote Früchte,
Und ich biss sie, als
wir ineinander lagen,
Und du nicht
entweichen konntest,
Ab,
Du zucktest unter
diesem
Schmerz in mir,
dass ich dich wahrnahm,
Und du hattest es
erwartet.
Aufschlag 9379
Einmal sagtest du,
die
Richter wohnten
näher als man glaubte,
Und dass man die
Liegewiese fragen
dürfte,
Wer von uns darauf
gelegen hätte,
Und ich gab dir
recht
Und stach die ganze
Fläche aus dem Gras
Und nahm sie mit in
unser
Zimmer.
Deinen
Morgenmantel
hieltst du mit der
Hand geschlossen,
Und du kreuztest
deine
Arme über deiner
Brust,
Sonst wäre ich dir
nicht gefolgt
Und hätte nicht
versucht,
Dich zu versuchen.
Aufschlag 9381
Auf deinem
Sandweg sah ich
deine nackte Fußspur,
Und ich konnte
nicht erklären,
Wie die frischen
Frühlingsfarben
dort entstanden waren,
Und warum die
kleinste
Rundung jeder Zehe
eigne
Blüten triebe,
Und die
Spur war nicht mehr
zu
Verwischen.
Aufschlag 9382
Es saßen
Menschen
beieinander,
Und sie kannten
sich,
Und auf den
Tischen zwischen
ihnen
Standen viele,
viele Dinge,
Und ich sah, dass
sie davon gar nichts erfassten
Sondern alles
nahmen,
Und sie wurden
sehr, sehr lustig,
Und auf unsrem
Tisch stand nichts,
Das nahmen wir
Und gingen unsrer
Wege,
Trotzdem sahst du
wehmutsvoll zurück,
Auch ich war dort
geblieben,
Und von mir war
nichts mehr
Übrig.
Aufschlag 9383
Du standst gebeugt
vor einer
Schüssel,
Und du wuschst mit
deinen
Händen in dem
klaren Wasser etwas Unsichtbares,
Und ich fragte
dich, dass du in deiner
Arbeit einhieltst,
Und sekundenlang
stand in der
Oberfläche mein
Gesicht,
Das zitterte ein
wenig,
Und es sah vom
Boden auf.
Aufschlag 9384
Uns trieb ein
Segel, das stand
gut im Wind,
Ich fand nicht eine
einzige
Verbindung zwischen
ihm und uns,
Und meine
Träume, sagtest du,
bekämen eines
Tages eine eigne Wirklichkeit,
Die würdest du
sofort
Erkennen.
An dir erlaubte ich
mir keine
Grenzverletzung,
Und du trautest
dich hervor
Und kamst zu mir,
Ich musste einfach
glauben, was du sagtest,
Und im
Dünensand entstand
mir doppelt
Nahrung,
Fand ich doppeltes
Gesicht,
Das schnitt die
Sonne, unabhängig
Voneinander und von
uns
Dort ein.
Aufschlag 9386
Aus deinen
Händen wuchsen
kleine, blaue
Glockenblumen, das
war lange her, die
Hände hieltst du
mir entgegen,
Und sie strichen nur
gelegentlich noch über die
Gedanken,
Die ich dabei
hatte.
Aufschlag 9387
Du sagtest auch,
Dass du mit einer
andren
Frau in einer Höhle
lebtest,
Und du könntest
alles zu ihr sagen,
Und du sprächst mit ihr auch über mich,
Am liebsten würdest
du
Mit mir gemeinsam
vor sie treten,
Wenn du nur den
Zugang wüsstest,
Selbst der
Weg dorthin sei
Zugeschüttet.
Aufschlag 9388
Ich war sehr
irritiert,
Weil ich dich lange
kannte,
Und nun lag in dem
Gepäck, das ich
durch
Zufall fand, ein
Schild, das wies dich
aus
Und auch, dass dein
Gebrauch ganz
streng nach einer
Vorschrift
vorgenommen werden sollte,
Und der
Anspruch war schon
längst
Erloschen.
Aufschlag 9389
Als ich das
Glas vor meine
Augen hielt
Und zu dir schaute,
Zeigten sich darin
nur deine farbigen
Bewegungslinien ab,
Die waren eine
Zukunft deiner
Gegenwart,
Die müsste jeder
haben.
Wir wohnten nur
noch auf geraden
Linien,
Und wir wohnten
gerne dort,
Und deine
Häuslichkeit
veränderte die
Farben unentwegt.
Aufschlag 9391
Ich sah in deine
linke
Hand, die war mit
einem See gefüllt,
Und rundherum
erkannte ich die
Häuser, die sich in
der Oberfläche spiegelten,
Sie zitterten beim
ersten
Schritt,
In deiner andren
Hand hieltst du ein
Nest von
räuberischen Vögeln,
Und ich sah in
einem
Nahrungsrest ein
Tierherz schlagen,
Das hing
ausgerissen noch in dem
Gewebe,
Und ich sollte es
so unbedingt gesehen haben,
Und es schlug
bedingungslos
Und ohne jeden
Schrei,
Der hatte sich
verzehrt.
Aufschlag 9392
Deine
Haare trugst du nun
als
Silhouette einer
Stadt,
Ich durfte darin
wohnen,
Und du hattest nur
begonnen ihre
Farben aufzulösen,
Und die
Formen blieben noch
erhalten.
Aufschlag 9393
Manchmal zeigtest
du dich ganz
Und hattest keine
Angst, die wär auch
unbegründet,
Und ich würde irgendwann
die
Tür, die mich so
nahe an dich brachte,
Wiederfinden,
Und ich suchte sehr
genau an dir,
Und nichts hieltst
du verborgen.
Aufschlag 9394
Zwischen uns
entstand ein blasser
Strich, der stand
im Raum,
Man konnte ihn in
jede
Richtung schieben,
Doch er kam zurück
Und schob sich,
Auch wenn wir ihn
überschritten hatten,
Immer wieder
zwischen uns,
Und in der
Dunkelheit blieb er
uns
Lichtbewusst.
Eines
Tages trennten sich
auf grader
Strecke unsre
Schienen, die wir
sicher wussten,
Und wir hatten
keine
Zeit, uns schnell
zu lösen,
Und wir rissen
durch,
Und hinterher fiel
mir noch eine
Warnung ein,
Die hatte unsre
Farben ineinander
laufen lassen.
Aufschlag 9396
Ich müsste dich ja
selbst beschreiben,
Wollt ich dich
beschreiben,
Denn die
Rinde eines abgerissnen
Fliederzweigs zieht
lange
Fäden.
Aufschlag 9397
Es war ein
Unglück, das ich an
dir sah,
Ein
Zug sprang aus den
Schienen
Und fuhr ohne
Halt aus dir
heraus,
Der
Führer, sagtest du,
sei abgesprungen,
Und man suche noch
nach ihm,
Ich schaute auch in
diese
Öffnung.
Aufschlag 9398
Einmal biss ich
auch in deine
Brust,
Und du beneidetest
mich um den
Schmerz um
deinetwillen,
Und du wolltest es
erzwingen
Und dir einmal
nicht nur
Wahrheit sein.
Aufschlag 9399
In deiner
Hand entdeckte ich
den
Strauß verliebter,
blauer Blüten,
Und ich fragte
gleich, in welchem
Garten sie dir
wüchsen,
Und dein
Mund trat an mein
Ohr
Und ließ mich
selber
Ernten.
Ich lachte damals
über eine
Lüge, als man
Diamanten weinte,
Und an dir zog ich
verzweifelt eine
Perle nach der
andren auf,
Das
Ende lag schon
lange tief in deinem
Schoß.
Aufschlag 9401
Auf dem
Schreibtisch stand
die
Schachtel blanker
Klammern,
Die gebrauchte ich
für mich
Und sammelte sie
auf, wenn sie sich von der
Zunge lösten
Und mein
Mund sie freigab.
Aufschlag 9402
Auf deinen
Lippen lag ein
Lied,
Du wärest eine
Sängerin, so
sagtest du,
Und später legtest
du auch eine
Maske ab,
Das nahm an dir
kein
Ende.
Aufschlag 9403
Lange, lange lebten
wir zusammen,
Und ich sah das
erste
Mal auf deine Füße,
Die ein wenig über
einen steilen, hohen
Felsenabhang
ragten,
Und die
Dohlentiere standen
dicht davor im Aufwind,
Und in deinen
Händen lagen Zügel.
Aufschlag 9404
An einem abgerissnen
Zweig sahst du den
braunen
Saft, der trat
hervor,
Du sagtest gleich,
er könnte heilen,
Und du tropftest
ihn auf meine
Haut, die musste
ich dir weisen,
Und sie sog ihn
gierig auf,
Und tief drang er
hinein in mich
Und brannte sich
dort ein.
Uns fehlte
Licht, wir saßen
weit vom
Tag entfernt,
Der ging an uns
vorbei,
Und er beachtete
uns nicht,
Es steckten nur die
roten und die weißen
Kerzen der
Kastanien an den
Ästen, die uns
wuchsen.
Aufschlag 9406
Mit dir lag ich in
einem weißen
Zimmer, das war
schlicht
Und ohne jeden
Schmuck,
Nur langsam und nur
zögernd
Wuchsen aus den
Wänden rote Äste,
Daran bildeten sich
Blätter,
Und ich sah die
ersten wilden
Früchte an der
Decke
Reifen.
Aufschlag 9407
Später lag ich
unter dir,
Und du lagst unter
mir
Und ich auf dir
Und du auf mir,
Und auf dem
schrägen
Laken rollten wir
bergab,
Es hatte auch der
Deichselwagen, der
nun abwärts stürzte, keine
Führung mehr, die
Schräge war von
außen mit dem
Quergestellten Holz
verriegelt,
Das war nicht von
uns.
Aufschlag 9408
Ganz nah an meinem
Ohr nahmst du das
Tuch von deinem
Haar,
Ich hörte plötzlich
sich das
Meer in einer
Brandung brechen,
Und es schäumte
weit, weit auf den Strand,
Du musstest diese
Handlung nur für
mich noch einmal wiederholen,
Und noch einmal
Und noch einmal
Und….
Aufschlag 9409
Auf dem höchsten
Felsen lag ein
großer Stein,
Der stand schon
still im
Fallen,
Und er fiel die
ganze
Zeit, so still
stand er,
Und über deinen
Mund schob ich den
Riegel meiner
Lippen,
Der würd lange
halten.
Als ich dich
besuchte,
Bat ich dich, dort
zu verweilen,
Und ich streute,
dir zu
Ehren, einen
Sandweg,
Der begann am
Meer, das war so
weit entfernt von dir,
Wir würden auf den
Wegen zwischen uns
Viel Hunger leiden.
Aufschlag 9411
Als du vor
Erschöpfung
lachtest,
Ließ ich dich mit
deinen Tränen,
Und du triebst in
deiner
Höhe ganz für dich,
Und nichts, ich
achtete darauf,
Würd an dich stoßen
Oder dich berühren.
Aufschlag 9412
In einer großen,
weißen
Vase war ein Spalt,
Der hatte sich beim
Brennen
eingeschlichen,
Und ich freute mich
Und trank aus dir,
Weil es so
unerwartet kam,
So viel ich konnte.
Aufschlag 9413
Mein
Kuss fiel ab von
dir,
Du fingst ihn auf
in deiner hohlen
Hand, ich hatte
Angst,
Dass du sie
schließen könntest,
Und ich sah nicht
weiter hin,
Und meine
Lippen kämen
ohnehin
Zu spät.
Aufschlag 9414
Mit schrägen
Schnitten ritzte
man die Haut,
Es tropfte
Harz in einen
Trichter,
Viel zu langsam
tropfte unser
Blut, wenn man es
brauchte.
In schweren
Eisenwagen fuhr man
durch die Stadt,
Du wehrtest dich
ein wenig,
Und du fragtest
mich:
„Bei welcher Wärme
schmilzt Metall?“
Wir waren
angeheftet aneinander,
Und ich liebte
dich,
Und, wie ich sagte,
kam die
Frage nicht von
mir.
Aufschlag 9416
In einem
Steinbruch suchte
ich nach rohen
Bildern, das war
falsch,
Erst später lag auf
einer unbefahrnen
Straße der Kadaver
eines
Unfalltieres,
Und du warntest
mich davor, ein
Steinbruch sei
genug,
Du zogst mich an
den Ärmeln fort,
Auch sei in diesem
Winter viel Gehölz
erfroren.
Aufschlag 9417
Du hattest einen
Traum, der sagte,
dass ich auf die
Stimme eines
Wassers achten sollte,
Das verstand ich
nicht,
Ich sah dich ja
nicht weinen,
Und kein Fluss
schwoll an,
Und unter unsrer
Brücke standen
unsre
Spiegelbilder festgenagelt
auf dem glatten
Wasser.
Aufschlag 9418
In dem
Flüsschen spülte
Grüngras über
Sandgrund,
Und du stiegst mit
deinen
Füßen dort hinein,
So kühl und
trocken, sagtest du, sei dieses
Lager,
Und du spieltest
mit den
Flossen, die dir
wuchsen,
Und schwammst unter
einen Stein,
Ich blieb im
Grüngras liegen.
Aufschlag 9419
Du kämmtest dich,
Und in dein
Haar griff Wind,
Du hieltst ihm
deinen
Spiegel ins Gesicht
Und lachtest über
ihn,
Es kräuselte die
Oberfläche nicht,
Die darin stand.
An dir las ich die
Jahreszeiten ab,
In dir war immer
eine Sonne,
Und das
Frühjahr endete,
wenn du aus deinen
Haaren gelben
Kiefernblütenstaub
In alle Winde wehen
ließt,
Und
Wärme brach aus
ihnen.
Aufschlag 9421
Ich hatte mich
daran gewöhnt,
Dass du in
Flügeln lebtest,
Deine
Arme schwangen weit
nach vorn,
Und manchmal war es
sehr schwer
Abzuheben,
Und du dachtest
auch an mich dabei,
Und dass die neue
Sicht uns immer
kleiner machte
Und entfernte.
Aufschlag 9422
Du lagst im Rasen,
Und du sahst auf
einen Grashalm,
Und ich durfte dich
nicht stören,
Ja, es mochte sein,
dass deine
Augen übersprängen
auf den
Nachbarhalm,
Und grade dieser
wär dir unentbehrlich,
Und ich schlich
mich leise aus dem
Nadelkissen.
Aufschlag 9423
Das
Flüsschen stürzte
über eine Kante,
Und das
Wasser riss mit
einem Fächer auf,
Die
Sonne zündete darin
so funkelnd ihre
Farben an,
Es war ein
Kleid, das dir gut
stand.
Aufschlag 9424
Unsre
Ohren schlossen
Freundschaft,
Und sie saßen oft
in meinem
Garten der Geräusche
auf der
Bank,
Wie sahen ihnen
lange zu
Und lauschten,
Alles war vertraut.
Eigentlich hatt ich nur noch drei
Treppchen zu
besteigen,
Dann wär ich bei
dir,
Dahinter standst
du,
Um mich zu
erwarten,
Und ich ging nicht vor,
weil deine
Stimme mir im
Rücken stand,
Ich konnte es nicht
mehr ertragen
Und stand still
Vor dir.
Aufschlag 9426
Irgendwann,
Und später immer
häufiger,
Schob ich den
Fächer meiner
Pfauenfedern ineinander,
Und du sahst es
gern,
Und auch, dass
zwischen uns kein
Platz mehr für ihn
blieb.
Aufschlag 9427
Von deiner
Bank, mir
gegenüber, wagtest du den
Blick,
Ich horchte auf,
Und draußen vor der
Insel sah ich einen
Untergang,
Und ganz gewiss war
dies der
Anfang einer neuen
Flut,
Die setzte ein.
Aufschlag 9428
Die
Richter standen
über uns,
Und sie erklärten
nun das
Urteil,
Und wir sahen ihre
Münder reden
Und sich immerfort
bewegen,
Und das
Glas lag auf dem
Ungemach
Und schützte uns,
Wir hörten nichts
von dem,
Was man uns sagte,
Und sie sprachen auch,
als wir die
Rücken noch im
Bücken an die
Scheibe drückten,
die lag über uns,
Und wir in
Enge krochen.
Aufschlag 9429
Einmal wollte ich
dich vor mir warnen,
Und du lachtest
laut,
Und alles, was ich
redete, wär süßer
Wind, ein heißer
trockner
Hauch auf deiner
Wange, sagtest du,
Und nichts könntst du mir glauben,
Und ich schwieg,
Das glaubtest du
mir nicht.
Du sagtest auch,
die
Regeln dieses
Spieles hättest du gemacht,
Und was ich dachte,
wäre falsch,
So machtest du dich
mir zum
Stützstein meines
Wohngebäudes.
Aufschlag 9431
Heute lag in meiner
Jackentasche dieser
unberührte
Gegenstand,
Ich nahm ihn in die
Hand
Und konnte ihn
nicht packen,
Und er glitt von
einer
Tasche in die
andere
Und blieb bei mir,
Du sagtest auch, dass
deine
Angst in deinem
Nacken säße,
Und ich fand dort
wirklich
Nichts.
Aufschlag 9432
Wir trafen uns am
Rand des Brunnens,
Und wir ließen uns
zu gleicher
Zeit nach hinten
fallen,
Und der
Schacht war rund
und tief,
Wir waren hier
allein,
Und niemand würde
nach uns rufen,
Und den
Treffpunkt hielten
wir geheim
Und kamen oft
zusammen.
Aufschlag 9433
Ich wandte
irgendetwas ein,
Und dir fiel auf,
dass dieser
Einwand ganz allein
im
Raum stand,
Und du hattest
nichts zu mir gesagt,
So konntest du
Auch nichts
verstehen,
Und ich sprach
umsonst
Und wollte erst ein
Handwerk lernen,
Das, so dachte ich,
Müsst mir ein wenig
Helfen.
Aufschlag 9434
Ein
Schmied schlug auf
das Eisen,
Das war rot und
glühend,
Und er hielt auch
beides in den
Händen: links das
Eisen, das er auf
dem Amboss drehte,
Rechts den Hammer,
Und ich fragte ihn,
Weil ich ja dumm
war,
Ob er meine leeren
Hände auch zu einem
Kunstwerk schmieden
könnte,
Und er hörte nichts
von mir,
Obwohl ich unter
seinen
Schlägen schrie, so
laut ich konnte,
Und es brachte
nichts.
Du warst mir
zugeneigt
Um deinetwillen,
Und ich hätte dich
gewollt
Und dich geliebt
Um deinetwillen,
Und der
Platz war nun
Besetzt.
Aufschlag 9436
Unter dunklen
Tannen breiteten
sich kleine, weiße
Glockenblumen aus,
Ich tat, als sähe
ich sie nicht,
Sie hingen dir als
Zierde um den Hals,
Die
Wurzeln würden
sicher lose in der
Oberfläche stecken.
Aufschlag 9437
Dein
Körper war ganz
weich,
Und angenehm war er
in der
Beredsamkeit, die
er entfaltete,
Ich glättete mit
meinem
Mund ein
Zugeständnis
Nach dem anderen.
Aufschlag 9438
Auf deiner
Stirn sah ich nach
meinem
Kuss, der fiel dort
hin
Und hinterließ die
Fingerspur,
Sie war noch feucht
Und doch schon
trocken, eingebrannt,
Du wusstest nichts
davon,
Man sah sie nur aus
einem ganz bestimmten
Winkel,
Und ich blickte
unentwegt zu dir.
Aufschlag 9439
Im
Kuss, den du mir
gabst,
Schob sich der eine
Ton der Nachtigall
Wohl zwölfmal über
deine
Zunge, die war warm
und weich,
Und wieselschnell
war ihre
Melodie in meinem
Mund.
In kleinen
Fläschchen hatte
ich das
Mittel abgefüllt,
Das trug ich mit
dem
Pinsel auf die
Schnitte, die du an
mir machtest,
Und ich dachte auch
an dich dabei
Und deckte damit
alle feinen
Risse, die durch
mich an dir entstanden waren, zu,
In deiner
Tasche wohnte
Süßduft,
Der betäubte mich.
Aufschlag 9441
Nun nahmst du an,
Dass ich wohl alles
von dir wüsste,
Und ich mochte dazu
gar nichts sagen,
Und der
Tag von gestern
Würde sich doch nie
mehr zeigen,
Und vergeblich wäre
es selbst heute
Licht für morgen
aufzufangen,
Und ich schwieg
Und fragte nicht
nach deinem
Namen.
Aufschlag 9442
Ein
Bauer fand auf
seinem Feld die
Schachtel mit den
alten, goldnen Münzen
Und ein
Frauenbild,
Das wollte er dir
schenken,
Und es war ein
sehr, sehr altes
Bild
Und zeigte dich so
wie du heute aussahst,
Und der
Bauer merkte
nichts,
Und du fandst
nichts dabei,
Ich sah nur, dass
das
Frauenbild erschrak
und in
Sekundenschnelle
alterte
Und dann zerfiel.
Aufschlag 9443
Du pflücktest eine
Erdbeerfrucht
Und reichtest sie
mir in den
Mund, sie kam
direkt vom
Feld, war
sonnenwarm
Und etwas sandig
auf der
Zunge,
Und ich biss sie
ab,
Das war der
Zwischenfall, der
dich verlorengehen ließ
Mit einem
Rest in deiner
Hand.
Aufschlag 9444
Das
Hundetier lag immer
noch im Sonnenfleck,
Du hattest
Lust daran, sich
ihm verführerisch zu zeigen,
Wenn ich dicht
daneben stand,
Du wurdest so zu
einer
Drittperson, die
wagte ich nicht zu
Berühren.
Nur in meiner
Liebe wäre ich
geständig, sagtest du,
Der
Liebesakt sei ein
Geständnis,
Und die
Untat folge ihr
erst später,
Und es wäre in der
Liebe eben alles
umgekehrt
Als in der
Liebe.
Aufschlag 9446
Rotmohn blüht im
Schwarzgras,
Und mit meiner
Haut vermag ich nicht
auf deiner
Haut zu schreiben,
Rote
Kreide schreibt
auch nicht auf
Rotpapier.
Aufschlag 9447
Die
Wasserspiele
stiegen hoch empor,
Wir standen neben
ihrem
Scheitelpunkt in
dem das
Wasser stillstand
Und dann wieder
niederfiel,
So tranken wir an
uns,
Und jeder wusste
von dem
Aufstieg und dem
Fall des andren,
Weit, weit hinter
uns.
Aufschlag 9448
Die
Fenster unsres
Zuges standen offen,
Und ich hatte
Angst,
Du hattest dich im
Traum
Mir hinter einem
mürben
Stoff gezeigt,
Das warnte mich.
Aufschlag 9449
Dein
Lachen war so frei,
Du hattest kein
Geheimnis dort
verborgen,
Und ich blickte
trotzdem tief in deinen
Mund
Und zählte alle
Schärfen,
Die dir wachten.
Als ich zu dir kam,
Entdeckte ich im
letzten
Augenblick, wie
alle
Sterne deiner Stirn
nun flüchtig wurden,
Mochte sein, dass
ich zu nahe war
Und deshalb alles
schwand.
Aufschlag 9451
Wir lagen
Mund an Mund,
Und diesmal spürte
ich die
Hochzeit unsrer
Worte,
Und sie legten sich
auf unsre
Zungen,
Und sie rollten zwischen
unsren
Lippen hin und her,
Wir durften uns
Sekundenlang nicht
trennen.
Aufschlag 9452
Dann hörte ich von
andrer
Seite, dass du in
Unliebe lebtest und
mir nur die
Treue hieltst,
Und dieses war doch
der
Gedanke, der erst
morgen unter uns das
Licht der Welt
erblicken sollte,
Und ich würde dich
bis heute
Nicht verstehen
können.
Aufschlag 9453
Wir waren im
Gespräch, das brach
entzwei,
Die
Reste lagen
tagelang im Weg,
Obwohl wir uns
bemühten,
Sie zu übersehen,
Dann verblichen sie
zu flachen
Schatten unter
neuen
Brüchen.
Aufschlag 9454
Ich stellte mich
nun neben mich
Als ich alleine
war,
Von meiner
Eitelkeit erfuhr
ich schnell,
Die fraß nicht
viel,
Die
Langeweile war
gemästet,
Und sie trieb mich
ständig an,
Und etwas lief so
schnell es konnte fort
Und hielt sich doch
unmerklich auf in mir
Und wollte sich
nicht zeigen.
In deinem
Haus war keine
Kunst,
Du selbst hättst alles überragt,
Wenn du nur einmal
alle
Kunst aus deinem
Haus getragen
hättest,
So saßt du auf
einer
Gartenbank ganz
ungeschützt im
Freien
Und allein mit
deiner
Kunst.
Aufschlag 9456
In deinem
Fahrzeug fuhrst du
stundenlang allein
Und ohne
Ziel
Und sprachst mit
dir
Und sprachst mit
dir
Und sprachst mit
dir
Und hattest viel
von dir
Und über dich
Mit dir zu reden.
Aufschlag 9457
Einmal sangst du nachts im
Schlaf ein Lied,
das war für
Doppelstimmen,
Und ich weiß bis
heute nicht,
Wer dir die zweite
Stimme, die ich
hörte, ausgeliehen hatte,
Fragen mochte ich
dich nicht,
Weil ich nicht
wusste,
Ob ich je davon
erwachen würde.
Aufschlag 9458
Meine
Angst war
umgekehrt,
Ich fragte mich, ob
das
Papier wohl reichen
würde,
Und ich schlug dich
darin ein,
Du solltest dich
nun ganz
Und gar auf dieser
weißen
Fläche,
Wenn ich dich
entfernen würde,
Zeigen.
Aufschlag 9459
Ich baute eine
Nackenstütze,
Und ich wollte
darauf liegen,
Und du lachtest
über mich
Und über meine
Einfalt,
Und den
Schlüssel für den
Kopfkäfig
Trügst du auf
deiner Zunge,
Und ich sah ihn
dort
Und sehnte mich
nach ihm.
Du sagtest, dass
ich dir den
Namen auf den
Körper schreiben sollte,
Ja, direkt auf
deine Haut,
Er würde dort in
Gold erscheinen,
Und ich glaubte
alles,
Und ich wagte
nichts,
Ich mochte auch
nicht fragen,
Wem du dieses
Angebot nun
machtest.
Aufschlag 9461
Als ich das
Papier von dir
entfernte,
Blieb die
Goldschrift auf dir
haften,
Also hattest du
mich doch getäuscht,
Und niemals hätte
ich freiwillig
Dich um dieser
Stellen willen
deiner
Haut beraubt.
Aufschlag 9462
Wir trafen uns
Und waren nicht vertraut
im
Umgang miteinander,
Und der Stuhl, den
du mir anbotst,
Fing gleich Feuer,
Und die
Hand, die du mir
geben wolltest, glühte auf,
Dein
Mund schmolz weiß,
Und deine
Kleider waren schon
verbrannt zu bunter
Asche,
Die würd unter
meinen Fingern brechen
Und zerfallen.
Aufschlag 9463
Wolkenkopf und
Schulterkopf und
Schattenkopf,
Wo ist der
Zeitvergleich mit
dir,
Was bleibt uns
dreien,
Wenn wir ineinander
Überleben?
Aufschlag 9464
Du warst
enttäuscht,
Weil ich nichts
glauben wollte,
Und ich sollte nur
an
Dinge glauben,
Die ich sehen,
fühlen, schmecken,
Riechen, hören
konnte,
Und du lagst in
meinem
Arm,
Wir fuhren so in
einem und demselben
Wagen auf
getrennten Gleisen,
Und wir zwangen uns
Einander
festzuhalten.
Mein
Traum bestand die
Probe nicht,
Und lange hatte es
gedauert
Bis ich deine
Zärtlichkeit
entdeckte,
Die stand losgelöst
von dir auf einem
Fenstersims,
Ich hörte mich von
draußen,
Dich von drinnen
Nach ihr rufen.
Aufschlag 9466
Deine
Wange glühte,
Und du frorst,
Und bis in deine
Augen stand ein
Eisgebirge,
Darin sah ich
eingeschlossen ein verlassnes
Schiff,
Das war nicht zu
erreichen.
Aufschlag 9467
Du pflegtest deine
Hände
Und mit ganz besondrer
Liebe deine
Fingernägel,
Und man sagte,
So verziere sich das
Lächeln des
Jahrhunderts,
Und ich gab es zu
Und nahm auch teil daran
Und opferte mit all
den anderen ein
Stückchen meiner
Freiheit,
Das blieb, weil es
ungewaschen war,
Auf einem großen
Stapel liegen.
Aufschlag 9468
Am
Hang, der zu dir
führte, kam ein
Nebel auf,
Der blieb auch
zwischen uns bestehen,
Und ich mochte noch
so sehr
In deiner
Nähe leben.
Aufschlag 9469
Wir ließen uns aus
größter
Höhe auf die
Wolkendecke fallen,
Die war noch so
weit entfernt,
Dass wir uns darum
wirklich keine
Sorgen
Mehr zu machen
brauchten.
Wir lagen in der
Nacht, die
leuchtete in schwarzen
Tönen auf und wurd zum
Anfang unserer
Schönfärberei, die
hätte unter
Licht nicht
existieren
Können.
Aufschlag 9471
In deinem
Garten wuchs ein
Baum,
Den sahen wir uns
an,
Dein
Alltag blühte uns
aus ihm entgegen,
Und am
Boden lag die
Lieblingsmelodie von dir,
Die war
versehentlich herabgefallen,
Und ich hängte sie,
Bevor du dich noch
bücken konntest,
Dir zurück an
deinen
Mund.
Aufschlag 9472
Wir lagen eng an
eng,
Und unsichtbare
Teilchen hätten
sich direkt
Von dir nach mir
Und umgekehrt
bewegen können,
Und es war nur,
dass der
Lichtkreis unsrer
beiden Nachtlaternen,
Die aus unsren
Augen schienen,
Sich nicht
überlagerte,
Und nicht einmal
die scharfen
Ränder stießen
aneinander.
Aufschlag 9473
Wir lebten lange
Zeit im Ungenügen,
Und es sagte
jemand, dass die
Wichtigkeit der
Stühle unermesslich sei,
Ich dachte dabei
nur an deinen
Schoß,
Und wusste nicht
die
Schaukel
anzuhalten,
Die ihn auf und
abwärts trug.
Aufschlag 9474
Man sagte mir von
vornherein
Sehr viel von
deinen
Künsten,
Und die
Hand, die du mir
zur
Begrüßung
reichtest, war vergriffen,
Und ich wusste
nicht wohin so schnell
Mit meiner
Scham.
Diese
Nacht war schlimm,
Die
Dunkelheit war
groß,
War größer wohl als
sonst,
Es musste deine
Schulter sein, die
unter meinen
Küssen einbrach,
Und ich lag nun
hier
Und wartete auf
eine
Sonne.
Aufschlag 9476
In deinen
Augen rissen sich
die
Tränen ihre
Strahlenfächer aus der Hand,
Du sagtest auch,
Ich könnte völlig
ohne
Menschen leben,
Wenn sie nur in
meiner
Nähe wären,
Und ich schwieg
dazu
Und sprach doch nur
von dir.
Aufschlag 9477
Entsetzlich war
dein
Arm, der nach mir
langte,
Er verdeckte dein
Gesicht dabei,
Und kam zu mir als
Arm an sich.
Aufschlag 9478
Drüben, von der
andren
Straßenseite,
Winktest du zu mir,
Ich sollte, das
verstand ich irgendwie, mit
Umsicht sein,
Und stolperte im
selben
Augenblick, zu
meinen
Füßen lag dein
Herz,
Das war gerade unter
mich
Geraten.
Aufschlag 9479
Trotzdem hatte ich
dich missverstanden,
Denn du meintest
wohl nicht mich,
Es musste tief in
mir
Ein andrer sein,
mit dem du sprachst,
Und was ich sagte,
Wiederholtest du
für dich,
Als wär es sinnlos,
Sich mit mir zu unterhalten.
Mehr noch fand ich
vor
Als ich erwartet
hatte,
Deine
Sonne saß in jedem
Gegenstand,
Und überall und um
dich her war Licht,
Und als ich dich in
meiner
Neugier etwas
aufriss,
Um hineinzuschauen,
Strömte auch dein
Blut ganz gelb in
gelben
Bahnen.
Aufschlag 9481
Ich schaltete die
Lampen aus,
Wir waren nun
allein,
Und du und ich,
Wir sahen ganz
genau, dass in dem
Raum am Ende, das
nicht näher kam,
Ein
Licht sich doch
nicht
Löschen ließ.
Aufschlag 9482
Zwischen uns stand eine
abgeschaltete
Maschine,
Und wir wussten
nicht sie zu bedienen,
Und wir zwangen
uns, mit ihr zu leben als der
Ungewissheit,
Die wurd uns sehr schnell gewiss
Und diente uns
genau in unsrer
Mitte.
Aufschlag 9483
Wir standen uns nun
gegenüber,
Still und
aufmerksam
Und sprachen nicht,
Und sahen, was wir
sehen wollten,
Ich, das geb ich
zu,
Sah weit durch dich
hindurch,
In mir war eine
Freiheit
ausgebrochen,
Die nahm
hemmungslos von mir
Besitz
Und machte rasenden
Gebrauch von sich.
Aufschlag 9484
Dein
Leib war stramm
gespannt,
Du liebtest diese
Leibesfrucht, die
sollte ich dir zeugen,
Und ich zweifelte
an mir, an dir, an diesem
Augenblick,
Und hinter mir
stand der
Betrug,
Und meine
Augen, die dich
hinter mir erkannten, sahen deine
Angst um mich, um
dich
Und um die
Leibesfrucht.
Du warst gewillt,
Ich war gewillt,
Wir waren beide
willig,
Und wir ließen
jeder für den anderen zurück,
Was der verlangte
Und ersehnte,
Und wir standen auf
Und gingen ohne
Schaden fort,
Den hätte auch der andre
Nicht bemerken
können.
Aufschlag 9486
Eines
Tages hieltst du
mir den
Leib entgegen,
Und ich spürte das
Gedärm,
Es saß nur unter
einer dünnen
Decke,
Und du wolltest
mich mit deinen
Händen spüren
lassen,
Was ich alles
liebte,
Und ich machte
diesen dummen
Schritt daneben,
Und das
Brett, auf dem wir
standen,
War zu schmal für
zwei.
Aufschlag 9487
Eine
Tür war
zugewachsen,
Ohne mein und ohne
dein
Dazutun war sie in
sich selbst vom
Holz zum Holz
verwachsen,
Und wir wussten gar
nicht mehr,
Was sich vom
Anfang an in jenem
Raum befunden
hatte.
Aufschlag 9488
Ich konnte nicht
mehr übertreiben,
Und in meinem
Ohr war deine
Stimme immerfort
Und blieb und gab
mir
Rede, gab mir
Antwort,
Und sie führte
mich,
Und das verstand
ich nicht,
Direkt an dir
vorbei.
Aufschlag 9489
Einmal stellten wir
uns vor den
Spiegel,
Und wir legten die
Gesichter
voreinander ineinander,
Und der
Spiegel konnte sich
nicht mehr entscheiden,
Und er nahm uns
beide auf,
Wir fielen in die
eine schwarze
Stelle, wo Beschichtung
und die Wiedergabe
Fehlten.
Ich kam ganz gut
zurecht mit dir
Und dir,
Und du erzähltest
mir von mir als einem
Fremden, der dir
grad
Begegnet war.
Aufschlag 9491
Einmal lag ich
dicht an dir,
Und lange
Zeit sah ich auf
deine Haut,
Sie sprach mit mir,
Wir sprachen
miteinander über dich,
Du beugtest dich
herab zu mir,
Und ich fand keinen
Unterschied zu dir
darüber,
Deine
Hand lag mir im
Haar,
Und einer deiner
Finger drehte mir
unsichtbar
Locken.
Aufschlag 9492
Du ludst mich ein,
Ich dachte nur an
dich
Und rührte auch
nichts an in deinem
Heim,
Es war gewiss, dass
sich kein
Gegenstand von mir
bewegen lassen würde,
Und ich dachte nur
an dich
Und rührte dich
nicht an.
Aufschlag 9493
In einem
Zimmer war kein
Mensch als ich
hereinkam,
Und im
Raum stand nur noch
deine Stimme,
Die sang grad den
letzten
Ton des Liedes aus,
Das war mir ganz
bekannt
Und musste enden,
Niemand konnte sich
hier
Ungesehn verbergen.
Aufschlag 9494
In jedem
Zimmer lebte nun
ein
Thron, wie ihn die
Könige wohl früher
hatten,
Und man dachte
nicht darüber nach,
Wir lebten ohne
jeden
Gegenstand,
Und zwischen uns,
Wir mochten noch so
nahe aneinander sein,
Lag dieser
Dolch,
An den stieß
keiner,
Weil er nicht
vorhanden war.
Noch im
Schlaf erreichte
mich dein
Anruf,
Und ich war an
einer dünnen Stelle
Und brach ein,
Du konntest mich
mit deinem
Hilferuf nicht mehr
erreichen,
Und es schmeckte
bitter, über leere
Einbruchstellen
anderer
Zu schleichen.
Aufschlag 9496
Du spieltest eine
Rolle,
Und ich dachte,
dazu müsste man die
Kleider wechseln,
Und du sagtest
gleich,
Das hätte ich nicht
nötig,
Die
Verwandlung wäre
dauerhaft.
Aufschlag 9497
Einmal schwor ich
eine
Treue, das war
Übermut,
In
Wahrheit riss ich
nur ein
Blatt von meiner
Freiheit ab,
Das ließ ich über
einem
Hohlraum meiner
Faust
Mit einem
Schlag
Zerknallen.
Aufschlag 9498
Du hebst die linke
Brust
Und ziehst sie dir
fast ins
Gesicht,
Mag sein, dass so
die eine
Art die andere
liebkost,
Du ziehst sie hoch
Und klemmst sie
zwischen
Zeigefinger und dem
Mittelfinger ein
Und spitzt den
Mund,
Es bleibt ein
ungeküsster
Selbstkuss
zwischendurch,
Den darf ich dir
nicht stehlen,
Und es ist nicht
immer gut,
Dass du dich bei
dir hast
Aufschlag 9499
Um deinen
Hals pulsiert die
Perlenkette,
Und es wird die
Furcht in mir
bestätigt, diese
Tropfen tränen über deine Haut
Und drängen endlos
von dir ab
Und rollen
Gnadenlos.
Wir waren auf der
Jagd,
Und zwischen uns stand aufgebaut
Ein menschengroßes
Herz, das war ganz
Durch und durch aus
Glas,
Und einer von uns
beiden würde sicher
Und zuerst
Und vor dem anderen
Dort eingezogen
sein.
ISBN 3-937264-30-2