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Buchtitel, ISBN 3-937264-26-4

Inhaltsverzeichnis

 

Wir gerieten in den

Gürtel der Meteoriten

 

Lyrik.

10.000 Aufschläge

Band 15: Aufschläge 7000 - 7500

 
Harald Birgfeld

 

"Es lohnt sich, einmal einen heutigen Dichter kennen zu lernen, der mit der deutschen Sprache einen faszinierend fremden Weg betritt und trotzdem dem Leser Freiraum lässt für eigene Gedankengänge, ohne dass die Probleme in erhobener Zeigefingermanier zu zeitkritischen Trampelpfaden werden." (1986: Gutachten).

 

Harald Birgfeld, von Beruf Diplom-Ingenieur, schrieb seine Gedichte während der morgendlichen Fahrt mit der Hamburger S-Bahn zur Arbeit.  Seine Texte entstanden fast immer bereits in endgültiger Form.

 

Copyright 2007 beim Autor, Harald Birgfeld, alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieser Veröffentlichung darf ohne schriftliche Erlaubnis des Herausgebers, Harald Birgfeld, reproduziert werden. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Verfilmung und Einspeicherung sowie Verarbeitung in elektronischen Systemen.

 

Herausgeber, Autor, Redakteur: Harald Birgfeld, über e-mail:            Harald.Birgfeld@t-online.de


 

Inhaltsverzeichnis

 

 

Aufschläge 7000 - 7002

Aufschläge 7003 – 7005

Aufschläge 7006 – 7008

Aufschläge 7009 – 7011

Aufschläge 7012 – 7014

Aufschläge 7015 – 7017

Aufschläge 7018 – 7020

Aufschläge 7021 – 7023

Aufschläge 7024 – 7026

Aufschläge 7027 – 7029

Aufschläge 7030 – 7032

Aufschläge 7033 – 7035

Aufschläge 7036 – 7038

Aufschläge 7039 – 7041

Aufschläge 7042 – 7044

Aufschläge 7045 – 7047

Aufschläge 7048 – 7050

Aufschläge 7051 – 7053

Aufschläge 7054 – 7056

Aufschläge 7057 – 7059

Aufschläge 7060 – 7062

Aufschläge 7063 – 7065

Aufschläge 7066 – 7068

Aufschläge 7069 – 7071

Aufschläge 7072 – 7074

Aufschläge 7075 – 7077

Aufschläge 7078 – 7080

Aufschläge 7081 – 7083

Aufschläge 7084 – 7086

Aufschläge 7087 – 7089

Aufschläge 7090 – 7092

Aufschläge 7093 – 7095

Aufschläge 7096 – 7098

Aufschläge 7099 – 7101

Aufschläge 7102 – 7104

Aufschläge 7105 – 7107

Aufschläge 7108 – 7110

Aufschläge 7111 – 7113

Aufschläge 7114 – 7116

Aufschläge 7117 – 7119

Aufschläge 7120 – 7122

Aufschläge 7123 - 7125

Aufschläge 7126 – 7128

 

 

Aufschläge 7129 – 7131

Aufschläge 7132 – 7134

Aufschläge 7135 – 7137

Aufschläge 7138 – 7140

Aufschläge 7141 – 7143

Aufschläge 7144 – 7146

Aufschläge 7147 – 7149

Aufschläge 7150 – 7152

Aufschläge 7153 – 7155

Aufschläge 7156 – 7158

Aufschläge 7159 – 7161

Aufschläge 7162 – 7164

Aufschläge 7165 – 7167

Aufschläge 7168 – 7170

Aufschläge 7171 – 7173

Aufschläge 7174 – 7176

Aufschläge 7177 – 7179

Aufschläge 7180 – 7182

Aufschläge 7183 – 7185

Aufschläge 7186 – 7188

Aufschläge 7189 – 7191

Aufschläge 7192 – 7194

Aufschläge 7195 – 7197

Aufschläge 7198 – 7200

Aufschläge 7201 – 7203

Aufschläge 7204 – 7206

Aufschläge 7207 – 7209

Aufschläge 7210 – 7212

Aufschläge 7213 – 7215

Aufschläge 7216 – 7218

Aufschläge 7219 – 7221

Aufschläge 7222 – 7224

Aufschläge 7225 – 7227

Aufschläge 7228 – 7230

Aufschläge 7231 – 7233

Aufschläge 7234 – 7236

Aufschläge 7237 – 7239

Aufschläge 7240 – 7242

Aufschläge 7243 – 7245

Aufschläge 7246 – 7248

Aufschläge 7249 – 7251

Aufschläge 7252 – 7254

Aufschläge 7255 – 7257

 

Aufschläge 7258 – 7260

Aufschläge 7261 – 7263

Aufschläge 7264 – 7266

Aufschläge 7267 – 7269

Aufschläge 7270 – 7272

Aufschläge 7273 – 7275

Aufschläge 7276 – 7278

Aufschläge 7279 – 7281

Aufschläge 7282 – 7284

Aufschläge 7285 – 7287

Aufschläge 7288 – 7290

Aufschläge 7291 – 7293

Aufschläge 7294 – 7296

Aufschläge 7297 – 7299

Aufschläge 7300 – 7302

Aufschläge 7303 – 7305

Aufschläge 7306 – 7308

Aufschläge 7309 – 7311

Aufschläge 7312 – 7314

Aufschläge 7315 – 7317

Aufschläge 7318 – 7320

Aufschläge 7321 – 7323

Aufschläge 7324 – 7326

Aufschläge 7327 – 7329

Aufschläge 7330 – 7332

Aufschläge 7333 – 7335

Aufschläge 7336 – 7338

Aufschläge 7339 – 7341

Aufschläge 7342 – 7344

Aufschläge 7345 – 7347

Aufschläge 7348 – 7350

Aufschläge 7351 – 7353

Aufschläge 7354 – 7356

Aufschläge 7357 – 7359

Aufschläge 7360 – 7362

Aufschläge 7363 – 7365

Aufschläge 7366 – 7368

Aufschläge 7369 – 7371

Aufschläge 7372 – 7374

Aufschläge 7375 – 7377

Aufschläge 7378 – 7380

Aufschläge 7381 – 7383

Aufschläge 7384 – 7386

 

Aufschläge 7387 – 7389

Aufschläge 7390 – 7392

Aufschläge 7393 – 7395

Aufschläge 7396 – 7398

Aufschläge 7399 – 7401

Aufschläge 7402 – 7404

Aufschläge 7405 – 7407

Aufschläge 7408 – 7410

Aufschläge 7411 – 7413

Aufschläge 7414 – 7416

Aufschläge 7417 – 7419

Aufschläge 7420 – 7422

Aufschläge 7423 – 7425

Aufschläge 7426 – 7428

Aufschläge 7429 – 7431

Aufschläge 7432 – 7434

Aufschläge 7435 – 7437

Aufschläge 7438 – 7440

Aufschläge 7441 – 7443

Aufschläge 7444 – 7446

Aufschläge 7447 – 7449

Aufschläge 7450 – 7452

Aufschläge 7453 – 7455

Aufschläge 7456 – 7458

Aufschläge 7459 – 7461

Aufschläge 7462 – 7464

Aufschläge 7465 – 7467

Aufschläge 7468 – 7470

Aufschläge 7471 – 7473

Aufschläge 7474 – 7476

Aufschläge 7477 – 7479

Aufschläge 7480 – 7482

Aufschläge 7483 – 7485

Aufschläge 7486 – 7488

Aufschläge 7489 – 7491

Aufschläge 7492 – 7494

Aufschläge 7495 – 7497

Aufschläge 7498 – 7500

 

 

 

Aufschläge 7000 - 7002

 

Klettere nach oben, klage an

Und klage uns,

Denn unermesslich ist dein Schmerz,

So klettere nach oben,

Höre unsre Klagelieder an,

Sie machen schließlich schmerzfrei,

Und sieh hinter dich und finde

Schatten, die sind nicht mehr dunkel sondern

Licht und bunt gekleidet,

Ja, sie fielen von dir ab

Und gehen ihrer eignen Wege,

Und der tiefe

Schmerz lässt sich nicht einfach wiederholen,

Und ich hörte, dass die

Herzverletzten große Narben in sich trügen,

Die versorgt kein Blut.

 

 

 

Nachts, das sah ich nun, als ich mich

Wieder zu dir legen wollte,

Weil du mir begehrenswert erschienst

Und weil du mir entgegen kamst,

Ja, nachts schob ich die

Säule hellen Lichtes mit dem

Bettgestell in eine große

Höhle, die entstand im

Zimmer, das war viel zu klein

Und weitete sich unermesslich aus für diesen Zweck,

Des Nachts erstarrtest du und ließt sich

Andre zu dir wenden

Und ich musste auf dich warten,

Und der

Lichtstrahl, der dich trug,

Fuhr viel zu langsam wieder ein.

 

 

 

Unter uns befanden sich auch

Puppenmenschen, die erfand man, um uns zu bevölkern,

Und ich lebte all die

Jahre unentdeckt und wechselte den

Standpunkt häufig,

Und ich hüte mich noch heute sorgfältig

Vor jeder

Art Verletzung.

 


 

 

Aufschläge 7003 – 7005

 

Man schrieb das

Jahr, das diesem folgen würde,

Und du hattest mir noch nichts erzählt

Von deinem und von deinem Leben,

Heute wusste ich davon,

Ich würde es erfahren in dem

Jahr, das diesem folgen würde,

In den

Bildern deutetest du alles an

Und ich entdeckte, wie geschickt du die

Gesichter deiner Zukunft zu verstecken wusstest,

Ganz natürlich fehlte ihnen die

Lebendigkeit,

Es war ja lang noch nicht das

Jahr, das diesem folgen würde,

Und ich stand am Ende,

So, wie du dich gabst,

Würd ich dich nicht aus einem

Kaufhauskatalog erwerben wollen.

 

 

 

Einmal dachte ich zurück soweit ich konnte,

Machte vieles ungeschehen

Und befinde mich nun hier,

Und habe die

Erlaubnis über meine Zukunft nachzudenken,

Die geschieht gewiss,

Und ich spiel darin keine Rolle,

Und ich spüre einen

Ruck, weil man an diesen

Reisezug ganz unvermutet neue

Wagen hängt,

Die kann ich zwar nicht sehen,

Doch ich weiß, dass sie mich etwas

Angehn.

 

 

 

Gestern schlug ich mit der

Spielzeugpeitsche einen

Kreisel aus der Jugend,

Und ich sag es nur, weil mir die

Dummheit meiner Handlung heute auffiel

Als ich aus dem Kreisel kletterte,

Der stand noch in der letzten

Drehung aufrecht,

Und es wurde

Zeit für mich.

 


 

 

Aufschläge 7006 – 7008

 

Manchmal wurd es dir zu viel,

Und vieles wurde viel zu schwer für dich,

An deinen

Armen zog ein Auftrieb, der dich oben hielt,

Die

Schwimmbewegung deiner

Beine war ganz ungeübt,

Und auch umsonst stießt du das

Eine und das andre Mal in Tiefen wo der

Boden fehlte,

Und dein

Anruf wurde falsch von mir verstanden,

Ich benahm mich in der

Hilfestellung, die du abriefst, völlig ungelenk,

Du wusstest nicht, dass ich die

Angst vor offnem

Wasser niemals überwinden würde,

Und ich sah auch nicht genau,

Was unter deiner

Oberfläche stand.

 

 

 

Im

Bahnhofseingang lag ein junger Mensch,

Und andre beugten sich zu ihm,

Man legte ihm den eignen

Kopf in seinen Nacken und die

Arme unter seine Füße, dass das

Blut so besser zirkulieren könnte,

Seinen weißen

Blindenstock warf man zur

Seite, weil jetzt andre für ihn sahen,

Das war besser,

Und man dachte, dass man ihn mit etwas

Glück würd retten können.

 

 

 

Draußen trafen

Sommervögel ein,

Das freute mich, ich zog zu ihnen auf, weil eine kleine

Freude größer war als keine Freude,

Und sie waren aus der

Nähe nicht die Gäste aus dem Vorjahr,

An die Alten konnte man sich kaum erinnern,

Und ich spräche eine längst vergangne

Nestzeit an,

Die wäre wirklich zweimal abgetan.

 


 

 

Aufschläge 7009 – 7011

 

Hätt ich nicht auf dich gewartet,

Wär mein Raum jetzt leer,

Du siehst auch, dass der

Regen später fiel, denn unter mir ist trocknes

Straßenpflaster, das biet ich dir als Beweis,

Du aber blickst hinauf zur

Wolke wilder Tauben,

Und ich kann es nicht verstehen, wie sie

Antwort geben sollen,

Woher willst du wissen, dass sie dort schon flogen,

Als ich ankam.

 

 

 

In der

Jugend fesselte ich einen

Baumstamm an sich selbst,

Ich hatte dafür auch ein

Urteil fällen müssen,

Und das Seil fand ich auf einer Straße,

Damals nahm ich es als

Fingerzeig, das war erlaubt,

Und alles war gerecht und richtig,

Und ich lebe heute völlig anders

Und notiere alle

Nachtgeräusche, die ich auf der

Tagesbrücke höre, und zur

Tarnung geh ich aus mit einem

Blindenstock, den hänge ich mir auch im

Gehen lose an den Arm, weil ich mir sicher bin,

Dass mir wohl niemand in so später

Nacht begegnen wird,

Und die, die mich verfolgen,

Lassen sich nicht täuschen.

 

 

 

Ich musste mich als

Diener unter Dienenden verkleiden,

Und ich lebte so die

Tage und die Nächte und so fort

Und war in

Wirklichkeit ein

Diener unter Dienenden,

Der brauchte sich nicht zu verkleiden,

Den erkannte man sofort,

Und Dienende hätt man mit ihrer eignen

List niemals betrügen können.

 


 

 

Aufschläge 7012 – 7014

 

Ich konnte gehen, wann ich wollte

Und wohin ich wollte,

Und ich lebte völlig in der

Symmetrie,

Wuchs ich nach oben, ging es auch gleich in die

Tiefe,

Wenn ich aß, begann schon die Verdauung,

Dachte ich, traf mich sofort die

Flüchtigkeit,

Und war ich höflich, nutzte ich mich schamlos aus,

Die

Freiheit, die ich eingoss, floss aus einem

Bodenriss als Sklaverei ins Tischholz,

Und den

Rand, der dann entstand, war kaum noch zu entfernen,

Und ich liebte schließlich den

Verzicht so sehr wie die

Erfüllung.

 

 

 

Täglich legte man mir

Zahlen in den Schoß, die ich sortierte,

Und man goss mich ein in eine neue

Nachricht, legte gleich darüber eine neuere,

Und es entstanden viel zu viele Schichten,

Und nur einmal, als ich mich in einem schwarzen

Kasten nicht zurechtfand,

Wurde alles zum

Erlebnis und ich selbst zum

Mittelpunkt des Weltgeschehens,

Das erzählte ich und oft genug und immer wieder neu

Dem kleinen Zimmervogel,

Der war jung und lernte grad das

Singen.

 

 

 

Nachts erkannte man kaum die

Kanäle unsrer Stadt,

Ich orientierte mich nach

Spiegelungen heller Punkte und nach ihrem

Flackern auf den kurzen Wellen,

Alles sah ich von dem

Fenster meines Zimmers aus,

Mit meinen

Füßen war ich auf der Straße,

Die

Kanäle zogen sich durch

Riesenaugen,

Und ich stand ganz dicht vor ihnen.

 


 

 

Aufschläge 7015 – 7017

 

Von meiner

Langeweile riss ich wahllos ein Kalenderblatt

Und schaute, ob ich einen dieser

Sprüche darauf finden würde,

Aber es war leer,

Ich rollte eine Perle, die war wertlos,

Hin und her in meiner Hand,

Die schlug an meinen Fingerring,

In dem schoss eine ganz geheime

Rohrpost rund, die hatte keinen Ausgang,

Und ich kannte den

Empfänger nicht,

Und drüben stand die

Frau vor einem Sprechgerät

Und sang ein

Klagelied aus ihrer fernen Heimat,

Und der

Text blieb unverständlich,

Und es nützte nichts, dass sie ihn wiederholte,

Und ich dachte, wenn man nur noch seine

Freiheit zu verlieren hätte,

Hätte man doch nichts mehr zu verlieren,

Und die

Freiheit wäre nicht mehr abzureißen.

 

 

 

Andre trugen

Fahnen, die an Stangen hingen,

Und auf ihren Spitzen steckten mörderische

Spieße, die ganz nutzlos in den

Himmel stachen,

Und erst später, als der

Aufmarsch längst vorüber war,

Entdeckte ich die Wunden über mir,

Es tropfte

Blut aus einer langen Straße,

Die war ganz unmöglich zu betreten,

Und sie war der

Fußweg unsrer Köpfe.

 

 

 

Außerdem besaß ich einen kleinen

Namensstempel,

Damit war es einfach, einen

Abschied nicht gleich zu vollenden,

Und ich stempelte die eigne

Hoffnung immer wieder auf ein winziges

Papier, das ließ ich nur für mich dort

Liegen.

 


 

 

Aufschläge 7018 – 7020

 

Ich lebte in

Bescheidenheit und wich mir aus

Und las nichts über mich, weil es mich intressierte,

Und ich wollte mich bezwingen,

Und die zweifache Natur wurd immer deutlicher,

Die Kunst ging mir verloren,

Und ich hatte alle

Hände voll zu tun und schwankte zwischen mir und mir

Und wusste nicht mehr, wem ich galt,

Die

Frau an meiner Seite riss mich aus dem Schlaf,

Sie spürte instinktiv

Gefahr in ihrer Nähe,

Und ich war nicht dankbar,

Und es ging ja wirklich nicht um sie,

Ich fragte nicht ein

Wort und suchte vor dem

Bett nach Resten.

 

 

 

Als ich mich zum

Essen an den Holztisch setzte, fand ich einen

Brief, der war ganz unbeschrieben,

Lag auf meinem Platz, und er galt mir,

Ich las ihn bis zum

Ende und verfiel in eine Starre,

Dass ich mich dort sitzen lassen musste,

Und ich staunte, dass mich diese

Kleinigkeit so treffen konnte,

Und ich aß woanders.

 

 

 

Neben mir saß dieser

Mann in einem festen Kunststoffmantel,

Und ich hörte dessen

Stoffe aneinander reiben, wenn er sich bewegte,

Es entstand darin ein

Rhythmus, der mir auffiel,

Und ich sprach ihn an, um ihn zu fragen,

Doch er war in Angst, denn dieser

Mantel würde unter einer ganz bestimmten

Wärme, die er noch nicht kannte, in sich selbst

Zerfallen und im letzten

Augenblick geräuschlos werden.

 


 

 

Aufschläge 7021 – 7023

 

So sah ich dieses

Frühjahr mit zwei Augen,

Und die

Bilder lagen ineinander,

Dass ich glaubte, mich zu irren,

Und vor unsrem

Haus stand eine Birke, der das zarte

Grün noch fehlte,

Andrerseits wuchs es schon unter jeder

Knospe, und der ganze

Baum erstrahlte bis tief in die Nacht,

Die wurde nicht mehr schwarz,

Sie nahm das

Blattgrün an wie alles ringsumher.

 

 

 

Die

Frau in meiner Nähe ließ mich sein

Und wandte ihren

Blick nie mehr auf mich, dass ich erschrak,

Ich weinte über mich und kroch in einen

Schrank, damit mich niemand sah,

Und ihre

Augen hatte ich gegessen und verschlungen,

Und sie sah mich aus den

Händen an,

Die hatte ich mir vors

Gesicht geschlagen.

 

 

 

Es war auch so, dass meine

Augen es erlernten,

Bilder, die sie nur am Rand erkannten,

Ganz genau zu sehen,

Und ich sah ja nicht dorthin,

Ich sah daran vorbei und achtete nur auf das

Äußere Geschehen meines Blickfelds,

Das entzog sich später raffiniert in einen

Raum direkt vor meinen Augen,

Und es machte mich zu seinem

Mittelpunkt.

 


 

 

Aufschläge 7024 – 7026

 

Es dauerte sehr lange,

Und die

Fahrt, die ich mir vornahm, nahm an einem

Kreis, den ich mit einem

Stock in weichen Boden schrieb, den Anfang,

Und sie endete in einer

Wüste, die war leer,

Und leicht war es für mich nun die

Bedeutung zu erkennen,

Und sie sollte Zuflucht sein,

Ich war der

Flüchtling, der in seiner neuen Heimat stand,

Es folgte niemand, niemand war vor mir,

Und meine

Spur lag unentdeckt noch unter meinen Füßen,

Und ich sah:

Was an mir endete, blieb

Unvollendet.

 

 

 

Aus dem

Fenster fiel ein Blatt Papier,

Das sollte mir nun weiterhelfen, weil die

Stimme, die mir etwas sagen wollte,

Unterwegs verloren ging,

Sie hatte nirgends Spuren hinterlassen,

Und das

Echo, das man kannte, traf nicht jedes

Ohr.

 

 

 

Ich sollte ein

Vermächtnis hinterlassen,

Und ich hatte wirklich keine Zeit,

Und würd ich stehen bleiben, keilte sich ein

Abstand ein,

Der trennte mich von mir,

Der bräche mich wohlmöglich auseinander,

Und ich schrieb in

Hast, dass ich voll

Zugeständnis sei und sehr darunter litte.

 


 

 

Aufschläge 7027 – 7029

 

Ich gab dir einen

Gruß auf deinen Weg,

Darüber lachtest du,

Es gab ja keinen mehr,

An den du ihn entrichten konntest,

Und die Luft um dich drang ein in dich und mich

Und kannte keinen Unterschied,

Und später, als du fort warst, blieben die

Gedanken an die Leere hier bei mir,

So konnte ich dir etwas helfen.

 

 

 

Als ich aufsah lag ich bäuchlings vor der hellen

Wand,

Und die war nicht aus

Stein und nicht aus Mauerwerk, es war ein

Strahlenvorhang, der stand senkrecht bis in eine

Ferne,

Mit den Blicken, die das

Ende suchten, rief ich laut:

„Was soll ich tun,

Ich habe ja bereits getan

Was ich noch machen soll

Und kann nur machen, was ich tat,

Und hätt das Ende gerne abgesehen,“

Das, so wusste ich genau,

Lag nicht dort oben sondern dicht vor mir,

Und mit dem

Kopf stieß ich an seine Kante.

 

 

 

Jemand lebte lange

Zeit im Hohn,

Zu mir sprach er:

„Grüß mir den

Atem, den du liebst, und halte ihn nicht fest,

Und lass ihn frei für mich,“

Ich dachte auch, dass ich wohl sterben müsste,

Bliebe er bei mir

Und stand auf einem

Salzsee, der war ausgetrocknet,

Und vor mir, auf einem

Schreibtisch lag die Bilderkarte, die bewies, dass dieser

See tatsächlich existierte.

 


 

 

Aufschläge 7030 – 7032

 

Wenn ich rückwärts schaute, sah ich mich auf einer

Oberfläche, die war stramm gespannt als

Tuch und sie verdeckte eine

Wahrheit, die war schlecht zu sehen,

Und das Tuch, das federte, warf jeden

Sprung und jeden Fall zurück,

Dass man sich kaum getraute,

Und ich schrieb ins

Tagebuch, das lag nun auch zurück,

Ich schrieb, dass ich den

Wahnsinn der vor mir Getöteten,

Nun übernommen hätte,

Und er wäre mit der

Welle über mich gekommen,

Die war durch ein

Meeresbeben ausgelöst

Und hatte lange angedauert.

 

 

 

Man brachte mich in dieses überweiße

Zimmer, dass ich ganz allein mit meinem

Leiden sei, das war nicht schlimm, weil mich die gleiche

Farbe quälte,

Und sie löste sich nun auf,

Und über meinem

Schlafbett hing ein

Werbespruch, der mahnte mich zur

Ruhe und empfahl:

„Leg du dein Herz beiseite, aus dem

Längsschnitt über deiner Brust

Tropft reichlich Blut,

Das reicht für zwei.“

 

 

 

Zwischen meinem

Raum und dem dahinter fielen meine

Worte an die Glaswand,

Und dahinter sah ich

Menschen leben,

Und sie sahen mich und trieben so geräuschlos in der

Schwebe, dass wir nicht mehr aufeinander hörten,

Und es war die Perversion gemalter

Und bewegter Bilder hinter

Glas.

 


 

 

Aufschläge 7033 – 7035

 

Keines von den

Bildern ließ mich aus,

Wir lebten in der

Zeit, die nur in Bildern sprach, die

Worte wurden blätterarm,

Man schlug sich auf und andere

Und sah hinein

Und schlug sich wieder zu und legte sich beiseite,

Und für illustrierte Leben zahlte man den

Reichtum aus,

So wurde man verdient,

Man bildete auch farbig

Lippen ab, die spitzten sich ein wenig wie zum

Kuss und, wie die andren sagten,

Formulierten sie den

Richterspruch, den hing man auf in

Galerien.

 

 

 

Hinter meinem

Wohnhaus fing ein Wäldchen an,

Das war sehr klein und lebte von den

Pinselstrichen, die die

Stämme, Äste, Blätter strukturierten,

Und ich selbst trug beim

Betreten eine Sichtschutzbrille.

 

 

 

Über mir begann die

Hörigkeit, die schlug sich auf die

Erde nieder,

Und ich rechnete mir die

Entfernung aus, die nötig wäre, um die

Luft, das Wasser, um das Feuer und die

Erde zu vergessen,

Und der Abstand reichte bis zu mir,

Und in die

Falle war ich nur geraten, weil dies doch ihr

Wesen war.

 


 

 

Aufschläge 7036 – 7038

 

Ich begann die

Briefe neu zu lesen, und ich las der

Reihe nach, wie du es damals dachtest,

Nichts von dem war eingetreten,

Deine

Wünsche lagen eingeschlagen zu Papier

Und waren ungeöffnet, jede

Zeile blieb versiegelt,

Und ich las nun alles rückwärts noch einmal, dass ich zum

Anfang fand, dort stieg ich in das

Bergwerk ein, ich übersah es seinerzeit,

Erst jetzt entdecke ich den

Einstiegstunnel,

Der war menschenleer und endete in tiefer

Dunkelheit,

Du hattest mir nichts hinterlassen,

Und ich staunte über deinen

Einsatz, der war ohne Schranken,

Heute hörte man nur

Wassertropfen, die in Seitengängen aus der

Decke fielen.

 

 

 

In dem

Wohnhaus wuchs der

Ruhepilz und breitete sich aus,

Ich ging in eine

Bodenkammer und durchbohrte dort die

Decke, dass ich unter mir ins

Zimmer, das ich grad verlassen hatte, gucken konnte,

Und es war noch immer leer,

Ich richtete mich ein, die

Ruhe würde sich verraten wollen, wenn ich

Wiederkommen würde,

Und ich wartete.

 

 

 

Ständig hörte ich die fremde

Stimme über mir, sie kündigte

Stationen an und brachte einen

Hinweis, eine

Möglichkeit, sich zu verhalten,

Etwas nicht zu tun,

Sie ignorierte meine

Existenz und dass ich als

Gefangner mitfuhr.

 


 

 

Aufschläge 7039 – 7041

 

Du erklärtest allen, die

Natur sei voller Unschuld,

Und sie werde schuldig nur durch uns,

Auch schweige sie zu allem, was an ihr geschehe,

Und du sagtest auch,

Dass wir uns selbst beringten, wenn wir an dem

Waldrand stünden und nach innen lauschten

Und dann außen auf ein

Echo warteten,

Und ganz unnötig wusstest du, dass dieser

Baum schon damals, als das große

Töten stattfand, wuchs und seine

Augen offen hatte,

Ganz umsonst gemahntest du

Und blicktest in die falsche

Richtung.

 

 

 

Die

Natur ist ohne Kunstherz,

Und sie lebt ganz ohne die

Gerechtigkeit,

Und damals, als du Bilder maltest,

Nahmst du amputierte Glieder,

Und du stelltest sie gewaltlos in die

Malerei,

Ich fand auf diese

Weise auch heraus, aus wie viel fremden

Teilen ich bestand.

 

 

 

Manchmal brach ich ein in meiner eignen

Sprache,

Und es war der

Untergang in einer Eigentötung,

Und du riefst mir nach, ich sollte meine

Augen offen halten, dass ich heil nach

Hause kommen würde,

Und die

Worte steckten mir im

Halse.

 


 

 

Aufschläge 7042 – 7044

 

Mein

Wohnhaus hatte ich verlassen,

Und ich sah zurück,

Es mochte sein, und ich stand still,

Es mochte sein, dass dies mein letzter

Rückblick war,

Ich blickte in die

Runde, ob wohl jemand neben mir erwuchs,

Den ich nicht sehen konnte,

Später sollte man von mir nicht sagen können:

„Jahrelang stand er daneben und bemerkte nichts,“

Auch wollte ich nicht, dass man sagen würde:

„Das ist einer dieser Richter, die auf fremder

Unschuld wohnten,“

Und an meinem

Handgelenk befand sich immer noch der abgeschlossne

Ring von der Gefangnenkette,

Und ich zog den

Ärmel meines Mantels über ihn.

 

 

 

Ich war zu wahr zu mir, dass ich mir glaubte,

Und gab alles auf,

Man hatte mir den

Tag schon lange prophezeit,

Und würd ich jemals wiederkommen,

Müsste es ein

Tag vor diesem sein,

Der war bereits vorbei.

 

 

 

Die junge

Frau nahm keinen

Platz an meiner Seite, setzte sich nicht neben mich,

Sie sah mich schreiben,

Und sie hatte, wie ich aus ihr las, die

Angst, ich würde sie verbrauchen,

Und ich schrieb sie auf,

Und nichts von ihr blieb übrig,

Und sie hatte es bemerkt

Und brach noch in derselben

Nacht in meine Stube ein

Und holte sich zurück.

 


 

 

Aufschläge 7045 – 7047

 

Nichts erfasst der Mensch, der

Tropfen löst sich kugelrund vom

Wasserhahn, ich halte meinen Finger unter ihn

Und bringe ihm das

Ende, das ist glaubhaft,

Und die

Tänzer in dem aufgeblähten

Bauch des Pferdes sieht man nicht,

Man sieht sie einfach nicht, man sieht sie nicht,

Und niemand traut sich mit dem

Messer den Kadaver aufzustechen.

 

 

 

In der Stadt, lief ich mit meinem

Körper gegen ein Relief, das war aus dünner

Bronze und so hoch als große Hauswand,

Und ich war mit meiner

Schulter angestoßen, dass ich niederfiel,

Ich schlug auf schmale

Bretter, die das ganze stützten, und der

Wind fiel in das stramm gespannte Segel,

Und das Kunstwerk fuhr mit mir davon,

Es hatte mit der

Abfahrt bis auf den Zusammenstoß

Gewartet.

 

 

 

Jemand sprach mich an und wollte

Kieselsteine von mir haben, um den

Heimweg zu verschönern,

Ja, er wollte sie erst waschen und dann

Links und rechts die

Zufahrt damit zieren,

Und ich hatte nichts, was ich ihm hätte geben können,

Und er sagte gleich, dass er nur wenig brauche,

Und es sei genug und wusch vor meinen

Augen alles aus,

Das nahm er mit und war zufrieden.

 


 

 

Aufschläge 7048 – 7050

 

Spät am

Abend sandtest du mir deine

Grenze in mein Haus,

Sie ist ein schmaler

Brief, den ich zu öffnen hab,

Ich hätte heute Morgen noch gesagt:

„Mir bleibt ja keine

Wahl, denn dieser Tag, den du gern

Ungeschehen machen möchtest, hat begonnen,“

Aber nun weiß ich mir keinen Rat, die

Grenzverletzung wird mich töten, wenn ich sie gestatte,

Und vor mir erlaube ich dem

Bildschirm, dass er hinter seine eigne

Wand tritt, mir von dort berichtet,

Und es dauert lange, lange,

Und ich höre keine Zeichen mehr

Und gebe auf.

 

 

 

Drei der

Seiten meines

Zimmers haben einen falschen Platz,

Es ist die Frage nach dem

Zwischenraum ganz unrichtig gestellt

Und ist an einem

Sitzstuhl zu erkennen, der steht dreifach hier:

Er selbst, sein

Schatten, der erst auf den Boden und dann weiter über eine

Rückwand fällt,

Und drittens bildet er sich ab in einem Spiegel,

Und die Existenzen liegen in der rechten

Hand, die ruht auf einem Lampenschalter

Und kann frei entscheiden.

 

 

 

Später höre ich dich lesen,

Und du sprichst von einem

Nagelschild, mit dem du kämpfen willst,

Und keiner, der dir zuhört, wagt zu lachen,

Weil man noch nicht weiß, wie es auf deiner

Seite wirklich aussieht,

Und ich stehe hinter dir

Und könnte sagen, dass dort alles leer ist,

Dass du gar nicht

Existierst.

 


 

 

Aufschläge 7051 – 7053

 

Du redetest zu viel

Und machtest alles käuflich,

Und der

Helm auf deinem Kopf war

Erde, die man über eine Unschuld häufte,

Weil sie ohnehin nur unter einem

Schutzschirm leben konnte,

Und du hörtest die

Musik darunter, die war ganz aus

Leichtmetall und fiel auf dich;

Ein räuberischer

Mörder, der an dir vorbeiging und sich auswies:

„Ich hab eine lange Strafe abgebüßt, weil ich in

Tötung lebte,“

Konnte dich nicht irritieren, deine

Gleichgewichte waren angeschraubt

Und standen fest.

 

 

 

Etwas weiter drüben ging ich in ein

Gotteshaus, das nenne ich nur so, damit ich weiß,

Wovon ich spreche,

Und in Wahrheit war es eine große

Kuppel, die im Echo lebte,

Und man schwieg darin,

Und als ich eintraf, war es so, dass ich noch aus dem

Raum der Kuppel stehlen konnte, was sich in der

Deckenwölbung selbst gefangen hielt

Und sinnlos an die Rundung prallte,

Und hier durfte niemand reden,

Nur zu hören war erlaubt.

 

 

 

Schmerzlos musste alles sein,

Und schlimme

Dinge wurden aufgeführt in einem

Katalog, den hatte jeder vor sich liegen,

Um darin zu blättern und um nachzuschaun,

Und meine rechte Hand war diese

Nacht am Armstumpf eines völlig fremden

Menschen angenäht,

Es hatte alles seine Richtigkeit,

Und in dem Katalog war nichts zu

Finden.

 


 

 

Aufschläge 7054 – 7056

 

Ich stand in einem

Wartezimmer und es stach ein leuchtend roter

Sonnenstrahl herein, der schnitt die

Schwebeteilchen aus dem Raum, dass sie nun

Deutlich wurden,

Und man rief mich auf, weil ich nun an der

Reihe war, ich sollte diesen Strahl bewachen und sofort die

Meldung machen, wenn ein

Teilchen ausschied oder eines neu hinzu kam,

Und ich war der falsche

Wachmann, weil ich außerhalb der

Straße meine Augen offen hielt, und lange, meinte man,

Müsst ich noch auf die

Heilung warten.

 

 

 

Man hatte mir vom

Nebenraum erzählt und ihn beschrieben,

Und er wäre später nur für mich,

Und bis man ihn errichten konnte, würde viel

Verständnis nötig sein,

Er musste, weil er nur für mich sei, ohne

Wände sein und sollte hier in dieser

Höhe an dem Hochhaus hängen

Und mich wirklich isolieren.

 

 

 

Vor meine

Sonne hielt ich eine grüne Scheibe,

Und sie schien hindurch und spielte selbst ein

Spiel,

Und ihrerseits nahm sie nur einmal eine

Hand vor ihre Augen,

Und die

Scheibe wurde unnütz.

 


 

 

Aufschläge 7057 – 7059

 

Man lockte mich mit einer

Alltagsforderung, ich öffnete die

Tür zum Eingang,

Die fiel hinter mir unsichtbar in die

Mauer,

Und ich stand in einem

Turm mit einer Wendeltreppe, die galt mir,

Ich stieg hinauf und hatte kein Verständnis,

Meine Blicke suchten schon im Voraus um die Kurve,

Und es war nichts abzusehen,

Und ich war es leid,

Die

Fische, die hernieder fielen aus dem blauen

Himmel, sagte man, entließe nur eine

Wirbelsturm weit über uns,

Der hatte sie zuvor dem

Meeresarm entrissen,

Und ich wurde es noch einmal leid, ein

Bild zu sehen,

Das bestand aus falsch herum gesetzten

Buchstaben, aus lückenhaftem Text,

Ich sah, die Grenze des Erträglichen war nicht gerade,

Wie ich immer dachte.

 

 

 

Dann sah ich ein

Blatt Papier am Boden liegen, das war nicht mehr weiß,

Und irgendjemand hatte irgendetwas unterschrieben,

Und ich dachte an die

Selbstbefriedigung, die lag in jeder Unterschrift,

Und zwischen braunem

Samtstoff lag ein loser roter Seidenfaden,

Den sah ich mir voller Misstraun an und wollte ihn entziffern,

Und ich las an ihm.

 

 

 

Hinter einer

Glasvitrine standen Taubenvögel,

Und ich sah hinein und auch hindurch

Und achtete auf eine

Stimme der Vitrine, die war schwach und schwankte,

Und ich dachte an das

Glas, das es zerbrechen konnte und auch an die

Malerin davor, der sah ich auf die

Finger und ins Werk,

Die Tiere standen vor dem Abflug,

Und kein Träger kam,

Mir etwas abzunehmen.

 


 

 

Aufschläge 7060 – 7062

 

Blütenweißer

Wasserfall der Rispen schlägt auf

Steine deines Gartens,

Meine

Hand verfärbt sich unter einem

Tropfen Bittermilch des Löwenzahns,

Aus deinen

Brüsten trat einst andrer Saft

Und stand in kleinen Quellen,

Damals nährtest du ein Kind,

Und heute wirfst du deine langen

Haare über deine Stirn in einen

Frühling, um sie besser auszukämmen

Und den

Sonnentanz in deinem Nacken zu genießen,

Und es fällt das

Blatt von deinem Mund, weil es sich dort, in dieser

Stellung, nicht mehr halten konnte.

 

 

 

Kurz vor dir verwandelt sich mein

Kuss in Bitterkeit des Ginsters,

Dass ich mich erinnern soll,

Ich falle nicht zurück,

Es ist, ich weiß nicht was, und warte auf den neuen

Wandel, der schlägt diese

Wolke um in eine Lust, mich an dem

Gelbbusch zu vergreifen,

Deine Zähne bleiben völlig rein

Und in der Reihe,

Und du siehst mir zu und wartest.

 

 

 

Ich weiß von deinem

Leben, dort auf dem Balkon,

Du siehst, du hörst, du riechst ganz anders als die

Menschen, die weit über dir in unbekannten

Höhen wohnen und die

Füße nie auf diese Erde setzen,

Und sie gehen, sehen, riechen, hören,

Soviel weiß man, alles umgekehrt.

 


 

 

Aufschläge 7063 – 7065

 

Heute, als ich nicht mehr daran dachte, sprang ein

Ball ganz plötzlich auf mich zu,

Ich musste reagieren

Und ihn fangen oder schlagen oder laufen lassen,

Und ich dachte, dass es wohl derselbe

Ball von gestern war, denn der ging mir verloren,

Weil ich ihm nicht nachsah, als er sich im

Flug abhob,

Ich saß ja immer noch im

Baum, inmitten Blüten wilder Kirschen,

Und ich führte ein Journal von ihrem

Aufbruch an bis zum Zerfall,

Dann würde ich mich wieder zeigen,

Doch auch dieser

Ball ging mir verloren.

 

 

 

Tags darauf war es ganz anders, weil ein rotes

Blütenblättermeer in einer

Flut anstieg und dann sofort verebbte,

Und in einer

Gabel saß in hohen Ästen jener

Zufall, der mich gestern so bedrängte,

Und nun langte ich nicht mehr hinauf,

Ich hatte das Journal beendet.

 

 

 

Irgendjemand machte ohne

Worte eine Häusermalerei an großen

Wänden, die erklang in unsrer Straße als ein

Echo das sich dauernd wiederholte,

Und man könnte

Glockenläuten darin hören, wenn man es nicht

Besser wüsste.

 


 

 

Aufschläge 7066 – 7068

 

Man hatte diesen

Neutag ausgerufen, das war gut,

Ich sah mich um und fand den kleinen

Blumenstrauß verwelkt,

Den hatte ich ganz frisch vor wenigen

Minuten in das Glas gestellt,

Ich fand auch einen

Kletterer mit nackten Füßen im Gebirge,

Der stieg schnell empor,

Man sagte mir, dass hier der

Stein ganz weich sei und man hinterlasse seine

Spuren, und es wäre gut so,

Und ich hatte nur gesehen, dass die

Höhe ständig zunahm, wie zum

Trost warf ich dir Münzen über eine mörderische

Spalten zu, in deinen Schoß,

Du saßt dort drüben auf dem

Nadelkamm,

Ich wagte nicht daran zu denken, dass die

Felsen unter dir schon endeten,

Und du stiegst weiter auf.

 

 

 

In der

Haustür standen Männer, die verglichen die

Maschinen,

Und ich ahnte nicht, wovon sie sprachen,

Und sie setzten sich am

Ende völlig falsch zusammen,

Und man fragte mich und wies auf einen kleinen

Vogel über uns, der zog dort seine Kreise:

„Ob ich gläubig wäre,“

Und ich sah zu meinen

Füßen graue Krähenvögel an dem Felsvorsprung im

Aufwind stehen,

Und sie waren unbegreiflich nahe.

 

 

 

Drüben stürzten

Bäume um, die hatten ihre

Wurzeln nur auf nacktem Fels,

Das erste kleine Echo, das auch nicht aus diesen

Bergen kam, ja dieses erste kleine

Echo packte sie am Stamm

Und brachte sie zu Fall.

 


 

 

Aufschläge 7069 – 7071

 

Über mich rollt schwer und scharf der

Knall des Überschalls,

Und tief im Feld steht hoch ein Einzelbaum

Im gelben Grün der jungen Triebe,

Weit darüber schiebt sich eine Lerche

Mit den kurzen Flügelschlägen ihrem hohen

Lied beständig näher, unterbricht den

Flug und fällt ins Nichts,

Man will mich etwas fragen, und ich weiß nicht was,

Und mit den

Worten springt ein Erdtier dicht an mir vorbei,

Es sieht mich gut, und es verharrt ganz kurz,

Dann laufen alle

Farben wieder ineinander.

 

 

 

Vor mir liegt das

Tagebuch auf meinem Tisch,

Ich seh es an, und es zerreißt sich, ohne meine

Hilfe in sehr schmale Streifen,

Die befestigt irgendjemand irgendwie als

Vorhang vor dem Ausgang,

Und es ist jetzt schwer geworden

Nachzulesen, was der Vortag brachte,

Und fürs Heute müsste ich dort erst

Hindurch.

 

 

 

Wenig

Zubehör liegt draußen, und man sagt, die

Silberfolie soll die

Vogeltiere von der Jungsaat scheuchen,

Und es kann nicht sein,

Denn tausendfach gestaltet und zerknittert

Spannt sich ein metallner Himmel über uns

Und alles,

Und die Diebe haben gar kein Mitleid,

Und mit langen Stangen brechen sie noch

Glasvitrinen auf und sehen doch auch so hinein

Und könnten sich von deren Leere nur mit ihren

Augen, die nichts sehen,

Überzeugen.

 


 

 

Aufschläge 7072 – 7074

 

Man schrieb die ideale

Landschaft aus und hängte die

Entwürfe in die Galerie,

Und ich hing unter ihnen,

Und es schmerzte nicht, man nahm auch

Rücksicht auf die Menschlichkeit, die haftete an mir,

Und andre hatten außerordentlich Verständnis,

Und sie streuten, von dem

Eingang kommend, einen

Sandweg, eine schmale Spur bis hin zu mir,

Und jeder der Besucher setzte seinen

Fuß ein wenig nur daneben,

Und man ahnte gleich das knirschende Geräusch,

Das wollte man vermeiden.

 

 

 

Unter unsrer

Auswahl war auch die Entscheidung,

Irgendeiner musste sie noch treffen,

Und man ging von Saal zu Saal,

Ich selbst vertrieb mich aus dem

Wohnhaus, das befand sich noch am Anfang,

Und zur

Zeit befand ich mich ganz nah und unter einem

Zimmer mit der Nummer

Dreizehntausend.

 

 

 

Fremde

Menschen kamen zur Besichtigung,

Man durfte sie nicht fragen,

Und ich fragte doch und drang auf eine Antwort,

Und man drängte sich um mich und sprach von einer

Neuerung, die andrerseits verwirrte,

Und man hob die Kinder hoch, damit sie mehr

Und besser sehen konnten,

Und man ging davon,

Und nicht einmal die

Fragen schrieb man auf

Für später

 


 

 

Aufschläge 7075 – 7077

 

Die

Sonne fiel ins

Zimmer und beleuchtete die goldne

Schlangenhaut, es war kein Tier in ihr, ihr

Schweigen stand im Raum, und niemand hörte zu,

Sie wand sich und gebärdete sich lebend,

Rollte lautlos hin und her im warmen Licht,

Und irgendjemand müsste sich wohl damit gürten,

Sie um seine Nacktheit legen,

Und ich wollte es nicht sein und war es nicht,

Und auf dem

Boden lagen Silbertropfen ihres ausgespritzten

Giftes.

 

 

 

In dem

Großraum spielten in verschiednen

Nischen gleiche Instrumente gleiche Melodien,

Man hörte alles falsch,

Von beiden Seiten kam der Eindruck,

Und man konnte sich nicht wehren,

Und so sperrte ich in meinem

Kopf die Räume zu und legte schwere

Balken der Gedanken vor die Tür,

Und die verrieten mir,

Dass außerhalb der

Frieden brannte.

 

 

 

Es fiel ein

Tanzkostüm auf einen Stuhl,

Das war so leicht, ich blies es mit dem

Atem hoch,

Es schwebte über mir, die

Tänzerin entstand ganz neu darin und tanzte ihre

Farben,

Alles handelte vom weißen Blut, von schwarzem

Eifer und dem roten Willen,

Und es reichte meine

Zeit nicht aus.

 


 

 

Aufschläge 7078 – 7080

 

Das Unterholz war dicht,

Und meine

Haare hielten sich ganz fest darin,

Wenn ich sie überstrich, sie glätten wollte,

Unterschied ich sie nicht mehr von

Nadeln trockner Blätter,

Unter mir lag Trümmerschutt,

Hier war von einem

Augenblick zum anderen das

Kirchendach herabgestürzt, ich ging auf den

Verschütteten, auf Lockenschöpfen und auf Grauhaar, meine

Sohlen brannten,

Und das Kirchenschiff, in dem ich stand,

Frohlockte über einen freien Himmel,

Und ich konnte mich nicht mehr entscheiden,

Meine Flügel klebten fest als

Teer auf sie hernieder tropfte.

 

 

 

Draußen zündete ein

Mensch die Flamme an und dankte,

Und es sprang ein

Funke auf die Steine,

Und es war nicht einer unbehauen,

Und man sah auch zwischen den

Reliefs die Abfahrtzeiten, die man mit dem

Meißel damals eingeschlagen hatte,

Und ich war verspätet,

Und das Lesen hatte ich verlernt

Und stand armselig über mir.

 

 

 

Mir blieb nur das

Problem, mich mitzuteilen,

Und ich fragte dich,

Du riefst mir zu, es wäre nicht genug,

Und andre lachten über unsren großen Abstand,

Du standst zwischen mir und mir,

Und ich stand zwischen dir und dir,

Wir waren uns sehr nahe, und das

Pfingstfest klopfte an,

Wir wussten vorher,

Dass es kommen würde.

 


 

 

Aufschläge 7081 – 7083

 

Ich sandte meine

Ohren aus, die lauschten an dem

Stein, der sprach vom Wasser,

Das hätt ihn hierher gebracht,

Und nirgends sah ich einen

Fluss und keine Küste,

Und der

Stein sprach, dass es gestern schon gewesen sei,

Und damals hätte es mich nicht gegeben,

Und ich stünde auf dem

Boden eines Meeres,

Alles ginge viel zu schnell,

Es fiel ihm auch noch ein, dass er zuvor zum

Baustein eines Gotteshauses auserkoren war,

Das mochte nun geschehen,

Und ich richtete ihn aus, dass seine

Stirn in Richtung seines Glaubens zeigte,

Darum bat er mich und dankte,

Alles andre läge nicht in seiner

Hand.

 

 

 

Hinter deinem

Wohnhaus würdest du dir einen Garten bauen wollen,

Und du schriebst mir einfach, dass du in die hinterste

Gelegenheit den Teich gestalten möchtest,

Und du wolltest nur verstehen lernen,

Dass man in die Tiefe eines

Wassers schauen musste, um den

Himmel zu begrenzen.

 

 

 

Diesmal hatte ich mich vorbereitet,

Und der

Regen würde nicht umsonst an meine

Fenster schlagen,

Und ich lag in meinem

Bett und wachte, über alles spannte sich ein großes

Zelt, der Regen würde darauf treffen

Und mich warnen, denn das

Wohnhaus würde mich nicht

Ewig schützen können.

 


 

 

Aufschläge 7084 – 7086

 

Gestern schrieb ich dir vom

Himmel, der war zu begrenzen,

Ich vergaß dabei die

Dunkelheit, sie ist ein Teil von ihm,

Und über meinen Tisch weht eine leichte

Fahne Maiglöckchenduft, die schwebt ganz ohne

Schatten,

Und der Blütenstaub der Kiefer wäre ihr ganz ähnlich,

Meinte man nicht, dass man alles besser wüsste.

 

 

 

Meine Sorge ist, dass ich mich teilen müsste,

Und was wüsste ich von mir, dem anderen,

Wir träfen uns vielleicht als

Fremde wieder,

Und die

Schwarzschrift bricht, wenn man zu lange darauf starrt,

In eine Farbe auf,

Sie wird ein wenig rot,

Und auf der andren

Straßenseite gehe ich von mir getrennt,

Und schmerzlich ist es, zuzuschauen,

Meine

Arme reichen nicht hinüber,

Und die

Straße, die dazwischen liegt,

Wird viel zu schnell befahren, ist besetzt

Und duldet keine Unterbrechung.

 

 

 

Von der

Wasseroberfläche steigen Schwäne auf,

Sie brauchen lange, um sich abzuheben,

Und ich kenne das

Geräusch, das ihre Schwingen machen,

Wenn ich bete, spreche ich genau die gleichen

Worte, und die

Tiere fliegen tief, tief über mich hinweg,

Man wird mich sicherlich erhören.

 


 

 

Aufschläge 7087 – 7089

 

Zwei

Vogeltiere saßen an der Tränke, warmer

Wind umspülte meinen Nacken,

Vor mir fiel ein kleiner

Wasserfall ein wenig aus dem

Garten über einen Kunststein,

Und ein feiner

Regen blühte auf zum Diamanten,

Aus dem

Baumdach über mir, beträumten mich die

Blütenblätter,

Jedes, jedes, jedes war für sich,

Und irgendwo lag unter einem

Stein, ganz nah, vielleicht auch weit entfernt, ein

Gruß, der war für mich bestimmt,

Ich musste warten und geduldig sein,

Und dieses Flüsschen litt ganz einfach unter

Erdenschwere, die es abwärts rinnen ließ.

 

 

 

Die

Luft, in die ich atmete, verlief in Strudeln,

Auf der Oberfläche drehten sich die

Tagesreste, und der eigne

Abfall kam nicht von der Stelle,

Und ich pflanzte endlich

Gärten der Geräusche darin an,

Die würden zart beginnen,

Und in ihren Wurzeln würden sich die

Netze knüpfen.

 

 

 

Zwischen allem standen bronzene

Figuren,

Und ich fand ein freches

Mädchen unter ihnen, das sprach mich gleich an, vom

Künstler habe es auch einen

Namen mitbekommen, der sei in dem Sockel eingeschlagen,

Und ich sollte suchen,

Und ich fand nur eine

Ordnungsnummer, die las ich nicht vor,

Ich schämte mich und ging in seinem

Rücken fort,

Es konnte mich nicht sehen.

 


 

 

Aufschläge 7090 – 7092

 

Du trugst ein

Stachelhalsband unter einem hingehauchten

Tuch, das deinen Körper weit umschlang,

Und es versteckte eine Dornenreihe,

Und es roch an dir der

Regen dieser Nacht,

Die Äste waren grün bemoost

Und feucht und glatt,

Dies war der

Treffpunkt, den wir ausgemacht,

Den wir vereinbart hatten,

Und du warst bewaffnet gegen dich,

Und meine

Arme waren mir umsonst gewachsen.

 

 

 

Der

Regen hatte aufgehört, die

Seufzer schliefen langsam ein,

Die

Schlafnacht trieb in schwüler

Hitze durch die Zimmer,

Der erwachsnen Frau entglitt das

Stofftier,

Und ich lehnte mich an ein Geländer,

Das gab endlos nach

Und ließ mich doch nicht fallen.

 

 

 

Wir luden

Freunde ein, die aßen

Abendbrot mit uns,

Und einer sprach vom roten

Licht und einem Leuchtstaub der Verheißung,

Die läg über dieser Runde,

Und wir tranken nichts als Tee

Und aßen Brot,

Ja, wir betrafen uns einander,

Und ich hatte meine

Ungeduld bekundet, die mich lähmte,

Und ich wurd von euch

Gefüttert.

 


 

 

Aufschläge 7093 – 7095

 

Gestern fiel ich in ein

Schlangennest, man nahm mich freundlich auf,

Ich fand den

Frauenleib, von dem ich träumte, unter einem kühlen

Kleid, das locker hing und weit,

So schloss

Verrat die Treue doch nicht aus, ein

Kuss sprang mir blitzschnell auf meine Wange,

Und sein Gift war süß, es drang durch meine Haut

Und legte sich auf meine Zunge,

Und ich würde niemals mehr dem

Blinden in die Augen sehen wollen,

Meine

Spucke schäumte hinter den geschlossnen

Lippen.

 

 

 

Mit dem

Eisen schlug ich in das

Holz, dass ich erschrak,

Ich sah erst jetzt, was vor mir lag,

Vielleicht sollt ich es spalten oder mit dem

Eisen vor den Trockenrissen schützen,

Oder sollte ich vielleicht ein

Schnitzer werden, der die Sache falsch begann,

Und aus den hundert Bildern wählte ich das eine aus,

Das dir sehr ähnlich war,

Du stauntest über meine Meinung und dein

Lächeln blieb im Ansatz stecken.

 

 

 

Früh am

Morgen schnitt ich Flieder ab,

Der

Regen saß noch auf den Blättern,

Und ich kletterte von einer Leiter in den Baum

Und schnitt

Und schnitt

Und schnitt, und las am andren

Tag von einer Katastrophe, die das

Meeresbeben an dem fernen

Küstenstreifen unter hunderttausend

Menschen angerichtet hatte.

 


 

 

Aufschläge 7096 – 7098

 

Das

Frühjahr war vorbei und du entdecktest es im

Nachhinein,

Nun erst wärst du geboren,

Von den

Schmerzen in dem Mutterleib hätt man dir nichts erzählt,

Und jahrelang war jede

Einzelheit an dir vorbeigerannt,

Und alle Menschen, die du lange kanntest,

Waren auferstanden,

Und du schautest voll

Erwachen in die Welt, die war dir neu,

Und jemand drehte an Geräten, und man sprach von

Dingen, die du nie gesehen hattest,

Sicher waren sie entstanden, als du noch mit ihnen

Lebtest.

 

 

 

Als du dich in deiner neuen

Sonne sahst, erhobst du dich,

Ich sprang herzu und schnitt die

Drähte, die dich in der Fassung hielten, durch

Und feilte auch die spitzen

Rest nieder bis auf deine Haut,

Es sollte dich nichts mehr erinnern an die

Gegenwart, die solltest du als erster liegen lassen,

Meine Augen schweiften ab von dir,

Ich gab es zu, sie schweiften allzu oft im

Nacken junger Mädchen, die an mir vorüber gingen,

Ihre spitzen

Füße rissen mich mit fort.

 

 

 

Im

Stadtbild, ganz in meiner Nähe, stand ein junger

Brunnen,

Täglich sah ich ihn und saß auf seinem Rand,

Ich freute mich, wenn ich mich dort entdeckte, über die

Begegnung,

Und zu meinem

Liebweib sprach ich über mich

Und gab nicht zu, dass ich mit meinem

Rücken viel zu nah am

Schachtrand stand.

 


 

 

Aufschläge 7099 – 7101

 

Du lebtest immer in der

Freiheit und du merktest nichts davon,

Und neben dir schlug jemand einen

Sklavenleib aus Stein, den

Kopf jedoch beließ er unbehaun,

Das war die

Ohnmacht, die der Künstler nicht aus ihren

Augen schauen ließ,

Und ich in meiner Sklaverei genieße jede

Freiheit, die ich habe,

Und als ich in

Freiheit lebte, lebte ich in

Sklaverei und streckte meine

Hand nach einer gelben

Traube aus, die wuchs an dem

Goldregenbaum in seinem Gift.

 

 

 

Man rief dich auf, du warst im letzten

Jahr verstorben,

Und man hatte dich geehrt

Und wollte dich noch einmal ehren,

Und ich stand im

Garten auf dem Rasen, der war sauber,

Und man hatte eigentlich die

Samen dieses Grases auf den

Menschenleib gestreut und ihn verklebt,

Er war bei guter Pflege aufgelaufen,

Und er grünte nun in allen Farben.

 

 

 

Drüben sollte ich mich an der

Pforte melden und mit einem

Messingreifen klopfen,

Und ich sah genau, dass hinter dieser

Pforte, die ein

Rahmen hielt, sich weiter nichts befand,

Es stand dort kein Gebäude,

Und es war kein Mensch zu sehen,

Und man sagte mir, dies wäre eine

Sache des Vertrauens,

Und ich ging und klopfte an,

Es war natürlich ganz umsonst,

Und auf der andren

Seite fühlte sich nicht einer

Angesprochen.

 

(2011:Aufschlag 7101, Frankfurter Bibliothek der Klassikerausgabe …)

 


 

 

Aufschläge 7102 – 7104

 

Die

Tischuhr steht auf einem Buch,

Ich sehe über meine

Schulter zu dem Tisch,

Und ich verstehe nichts von dem

Zusammenhang, der zwischen

Uhr, dem Buch und mir und einem

Rückwärtsblick zum Tisch besteht,

Daneben liegt das braune

Hundetier im Sonnenfleck und ist der

Schlüssel, den ich suche:

Ich entdecke zwischen

Zeit und Denkgewohnheit, Eigenheit und Suche keinen

Unterschied,

Und auch der Stahldraht, der in meinen

Reifen stach, weil ihn die Straße freigab, lebt in der

Berechtigung,

Man bog ihn längst beiseite.

 

 

 

Aus dem

Nachbargarten dringen

Bilder bis in meine Stube,

Und sie existieren hier,

Ich schließe alle

Fenster, und sie bleiben,

Und ich gehe fort,

Sie folgen mir, sind überall

Und werden schließlich schwächer,

Diesmal waren sie noch ohne

Farben, das wird sich bald ändern,

Und Geräusche hören mich nicht mehr

 

 

 

In einem

Schreibgerät saß eine

Prüfungskommission, die lebte in der Dunkelheit,

Und sie erfasste alles, was zu schreiben war

Und klagte nie,

Sie war nicht festzustellen und erfüllte ihren

Auftrag ganz unmerklich und

Vollkommen.

 


 

 

Aufschläge 7105 – 7107

 

Es hing ein

Bügel an der Wand, der war aus Draht,

Man hatte ihn geformt, um

Kleider aufzuhängen,

Er war leer und schaukelte sich in ein

Gleichgewicht,

Wie sollte ich ihn je erreichen,

Und ich stieß ihn immer wieder vor dem

Stillstand an und wagte nicht, mich zu entfernen,

In den kurzen

Pausen schrieb ich den Bericht, dass man in meinem

Rücken schon von meiner Not erführe,

Und ich dachte an das

Gleichgewicht, an den Bericht und an die

Leute hinter mir,

Von denen wusste ich nicht einmal,

Ob sie wirklich existierten.

 

 

 

Eine

Lösung fiel mir ein, die

Schrauben, die uns fest am

Boden auf dem Sockel hielten,

Konnte ich entfernen,

Und ich ging zunächst alleine fort,

Es war ein

Fallen und ein Stürzen über unbekannte Dinge,

Und von euch, die ich nicht löste, blieb mir kaum mehr die

Erinnerung, so schnell war ich so weit gekommen und

Entfernt.

 

 

 

Ich musste

Gegenstände pflegen, das verstand ich gut,

Und machte meine

Arbeit, wie man es verlangte,

Und nur einmal, als ich mich zu sehr vor meiner

Pflege fürchtete, erteilte ich mir

Hausverbot,

Das galt solang ich lebte,

Und ich hielt mich streng daran

Und ließ mich nie mehr sehen,

Und ich lebte oft in dem

Verbot und merkte nichts davon.

 


 

 

Aufschläge 7108 – 7110

 

„Buschwindröschen, weiß und rosa,

Nun weiß ich genau, wozu ich fähig bin,“

Und werf mich in den

Sand zu ihren Füßen, küsse unsre Erde,

Unterbreche das Gespräch

Und male mir das Himmelsblau, wahrhaftig, wie es ist,

Es taucht sich selber ein in eine

Morgenröte,

Heute Abend ziehe ich es dort heraus,

Und zwischendurch gieß ich den

Eimer gelber Farbe über alles hin,

Darunter, weiß ich, schwimmt ein kleines

Körnchen Gold,

Wird blendend blinken,

Und ich werde warten bis heut Abend.

 

 

Es war nicht dieses

Selbstgefühl der Macht, das mich erhob,

Es war der mürbe

Stoff, der meinen Blick durchließ,

Dahinter sah ich einen

Fluss, der über scharfe Grate in die Tiefe fiel,

Ich hörte auf die

Stimme dieses Wassers, das mich warnte

Und mir zeigte, wie mich

Einsamkeit erschrecken könnte,

Und ich sah zu einem

Fressnapf, der stand auf dem

Boden und versorgte unser Tier,

Ich fand ihn noch gefüllt mit

Nahrung.

 

 

Abends traf ich mich mit fremden

Leuten, denen gab ich meine

Kleidung, dass ich nackt vor ihnen stand,

Man lobte meine Bravheit,

Und man fragte, ob ich von der

Brücke springen würde,

Unter mir der

Fluss sei völlig unbefahren

Und kein Schleppkahn und kein

Boot sei weit und breit,

Ich sollte einzig das

Geländer überwinden,

Alles andre stünde mir dann frei.

 


 

 

Aufschläge 7111 – 7113

 

Ich hatte ganz vergessen, dir von meiner

Erdbeerfrucht zu schreiben,

Von dem

Saft, den ich erträumte, lange vor dem ersten

Biss ins warme Fleisch, der lag in meinen

Ohren,

Und es war ein ganzes

Feld noch nicht geerntet,

Und es lag und reifte unter blauer Sonne,

Und dies war kein Urteil, das mir jemand vortrug,

Sondern frei war ich mit allen

Sinnen.

 

 

 

Hinter mir brach dann dieselbe

Sonne durch das

Grünglas hoher Blätter,

Und sie selbst hielt sich verborgen,

Über ihrer eignen

Helligkeit stieg, weißer noch, ein

Strahlenbündel auf,

Das zierte diese Bäume, setzte ihren

Kronen eine eigne

Krone auf.

 

 

 

Dein

Vorwurf traf mich deshalb schwer,

Das

Quälen hatte doch schon längst ein

Ende, jede Qual bei weitem überschritten,

Und du folgtest mir,

Und du bespucktest meine

Fußspur einzeln, so verhasst war dir der

Duft von frischen

Erdbeerfrüchten,

Und ich konnte diese

Schuld nicht mehr ertragen,

Und ich hinterließ mit jedem

Schritt den neuen Abdruck,

Der, so sagtest du, entstünde absichtlich von mir,

Um dich noch weiterhin zu quälen.

 


 

 

Aufschläge 7114 – 7116

 

Durch die

Farbschnur trennte man den

Straßenbau vom Sommergarten,

Rot wuchs

Mohn aus schwarzem Gras,

Und ich blieb unbeteiligt, weil man mich auf diese

Weise hintergangen hatte,

Rotes Mohnblatt konnte ich mit roter

Kreide nicht beschriften,

Und es blieb kaum Zeit,

Die ersten langen Stiele fielen in die

Bauarbeiten,

Und die Blumen ließen ihre

Röcke aufgeschlitzt zu Boden sinken,

Und es war ein

Zwischenfall, der schien mir nur belanglos,

Und er zwang mich zur Bescheidenheit.

 

 

 

Du hattest einen

Eisenbügel ganz verbogen,

Und er zeigte in die falsche Richtung,

In der Zeitung las ich von dem

Unfall zwischen einer

Mähmaschine und dem Menschen, der war fest im

Kornfeld eingeschlafen,

Und ich bog die

Demut an der schwächsten Stelle hin und her,

Das hatte ich mit

Kupferdrähten oft gemacht,

Ich wusste auch, wie sehr manch

Kerkermeister an dem Häftling hing,

Und trotzdem war ihm keine der

Erniedrigungen groß genug.

 

 

 

Ich schwieg aus

Höflichkeit und sah mich um in diesem

Haus,

Es war ein großes Haus, das lud mich ein,

Ich fand nicht einen

Hinweis auf die Kunst, so dass die

Angst, die Kunst könnt mir zur Falle werden,

Größer wurde,

Und die

Türen hielt man fest verschlossen,

Und die Gäste müssten jeden

Augenblick, so sagte man, erscheinen,

Und man fragte auch, ob ich mit etwas

Vorbereitet wäre.

 


 

 

Aufschläge 7117 – 7119

 

Es las mich eine

Frau, die lag in einem Krankenhaus

Und fand mich ganz normal,

Und anderswo las mich ein

Mann, weil er mich töten wollte,

Das fand ich normal,

Und alle andren, die mich lasen, lasen mich

Normalerweise,

Und sie sprachen meinen

Tod im Leben aus,

Ich aber blätterte die Seite um,

Das kostete mich noch ein

Jahr.

 

 

 

Im

Schlaf, vielleicht, es mochte sein, dass ich erwacht war,

Fasste ich mich an,

Die eigne Hand wurd nun zur fremden

Hand in eigner Hand,

Ich wachte auf, dass mich der

Schlaf so überraschte,

Und ich fand nun doppelt

Glück, ja zweifach Glück,

Und alles schrieb ich auf in dieser Nacht

Und grub die Worte ein in dem Papier,

Das fand ich später nicht mehr wieder.

 

 

 

Sonst war ich verspätet,

Und es fiel nicht auf,

Ich hatte keine

Eigenliebe wie die anderen

Und lebte ohne Regeln,

Alles was mich band, erreichte mich von außen,

Und ich hielt mich daran fest so gut ich konnte,

Trotzdem fiel mir manches losgelassne

Seil in meinen Schoß,

Es wäre ohne jeden

Sinn, würd ich nach

Gründen dafür suchen.

 


 

 

Aufschläge 7120 – 7122

 

Heute wohnen wir in

Kugelhäusern, die sich irgendwie bewegen,

Und sie rollen unsichtbar und unbeweglich

Über alles hin,

Ich wusste wirklich nicht bis jetzt,

Dass in die andren Häuser, neben mir, das

Leben überspringen konnte,

Und die Kapsel riss entzwei,

Ich hörte aus der

Nachbarkapsel eine frohe

Stimme Lieder singen,

Sie war ganz allein, besang die runden Wände,

Und sie sah mich plötzlich vor sich stehn,

Und sie erschrak und schwieg und hatte nie den

Riss aus einer fremden Kapsel miterlebt,

Hier drang nun

Leben ein und aus,

Und lange sprach ich schon mit dir.

 

 

 

Hinter mir band man ein

Bündel langer Rohre fest zusammen,

Und sie hingen an dem

Seil, das drehte sich ganz ruhig,

Und ich sah durch sie hindurch

Und sah mit einem

Aufschrei in die Sonne,

Der würd schon nach

Augenblicken auf ihr landen und verbrennen,

Und das Bündel drehte sich

Gefährlich langsam frei vor meinem Himmel.

 

 

 

Jemand störte mich und fragte nach

Reserveteilen,

Und es war im

Grunde eine Falle, die mich, weil ich sie erkannte,

Gleich in Panik trieb,

Ich gab mich aus Versehen selber her

Und wurde so verwendet wie ich war,

Und schlimm, schlimm, schlimm war mein

Verständnis für die

Leute, die so handelten.

 


 

 

Aufschläge 7123 - 7125

 

Meine

Worte, sage ich, sind wahr, nur deshalb kann ich sie

Begreifen mit den Händen,

Und sie liegen hier,

Ich kann sie wägen, und ich fülle sie in

Kleinen oder großen Mengen ab,

Sie sind auch transportabel und verschiebbar,

Meine Worte existieren von alleine,

Und ich nehme mir davon so viel ich brauche,

Überall sind sie das

Fußbett, das ich hinterlasse,

Und sie liegen auf dem

Weg, den ich begehe,

Und im Garten zimmere ich mir aus

Hölzern eine Nackenstütze,

Dort hinein leg ich den Kopf.

 

 

 

Du schriebst auf geschriebnen

Büchern Ungeschriebenes

Und schriebst auf

Katalogen, Prüfberichten, Übersichten,

Und es stieg der

Wert von jedem einzelnen ins Unermessliche,

Man machte neue

Listen, um sie alle zu erfassen, die du so erfasstest,

Um die alten Listen zu ersetzen,

Die bedeuteten dagegen gar nichts.

 

 

 

Jedes meiner

Worte war zugleich ein Unwort,

Liebe war Besitz und

Speise war Verderben,

Hunger, Strafe und Verbannung waren

Bündel, die zum Himmel stachen und nie rosten würden,

Rost, so sagte jemand, sei

Betrug von Anfang an,

Er sitze jedem unter jedem Fingernagel,

Und es bliebe nur die

Mühsal ihrer Pflege, die sei eine

Lüge.

 


 

 

Aufschläge 7126 – 7128

 

Fensteraussicht und zwei Fensterflügel,

Und ich sehe die

Entfernung meines Raumes, eines

Raumes, den ich selber einnehm, mit dem

Kopf in Wolken,

Mit dem Kopf in Kronen hoher Bäume,

Mit dem Kopf auf meinen Schultern,

Und ich frage nach dem

Zeitvergleich, der kann nicht gegenständlich sein,

Und doppelt leben ist nicht zweifach leben,

Und was danach kommt, vermag ich nicht zu sagen,

Könnte sein, dass einem

Tod ein zweiter folgt,

Vielleicht sogar ein weiterer.

 

 

 

Man wollte mir in einer

Wohnung das Museum zeigen,

Das sei so bei jedem

Menschen, jeder habe sein Museum,

Und man ging mit mir zu mir,

Ich wollte gar nichts glauben,

Und in meinem eignen

Zimmer war nichts mehr vertraut, die

Möbel waren fortgeschafft,

Wie stießen auf drei

Stühle, die in einer Reihe standen,

Und auf jedem ihrer

Sitze brannte Feuer, das ein wenig rauchte,

Und es legte niemand nach, das

Feuer ging nicht aus, die

Stühle konnten nicht verbrennen,

Und es war ein kaltes

Feuer, das dort loderte.

 

 

 

Ich sah mich trotzdem um,

Ich wollte ja nichts glauben,

Und vielleicht befand ich mich zur Zeit in einem

Dreifachbild, das brauchte ich nur

Aufzuklappen oder zuzuklappen,

Ja, vielleicht sollt ich nur einfach darin

Weiterleben.

 


 

 

Aufschläge 7129 – 7131

 

Im

Wald sang eine Nachtigall,

Zu ihren

Füßen lehnte sich ein

Maler an den Baumstamm,

Und er sammelte die

Melodien, die über ihm entstanden, auf,

Sie waren

Hölzer, die er unter einem kleinen

Nachtlicht gleich bemalte,

Nicht ein einziges war wie das andere,

Er dachte an sein

Triptychon, das stand in einem Atelier,

Das war sein eignes Werk,

Und es beschrieb das

Recht, und die Gerechtigkeit und in dem

Mittelteil das Urteil,

Jetzt in dieser

Nacht erschien ein Mond und spiegelte die eigne

Blässe in dem

Rotblech, Weißblech, Blaublech wider,

Die benutzte er darin als Fenster.

 

 

 

Einsam wurde es als der

Gesang verstummte,

Morgentau schlug sich in einem

Glasbruch nieder, dass ich mit dem

Finger diesen Hauch für mich erspüren konnte,

Und es war in jedem

Fall zu wenig, viel zu wenig,

Und die Stadt, der ich zu dienen hatte, wurde eng

Und gab auch nachts nichts mehr.

 

 

 

Unter weißer

Sonne ging ich an denselben Platz,

Wo nachts die

Nachtigall gesungen hatte,

Es versammelten sich hier weit über hundert

Menschen, die erkannten in der

Malerei das Nachtgeschehen,

Und sie sprachen über

Tat und Wahrheit und versuchten ein

Verbrechen aufzuklären,

Und mit mir, das sagte man mir gleich, hätt diese

Untersuchung nichts zu tun,

 


 

 

Aufschläge 7132 – 7134

 

Wir mussten alle warten,

Und ein sanfter

Wind, vielleicht auch eine unnachahmliche

Bewegung deines Kopfes, hob die langen

Haare hoch und schlug sie zu mir hin, ergoss sie über mein

Gesicht und in den offnen Mund,

Du warst entsetzt,

Es war doch wirklich weiter nichts passiert,

Und zwischen uns verschoben sich die

Wolkenfelder nur unmerklich,

Beide sahen wir dorthin

und staunten über deren ungeheure

Weite, die würd jeden von uns tragen,

Selbst zu zweit entkämen wir darin

Ganz ungesehen.

 

 

 

Jemand fragte mich, warum ich sei an diesem

Platz, zu dieser Zeit, warum gerade ich,

Denn vor mir sei ein anderer gewesen,

Und der Frager war erschöpft vom vielen Fragen,

Und ich war der letzte,

Und ich nahm ihm das

Papier, den Schreiber aus der Hand,

Entließ ihn um der Würde willen, das verstand er gut,

Er ging sofort und hatte seine

Pflicht erfüllt.

 

 

 

Auf meinem

Weg verlor ich einen Augenblick,

Der blieb zurück auf einem weißen

Fleck, das war die an die Wand genagelte

Visitenkarte,

Und ich hatte schon von ihr gehört,

Man hatte den

Besitzer noch nicht ausgemacht,

Und auf der Karte las man:

„Ich bin nur ein

Stuhl, den halte ich besetzt,“

Und meine

Angst war unbegründet,

So würd man mich niemals finden.

 


 

 

Aufschläge 7135 – 7137

 

Schreie, schreie, schrei, schrei, schrei,

Und schlimm ist die

Verführung durch die Dankbarkeit,

Und auf der andren

Seite weckst du das Gefühl von

Zärtlichkeit im Morden,

Einer Frau stieß man die

Eisenstange in den Unterleib,

Die drang durch ihren ganzen Körper,

Grausam ist das

Zartgefühl der Mitleidlosen,

Und der Abend schaltete in festgefügter

Automatik seine Nachtlaternen an,

Die suchten immer noch den

Lichtkreis ihrer Nachbarlampen zu

Erreichen.

 

 

 

Jemand sprach in aller

Heimlichkeit zu mir von Ohrenwächtern,

Die vermittelten die

Selbstgespräche,

Und sie schirmten alles ab, was sich von außen drängte,

Ihre Träger konnte man daran

Erkennen, dass sie dauernd mit den

Augen etwas suchten, das vermuteten sie in der Nähe,

Und sie deckten alle möglichen

Verstecke dabei auf.

 

 

 

Weil ich eine

Wirklichkeit erfahren wollte, saß ich einen

Abend später unter einem Bild,

Es blieb mir nichts, als hier, an dieser

Stelle das Gemäuer zu durchstoßen,

Denn das Himmelsblau begann in

Wahrheit schon bei mir,

Ihm fehlte nur noch die

Verbindung, die zum Sichtbarwerden

Nötig war.

 


 

 

Aufschläge 7138 – 7140

 

In das

Stubenfenster rankte eine Rosenschlaufe,

Ihre Blüten standen noch geschlossen, regennass im

Sommersonnenlicht, statt ihrer blühten nun im

Augenblick die Tropfen auf,

Sie klammerten sich vor dem

Sturz an jeder Rundung fest

Und hingen noch an jedem

Ende, das nach unten wies,

Und rissen ihre Strahlenfächer auf,

So sprach ich auch zu dir am

Telefon, mein Hilferuf wuchs aus zu einem

Eiskristall, das stach in deine Hände, dass dir das

Gerät entfiel,

Ich wünschte ohne dich den Untergang,

Du wusstest wirklich nichts von mir

Und wärest dabei keine Hilfe.

 

 

 

Drüben ragtest du nun reglos, fassungslos in deinen

Tag, ich stand dicht neben dir, umfasste deine

Schulter, die brach ein,

Es blieb die

Starrheit während einer ganzen Nacht in dir, mein

Trost war dir kein

Wohnschloss, das dich aufnahm, meine

Worte wurden keine Diener, denen du

Vertrauen schenktest,

Und es lag an deiner

Hand, die war schon völlig abgegriffen.

 

 

 

Später ließ ich dich genesen, deine

Wutanfälle machten aus zerbrochnen

Gegenständen Stätten deiner Wonne,

Und du lebtest neben mir als die

Verwandlungstänzerin,

Die führte ich mit prahlerischer

Lust geladnen Gästen vor,

Du wurdest mir nun doch

Behilflich.

 


 

 

Aufschläge 7141 – 7143

 

In einer

Eisenschale brannte noch ein spätes Feuer,

Und das Holz, von mir darein geworfen, zeugte

Rauch, der senkrecht durch die

Äste naher Bäume stieg,

Das Volk, das sich versammelt hatte

Und sich nicht verschwenden lassen wollte,

Zog in langer dünner Reihe,

Und die

Flucht und Zuflucht fielen ineinander,

Und die Blicke stiegen ohne

Umkehr mit dem Rauch nach oben,

Und in deinen

Augen las ich Strophen deines Klageliedes,

Die verstanden Menschen jeder Sprache,

Und ich warf die

Tageszeitung auf die Flamme,

Die schlug gleich Alarm und schoss empor,

Ich hielt die Hände vors Gesicht, das

Oper konnte nie von außen kommen.

 

 

 

In meinem

Fingerring befand sich eine Siegelschrift,

Die wollte ich benutzen,

Über mir stand eine

Möwe, die sah auf mich nieder,

Und ich hatte mich entschieden,

Und mit einem

Tuch zog ich mir meine Zunge aus dem Mund,

Mit einem schnellen

Handgriff brannte ich auf sie die Initialen,

Das befriedigte die

Möwe, meine Zunge und den Ring.

 

 

 

Ich nahm ein kleines, blaues

Lineal, das legte ich zum Unterstreichen an ein

Wort,

Es deckte, weil es undurchsichtig war, die andren

Wörter zu,

Entsetzlich war die

Isolierung, die entstand,

Mir nützte nun das

Wissen um die Dinge, die ich nicht erkannte,

Gar nichts.

 


 

 

Aufschläge 7144 – 7146

 

Alles hatte seine Richtigkeit,

Und deine

Blüten blühten dir auf deinem Kopf,

Und deine Füße sogen Wasser,

Ich kam zu Besuch, du sagtest noch,

Ich sei der letzte Gast,

Und nach mir würde keiner mehr erwartet,

Vor mir wäre niemals jemand hier gewesen,

Und mein

Schritt in eine Zukunft sei zugleich mein

Schreiten rückwärts,

Das traf mich nicht schwer,

Ich war um deinetwillen angekommen,

Und ich traf genau die Gegenwart,

Die legte mir den Duft in meine Arme.

 

 

 

Soviel hatte ich gelernt, am

Ende brennt doch überall noch Licht,

Ich sehe, dass die

Räume leer, verlassen sind, dass die

Maschinen ungewartet auf den Fluren stehen,

Niemand kümmert sich um sie,

Und niemand ist zurückgeblieben,

Keiner ist zurückgetreten,

Und man feiert überall und tummelt sich in diesen leeren

Zimmern, dass sie überquellen,

Und ich sehe immer wieder, dass am

Ende niemand daran denkt, die

Lichter auszuschalten.

 

 

 

Ich setzte meinen eignen

Fuß als Keil in eine Tür,

Die stand nun unbeweglich fest,

Sie konnte sich nicht öffnen

Und nicht schließen lassen,

Und ich tat es nur für alle Fälle,

Überdies ging ich so oft hindurch

Und wusste nichts von dieser oder jener

Seite zu berichten,

Irgendjemand wusch die weißen

Kacheln diesseits, jenseits an den

Wänden unablässig.

 


 

 

Aufschläge 7147 – 7149

 

Ich höre ein

Geräusch im Holz, so schlägt die

Uhr, die misst nicht unsre Zeit,

Und neben mir steht eine

Frau, mit einem Kind an ihrer Hand,

Und ihren Leib spannt eine neue

Schwangerschaft,

Und hinter einer

Hündin, die trägt auch, drängt sich ein

Hund, sie zu besteigen,

Und ich sehe fort,

Man zählt so oft die

Leben, die man kennt, die

Menschen lernen es, sich zu vergleichen,

Jemand sagte auch, als er den

Stein mit seinem Fuß aus weicher Erde stieß:

„Euch Würmer wollte ich beileibe nicht erschrecken,“

Und er legte einen anderen noch größeren darauf,

Der passte nicht, und trat ihn fest.

 

 

 

Ich schrieb mit einem

Regenschirm, der war ganz nass,

Und schrieb auf einen trocknen Tisch,

Dann, als die

Schrift versiegte, zog ich ihn durch Sand,

Und ich versuchte auch zu lesen was ich sah,

Und lang war seine Spur, das

Hundetier erfuhr als erstes das Geheimnis,

Und es roch die ganze

Schrift, die Zeichen, die sich mir entzogen,

Und das Hundetier ließ ich zurück,

Den Schirm dort liegen, wo er war,

Im nächsten

Augenblick jedoch trug mir das Tier den

Schirm entgegen, auf dem

Boden blieben Spuren des Zusammenhangs,

Die waren gut zu lesen.

 

 

 

Man sprengte eine

Kirche, und das ganze

Kirchenschiff fiel ein, der

Turm zerbarst uns stürzte senkrecht tiefer um die

Höhe seiner fortgerissnen

Fundamente und stand still und blieb so stehen,

Und ich sah mit eignen

Augen wie ein starker Mann den

Nagel mit den eignen Zähnen aus dem

Holzbrett zog,

Er ließ sich von dem

Publikum dafür bezahlen.

 


 

 

Aufschläge 7150 – 7152

 

Du schlugst den

Nagel seitlich in das Holz,

Er blieb halb darin stecken,

Und man konnte an ihm zupfen,

Es entstand ein dumpfes

Trinkglas der Musik,

In deinem Atelier bedeutete noch das

Geringste etwas,

Speise fand ich hier im Überfluss,

Du selbst warst aber schwach vor Hunger,

Deine Werke stülpten das Gedärm nach außen,

Irgendwo, so wusstest du mir zu berichten,

Putzte wiederum ein

Zwerg mit seiner Spucke und dem Wolltuch einem

Riesen seine übergroßen Stiefel,

Und der Wicht, der kleiner als die

Schuhe war, hielt große Reden, die verhallten im

Profil der Sohlen.

 

 

 

Alles, sah ich, war

Produkt der Phantasie,

Ich hielt mir nur ein

Auge zu und sprach mit euch, das irritierte euer

Denken,

Und ihr fühltet euch gleich hintergangen

Und auch unter meiner Obacht,

Und mit dem verdeckten

Auge sah ich alles gut und machte

Augenblicksaufnahmen, die ich zu bewegten

Bildern aneinander reihen würde.

 

 

 

Von einem

Stuhl aus sollte ich dann eine Rede halten,

Und ich sollte jemandem, von dessen

Schuld ich gar nichts wissen konnte,

Gegen euch verteidigen und sprach, weil ich’s

Nicht besser wusste, so, als ginge es um mich,

Und redete mich wirklich frei,

Man nahm mich ab vom Haken,

Und man ließ mich laufen

Und man rief mir nach, mir sei das

Glück ganz unverdientermaßen in den

Schoß gefallen.

 


 

 

Aufschläge 7153 – 7155

 

Heute Morgen stieg ich aus dem

Bett,

Mich überfiel sofort die

Frage nach dem Sinn des Schönen,

War es sinnvoll, wenn die

Axt aus Eisen und der Haublock ganz aus

Holz gefertigt waren,

Und verbarg sich hier, auf ihren

Oberflächen eine Antwort,

War es statthaft, nach der

Unterdrückung nachzugeben,

Konntest du die

Reiterin auf einer ausgezogenen Spirale sein, die

Tänzerin auf einem Stahlseil,

Und ich sagte auch:

„Du hast es gut, weil du dich immer bei dir hast,“

Ich muss hingegen immer auf mich warten.“

 

 

 

Dieser

Zwischenfall war so belanglos,

Und durch mich erfuhrst du eine

Spaltung, die dich doppelt werden ließ,

Das war nicht meine

Schuld, ich selbst war tausendfach geteilt verteilt,

Vielleicht erhöhte sich für dich nun automatisch die

Gelegenheit, mir zu begegnen.

 

 

 

Ich las in einem

Buch von Bäumen, die versteinert in der

Wüste lagen,

Und sie standen unter schwerem Schutz

Und niemand durfte sie berühren,

Und in einem

Wohnhaus türmten sich die

Bilder feiner Schnitte operierter Seelen,

Die erkannte ich sofort an ihren

Blank polierten Seiten,

Ja, man konnte sich in ihnen spiegeln,

Und das Eigenbild fiel tief in ihre

Poren,

Und man musste lange warten, bis es dort

Herausfand und sich wieder sehen ließ,

So dass man fortkam.

 


 

 

Aufschläge 7156 – 7158

 

Ich habe oft gehört, dass man den

König unter Bettlern wählte,

Und er blieb ein

Herrscher unter Bettlern, trotz der vielen

Mörder um ihn her, zum

Königsmantel nähte er sich seine

Schwächen um, die schützten ihn vor den

Verbrechern,

Er blieb so ein Dummkopf seiner Tage,

Und man dachte auch, wenn er die

Sache besser machen würde,

Könnte er sie nur verschlechtern,

Und er war nicht klug,

Er zählte ungeniert vor der

Versammlung der Minister seine

Rippen auf dem nackten Leib,

Das Hemd darüber hochgezogen.

 

 

 

Eines

Tages fing man einen blanken, nassen

Fisch, den trug man vor die vielen

Leute, die verlangten den Propheten,

Und in unsrer

Zeit war alles festgelegt und damit alles möglich,

Und man starrte auf das

Maul des Fremdlings, dass sich öffnete und schloss,

Und man verstand ihn nicht,

Der redete noch lange und bewegte sich bis zur

Erschöpfung,

Irgendjemand übersetzte seine letzten

Worte, die verliefen sich jedoch in dieser

Menge.

 

 

 

Dann standst du vor einem

Kochherd, der war alt und hatte in der

Mitte eine Öffnung, darin loderte ein Feuer,

Das schlug über deren Rand,

Du hattest es in diesem

Augenblick entdeckt und fasstest nach der Flamme,

Die verbrannte deine Hand,

Du rochst ein schreckliches

Erlebnis wieder,

Das war dir nicht neu.

 


 

 

Aufschläge 7159 – 7161

 

Dies blieb von dem

Gespräch mit dir:

In meinem

Schuh ein Steinchen, das sich dort

Nicht lange halten, sicher gleich am

Rand unmerklich werden würde,

Und dann könnte ich vergessen,

Deine

Landschaftsmalerei stand noch im Raum,

Die

Fenster, die du weit mit ausgestreckten

Armen in die Luft geschnitten hattest,

Waren noch geöffnet,

Ich sah schnell hindurch, die blauen

Wolken hatten sich zurückgezogen,

Und in einer

Glasvitrine stand die winzige

Symbolfigur der Fruchtbarkeit, die war in ihrer

Weiblichkeit viel ausgeprägter als der

Wahntraum meines weißen Himmels.

 

 

 

Mein

Schlaf war mein Geheimnis, und dein

Anruf in der Morgenfrühe ließ mich meinen

Zauberspruch vergessen,

Und verräterisch schlug eine

Zimmertür ins Schloss,

Ach, hätte ich doch einen

Fetzen meines Traumes über sie gehängt und meine

Hände fest auf sie gelegt…

Und nun die glatte

Mauer,

Niemand kannte außer mir das

Wort, dass sie sich öffnen lassen würde,

Und ich stand vor dem

Geheimnis des vergessnen Zaubers.

 

 

 

Du erholtest dich in dieser

Nacht und fegtest deine Straße,

Das sah ich durch Zufall,

Und du sprachst mit mir, es ginge dir um eine neue

Spur von mir, die müsstest du beseitigen,

So viel ich sah, war alles rein gefegt und sauber,

Und du sagtest auch, man dürfte nicht auf die

Getäuschten hören, denn sie könnten es nicht besser wissen,

Und ich sei im

Augenblick das Laub, das dir den

Weg verdecke.

 


 

 

Aufschläge 7162 – 7164

 

Regentropfen fallen auf den

Schirm in meiner Hand und um mich her in Sand,

Ich höre ihren Aufschlag,

Und ich unterscheide sie an dem Geräusch,

Wenn ich nun gehe, bleibt ein trockner

Weißfleck,

Dort hinein könnt eine blanke, blaue

Birke, die im Wetterhimmel kopfsteht, ihre

Wurzeln schlagen,

Zwischen mir spann ich die

Schnur und halte aus und still,

Und eine

Wasserperlenkette bildet sich

Und reiht sich daran auf.

 

 

 

Ein alter

Mann lehnt sich an einen Zaun,

Und ungewollt stützt er sich auf die

Regeln, die ihm gelten,

Und ihn ängstigt der

Zusammenbruch, der kommen könnte,

Und er denkt an Mittelmäßigkeit,

Den Zaum hatt man nicht tief genug gesetzt,

Der Alte ist kein Springer mehr,

In seinem Schweigen liegen

Schreie hoher Unvernunft, die wird man noch

Metallisch rahmen.

 

 

 

Während deiner

Rede sah ich nur auf deine Hände,

Deine

Worte ließ ich durch,

Du bogst herum an einem Drahtknäul,

Und du suchtest für den

Anfang nach dem Ende,

Beide waren unauffindbar.

 


 

 

Aufschläge 7165 – 7167

 

Du liebst es, wenn du liebst,

Und legst das

Ohr auf einen Instrumentenkörper,

Und du jagst die

Resonanz, die flieht und kann doch nicht verhallen,

Und allein dein kurzer

Atem ist ihr immer neue Nahrung,

Und du reißt an deiner Hand,

Dass sie dir frei zum Biss wird,

Eigentlich, denkst du, dürft dich die

Sonne gar nicht schrecken,

Und es ist die Panik, die du fürchtest,

Deine Augen hältst du nicht, wie sonst,

Wenn du dich zehren lässt, geschlossen,

Und es ist in dir, dass du empfängst

Und dort hinein gebierst.

 

 

 

Von deinen

Lippen reflektierte eine Spiegelei, der

Kopf auf deinem Hals sprach jedes deiner

Worte mit,

Es gab nun endlich diesen völlig glatten

Lippenstift, der ließ den

Mund erstarren in der Blankheit,

Und man lief, so könnte man fast sagen, mit den

Lippen Schlittschuh,

Stand mit eignen Lippen auf den

Kufen andrer Lippen,

Und es war ein

Rausch, der alle trieb,

Wir würden uns zu gerne an den scharfen

Kanten schneiden, als an einem

Blatt Papier,

Das wäre fast unmerklich und zugleich

Verheerend.

 

 

 

Unsre

Schritte machten wir geschickt,

Sie waren ja der

Hauptteil unsrer Pantomime,

Und wir gingen aufeinander zu

Und durften uns nicht nähern,

Und wir merkten bald, dass wir trotzdem der

Not der viel zu engen

Räume folgten,

Und wir standen mit dem

Rücken hin zur Wand.

 


 

 

Aufschläge 7168 – 7170

 

Auf meinem

Mund stand Wind, der hielt die

Hand ganz fest darauf,

Ich schrie umsonst nach

Atem, drehte mich und fand die

Lücke, die mich durchließ, dort versteckte ich die

Albernheit des Schreckens,

Hinter mir erhob sich jemand

Und er lachte auf,

Er konnte nichts erfahren haben,

Und der

Wind lag plötzlich still zu meinen

Füßen,

Und ich redete mir

Großmut ein,

Von nichts war nichts für nichts

Entstanden.

 

 

 

Jemand sprach mich an und zeigte in den

Himmel, und ich sah dort hin und meinte in der

Tiefe kleine Kiesel zu erblicken,

Dort war sicherlich der

Grund,

Die Heere schneller

Taubenvögel flögen noch viel höher, sagte er,

Und an den stillen

Tagen hörte man den Flügelschlag bis hier,

Dazwischen stand die dicke

Schicht, die konnte man sich nicht erklären,

Und die

Oberflächenwellen waren viel zu weit entfernt,

Die waren nicht zu finden.

 

 

 

Mir erging es so:

Ich malte auf die weiße

Fläche einen Schwarzpunkt, der bestand aus

Nacht,

Gleich hinter seiner Grenze lag der Tag,

Und in

Vergrößerung, die tausend-, tausend-, tausendfach geschah,

Lief beides ohne scharfe

Trennung ineinander,

Und ich sah die

Grenze nicht mehr ab und stach mit einer

Nadel zu, die öffnete mir einen

Ausgang im Papier,

Der wäre niemals ohne mich entstanden.

 


 

 

Aufschläge 7171 – 7173

 

Man kaufte

Helme internationaler Unvernunft,

Die trug man nicht, die legte man auf einen

Sonntagstisch und unterhielt sich über sie hinweg,

Ich sprach von einem

Weg, auf dem ich morgens geh

Und dass ich dabei einen

Fingernagel über die

Geländerspeichen springen lasse, dass ich das

Geräusch verherrliche,

Es läuft dabei ein

Speichenrad so neben mir und dreht sich nicht

Und kreist vielleicht in einer

Ebene, die läuft durch mich hindurch,

Vielleicht, wer weiß es besser, bin ich selbst die eine

Speiche, die heraus gebogen an den

Zaun schlägt,

Und ich drehe mich dabei unmerklich.

 

 

 

Ich stand vor dem

Gesetzesstein, der hatte recht,

Es stand ja dort geschrieben,

Und er wollte mich zum

Wissenden bestimmen,

Und ich lernte schnell und viel und fasste

Mut,

Und ich erweiterte die

Texte um die Worte:

„Jeder Blinder darf mit Recht die

Strafermäßigung erwarten.“

 

 

 

Drüben stand die

Aufsicht und sie blickte unerbittlich

Und belehrte mich,

Erst als ich, selbst zu einem

Gegenstand geworden, über sie befahl,

Wurd sie so redlich wie ich selbst,

Ich machte sie trotzdem zur

Herrscherin der kleinen

Insel, die ich für sie kaufte,

Und entließ sie dorthin als

Verbannte und verzichtete auf sie,

Wir wurden beide so zu einer

Frage nach der Zeit.

 


 

 

Aufschläge 7174 – 7176

 

Alles würde so geschehen, wie es hier geschah,

Man wusste nicht, von wem sich das

Geschehn geschehen lassen ließ, die

Bosheit wandelte sich um in Liebe,

Und das

Unglück wurde Zufall, dem man alles danken musste,

Schwer zog dieser

Schleppkahn an der Last, er stand fast still,

Ich ging am Ufer nebenher, er stürmte durch das

Wasser, wenn ich auf die Schnelligkeit des

Stromes achtete, und

Unaussprechlich unaussprechlich lag die

Wasseroberfläche an der Grenze.

 

 

 

Alles ließ ich los, das freie

Fallen trat nicht ein,

Wir drifteten ganz ruhig auseinander,

Und es war ein

Glück, denn unsren neuen

Abstand nutzten nun viel schnellere

Geschosse als wir selbst,

Sie hätten uns vernichten können,

Gerne hätte ich geglaubt, dass nichts dem

Zufall überlassen war, dass es den

Zufall gar nicht gäbe,

Und wir konnten auch nicht ahnen, dass es das

Geschehen, dass den Zwischenraum betraf,

Nicht geben konnte.

 

 

 

Viele Boten standen mir zu Diensten,

Und sie saßen oft gemeinsam auf der

Fensterbank und sprachen ruhig, ausgeglichen

Und besonnen miteinander,

Und den einen

Fenstersturz erklärten sie mir später als den

Selbstmord, der war lange angekündigt worden,

Und er hatte sich nun wieder wegen der

Gelegenheit geboten,

Wäre auch ein

Dienst an dem Geschehen,

Und ich hätte nichts davon geahnt.

 


 

 

Aufschläge 7177 – 7179

 

Ich legte meine

Hand ganz sanft auf deinen Mund,

Und deine

Zunge redete dagegen an, sie stieg aus ihrem

Becken, und sie schlängelte sich in das Rund,

Und du warst nahe dran, die

Tür lag tief im Boden,

Und sie wäre auch zu öffnen, könntest du erkennen,

Und du fragtest zwanzigmal das gleiche,

Fragtest immer wieder nach dem Grund,

Ich sagte dir, ein

Dichter ist ein Medium,

Das ist nicht eine Schuld,

Und ich bin

Dichter, darum bin ich selbst kein Dichter,

Sonst würd ich die Zunge fangen und sie meinen

Ohren schenken,

Die sind sehr bedürftig.

 

 

 

Mein

Kopf, aus Leuchtdraht nachgebildet,

Hing nun abgeschlagen über mir im Raum,

Es war die eigne Köpfung,

Und es tropfte aus dem

Nichts ein zäher, roter

Saft, den ich verleugnete und fallen ließ,

Und meine

Augen sahen in das Brunnenloch daneben,

Und ich lauschte angestrengt hinein,

Es würde niemals einen

Aufschlag geben können,

Und ich griff mit einem langen

Arm in seine Tiefe,

Meine Schulter schob ich nach

Und holte alle Rufe wieder,

Keiner durfte mir verloren gehen.

 

 

 

So entkam, ich schäme mich, es zuzugeben,

So entkam mir die

Bewölkung, die ich hüten sollte,

Die, ganz eng gedrängt, in einer meiner

Fäuste Platz gefunden hätte,

Und sie war entwichen,

Und sie breitete sich endlos aus

Und ordnete sich ohne meine Hilfe,

Und Geräte reichten nicht dorthin,

Ich hatte auch erwarten müssen,

Etwas aus den

Händen zu verlieren.

 


 

 

Aufschläge 7180 – 7182

 

In deinem

Mund stand Melodie im Zwiespalt,

Und du hörtest sie genau,

Und ließest du sie frei, wär sie verloren,

Und du müsstest auf ein Echo warten,

So, in dir, blieb sie nun ungehört

Und würde irgendwann den

Fluchtweg durch die Ohren finden,

Niemals hattest du zuvor den eignen

Leib in Feindlichkeit betrachtet,

Auf dem

Laubblatt, dass der Wind in seinen

Händen schaukelte, hielt sich ein Wurm,

Ihm war der Wind das

Grün, das ihn so reizte.

 

 

 

Es gab auch unbesetzte

Zonen, die man irgendwo vermutete,

Das war zu ihrem Schutz,

Man sollte an sich selbst nicht forschen,

Und den

Brief, den ich voll Zweifel schrieb,

Müsst ich vielleicht als Tagessuppe löffeln,

Und ich rollte ihn und schnitt ihn

Scheibchenweise auf

Und hatte alles so zurecht gemacht

Und vorbereitet.

 

 

 

Ähnlich war es mit

Maschinen, die bewohnten wir von innen,

Sie erhoben sich als Häuser, ließen alles hinter sich

Und stiegen auf,

Ich konnte nicht entscheiden, ob wir in die

Meerestiefe wichen oder längst kopfüber über unsren

Köpfen standen,

Es verging viel

Zeit, weil alle von uns nacheinander…

... nacheinander…

…nie zugleich…

…nie zugleich…

 


 

 

Aufschläge 7183 – 7185

 

Eine

Rose fiel mir wegen ihrer Farbe auf,

Ein zusätzliches

Blut, das unter Atem stand,

Ich rutschte mit den

Füßen über eine kleine, dünne

Stange, die war hartverchromt, und riss mich fort,

Ich wollte an ihr stehen bleiben,

Und ich brach im

Spreizschritt ein,

Die tote Sonne ging schon wieder unter,

Viel zu hart war die

Beschichtung dieses Rolleneisens unter mir,

Es funktionierte einwandfrei.

 

 

 

Dann verschlug es mich in einen

Stadtteil, wo die

Menschen ineinander wohnten,

Und sie schnitten sich mit spitzen

Fingern Fenster in die

Räume, um hinauszuschauen,

Und sie hielten ihre Aussicht frei,

Und regelmäßig putzten sie die Scheiben,

Die benutzten alle, wegen dieser Enge, von den beiden

Seiten, und man öffnete sie auch in beide

Richtungen.

 

 

 

Während meiner

Reise fuhren immer wieder fremde

Züge hier durch mein Abteil,

Das kam bei anderen nicht vor,

Man glaubte mir auch nicht,

Obwohl ich alles zeigen und beschreiben konnte,

Ja, ich hielt einmal den

Fernzug an, stieg um und fuhr davon,

In meinem Abteil änderte sich nichts,

Uns alles blieb das gleiche.

 


 

 

Aufschläge 7186 – 7188

 

Ich warnte dich, du wuschst die

Haare in dem Becken,

Vorgebeugt standst du,

Und alles wurde zum Gemälde,

Das hing so vor mir, das würd ich gerne malen,

Meine Farben würden dich direkt betreffen,

Und sie trafen dich direkt,

Ich stand gelähmt an diesem

Anblick, sah dir zu und zeichnete mit meinen

Augen deine Linien grob vorab,

Von unten stachen deine

Blicke zu mir hoch, sie waren voller Zweifel,

Du warst ausgeliefert,

Und ich lieferte mich deinem nackten

Oberkörper aus, die Lähmung war auf beiden

Seiten und hielt an,

Ich reichte dir das Tuch,

Darin warst du vorher genauso wie zu allen andren

Zeiten abgebildet.

 

 

 

Aus dem

Armstumpf tropfte Harz,

Doch das war lange her, die

Tropfen klebten aneinander,

Waren überhin gelaufen ohne sich zu regen,

Und sie würden den

Beginn der Tropfsteinhöhle bilden,

Unten lag eine Spiegel, das Gesicht nach oben,

Der sah anfangs gut, was über ihm geschah,

Dann wurd er blind und schwieg

Und tropfte seine

Blindheit in die andre Richtung, einfach nur entgegen,

Und es würde einer wohl den andren

Finden.

 

 

 

Man sandte mich an eine

Tür und gegenüber schlug die Turmuhr,

Ich trat ein und hatte keine Absicht,

Und die Klänge zwängten sich mit mir hindurch

Und nahmen gleich Besitz von jedem

Winkel, die erzitterten,

Ich hatte euch, das sagte man mir später, so aus der

Genüsslichkeit zu wecken,

Und ich klopfte alle

Wände ab und fand euch nicht,

Und die Geheimtür blieb verborgen.

 


 

 

Aufschläge 7189 – 7191

 

An einer täglich neuen, andren

Freiheit stellte sich die Unfreiheit,

Man hielt die eigenen

Gerüche gar für Wohlgerüche,

Und es ging dabei um weiter nichts, als um den

Fadenschein des dünnen Morgenkleides,

Dieser Tag würd ganz gewiss sehr lang,

Mit meinen

Schuhen klebte ich am Boden fest, dort hatte man vom

Süßgetränk verschüttet,

Und die Leute, die ich traf

Und die ich lange kannte,

Lernte ich nun kennen,

Und sie wurden fremd.

 

 

 

Ich ging spazieren und verließ die

Straße, als ein Sandweg seitlich abwuchs,

Vor mir her entstanden meine Spuren,

Denen gab ich nach und folgte ihnen,

Hinter mir blieb alles glatt und unberührt,

Es waren umgekehrte

Wege, die ich ablief, und die

Deutlichkeit verblasste schnell,

Auf hartem Pflaster wäre ich an mir

Vorbeigegangen.

 

 

 

Es gefiel mir nicht,

Und jemand wollte wissen, was mir nicht gefiel,

Ich hatte darauf keine Antwort,

Und man dachte für mich nach,

Man wollte helfen und fand alles in der

Ordnung und in rechter Reihe, auch die

Dinge, die ich nachlässig behandelte, erkannte man als gut

Und hielt sie für sehr wichtig,

Und man hielt mir alles vor

Und alles hätte seinen absoluten

Überlebenswert, man hatte auch die

Spielerein mit einbezogen,

Und man wollte morgen weitersehen,

Und dann übermorgen

Und so fort

Und fort

Und fort…

 


 

 

Aufschläge 7192 – 7194

 

Ich lebte im Verzehr,

Du hattest das Besteck gestohlen,

Meine

Leidenschaft war unsichtbar, fraß sich von einem

Tod zum anderen,

Sie schleppte sich durch eine

Landschaft, die war voller

Boten zwischen Beute und dem Jäger,

Dir gab ich ein neues

Spielzeug, das war schlimmer als zuvor,

Ich sandte dir die

Freundin, die lieh dir und mir ihr

Ohr und sprach zu dir mit meiner

Und zu mir mit deiner Zunge,

So versprach ich uns ein

Überleben,

Und wir durften uns nicht sehen.

 

 

 

Schweiß stand mir auf meinem Körper,

Meine Kleidung saß zu eng,

Und unter meinen

Mitgefangnen war ich nur ein kleiner

See, der lag in einer großen Seenplatte,

Und die Lyrik meiner Zelle war das

Lagerleben einer Großstadt,

Ich erinnerte mich auch in grellen

Farben und verfolgte keine

Lügen mehr, nur um der

Wahrheit eine Leuchtspur zu verschaffen,

Und die

Tage hinterließen weniger an mir als einen

Wandstrich,

Ausdruck größter Eile.

 

 

 

Das Lächeln kam zu

Unrecht, und du hattest nichts entdeckt,

Du wusstest auch nichts über mich

Und brauchtest dich und mich nicht zu entschuldigen,

Und Freundlichkeiten traute ich dir nicht mehr zu,

Und alles, was dich rührte, waren die

Gedanken an ein Unrecht,

Das entstand dir täglich neu,

Das fügtest du mir täglich zu,

Das war der

Brief, den jeder unbedingt zu

Ende lesen wollte.

 


 

 

Aufschläge 7195 – 7197

 

Ich lebte ganz in der

Mechanik, meine Arme waren Greifgeräte,

Und ich liebte sie, und es entstand ein mäßiges

Vergnügen, wenn ich sie bewegte,

Meine Welt bestand aus einem

Gummiband, das zog ich zu mir hin

Und sah im letzten Augenblick,

Dass es sich auf der andren Seite löste,

So entstand kein

Halt, ich machte mich durch mich betroffen,

Nirgends gab es einen

Ausverkauf der Arme.

 

 

 

Mit meiner

Stirn schlug ich an eine Wand,

Und eine sonderbare Leere kehrte ein,

In mir wuchs eine

Ruhe vor dem Schmerz bis beides explodierte,

Und mein

Schrei war längst vergeben,

Meinen Kopf, da war ich sicher,

Trug ich unter meinem Arm,

Ich sollte warten, hieß es, warten, warten,

Dass die Köpfe an die rechte

Stelle rücken würden.

 

 

 

Meine Augen tanzten,

Und sie sprangen auf den

Anblick eines jungen Silbermädchens,

Meine Reue warf ich hin als

Vogelfutter,

Und der Hunger hatte alle Sattheit überwunden,

Mit dem

Mund aß ich den Sand,

Es war unmöglich noch zu reden,

Meine Sprache sprach woanders

Weiter.

 


 

 

Aufschläge 7198 – 7200

 

Es war noch nicht genug,

Und der Triumph blieb aus,

Du stelltest deine

Beine auseinander, es entstand der

Bogen, der war gut genug für

Kinderspiele, nicht für mehr,

Nach oben gab es nichts zu greifen, keine

Nationalität und keine Phantasie, an der du

Halt gefunden hättest,

Dieser Spreizschritt ließ dich unterscheiden

Zwischen großem Fleiß und übergroßer

Unumgänglichkeit,

Kein einziger würd sich so vor dir bücken,

Um mit einem

Kinderlied hindurch zu schlüpfen.

 

 

 

Niemand opferte sich für ein

Bild, das war schon tot, wenn es entstanden war,

Und mir im

Kopf entstanden tausend Bilder,

Jedem einzelnen hatt ich mein

Leben zugesagt,

Am Gartenausgang wuchs die

Blume, und die Hochzeit stand bevor,

Auf diese Weise würde sich die

Kunst nicht mehr vermehren können.

 

 

 

In meinem

Herzen saß ich unablässig zu Gericht

Und wollte mich davon befrein,

Es fehlte mir auch das

Verständnis, über mir den

Sternenbogen räumlich zu erkennen,

Alle weißen Punkte standen unverrückbar

Und gleich weit von mir entfernt,

Mein

Urteil reichte hier nicht aus,

Es war nicht aufzufinden.

 


 

 

Aufschläge 7201 – 7203

 

Gestern noch stand hier mein Haus,

Und heute blüht ein

Flieder auf demselben Platz,

Dazwischen liegt nur eine Nacht,

Es raubte eine

Wohnung eine andre aus,

Ich trug den

Frühstückstisch, er war gedeckt, auf meinem

Kopf und stellte ihn in einen

Innenhof, dort waren alle

Fenster offen, auf mich schaute alle Welt,

Es war die

Anstalt, wo man Freiheit nur vergab, wenn man mit seiner

Freiheit büßte,

Und von mir erwartete man nun die ganz besondre

Art des Selbstmords,

Und man ließ mir Zeit,

Und niemand drängte mich.

 

 

 

Versagen war nicht zu befürchten,

Ich war offen und porös

Und kannte keine Schliche, steter

Wind durchspülte meine Poren, kühlte mich

Und brachte auch ein wenig

Feuchtigkeit, die schützte vor der übergroßen Hitze,

Andre Felsen um mich her zerbarsten unter einem

Tempraturgefälle zwischen Tag und Nacht,

Und ihre

Schuld erweckte bald in mir

Beredsamkeit, verlieh sie mir, wohl weil ich nicht ihr

Opfer werden konnte.

 

 

 

Den ganzen

Tag verbrachte ich im Stehen unter einem

Torbogen,

Und alles blieb belanglos;

Außer diesem Bogen, der mit jedem

Fortschritt alterte, geschah hier nichts,

Und aus den

Wolken fielen helle Masken wie man sie im

Schauspiel hatte, und sie fielen schnell, ihr

Porzellan zerbrach am Boden, ihre

Scherben lagen weit verstreut und

Durcheinander.

 


 

 

Aufschläge 7204 – 7206

 

Du gabst mir ein

Getränk, das sollte mir die

Schmerzen aus dem Kopf vertreiben,

Und ich winkte ab und trank es aus und hätte lieber diesen

Eisenreifen abgenommen,

Der lag fest als Stirnband, das war eingewachsen,

Nicht mehr aufzufinden unter harter Rinde,

Ja, selbst, wenn ich’s mir entfernen ließe,

Bliebe doch die eingeschnürte Stelle,

Davon konnte ich nichts sagen,

Und wir reichten beide nicht dorthin,

Und ein

Getränk vermochte es vielleicht als einziges sich durch die

Ritzen einzuschleichen.

 

 

 

Ich suchte in der

Stadt nach einem handbemalten

Porzellan, es sollte nur ein kleines

Schmuckstück sein mit weißem Grund

Und sonst in reinen blauen Farben,

Und ich schnitt mir vor dem

Spiegel in ein

Ohr, wie es sonst andre an mir taten,

Und das

Blaulicht tropfte auf mein Weißhemd,

Bis es irgendwann versiegte,

Und ich hätte mir von uns aus nicht geholfen,

Meine Suche war vergeblich.

 

 

 

Der

Künstler spielte eine Violine,

Die lag seitlich in dem Kasten,

Und es war ihm recht so,

Und ich kaufte eine

Zeigeruhr, die hatte eine Eigenart,

Sie lief dem Sinn entgegen,

Und die

Zeit, die sie einteilte, blieb wie überall

Und irritierte den Betrachter,

Mir hing ich sie vor den

Spiegel, das war wegen ihrer Zahlen

Auch nicht richtig.

 


 

 

Aufschläge 7207 – 7209

 

Du stolpertest auf deinem

Weg, und als kein

Halt dich mehr erreichen oder halten konnte,

Bliebst du fallend stehn, du wünschtest dir zu sehr,

Dass dich der Stillstand retten würde,

Die

Figur aus dir wurd nun zum angegebnen Bahnhof,

Zwischen allen Gleisen wuchsen

Büsche, Gräser, selbst das

Namensschild geriet schnell ins Vergessen,

Als ich von der

Reise wiederkam, sie dauerte den andren viele

Jahre, war der

Eingang, der in meine Wohnung führte, zugenagelt,

Und dahinter sah ich die zerfallne Tür,

Die Dielenbretter waren morsch und aufgerissen,

Und es lag auf allem eine

Staubschicht.

 

 

 

An die

Rückwand zielte eine Lampe ihren

Lichtschein, der war rund und weiß

Und irrte hin und her

Und suchte etwas,

Und der

Schwarzpunkt, den ich zu dir sandte,

Den du nicht entziffern konntest,

War nur die verkleinerte

Verkleinerung vom Rätseltext,

Den hättest du natürlich vielfach erst

Vergrößern müssen.

 

 

 

An diesem

Tag vernahm ich kein Geräusch, die

Ohren hatten mich verlassen,

Und ich sollte meinen

Mund statt ihrer nehmen,

Der war weit geöffnet,

Und die

Ärzte lobten mich für braver Haltung,

Und sie würden sich nach meiner

Rückkehr weiter um mich kümmern,

Und ich saß im

Wartezimmer ohne mein Gehör,

Das war noch in

Benutzung.

 


 

 

Aufschläge 7210 – 7212

 

Ganz aus

Versehen öffnete ich gleich das erste

Zimmer, darin waren die drei

Eingeschlossenen, die brauchten keine Tür,

Und wenn sie läuten würden, wäre das,

So sagten sie, der

Augenblick in welchem sie sich selbst verschlössen,

Dann stünd mir der Zugang frei,

Ich ging zurück und durch den eignen

Schatten, das war schmerzfrei,

Und dort drinnen ging man jedem

Schatten, wegen großer

Schmerzen aus dem Weg.

 

 

 

Ich baute mir ein

Haus, das schnell und leicht errichtet war

Und riss es wieder ab in Sorgfalt,

Alles musste gut verwendbar bleiben,

Und ich baute alles wieder auf und übers

Jahr riss ich es wieder ab und wohnte nicht darin,

Zur Zeit, so glaube ich, befinde ich mich in der

Aufbauphase,

Was danach kommt, lässt sich nicht bestimmen

Und im voraus sagen.

 

 

 

Neben mir las man aus einem übergroßen

Buch, es stand auf einem Pult,

Ich sah ihm über seine

Schulter ins Gesicht,

Das war noch völlig unbeschrieben,

Und ich würde lange warten müssen,

Über uns stand dieser rote

Drachen aus Papier im Himmel,

Der zog an dem

Faden, der durch meine Hände lief

Und hielt dort oben Ausschau.

 


 

 

Aufschläge 7213 – 7215

 

So bestimmte eine

Tür aus Holz den Eintritt,

Und ich hörte auch den leisen

Unterton von Ungeduld, der in ihr schwang, im

Öffnen und im Schließen, er betraf die beiden

Seiten,

Früher einmal sprach ich ihr das

Recht ab, eine eigne Existenz zu haben,

Heute war der

Höhepunkt des Durchgangs eine Drehtür,

Darin fand ich einen

Angelpunkt, um den herum nahm ich die

Wohnung.

 

 

 

Eure beiden

Köpfe legtet ihr aufs

Eis des zugefrornen Sees,

Und zwischen euch befand sich eine

Wasserstelle, war ein Luftloch, das gefror sehr schnell,

Und ganz genau bedachtet ihr in keinem

Augenblick den Sinn der Öffnung sondern nur den

Vorgang, der sofort nach euch

Auch alles andre überziehen würde,

Und es wäre an der

Zeit sich selbst mit einer

Glashaut abzufinden.

 

 

 

Auf den

Straßen fuhren selten Motorwagen,

Und auf einem graden Stück befand sich eine Stelle,

Dort gab jeder ein

Signal, den Warnton ab, der war so völlig sinnlos

Und wurd doch von jedem bei der

Durchfahrt eingehalten,

Und bei mir, ich stand am

Straßenrand, entstand der Eindruck einer wiederholten

Köpfung, ja ich spürte selbst das

Brechen des Genicks, das war sehr angenehm

Und völlig unerklärlich,

Und man sprach auch nicht darüber.

 


 

 

Aufschläge 7216 – 7218

 

Ich stand vor einer andren

Tür, die war ein Spiegel,

Und ich suchte noch, da tratst du ein

Und gingst durch mich hindurch, ein

Künstler kämpfte irgendwo ums

Überleben seiner Kunst,

Er wurde sehr, sehr krank dabei, das

Nahrungsangebot lag den Verhungernden in

Stahlbehältern vor dem Tor und war geschützt vor dem

Verderben, unerreichbar fern, das

Hauptziel wurde einem

Regenwurm, von einem Spaten durchgeschnitten, nun zur

Nebensächlichkeit, es wechselte das grüne

Licht sich regelmäßig ab mit einer hoch erhobnen roten

Hand, die wurde uns zum

Zeichen.

 

 

 

Etwas weiter fiel der

Schmetterling durch eine

Luft, die ihm gehörte,

Und mich hatte man der

Mitpflicht allen andren gegenüber ganz enthoben,

Und ich sah ihm zu, es kam kein

Vogel, der ihn schnappen wollte, meine

Eigenliebe jagte sich den

Kupfernagel durch die Mütze in den Kopf, so dass sie

Oben bleiben musste, nicht mehr niederfallen konnte,

Wenn ich mich vor mir verbeugte.

 

 

 

 

Mochte sein, dass auch die

Gegenstände ihre Richter hatten,

Dass sich unberührte

Mädchen mit den Jugendträumen quälten

Und die

Qualen Jahr um Jahr ertrugen,

Mochte sein, dass diese

Brücke unter meinen Füßen gar nicht existierte,

Weil ich dieser

Narr war, der dem größren

Dieb, als ich es selber war, in alle

Taschen schaute und ihm dienen wollte.


 

 

Aufschläge 7219 – 7221

 

Unvermutet ging ein

Schlagbaum vor mir nieder,

Und die Hand, die ihn herunterließ, war meine,

Zwischen mir und dem

Gerät bestand sonst keinerlei Verbindung, es geschah die

Untat unversehens,

Sie verlief so reibungslos, dass ich erschrak,

Ich fühlte mich in einer

Puppenwohnung, die bediente ich von außen

Und sprach ernst mit mir dort drinnen,

Schwierig wurde es, aus einer

Ebene des Denkens in die

Andere darüber liegende zu wechseln,

Ich dort draußen lauerte auf jeden

Einfall, den ich haben würde,

Einmal war mir dieser

Wechsel ja bereits gelungen.

 

 

 

Es war ein altes

Treppenhaus, das ich emporstieg, auf den

Stufen blinkte irgendeine

Sauberkeit, die setzte sich in

Wänden und in dem Geländer fort,

Es roch nach ausgesperrtem

Sonnenlicht, ich schaute unwillkürlich nach den kleinen

Fenstern, darin wohnten schon die

Leute dieses Hauses,

Mir war jeder

Aufstieg gleich, ich kannte keinen,

Wollte niemanden besuchen, die

Etagentüren standen offen,

Hier war niemand anzutreffen,

Und in einem dieser

Zimmer sah ich eine gelbe

Spielzeugeisenbahn, die fuhr auf einem

Kreis und hielt nicht an.

 

 

 

Vor dem

Stadtrand zog ein Deich in langem Bogen hin,

Und ich ging dort spazieren, eine

Wolke ferner Taubentiere ging als Regen nieder,

Das Gespräch, um dessentwillen wir die

Kieselsteine einzeln drehten, um das

Untere zu sehen, dies

Gespräch lag nun ein wenig überspült auf meiner linken

Seite,

Du warst fort, und ich erinnerte mich gar nicht mehr

An dich.

 


 

 

Aufschläge 7222 – 7224

 

Ich sagte etwas aus-

Und überhaupt-

Auf meinem

Weg bis hin zur Straße, die mich führen sollte, kam mir der

Gedanke an ein Lagerfeuer, an den

Rauch, der sich nach oben kräuselte und aufstieg,

Und es roch nach

Feuchtigkeit und Trockenheit, ein unbekanntes

Heimweh, dass mich nirgends hinzog, lag darin,

Und, wiederum am Straßenrand, lag, abseits vom

Drogisten aufgestapelt, die

Ruine eingestampfter Pappkartons,

Ich warf ein

Streichholz brennend in das

Reisig, das ließ man nicht zu,

Und

Rettung war im Ursprung immer die Vernichtung,

Haushoch schlugen Flammen auf.

 

 

 

Neben mir lag trautes

Alltagsglück,

Und jemand sagte, so sieht einer aus, der in

Extremen lebt,

Ich sollte mich wohl danach bücken,

Und ich hob es auf, das brachte

Beifall, meine Lippen standen im

Reflex, ich hatte höchstes Gut den andren

Gütern vorgezogen,

Und ich war verspätet, wie man sah,

Und nichts davon war

Wiederbringlich.

 

 

 

Wir lebten ja in

Sprechgeräten, die benutzten wir, um über weite

Ferne nah zu sein;

Mit dir in einer

Haut das Leben auszuleben wurde leicht gemacht,

Durch diese

Hilfe konnten wir uns manchmal tagelang in der

Begegnung nicht mehr auseinanderhalten.

 


 

 

Aufschläge 7225 – 7227

 

In deinen

Augen stand ein körperlicher Schmerz,

Die andren sagten, das sei nur ein Aufruf,

Ich hob meine Hand und streichelte dir deine

Wange, sonst bliebst du mir fremd,

Es war so, dass ich schnell begriff

Und es auch spüren wollte,

Helfen konnte ich dir nicht

Und half dir sehr,

Man hatte also recht, wenn man dir einen

Aufruf unterstellte,

Und ich sah auch hinter dir den wirklich

Kranken, der rief nicht mehr auf,

An seinem

Lager brannten rote Augenkerzen,

Die sich selbst bewachten.

 

 

 

Früher sprachst du, wenn du mit mir sprachst,

Direkt mit mir,

Und heute sandtest du mir die

Kopie der Rede, die du an mich richtetest,

Ich wollte wissen, wem du dich original

Verkauft, verschenkt, vergeben hattest,

Und du standst vor mir

Und sprachst und sprachst und redetest von dir

Und über dich

Und warst dir dabei fremder als die

Atmung, die du brauchtest,

Die ging an dir ein und aus.

 

 

 

Dann stelltest du dich auf den

Felsen, weil du weiter sehen wolltest,

Und erhöhtest dich

Und redetest dir so die

Gipfeleinsamkeit der kargen Berge ein,

Die würden dir das

Echo spenden, wenn du reden würdest,

Alles, was du dachtest aber, blieb

Verloren.

 


 

 

Aufschläge 7228 – 7230

 

Ich kam zu spät, die laue

Nacht war längst in Dunkelheit verzogen,

Viel zu leise gingen meine

Fenster auf,

Ich sah hinaus,

Und unter mir entdeckte ich zu meinem

Trost den Sternenhimmel weißer Rosenblüten,

Die bewegten sich auf keiner

Bahn und zeigten keine Sternenbilder,

Aufgerollt war jeder

Laut und keine Zeit verging,

Das war die

Schuld der vielen Einzelheiten,

Die ich so nicht sehen konnte,

Und ein Satz in meinem

Ohr erzwang Gehör:

Die Nacht ist nur das Gegenteil des Tages,

Das war ganz gewiss nicht wahr.

 

 

 

Morgens zog ich einen

Mantel an, darunter trug ich nichts,

Man fragte mich, warum ich in der

Wohnung nur in einem Mantel lebte

Und warum ich mich bei niemandem

Und auch nicht, wenn man mich besuchte, aus dem

Mantel schälte,

Mir war jede Frage recht,

Zum Schluss blieb einzig diese noch nach meinem

Mantel übrig,

Und ich sah, dass man mich schnell verwechselte.

 

 

 

Deine

Schuhe hinterließen eine schwarze

Schleifspur auf dem Zimmerboden,

Keiner konnte sie entfernen,

Deine

Kette schwärzte sich von einem Augenblick zum anderen,

Als ich sie dir im Nacken küsste, deine

Zähne rollen über rosa Zungensamt

Und sie verfingen sich darin, mein

Sternenhimmel zog sich hin in

Schwarzen, weißen, rosa

Straßen.

 


 

 

Aufschläge 7231 – 7233

 

Vor mir stand die

Blumenkanne voller Wasser, sie erlitt die

Einengung des Mundes,

Meine letzte

Nacht versandete im Traum,

Der war noch nicht beendet,

Und ich sprach das

Lippengedicht für Nichthörende,

Ich sprach die

Dialoge zwischen

Traum und Blumenkanne,

Deine Finger tasteten derweil den

Hals hinauf und mündeten an scharfen Kanten,

Offenbar war mir die

Nähe des geheimnisvollen Glückes, das man nicht

Erklären konnte.

 

 

 

In dem

Wohnraum hingen Bilder,

Die bewegten sich in ihren

Farben zueinander, sie verschoben sich darin

Und schlugen ihre Augen nieder, als ich sie betrachten wollte,

Und sie hatten Angst, dass man sie jetzt verkaufen würde,

Und ich war allein mit ihnen,

Und ich griff in ihren Schoss, der war sehr

Weiblich,

Und ich zahlte auch dafür.

 

 

 

Die letzten

Worte, die mich trafen, waren gut gemeint,

Sie hatten sich verletzt auf ihrem Weg zu mir,

Sie rissen nun die alten

Wunden wieder auf um derentwillen ich im

Rücken zu dir lebte,

Und du wusstest, dass ich ständig unter

Vergewaltigung durch rote Farben litt.

 


 

 

Aufschläge 7234 – 7236

 

Ich eilte an den

See, von dort her kamen Rufe,

Und es schien mir, dass sie nicht vom

Ufer kamen, sondern von der großen

Fläche, die war rosa-gelblich angelaufen,

Und ich sah nun endlich deinen Mund, in

Spiegelung verdoppelt,

Und er trank vom

Rande Milch und Honig,

Und er schwamm darin

Und rief und rief und rief,

Ich konnte nichts verstehen,

Und die

Arme reichten doch nicht hin und her.

 

 

 

Jemand sagte auch, es wäre gut, dass ich

Geständig sei, man sprach von mir als einer

Drittperson,

Ich musste meinen ganzen Großmut zeigen,

Und ich fragte dich, die

Frau, die seinerzeit von mir empfangen hatte,

Und du gabst den andren recht,

Auch sei ich dir zu oft gekommen,

Und es bliebe fast nichts zu gestehen,

Wenn ich dich ein wenig

Schneller drehen würde, sagtest du,

Entstünden völlig neue Farbenringe, die im

Raum ganz einfach stehen bleiben würden.

 

 

 

Es fiel feiner Regen,

Um mich her blieb Nacht,

Und andre sagten gleich, dass ich mich irrte,

Denn der Tag war überall, die

Tropfen sanken nicht zu

Boden sondern hielten sich als

Lichtschwarm vor den Lampen,

Glatt und nass stieg eine rosa Küste auf, der

Haaransatz stieß nicht auf deinen Mantel,

Und du standst von mir in einer langen Reihe,

Dich würd ich so nicht erreichen.

 


 

 

Aufschläge 7237 – 7239

 

Die Straße grenzte an den Abhang,

Dort wuchs dichtes

Gras, in dem die Sonne stand,

Verschiedenes Getier bewegte sich,

Und eine Grille fing mich ein,

Ein Vogel schoss an mir vorbei,

Ich sah noch, dass er aus einem

Notenblatt geschaffen war,

Er ließ sich in den

Ästen meines nahen Schattens nieder,

Zahm war diese Stille, voller Eigenheiten,

Eine junge

Frau saß an den Stamm gelehnt,

Sie sah nach oben in ein Grünbild,

Das bewegte sie in sich.

 

 

 

Ich sah wie du dich über einen

Holztisch beugtest, du bemaltest einen

Damenfächer mit den Miniaturen,

Das war eine klare

Liebesschrift, sehr gut zu lesen,

Später hörte ich, dass dieses ganze

Bild vor mir nicht mehr lebendig war

Und seit

Jahrhunderten verschwunden, unauffindbar in

Museumskellern lebte,

Und ich selbst stach mir mit einer

Schere in den

Arm, bis es mich schmerzte,

Und ich hatte keine andre

Garantie.

 

 

 

Ihr wart in kleiner

Runde, jeder legte hier sein

Herz auf einen Tisch,

Es durfte ruhig weiter schlagen,

Ich kam neu hinzu, das machte euch nichts aus,

In vielen andren Fällen, hörte ich mich sagen,

Sei es umgekehrt gewesen,

Und ich blieb verschlossen,

Niemand führte

Protokoll,

Es machte wirklich gar nichts aus.

 


 

 

Aufschläge 7240 – 7242

 

Hoch im

Baum sah ich die materielle Landschaft

Angehäuft, sie war als Nest schwer auszumachen,

Und ich sah es nur von unten,

Drinnen konnte man ein Leben nicht vermuten,

Nichts flog ein und aus, kein

Zugeständnis fiel herab,

Und alles war mit allem

Fest verbunden, fest vernagelt und verschnürt,

Und ich empfand die

Bürde einer ungewollten

Zuneigung gleich doppelt,

Und du legtest dich ganz offen auf den

Rücken,

Und ich nahm dich an und wehrte mich dagegen,

Das war innerlich,

Zuweilen traf ein

Haarriss bis nach außen, an die

Oberfläche.

 

 

 

Der Regen hatte plötzlich aufgehört,

Es war die

Trockenheit, die dein Gesicht befiel,

Du wendetest dich hoch vom

Tisch zu mir,

Und, selbst ein Mittelpunkt, wurdst du zur

Mitte deiner selbst,

Die Sonne kam, obwohl sie sich im

Untergang befand, hervor und brachte satte

Farben,

Diesmal führte ich kein

Protokoll und sprach dich auch nicht an

Und zog mich

Tag um Tag ein wenig mehr von dir zurück.

 

 

 

Du solltest nur bekennen,

Dass ich sehr, sehr müde war,

Und ich verlangte doch nicht viel,

Du zeigtest mir in einer andren

Ecke, dass die Auflösung begonnen hatte,

Das sei kein Verfall, so warf ich ein,

Und jeder, der in dieses

Zimmer kam, stand auf derselben Stelle,

Die war ohne Anspruch,

Meine Augen hingen an der Tür,

Ich wusste, diesmal war es anders,

Weil ich nicht davonkam.

 


 

 

Aufschläge 7243 – 7245

 

Gestern stand ich auf, kam auf mich zu

Und grüßte mich, vier

Wolkentore schlossen sich, nachdem ich eine

Treppe durch die Luft gegangen war,

Die Tore schlossen sich vor mir, ich hatte meine

Ähnlichkeit mit mir erkannt,

Dass wir identisch wären, hätte ich nicht angenommen,

Aus dem andren

Land erschienen andre scharenweise,

Ich verstand mich nicht und öffnete die

Schachtel der Identität,

Kein Inhalt war dort mehr vorhanden,

Jemand aus dem

Dorf kam auf mich zu und sprach von seinem

Heimatsee, der wär, das wüsste

Jedermann, der von dort käme, mit den

Meeren und den andren Seen verbunden,

Eines Tages würde man das

Adernetz beweisen können.

 

 

 

Wieder sprach mich einer an,

Von sich aus, sagte er, sein alle

Räume farblos, und, dass wir mit unsren

Flügeln schlagen, habe einen andren Grund,

Das Lesen der Gedichte sollte nicht ein

Rätselraten sein, es sollte zur

Begegnung mit dem eignen

Menschen führen ,

Der sei fremd und unerforscht,

Man selbst sei dabei ohne

Interesse.

 

 

 

Durch die

Gitterstäbe sah ich in den

Raubtierkäfig, dort stand einer, der die

Tiere zwang,

Mit spitzem

Mund beküsste er die Ungeheuer,

Jeder war vor jedem auf der Hut,

Doch ich blieb mit der

Hand am Gitter hängen und verletzte mich, das

Rotblut schmierte an die Stangen,

Bis ich es bemerkte, kam die ganze wilde

Schar schon auf mich zu, die

Gitterstäbe hoben sich, von dem

Dompteur gebändigt, in die

Höhe.

 


 

 

Aufschläge 7246 – 7248

 

Ich sah durch helle, bleigefasste

Fensterchen in einen Hof, dort lag der

Rest der letzten Nacht,

Und zwischen dem

Geruch der leeren Weinbehälter

Spielte die Zermachmusik,

Sie würde sich noch dauernd wiederholen,

Niemand kam und schaltete an diesem Apparat,

Um alles lief ein Kreuzgang,

Ich war hier nur

Gast, und meine Finger konnten allenfalls in eine

Bleischnur kratzen,

Auf dem Sockel stand noch ein

Metall, es war der Bronzeabguss eines Bettlers,

Der erbat nichts mehr,

Sein Hunger war nun übertragbar, seine

Leiden litten nun die anderen, und alle

Scham stand mir im

Angesicht, das war in

Blei gefasst.

 

 

 

Jemand sang ein

Lied, die Melodie war harmlos,

Texte gab es nicht,

Mir fiel es leicht, dir einen

Sinn hineinzuwerfen, der war

Bunt genug für deine Augen,

Soviel sang ich vor:

„…der letzte Tag von deinen alten

Tagen wäre wert gewesen…“

Und es fehlten diesem

Liedchen wirklich wegen seiner

Einfachheit die Stimmen,

Und die

Glocken eines Sonntags übernahmen alles,

Konnte denn das Licht alleine das

Metall, das in dem Turm hing, so in

Schwingung bringen?

 

 

 

Licht im Licht schoss durch das

Wageninnere,

Und ich befuhr Luftschienen,

Zwischen Scherengittern schneller Schatten lag das

Schreibpapier auf meinem Schoß,

Es riss sich jedes

Wort aus meiner Hand und los,

Und ließ sich jagen und vertreiben,

Nur die Blendung blieb,

Vom Ufer stieg ein glatter

Rasen an und wuchs bis hin zum Herrenhaus,

Geblieben war davon nur die

Fassade.

 


 

 

Aufschläge 7249 – 7251

 

Ich konnte es nicht fassen,

Andre aßen gleich den

Glückskreis auf, so tierisch war die

Nachgeburt des Wohlbehagens,

Ich vermied die öffentliche Klage, im

Spaziergang schickte ich

Gedanken, die ich hatte, auf die Weide,

Und ich wollte beim

Betreten eines öffentlichen Hauses nicht mehr stolpern,

Andrerseits sah man mir immer öfter ins

Gesicht, wenn ich erzählte, meine

Sprache sei sehr gut zu trinken, sagte man,

Und nahrhaft sei es allemal vom frischen

Brot ein wenig zu erhalten,

Meine

Feinde saßen harmlos auf der Gartenbank,

Es gab nichts zu beraten.

 

 

 

Selbst die

Hoffnung, die ich hatte, wurde zum

Gemeingut, das verteuerte mir ungemein die Zeit,

Die Sprache schieferte in flachen Scherben ab

Und brach bei jedem

Wetter etwas weiter auf,

Das Weib, das sich in unsren

Betten räkelte und dort die Betten hütete,

Wies alles ab und strahlte seine unverschämte

Wohligkeit mit einem frechen

Lächeln lächelnd aus, ein

Mord wär angebracht gewesen, hätte man gewusst…

Sie nahm die

Hände nicht aus ihrem Schoß

Und darin, sah ich, brannte Licht,

Es zeigte sich ein

Brief, der war unlesbar,

Und er wurde grad geschrieben.

 

 

 

An der

Zimmerdecke wuchs ein Schloss,

Das nicht zu einer Tür gehörte,

Und es steckte tief in ihm ein Schlüssel,

Und du wusstest gleich

Bescheid und warst voll Ungeduld,

Und du verlangtest, dass ich über

Kopf um dieses neue Wachstum einen

Zaun errichten sollte, der wär flach zu halten,

Und der hätte nur das

Schlimmste zu verhüten, meine

Tage liefen rückwärts an.

 


 

 

Aufschläge 7252 – 7254

 

Und dann fiel ich in das

Schloss und intressierte mich von nun an für den

Mechanismus zugeschlagner Türen, aller

Anfang war der

Mund, der war schon aufgeschraubt

Und leicht zu lösen, meine

Phantasie hielt ein, zu dürftig war die

Abwelt die mich sandte, mit dem

Finger stieß ich an die Zunge, die war in

Bewegung, stieß an Zähne,

Aber sie bewegte nichts,

Ich sah auch etwas von dem

Schrecken zu zerstören, was sich nicht mehr

Reparieren lassen würde, etwas von dem

Schrecken eines Ausgesetztseins,

Heimlich trat ich gegen einen Stuhl,

Trat an den

Rahmen, der mich fasste,

Und ich hatte vor, die

Tür allein mit meinem Kopf zu öffnen, meine

Hände ließ ich übers

Türblatt gleiten.

 

 

 

Jemand sah an mir die schwarzen

Flügel, die mich tragen sollten,

Noch war ich am Boden,

Und ich wollte nichts beklagen,

Unter mir entdeckte ich die kleinen

Federn auf der Straße, auch schon dunkelgrau,

Sie stiegen mit dem

Windzug auf und sammelten sich schnell in einem

Wirbel,

Ich werd lieber wieder eine

Jacke über angelegte Flügel ziehen.

 

 

 

Dann fragte ich nach einem

Glas mit Wasser,

Und man reichte es herüber,

Und es war gefüllt mit einer

Oberfläche, die lag über einer anderen

Und die auf einer weiteren

Und fort und fort bis hin zum Boden,

Und darunter fand ich nichts für mich

Zum Trinken.

 


 

 

Aufschläge 7255 – 7257

 

Jemand teilte einen

Handbrief aus, ein

Flugzeug, dass sich näherte, zerbarst, und ein

Propellerteil drang mir in meine Stirn,

Man wollte immer wieder meinen Kopf,

Doch diesmal tauchte ich geschickt, der

Zettel fiel mir aus der

Hand und blieb auf einer Oberfläche liegen,

Kurz sah ich ihm nach, ein wenig

Neugier ging mit unter,

Dafür brauchte ich mich auch nicht zu entschuldigen,

Ich ging zu einem

Schreiber, der saß auf der Treppe,

Und er hatte nichts bemerkt, es war nicht seine

Sache, irgendwo

Berufung einzulegen.

 

 

 

Ein anderer erzählte mir von der

Geduld, sie könnte schnell zur

Hölle vor der Hölle werden,

Das verstand ich nicht und hatte recht verstanden,

Denn der Mensch sprach ja von sich, von jener

Teufelei, die mit dem

Warten auf Erfüllung einer Ewigkeit verbunden ist,

Er hatte sich dabei vergessen!

 

 

 

In der

Zeitung fand ich eine kleine Wasserquelle,

Die sprang dort aus einem

Wort, das war nicht mehr zu lesen,

Umgekehrt, ich fragte nach dem Sinn, wurd eine

Trockenheit daraus, die färbte sich, brach das

Papier und sprang und riss und könnte jeden

Augenblick aus sich die

Flammen schlagen lassen.

 


 

 

Aufschläge 7258 – 7260

 

Die

Zeit der süßen Gummibärchen war vorbei,

Man hielt sich wieder

Unkraut in den Gärten, es gedieh ein

Schachtelhalm aus einer Urzeit, ganz versehentlich,

Und überall entstand ein Ursprung,

Der war nicht zu übersehen, meinen

Wortzaun sah ich eines Tages, weil er mit verkeilten

Ästen hochgerissen war, weit über mir in einem Baum,

Ich kam nur selten her, auf einem

Baumstamm, der am Boden lag, saß eine junge

Frau, die hatte ihr Zuhause hier, ihr

Anblick rührte an ein Zartgefühl in mir,

Es war die tiefe

Wurzel einer Dankbarkeit, die sich

Bewegte.

 

 

 

Ungeheuer laut empfand ich das

Geräusch, das in die Stille stieß, es war das

Plätschern weißen Wassers oder doch das

Frauenlachen hinter vorgehaltner Hand,

Dann schob sich Ruhe wieder aufeinander,

Meinen Atem hielt ich an und kannte meinen

Willen,

So entschlossen, wie ich war in diesem

Augenblick, war ich bereit, mich ohne jeden Handgriff zu

Ersticken.

 

 

 

Über mir hing eine

Leuchte, die war ganz aus Glas,

Und hing an einem

Draht und klirrte leise,

Und sie würde fallen müssen,

Und sie war gefährlich,

Und ich saß doch unter ihr, ihr

Singsang würde, würde sie erst stürzen,

Schweigen,

Jemand sprach mich an und fragte nach dem

Weg.

 


 

 

Aufschläge 7261 – 7263

 

Die Zeit, da Kinder aus dem

Abfall Spielzeug schufen, ist vorbei, der

Überfluss ist überall und Abfall,

Und die

Kinder selbst erkennen sich in jeder

Tageszeitung wieder,

Und sie sehen, wohin sie gehören;

Nur zerbrochene

Geräte bringen etwas Einigkeit, die huscht dann

Ratlos zwischen den Erwachsenen und ihnen hin und her,

Hier gibt es nicht instand zu halten;

Einmal sah ich, dass ein

Junge einem Mädchen eine Feder in die Haare steckte,

Das berauschte alle Welt,

Es wurd ein großes Leiden.

 

 

 

An der

Wand hing noch ein Teller, der war blau,

Du sprachst von ihm und zeigtest draußen auf die blaue

Sonne, sieh, es ist die

Wahrheit, die ich schreibe, zwischen meinem

Teller und der Sonne war kein Unterschied,

Sie strahlten beide in der gleichen, glühend weißen

Farbe, wie du sagtest,

Und sie hingen beide irgendwie befestigt an der

Wand, die würde niemals etwas tragen.

 

 

 

Früher gab es

Tüten, die man aufblies,

Kinder ließen sie zerknallen,

Heute musste ich mit meinen ausgestreckten

Händen wieder Fenster in die

Landschaft schneiden, das schafft

Raum und bildet eine Schutzfassade,

Hinter der verbringe ich den neuen

Abstand.

 


 

 

Aufschläge 7264 – 7266

 

Allen

Dingen wuchsen Hälse, dass man sie von ihren

Köpfen schlagen konnte,

Andrerseits, je näher ich den

Einzelheiten kam und sie entdeckte,

Desto größer wurde die

Entfernung, bis zur Unerreichbarkeit,

Ich sah durchs

Glas, das noch vergrößerte,

Und unermesslich wurde eine Nichtigkeit,

Am Kiosk stand ein Mann,

Der hatte sich verirrt im

Garten seiner Worte,

Und in einer meiner

Hände sah ich eine

Pore, die sich schloss und öffnete,

Und deine

Fragen solltest du nun stellen, weil ich hören konnte,

Und in zwei Minuten, wusste ich,

Würd mich kein Wort erreichen, dann wär deine

Frage unter Glas.

 

 

 

Es schwankte dieser große, schwere

Kerzenleuchter auf dem Tisch

Und fiel nicht um,

Und das

Geräusch drang in das Tischholz,

Jemand kam mit langen Schritten auf mich zu,

Die anderen berichteten von schlimmer

Essgewohnheit, die man noch im Ausland pflege, meinen

Körper hielt man sorgsam angegurtet,

Und dort draußen gab es

Lebendessenden Verzehr,

Und man umstand mich

Und erzählte viel davon mit roten

Wangen und mit hektischen Bewegungen.

 

 

 

Es wurde auch von einem

Liebespaar erzählt, das hatte nicht die

Schlachterei bemerkt, in der es heimlich zueinander fand,

Und keiner fragte je den anderen

Nach dem Beruf, und

Nächte gab es für die beiden

Nicht in ihren

Zwischenwänden.

 


 

 

Aufschläge 7267 – 7269

 

Ah und Oh

Und Blah und Bloh, zum

Zeichen deiner Sprache hältst du deinen

Mund geöffnet, deine

Augen waren deine Ohren,

Und die Ohren schwiegen nun schon über

Fünfundzwanzig Jahre, ganz genau betrachtet brach der

Fenstersturz, der über deinen

Augen saß, schon aus der Stirn,

Und täglich kamst du heim und gingst zurück in das

Geschirr, das war dein eigenes,

Ein jugendliches

Haar, das in dem Fensterrahmen stand,

Erzählte plötzlich alles von der

Welt und ließ nichts aus,

Und erstmals blieb die

Sprache in der Rede liegen,

Und du schwiegst erneut betreten,

Ich entdeckte dich

Bei Tisch, wo du den

Unterschlupf genommen hattest.

 

 

 

Auf dem

Stuhl lag immer dieses weiße

Tuch, man sollte sich darin den

Mund, die Finger reinigen,

Ich sah dir zu:

Für dich war es im rechten

Augenblick die weiße Fahne,

Die hobst du umsonst,

Man lachte über dich, weil man dich liebte,

Und es wehte hier bei

Tisch kein Wind,

Unsichtbar bliebst du in der Todeszone.

 

 

 

Weit ins

Ausland sollte eure Reise führen, in der größten

Höhe fand ich euch, ihr spracht von weißen

Kerzen, die in einem

Flugzeug tropffrei brennen konnten,

Hier an meinem

Katzentisch, so würde man im Volksmund sagen,

Zündete ich meine

Kerzen unten an, die brannten in die Höhe,

Meine Speise stand bei

Tisch stets unterm Tisch.

 


 

 

Aufschläge 7270 – 7272

 

Ich lebte unter langen, großen

Menschen,

In den Ästen der Gelenke saßen kleine Vögel,

Früher kannte ich sie noch mit

Namen, heute war ihr Singsang keine

Warnung mehr für mich,

Ich wusste selbst genug

Und dass das Leben so nicht ausreicht,

Oft sah ich nach oben in die

Kronen, wo die Frauen Strickzeug hielten,

Leise klapperten die Nadeln,

Aus dem Korb an meinem

Arm bot ich die Ware an, es waren

Fotografische Erinnerungen, die ich zeigte und

So hoch wie möglich hielt,

Nur einmal kam ein großes

Vogeltier, das riss mir eine aus der Hand,

Die ging verloren.

 

 

 

Ich sah auch meinen

Reichtum, alles hatte ich einst

Katalogisiert und angebunden,

Heute stand ich fest verschnürt und pries mein

Glück in einem fort, ich konnte die

Mechanik nicht verhindern,

Drüben sah ich, wie ein

Ast im Laufe dieser kurzen Jahre sich in einen Zaun

Gewachsen hatte, seine

Hilfe kam mir viel zu spät.

 

 

 

Du sahst nur einmal auf, in deinen

Augen standen gleich zwei dunkle

Ringe, die erklangen aus Metall, die

Schwingung stand in meinem Ohr,

Ich hatte früher

Ringe dieser Art sich auf den

Tischen tanzen, drehen lassen,

Hart war das

Gespräch mit ihnen,

Immer endete es mit dem

Stillstand.

 


 

 

Aufschläge 7273 – 7275

 

Es wollte nicht in meinen

Kopf, dein Atelier war mit Erlebnissen gefüllt,

Du schlugst sie in den Stein,

Auch wenn sie sich noch nicht einmal ereignet hatten

Suchtest du nach einem scharfen

Werkzeug, um sie festzuhalten, die

Beharrlichkeit saß dir zur Seite, mich verfolgte eine

Kamera, die brauchte einen Vorwand, hinter einem

Schlüsselloch entdeckte sie die umgekehrten Zeichen,

Und sie lieferte nach draußen

Bilder einer schlimmen Herrschaft, die ließ keine

Diener zu, mein Ferienaufenthalt in dem Hotel

Ging schnell zu Ende.

 

 

 

Ich war einfach, meine

Rede stumm:

Ich sagte einmal „Ja“ und einmal „Nein“,

Das ließ ich auch zur Auswahl stehen,

Manches Missgeschick entstand dadurch und mancher

Glücksgriff ging daraus hervor,

Und ein Versehen war nicht möglich,

Ich misstraute nicht mehr mir,

Ich ging zum

Apfelbaum und führte Klage gegen seine Blüten

Und vor allen Dingen gegen deren Duft,

Denn der war abzusehen,

Und ich war davon besessen.

 

 

 

Abends hörte ich noch ein

Gespräch, es redete ein junger mit seiner

Frau, sie ließ ihn sich das „Ja“ von ihren

Lippen rauben, er gestand in ihrem Schoß

Die räuberischen Ziele, die er hatte,

Und sie rissen das

Papier, auf dem sie standen, in ganz kleine

Stückchen, die sie in die Höhe warfen,

Und darunter badeten sie beide in dem

Schnee

 


 

 

Aufschläge 7276 – 7278

 

Ich hatte deinen

Namen ganz vergessen,

Alles, was du meintest, dass ich von dir wissen müsste,

Fremd warst du, ein

Bausatz, den ich nicht zusammenbrachte,

Ich enttäuschte dich, aus mir stieg

Unglaubwürdigkeit und rief in dir Verachtung wach,

Ein leiser

Zweifel schlich sich noch auf deiner

Seite ein, es könnte sich bei mir um

Seelengröße handeln, die vergaß so leicht,

Und in dem

Tischholz war ein kleines, rundes

Loch, darin erkannte ich die glatt rasierte

Schädeldecke, die war noch an einem

Tier, das war von unten angebunden,

Und ich protestierte gegen diese dumme

Quälerei,

Und jemand schlug mit einem

Silberhammer diesen Schädel ein

Und löffelte daraus.

 

 

 

Schwer war der

Spaziergang unter Toten,

Ihnen war verboten worden, sich noch weiterhin zu lieben,

Und sie hatten eine

Sehnsucht, die war unerklärlich, mörderisch

Und auf die Dauer wirklich tötend,

Dann begann erst das Verbot.

 

 

 

Über meine

Haut wuchs Lack, der war natürlich,

Und er gab mir eine neue Freiheit,

Die bewährte sich von ganz alleine, auch im

Schlaf blieb gar nichts an mir haften,

Morgens fand ich einen Zettel vor mit wichtigen

Begebenheiten, und sie gingen mich nichts an,

Sie wurden auch nach Kurzem immer weniger, ein

Wort jedoch kam häufiger als früher vor,

Es war das „Ich“ vor meinem

Namen.

 


 

 

Aufschläge 7279 – 7281

 

Neben mir, so sah ich, bückten sich die

Frauenhände, um Blüten auszuzupfen,

Atem wurde Morgentau, der stand ein wenig in der

Luft,

Die Hände würden gut gedeihen, meine

Gegenwart stand abseits,

Und ich wagte nicht, sie anzusprechen,

In mir lebte die Idee der alten Tür von deren

Art es keinen Handgriff geben würde,

Und dahinter konnte man ganz sicher sein, die

Blumen schale stand mit

Pflanzen angefüllt zu deinen Füßen,

Einsam ist ein Garten ohne Zaun.

 

 

 

Die Augen streichelten die Rosigkeit der Wangen,

Mehr wär viel zu viel,

In einem alten Zimmer lief ein Spielfilm, der war so:

Noch während man ihn zeigte,

Konnte er sich ganz und gar verändern,

Und er blieb nicht, wie man ihn vielleicht zuvor gesehen hatte,

Sondern nahm ein völlig unbekanntes

Ende, davon wusste niemand etwas,

Als ich in den

Apfel biss, stieß ich auf Holz.

 

 

 

Drüben lauerte ein

Mensch, der sah zu mir,

Ich mochte stören oder auch gemeint sein, meine

Augen schickte ich voraus, ein

Zeichen meiner Unterlegenheit,

Sie blieben unbehelligt und entdeckten nichts besonderes,

Solange ich das

Futter in den Händen hielt, war ich geschützt,

Und in dem Gitter gab es kleine

Türchen, die man blitzschnell öffnen konnte,

Wenn man sie im rechten

Augenblick in seinen Händen hatte.

 


 

 

Aufschläge 7282 – 7284

 

Ich ging allein spazieren,

Und die Straßen waren voller Menschen,

Hinter Glasfassaden lagen Angebote,

Und ich sah hinein und in die

Steinigung des falschen Mannes, draußen gingen

Leute im Protest, sie wiesen auf die Ungerechtigkeit,

Die konnte man nicht übersehen,

Jemand fragte nach dem

Unterschied von Mann und Frau,

Und viele gaben

Antwort und nicht einer gab die Antwort,

Und ich sagte noch, der

Käfig ist doch nicht die Heimat eines Vogels, und,

Was wissen wir von dem Gesang,

Ich riss der

Taube ihren Kopf vom Leib,

Und weiter gurrte es aus ihrem Hals.

 

 

 

Meine

Jacke zog ich aus, ich legte sie in meinen

Schoß, der war es, der die Wärme brauchte,

Zwischen meine

Füße rollte nun ein Fußball,

Niemand war zu sehen, keine Kinder kamen,

Und ich ließ ihn liegen,

Da begann er ganz allein mit sich zu spielen

Und sprang ab, vielleicht zu andren

Leuten.

 

 

 

Schilder standen nicht mehr aufrecht,

Alle waren abgeknickt, vernichtet,

Umgebracht, verstoßen, fortgeschafft und hingeworfen,

Und man fragte weniger als sonst,

Und es entstand ein völlig neues Selbstverständnis,

Schwere Straßendecken wurden von den Wurzeln junger, wilder

Birken angehoben und ihr schnelles

Opfer.

 


 

 

Aufschläge 7285 – 7287

 

Ich hatte es gelernt, mir lautlos das

Papier vom Block zu reißen,

Um das

Wort, das ich drauf schreiben wollte, legte ich die goldne

Kante schwarzer Sonnenwolken,

Sie war voll von Regen,

Ganz geheim musst ich die Tage überleben,

Und ich lebte unter euch,

Ihr merktet nichts, mein

Wintervorrat war für euch nicht sichtbar,

Um so deutlicher erfragtet ihr

Wovon ich mich ernähren wollte,

Mit dem

Rücken stand ich an der Wand,

Und unter mir tat sich der Himmel auf,

Von mir aus sollte sich der Regen darin sammeln,

Und tief in der

Pfütze sah ich, was ich euch beschrieb.

 

 

 

Man dachte sich das ganze so: die

Vielzahl der Getreidekörner würde uns ernähren,

Und ich hatte einen

Ast von einem Baum gesägt, der aber diente

Vögeln, um zu ihrem Nest zu kommen,

Und ich band ihn wieder fest,

Auch weil ich in dem

Fenster meines Reisezuges windbewegte Blätter sah,

Die spiegelten sich blass von links nach rechts

In einem See,

Der nahm sie auf und kümmerte sich nicht um sie.

 

 

 

Jemand fragte nach dem

Buch, in dem er lesen wollte,

Und ich sah den

Fahrer eines Fahrzeugs, das stand still, der

Mann las in dem Buch,

Ich sprach ihn an,

Und es war ganz umsonst, man hatte diese

Kammer grade erst geöffnet, und die

Gegenstände und die

Menschen, die noch darin saßen, waren in

Jahrhunderten zerfallen, und der

Rest bei meinem Eintritt,

Lange, lange und vergeblich baute ich an einem

Kartenhaus.

 


 

 

Aufschläge 7288 – 7290

 

Das

Kind sitzt auf dem Ast, der

Vater trägt den Baum, und dessen

Vater macht den Buckel krumm,

Dass man drauf gehen kann,

Wer weiß noch wie es war;

In einem

Schuh drückt mich eine Stein,

Den schütte ich mit mir heraus, ein

Mensch schreit unter Qualen:

„Schlagt mich einfach tot!“

So ist die Gottgefälligkeit;

In diesem Fall half die Natur,

In einem anderen verlor die

Technik einen ihrer roten Fäden,

Jeder trägt den Stecker in der Hand, um

Billigschuhe, Grünland zu verschenken.

 

 

 

Damals, das war gestern und für mich erst morgen,

Weil ich es nicht schnell genug begriffen hatte,

Heute seh ich voller

Scham auf eine Zukunft, ich trag einen

Ring, den zog man einem andren von der

Hand, vielleicht stahl man ihn auch,

Vielleicht ließ man ihn einfach nicht zu

Boden fallen, in den Schlamm,

Und ich trag ihn in Ehren,

Wenn man kommt und ihn zurück verlangt,

Geb ich ihn her,

Mich rötet dauernd.

 

 

 

Ja, ich habe Kinder,

Und ich muss darauf gefasst sein,

Dass sie mit mir reden wollen,

Dass sie mir erklären wollen, was verloren ging,

Ich habe sie um ein

Geschenk gebracht, um ein

Vermächtnis,

Alles, alles holen sie nun selber nach,

Sie fragen die Maschinen, wie es ist im

Sterbeland, dort wo der Krieg läuft,

Und mit meinem

Leben, das noch währte,

Konnten sie nicht viel

Beginnen.

 


 

 

Aufschläge 7291 – 7293

 

Ich sprach von nie gelesnen

Büchern, die ich dauernd in den Händen hielt,

Ein junges

Mädchen übte einen Tanzschritt,

Und es musste ausruhn,

Und es musste stehen bleiben in dem Schritt,

Und eine Uhr hielt an,

Ich sah ganz deutlich einen

Stillstand der Bewegung,

Und viel schlimmer sah ich die

Bewegung eines Stillstands,

Sie durchraste dieses

Scheibchen Zeit in Greisenhaltung bis zum

Tod,

Ich fuhr in einem

Übungsraum auf der Maschine,

Und der Motor schwieg den Augenblick,

Ich war verkleidet.

 

 

 

Mein Gedächtnis kam zurück,

Sie trug am

Finger einen Perlenring,

Und ihre Hand fuhr über meine Wange, ihre

Waschung tat mir gut, die

Perle kehrte erstmals heim in eine

Heimat,

Und sie würde weiter wachsen.

 

 

 

Sonst verschwieg ich meine

Sinnlichkeit und sprach nur mit dem

Frauenbild, das trat für mich aus seinem

Rahmen,

Und es zeigte keinen

Ehrgeiz, mich zu sich zu zwingen,

Und es kehrte um, wenn ich es wollte,

Und verließ mich, ohne dass ich es verlassen konnte,

Meine

Rahmen hielt ich auch vor ihm

Verborgen.

 


 

 

Aufschläge 7294 – 7296

 

Du sprichst zu mir von dem

Versagen deiner Liebe, dass die

Liebe nicht mehr reichte, den zu lieben,

Den du liebtest,

Und die

Straße steigt einwenig hügelan,

Und was dahinter liegt, verrät ein übergroßer

Spiegel, deshalb sieh zurück und geh bergab, der

Hügel wird dir folgen, neige dich der

Straße zu, sie ist dir zugetan, du findest keine

Schuld in Zärtlichkeit des Herzens,

Und aus großer

Höhe stellt kein Wesen die Erhebungen und die

Vertiefungen mehr fest, man ortet heute alles mit den

Strahlenmessern, die sind

Beiderseits und an den Enden scharf geschliffen, jeder

Handgriff, sie zu führen, fehlt.

 

 

 

Dann sehe ich den regennassen

Nacken, einen Ausschnitt eines Menschen,

So, stell ich mir vor, ist auch die

Mitte der Erinnerung, vielleicht der

Mittelpunkt von dem Gedächtnis,

Später wird der Kragen hochgeschlagen,

Und es war nicht

Zeit, mit einem trocknen Tuch zu helfen,

Und es war genügend

Zeit, das Tuch lag auch bereit,

Und Schuld an allem war die

Lähmung.

 

 

 

Das Leben ging auch weiter,

Und ich fand an meinem

Finger die Verletzung, sah ins rohe

Fleisch, so sehr getrennt von mir war ich auf

Existenz bedacht und schirmte diese

Stelle ab, die

Satellitenaugen sahen weiter und zuletzt in alle

Richtungen.

 


 

 

Aufschläge 7297 – 7299

 

Nur eine

Frage hätt ich noch an dich,

Springt dir dein Haar noch immer durch die

Finger, strömt es immer noch als

Schnelle durch den Kamm, der diesen

Ansturm kaum erfassen kann,

Ist es noch immer dieses gelbe

Leichtgewicht, das sich bei jedem

Lüftchen hebt und senkt und das im

Windhauch auf und nieder schwingt,

Sag mir, bevor die

Sprechverbindung abbricht,

Sage mir, besitzt du immer noch das

Kopfgold, welches mich so gierig machte,

So unsagbar lähmte in Begierde, dass ich dich

Beinah bestohlen hätte,

Dass ich mich beinah um dich

Bestohlen hätte.

 

 

 

Einige der

Blitze standen fest und hielten sich sekundenlang,

Und andre schlugen in mich ein,

Sie blieben nur ein Weißlicht um mich her,

Sie waren das

Geräusch, das zwischen einer

Stille und der andren stand, mein

Kopf wurd von den Kräften hin und her gerissen,

Und in jeder

Frau erhoffte ich dich zu erkennen,

Alles stilisierte sich nach deiner Art,

Man hielt mir einen

Junghund hin, ein anderer verlangte von mir

Mitleid, jemand klagte gar vor mir, ich weiß nicht über was,

Die Räder liefen glatt,

Und ich war

Fahrer.

 

 

 

Deine

Hand lag auf dem Buch

Und alles, alles war zu lesen,

Blaue Schrift und rote Schrift,

Und Hautpapier, dass sich darüber spannte, trug ein

Silberfell aus dünnsten

Härchen.

 


 

 

Aufschläge 7300 – 7302

 

So entstand ein

Oberflächenschaum, der war mit Nägeln an die

Wand geschlagen,

Oder ich erklär es so:

Es war der

Augenblick als ich in neue

Kleidung schlüpfte, die saß warm und angenehm

Und hatte meine Farbe,

Und du hattest sie gekauft,

Für mich gekauft und wortlos hingelegt,

Ich lebte also unter Menschen,

Und ich konnte ihre

Wichtigkeit nicht teilen,

Und ich teilte plötzlich ihre Wichtigkeit,

Die rührte mich so wohlig an, ein

Untergang, der würde mich einst überleben,

Jemand schnitt das

Grüngras, das in meinem Zimmer wuchs, mit einer

Gartenschere.

 

 

 

Manchmal glaubte ich an eine kleine Liebe,

Und ich dachte, dass sie möglich wäre,

Und ich hoffte, dass mir das

Geschick die fremden, weichen

Frauenhaare auf die Lippen wehen würde,

Dich, an meiner

Seite, würde ich für diesen

Mord nicht gern zum Zeugen wählen,

Nach mir würdest du gewiss und lange von der

Zeit mit mir erzählen wollen,

Und die Einzelheiten blieben dir auch so,

Mir gingen sie verloren noch bevor sie

Eingetreten waren.

 

 

 

Für den

Sommer suchte ich mir ein

Quartier, das sollte an der Küste liegen,

Und ich fand es schnell, die

Küste war die Grenze zu den fernen Räumen,

Die erwarteten mich nicht und schlugen nicht mit

Strandgeplätscher an den Morgen,

Und von dort, vermutete ich gleich,

Kam auch mein hoffnungsloses

Lachen über mich

Zurück.

 


 

 

Aufschläge 7303 – 7305

 

Heute war schon wieder alles anders,

Du erinnertest von gestern kaum den Kampf,

Und mein

Zuhause waren Reisezüge, die du unterbrochen hattest,

Und ich war nun heimatlos, am

Bahnhof stand ich leer und ausgeschüttet,

Und ich blieb der einzige,

Es kam nur jemand, der den letzten

Müll zusammen sammelte und forttrug,

Der sah mich von unten an,

Wir fragten nicht,

Und jeder wusste von dem anderen genug,

Mich hielt dort nur

Verzweiflung, die wich keinen Schritt,

Und aus dem

Müllkorb tropfte noch ein

Saft auf Gehwegplatten.

 

 

 

Zweifach stand ein

Weißpunkt in der Blauheit über mir, die

Möwen flogen hoch, und dort, so dachte ich,

Beginnt die

Möglichkeit den Himmel aufzuknöpfen,

Jemand bot mir eine

Feier an, die fand dort oben statt,

Und er versprach mir eine

Leiter, um hinauf zu kommen,

Ich nahm an,

Für einen lächerlichen Preis und meinetwegen,

Drehte man den Himmel in die Erde,

Und ich glitt nach unten,

Nichts war aufzuknöpfen,

Und die

Zeit war mir verloren.

 

 

 

In dem

Zimmer lag die Jacke über einem Stuhl,

Und ich sah, dass ihr

Knöpfe fehlten, abgeschnitten lagen sie auf einem

Tisch, sie waren bunt und schimmerten

Und schillerten und wurden mir zu kleinen

Inseln großer, außerordentlicher

Zärtlichkeiten.

 


 

 

Aufschläge 7306 – 7308

 

Meine

Füße hängen in den Schlaufen einer

Panik,

Ganz umsonst, ganz umsonst;

Ich baue einen

Nottisch auf und biete alles feil was mich bedrängt:

„Ihr Leute könnt es gut gebrauchen,“

Verschenken würde ich,

Wenn man auch dann noch nähme, meine

Zähne beiße ich zusammen, in dem

Mundraum, der mir bleibt, rollt eine

Kirsche hin und her, ich darf sie nicht zertreten,

Und ich habe auf das

Pappplakat geschrieben, warum ich nicht reden darf,

Man hat Verständnis, ganz zum

Schluss verbleibt mir immer noch der

Kern.

 

 

 

In der

Straße ist ein Sandloch, das ist nicht zu sehen,

Und verrät sich nicht,

Ich weiß davon und werfe einen

Stein, der gleich versinkt, hinein,

Ich streife mir mit meiner

Hand durchs Haar, ergreife mich,

Die Uhr muss abgelaufen sein,

Bei mir hat alles seinen Grund,

Und nichts darf ohne mich ertrinken.

 

 

 

In der

Sonne, hörte ich, soll alles eng sein,

Jeder stößt an jeden, das bedingt ihr

Leuchten,

Irgendjemand, der von dort kam,