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Harald Birgfeld, Webseite seit 1987/ Website since 1987

 

da liegt mein Herz, Geschichten aus Niemandsland 2022 -2024 (im Entstehen)

z.B.: 100 Jahre „Kafka“, eine herrenlose Fundsache (neu)

 

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Buchtitel

Inhaltsverzeichnis

 

Wir gerieten in den

Gürtel der Meteoriten

Lyrik.

10.000 Aufschläge

Band 3: Aufschläge 1000 – 1501 (2. Version)

 

Harald Birgfeld

 

ISBN 3-937264-65-5

 

"Es lohnt sich, einmal einen heutigen Dichter kennen zu lernen, der mit der deutschen Sprache einen faszinierend fremden Weg betritt und trotzdem dem Leser Freiraum lässt für eigene Gedankengänge, ohne dass die Probleme in erhobener Zeigefingermanier zu zeitkritischen Trampelpfaden werden." (1986: Gutachten).

 

Harald Birgfeld, von Beruf Diplom-Ingenieur, schrieb seine Gedichte während der morgendlichen Fahrt mit der Hamburger S-Bahn zur Arbeit.  Seine Texte entstanden fast immer bereits in endgültiger Form.

 

Copyright 2009 beim Autor, Harald Birgfeld, alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieser Veröffentlichung darf ohne schriftliche Erlaubnis des Herausgebers, Harald Birgfeld, reproduziert werden. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Verfilmung und Einspeicherung sowie Verarbeitung in elektronischen Systemen.

 

Herausgeber, Autor, Redakteur: Harald Birgfeld.

e-mail: Harald.Birgfeld@t-online.de.

 

 

23 Gedichtbände, 10.000 Strophen: Wir gerieten in den Gürtel der Meteoriten, 10.000 Aufschläge.

Zum jeweiligen Volltext: 

 

 

Bd.  1: Aufschläge       1 -  500

 

Bd.  2: Aufschläge    501 -   999

 

Bd.  3: Aufschläge 1000 - 1501, (1. Version)

 

Bd.  3: Aufschläge 1000 - 1501, (2. Version)

 

Bd.  4: Aufschläge 1502 - 2000

 

Bd.  5: Aufschläge 2001 - 2499

 

Bd.  6: Aufschläge 2500 - 3000

 

 

 

Bd.  7: Aufschläge 3001 - 3501

 

Bd.  8: Aufschläge 3502 - 3999

 

Bd.  9: Aufschläge 4000 - 4500

 

Bd. 10: Aufschläge 4501 - 5001

 

Bd. 11: Aufschläge 5002 - 5499

 

Bd. 12: Aufschläge 5500 - 6000, (1. Version)

 

Bd. 12: Aufschläge 5500 - 6000, (2. Version)

 

Bd. 13: Aufschläge 6001 - 6501

 

 

 

Bd. 14: Aufschläge 6502 - 6999

(online und im Buchhandel)

 

Bd. 15: Aufschläge 7000 - 7500

 

Bd. 16: Aufschläge 7501 - 8002

 

Bd. 17: Aufschläge 8003 - 8500

 

Bd. 18: Aufschläge 8501 - 9000

 

Bd. 19: Aufschläge 9001 - 9500

 

Bd. 20: Aufschläge 9501 - 9827

 

Bd. 21: Aufschläge 9828 - 10.100

 

 

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

Aufschläge 1000 - 1002

Aufschlag 1003

Aufschläge 1004 - 1006

Aufschläge 1007 - 1009

Aufschläge 1010 - 1012

Aufschläge 1013 - 1015

Aufschläge 1016 - 1018

Aufschläge 1019 - 1021

Aufschläge 1022 - 1024

Aufschläge 1025 - 1027

Aufschläge 1028 - 1030

Aufschläge 1031 - 1033

Aufschläge 1034 - 1036

Aufschläge 1037 - 1039

Aufschläge 1040 - 1042

Aufschläge 1043 - 1045

Aufschläge 1046 - 1048

Aufschläge 1049 - 1051

Aufschläge 1052 - 1054

Aufschläge 1055 - 1057

Aufschläge 1058 - 1060

Aufschläge 1061 - 1063

Aufschläge 1064 - 1066

Aufschläge 1067 - 1069

Aufschläge 1070 - 1072

Aufschläge 1073 - 1075

Aufschläge 1076 - 1078

Aufschläge 1079 - 1081

Aufschläge 1082 - 1084

Aufschläge 1085 - 1087

Aufschläge 1088 - 1090

Aufschläge 1091 - 1093

Aufschläge 1094 - 1096

Aufschläge 1097 - 1099

Aufschläge 1100 - 1102

Aufschläge 1103 - 1104

Aufschläge 1105 - 1107

Aufschläge 1108 - 1110

Aufschläge 1111 - 1113

Aufschläge 1114 - 1116

Aufschläge 1117 - 1119

Aufschläge 1120 - 1122

Aufschläge 1123 - 1125

 

Aufschläge 1126 - 1128

Aufschläge 1129 - 1131

Aufschläge 1132 - 1134

Aufschläge 1135 - 1137

Aufschläge 1138 - 1140

Aufschläge 1141 - 1143

Aufschläge 1144 - 1146

Aufschläge 1147 - 1149

Aufschläge 1150 - 1152

Aufschläge 1153 - 1155

Aufschläge 1156 - 1158

Aufschläge 1159 - 1161

Aufschläge 1162 - 1164

Aufschläge 1165 - 1167

Aufschläge 1168 - 1170

Aufschläge 1171 - 1173

Aufschläge 1174 - 1176

Aufschläge 1177 - 1179

Aufschläge 1180 - 1182

Aufschläge 1183 - 1185

Aufschläge 1186 - 1188

Aufschläge 1189 - 1191

Aufschläge 1192 - 1194

Aufschläge 1195 - 1197

Aufschläge 1198 - 1200

Aufschläge 1201 - 1203

Aufschläge 1204 - 1206

Aufschläge 1207 - 1209

Aufschläge 1210 - 1212

Aufschläge 1213 - 1215

Aufschläge 1216 - 1218

Aufschläge 1219 - 1221

Aufschläge 1222 - 1224

Aufschläge 1225 - 1227

Aufschläge 1228 - 1230

Aufschläge 1231 - 1233

Aufschläge 1234 - 1236

Aufschläge 1237 - 1239

Aufschläge 1240 - 1242

Aufschläge 1243 - 1245

Aufschläge 1246 - 1248

Aufschläge 1249 - 1251

Aufschläge 1252 - 1254

Aufschläge 1255 - 1257

Aufschläge 1258 - 1260

Aufschläge 1261 - 1263

Aufschläge 1264 - 1266

Aufschläge 1267 - 1269

Aufschläge 1270 - 1272

Aufschläge 1273 - 1275

Aufschläge 1276 - 1278

Aufschläge 1279 - 1281

Aufschläge 1282 - 1284

Aufschläge 1285 - 1287

Aufschläge 1288 - 1290

Aufschläge 1291 - 1293

Aufschläge 1294 - 1296

Aufschläge 1297 - 1299

Aufschläge 1300 - 1302

Aufschläge 1303 - 1305

Aufschläge 1306 - 1308

Aufschläge 1309 - 1311

Aufschläge 1312 - 1314

Aufschläge 1315 - 1317

Aufschläge 1318 - 1320

Aufschläge 1321 - 1323

Aufschläge 1324 - 1326

Aufschläge 1327 - 1329

Aufschläge 1330 - 1332

Aufschläge 1333 - 1335

Aufschläge 1336 - 1338

Aufschläge 1339 - 1341

Aufschläge 1342 - 1344

Aufschläge 1345 - 1347

Aufschläge 1348 - 1350

Aufschläge 1351 - 1353

Aufschläge 1354 - 1356

Aufschläge 1357 - 1359

Aufschläge 1360 - 1362

Aufschläge 1363 - 1365

Aufschläge 1366 - 1368

Aufschläge 1369 - 1371

Aufschläge 1372 - 1374

Aufschläge 1375 - 1377

Aufschläge 1378 - 1380

Aufschläge 1381 - 1383

Aufschläge 1384 - 1386

Aufschläge 1387 - 1389

Aufschläge 1390 - 1392

Aufschläge 1393 - 1395

Aufschläge 1396 - 1398

Aufschläge 1399 - 1401

Aufschläge 1402 - 1404

Aufschläge 1405 - 1407

Aufschläge 1408 - 1410

Aufschläge 1411 - 1413

Aufschläge 1414 - 1416

Aufschläge 1417 - 1419

Aufschläge 1420 - 1422

Aufschläge 1423 - 1425

Aufschläge 1426 - 1428

Aufschläge 1429 - 1431

Aufschläge 1432 - 1435

Aufschläge 1436 - 1438

Aufschläge 1439 - 1441

Aufschläge 1442 - 1444

Aufschläge 1445 - 1447

Aufschläge 1448 - 1450

Aufschläge 1451 - 1453

Aufschläge 1454 - 1456

Aufschläge 1457 - 1459

Aufschläge 1460 - 1462

Aufschläge 1463 - 1465

Aufschläge 1466 - 1468

Aufschläge 1469 - 1471

Aufschläge 1472 - 1474

Aufschläge 1475 - 1477

Aufschläge 1478 - 1480

Aufschläge 1481 - 1483

Aufschläge 1484 - 1486

Aufschläge 1487 - 1489

Aufschläge 1490 - 1492

Aufschläge 1493 - 1495

Aufschläge 1496 - 1498

Aufschläge 1499 - 1501

 

 

 

Aufschläge 1000 - 1002

 

Die sommerliche Hitze

Ritt auf meinem Krankenlager,

Und von weitem schnitt das

Klappern von Geschirr ins Lachen meiner

Wärterinnen,

Und die sanften Hände prüften oft,

Wie fest der Dorn saß,

Der mir durch das

Schädeldach getrieben,

Streichelnd deine Brüste maß

Und stach doch unter mir ins Holz.

 

 

 

Dazwischen legte ich

Antennen für ein Spielzeug,

Und die Jugend

Reichte mich auf diese Weise fort von hier,

Und ich gestand,

Auf einer Fensterbrüstung liegend,

Doch noch fiebrig

Und am Ende dieses langen Drahtes,

Nicht den Sprung zu

Wagen.

 

 

 

Als ich mich der Gesundung näherte

Und sich die Gärten, die dir wuchsen,

Von den Augen preisen ließen

Und mein Lippenpaar

Darauf im schnellen Lauf nach süßen

Disteln suchte,

Und du über mir in halber

Höhe hocktest,

Ließ mich doch der Fallstrick,

Unter dir hinweg, zum Tanzseil

Werden.

 


 

Aufschlag 1003

 

Wenn es sein muss,

Will ich dafür sorgen, dass dein

Tod zum mindesten in Würde

Mit dir sterben kann,

Und auch das Eichhorn

Soll den braunen Rock zum

Fliegen durch die Lüfte tragen,

Und ich füge die zerfetzten Glieder

Wieder an den Leib,

Um all die

Grausamkeiten falscher Sternenbilder

Abzumildern.

 

 

 


 

Aufschläge 1004 - 1006

 

Und ich sage, es ist wenig, was du hast,

Und immer weniger, je voller deine

Himmelsnetze werden,

Und du fängst so viel

Und nutzt die Felsen nur, das Werk der Maschen

Zu beschweren,

Und in deinem Fragebogen steht,

So, wie bei mir,

Ein treues Hundetier

Bringt stets die Beute ganz in deine Nähe,

Und ich knüpfe meine dünnen Fäden,

So, wie hier,

Und auch nicht regelmäßig.

 

 

 

Nachts sah ich dich über flache

Dächer schreiten,

Und es war,

Als inspiziertest du die

Dunkelheit

Und hieltst die Lampe hoch,

Zu sehn, wie schnell ihr

Schein gefressen würd,

Und ich schlief fest um diese Zeit in dem

Geäst des Apfelbaums

Und stand im Licht der weißen Blüten,

Und hier fraß mein

Schlaf sich satt an Helligkeit.

 

 

 

Ich merkte auch, dass du mein

Briefpapier benutztest,

Und du schriebst ja oft auf mir,

Und diesmal konstruiertest du

Schablonen einer Tätowierung,

Die du der Berührung meiner Schreibarbeit

Auf deinem Leib,

Entnahmst.

 


 

Aufschläge 1007 - 1009

 

Es war schon

Tage nach dem großen

Fieber, und die Stange

Ragte immer noch zu beiden

Seiten meines Kopfes aus den Schläfen,

Und man ließ mir gern die Ruhe,

Die ich brauchte, zu genesen,

Und ein Sägeblatt,

Das über unsre Häuserreihe

Schnitt um Schnitt sich lustig machte,

Riss an einer allzu harten

Stelle.

 

 

 

Wenn du mich sehen wolltest,

Oder irgendetwas,

Oder irgendwen,

Griffst du in deine Taschen,

Und dort trugst du deine

Augen in den kleinen Schutzgefäßen,

Und sie waren ohnehin aus

Glas, nur ein Ersatz,

Und du warst sicher,

Dass dir deine Blindheit

Ferner wäre, als den anderen,

Und immer weniger würd man erfahren von den

Eingeschlossenen.

 

 

 

Dann gab es für die Könige ein neues

Spiel und Völkerscharen sahen zu,

Und mit nur einer nackten

Hand versuchten sie den Kreisel,

Der sich auf dem

Boden rasend drehend

Langsam fortbewegte,

Einzufangen,

Und das Ding,

Das etwas größer war, als die Distanz vom Daumen

Der gespreizten Hand zum königlichen

Mittelfinger,

Konnte seine Schlüpfrigkeit

Vor aller Augen nutzen,

Und an vielen Straßenecken wuchsen neue

Königskinder.

 


 

Aufschläge 1010 - 1012

 

Die

Märchen meiner Zeit erzählte niemand,

Und die Kinder stahlen uns das

Wort vom Mund

Und sie verlangten dauernd

Wiederholung,

Und die Kleinsten

Suchten in der leeren fest verschlossnen Faust

Das unsichtbare, winzig klein gezauberte Versprechen

Aufzufinden.

 

 

 

Ich lebe in der Not

Und hätte helfen und mir sehr gut raten können,

Und ich schrieb mir aus dem

Filigranschmuck, den du grade trugst,

Nun Satz für Satz die Verse ab

Und trug die Zettel in der Tasche,

Und beim Einkauf,

Den ich oft besorgen musste,

Richtete ich mich genau danach,

Und las,

Was ich in Biegung feiner Drähte

Aufgefunden hatte,

Und es ging doch nicht,

Dass mich die langen

Zettelbänder schmückten

Und ein jeder, bei dem ersten Regen,

Meine Einfalt sah.

 

 

 

Ich erschien in deiner Praxis deiner

Medizin,

Weil man es wollte,

Und ich war doch krank

Und hätte lieber nichts getan

Und wäre lieber unter meinem

Dielenholz geblieben

Und hätt dort mein letztes Stündchen

Vor dem einen Spalt verbracht,

In dem du dauernd

Operiertest.

 


 

Aufschläge 1013 - 1015

 

In einem gelben Sandgebiet in flacher Wüste

Maltest du an eine blaue Rückwand

Jenes strahlende Objekt,

Wir sollten in der Sonne leben,

Und die scharfen Schatten,

Die wir warfen,

Sollten wir zusammenlegen,

Und das Haus der Dunkelheit draus bauen,

Und fortan würdst du mit uns im Licht

Und unsre Dunkelheit

Würd in uns

Leben.

 

 

 

Und ich meine dies:

Wer Leben

In dem andren Leben sucht,

Der sucht umsonst,

Und alle Reisen in die größten Fernen

Führen nicht vom Fleck,

Es wird die winzige Ameise nicht zum

Menschen werden,

Wenn du sie mit deinem Fuß zertrittst.

Und fändest du den

Schlüssel, deine Zeit

Mit meiner zu vergleichen

Und den Unterschied darin,

Zu gleicher Zeit,

So fändest du das andre Leben

Gleich in dir.

 

 

 

Ich sah, wie sich ein Sandbehälter

Langsam füllte,

Und es war ein Trichter,

Ganz aus Glas,

Und in dem Boden waren Löcher,

Und der Nebel

Dieses frühen Morgens

Stieg hier auf und rieselte den

Hang hinab,

Und wem durft ich vertrauen,

Wenn der Rand, am Morgen etwa,

Seine feinen Körner freigab,

Oder wenn der Sturzbach

Sich in kleinen Wolken

Heben würde.

 


 

Aufschläge 1016 - 1018

 

Dies war ein

Tag aus Glas,

In seine Masse eingeschmolzen,

Schlug der Künstler seinem Nachbarn,

Für die eigene Verwendung,

Beide Beine ab,

Und draußen stand ein Arzt

Und der betrachtete,

Mit dem Gesicht

Und ganz und gar im Schnellzugfenster, diese

Wandlung.

 

 

 

Du hattest dich in das

Gewehr verbissen,

Und das Vogelweibchen

War davor

Und ließ nicht zu, dies Instrument zum Hausbau

Zu verwenden,

Und der Nachbar,

Der danach die Wand der blauen Teller sah,

Gab uns die Glaskaraffe,

Die er übrig hatte,

Um das Blau daraus, so oft es ging,

Zu tränken.

 

 

 

Früher, als ich noch nicht frei war,

Gab ich dir oft einen freien Tag,

Und nun leb ich fast gänzlich hinter Glas,

Du kommst und gehst

Und kommst und gehst

Und kommst und gehst,

Und ich steh völlig unter deiner Freiheit,

Und auf jeder Reise

Sitzt du zwischen meinen Flügeln,

Und du bist schon dort,

Wenn ich mich nähere.

 


 

Aufschläge 1019 - 1021

 

Es hängen immer noch die Katzenbilder

An der Wand,

Und mit den Augen kämpfe ich,

Nicht hinzuschaun,

Wohin sie schaun,

Und meine Augen sind

Soldaten, die im Gleichschritt

Patrouillieren,

Und sie salutieren vor geringsten Augenblicken,

Und mir bleibt die

Fähigkeit mich noch vom Dach zu stoßen,

Auch bedenke ich die Möglichkeit

Jetzt zu verlieren.

 

 

 

Eine Zeitung schrieb,

Dass die Gefahr von hohen

Türmen ausgeh,

Weil von hier die Weitsicht

Wohl am besten möglich sei,

Und wir begruben etliche von ihnen,

Und wir stießen andere ins Meer

Und wälzten große Brocken

An die alten Stellen,

Nun ein Mahnmal für die Ahnungslosen,

Und im Erdreich

Und im offnen Wasser,

Sagte man,

Wärn wieder andere, die unsre Türme

Täglich und in Ehrfurcht

Fütterten.

 

 

 

Ein ausgedienter Frachter

Wurde aufgesägt und, offen wie er war, als

Tisch zur Speisung großer

Massen nun von Land zu Land gesandt, und

Gärten, die die Nahrung brachten,

Wuchsen in den Laderäumen,

Und es kam kein

Mensch, der diese Speisekammer

Transportierte,

Und auch niemand kam und aß,

Und niemand war, der irgendeinen der

Gedanken nur berührte,

Und es standen Tausende,

Die waren außerhalb

Und wachten ruhig und gelassen

Jahr um Jahr.

 


 

Aufschläge 1022 - 1024

 

Das Seil, auf dem du tanztest,

War gespannt in flacher Höhe,

Und ich sah dir zu

Und nicht zu dir hinauf,

Und lächerlich schien mir dein Anstieg in die

Todesstrecke,

Die sich steiler von der

Gleichgestelltheit abhob,

Und, ganz nah an meinem

Ohr, ließt du die

Stange der Balance nun fallen

Und erklärtest mich zu deinem Kompagnon,

Und, wenn du stürztest, auch im

Ritt von einer

Todesstrecke in die andere,

Stürzt ich mit dir,

Und selbst der nahe Boden

Könnte nichts verhindern.

 

 

 

In meiner Jackentasche

Fand ich eine Schachtel,

Angefüllt mit kleinen Zeichenfedern,

Die du mir erst kürzlich sandtest,

Und ich spielte sie in meinem Mund,

Nun feine Drähte heller

Saiten,

Und du warst in mir

Und klangst aus mir,

Und in dem Spiegel

Sah ich dich mich aus der Ferne

Zeichnen.

 

 

 

Die Wissenden,

Die mit mir wussten,

Ließen ihre Blitze in die

Ahnungslosen Häuser schlagen

Und errieten jede noch so komplizierte

Drehung meiner Zahlenschlösser,

Lang bevor ich sie erfand;

So stand mein Haus in hellen Flammen,

Und ich brannte aus,

Und auch den Wissenden

Verbrannte alles,

Und wir lebten friedlich bei den alten Leuten,

Die für uns ein wenig nur

Zusammenrückten.

 


 

Aufschläge 1025 - 1027

 

In deinem Zimmer

Lagen große Eisenkugeln,

Herrenlose Monde, die ihr

Zentrum suchten,

Und sie rollten und bewegten sich auf deinen Zuruf

Hin und her

Und kamen näher und verließen diese

Nähe wieder,

Und wir stiegen ein

Und fanden keine Räder,

Und sie trieben ihr Gewicht

Allein

Und waren ihre eigne Herkunft

Und begnügten sich damit um dich zu

Kreisen.

 

 

 

Als ich dich nach einem neuen

Regen fragte,

Gabst du aus dem Heu, in dem du schliefst,

Ein wenig von der Leidenschaft der

Leuchtkraft deiner Farbplakate ab

Und ließt die weißen Blitze deiner

Augen schießen

Und vertriebst die Wolkenwand,

Die über deiner Trockenheit

Gestanden hatte,

Schon bevor ich kam,

Und alle Farben dieses Bildes

Waren räumlich und zum

Greifen vor der

Leinwand.

 

 

 

In den Sommertagen

Spie der grüne Brunnen

Wieder,

Und der höchste Bogen seines

Strahles stand im Raum

Und bog das Eis,

Und an ihm windete ein Ziergewächs,

Das trieb dort oben Blüten,

Und man sah von deinen schlanken Armen,

Dem gebognen Glasleib,

Kaum noch die

Lebendigkeit.

 


 

Aufschläge 1028 - 1030

 

Der Friedensadler

Ging im Hermelin spazieren,

Und die langen Fänge

Stachen tief ins Federkleid der Taube,

Und der Ast,

Auf dem du schliefst,

Musst sich von unten stützen,

Und es griff die ungewaschne Hand

In deine Last,

Es mocht auch sein,

Dass sie sich daran fest hielt.

 

 

 

Eisendraht

Umspannte den Balkon,

Der freie Sicht verkaufte,

Und ein Feierabendlied,

Das ihr von dort ins offne Zimmer sangt,

Entsprang weit außerhalb

Und über euch hinweg,

Und eigentlich verklang es nur in euren

Mündern.

 

 

 

Eines der zwei Herzen,

Die du in dem Herzen trugst,

Schnittst du heraus,

Und auf dem Tisch durft es nun schlagen,

Und du stauntest, weil sich niemand traute,

Dir das Schlagzeug

Abzufragen,

Und es schlug

Und schlug

Und schlug im Sturm

Nach neuen zweitem

Herzen.

 


 

Aufschläge 1031 - 1033

 

Ich wurde nicht hinein gerufen,

Und in letzter Nacht verbrachte ich die

Stunden in dem Urtal,

Mitten unter meinen Brüdern, meinen Schwestern,

Und ich wollte keine Ordnung schaffen,

Und in schwerelosen Zeiten

Würde der verwachsne Fuß

Mir nicht in stolpernden Geräuschen

Über diesen Boden

Schleifen.

 

 

 

Vieles war normal

Und ging an uns vorbei,

Und auch ein junges Mädchen

Mühte sich, und unentgeltlich AlteLeuteBrei

Zu füttern,

Und sein Weg in die Kasernen

Führte durch die unsichtbaren

Stellungen der Straßenräuberei

Und auch vorbei am Starrsinn der

Gebrechlichen, die unbeholfen

Fallen stellten.

 

 

 

Dir blieb der Rückruf,

Der doch täglich kommen sollte,

Und du warst schon lange nicht mehr hier

Und schriebst uns von den neuen Sorgen,

Und die Post, die für dich käme,

Wäre leer,

Das mussten wir bestätigen,

Und täglich lebtest du in unsrer nächsten Nähe

Und gingst ruhelos spazieren,

Und die Blätter, um dich her,

Die von den Bäumen fielen,

Konntest du noch nicht

Entziffern.

 


 

Aufschläge 1034 - 1036

 

Dein blaues Kleid erstrahlte in der

Kälte deiner Augen,

Und der Künstler,

Der dich malte,

War ein rücksichtsloser Arzt,

Die Körperpflege,

Die dir eigen war,

Lag lässig auf dem Küchentisch,

Und früher ging in eben diesem Raum

Und auch zur gleichen Stunde

Blau das Licht des ersten

Abendsternes auf,

Und seine Kälte

Wärmte damals jene

Runde.

 

 

 

Abends war die Zeit in der man still am

Tisch die Völker tötete

Und pflegte den von

Meeresbrandung angeschwemmten Zwitter

Zwischen Mensch und Tier

Und hielt entfernt von dieser Tür die

Menschlichkeit,

Die frische Beute witterte,

Und liebte sich

Und war bereit zu teilen.

 

 

 

Dann spürten wir, wie uns Propellerwind

Und später Ströme

Aus den heißen Düsen

Überall erfasste,

Und wir standen still,

Und die Collagen, deren Mittelpunkt wir waren,

Fraß der Rost, bevor das Werk sich abhob,

Und von deinem Weib erfuhren wir,

Dass du ein Leben unter

Wasser führtest,

Und es war wohl dieser Druck,

Der dich so presste.

 


 

Aufschläge 1037 - 1039

 

Jeder Ort, durch den wir kamen,

Hatte einen König,

Und die langen Adern traten aus

Und tasteten im Anschluss hin zum Nachbarort,

Die vielbefahrnen Wasserstraßen,

Und die Häuser, die im Vorhof standen,

Mengten sich und hielten

Ausschau,

Hand in Hand.

 

 

 

In dem Tunnel

Wachten eiserne Gestelle,

Und sie zählten jeden Wagen der entkam,

Und wir, die drinnen saßen,

Ahnten nichts von unsrer Flucht

Und hätten gern ein wenig mehr erfahren,

Und es waren wieder deine Augen,

Die auf fremden Schienen reisten,

Und ich müsste diese Fahrt doch irgendwie

Alleine wiederholen.

 

 

 

Man besann sich erst, als arme Menschen

Gummimotortauben steigen ließen,

Und sie waren wirklich und lebendig,

Und man konnte sie dressieren und zum Briefe senden

Jederzeit verwenden,

Und die Bank, auf der ich saß,

Stieg auf und trug mich, bis ein Habicht niederstieß

Und uns die Fälschung

Nun ganz deutlich werden ließ.

 


 

Aufschläge 1040 - 1042

 

Die Fenster unter mir

Vergisst das Licht,

Und eine Frau,

Die sich dort rauchend lieben lässt,

Sieht nicht zu mir herauf,

Und säh sie mich,

Würd sie mich leis beiseite winken,

Und ich käm und spräche flüsternd in ihr Ohr,

Und ich, auf ihr, bemerkt es nicht

Und reiß das Blatt von meiner Staffelei

Und lass den Schuh in jenem Fenster stecken

Und zertrete auch die  Glut, die nun zu

Boden fällt.

 

 

 

Dreizehn Meter über meiner Straße

Lehnst du dich ans flache Gitter

Und verliebst dich in die Sonne,

Und die Füße stecken in der Regenrinne,

Und es kommt kein Wasser,

Dich zu tragen,

Und in Wahrheit

Lässt du dich im Glück der Wärme

In den eignen Schoß

Hernieder sinken.

 

 

 

Dann sah ich ganz genau, wie sich die Schatten

Handgedrehter Gitter über deinen

Körper schlängelten,

Und wirklich häutetest du dich in deiner Unberührtheit,

Und von andren Frauen,

Auch noch jungfräulich wie du,

Wusst ich, dass sie die Schöße einem Weltensperma

Sonntäglich und voller Glauben auf den Sonnendächern

Offen hielten.

 


 

Aufschläge 1043 - 1045

 

Schöne rote Blumen

Wuchsen deinem Haus aus seinem Mund,

Du weißt, dass man im rechten Augenblick die

Heimatlosigkeit sich selber ernten lassen muss,

Und traurig lässt dein Blumenmeer die

Köpfe wieder hängen,

Und es ist, dass dir im Rücken

Obendrein bei deiner Heimkehr

Alles auseinander bricht,

Und keine Tür wirst du mehr leise in den Rahmen

Drücken können.

 

 

 

Du sagtest auch,

Dass alles, was gewesen wäre, nun in Keilen in dir säße

Und dich spalte,

Und du zeigtest öffentlich, weil es verboten war,

Die abgeplatzten Reste,

Und es wurde ein Skandalbild,

Und die Regenrinne,

Die dich in das Sammelbecken

Spülen sollte,

Brach im Rost

Und mischte sich mit dir.

 

 

 

Wenn ich den Sprung ins fremde Gitter

Wagen könnte

Wäre ich in dir

Und hörte, wie dein Herz jetzt Melodien

Aus deiner unbekannten Heimat sänge,

Und du maltest deine Händerücken rot

Und deine Füße wären golden,

Und die aufgeklebten Straßenraster

Würdest du als holperige Pflaster

Mir zu Füßen legen,

Und du sprächst mit einem, der sich um dich

Wände.

 


 

Aufschläge 1046 - 1048

 

Vierfach stand die Reihe schmaler

Säulen junger Bäume,

Und vom Sonnenlicht

Fiel nichts herunter,

Und das Frauenbein, das tänzelte, erstrahlte in der ausgestreckten

Männerhand,

Und Blatt um Blatt ließ sich nun

Kuss um Kuss drauf fallen,

Und vom Scharren deiner Finger unter meiner

Haut

Stieg wolkenartig

Straßenstaub

Empor.

 

 

 

Auch ließt du dich im Kuss zu nichts bewegen,

Und die Arme

Hingen schlaff herab,

Und stärker liebte mich dein Puppenkind,

Dass du aus jungen Tagen

Mit dir brachtest,

Und es konnte, wie ich früher schon beklagte,

Nur mit angelehntem Rücken

Aufrecht stehen.

 

 

 

Andre aßen, was sie brauchten,

Und verhungerten daran,

Und mir gelang es, nicht zu speisen,

Und ich sollte neueste Geräte ausprobieren,

Und ich war doch schwach

Und ohne fremde Hilfe,

Und ich sah,

Dass wenige am Feldrand ernteten

Und auch nur einen Korb voll mit nach

Hause brachten,

Und es war zu viel

Für lange, lange Zeit

Darin.

 


 

Aufschläge 1049 - 1051

 

Mir war der dunkle Raum durch deine

Fensterspiegelung gesperrt,

Und du bewegtest dich darin,

Und ich saß gegenüber auf der andren

Straßenseite neben dir,

Und auch das Kind, welches du liebtest,

War ein Teil von mir,

Und näher wart ihr mir im Gegenüber,

Als nun hier,

So nah bei mir.

 

 

 

Es fegte den Salon ein Mann mit einer

Gartenharke,

Und er wisse nichts von schönen Dingen,

Und wir wüssten, dass er hier, an dieser

Stelle, einst die Schlange fing,

Die wir vermissten,

Und die Blumenbank,

Auf der wir säßen,

Wäre auch sein Werk,

Und, ja, dem Rasen

Und den Pflanzen,

Die hier wüchsen,

Wäre er der

Herr.

 

 

 

Dann trat der Tod der Spielgitarre ein,

Als du das Fenster öffnetest,

Und dieser Mensch,

Der einbrach, wurd ihr ungelenker Henker,

Und sie spielte nun,

Und auch die nächsten Nächte,

Nur noch außerhalb

Und wagte sich nicht heim,

Und ich verfluchte diesen Tag

Und sehnte meine Hände,

Die im Freien waren,

Wieder in mein

Kämmerlein.

 


 

Aufschläge 1052 - 1054

 

Mit einer Flut aus überweißen Lampen

Fuhr dein Schiff auf überweißem

Wasser,

Und es brach die Nacht entzwei,

Und wir, am Ufer,

Waren lange von dem Weiß im Weiß geblendet,

Und, ein wenig abgewendet,

Schaukelte dein erster Traum sich ein im

Grün der Dunkelheit.

 

 

 

So warm wurd keine Luft, um deine

Wellen ganz zu dämmen,

Und kein noch so lauer Abend

Ließ dich jenes feine Schwingen

Fühlen, den mein Atem brachte,

Und auf deinem Leib war ich zu Hause,

Und ich kannte jeden Steg,

Und jede Brücke,

Die mich zu dir führen sollte,

Schwankte.

 

 

 

Als du an mir vorbei gingst,

Sah ich nur ein Teil von dir

Und riss es aus aus dir, weil ich‘s erkannte,

Und du schenktest alles, was du sonst noch hattest,

Anderen,

Und ich durft ganz von dir Besitz ergreifen

Und zerteilte dich noch unter Hunderten,

So voller Angst ließ mich zurück die

Bettelei der Armen,

Die ich führte.

 


 

Aufschläge 1055 - 1057

 

Die Sprache dieser Kinder

War die frische Spur im Ufergras,

Und nur die schnellen Flüge ihrer Hände

Ließ sie wirklich sein,

Und konnte man sie besser deuten,

Als es schon die Brunnen taten,

Die sich drehten, überschlugen,

Und Fontänen der Bewegung in

zueinander trugen

Und sich gegenseitig speisten?

 

 

 

Zehn der Wassertropfen  trug ein

Windstoß an die Glaswand,

Und ich zählte, wie zehnfach das Rufen

Nicht zu mir gelangte,

Und ich stand dahinter,

Und ich sah, wie jeder Aufprall

Lächerlich zersprang,

Und etwas weiter war das Meer

Und es schlug wirklich nur ganz selten in mein

Zimmer.

 

 

 

Unter den Portalen trafen sich die kleinen Steinfiguren,

Und ein Wasserspiel

Umspülte sie mit dem geraubten Leben,

Und die Köpfe

Trugen zeitgemäße Apparate,

Die sie fremde Sprachen unterrichteten,

Und unsre Kindeskinder, sagte man,

Würd dieses märchenhafte Dasein

Freuen,

Und ich ritt zum Spaß oft stundenlang auf ihnen,

Und es war nicht so,

Dass sie mich schwimmen lehrten.

 


 

Aufschläge 1058 - 1060

 

Vielleicht denkst du, dies sei der Augenblick,

In dem man besser schweigt,

Und grüßt und legst mir den Karat,

An dem du hängst, zu meinen Füßen,

Und mein Kommen

Beißt in jene Zeit, in der dein Schweigen

So wie heute war,

Und war doch damals Wirklichkeit.

 

 

 

Dem Tagesgott,

Dem du die Nacht verbotst,

Legst du nun deine Hände in den Schoß,

Wie er dich damals lehrte

Und du weißt nicht mehr, das Heute von dem

Gestern abzutrennen,

Und das ist der Augenblick

In dem man dich der Nacht

Beraubt.

 

 

 

Fast wärst du mir entkommen,

Und ich sprech dich an und seh,

Du lässt nun Schweigen,

Und in offner Tür

Erklär ich dir, dass viele Punkte eines Kreises,

Mögen sie sich noch so weit entfernen,

Teile eines Ganzen sind

Und uns so eng verbinden,

Und der Zwischenraum

Ist angefüllt mit allerhand,

Und du, von nebenan,

Und ich, von nebenan,

Begegnen sich am nachbarlichen Zaun.

 


 

Aufschläge 1061 - 1063

 

Nun fand ich endlich vor, in Wirklichkeit,

Was tausendfach mich vorher fand,

Und ich betrat den Saal ein zweites Mal,

Und mir zur linken Hand

Verlangtest du, noch ganz im

Glanz des Sonnenlichts,

Den Strahlenball dir einzufangen,

Und der Wasserfall,

Der dir im Rücken stand,

War Spielgefährte,

Und die Weidenzweige meiner Arme,

Griffen nach der Glut zu beiden

Seiten.

 

 

 

Du setztest dich nun

Punkt für Punkt zusammen,

Und in deiner nackten Schulter

Steckte noch ein Pfeil aus alter Zeit,

Und mir erklärte man,

Du liebtest dieses Zeichen der Beständigkeit,

Und nah am See,

Der dich verkehrt und klarer in den Farben wiedergab,

Zerschmolz der Augenblick,

Als sich der Wind, der Äste nieder bog, den

Stock ganz sacht aus deinem

Körper zog.

 

 

 

Ich will nie wieder davon sprechen, dass das

Brot sich auf dem Dreieck deiner Schenkel

Besser aß, als deine Liebe, die, ein Nimmersatt, der

Hagerkeit die Wangen küsste,

Und die Wiesen,

Die du pausenlos bereutest,

Grünten immerfort,

Und ich erlernte noch im Speisen

Gänseblümchen mit den Zehen zu ergreifen,

Und die weißen Küsse dir im Kranz ums

Tor zur Welt zu legen.

 


 

Aufschläge 1064 - 1066

 

Am Tag zuvor

Entstandst du mir aus kleinen Flächen,

Und von deiner Haut fiel lautlos jeder Tropfen ab

Bis du so vor mir standst,

Wie ich dich kannte,

Und im selben Augenblick

Warst du noch schneller, als ein Eichhorn springt,

In meinen Ästen,

Und mein Rufen hörte nicht,

Wohin dein Sprung dich

Rettete.

 

 

 

Danach beließ ich dich im Tropfenkleid

Und zog mich an mit dir,

Und deine Feuchtigkeit,

Die mir nun um die Schulter schwang,

Verdampfte in dem Sonnenlicht,

Und ich empfand dich nicht als Last,

Und ich versprach noch alles, dich zu halten,

Und es war nur Sand,

Der trocken durch die Finger

Rann.

 

 

 

Auch Sandgebilde,

Die ich schuf, die Armut zu beweisen,

Ließen dich nicht ruhn,

Und um mich her verwehtest du

Und legtest mir die Kieselsteine bloß,

Und jeder, der mich sah, maß meine

Unbeholfenheit daran,

Wie lang ich brauchte

Sie dir wieder in den Schoß zu graben,

Und wir waren doch am Meer,

Wo königlich die

Flut versteckte und entdeckte,

Was die nasse Brandung

Fand.

 


 

Aufschläge 1067 - 1069

 

So ging es mir schon einmal,

Als ich alt war und in fremdem Land die

Jugend meiner Heimat misste,

Und hier zähle ich im dürren

Blätterkleid mir meine Rippen,

Und in Wahrheit

Trage ich die bunten Federn meines

Sommerkleides,

Und ich putze die Gedanken,

Die so achtlos auf der Straße

Liegen.

 

 

 

In meine Eitelkeit

Stach scharf dein Bilderwort,

Auf einem nackten Weib ritt bäuchlings jener,

Der dich reiten durfte,

Und die Krallen schärfte sich ein lang gestrecktes

Katzentier an deiner Brust,

Und alles war zugleich gemacht aus einem

Grünen samtnen Stoff:

Das Weib, das Tier, das deinem

Arm entkam,

Und streichelnd griffst du noch nach ihm,

Und auch der Mann, selbst

Teil von dir;

So schriebst du Sätze deiner Leidenschaft

Mir auf.

 

 

 

Die Halle

Barg wohl zehn mal tausend Menschen,

Und es war doch keiner dort,

Und jenes Dachgewölbe zog sich eine eigne

Sonne auf,

Und dünnste goldne Kettchen

Stießen sich herab

Und ließen so die falschen Strahlen nieder,

Und ich dachte nur an das Gebot,

Und ich verließ die Wiese

Und bedachte die Natur der

Überlebenden.

 


 

Aufschläge 1070 - 1072

 

In deiner Brille war ein Sprung, ein

Splitter fehlte,

Und gewiss war dies der Grund, dir neuerdings ein

Herz aus großer Masse zu erwählen,

Und es sollte schön und geistreich sein,

Und du verließt dich ganz auf uns und unsre

Auswahl, weil,

Wie oft an hellen Tagen, kleinste Splitter

Funkelnd sich verraten,

Und du wolltest sehr viel später erst die

Herkunft wissen

Und nach männlich oder weiblich fragen.

 

 

 

Es war auch gut, dass selbst die Käfer die

Gesetze kannten,

Und ein Teil von mir verschwand,

Als ich mich wieder einmal sammelte,

Und das Prinzip bleibt grade,

Während sich auf allen Schienen

Wirklichkeiten hin und her rangieren lassen,

Und ich sollte vor dem Eingriff

Unterschreiben.

 

 

 

Dann, ich wollte schon bezahlen,

Fing mein Ring im Zufall deine Locken ein

Und hielt sie unabsichtlich fest,

Und deine Augen

Unterdrückten einen Schmerzensschrei,

Und ich zog alles, was ich aus den

Händen geben wollte,

Wieder ein,

Und du, du brauchtest mir nicht erst zu zeigen,

Dass die heute weißen Tempel

Früher farbenfroh gewesen seien,

Und du batst mich zu verzeihen,

Und wir lebten beide von dem

Wechselgeld.

 


 

Aufschläge 1073 - 1075

 

Ihr sagtet, ich sei groß,

Und ich frag euch,

Wie groß ist jemand, der vor Augen seines Sieges stirbt,

Und hängt man nicht an dem Geweih das

Jagdglück auf,

Und krümmt sich nicht der Leib um seine

Frucht, trotz Hilfe, zu gebären,

Und es stimmt,

Und ich bin groß, weil das gebrochne

Rad sich dreht in meinem

Arm.

 

 

 

Dann erfuhr der Krieg,

Dass ihr ihn töten würdet,

Und die Aquarelle,

Die ihr maltet, gingen um die

Welt nachdem ihr noch ein Opfergeld bezahltet,

Und die Frauen,

Die ihr liebtet, regelmäßig,

Liebten euch nun, regelmäßig, in dem Eisengarten,

Dem ihr folgtet.

 

 

 

Die Dielenbretter, die euch trugen, waren spiegelglatt

Und konnten so den

Rückweg offen halten,

Und ich tauchte ein,

Und einzig mir verschwand das Spiegelbild,

Ganz ohne fort zu sein,

Und über mir, zu meinen Füßen,

Ging ich aufrecht und genau, wie all die anderen,

Und wo ich mich befand,

War niemand.

 


 

Aufschläge 1076 - 1078

 

Gestern Abend

Löschte ich zufrieden aus das

Kreuz des Südens, welches über meinem Nachtschrank

Pausenlos gestanden hatte,

Und es war nur eine Schnur,

Die man zu sich herunter zog,

Und die Bewegung,

Welche deine Marionetten

Machten, war zugleich die Hand, mit der ich deinen

Nacken bog,

Und von dem Bett aus konnten wir den

Tanz der Puppen unter freiem Sternenzelt

Betrachten,

Und ich lag, mit dem Gesicht nach oben,

Tief in deinem

Schoß.

 

 

 

Andre, sah ich, ließen schwarz die Flächen ihres

Daseins stehn

Und konnten sich davon nicht lösen,

Und die Sonne schien doch schon seit allen

Zeiten senkrecht auf die Erde,

Und die fremde Frau,

Die ich besuchen sollte,

Würde ich des Nachts begrüßen und ihr

Lügen in die Ohren flüstern,

Und mein Schatten

Würde ihren Schatten decken,

Überall und ringsherum würd sie mir Glauben

Schenken.

 

 

 

Es war auch so, dass dir das alte

Weib die langen roten Haare

Kämmen musste,

Und der Umhang,

Den du einzig trugst,

Blieb offen an den Brüsten hängen,

Und dein Leib stand rücklings angelehnt

An einen Stuhl,

Und der Betrachter

Durfte ruhig mit den Nägeln die

Begrenzung des Terrains abstecken,

Wo er schürfen wollte,

Und die Rechte

Teiltet ihr zu gleichen Teilen

Auf.

 


 

Aufschläge 1079 - 1081

 

Mit deiner ausgestreckten Hand

Schnittst du dir Fenster in die

Landschaft,

Und das Stirnhaar

Schob ich sacht beiseite,

Und ich spielte auf den Saiten dieses

Vorhangs was du hören,

Was du spüren wolltest,

Und von außen gaben die bizarren,

Leicht gebognen Stützen meiner

Arme dir den Halt.

 

 

 

Wir standen an der Mauer, die den

Fluss von Tagesarbeit trennte,

Und du lehntest weit darüber,

Und von mir erfuhrst du,

Dass ich selten nur das Nass verlassen konnte,

Und ich griff nach dir

Und fraß an dir

Und zwang dich anzuwachsen

Und versprach dir, meine Lebensweise

Deinem Durst, der dich bestimmte, anzupassen,

Und man ließ den Schwarm der Tauben

Hier zur Tränke

Landen.

 

 

 

In dem Fenster gegenüber

Sah ich, wie du dich von einem Mann gern teilen ließt

Und brachst die Kleidung ab,

Und deine Körperteile

Fielen links und rechts von mir zur Seite,

Und die Augen,

Die ich von dir übrig ließ,

Vergaß ich nicht und fasste sie in schöne

Diamanten.

 


 

Aufschläge 1082 - 1084

 

Wenn du mich annimmst,

Nimm mich, wie ich bin,

Denn der ich bin,

Der bin ich nicht,

Und immer werde ich in andrer

Haut erscheinen,

Und ich suche mich

Und finde mich am ehesten bei dir,

Und ist es doch ein Fremder,

Den du unter deinen Händen birgst,

Den du vor mir versteckst,

Bin ich es auch

Und auch zugleich dein Hilfeschrei,

Wenn du den Mord an dir

Entdeckst.

 

 

 

Es ist auch nicht, dass das Gewölbe,

Das uns überdacht,

Sich endlos dehnt,

Und gleich in meiner Nähe wünsche ich ein

Instrument, zu musizieren,

Und ich weiß, dass grad Gesänge dieser

Art in ferner Zukunft

Tag und Nacht ersetzen werden,

Und in Not lernst du die

Not zu lieben,

Und du läufst ihr hinter nach.

 

 

 

Man sitzt auf hartem Holzgestühl

Und dankt, ich weiß nicht, wem,

Und nicht, wofür,

Und kniet und lässt die Unfalltoten

Draußen einfach liegen,

Und man sieht, dass meine

Inschrifttafel, die doch meine Lieben zählt

Und die ich selber schrieb,

Die größten Lücken zeigt,

Und heilig sind mir diese weißen Fliesen,

Die man täglich putzt und scheuert,

Ehe man darüber geht und

Steigt.

 


 

Aufschläge 1085 - 1087

 

Der Windzug trug die

Feder durch die Tür,

Und bis ich dich erkannte,

Lagst du neben mir, ein

Sonnenfleck auf dunklem Boden,

Und ich griff ins Leere,

Und es war auch kein Geräusch,

Das mich verriet,

Und deine Windabhängigkeit konnt ich nicht fassen,

Und ich griff dich heftig erst,

Dann atmete ich tief, was noch im Raum war,

Ein.

 

 

 

Und hinter mir,

Du warst die erste, die es merkte,

Standen wasserklare Sterne,

Und du hingst sie zu,

Und mein Gesicht verschwand,

Und vor der Wand

Musst ich erfassen, was du botst,

Ich riss von dir die Dunkelheit,

Mit der du mich beschertest, ab,

Und viele sahen so die trocknen Zweige,

Deren weiß bemalte Spitzen

Nacht für Nacht im

Licht erblitzten.

 

 

 

Kaum konnt ich sehn, was sich im

Wasser tat, und Schattenfische huschten,

Und du klagtest hundertmal,

Ich sollt mich aus dem Fischschwarm lösen,

Und die Fütterung

Aus meiner Hand versandete im Uferlosen,

Und du warst mir doch ein zappelnd Fischweib,

Das mit mir im Becken

Schwamm.

 


 

Aufschläge 1088 - 1090

 

Auf dem Vorhof lagen weiße

Trümmer übergroßer Säulen,

Und das Fundament,

So sagte man, sei schief vom Anfang an gebaut

Und habe auch nichts senkrecht tragen können,

Und in einem Bruchteil war ein Haus verblieben, um den

Fall dann jedem, der es wünschte, zu erklären,

Auch, warum die Säulen einst die Fundamente

Hatten trägen können.

 

 

 

Drinnen war es warm,

Und Sonnenstrahlen wehten durch den Raum,

Und alle Teppiche, die sonst die

Schritte dämpften,

Hingen von der Decke,

Und, um dich zu treffen,

Schwammen wir sehr weit hinaus zur ersten

Sandbank,

Und du legtest deine Finger, uns zum Zeichen,

Hier zu schweigen,

Auf die Stirn,

Und wir gehorchten gerne

Und berichteten nur dir alleine

Und nur dir in deiner

Gegenwart.

 

 

 

Einerseits bemaltest du die Wand mit

Blumen, die in tausend Töpfen standen,

Andrerseits, und diese

Seite gab es nicht,

Verkörperten Geräusche

Qualvoll deinen Schrei nach Wachstum,

Und die tausend Hüte

Trugst du täglich auf der Wanderschaft,

Und immer weniger vernahmen wir von dir,

Je weiter sich die Gärtnerei von uns

Entfernte.

 


 

Aufschläge 1091 - 1093

 

Klar und gläsern bog sich über jedem eurer

Köpfe eine Glocke,

Und ihr spracht in eignen Farben, die die

Innenwände trugen,

Und so schient ihr rot und blau und gelb,

Und eine von euch

Frauen stillte gar ihr Kind,

Und, ich sah es auch, die großen

Bäume, ganz in eurer Nähe, die euch in den

Armen hielten

Und euch Männer waren,

Überdachten euer Haus aus bunten

Blasen.

 

 

 

Auch Momente gab es,

Da ich deinen Atem nicht mehr hörte,

Und mein Ohr lag eng an deinem Puls,

Und hörte wie die Trommeln schwiegen,

Und ich musste in dem Bergwerk neue

Schächte graben,

Bis ein Luftrohr kam,

Und laut vernahmst du endlich wieder meine Zeichen,

Und ich hörte ebenfalls aus weiter

Ferne leises Klopfen.

 

 

 

Ratlos blieb dein Augenblick

An einem meiner Augenblicke hängen,

Und im dünnen Faden,

Den das Tier der stummen Worte spann,

Schwang langsam hin und her die Schwere,

Und sie sank und sank und sank

Und blieb doch in der Mitte

Und entschwand, bevor der

Boden ihm Gelegenheit zur

Flucht gegeben hätte,

Aus den Sinnen.

 


 

Aufschläge 1094 - 1096

 

Letzten Endes

Quälst du dich umsonst,

Und sieh dir an, was von dir ist, im Spiegel,

Und du darfst die Wand, dahinter,

Ruhig fragen,

Und die Reflexionsschicht, die dein

Bild ermöglicht,

Löst sich doch schon auf

Und fällt mit dir zu Boden,

Und die armen Kinder

Drückst du tot mit dem, was dich verlässt,

Und deine Schönheit wächst

Und wird mit tausend Worten

Aufgewogen.

 

 

 

Wenn dich keiner sieht, hebst du die Brüste an

Mit beiden Händen

Und du küsst den Leib an seinen spitzen Enden,

Und du würdst in diesem Augenblick der

Welt verraten,

Wie man dich betrügt,

Wenns einer hören könnt,

Und lügst dich an

Und summst ein Lied,

Und wieder siehst du in den unscheinbaren Boten,

Der dich nicht berühren kann,

Und nähmst du ihn zu dir,

Ja, speisest du ihn auf,

Er bliebe nur das Teil von dir,

Das du ihm gönnst.

 

 

 

Der Mann,

Den du ins Zimmer führtest,

Kam dir recht,

Und seine weißen Federn,

Die ihm überall am nackten Körper wuchsen,

Wolltest du ihm lassen,

Und er dürfte ungeschoren, ja, du botst es an,

Sich aus dir tränken

Und sich seine Körner aus den Mulden holen,

Die du sonst verstecktest,

Wenn er dich nur für sein Vogelweibchen hielte,

Und der Käfig,

Der euch beide zeigte,

Klebte mir im leicht vergilbten

Fotoalbum

 


 

Aufschläge 1097 - 1099

 

So kam eine Kleinigkeit zur anderen

Und sie verschmolzen,

Und ich kannte dich

Und du erinnertest mich auch,

Und morgen würden wir uns erstmals treffen,

Und das Schlafabteil,

Das nur uns beide aufnahm,

Teilte auch zugleich

Und machte mich zum Hüter deines Schlafes,

Und zuvor, ich hätte schwören können,

War ich unter Plünderern gewesen,

Und aus deiner Nacht nahm ich mir alles.

Was ich brauchte.

 

 

 

Auf den Schwellen,

Die du täglich abschrittst, waren deine Spuren

Unnatürlich klein,

Und dauernd ließen dich die Reisezüge

Unterbrechen,

Und du musstest tausendmal

Auf völlig schwarzer Fläche

Eines Ölgemäldes

Stehen bleiben und den Abdruck deiner

Schuhe übertragen.

 

 

 

Drittens wohnten wir im selben Haus

Und waren unbekannte Künstler,

Und hier konnte man auf Anschlussgleisen reiten,

Und die Kommenden

Verfehlten absichtlich die Gehenden,

Und würden wir, wie manche es schon kannten,

Hier verbleiben,

Würden wir zum Personal,

Und keine schnellen Rehe

Dürften grasen,

Und die Jäger

Hätten nun auch anderes Getier in Wolkenfeldern

Zu erlegen.

 


 

Aufschläge 1100 - 1102

 

Es kam, wie ich im Sommer prophezeit:

Man stellte alte Stühle auf das Dach,

Es war die

Zeit vorbei, da man auf ihnen saß,

Und trotz der Brüchigkeit

Bestellten sie ihr Altenteil

Und ließen sich dort oben tragen,

Und die Wälder

Hatten manches junge Wild zu jagen.

 

 

 

Viel zerbrach in jenen Tagen unter meiner

Hand und wurde neu,

Und andernorts stand man nach Wasser an,

Das heilen sollte,

Und nicht einen dieser Tropfen

Konnte man letztendlich wirklich mit den Fingern fassen,

Und man gab die Feuchtigkeit an

Pflanzen weiter und begann die

Heiligkeit der Gärten

Auszurufen.

 

 

 

Manches Schuhwerk

Hatte nie den gelben Staub gefressen,

Und du schnittst mir aus behenden Ohren neue

Sohlen,

Und ich trug sie ständig im Gepäck

Und fand auf meiner Wanderschaft

In aufgebrochnen Koffern und in

Säcken und in Taschen

Immer wieder unbenutzte und zurückgelassene

Sandalen dieser

Art.

 


 

Aufschläge 1103 - 1104

 

Zwei gleiche Zahlen

Standen auf dem Blatt Papier,

Und du, das hörte ich, versandtest so, auf diese

Weise, deine Grüße,

Und ich konnte sie nicht lesen,

Und, was ich als Antwort hinterließ,

Verstandst du nicht,

Und beide standen wir vor der Plakette,

Die uns zahlenmäßig grob erfasste,

Und zur Sicherheit die gleiche

Zahl daneben schrieb

Und inhaltlich auf große unerforschte Flecken wies,

Ein Lied, das einst ein geisteskrankes Mädchen sang

Und das man pausenlos studierte.

 

 

 

Wenn deine glatten Ringe

Schräge aufeinander lägen, sagtest du,

Käm bald ein Schiff,

Das man verloren glaubte, wieder heim,

Und niemand war, den wir vermissten,

Und du standst am Strand

Und grüßtest in die Ferne,

Und du trugst ein Namensschild,

Damit man dich sofort entdecke

Und auch wüsste, wer du seist;

Sonst gingst du selten aus der Wohnung,

Und man kannte dich mit Namen,

Und Besucher kamen kaum,

Und deine Kranken,

Die du pflegen solltest, deren Schonung

Man dir anvertraute,

Hielten dich für den Patienten,

Und die Parks, die endlos schönes

Wetter produzierten,

Waren bis zur Regenzeit,

Die hier nie kam,

Geschlossen.

 

 


 

Aufschläge 1105 - 1107

 

Das Kleid der Könige

Entdeckte man nach tausend Jahren,

Und es war der Leib, den

Jadeplättchen bildeten, ein hohler Goldverband,

Der dir im Grab die Räumlichkeit

Erfand,

Und eines dieser Schilde hing

Von damals noch, an deinem Hals,

Zu zweit vertanzten wir den ganzen Abend auf der

Unbegrenztheit dieser

Fläche.

 

 

 

Als du dann, ein würdiger, ergrauter Mann,

Hoch in den Bäumen wohntest,

Und den kalten Frost mit einem

Mädchenkörper jagtest,

Ließ man dir auch noch den Wein,

Und grüne Blätter,

Dunkle Zweige,

Starke Ästen, die zum Schluss

Mit euch verwuchsen,

Durch euch drangen

Und euch ineinander brachten,

Würden sicherlich ein neues Lied im Volk begründen,

Und man sang schon immer eine unbekannte Melodie

Und suchte ihren

Ursprung.

 

 

 

Dann schenktest du mir eine Dienerin,

Und ich war unbeholfen,

Und ich sah ihr Dienen nicht,

Und sie befahl mir meine Wünsche

Und verlangte, dass ich ihre Dienerschaft verstand

Und machte mich zum Bettler,

Und die Augen

Hielt sie tags mit ihren

Händen überschattet,

Und ich zwang sie so zur

Unterwürfigkeit.

 


 

Aufschläge 1108 - 1110

 

Als ich den Reisezug betrat,

Erschrak das zweite Herz,

Das ich stets bei mir trug und welches einer

Frau, die in mir wohnte, schlug,

Und überall erblühten herbstlich schon die

Blumen,

Und mein Mund war gleich bereit, im

Kuss sich nun von mir zu trennen,

Und ich teilte mich und ging von mir.

 

 

 

Drüben, auf der andren Straßenseite griff ich in die

Hand, die sich im Zufall

Öffnete,

Und man bestand auf schnelle Zahlung dieser

Pflicht,

Und ich gewann doch nichts dabei

Und hielt mich fest

Und sang ein Kinderlied mit mir

Und konnte mich nicht von mir trennen.

 

 

 

Ich wagte nicht, von hier mich zu entsetzen,

Und ich hätte außerhalb der Nägel,

Die mich an die Bretter schlugen,

Kaum den Platz gefunden,

Eng an eng mit mir zu leben,

Und zur Abendzeit

Studierte ich die alten Lieder, die von

Doppelherzen redeten.

 


 

Aufschläge 1111 - 1113

 

In deiner Kunst ertrugst du nicht die Augen,

Und die Wand der Spiegel hatte keine

Schuld,

Und tief in jede Augenhöhle

Legtest du ein Glas, das beim Hineinschaun,

Nun ein Reißverschluss,

Sie wie zwei Leben fasste und

Zusammenfügte.

 

 

 

Der Tag verging,

Bevor wir uns entschlossen,

Und an diesem frühen Morgen

Traten wir zusammen,

Und es war, dass sich Bekannte,

Die sich lang vermissten, wieder sahn,

Und keiner sprach ein Wort,

Und jeder hing dem andren in den ausgestreckten Armen,

Und so blieben wir

Und ließen uns lebendig in die Steine

Schlagen.

 

 

 

Umgekehrt entstand ein See, so sagte man,

Weil früher Berge wanderten

Und schoben wahre Meere vor sich her,

Und in dein Abbild,

Dass man auf die Straße malte,

Traten andere, voll Sympathie für dich,

Und sie verschwendeten ihr

Blut bis unter

Steine.

 


 

Aufschläge 1114 - 1116

 

Ein ausrangiertes Puppenkind

Fuhr langsam in den Hafen,

Und du sahst ihm zu,

Und dich, das wusstest du, betraf es nicht,

Du warst zu alt, ein solches Liebesding im

Arm zu halten,

Und du wusstest auch, die Küste zu erreichen,

Bliebe dir nur wenig Zeit,

Und gäbe es dein Gott, dass dir ein

Platz zu ankern wär,

… du schwammst und schwammst und schwammst.

 

 

 

Aus deinem Suppenteller

Führte ein Vogelspur vom Tisch,

Und niemand war bei dir,

Mit dem du hättest teilen sollen,

Und dann gabst du dir die Hälfte ab

Und freutest dich, dass man noch

Mitleid mit dir kannte,

Und den Rest nahm dir ein

Unbekannter,

Dem du dafür zahltest.

 

 

 

Auf der Sonnenliege,

Die vom Tageslicht im Gras entstand

Und um sich griff

Und schon ein schönes Herz barg,

Hätte ich zu gern gelegen,

Und du sprachst mich an

Und ludst mich ein,

Und überall, wohin ich kam,

Warst du bereits in mir,

Und winzig nur war deine Hand und zart ihr

Knochenbild

Vor heller Glut.

 


 

Aufschläge 1117 - 1119

 

Im Blätterwerk des Weines blieben

Sonnenflecken hängen,

Und mit deiner rechten Hand strichst du durchs

Haar, es neu zu ordnen,

Und ich war der Berg, den eine Grünheit

Überwucherte,

Und du die Sammlerin,

Und deinen braunen Korb für eine Ernte,

Ließt du stehen.

 

 

 

Ein Schiff,

Das ganz und gar aus Glas gebaut, befuhr den

Fluss,

Und Passagiere konnt ich sehn als gingen sie spazieren,

Und das Kind in deiner Hand

Sprang hüpfend durch ein

Seil und schlug die Wellen,

Die ans Ufer

Spülten.

 

 

 

Sonst neigten sich die Zweige

Nur ganz selten,

So, als eine Stille mächtig in der

Krone lastete

Und sich dein Nacken

Weit nach hinten bog

Und ich dich stützte,

Deine Füße, die im letzten

Halt sich umeinander schlangen,

Wurden eins.

 


 

Aufschläge 1120 - 1122

 

Immer wieder wird ein Schrei der Angst die

Hand vor deinem Mund durchleuchten,

Und es brechen kleine Äste der

Verlassenheit hervor,

Und selten wächst daran ein

Blütenzweig,

Und irgendwann vergisst er seine Trockenheit

Und wird sich zieren.

 

 

 

Über meinen alten Schuhen

Lag ein grauer Staub,

Und ich erinnerte mich ganz genau

An deine festen Haare,

Die mit eignen Füßen um die Schultern liefen,

Und für meine Füße

Konstruierte ich die

Nachtlaternen.

 

 

 

Es war auch eine Zeit, in der die

Frauen sich verhüllten,

Und die Männer

Ließen es geschehn und waren ratlos,

Und die Forscher

Fanden etliche der Hüllen leer

Und wohl verlassen,

Und die Kriechspur mancher Wesen

Führte nicht in die

Behausung.

 


 

Aufschläge 1123 - 1125

 

So verging die Zeit und meine Zeit mit mir,

Und du beherrschtest dich und hattest keinen

Anteil,

Und der größte Teil von dir

Lag doch schon auf dem Tisch,

Und Einkaufstaschen, die du schlepptest,

Waren leer,

Und niemals würde deinetwegen noch so spät ein

Laden

Öffnen.

 

 

 

Jede der Stationen hatte einen Namen,

Den ich nicht verstand,

Obwohl ich lesen konnte,

Und es war verkehrt, dass man die Bilder

Immer wieder in vier Ecken rahmte

Und sie titulierte,

Und von dir verstand ich, dass die schnellen

Züge ihre Gäste

Lange schon nicht mehr befragten nach

Personendaten.

 

 

 

Als du mir den Rücken wandtest,

War die Kleidung nass im Schweiß,

Und in der Erde, wenig unter dir,

Befand sich eine alte Steinfigur,

Die dort verschüttet lag,

Und du warst Wünschelrutengänger,

Der von diesen Dingen nichts verstand,

Und eine Wasserader lag ja immer hinter dir

Und nicht darunter.

 


 

Aufschläge 1126 - 1128

 

In Dunkelheit stand ich am Fenster,

Und ein Vogeltier der Nacht schrie ohne

Unterbrechung,

Und es war die Sorge,

Die dich unnütz auseinander brach,

Und abgestürzte Trümmer

Lagen rundherum verstreut,

Und ich vermochte nicht sie dir zu

Numerieren.

 

 

 

Es trafen sich an deinem Bett die Boten,

Und sie mussten lange auf dich warten,

Und du sprachst von Pflanzen,

Die sie dir zu bringen hätten,

Und der Garten ringsumher

War leer,

Und wenn dein Schlaf die ersten Blüten

Treiben würde,

Könnte man dir alles nehmen, was noch wäre,

Und du zogst in eine Höhle, ganz aus

Stein, und maltest kleine Blumen auf die

Felsen.

 

 

 

Sicher war es auch verkehrt von dir, die Malerei auf

Packpapier zu bringen,

Und es gab kaum ein Motiv,

Das sich auf der Bewegtheit

Hätte halten können,

Und die Zeit, die das verhindert hätte,

Wartete vergeblich, dass sie eingeschlagen

Würde.

 


 

Aufschläge 1129 - 1131

 

Als du am Morgenfenster standst, fiel aus dem

Ring ein Stein,

Und du erkanntest wohl darin ein Zeichen,

Und ich musste deine Herzen zählen,

Und du hattest recht,

Von vielen, die du liebtest, fehlte keines,

Und dein eignes durfte ich nicht

Finden.

 

 

 

Dann riefst du laut nach mir und ließt die

Suche über alle Möglichkeiten schnell verkünden,

Und ich sagte dir,

Woran man mich erkennen könnt

Und ich würd immer deutlicher,

Je länger wir zusammenlebten,

Vor dir stehn.

 

 

 

Es war dir auch kein

Trost, als du von mir erfuhrst,

Dass du gefunden wärest,

Und die Dienerschaft,

Die dich umgab, war herrenlos,

Und du verschwendetest nicht deine Zeit auf sie,

Und letzten Endes

Waren viele liebe Tiere Einzelgänger,

Und sie bauten sich für jede

Nacht ganz neue

Nester.

 


 

Aufschläge 1132 - 1134

 

Ihr schlugt das Tuch der armen

Leute aus dem Stein und ließt es an der

Stange auf dem hohen Hügel wehen,

Niemand kam vorbei, den schönen

Faltenwurf zu sehen und Signale aufzufangen,

Die man hierhin sandte.

 

 

 

Draußen, wo sich die Giganten trafen,

War die Ruhe eine ihrer Waffen,

Und sie war so tödlich still,

Und täglich ließ man sie sich einmal unterbrechen

Und gedachte all der

Vielen, die am Rande lauschten

Und die Fäden dieser Stille

Spannen.

 

 

 

Dann fragte ich, ob man Gedanken sehen könnte,

Und es war der schnelle Weg des

Elektronenstrahls, der über einen Bildschirm

Huschte,

Und wir fanden diese Zeichen

Auch auf alten Siegeln,

Und in meinem

Kopf, das wusste ich,

Befanden sich die kleinen Kugeln überall

Und waren nicht graviert

Und auch nicht übertragbar.

 


 

Aufschläge 1135 - 1137

 

Du fragtest mich, warum das Tuch der armen

Leute in den Stein geschlagen wäre,

Und du sahst doch, dass mein Reisezug

In wenigen Minuten starten würde,

Und ich sagte nur, dass du es regelmäßig gießen solltest,

Und es käm bestimmt ein Abgesandter,

Der den Stand der Dinge

Von dir wissen möchte.

 

 

 

Was du auf dem Leib an Kleidung trugst,

War nicht die Gleichung, die mir fehlte,

Und es war ein Gen, das Antwort wusste,

Und es konnte mich nicht lesen,

Und Verständigung wie ich sie liebte, war

Unmöglich.

 

 

 

Wir hofften immer wieder auf den Zufall,

Der uns helfen könnte,

Und das Frühstück,

Das wir morgens regelmäßig nahmen,

Kam mir recht,

Und oft verbrachte die Gewohnheit

Jahrelang ihr Leben in der Zelle, deren Tür

Noch nie verschlossen war,

Und du trugst immer noch die Kleidung eines

Wärters.

 


 

Aufschläge 1138 - 1140

 

Verschiedentlich lag früh am Morgen eine

Reihe neuer Wörter auf dem Boden

Und verschoben sich und gaben ihren

Sinn nur frei an unscheinbaren Stellen

Und bewiesen so den

Unnutz ihrer Nützlichkeit.

 

 

 

Auch im Freien kam es vor,

Dass ich den Ausgang suchte,

Dass ich rückwärts in den Autospiegel

Schaute und mich vergewisserte,

Ob meine Wohnung wirklich leer war,

Und bei dir verstand ich nicht die unbemalten

Bilder.

 

 

 

In einer andren Stadt

Stand ich auf einer Brücke,

Und das Wasser

Spiegelte mich zweifach,

Manchmal dreifach, wider,

Und ich sah mich um und konnte den Verrat entdecken

Und erschlug die Brüder neben mir

Und zwang mich täglich zu marschieren,

Und ich hatte mich doch doppelt schon

Davongestohlen.

 


 

Aufschläge 1141 - 1143

 

Dagegen sprach, dass du vor deinem Haus

Und auf der Treppe saßt,

Und eine Kette lag im Weg davor und wand sich

Glied für Glied im Sand

Und heizte langsam auf,

Und wenn du etwas näher tratst, begann das

Schloss sich von allein zu öffnen,

Und du musstest doch die

Unbedachten

Warnen.

 

 

 

Wenn ich dich sah, entstandst du erst aus kleinen Punkten,

Und du setztest dich zusammen

Und verlorst doch völlig die Gestalt,

Aus der du kamst,

Und manchmal brachen Teile wieder ab

Und ich, so meintest du,

Sei wie die meisten anderen

Und völlig unsortiert.

 

 

 

Und als ich von der Reise sprach,

Fiel mir die fremde Rede leicht,

Und ihr verstandet diesmal jedes Wort,

Und als ich schwieg und euch berührte,

Wart ihr nur aus Kunststoff,

Und in euren Augen lief der

Film vergangener Minuten

Rückwärts.

 


 

Aufschläge 1144 - 1146

 

In deinen Briefen

Schriebst du immer wieder über aufgequollne

Leiber der Maschinen, über jene

Schwangerschaft der Kessel,

Und du lebtest unter ihnen,

Und sie hatten eigne Namen,

Und die Brote eurer Frühstücksrunde nahmen sie

Und teilten sie

Und legten alles dann zurück

Und tranken nicht

Und hießen dich,

Sie nicht zu stören.

 

 

 

Meine Briefe,

Die ich dir nie schrieb, beklagten sehr das

Metronom auf meinen Augen,

Und gefährlich war sein Schlagen

Für die anderen, die mir in offne Lider schauten,

Und es war doch ihre Melodie, der ich ein wenig

Sichtbarkeit

Verlieh.

 

 

 

Und zwischen diesen beiden Punkten lag das

Ende,

Und die Enden dieses Endes waren sie,

Und niemand konnte mich besuchen,

Und wer dennoch käme,

Käm zu mir,

Und würd ich diese Falle

Nur noch einmal öffnen,

Lauerte ich mir, das weiß ich,

Wie zuvor und endlos auf.

 


 

Aufschläge 1147 - 1149

 

Du siehst es gern, wenn sich das

Meer der Poesie an deiner Küste räkelt,

Wenn die letzten kaum gesprochnen Farben ohne

Hinterlassenschaft in weißen Sand versickern,

Und du stößt das zappelnde Getier,

Das liegen bleibt, ein wenig weiter mit den

Füßen,

Und auch diese Spur treibt mit dem

Wasser fort vom

Strand.

 

 

 

Nachts, das wusste ich, entließt du die

Gedanken, sich die Worte einzufangen,

Die sie brauchten, sich vor dir zu zeigen,

Und bei mir verspielten sie die Stunden

Und beraubten mich

Und ließen mich am Morgen ihren

Blinden bringen,

Und sie führten mich zu dir,

Und ich nahm die Gelegenheit zu

Klagen.

 

 

 

Eine Frau kam aus den Büschen,

Und sie war dem Leben weit entrückt

Und hungerte,

Und auch die tagelange Reise

Hatte sie nur wenig abseits von dem Weg gemacht,

Und vielen lag das Opfer auf den Schultern,

Und die Futternäpfe eures

Terrors

Waren täglich frisch gefüllt.

 


 

Aufschläge 1150 - 1152

 

Auf meinem Leib versteckt, befand sich der Prospekt

Und pries die Länderein, die dir zu Füßen lagen,

Und ich fand ein Fuhrwerk,

Das zwei Pferde zogen,

Und dir war die Landschaft

Kühl und trübe und verlassen,

Und die Einkehr

In die muntren Handbewegungen der Winkenden

Vertstandst du nicht,

Auch nicht, dass ich aus kleinen

Fensterscheiben sah und mir die Karte deiner

Schönheit zeichnete,

Und nichts brach sich vor

Scham den

Hals.

 

 

 

Die Zügel, die dir um den Nacken lief,

War viel zu lang,

Und vorn am Kopf hing sie mir als Girlande,

Und ich schmückte sie

Und richtete das Fest,

Und wir ergriffen dich und mich

Und ritten eine Nacht auf dieser

Schaukel.

 

 

 

Auch war die Zeit, da sich das

Schwarz und Weiß der Elstern aus den Bäumen löste,

Und es war ein Fallen und ein

Steigen ringsumher,

Und unbekannte Hügel störte nicht,

Dass wir uns bei den Händen hielten,

Und wir waren sehr verschwiegen

Und verschwiegen nichts vor uns.

 


 

Aufschläge 1153 - 1155

 

Du kamst zu uns,

Und schon im Nahen

Sahen wir dich sich von uns entfernen,

Und du kamst zu uns,

Und immer größer wurde die Distanz,

Und, als du vor uns standst, erkannten wir dich kaum,

Und klein zum Punkt schmolz,

Was du zu uns herüber riefst,

Und stolz warst du

Und warst dein Wagen und dein

Lenker und dein

Gast zugleich.

 

 

 

Mir genügte es, ein wenig auf dem Instrument zu spielen,

Und es war Musik nach alter Weise,

Und ein greiser Mann hieß mich,

So, wie er es aus seiner Jugend kannte,

Nur zum Selbstverständnis musizieren,

Und von ihm sprach eine Frau;

"Er ist ja noch ein Kind,

Er kann es doch nicht besser wissen,

Und es freut mich, wenn ihr so zusammensitzt

Und eure Zukunft

Noch einmal vorüberzieht."

 

 

 

Von verlassnen Städten

Hörte ich, dass ihre Trümmer neuen

Häuserbauten dienten,

Und es war, dass man die Reste

Numerierte und sortierte und vergrub,

Und wirklich baute man bald eng an die zerbrochenen

Paläste Hütten ganz aus Lehm,

Man hatte Dienerschaft

Und tafelte auf goldnen Rücken,

Und es herrschte jeder neben allen anderen

Alleine über sich.

 


 

Aufschläge 1156 - 1158

 

Du warst noch viel zu jung,

Als du dich schon von deiner Asche trennen musstest,

Und es ging dein Heim verloren,

Und die Bilder,

Die du von dir maltest, waren so:

Ein trockner Sand

Fiel dir aus deiner rechten Hand in deine linke,

Und, was diese Hand erfasste,

Ließt du in die rechte laufen und zurück,

Und dreizehnfach verringerte sich so die Habe,

Und es nützte nichts,

Dich zu beschenken.

 

 

 

An einem andren der nächsten Tage

Legtest du in deiner eignen Wohnung

Feuer,

Und es breitete sich nicht auf Nachbarhäuser aus,

Und deine Flammen blieben kalt

Und auch die edelsten Metalle schmolzen nicht,

Und keiner kam,

Dies Fest mit dir zu

Feiern.

 

 

 

Selten hattest du in Wahrheit Gäste,

Die du auch bewirten durftest,

Und man lud dich oft

Und aß von dir

Und war dabei nicht roh

Und fragte, ob man dich probieren dürfte,

Und es sprach ja keiner deine Sprache,

Und es fehlte viel an dir,

Wenn du dich mühsam neu

Zusammensetztest.

 


 

Aufschläge 1159 - 1161

 

Im Suchen

Tastetest du an der weißen Wand,

Und keine Tür entstand und auch kein Durchgang,

Und es schob sich tödlich kalt der Knauf in deine

Hand

Und ließ sich sinnlos drehen,

Und es war das Laken

Frisch gespannt in deinem Bett,

Und du lagst drauf.

 

 

 

Du fasstest auch den kalten Marmor an

Und ungewöhnlich schien dir die Begegnung,

Und der Hammer und der Meißel,

Die danebenlagen, schlugen voller

Glut in das Gestein,

Und niemand zeigte dir, die Hand zu führen,

Und der Funkenflug

Berührte deine

Augen.

 

 

 

Dann trafst du dich in einer Straße und erschrakst,

Und andrerseits

Erkanntest du dich überhaupt nicht wieder,

Und du fragtest nichts

Und du begrüßtest nicht dein Gegenüber,

Und ihr gingt vorbei,

Und heimlich ließt du später alle Spiegel töten,

Die dir Wahrheit brachten,

Die dich zum Gespött der Leute machten,

Und verzogst in große

Sonnennähe.

 


 

Aufschläge 1162 - 1164

 

Schon früh am Morgen

Irrte ich durch liebgewordene Gewohnheiten

Auf schmaler Kante meines Tagesmondes,

Der am höchsten Himmel stand,

Und das war mir gewiss:

Die abgestreiften Ketten

Würden nicht verzichten

Sich erneut um meinen Hals zu betten,

Und die Sonne stünde wieder

Über mir.

 

 

 

So ging ich tief gebeugt,

Und irgendjemand reichte mir ein Holz, um mich zu stützen,

Und es war ein Kind, das nur in Sorge war um seine

Sandgebilde,

Und es ahnte nicht, dass Kind,

Und Sand und das Gebilde allesamt mein

Handwerk waren,

Und den Stock als Stütze

Musste ich mir selber

Reichen.

 

 

 

So verlor sich mein Gefühl für mich

Und ließ mich sein,

Und viele Drähte,

Die sich sonst in meiner Nähe spannten und

Signale transportierten,

Funktionierten nicht und rissen durch

Und hingen bis zur Erde,

Und das Grundstück, das mich lebte, zeigte Wildwuchs,

Und versiegte bis zur

Unbegehbarkeit.

 


 

Aufschläge 1165 - 1167

 

Du teiltest dich

Und hängtest deine Liebe in den Baum, zu trocknen,

Und du überließt dich mir auf mein Verlangen,

Und es war mir gleich,

Und nur Sekunden

Zerrte ich an deinen Zweigen,

Die sich nicht bewegen ließen,

Und es rissen auch die Arme unter meiner Last,

Und nichts war,

Das ich zu beklagen hätte.

 

 

 

Deine Ringe waren golden

Und sie fassten deine Augen ein,

Die blitzten aus den edlen Steinen,

Und ich sprach mit ihnen,

Und sie stimmten mir in allem zu,

Und deine weichen Körperlinien waren mir genug,

Und was du sahst 

Und was ich sehen konnte,

Trug ich in die Schmuckkassette,

Und ich schloss dich zu.

 

 

 

Wenn ich dich zu mir bat,

Wenn sich mein Rücken nach der

Rundung alter Bäume sehnte,

Wenn auf meinem Nachttisch

Deine Monde spielten,

Wenn du dich, bevor du kamst,

Schon zu mir legtest,

Also, wenn ich nichts von dir in meiner Nähe fand,

Gestand ich deinem Schiff, das über kurze

Wellen fuhr,

Den blinden Passagier an

Bord.

 


 

Aufschläge 1168 - 1170

 

Ihr wart zu zweit und noch im freien Raum

Und ließt euch ruhig treiben,

Und ihr wart zwei Frauen,

Die sich vor den Versen, vor den

Zeilen der Entdeckung fürchteten

Und flüchteten,

Und jede hielt sich an der Hand

Und könnte doch die

Reihe ungereimter Worte selber schreiben,

Und ich ließ das ganze Bild,

Wie ihr es zeigtet.

 

 

 

Es warnte mich ein Horoskop vor

Glück und vor Vertrauen,

Und das Feld des unbekannten Bauern

Pflügte man in Kreisen um die

Insel ganz aus Steinen,

Und in Wahrheit

Wurd mein Name kalt

Und ließ sich in die Erde fallen,

Und es waren große Siebe,

Die mir halfen.

 

 

 

Was ich dir zu sagen hatte, schrieb ich auf,

Und meine Speise

Musste schnell verzehrt sein,

Und ein Bettler kam

Und war im Dienst der armen Leute,

Und er konnte nicht für andre essen,

Konnte nicht für andre leben oder sterben,

Und die Gärten meiner Worte

Schienen ihm nicht hell genug,

Und, wie ich später hörte,

Kamst du oft, wenn man dich eilig rief,

So, wie du warst.

 


 

Aufschläge 1171 - 1173

 

Man wollte, dass sich die Maschinen die dein

Innerstes bewegten,

Auch nach außen zeigten,

Und man sprach nicht von Organen,

Die ersetzbar waren,

Und in jeder Zeitung stand in diesem

Herbst zu lesen,

Dass die Sommerhitze

Schon vor Wochen schrecklich ihre Trockenheit

Verbreitet habe,

Und für Steine

Wäre dieses eine gute

Zeit gewesen.

 

 

 

Dann saßt du in dem schönen Kleid

Mir gegenüber auf der Bank,

Und, wie ich gestern hörte, würde auf den

Gleisen zwischen uns

Der Schwarzrand einer Sonnenfinsternis vorübereilen,

Und im Scherenschnitt

Erkannte ich tatsächlich erst

Im Gegensatz zum weißen Bogen,

Dass du unbekleidet warst.

 

 

 

Auf der Erde lag das Stroh, an welchem jene

Körner hoch gewachsen waren, die das

Brot der Sorge schufen,

Und die Künstler

Fraßen sich an allem satt,

Und unsre Betten

Waren auch ein Teil der rostig braunen Brücken,

Die sich nur nach oben wölbten,

Und ich läge gern in deinen Mulden,

Mich im Stroh zu

Betten.

 


 

Aufschläge 1174 - 1176

 

Mit den Birkensamen

Baute sich in deinen Haaren

Punkt für Punkt das Scherengitter auf

Und ließ sich leicht bewegen,

Und die Finger, die sich

Korn um Korn herunter pickten,

Hörten nur noch ganz entfernt den

Riegel einer Falle

Schnappen.

 

 

 

Deine Hände flochten sich den Zopf,

Du hieltst, ganz leicht geneigt,

Mir dein Gesicht entgegen,

Und in Wahrheit

Gabst du oft in einer Rückenlage deiner Augen

Deine Liebe

Fort.

 

 

 

Eines Tages wuchsen weiße

Blindenstöcke regelmäßig an dem Weg

Und konnten mich nicht führen,

Und ich sah sie nachts,

Und wenn ich rückwärts ging,

Erkannte ich, woher sie kamen,

Und ich war doch blind,

Und niemals gäbe ich dem toten Holz

Von meinem Namen ab,

Um mich zu rufen.

 


 

Aufschläge 1177 - 1179

 

Auf einer Balkenwaage

Stand in rechter Schale lichterloh ein

Traum von dir in Flammen

Und war größer als das Haus,

Das ihn zuvor entlassen hatte,

Und verzehrte sich und wurde leichter,

Und zur andren Straßenseite neigte sich das

Gegenüber,

Und im letzten Augenblick

Erkannte ich den

Sturz.

 

 

 

Es galt auch wenig,

Dass sich alles über dich ergoss

Und jeder kannte dich in deiner roten Bluse,

Und in Wahrheit

Floß schon heute mancher Fluss in voller Absicht

In die falsche

Richtung.

 

 

 

Wenn ich meine Demut

Manchmal zeigen musste,

Wenn ich mich verborgen hielt

Und offen falsche Götter in Gehegen fütterte

Und mich vermisste,

Wenn ich also unter meinen Thronen

Wählen sollte,

Grub ich, um mein Dienen zu beweisen,

Nur ein wenig Taschengeld besitzend,

Eure Gärten um,

Und ich blieb pünktlich, stündlich, euer

Glöckner.

 


 

Aufschläge 1180 - 1182

 

Es war ein Liebesdienst,

Den du erbrachtest,

Und du fragtest nicht nach Liebe,

Und den Dienst würd niemand wagen außer dir,

Du nahmst den Stein,

Der halb schon mit dem Lehm verwachsen war,

Und gabst ihn wieder in die

Berge.

 

 

 

Vieles tatst du so

Und manches war verkehrt,

Und mit der Post erklärte dir ein Mädchenkind die

Schwangerschaft aus der Gewalt des eignen

Vaters,

Und es schrieb auch von dem Weib, das alles sähe

Und es schmähe,

Und es sei doch ungerecht, dass alle Felsen der

Gebirge talwärts rollten

Und sein Grauen

Rücksichtslos verdeckten.

 

 

 

In der Nacht schriest du im Traum

Und bliebst im Gitter stecken,

Welches man benutzte, groben Sand zu sieben,

Und an beiden Seiten zerrten Rabenvögel

An dem Bissen,

Und sie standen stundenlang hoch überm Waldesrand

In Kanten eines harten

Windes.

 


 

Aufschläge 1183 - 1185

 

Von uns aus konnte niemand zu uns sehen

Und, was unter uns geschah,

Blieb uns verborgen,

Und wir waren außerhalb,

Und langsam senkte sich die andre Seite unsres

Schaukelbalkens,

Und ein Glas schob sich mit seinem schrägen

Rand an meinen Mund,

Ich sah in das Getränk

Und fand die Oberflache

Ganz gerade.

 

 

 

Es standen alle Gläser auf dem Tisch,

In jedem spiegelte sich eins im anderen,

Und deine weißen Zähne

Hielten sich gesperrt,

Und wortlos irrten deine Worte

Zwischen ihnen hin und her

Und ließen sich nicht fangen

Und in keines der Gefäße

Bringen.

 

 

 

Unsre Gäste gingen leer aus

Und verloren alles, was sie sich noch wünschen würden,

Und beluden sich

Und trugen gegenseitig Last zu ihren Lasten,

Und ich wartete

Und kannte auch den

Weg, auf dem sie kommen mussten,

Und sie sahen mich

Und sprachen mich,

Und meine Kompassnadel

Drehte sich sofort in eine falsche

Richtung.

 


 

Aufschläge 1186 - 1188

 

Du wartetest den ganzen Winter

Auf die armen Tiere,

Und du suchtest selbst ein Heim,

Es war der Vorhof, wo dir Zeit verstrich,

Und drinnen, in dem Schlossgebäude

Hattest du genügend Zimmer,

Die du viel zu schnell mit deiner Armut

Fülltest.

 

 

 

Als die Wärme später Tage spürbar anstieg,

Gönntest du dir einmal nur den unverschlossnen Käfig

Und du saßt darin,

Noch viel zu unentschlossen,

Und du hattest es verlernt den Dreifuß deiner

Schusterlehre zu gebrauchen.

 

 

 

Als die Stürme endlich tobten,

Wurdest du zum Spielschiff für die Kinder,

Und sie hingen alle an der linken Seite deines

Rockes,

Und sie hielten sich und neigten sich in Atemlosigkeit,

Und deine Rufe standen rechts im Raum,

Und in der Halle konntest du die

Säuleninschrift längst vergangner Tage

Endlich deuten.

 


 

Aufschläge 1189 - 1191

 

Täglich sah ich wie du in der Liste deiner

Liebe neu radiertest,

Und der Dorfplatz barg nur wenige der Stände, die dir

Ware boten,

Und du hattest Diener,

Die für dich bezahlten,

Und es war, wie man in ungeschriebnen Büchern

Lesen konnte,

Wirklich wahr, dass sich die kahlen Winterbäume gerne

Krähentiere in die

Äste setzten.

 

 

 

Dort begegnetest du auch den abgestorbnen Statuen,

Und viele Leute tränkten sie

Und hatten Hoffnung,

Und die Kinder fingen sie

Und sperrten sie in Käfige

Und waren stolz auf ihre Sammlung,

Und es war, dass einige der Kinder

Überlebten.

 

 

 

Neben dem Gemüse,

Das du feilhieltst, hattest du ein Tagebuch kopiert

Und fragtest laut nach Käufern,

Und hier schriebe jemand, der die weißen

Fliesen dieses Marktes

Sauber hielte

Und die eingravierten Namen

Dauernd überprüfe und auch revidiere,

Und normalerweise könnte man von diesen Dingen

Nirgends etwas lesen.

 


 

Aufschläge 1192 - 1194

 

Von weitem sah ich dich mit den Gesichtern blasser

Frauen segeln,

Und dich trieb ihr Wind sehr stark,

Und sie erfassten dich

Und zwangen ihren Willen dir zum Herrn

Und ließen dich in allem über sie bestimmen,

Und du musstest dich nun auch in allem in sie teilen,

Und du lebtest ganz allein,

Und oft begegnete ein blasses

Segel deiner

Irrfahrt.

 

 

 

Wenn du diese eine Straße,

Die sich zwischen eure Städte legte,

Überquertest,

Musstest du dich ganz verlassen

Und du bliebst zurück,

Und drüben trafst du dich

Und kanntest dich genug, dir zu begegnen,

Und an Feiertagen

Gabst du die Verbindung auf

Und fügtest dich zusammen,

Und du blättertest in

Jugendbildern.

 

 

 

Lange war in dir die Überlegung

Unter einem Schirm zu leben,

Und du hattest ja das helle Leinen schmaler

Frauenhände,

Und die feinen blauen Adern

Könnte man als Speichenrad

Verwenden,

Und du wusstest auch,

Dass dich der schwere Stahl,

Der dauernd auf dir ruhte,

Nicht entlassen würde.

 


 

Aufschläge 1195 - 1197

 

Der Spiegel zeigte alles außerhalb

Und auch, dass Regen fiel,

Und innerhalb blieb alles trocken,

Und der Montag

Sollte allen gelten, auch den Vielen, die den

Montag

Längst vergessen hatten

Und in ihren selbst gebastelten Maschinen

Überleben lernten.

 

 

 

So gering war mein Vertrauen,

Dass ich nicht an dieses kleine Wunder

Glauben konnte,

Und es war doch nur die Unterschiedlichkeit,

Mit der man sah,

Und ich vertraute meinem Gott und einem Wasserglas

Auf meinem Tisch,

Und ihr schwurt mir, dass Universum hier,

In dieser Plasmablase

Eingefangen sei.

 

 

 

Als ihr das Kartoffelkraut verbranntet,

Schmerzte es mich nicht, dass Flammen

Mich umschlossen

Und die allzu trocknen Äste meines Augenblickes

Feuer fingen,

Als ihr also Abschied nahmt

Und dieses Haus noch kleiner wurde und die

Räume sich nun endlos dehnten,

Gab ich meine neue Freiheit zur Versteigerung

Und musste alles überbieten,

Um mich

Freizukaufen.

 


 

Aufschläge 1198 - 1200

 

Es war doch eine Frauenstimme, die das

Tageslied begann,

Und überall entstand die Frühe,

Und der Handel

Um die nächsten Stunden

Wurde heftiger,

Und auch zugleich gewann der Sang an Deutlichkeit,

Und von dem Marktstand

Flehte er:

"Lasst frei den Tag,

Lasst los den Tag, "

Und:

"Löst den Tag nun endlich ein."

 

 

 

An mir vorbei schob sich der Schaukelflug, das

Auf und Nieder eines Weiß- und schwarzgefleckten

Vogeltieres,

Und es war ein Teil des Liedes,

Das wir grade sangen,

Und die Strophen

Drückte uns der Sturm zurück in unsre Münder,

Und von dort war es nicht schwer, das Nest

Hoch oben in dem Wipfel zu

Erkennen.

 

 

 

Weit entfernt bewegte sich ein Reifen,

Wie man ihn benutzte,

Kinder für uns Menschen einzufangen,

Und er war allein

Warf lange Schatten weit ins Tal,

Und Eltern

Banden ihre Kinder an an ihn

Und warteten auf den Beginn der

Reise.

 


 

Aufschläge 1201 - 1203

 

Es war in einer Nacht,

In der ihr mit den Kindern feiertet,

Und auch die Kleinen

Hieltet ihr beim Tanzen in euren Armen,

Und der Augenblick schob an der Zeit,

Und wirklich konnte man die Kinderträume durch die

Spalten angelehnter Türen nun

Belauschen.

 

 

 

Man stickte auf das blaue Tuch der

Tagesdecke, falls es einer sähe,

Winzig kleine weiße Blumen,

Und die Nadelstiche blieben sichtbar,

Und der Waldesrand,

Im Irgendwo verborgen,

War vor diesem Kinderzimmer

Nicht zu finden.

 

 

 

Das Grün der Blätter

Wurde nachts betrogen von dem Mondlicht,

Und vor meinem Bett fand ich des Morgens,

Die im Traum erschlagnen Träume,

Und ich stellte mich als Räuber und als Mörder,

Und es war nicht durchzukommen

Durch die frische

Wildnis.

 


 

Aufschläge 1204 - 1206

 

Die beiden Mädchen

Spannten mit den Armen

Und gemeinsam einen Bogen,

Und es sehnte sich mein Leben,

Das ich unter einer Brücke führte,

Nach dem Leben,

Und bis hier sprach man von einem Wundergarten voller

Schattenspiele,

Und ich saß doch unter denen, die die

Puppen

Führten.

 

 

 

Viele Kinder wurden vor dem

Wald von Bären

Überfallen und zerrissen,

Und in einem alten Buch las ich von einem Fluch,

Der lastete auf ihnen, 

Es war wirklich so, dass sich nur nachts,

Und auch nur zwei der Tiere, an dem Himmel trafen,

Und die Kinder

Ahnten nichts von ihrer Existenz,

Und ich erzählte ihnen viel von nie gelebten

Leben.

 

 

 

Manche Teile, die dem

Tag ganz unbemerkt verloren gingen

Oder abgeschlagen wurden,

Landeten bei mir

Und eng und enger wurd der Augenblick,

Die Möbel repariertest du

Auf beinah gleiche Weise,

Und die Nachricht,

Die wir suchten,

Gaben wir zu gleicher Zeit aus unsren

Händen.

 


 

Aufschläge 1207 - 1209

 

Es legen sich die Ringe einer Trauermelodie um dich,

Und im Gespräch erfährst du,

Wie sich alles selbst verrät,

Und Fleisch, so hörst du,

Schneidet sich aus seinem Fleisch,

Und Leben

Schneidet sich aus seinem Leben,

Unter uns lebt nicht der Tod,

Und sein Zuhause garantieren

Wir.

 

 

 

Eines dieser kleinen weißen Taubentiere blieb

Und war doch grade deiner Stirn entflogen,

Und es sah an dir empor,

Und, als du dich zum blanken Kiesel bücktest,

Kam ich dir zuvor und trat den

Stein tief in den Sand,

Das Meer im Hintergrund

Schrie auf und ließ dich nicht auf

Wellenkämmen landen.

 

 

 

Es fehlte dir an Bildern,

Die dich zeigten und dich schützten,

Und wer dich vergrößerte,

Würd dich nicht treffen können,

Und von dir aus reichte es, an

Nachbarzügen die Geschwindigkeiten zu vergleichen,

Und die Kollisionen

Könnten nie genau erkennen,

Wer nun wen zuerst getroffen hätte,

Wer nun wen beraubte.

 


 

Aufschläge 1210 - 1212

 

Die Eingangstür war überdacht,

Und deine Gäste sollten hier empfangen werden,

Und du bliebst allein,

Und deine Hand, die andre Hände schüttelte,

Griff ausgestreckt ins Leere,

Und du klopftest lange,

Und du lenktest auch die Schüsse,

Die euch jagten, in die Erde,

Und man ließ euch trotzdem draußen

Stehn.

 

 

 

Viel zu oft war eine Sperre,

Die man öffnete, das Ende eines Weges,

Und von andrer Seite bog man Sträucher,

Die noch hinderten, beiseite,

Und die glatte Straße

Tat sich auf,

Und wirklich lebte einzig noch der

Mittelpfeiler

Einer alten Überbrückung.

 

 

 

Würde ich von Liebe sprechen,

Oder säße ich nun in der Reihe gleicher Uhren,

Die sich um die gleiche Zeit bemühten,

Wer, so frage ich, könnt mir die ungesehnen

Sternenbilder deuten,

Wer, so frage ich, begäbe sich zu mir,

Dass ich mich an ihn wendete.

 


 

Aufschläge 1213 - 1215

 

Viele Räume waren in der Wohnung,

Und wir wohnten nur in diesem einen Raum,

Soldaten gab es,

Die uns überwachten,

Und sie würden uns entlassen, wenn wir wollten,

Und zur Heimkehr

Auf uns schießen,

Und wir konnten doch das Losungswort,

Das ihre Kugeln in die Lüfte schrieben,

Gar nicht wissen.

 

 

 

Viele standen an den Fenstern,

Und man sagte, dass der Tod

Sich mehrfach töten ließe,

Und dies sei ein Schauspiel ohnegleichen,

Und der Regisseur entwarf ein Bühnenbild,

Das viele Menschen in den Fenstern zeigte,

Und die Taschen deiner Heimkehr

Blieben leer.

 

 

 

Später sah ich die versteinerten Geschenke

Aus der Jugendzeit, die in

Regalen standen,

Und wir wussten, dass die Heimkehr

Viel zu lange währte,

Und vor meiner Haustür lagen Meilensteine,

Auch aus einer Jugendzeit,

Die wurden von den

Wachmannschaften

Regelmäßig grell und leuchtend weiß

Gestrichen.

 


 

Aufschläge 1216 - 1218

 

Du übtest deine Kunst mit undressierten Tieren,

Und du füttertest mit dem Klavierspiel

Nachts die Sterne und die vielen Bilder,

Und sie gaben deinen

Räumlichkeiten ihre

Weiten.

 

 

 

Auf die Sitzbank legtet ihr die Zeitschrift,

Und die Seiten gaben ihre

Druckerschwärze und die Farben ab,

Und als ein hochbegabtes Kind daneben saß,

Sang es sogleich die Noten dieser reinen

Blätter,

Und wir hörten vielfach seine Stimme

Durch uns gleiten.

 

 

 

Später batst du deinen Garten um Verzeihung,

Und du lebtest doch in ihm

Und spanntest Wäscheleinen hoch,

Und du behängtest sie als Flaggenzeichen,

Und sie hüllten alles ein

Und schützten dich in ihm,

Wenn du, getrennt von ihm,

Dich in ihm leugnen musstest.

 


 

Aufschläge 1219 - 1221

 

Langsam wuchs die Hecke meines Rückens

Wieder zu,

Und wenn die Stille schwieg,

Drang auch zu mir das Zwitschern

Grüner Spatzen,

Die dort nisteten,

Und keiner dürfte hier die Fäden ziehen,

Die mich an die jungen Vogeltiere

Banden.

 

 

 

Auch sagte man, dass meine Dummheit

Grade reichte

Wildgehölze unsres Gartens zu zerschneiden,

Und man hatte recht, denn meine

Ohren waren taub

Und schraken auf bei jedem Laut,

Sie hörten nur die Schnitte, die in

Nachbargärten wuchsen, wo man alle Opfer in die

Kirchen trug

Und sie auf Bahren

Bettete.

 

 

 

Eine Frau, die du am Abend

Kennen lernen solltest,

Durfte jetzt schon durch die Reifen deiner

Neugier springen,

Und sie setzte diese Kränze selbst in Brand,

Das Feuer schlug im

Augenblick des Durchsprungs über deine Zunge

Auf euch drei:

Die Gegenwart, die Neugier

Und die späte Stunde.

 


 

Aufschläge 1222 - 1224

 

Ich sah das Bild, das dich als Tänzerin am

Rande einer Badewanne zeigte,

Und es fehlte dir, wie diesem Instrument, der Anschluss,

Und ihr wart in Partnerschaft

Und stahlt den Brunnen von der Oberfläche

Alles was sie sahen,

Und es ahnte niemand eure Tiefe.

 

 

 

Jede Tasse, die du leer trankst,

Füllte sich vom Boden her,

Und auf der Mauer stand ein König,

Der erfuhr in diesem Augenblick den Tod von seiner Krone,

Eine Frau erzählte ihm, dass nun die

Armut seines Landes kleine Kinder

Schlachte und verzehre,

Und man suche nach dem Trinkgefäß des

Königssohnes.

 

 

 

Schon morgens mischte sich die Sucht nach hohen

Türmen und,

Am andren Ende eures Frühstückstisches, nach verstaubter

Erde in das Essen,

Und aus beiden wuchsen

Schlösser, deren Schlüssel ihr zuvor

Verschlungen hattet.

 


 

Aufschläge 1225 - 1227

 

Man rief dir immer wieder zu:

"Wach auf, wach auf, "

Und Schlaf, wie wir ihn kannten,

Konnt dich nicht erreichen,

Und ein Forscher

Lebte jahrelang im tiefen Eis des Pols

Und brachte nichts mit heim als eine Sammlung,

und er bot nun aller Welt zum

Kauf das umfangreichste

Sortiment an Schlaf

an.

 

 

 

Dass ich dich nahm, war dir nicht recht;

Du sagtest auch, es müsst so sein,

Und wolltest wenigstens auf einer Decke liegen,

Und du brachst den Koffer meiner Heimlichkeiten auf

Und zogst den Wintermantel,

Den ich lang vermisste, gleich daraus hervor

Und decktest damit zu die

Richtungsschilder, die ich brauchte,

Mich zu orientieren.

 

 

 

Du sprachst in einer fremden Sprache,

Und man konnte dich verstehen

Und du legtest doch die Worte, die du trugst,

In meiner Nähe ab

Und warfst sie an den Kleiderhaken,

Und die Sprache, die ich sprach,

War fremd,

Und jeder konnte sich aus meinem

Wäscheladen selbst

Bedienen.

 


 

Aufschläge 1228 - 1230

 

Oben, an dem Ende einer Treppe saß dein

Kopf,

Auf dem Geländer, etwas höher,

Saß ein andres Haupt von dir,

Und häufig gingen dir die Welten so verloren,

Und der Kopf war blutig und von langen

Nägeln durch die Stirn gestochen,

Und das andre Haupt war heil und führte nichts

Und war allein,

Und auch die Rümpfe

Irrten irgendwo umher.

 

 

 

Man rief in alle Straßen,

Und man bat um Unterstützung für die

Dinge, die ins Erdreich sinken,

Und man machte so den Untergang

Zum festen Fundament,

Die Jugend ließ nicht ab,

Sich motorlose Segelschiffe

Immer wieder nachzubauen.

 

 

 

Auch die Frauen strickten einfach ihre

Zeugnisse der Liebe selbst

Und kamen so ins Leben

Und verkauften nichts,

Weil nichts davon mit irgendetwas

Zu bezahlen wäre,

Und sie suchten alles zu verschenken,

Und die letzten Mittel einer Heilung

Ließ sie an dem Liebesmarkt

Ersticken,

Und sie freuten sich,

Nun endlich heimzukehren.

 


 

Aufschläge 1231 - 1233

 

Du warst mir Brief an mich,

Und deine Worte waren meine Zeilen,

Und ich sandte dich zu mir,

Ich sandte dich an mich, ein Liebesspiel,

Das dich für mich zum Boten machte,

Und von allen Briefen,

Die ich an dich schrieb, erfuhrst du nie ein Wort,

Wir standen eng an eng in unsren engen Häusern

Und berührten uns,

Und nicht einmal ein Trinkgeld

Gabst du dem

Gesandten.

 

 

 

Deine Leiden zeigtest du ganz unverhohlen,

Und sie blieben auf der Bühne liegen,

Und uns störte die Verlorenheit,

Die übrig blieb, und Ärmere als wir

Versuchten sich noch Schätze

Von dort abzuholen,

Und ein Mädchen

Saß nun gänzlich unbekleidet auf der Eisenleiter,

Und es war der Rost,

Der sie gefährdete.

 

 

 

Alles, was uns halten, binden sollte,

Machten wir aus Gold,

Und allem, was uns schützen sollte, hängten wir die

Amulette um,

Und diese brauchten nicht aus edlem Sinn zu sein,

Und alle Nägel,

Die mir meinen Leib zerstachen,

Sah ich nicht und wollt sie auch nicht fühlen,

Und man sagte von dem Bösen Blick

Er sei ein Wilderer, der unter andren

Wildrern

Jage.

 


 

Aufschläge 1234 - 1236

 

Man konnte uns die weit entfernten Sternenräder zeigen,

Und die rechte Hand, an der sich die

Juwelen priesen,

Zog ein überschneller Muskel aus dem Licht,

Und übrig blieb von dir ein Glitzern,

Das aus morgendlicher

Asche brach und stach,

Und rundherum war alles abgedeckt im frühen

Nebel.

 

 

 

Du hieltst ein Buch in deinen Händen,

Und vor Armut blichen schon die Zeilen aus,

Und nur am Ende,

Auf der letzten Seite, blieb ein

Preis noch deutlich stehen,

Und er hatte dreifach dir den

Hals gebrochen:

Gold blieb nur als Spiegelung, die

Mädchenehre stahl ein längst vergangner

Wilderer,

Und Sternennächte konntest du von Anfang an

Alleine finden.

 

 

 

Du warst so sehr verspätet,

Und du wolltest dich alleine treffen,

Und die Frau an deiner Seite blieb zurück,

Blieb stehn

Und ließ dich ungern frei,

Und aus der ersten Dunkelheit

Ergriffst du sie und spanntest dir das

Netz im Netz aus ihrer Gegenwart,

Und ihre Arme hingen schlaff herab,

Und frauenartig schmiegte sich ihr

Unterleib in deinen,

Und im Rücken

Stützte euch der Abstand

Zweier

Nachtlaternen.

 


 

Aufschläge 1237 - 1239

 

Es stachen dich die scharfen Kiesel,

Und du dachtest lange an die Worte wie:

"Warum," "Weshalb," und "Lohnt es sich, die

Wunden eigner Schuld zu lecken,"

Und die Werke neuer Meister gaben dich nicht auf,

Und sie verpflichteten den Alltag

Barfuß weiterhin zu laufen.

 

 

 

Immer, sagtest du, seist du zu zweit,

Und einmal gäb es dich,

Dort, wo du dich befändest,

Und das zweite Mal wärst du schon außerhalb,

Dich zu betrachten,

Und zu Hause war es ähnlich,

Alles teilten wir in gleiche Hälften,

Wegen der Gerechtigkeit, und,

Was mir blieb von dir,

Das ließ ich irgendwo in einer dieser Stuben liegen,

Wenn ich ausging.

 

 

 

Meine Sonnenstrahlen konnte ich befahren,

Und das gelbe Morgenlicht

Wich nicht von allen abertausend Gleisen,

Die der Horizont in Händen hielt,

Es wich nicht von den goldnen Spießen,

Die mich auf die Erde stachen,

Und die Medizin

Verwendete das edelste Metall, um ihre

Steuerung

An völlig andrer Stelle mit Sensoren zu

Verbinden.

 


 

Aufschläge 1240 - 1242

 

In deinen Gärten harktest du die Zahlen deines

Tages bis zum Feierabend,

Und der Herbst warf viel von seinem Laub auf dich,

Und wärest du ein Blatt,

Ließt du dich über ein Jahrhundert der

Gedankenlosigkeiten tragen,

Und vom Leben alter Gläser, sagte man,

Es zähle doppelt.

 

 

 

Andre suchten überall nach Scherben

Und begriffen sie mit ihren Händen,

Und du kanntest hohe Berge, deren Risse

Waren weithin sichtbar,

Und man mied die Spalten

Und verstopfte sie

Und nähte große Mäntel,

Die sich um die Inseln legten,

Und von allem blieben nur die ausgeblichnen

Rettungsringe auf den seichten

Wassern schwimmen.

 

 

 

Ich entschied, dass sich mein Leben endlich nach

Stationen richten sollte,

Und ich fuhr zurück

Und teilte auf und ein,

Hielt an,

Und ich begann den Tag, der morgen kommen würde,

Ganz genau zu prüfen,

Und die kleine Fliege,

Die ich mit mir nahm,

Entkam schon tags zuvor.

 


 

Aufschläge 1243 - 1245

 

Irgendjemand musste mir mein

Leben ausgeliehen haben,

Auch mein Tod

Konnt mir nicht selbst gehören,

Und so war es:

Wenn die Kinder

Nicht mehr lachten, würden wohl die Steine reden,

Und du sollst die Dinge nach den Namen fragen.

Wenn sie sie nicht nennen.

 

 

 

Der alte Mantel,

Den ich so sehr liebte, ging in Fetzen auf,

Und viele trugen ihn nach mir,

Auch hatte ich ihn nie getragen,

Und ein Flusslauf drängte seine Wasser über

Unsichtbare Spalten,

Und die Fluten stürzten jedes Jahr einmal zu Tal,

Die Frau gebar ein Kind,

Und es war Erntedanktag.

Und sie wusste,

Bald würd sie den alten Flicken,

Wenn er nass und schwer genug geworden wäre,

Wieder auf die kalten Fliesen

Drücken.

 

 

 

Dann kam der winzig kleine runde schwarze Augenblick,

Der tags im Auge stand,

Und ließ dich unbewacht,

Und selbst dein Tagesschatten löste sich von dir

Und ging nun eigne Wege,

Und er kam nicht heim zur rechten Zeit,

Und irgendjemand hatte ihn auf seiner Flucht

Erschossen.

 


 

Aufschläge 1246 - 1248

 

Heut, zur Dunkelheit,

So war die Botschaft,

Sollte eines dieser Sternenbilder mitten durch mein

Zimmer gehn,

Und ich blieb wach und stehn, um dem Ereignis

Nah genug zu sein,

Und wirklich las noch spät nach Mitternacht

Die junge Frau aus meiner Hand

Und schrieb die Verse in den Himmel,

Und ich stieß mit meiner

Stirn daran.

 

 

 

Der Augenblick in dem man mich vertauschen würde,

Rückte immer näher,

Und je loser ich mich band,

Je häufiger verschwand ein anderer darin,

Und eines Tages

Würde ich mich nicht erkennen

Und ertrinken in der Milch, die aus den Brüsten

Meiner tausend Mütter

Nach mir spritzte.

 

 

 

Die tiefen Wasser ließen mir nicht

Luft genug

Und zählten die Sekunden, die ich blieb,

Auch zeigte sich bei mir nicht eines dieser Tiere,

Die uns auf dem Buckel dulden

Und zu retten suchen,

Und die Schwärme meiner Rufe

Standen viel zu eng,

Um einem nur die Freiheit zu

Gewähren.

 


 

Aufschläge 1249 - 1251

 

In deiner Kunst

Verwendetest du einen übergroßen Mund,

Der war aus Blech,

Du liebtest aber mehr das Tier

Und liefst dir deine Pfoten blutig, heim zu finden,

Und dem Mann, gefertigt ebenfalls aus Blech,

Entrisst du über diese eine

Quelle seines Lebens das Geschlecht

Und ließt ihn weiterleben unter seinem

Leben.

 

 

 

Du warst ein junges Ding,

Fontänen deines Überschusses stiegen

Tag und Nacht empor,

Und die Beklommenheit der Alten und der Stummen

Und der sonst so Neidischen

Ertränktest du

Und stahlst von jedem Stück um Stück,

Und eine Halle stand noch angefüllt mit Dampfmaschinen,

Und sie schwiegen,

Und das Rascheln irgendwelchen Kleingetiers

War überall zu hören,

Und kein Nagel hielt die

Warnungstafel an der

Wand.

 

 

 

Du ließt dich in der Bücherhalle

Vor dem offnen Fenster lieben,

Und es schauten Kinder zu von draußen,

Und es lag der Mann zerteilt auf dir,

Du nahmst auch seinen Schmuck

Und warfst ihn für die Kinder in den Garten,

Und sie suchten ihn,

Und was du dir behieltst von ihm,

War unsichtbar,

Und du entließt ihn unversehrt

Und unbrauchbar für

Haus und Garten und für

Zimmerpflanzen.

 


 

Aufschläge 1252 - 1254

 

Mit deinen Augen, sagtest du, säh ich genug,

Und ich sah nichts,

Und nur, was meine Augen sähen, sei genug,

So sagtest du,

Und weit entfernt erkannte ich ein Opernglas,

Das hielt ein langer Arm vor mich

Und zwar verkehrt herum,

Und nichts sah ich darin und kaum das Glas,

Und du standst gleich dahinter.

 

 

 

Dann flogen wir zur nächsten Stadt,

Und die Minuten, die ich auf dem Friedhof weilte,

Zeigte mir die Herrschaft der Ameisen,

Und ich sollte nicht verachten Kinderspielzeug,

Und die Tiere lebten nun schon fünfzig

Jahre.

 

 

 

Nichts sah ich darin, wenn meine

Augen hängen blieben,

Wenn die langen blonden Haare

Meer und Schiffchen spielten,

Wenn ein Lächeln,

Das mich traf, das Rot des Peitschenschlags um meinen

Hals warf,

Ich sah nichts darin, an diesem Faden,

Der mich festhielt, zu

Kristallisieren.

 


 

Aufschläge 1255 - 1257

 

Es wär wohl die Begegnung wert,

Und von dem kleinen Felsvorsprung

Stieg ich herab zu dir, dem sanften weißen

Rücken einer Morgenwolke,

Und es ließ ein unsichtbarer Fall

Mir Milch und Honig ineinander fließen,

Und es spielte Hand im Faltenrock

Verstecken,

Und dein Mädchenleib bog sich weit vor

Und frech zu mir und fiel mir in die

Sonne.

 

 

 

Und ich sprach von allerhand,

Und über mir, im Kreis der hingehuschten

Himmelsweißer, die ein Schwindel drehte,

Stand das Taubentier

Und zog den Bogen ohne jeden Flügelschlag,

Und von dort oben sah ich,

Wie ich deinen Fuß in meine Hände nahm

Und ihn versilbern ließ

Und fassen ließ zu meiner

Krone.

 

 

 

Alles währte, wie ich früher einmal sagte,

Nur den Bruchteil einer Panik,

Und es blieb das Seil, das meinen Hals

Schon viel zu eng umschloss,

Und meine Augen sahen auch den Draht,

Der rücklings durch die Hände stach

Und sie gefesselt hielt,

Und hier erhängten wir die Träume alter Männer,

Die in jungen Leibern steckten,

Gleich vor

Ort.

 


 

Aufschläge 1258 - 1260

 

Als du die Schranktür öffnetest,

Entdecktest du ein lang vermisstes Märchen,

Und es lagen die Figuren alle tot in ihren Betten,

Und nur eine Rose blühte auf in diesem Augenblick,

Und deine Kleidung trugen sie,

Und deine Wäsche

Hatten sie genommen,

Und sie lebten in der Wohnung so wie du

Und selbst dein eignes handgemaltes Bild,

Das du am Morgen erst beginnen wolltest,

Hing an ihrer

Wand.

 

 

 

Die Knöpfe deiner Jacke lösten sich,

Ein Faden, sah ich noch,

Verließ in Eile Loch um Loch,

Und einem Schiffchen, dem die Segel fehlten,

Stach ein schiefer Mast in Fahrt,

Und oft zerbrach die aufgeregte Menge

Stab um Stab,

Und im Gedränge

Ahnte niemand etwas von der Nähe all der

Menschen.

 

 

 

Vieles, was du ganz verschwiegst,

War offenbar,

Und rücklings sah man durch die Scheibe

Und erkannte dich

Und sah auch, dass dich Bilderbücher faszinierten,

Und die leere Faust, den

Kindern hingehalten,

Fraß man schnell in Neugier ab vom Baum,

Man gratulierte dir

Und ehrte dich mit Preisen,

Und du hattest alles augenblicklich zu

Begreifen.

 


 

Aufschläge 1261 - 1263

 

Die Eile,

Die mich zwang, den Zeilen,

Die ich schrieb, die Sitze abzusägen,

Gab uns später nur das Holz für eine Altenbank,

Und käme einer, der hier Hochzeitssträuße liegen ließe,

Würden wir ihm eine Braut beschreiben,

Der er in dem Haus begegnen könnte,

Welches wir so armlos hinterließen.

 

 

 

Damit du es verstehst, sag ich es noch einmal,

Und unser Haus besaß nun keine Arme mehr

Und lud auch nicht mehr ein ,

Und Junge, die vertraute Tiere warfen,

Konnten wir hier nicht behalten,

Und wir töteten den Eingang

Und die Fenster,

Und das Brautgemach

Blieb leer.

 

 

 

Und unsre Zeit bezahlte auch den jungen Mann,

Der sich ganz still verhielt und der die Mädchen

Nicht bedrängte,

Und die Gleise,

Die wir lange pflegten, senkten sich im Sand,

Und ängstlich hinderten wir alle Züge am

Befahren,

Und du siehst nun dreifach,

Dass sich alles trennte:

Kopf vom Rumpf und

Mann vom Weib und

Arm vom Haus.

 


 

Aufschläge 1264 - 1266

 

Vom Rot des Autolacks

Tropft doch noch Blut herab,

Und von der Häuserwand fließt die

Geranie straßenwärts,

Und in der nächsten Kurve

Steht der Wind und wartet hinter jedem Baum,

Und hält den Atem

An.

 

 

 

In meinem Mund

Lässt du die Schranke nieder gehn,

Und überschnell schießt

Unverständlichkeit an mir vorbei,

Und wirbelnd steht noch lange Zeit der

Staub zerbissener Gespräche in der

Luft.

 

 

 

Und drittens löse ich das viel zu harte Band von meinem

Handgelenk,

Die andren führen immer noch die

Stiere an den Nasenringen um zu samen,

Und ganz hinten,

Viel zu weit von mir entfernt,

Schlägt wiederum ein Schmied schon neue Ringe,

Die er glühend heiß ganz Fremden auf die Zunge

Legt.

 


 

Aufschläge 1267 - 1269

 

Wenn ich richtig sah, zerriss die Trockenheit das

Fachwerk deiner Reise,

Und die Straßen deiner Heimat waren leer,

Und nie zuvor vergaßen sie dich so wie jetzt

Und überließen dich der Heimat um so mehr,

Und vor die Füße fiel ein Flaum der Taube,

Die von alters her auf deiner Stirn saß,

Und sie pickte immer noch das Korn von dort vom

Feldrand.

 

 

 

Du fandst auch in verborgenen Geschäften deine

Kindermelodien zurück,

Und hier lief dir dein eignes Kind, das du zu Hause wusstest,

Schon entgegen,

Und es lief an dir vorbei, dein Fleisch und Blut

Und sah dich nicht,

Und es vergaß, dich zu begrüßen,

Und du sammeltest ihm hinterher die Glöckchentöne, die von

Krämerladentüren fielen, die den

Eingang und in diesem Fall auch Ausgang

Sperrten und geschlossen

Hielten.

 

 

 

Links zerbrach ein gelbes Glas, dahinter eine Sonne stand,

Es hätte immer fehlen können,

Und ganz rechts saßt du,

Und erstmals fiel das Licht dir in den Schoß,

Du warst so lange fort gewesen,

Und du würdest nun nach dieser Rast das

Glaserhandwerk lernen.

 


 

Aufschläge 1270 - 1272

 

Ich seh dich vor der leeren Leinwand stehn,

Und auch die Rückwand

Bleibt wie immer unbeachtet,

Und es gähnte eben dein Modell

Und sieht dich an,

Ob es so richtig sitzt, so nackt,

Und nur das Schwert in seiner Hand

Und hockt auf einem Menschenkopf,

Der dir aus deinem Bild gefallen war,

Den du nicht halten konntest,

Den es dir mit einem Schlag von seiner

Fraulichkeit vom Rumpf

Hieb.

 

 

 

In andrer Hand spielst du auf der Gitarre,

Und du greifst die Saiten,

Und du hältst das Instrument

Noch mit derselben fest

Und singst dazu

Und rauchst das Feuer,

Welches wir aus trocknem Küstenholz,

Vielleicht den Resten des zerbrochnen Schiffes zündeten,

Und brauchst die freie Hand, jetzt

Zeiger einer übergroßen Uhr,

Die dauernd hängen bleiben,

Nachzustellen,

Und sie andrerseits zu halten,

Wenn sie haltlos niederfallen.

 

 

 

Es kam auch vor, dass du dir Wörter maltest

Und erfandst die Sprache glatter Zahlen,

Die, ein wenig feucht, der See entnommen,

Kieselsteinen oder Seetang gleich,

Den Sinn für sich behielten,

Und sie galt, bis du dich von dem Stuhl erhobst,

Und ich dich sammeln durfte.

 


 

Aufschläge 1273 - 1275

 

Es war ein Wunder,

Dass uns die Karaffe nicht zerbrach,

Und die Glasur trug tausend feine Risse,

Und die Haut, die dich umspannte,

Ja, die Haut bekam nun

Jahr um Jahr ganz frische Spalten,

Und du grubst den fremden Garten,

Trotz des hohen Alters,

Eigenwillig um,

Und alle Sträuße

Hängtest du zum Trocknen

An die Stelle ihrer Ernte in die

Luft.

 

 

 

Sonst schlug dich die Krankheit

Mit dem Kupfernagel an ein Brett,

Die Kirchentür davor

War immer noch ein Werk von dir,

Und Menschen

Steinigte man nach wie vor mit Brocken, jedem

Werfer an die Hand gebunden,

Und man konnte

Wurf um Wurf so

Wiederholen.

 

 

 

Von außen war dein  Alter königlich,

Und Apfelblüten

Standen jährlich neu auf deinem Leib,

Und als man die von dir gepflanzte

Weide, wegen eines Blitzschlags

Fällen musste,

Fand man auch die Krone unversehrt im Stamm,

Und auf der Suche nach dem

Rest der Schätze

Schlug man auch die Apfelbäume,

Als sie aus dem Bücherschrank

Entflohen.

 


 

Aufschläge 1276 - 1278

 

Wenn ich danach ginge, was ich sehe,

Ginge ich zu mir,

Und du verstehst die Nacktheit meiner Hände nicht

Und auch nicht, wie gering der Wert der

Kleidung ist,

Und, sucht der Mann nicht seine Wahrheit in der

Jagd auf deiner Flur,

In kleinen Inselwäldchen und im

Sturzbach deiner

Haare?

 

 

 

Läg ich neben dir,

Wie nah könnt ich dir sein,

Doch so, wie ich das Haus bewohne,

Steh ich in der Tür und halte Ausschau,

Und von Rabenvögeln

Hört man, dass sie Rindern durch die Augen fliegen,

Und sie so zu

Tode bringen.

 

 

 

Schließlich lag ich neben mir

Und ging mir nach

Und hatte auch ein Seil,

Mich aneinander anzubinden,

Und es hinderte mich wirklich nur die

Blöße dieses Drahtes

Drauf zu tanzen,

Und an beiden Enden

Stand ich länger schon

Und spannte mich, mich endlich in der Luft zu

Finden.

 


 

Aufschläge 1279 - 1281

 

Als ich mich bei dir meldete,

Als ich mit meinen Sinnen deine

Sinne fassen wollte,

Als ich dich beim Kämmen weckte,

Waren deine langen blonden Haare

Längst vergriffen,

Und du standst vor dir mit einem

Werkzeug in der Hand

Und ordnetest die unbeherrschten Apparate,

Die sich unentwegt, wie Kinder,

Die dich liebten,

Vor dich stellten.

 

 

 

Du hängtest eine Kette um dein rechtes Bein,

Und ließt sie auf der Erde schleifen,

Und statt eines Ankers

Hing daran die Menschenhand,

Die, wie du sagtest, aus dem Ausland stammte,

Und sie griff, ganz ohne hinzuschauen,

Wo du gingst und standst ins

Leere.

 

 

 

Die Reise,

Die ich täglich machte,

Kürzte sich um jeden Morgen,

Der mich festhielt, in dem Zug zu bleiben,

Und ich flocht aus deinen schönen

Haaren, dir im Nacken,

Einen schweren Zopf,

Und alle Zeit, die mir Maschinen stahlen,

War die Zeit,

Die ich mit dir verbrachte,

Und du kämmtest dich unendlich lange hinter meinem

Rücken.

 


 

Aufschläge 1282 - 1284

 

In einem Waldstück ragte ein Geweih hervor,

Und stundenlang stand mir die späte

Sonne überm Strand,

Ich streute, wie du es befahlst, von meiner Habe

Alles weit hinein ins Meer

Und ließ mich, so beladen, von den Jägern treiben,

Und, so dacht ich,

Läge ich schon aufgebrochen, ausgeschlachtet, dort,

Würd wohl ein anderer in meiner Decke

Über abendliche Wasser

Laufen.

 

 

 

Kurz danach fand ich den Goldring doch im

Magen eines Fisches,

Und es war ein Zeichen,

Das ich nicht zu deuten wusste,

Und das Eheweib, das Knöpfe an die

Wäsche nähte,

Lachte laut, weil es verstand,

Und kochte mich

Und nahm mich auf in sich

Und hängte mich zu vielen andren

Reifen an der Wand.

 

 

 

Der Spott biss mich ins Fleisch,

Durch die Zerstörung all der

Spiegelbilder, die im Doppelglas

Mich blutend zeigten,

Änderte sich an der Wahrheit wenig,

Und ich fand mich so:

Von mir hatt ich mich reuelos verlassen,

Und die Wunde

Klaffte weit entfernt

Und würd sich niemals ohne meine Hilfe

Schließen.

 


 

Aufschläge 1285 - 1287

 

Ich sage so:

Du prüfst mich, ob ich sitze oder stehe,

Ob ich weine oder

Tränen andrer folge,

Ob ich schreibe oder in den Steinen lese,

Und ich sage so:

Du sahst mich schon zuvor, bevor die

Kiefer ihren grünen Schatten

Auf mich warf,

Und lange schon bevor mein

Fuß den Mutterleib verließ,

Und sahst mich hier, ein Teil von den

Ruinen.

 

 

 

Die Jugend rodete die Tempelsäulen,

Und ich ließ es nicht mehr zu

Und spülte alles ein mit Sand der Meere,

Und man suchte lange in Legenden,

Die sofort entstanden,

Und ich schwieg

Und hielt die eine Kinderhand

Ganz fest umklammert,

Die sich aus dem jungen Boden

Zu mir streckte

Und mich liebte.

 

 

 

So zerbrach man die Portraits,

Wie man den Fischleib

Schlitzte und zerschnitt,

Und in den Därmen

Suchte man den Goldring,

Und es deutete ein altes Weib den

Flug der Wasservögel,

Die sich unter jener Brücke, über deinen

Augen, in der Tiefe

Widerspiegelten.

 


 

Aufschläge 1288 - 1290

 

Eingeschnitten in den

Stein lag heute noch die Fahrspur

Und stieg, glatt und warm vom Sonnenlicht,

Nun links und rechts die Haut, die deine

Brust umspannte,

Hügelan,

Und meine Finger liefen hier

Und kauften sich dem viel zu jungen

Blumenmädchen seine Sträuße

Sämtlich ab,

Sie neben sie zu legen.

 

 

 

Wenig Schatten

Hatte uns die alte Zeit gelassen,

Und die Frauen

Ließen sich aus Angst vor Vergewaltigung

Die Brüste amputieren,

Und die Dunkelheit,

So sah ich deutlich, machte keinen

Unterschied auf den Planeten,

Und sie ließ die Krater

Ganz genau die gleichen Schatten werfen,

Wie die

Berge.

 

 

 

Auch die Bronzestatuen

Erlebten, als ich sie erkannte, ihre Zeit

Und ließen nicht von mir

Und fragten mich

Und gingen mit mir speisen

Und verkehrten auch mit einem Weib

Und sie verstanden sich auf alles, was erhärtete,

Und mich goss man im Sandguss,

Und mein Rücken

Zeigte tiefe rohe Löcher,

Und ich flehte dich, sie mir mit deinem

Leib zu

Füllen.

 


 

Aufschläge 1291 - 1293

 

Mich quälte lange jener Tropfen, der ins

Glas, aus dem mein Mund trank, fiel,

Und keinen Schluck nahm ich zu mir,

Und leerte es in einem Zug,

Der Tropfen

Brannte in der alten Partitur,

Aus der heraus er seinen Weg

Zu mir genommen hatte.

 

 

 

Der Ruhm der Schönheit, dachte ich zuerst, wär jene

Wasserperle,

Die mir alte Pforten

Ölte und sie öffnete,

Und meine Schritte,

Viel zu hastig dort hineingetan,

Bescherten mir den Sturz ins Leere,

Bis ich aufschlug.

 

 

 

Endlich war ich auf dem glühend heißen

Blech,

Und rollte hin und her

Und stieß mich ab

Und ließ mich sein zugleich

Und wurde aufgelöst

Und sprang als harter Kern,

Ich glaub, man deutete es falscherweise als die

Wunde in dem Fleisch, das lebte,

Und ich sprang auf einer schrägen

Platte

Endlos lange talwärts.

 


 

Aufschläge 1294 - 1296

 

Es war doch ganz verkehrt, dass ihr ein

Schiff aus Stein in eure Straße setztet,

Und ihr fülltet es voll Wasser,

Und man stieg hinein

Und wartete auf andere,

Die alles besser wüssten,

Und von außen legte man den

Steig mit Mosaiken aus,

An euch vorbei,

Und lange sang ein Chor euch zum

Gedenken.

 

 

 

Außerhalb der Felder war die

Ernte schon beendet,

Und ihr suchtet immer noch in trocknem Sand

Und sammeltet Vergessen,

Und selbst diese Früchte

Musstet ihr noch mit den Obrigkeiten

Teilen,

Und nur wenige erhielten

Wohnraum dort

Und durften länger bleiben.

 

 

 

Auch konnte man dich nicht entdecken,

Und du sprachst zu uns ganz deutlich

Und warst überall

Und musstest dich, wie in den andren,

Auch in mir verstecken,

Und so fand ich mich

Und ließ dich sein

Und sah dich nun

Und ging mit dir,

Und alles, was wir sprachen,

War das Heben

Einer flachen Hand.

 


 

Aufschläge 1297 - 1299

 

Ein weißer Draht zog sich und spannte über

Felsen in die Hügel,

Und ein Dohlenpaar

Flog diese Spur,

Und deine Finger

Spielten auf der Saite,

Die du zwischen unsren Beinen

Spanntest.

 

 

 

Weiter oben lag noch

Schnee und es gab Eis,

Die tief gefallnen Wolken

Hüllten uns so maßlos ein

Und trennten das Erkennen ab,

Und Jahre,

Die uns danach schmolzen,

Zeigten schließlich völlig neue Angesichter

Und verschwiegen auch,

Woher du kamst

Und deine spröde Kälte,

Die bei jedem Klang,

Der an dich rührte,

Hart vibrierte.

 

 

 

Der Weinberg  hält das Gräberfeld

Bedeckt mit grünem Blattwerk,

Und den roten Saft trägt ein Gewässer fort,

Die scharfen Kanten spitzer

Steine schlitzen deinen Rock,

Und Sonnenlicht

Und nie benutzter Felsenweg

Tun dir

Gewalt an.

 


 

Aufschläge 1300 - 1302

 

Ihr standet beide in dem Spiegel,

Und die Blicke,

Die ihr zu uns sandtet, waren in

Gefahr zu sehen, was sie sahn,

Und über euch und rundherum

Verbrauchte man unendlich

Kunst, euch darzustellen,

Und man wusste auch von

Heckenschützen, die nur töteten,

Und neben euch war mancher blicklos,

Der durch seine Blicke

Zu entkommen suchte.

 

 

 

In dem großen Saal der Blicke

Hieß man uns zu schweigen,

Und die Menschenmassen standen still

Und ließen sich von ihrer eignen

Stummheit überraschen

Und besprachen sich,

Und sie beschlossen eine

Stummheit ihrer Sprache,

Die sie laut verkünden würden.

 

 

 

Du schwiegst für dreimal dreißig Jahre,

Und das erste Mal bis du geboren wurdest,

Und das zweite Mal bis du verstandst,

Und dann schwiegst du erstmals,

Und sangst ein Kinderlied in ganzer

Länge.

 


 

Aufschläge 1303 - 1305

 

Am frühen Morgen

Gingen wir zum Vorplatz, ganz im Freien,

Und nur wenige der Taubenpaare kannten uns,

Und links und rechts begrüßten uns die feuchten

Hände großer Brunnen

Und dazwischen lag der Marmor,

Der noch unbehauen war wie wir,

Und wartete auf das Zerbrechen

Und wie wir auf einen

Steinmetz.

 

 

 

Nichts blieb, wie es war,

Und auch die Brust, an der ich lag,

Wurd alt von einem Augenblick zum anderen,

Und meine Kraft zerfiel,

Sowie die Splitter dich verließen,

Und um mich herum befanden sich, schon im Erwachen, die

Gesänge all der Vielen, die sich ganz vergeblich

Sorgten.

 

 

 

Wir konnten unsren Abstand nicht verringern,

Und wir steckten doch schon ineinander,

Und das Kirchenschiff verlangte mehr,

Und neben uns, so hörten wir,

Läg wirklich aufgebahrt der Rest von einem anderen,

Der nie gestorben wär,

Im Abstand,

Den er selber maß,

Und deine Stiefel

Zogst du nicht mehr aus,

Und auch der enge Kasten in der Erde

Konnt dich nicht von ihnen trennen.

 


 

Aufschläge 1306 - 1308

 

Nur Tauben

Brachen in die alte Festung ein,

Und niemand war, der einen Kampf

Mit hingehuschten Schatten wagte,

Und die Tränen,

Die ich meinetwegen weinte,

Weinte nur mein Leib,

Die Trauben,

Die in meinem Garten wuchsen,

Brächten niemals Wein,

Der mir zu trinken wert genug gewesen wäre.

 

 

 

Auch der Schmutz in unsrer Straße

Wuchs hinauf an Häuserwänden

Und an Bäumen

Und an mir,

Und als man uns gefunden hatte,

Als man uns nach Jahren

Endlich ausgrub,

Flogen immer noch die rosa und die weißen Vögel

Aus den Oleanderbüschen,

Deren Wurzeln standen in der Werkstatt,

Wo auch ihre Blätter

Ganz und gar vergoldet wurden.

 

 

 

Bei den Kindern

Dachte man ein wenig anders,

Und von den gefundenen

Versteinerungen ihrer Gegenwart

Polierte man die einen,

Und die anderen bestätigte man in den Farben,

Und nur ausgewählte Exemplare

Führte man den jungen Eltern

Heute schon im Dünnschliff vor,

Und manche Frau empfing erneut

Davon.

 


 

Aufschläge 1309 - 1311

 

Das Glas der Türen

Reflektierte noch einmal den Säulengang,

Und eine Hand zerschlug mit einem

Stein die Spiegelei

Und stach die Scherben,

Nun als wahre Spieße, in die Erde,

Und es brach sofort das schwarze

Blut aus dem verletzten

Hals.

 

 

 

Nie zuvor gewann ein Garten

Schneller einen Dornenkranz, als sich die

Reste alter Zeiten im Gesicht des Mädchens

Wandelten in Traurigkeit,

Und nie zuvor verstand ich schneller

Was ich sah

Und pflückte keine dieser Wasser

Von der trocknen Wand,

Die leise schon die ersten Risse

Zeigte.

 

 

 

Auch das Gold der Decke,

Die uns nachts noch wärmte,

Wurde tags zum blinkenden

Gewölbe unsrer Zuflucht,

Und wir standen lang

Und hielten unsre Hände hoch,

Und jeder formte aus dem

Tau der Nacht die Stätte seiner Andacht,

Aufrecht sich zu halten, sich im Tau zu

Waschen.

 


 

Aufschläge 1312 - 1314

 

Ich selbst stand tief im Schatten,

Und das Licht, das mich auf Erde brannte,

Zündete zugleich den Schwarm der Mücken,

Der sich um die Wärme wendelte und zog,

Und rundherum verband ein wunderbarer

Säulengang das Licht der Erde mit der Obhut,

Die sich uns so einverleibte.

 

 

 

Über uns schritt man im dunklen Umhang

Über jene Kordel, die das Kleid ein wenig raffte,

Und man sang ein stummes Lied

In klingender Gebärde,

Und man hob die Hand

Und wies sie ausgestreckt und flach zur Erde,

Und die Spitze

Eines aufgeflammten Auges

Warf den hellen Schein uns

Weit voraus.

 

 

 

Aus dem Rasen, den der

Kreuzgang einschloss,

Trieb ein wilder Spross die Zweige,

Und man goss von völlig unbekannter Seite

Immer neu die vollen

Eimer unverträglicher Gewässer über ihn,

Und nebenan erkannte mancher kniend,

Wie sich Tausende Verdurstender mit bloßen Händen

Davon schöpften,

Und nicht einer sah das

Grün.

 


 

Aufschläge 1315 - 1317

 

Bedenk das Beispiel,

Das ich gab, als wir mit den

Motoren ahnungslose Menschen

Jagten,

Denke an das Beben in dem

Schoß von deiner Frau, als sie die

Jugend von sich gab,

Und denk an dein

Erschrecken, als die Teile deines Körpers

Um dich her im Grüngras lagen

Und die

Welt dein neues Kunstwerk fand

Und dich so ließ

Und keiner nach dir fragte.

 

 

 

Ähnlich ging es den zwei Köpfen,

Die man abschlug, um sie zu bewahren,

Die man vorher fragte, um der

Frage willen,

Die in übergroßen Glasvitrinen zu

Regenten wuchsen, als ihr Fleisch

Schon lange aufgezehrt war

Und sich täglich neu zusammenfügte

Und zur Speise wurde,

Immer wieder.

 

 

 

Bedenke auch was dich betrifft,

Und denke einmal nicht an dich,

Bedenke einfach, dass die

Risse der Glasur in allem sind

Und dazu dienen, nicht mit gelben Kugeln

Zauberkraft zu üben,

Und der Trunk, den man dir feierlich in

Freundschaft reicht,

Mag wirklich, wie man vorher sagte,

Gift

Enthalten.

 


 

Aufschläge 1318 - 1320

 

Aus deiner Karte, die du schriebst,

Schlug rötlich braun die

Flamme deines Herbstes mir in beide Augen,

Und ich sah nicht mehr die

Worte, die mir in die Hände fielen,

Und ich brach aus Langeweile

Mir vom aufgebauten

Zaun die roten Fingerblätter wilden

Weines ab.

 

 

 

Neben mir stritt man noch immer um die

Todeswaffen

Und sie trugen schon, wie ich, den

Staub, der sich nach einem

Einsturz immer auf die Trümmer legt

Und der den kleinsten Atem

Klarer zeigt,

Als je zuvor die Luft es war,

Um die wir stritten.

 

 

 

Ein Finger fiel zuerst von meiner Hand

Und ließ im Raum den Umriss stehn,

Und ich begann mich zu verzahnen,

Und die Räder,

Die sich sonst so nutzlos an mir rieben,

Trieben mich nun lückenhaft voran,

Und neben mir lag manches

Teil.

 


 

Aufschläge 1321 - 1323

 

Als ich dich mordete,

Warst du mir völlig unbekannt,

Und fern warst du

Und standst zu meiner rechten Hand,

Und hätt ich dich gekannt,

Nur etwas mehr

Und nur ein wenig länger,

Hätte ich gespürt, wie das Metall

In dich gedrungen ist

Und wär mit dir gegangen durch den Schmerz,

Und meinen Tod,

Den ich von dir empfangen hatte,

Hätte dich gerührt.

 

 

 

Man fand in Segeltuch verpackt

Den Blumenkranz,

Die Trauer, die er schmückte,

Flog beim Öffnen auf

Und breitete die Flügel aus,

Dass wirklich alles unter ihr erstickte,

Und die mitgebrachten

Segel Blähten sich

Und suchten irgendwo

Geselligkeit.

 

 

 

Die Dichterin,

Die nachts den

Schatten zu dem Vater in die

Kammer schickte

Und sich zu ihm legte

Und von ihm empfing,

Und ungeachtet ihrer Mutter,

Sich von ihm zu Tode lieben ließ,

Die also, wie das tote

Armenkind die Risse an der Zimmerdecke zählte,

Ritt die Tiere blutig,

Die uns tags die Wachheit

Hüteten.

 


 

Aufschläge 1324 - 1326

 

Ich rief dich an am frühen Morgen

Und betrat den leeren Raum,

Und suchte dich vergeblich,

Und ich sprach trotzdem zu dir

Und machte halt am

Ende meiner Kriechspur abendlichen Denkens,

Und den Zettel hielt ich dir entgegen,

Und ich bat dich immer noch um eine milde Gabe,

Wie es dort geschrieben stand in goldnen Lettern,

Kaum zu tragen.

 

 

 

Lange sprachst du von den

Freunden alter Zeit,

Und lange glitt ein blankes Holzteil

Aus der einen Hand in deine andere,

Und vor dem Fenster stand die

Jugend mit der Urne ihres Schwesterleins

Und folgte jeder der Bewegungen

Genau.

 

 

 

Der Flur,

Den du so herrlich schmücktest, öffnete an einer

Stelle seine Wand

Und brach sich ohne Tür den

Weg ins Freie,

Und von nun an reparierte ich die

Vielzahl deiner Arme außerhalb,

Und unter deinen Kleidern

Wuchsen mächtig Fruchtbarkeitssymbole alter

Steinfiguren.

 


 

Aufschläge 1327 - 1329

 

Dagegen halte ich, dass jene Fahrradspur,

Die durch die Pfütze führte,

Später über meinen Tisch, an dem ich saß,

Dann über meine Zeitung lief, in der ich las,

Und du, wie könnt es anders sein,

Ließt deine schönen

Arme mit den Astern an den Enden in der Vase stehn

Und reichtest mir den Ellenbogen,

Meinen Kuss dort ab zu legen.

 

 

 

Ich legte auch die süßen

Worte in die Mulden, die die

Blätter deiner Hände an den Stängeln bildeten,

Und stand als Wanderer

Und angelehnt an eine warme Felswand

In den Fingerspalten,

Und der Ring, das goldne Band,

War zwischen mir und mir.

 

 

 

Auch hörte ich, als du zu reden anfingst,

Viel von deiner Angst,

Die dir noch tief im Körper saß,

Und deine Finger griffen,

Sich zu vergewissern , in den Schoß,

Und sie berührten jede

Stelle deiner Weiblichkeit

Und prüften auch den dünnen Faden,

Der sich mitten über deine Brüste legte

Und im Rücken spannte

Und der tiefe Kerben schnitt

Und dich in dir zu

Trennen suchte.

 


 

Aufschläge 1330 - 1332

 

Schade, dass die Ruhe, die uns blieb,

Sich in die

Schere deiner Zeiger zwängte,

Schade auch, dass dein

Klavierspiel aus dem Fenster fiel,

Dass niemand da stand und dich auffing,

Schade auch, dass deine

Anmut sich an mir die Strömung der

Bewegung brach, weil ich in deinem

Flussbett Wohnung nahm,

Und schade auch, dass grade jetzt die

Sonne

Unterging.

 

 

 

Wäre ich dort drüben auf dem hellen Fleck,

Der uns in eins, zwei Stunden

Und in Nacht erscheinen wird,

Würd ich vielleicht beklagen, dass das blaue

Ding doch stehen bliebe

Und sich in sich selbst die Zeit vertriebe,

Und man sähe mich tagein, tagaus

In irgendwelchen Schößen liegen,

In den Wimpern deiner Augen,

Der Mechanik eines Todes,

In den asymmetrischen Gedichtmaschinen,

Oder wirklich noch im

Mondlicht.

 

 

 

Ich schnitt die

Zeit, die zwischen dir und mir bestand, ganz kurz

Und kam zur Treppe, weil du riefst,

Und vor mir stand, bevor ich kam,

Ich selbst schon neben dir,

Ein anderer, der eben schneller war,

Und du warst still, weil ich dir reichte,

Und es war genug,

Und diesmal wäre mehr zu viel.

 


 

Aufschläge 1333 - 1335

 

Jede Stille, die sich in mein

Zimmer schlich,

Verschlang der warme Teppich,

Und gedämpft vernahm ich nun

Und allerlei der Spielerei,

Die ihr mit eurer Herrin triebt,

Und Gift war in der Tasse,

Die ihr ihr zum Trinken botet,

Und sie hütete sich einen

Glauben ohne

Nachtlaterne.

 

 

 

In der Stadt,

Die hier in meinem Vorhof lebte,

Zeigtet ihr den Frieden,

Den man suchte,

Und die lange Reihe Menschen, die sich an den

Händen hielt,

Wurd nun zur Fackelkette,

Als tatsächlich meine Nachtlaterne

Auf sie niederfiel und Licht auf ihre Sache

Brachte.

 

 

 

Meine Herrin

Half mir stets mit Liebe ihre Fallen zu betreten,

Und ich liebte um so mehr,

Und endlich ließ sie eine

Karte ihrer Launen fertigen

Und ließ mich damit gehn

Und wünschte mir das Glück,

Das ich ihr lang genug beschert hätt

Und begleitete mich nun auf allen Wegen,

Mit den Händen voller

Nachtlaternen, die sie aufhing,

Wo ich auf sie traf.

 


 

Aufschläge 1336 - 1338

 

Die Tage meiner Gärtnerei an dir

Vergingen schnell,

Und in den letzten Augenblicken zeigtest du mir noch,

Aus langen

Frauenhaaren sich ein Saiteninstrument zu bauen,

Das man nach den Blütenfarben, so wie man sie

Züchtete, zu stimmen habe,

Und der Künstler

Sah in allem, was uns musizierte, viele, viele

Kreise der Radierung.

 

 

 

Deine Kleider

Waren immer lang und elegant

Und hatten nie ein Oberteil,

Und jede deiner schönen Formen

War zugleich ein Teil von dir,

Und alles um dich her floss dir entgegen

Und umwarb dich,

Und du löstest dich fast darin auf,

So schmiegsam konnten sich die

Fingerspitzen auf die Blicke meiner

Augen

Legen.

 

 

 

Abends blies der rote Mond sich auf

Und hielt sich nur in

Häuserhöhe überm Horizont,

Und meine

Tänzerin begann den Herbsttanz,

Und sie drehte mich so schnell,

Und zwischen ihrem Stirnband

Und dem Himmelskörper

Zündete sie eine lange Spur,

Auf der wir liefen Und uns an den

Händen

Hielten.

 


 

Aufschläge 1339 - 1341

 

Schon als Kind trugst du die roten Beeren,

Und du standst am Waldrand,

Und als deine grüne

Krone weite Schatten langsam über deine

Füße wandern ließ

Und sich

Ruinen fremder Häuser dort versteckten,

Wuchs dir erst die Brust,

Und später, als du mit den

Röcken deiner Früchte

Schützend und gewaltig schirmtest,

War der große

Garten eines Hofes um dich her,

Und jeder malte dich und pries die

Sanftheit deiner Stimme,

Und es war doch alles nur die Märchenoper,

Die ich aus dem Hartholz meiner

Hand

Erfuhr.

 

 

 

Ein andrer zog auf einen dünnen

Draht die trocknen Blätter,

Und er machte sich daraus

Girlanden,

Und ein junges Paar sprach miteinander über

Einen ganzen Tag kein Wort,

Und war sich fremd

Und nahm sich auch nicht wahr

Und ließ sich auch nicht aus den Augen,

Und ein junger Mann aus bestem Haus

Schloss seine Füße an ein

Tischbein,

Und er ließ sich von dem Mütterlein

Versorgen.

 

 

 

Auf dem Bettrand

Saß ein Kinderkopf

Der heftete den Blick an dich,

Und musstest du den Raum verlassen,

Nahmst du ihn im Puppenwagen mit,

Und deine Liebe zu dem einen Wesen

Sei dir so viel wert,

Und erst in Dunkelheit,

Wenn du es selbst kaum unterscheiden konntest,

Tauschtest du mit ihm

Was tauschbar war.

 


 

Aufschläge 1342 - 1344

 

In dem Fenster stand das

Gitter schneller Regentropfen,

Und auf meinem Weg hierher

Ließ ich die trocknen Blätter

Sich im Wind verwehen,

Und mein Federkleid

Musst ich sehr mühsam an mich drücken,

Und du standst dort drüben, zwischen

Glas und Wind und Regen,

Und auf meiner Seite

Eilte trocknes Laub

Vorbei.

 

 

 

Heute war es schon das vierte Mal,

Dass du befahrne Gleise

Auseinander bogst, sie spreiztest,

Und ich hatte viel zu tun, die

Wege deiner Räuberei zu pflegen,

Und du warst doch nicht der einzige,

Der in den Jahreszeiten lebte,

Und ich las in einer Tageszeitung,

Dass man in besetzten

Ländern schwangre Frauen schlitzte,

Und der Mord

An sich und einem selbst nahm ständig zu,

Und Nachbarskinder

Legten neben die gefangnen Mäuse

Wilder Katzentiere auch ihr

Lieblingsspielzeug.

 

 

 

Einer grünen Bank

Zerbrach man eine

Sprosse, die zum Sitzen diente,

Und die Wiese nässte deine Kleidung,

Und mein Weib zog ein unscheinbares kleines mörderisches

Wesen bis zum Wahnsinn groß,

Und ich bedrohte mich

Und fürchtete den

Augenblick der eignen

Freiheit.

 


 

Aufschläge 1345 - 1347

 

Der Tisch,

An dem ich täglich speiste,

Brach entzwei, zerfiel in seine Tageszeiten,

Und ich gab von meinem

Dasein einen großen Teil der Leere,

Und es riss sich der

Gehorsam aus der Reihe der Soldaten

Fast den ganzen Rest heraus,

Und draußen vor dem Fenster

Pickte jeden

Morgen eine Spatzenschar

Die hin gestreuten Frühstückskrumen,

Die ich nicht verfallen ließ.

 

 

 

So geteilt,

Besuchte ich die Mosaikenschule,

Und man brauchte keine neuen Farben,

Und die Leere des Gehorsams spielte vor der

Tür mit Lieblingen der Götter,

Und für die Besucher

Blieb die Kammer meines Daches zu

Entdecken.

 

 

 

Nichts von dem traf die

Intressen, die du hattest,

Und du hobst Gewichte,

Und ich lebte neuerdings nicht mehr, wie ihr es lerntet,

In der Schwerkraft,

Und die größten Eisenteile

Schob ich mit dem einen

Finger in den Raum,

Und suchte einen Totenschädel,

Der genau, wie diese Lasten,

Schwerelos und ganz in meiner Nähe

Leben musste.

 


 

Aufschläge 1348 - 1350

 

Gestern sah ich den

Bericht von deinem Unfall,

Und man fegte wirklich nur mit einem Besen

Und ein wenig Späne diese weiße

Masse deines Kopfes von dem Straßenpflaster,

Und ein junges Mädchen

Hatte nicht gehört,

Dass in der offnen

Tür sich Regenschirme spannten,

Und es kleidete sich sommerlich

Und las noch einmal die

Geschichte von der Reise in das

Eisgebirge.

 

 

 

Aus dem Himmel fiel ein

Sternenbild aufs Meer,

Man fuhr noch auf dem

Lande mit den Kutschen,

Und die Arme, die du für die

Taufe dieses unbekannten Wesens

Aus dem Fenster strecktest,

Hatte man mit Gold gefesselt,

Und ein viel zu schwerer

Anker hielt die milden Worte,

Die du sagen wolltest,

Fest.

 

 

 

Dann konntest du das erste

Mal dies Vogeltier in Wahrheit sehen,

Das mit seinem

Doppelkopf nach allen

Seiten blickte,

Und es teilte sich ein mörderisches

Märchen, als es einem Kinde

Wahrheit wurde,

In die Spiegelwand,

Durch die hindurch man auch

Von rückwärts schauen konnte,

Und die Mutter, die es suchte,

Lag dahinter,

Und trug falsche Haare

Und blieb unerkannt.

 


 

Aufschläge 1351 - 1353

 

Du sagtest mir, der Tag, auf den ich wartete,

Sei längst vorbei,

Und auch im Telefonbuch, das uns alle führte,

Fand ich euch nicht mehr, kein

Name war hier unter gleichen

Namen, den ich kannte,

Und ich ging zu dir

Und stand vor dir

Und sah dich an

Und fragte nach dem Weg,

Den gabst du richtig an.

 

 

 

Es blendete die Sonne,

Als ich dich erreichte,

Und die Hand

Hielt ich vor deine Augen,

Und du warfst nach mir

Und schaltst mich einen Dieb,

Die Fremden, die dir helfen wollten,

Wehrtest du von dir und sagtest,

Dass es nur die Sonne sei,

Die dich so blende.

 

 

 

Dann sagtest du,

Glaub alles, was du siehst

Und traue niemals deinen Augen,

Lies mich ganz genau

Und deute was du weißt,

Und in dem Fenster hängen gläserne Gestelle,

Die tatsächlich in dem Luftstrom

Lautlos aneinander treffen,

Und ganz leise lautlos läuten,

Leise lautlos läuten,

Lautlos läuten,

Läuten.

 


 

Aufschläge 1354 - 1356

 

Du liebtest die Geräte,

Die dich häuslich werden ließen,

Und den Löffel küsstest du nach jedem Essen,

Und man fand auf einem

Bergesgipfel den Altar, auf dem die

Opfern deines Feldherrn

Hingerichtet wurden,

Und ich, der ich bettelarm, ein Gräber war,

Der, wie ich oftmals sagte, in der

Tageserde schürfte,

Wohnte in der kleinen Hütte

Unter deinen Füßen,

Und hielt haus mit den Gefühlen,

Die mich speisten.

 

 

 

Selten nur durft ich die windgemachten

Klänge eurer Gläser reinigen

Und stimmte sie ganz neu

Und fing die Töne ein

Und trug sie dir zusammen,

Und ein alter Mann, versteckt und hinter langen

Bücherreihen, hütete die blanken Schätze,

Und mein Eheweib verbot es mir,

So schwärmerisch in warmen

Haaren junger Mädchen zu verweilen.

 

 

 

Harte Früchte schlug ich mit der Axt entzwei,

Und was wir wussten,

Lernten wir zu langsam

Und begriffen erst, wenn sich der Frost

Auf unsre Dächer niederließ,

Und von den meisten Säften,

Die ich trank, brach mir ein Fieber aus

Und ließ mich kalt und in geschnittnen

Scheiben auf dem

Tisch zurück

Und dort verrosten.

 


 

Aufschläge 1357 - 1359

 

Es ist so leicht gesagt, ein "Ja", ein "Nein",

Und beides könnt es sein,

Vielleicht auch nichts von beidem,

Und es ist nicht zu verstehn der

Übergang von einem Land zum anderen, die

Brücke, die besetzt von

Wachsoldaten, deine linke Hand

Von deiner rechten trennt,

Ich kann auch nicht verstehn,

Wer nun die Späne

Deiner durchgesägten Worte

Aufliest.

 

 

 

Was ich tat, tat ich umsonst,

Und tats mit Freude,

Und der Raum war voll mit mir

Und überall stand ich herum

Und tats und schuf es,

Schlug es aus nur einem Stein,

Und andre ritzten ihre Namen

Heimlich in die nackten

Sohlen meiner Wege,

Und ich trug die Falschheit

Immer weiter, immer weiter

Und sie wich nicht einen Fingerbreit

Von mir und nicht aus meinen

Spuren.

 

 

 

Manchmal, wenn ich tödlich krank

Und offenbar gesund, die

Räume meiner Gegenwart verließ,

Verließ ich mich auf diese Leere,

Und sie könnte doch nicht zu zerstören sein,

Und kam ich wieder heim

Und suchte für Sekunden zu genesen,

Brach ich ein in diese Falle,

Die ich vor dem Eingang

Übersah.

 


 

Aufschläge 1360 - 1362

 

Weil ich so überlang geboren war,

Mit unverwechselbaren Stecken an den Beinen,

Hatten mich die andren, immer, wenn ich gehen wollte,

Richtig hin zu stellen,

War ein Käfertier auf glattem Rücken,

Das sich mühte, zu verstehen, und einzusehen;

Manchmal bog der Wind den

Halm in meine Nähe,

Und ein fremder Mechanismus richtete die

Schranke

Wieder auf.

 

 

 

Die Kinder bauten winzig kleine Häuser,

Und sie zogen ein

Und sagten mir von drinnen

Wie es draußen sei und riefen mich

Und standen an dem Fenster meiner Wohnung,

Und sie waren lieb und fügten sich

Und nährten sich von Krumen,

Und der Schirm, der mich nach meinem Absprung

Tragen sollte,

Blähte sich und stieg empor

Und ließ mich in die andre Richtung

Fallen.

 

 

 

Die Steinfigur stieß ich zur Seite,

Und der Rücken ihrer Sohlen

War ganz glatt und rund und unbenutzt

Und schön geformt;

Ja, als ich mich zur Seite stieß,

Aus meinen Armen fallen ließ,

Nahm jeder, der vorbeiging, an, dass meine

Zeit vorüber sei

Und ließ mich liegen,

Und man staunte, dass bei dem Gewicht

Nichts in die Erde drang

Und Wurzeln

Schlug.

 


 

Aufschläge 1363 - 1365

 

Heute glaub ich, dass ich lebe,

Und ich lebe wirklich,

Und vom Südmeer

Wird berichtet, dass man dort die Toten massakriert,

Und hier, in meiner Manteltasche stecken alle

Worte meines Trostes,

Und im Garten der Nationen gibt es keine

Richter,

Und es lebt der Königsmörder mitten unter uns,

Ja, schlimmer noch,

Er nagelte sein Leben an die Krone,

Die er täglich einem andren

Schenkt.

 

 

 

Vom Stirnband schwamm ein goldner

Fisch in deine Augen

Und begrüßte abertausend seinesgleichen,

Und an diesen Schwesterseen

Stand niemand mit der Angel,

Und die Uferränder waren sanft und etwas grün

Und bargen viel Getier,

Und diese Wasser sahen wirklich aus der Ferne

Nicht wie liebevolle Augen aus,

Die in die Ferne

Blickten.

 

 

 

Auf dem Weg stand manch ein Zeichen,

Und es hatte eine fern bediente

Schaltung für verschiedne Positionen,

Und die Kinder hoben ihre Hände,

Und sie ließen eine Mauer

Nicht zusammenfallen,

Und ich kam an deine offne Tür

Und traute mich doch nicht hinein

Und winkte dir und rief dich an

Und sah das Mondlicht

Nacht für Nacht in deine Zimmer

Scheinen.

 


 

Aufschläge 1366 - 1368

 

Noch klebt das

Spinnweb an den Händen,

Und die nackten Äste

Zünden wieder schwarze Lampen,

Die mit Flügeln schlagen

Und sich, breit gefächert, vor den Himmel stellen,

Und in warmer Stube

Steht ein nackter Mensch,

Ein nachbarliches Kind, das schreibt an diesen

König von den Flügeln junger Mädchen,

Die in blätterlosen Bäumen

Leben.

 

 

 

Früher, als ich nicht zu denken wagte,

Ließ ich die Propellerspitzen tief in meine

Schädeldecke dringen,

Und es brachte nichts,

Und heute traut sich keiner mehr, mit mir die

Instrumente, die wir zum Sezieren brauchen,

Messerscharf zu halten,

Und im Eismeer

Sank ein Schiff, als du dir deinen

Oberkörper pflegtest,

Und du sagtest, dieses Unglück

Sei, genau genommen, schon vor einem

Jahr geschehen,

Und dein eignes Leben

Sei erst halb am Leben.

 

 

 

Wenn du anhieltst, sah ich,

Dass du dich als Doppelstern

Um deine Mitte drehtest,

Und du zeigtest deine Weiblichkeit

Mit mannskopfgroßen Brüsten,

Und auch das Organ verschlang die ganze

Männerhand,

Und niemand wagte es, dich zu berühren,

Und die Drehung, die ich nun vollführte, mit

Gewichten, die ich von mir hielt und an mich zog,

War Stillstand fast,

Dann wieder viel zu schnell.

 


 

Aufschläge 1369 - 1371

 

Jeder Kuss, den ich mit meinem Werkzeug grub,

War die Bepflanzung einer Wanderdüne,

War die Schiene,

Die ich auseinander bog,

Ein Kampf um eine Wasserquelle,

Und du schlugst so ungelenk mit einer langen

Axt die Scheiben meiner Hoffnung ein,

Dir könnte ich entkommen.

 

 

 

Als du auf dem längst verlassnen

Werkgelände standst,

Wuchs hier und dort die weiße Blume,

Und den Kopfschmerz,

Der dich quälte,

Wollten wir in eine alte Schmiede tragen,

Und auch hier war niemand,

Und du pflücktest jenen Strauß

Und wartetest die ganze Nacht und nichts geschah,

Und erst im Dämmerlicht des Morgens kam ein

Milchmann,

Der dich nach den leeren Flaschen

Fragte.

 

 

 

Mir geschah es so,

Dass ich ein fremdes Weib nahm,

Das an einer Wand stand

Und es stemmte seine Hände flach dagegen,

Und es winkelte sich etwas ein

Und ließ mich tun, wie ich es tat,

Und hinter mir,

Wir konnten uns gewiss nicht in die Augen sehen,

Hocktest du auf meinem Buckel,

Und ich bäumte mich um

Deinetwegen.

 


 

Aufschläge 1372 - 1374

 

Ich sage dir, mein Sohn,

Ein jeder Augenblick

Biegt dir die Drähte deiner Spielzeugschaukel,

Und, wenn du nicht in der Stube bist,

Setz ich mich drauf

Und warte auf den Schwindel,

Der mich wie im Rausch erfasst,

Und kommst du plötzlich her zu mir,

Siehst du, wie ich die winzigen Raketen

Über mir am kleinen Himmel zähle,

Und du fängst sie einfach ein

Und zeigst sie mir und sagst:

"Es sind doch deine eignen Spielerein,

Und sie sind bunt und aus

Papier gemacht"

Und schupst mich kräftig an auf deiner

Spielzeugschaukel.

 

 

 

Ich schnitt auch Dosen durch

Und baute Räder dran,

Und kürzlich kam ein Mensch,

Der außerhalb gelebt

Und sich auch außerhalb verändert hatte,

Und der brachte mir ein Spielgerät,

Das kannte ich noch nicht,

Es war ein schwarzer Strich,

Der blieb von allen Seiten immer grade

Und der nie, auch nicht bei engster Sicht zum

Punkt verschmolz,

Und ich sah nur auf seine

Spitze.

 

 

 

Später, als ich heimkam,

Schnitt ich doch das Wort,

Das mich versperrte, mit der Zange durch

Und wirklich sprang die Flut von dem,

Was du mir sagtest, auf mich zu,

Und in den Händen

Schwenktest du die beiden

Teile meines Namens

Und warst froh und zeigtest sie herum,

Und nun seist du von allen zu beneiden,

Und ein eignes Kind

Sei dir nun auch gewiss

Und legtest dich, wie eine Frau sich legt,

Um zu empfangen.

 


 

Aufschläge 1375 - 1377

 

Schon oft trug sich die Frau in Sehnsucht ihren

Körper an,

Und neben ihr lag auch ein gelbes Blatt,

Das noch ein wenig grünes Moos vom

Mauervorsprung trug,

Auf den der Stängel schlug,

Und beide, Frau und Blatt, gefielen sich in ihrer

Abgetrenntheit.

 

 

 

Du kamst mit einem Lebenszeichen heim,

Und ich sah ganz genau,

Du kamst mit einem Zeichen deines

Lebens heim,

Mit deinem Leben, nun ein Zeichen,

Kamst du heim

Und legtest mir ein gelbes

Blatt mit grünem Wurzelwerk

In meine Hände,

Und es fiel mir ein Geburtstag ein,

Der könnte uns gemeinsam sein.

 

 

 

Sieh her mein Gott,

Sieh, dass Du mir nun glaubst,

Und sieh den Spaten hier in meiner Hand

Und dass ich ihn Dir führe,

Und ich rühre an

Das Sandkorn und Dein gelbes Blatt,

Und hauche auf die blaue Perle

Deiner Gunst

Und bettle mit den grünen Händen,

So, wie Du es sagst,

Tagaus, tagein,

Tagein, tagaus, um Deinetwillen

Und um meinetwillen.

 


 

Aufschläge 1378 - 1380

 

Du sagtest mir, das Ganze sei zuerst

Und dann erst sei das Teil,

Es sei ein Mund aus Stein gewesen, der die Wahrheit

Einst verkündete,

Und heute schweigt er still,

Und denke an den Unfall,

Der dich lähmte, und die Frage mit sich nahm,

Wer nun an deiner Stelle

Stehe, gehe, laufe, springe,

Und, wo deine zweite

Hälfte sei.

 

 

 

So sage ich zu dir und zeig es dir

Und trenne mir den Finger ab,

In den die Schlange stach:

"Das Ganze schlug ich nun entzwei,

Und auch die Axt und jenes

Gifttier und den Ast,

Den es umschlang,

Bekümmert meine Teilung wenig,

Und von jedem existiert ein Ganzes,

Wo und wie es war

Und ist

Und sein wird."

 

 

 

Andre, die es besser wissen müssten,

Sagten auch, dass die Gehirne zucken würden,

Um den Mund zu öffnen,

Und ein Kind, das eine Wasserflöte spielte,

Trank mit eben diesem

Mund die eignen Lieder,

Und es war tatsächlich, dass das Ganze

Kam und ging und speiste

Und sich selbst zur

Nahrung machte

Und verging.

 


 

Aufschläge 1381 - 1383

 

Alles, was du nun erkanntest, war ganz neu

Und wohlbekannt,

Und jemand, der dich führte, wies auf die zerbrochnen

Teile eines neuen Gottes,

Den ihr morgen heilen wolltet,

Und so war es,

Dass sich gestern schon die morgendlichen

Altertümer rüsteten, den Abschied

Zu bereiten,

Und der Handgriff einer Glocke,

Die du läuten solltest, riss,

Und ungezielt, wie losgelassen,

Fielen eins, zwei Schläge

An dem Seil herab.

 

 

 

Dann schwor ich mir, von allerliebsten

Dingen zu erzählen,

Und man würde mir gehorchen und mir glauben,

Und ich sah euch an

Und konnte euch nicht glauben und

Gehorche und erzähle euch von allerliebsten Dingen,

Wie sie waren, und sie waren so:

Man sägte, um zu teilen,

Alles, alles, alles einmal durch.

 

 

 

Die Späne deiner Arbeit ließt du liegen,

Und sie häufte sich und wurde alt

Und älter noch, als du,

Und jener junge Mann,

Ein Krüppel, der schon achtzig Jahre

Zwischen unseren Beinen kroch,

Und in den alten Truhen lagen die

Gelenke und die Glieder unsrer

Spielzeugpuppen,

Die wir feiertags zusammensetzten,

Und die mit den Gästen spielen mussten.

 


 

Aufschläge 1384 - 1386

 

Durch deine Krankheit, sagten andere,

Wärst du gezwungen, nur zu sein,

Und könntest nicht als Spielball

Kommen, gehen und vorüberrollen,

Und du warst ans Bett gefesselt,

Und ich sage dies:

Es ist das Wesen einer Zeit zu sein,

Und niemand kann sie je in seine Hände nehmen

Und den Hut drauf setzen,

Und die unbrauchbaren Stühle

Schwanken, wenn du sie benutzt,

Und deine Liebe kann die

Tische ohne Beine decken.

 

 

 

Wenn du sommerlich gekleidet liefst,

Sah ich den Abdruck deines Schoßes,

Den dein dünnes Kleid mich sehen ließ,

Der sanfte Wind verließ dich wie er kam,

Und seine Griffe glitten auf und ab an dir

Und waren gleich vorbei

Und zählten nur im ersten Augenblick

Und langten dir noch hintennach,

Und täglich, ja, ich sage täglich,

Und es war doch stündlich,

War minütlich, kamen diese Schwalbenvögel, die ihre

Nester aus der Erde bauten,

Und in deine Leibesmulden senkten,

Und sie waren flinker, als die Augen,

Die sie suchten.

 

 

 

Deine Schönheit

Brachte dich ganz wahllos in die Nähe schwerer

Statuen,

Und nichts zerbrach auf dir,

Und viele Teile fielen doch herab,

Und in der Tiefe eines Waldes

War ein unerforschter Krater

Über welchem meine

Tagesschaukel schwang und schwang und schwang,

Und niemand gab mir Schwung,

Und niemand hielt mich an.

 


 

Aufschläge 1387 - 1389

 

Mit großer Mühe

Stiegen wir bergauf am Berg der Früchte,

Käfertiere, die den Schaden brachten,

Und aus unsrer Höhe sahen wir, sich

Dörfer in der Großstadt bilden,

Und an einem Früchtestand

Versammelten sich die Bewohner,

Und dort unten würden wir, sobald es ginge,

Wohnen.

 

 

 

Noch bog der Wind die langen Halme,

Die sich morgens zwischen weißem Sonnenglas

Und Nachtschwarz wiegen ließen,

Und ein Mädchen,

Das schon eigne Kinder liebte,

Schenkte mir von diesem Wollhandgras,

Das fand es an sich täglich,

Anders wusste es sich nicht zu schützen.

 

 

 

Mir war alles gleich,

Und nichts war über mir,

Und was mich schirmte,

War für alle anderen und jeden ebenso vorhanden,

Und ich achtete den halben durchgetrennten Wurm

Genauso, wie ich seine zweite Hälfte legen ließ,

Und wirklich ehrte ich den Gott,

Der mich ihn ehren ließ,

Und dich, du warst ein Mensch,

Beschenkte ich mit Leben fremder

Kinder,

Die du abtatst,

Weil du satt warst.

 


 

Aufschläge 1390 - 1392

 

Das Stubentier war eine Zahl,

Die gut zu lesen an der Haustür stand,

Und auch auf Briefen

Fand man den Vermerk,

Und ich, der dieses Haus allein bewohnte,

Lebte wirklich Tag und Nacht für mich

Und sprach mit einer Spinne,

Die schuf sich ein Heim in meiner

Hand,

Die durfte ich nicht schließen.

 

 

 

Auf dem blauen Ball, der hoch im Himmel stand,

Lag sicher dieser große, blaue Fleck,

Der uns an seine Ufer drängte

Und die Augen füllte,

Und ich sah darin das gleiche Blau,

Das spiegelte den blauen

Ball.

 

 

 

Was ich schrieb, bedeutet dies:

Nimm, wie es war, ein Kreuz,

Ertrag es und verlieb dich in das Ding,

Es wird dich in die Höhe heben, beim Errichten,

Und die Nägel

Waren doch schon vor dir eingeschlagen,

Und du siehst,

Dass kilometerlang der Strom der auftraglosen

Frauen einen Auftrag formuliert,

Und ich darf hier nicht stören,

Und der Wind, der diese Mühle treibt,

Bläst auch das herrenlose

Mehl vom

Stein.

 


 

Aufschläge 1393 - 1395

 

Seitlich vor den Reihen gleicher Häuser

Stach ich Schlag um Schlag in der Vorbeifahrt

Ruderblatt in eine viel befahrne Straße,

Und es blieben Stich um Stich nun

Baum um Baum als Schaft zurück;

Um jeden einzelnen entstand ein Kreis,

Der sich in einem fort nach außen drängte

Und mir folgte.

 

 

 

Andre saßen abends

Und besprachen, was sie nicht verstanden hatten,

Und sie sprachen von dem Alter,

Das doch immer jünger werden müsste,

Und vergaßen einfach,

Dass auch umgekehrt die Jugend alterte,

Und in der alten Kneipe

Trank ich oft mein Bier, das schenkte mir ein Wirt,

Ich brauchte nicht zu zahlen,

Und er brachte es zu mir

Und trank es auf mein Wohl.

 

 

 

Die Flucht,

Die ich noch plante,

Schloss mich selbst mit ein,

Und diesmal würd ich mich bedenken,

Diesmal würde ich mich nicht zurück

Und ganz alleine lassen,

Diesmal, ja, so schwor ich,

Blieb ich hier bei mir

Und nähm mich endlich mit.

 


 

Aufschläge 1396 - 1398

 

Hier ist es so, dass ich den Mantel auszieh,

Und ich trag ihn Tag und Nacht

Und sitze dir schon lange gegenüber,

Und dies Tuch fällt ab von mir

Und geht allein in meiner Nähe,

Später weit entfernt, spazieren,

Und du speist mich Wort für Wort,

Und langsam, langsam wirst du satt,

Und auch die Höflichkeit

Lässt uns zurück

Und sucht sich andere.

 

 

 

So sprechen wir kein Wort,

Ein Blick genügt, in diesem

Sprachenwirrwarr, das wir selber inszenieren,

Uns noch über uns hinweg zu finden,

Und man sagt, dass deine Rede

Und die Antwort, die ich habe, in denselben

Augenblicken

Übertragen werden

Und sich nun berühren lassen,

Fragen lassen,

Spielbar werden

Und verlierbar sind.

 

 

 

Sonst stand ich als Wachsoldat

Auf den drei Kugeln,

Und ich war zugleich auf allen dreien,

Und ein Bild, das mich so zeigte,

Ließ den

Tisch in Blicken des Betrachters beim

Vorübergehen

Weiterwandern,

Dass es wirklich links und rechts zu sehen war,

Und ich von beiden

Lebte.

 


 

Aufschläge 1399 - 1401

 

Der Stein in meinem Weg,

Ist glatt von meinem Weg, der ihn besteigt,

Und niemals biege ich die Bäume

In die windgeneigte Seite,

Und das Gitter winterlicher Kälte

Schmiedet mich an meinen Platz,

So dass ich sagen will:

"Im Tod ist keine Liebe."

 

 

 

Wiederum nahm ich ein Holz,

Und mit den Fingernägeln grub ich mir die

Weihnachtsschnitzerei daraus,

Und die Vorbeifahrt rasend schneller Züge

Brauchte viel davon und mähte ganze

Wälder nieder,

Die doch voller Hoffnung steckten

Und im Glauben überquollen.

 

 

 

Wenn die Erntezeit sich nähert,

Und es ist mir dafür jeder Tag der rechte,

Und ich ruf mich stündlich und ich frag mich,

Wenn du scherzhaft sagst:

"Und eines Tages stehen wir vielleicht auf deiner

Erde über dir," geb ich dir meine Habe,

Und ich hänge wirklich nicht an ihr

Und liebe alles, wahrhaft alles ganz vom Anfang an

Bis hin zur schwarzen Farbe,

Die ich hüte, als mein liebstes

Kind.

 


 

Aufschläge 1402 - 1404

 

Als ich dich den schmalen Waldweg führte,

Rührte uns die blätterreiche Wolke,

Die sich rings erhob,

Und überall stand,

Stamm an Stamm, die Stille,

Die sie säulenartig trug,

Und neuerdings genügte es, den Himmel grün zu streichen

Und ihn auf die flache Hand zu stellen,

Oder, umgekehrt, auf ihm herumzulaufen,

Gleich, in welcher Farbe er sich zeigte,

Und Besucher fanden überall ein andres Bild.

 

 

 

Wenn wir an der Zimmerdecke liefen,

Kehrte keiner unsre Wege um,

Und wie ich sagte, ist es schwer, das Loch,

Durch das man einmal schlüpfte,

Wieder aufzufinden.

 

 

 

Mittags fraß ich dann aus meiner Hand

Und übte Demut,

Und nur einmal blieb die karge Mahlzeit aus,

Weil mir am Horizont der schwarze

Rauchpilz von verbrannter Erde in die Augen stieg

Und sich ein junges Mädchen

Immerzu dazwischen drängte

Und mich hinderte

Davon zu essen.

 


 

Aufschläge 1405 - 1407

 

Vier Brüder liebten eine Frau,

Die teilte sich in alle Jahreszeiten,

Und es blühte im November rosa Schnee,

Und im Dezember wuchs das blaue

Veilchen hinter alten Büchern,

Und im Mai schoss ihr ein Jäger einen

Silberfuchs,

Der Sommer

Ließ sie vierfach schwanger werden

Nur an einem Tag.

 

 

 

Mir war jede Stunde meines Glückes recht,

Und viel verstand ich erst,

Als du gelegentlich von deiner Ernte auf mir sätest,

Und ich musste dir beweisen, dass die eine Blume,

Die ich von mir pflückte,

Dir gehörte,

Und ich würde sicher irgendwann einmal von deinen

Früchten nehmen,

Und wir standen beide vor dem Bild,

Dass uns uns unsre Zukunft

Zeigen würde.

 

 

 

So schriebst du an deine Tochter,

Dass sie sich den Tag der eigenen Geburt bewahre,

Und du hättest ihn in einer Schachtel

Aufbewahrt,

Er zähle dir wie der von hundert Töchtern,

Die sich nach und nach an dir

Vollzogen.

 


 

Aufschläge 1408 - 1410

 

Du schriebst in einem Aufsatz, dass der

Mensch ganz leiblich sei,

Und wär es so,

Und würd er dir begegnen, greifbar

Und so nah, dass du ihn sehen könntest,

Würdest du ihn lieben,

Und von dir,

Weil du von andren nicht berichten konntest,

Gab es keinerlei Substanz,

Die vorweisbar und handlungsfähig sei,

Auch nistete in deinen Haaren,

Zwischen rotem Mohn der schwarze

Rabenvogel.

 

 

 

Andre sagten so:

Wär meine Tagesspeise göttlich,

Müsste ich verhungern,

Und ich wünschte mir schon immer vor dem

Licht der Sonne große Farbenräder zu betreiben,

Um zu wissen, ob auch deren Schatten

Farbig seien.

 

 

 

Dann suchtet ihr ein Spielgerät,

Dass mit sich selber spielte,

Und ihr fragtet, wessen nun die Freude sei,

Und wirklich konnte man erkennen, dass das

Tier nicht lachte

Und nicht weinte

Und nicht hasste

Und nicht liebte,

Und das Leben einer Schranke

War beziehungslos nach beiden

Seiten.

 


 

Aufschläge 1411 - 1413

 

Kein anderer als du ist du,

Und ich bin ich,

Und wärst du nicht in mir

Und ich in dir,

Du wärest niemals du,

Und ich wär niemals ich.

 

 

 

Das Haus,

Das du bewohntest, wo du heimisch warst,

Stand oft allein,

Und wenn ich zu dir kam,

Sah ich dich grad noch gehn

Und niemals gingst du in die Tür, nur immer

Fort und fort und fort,

Und alle Worte, die du sprachst,

Verließen deinen Mund,

Ein Eichhorn,

Das erkannte ich genau,

Grub schon im frühen Herbst die

Haustürschlüssel ein,

Die ließt du achtlos fallen.

 

 

 

Unter meinen nackten Füßen

War der Sand hauchdünn gefroren,

Und er brach und gab mir nach,

Und an der Küste, auf der Grenze,

Zwischen kalt und warm,

Und hoch und tief

Und grün und blau, ja, an der

Trennung zwischen Himmel

Und dem Meer schlief ich ein wenig ein

Und hörte noch,

Wie ich mich liegend fand,

Und ließ mich sein.

 


 

Aufschläge 1414 - 1416

 

Ich sah, wie du dich quältest

Und mit flacher Hand versuchtest, jene

Glatte Mauer zu erklimmen,

Und dein Körper floss herab,

Als Sturzbach brachst du nun im Rohrbruch,

Der die Wahrheit sprengte,

Aus den hoch gelegnen

Fenstern.

 

 

 

Andrerseits, dort, wo du mich nicht wusstest,

Sah ich auch,

Nur so wird ein Gedanke wach,

Mit Kopf

Und mit geballter Faust

Dringt man in goldene Fassade,

Aber du darfst nichts verletzen von dem Glanz,

Und du erscheinst dann gänzlich nackt,

Unwirklich blau,

Auf andrer

Seite.

 

 

 

Verlörest du die Beine,

Dass sie ohne dich die Wege gingen,

Blieb dir immer noch,

Dass sie dich niemals wieder finden würden,

Und du liefst und renntest ihnen nach,

Weil dich die Neugier

Triebe.

 


 

Aufschläge 1417 - 1419

 

In deinem Atelier bekanntest du

Und fügtest auf dem Boden

Stein an Stein,

Die waren aus dem Fluss bis hier geschwemmt

Und glatt und handgeschmeidig,

Und sie engten dich so maßlos ein in dieser

Form, in Kreisen,

Die du um dich legtest.

 

 

 

So war es, als du zu mir kamst,

Und legtest dich zu mir

Und bliebst

Und warst mir untertan

Und rettetest den Augenblick,

Zu gehen, wann du wolltest,

Und ich sah den Ungeist,

Den du an dem Nasenring

Mit dir herumtrugst.

 

 

 

Im Tannenwald

Hing man dich auf,

Und Spottgeflüster flocht den Strick,

Der war ganz leer und dünn und voller Unverstand,

Dass es schon schien,

Es sei nicht recht von dir, zu dieser Zeit als

Richter sich die Schnur der Knoten

Umzugürten.

 


 

Aufschläge 1420 - 1422

 

In deiner Kammer

Ließ man dich nun unbekleidet stehn,

Und voll Verzweiflung

Gabst du rücklings deine

Körperwärme ab an deine nackte

Schwesterwand, die stützte dich,

Und leise pendelte das dünne Kabel von der

Zimmerdecke,

Schwang die schwache Lampe

Dir durch

Nase, Augen, Mund

Und leuchtete dich gänzlich aus.

 

 

 

Man legte Steine

In das dunkelbraun gefärbte Küstenlied,

Du musstest springen von dem einen

Ungewissen in das andere,

Und singen musstest du und froh die Stimme

Klingen lassen,

Und du wusstest nichts von einem

Unterschied,

Der zwischen linker und der rechten Hand bestand.

 

 

 

Und unter dieser Mahlzeit,

Die so jämmerlich gestaltet vor dir stand,

Lag noch ein Brief,

Der kam, so wolltest du's, aus fremdem Land,

Und schriebst ihn dir

Und schenktest ihn dir als Belohnung

Für die lange Zeit,

Die zwischen dieser Speise

Und der Mahlzeit lag,

Die vor dir stand.

 


 

Aufschläge 1423 - 1425

 

Du wohntest selber in dem zweigeteilten Haus,

Es stand das eine in dem anderen,

Und so war es gebaut

Und ganz aus Glas,

Man sah dich innerhalb

Und mitten in der Spaltung

Oder außerhalb,

Und wenn du darin lebtest,

War es nur die Suche nach dem Antriebsmotor,

Und von außen konnte niemand helfen.

 

 

 

Griffe ich durchs Panzerglas

Nach deinem Handgelenk,

Nur um die langen

Ärmel deines Kleides etwas hochzuschieben,

Dich ein wenig roh zu lieben,

Nackt und noch ein wenig blutig,

Griff ich so nach dir, du würdest auch die

Drähte der Verschalung

Numerieren und verklagen.

 

 

 

Dann sah ich eine alte Uhr in einem Käfig stehn,

Und einmal täglich war die Fütterung,

Und tausend Menschen

Sahen immer wieder,

Wie sie alles nahm,

Und wuchs nicht an

Und quoll nicht über,

Und sie schrie von Zeit zu Zeit nach dem

Dompteur,

Der sie bewegen sollte.

 


 

Aufschläge 1426 - 1428

 

Du, ein Mann, warst filigran in Gold gefasst

Und führtest eine Kindlichkeit zur Ehe,

Und tagaus, tagein beschafftest du in Rollen von dem

Edlen Draht,

Das allzu junge Weib

Erwuchs auf der daraus gewebten Matte,

Und es war, dass du zu gleicher Zeit im rohen

Ei an schwarzer Schale

Kratztest.

 

 

 

Hier stand alles still,

Und nur der Ball kam auf dich zugerollt

Und kam dir doch nicht näher,

Und es war der Abhang,

Der ihn laufen

Und dann über einen Absatz springen ließ,

Und wenn man Augen operierte,

Nahm man sie heraus,

Und kein Patient 

Konnt sich an diese Wanderschaft

Erinnern.

 

 

 

Mir war es, im Kugelhaus zu wohnen,

Und es drehte sich so schnell,

Und aufrecht konnt ich jedes Innenteil der Hülle

Wie gewohnt beschreiten,

Und von draußen,

Soviel konnte ich verstehn,

Bewohnte man ein Kugelhaus,

Das stand ganz still

Und ließ sich rundherum begehn auf seiner Oberfläche,

Und es zeigte Fische,

Wie sie in der Tiefe

Schwammen.

 


 

Aufschläge 1429 - 1431

 

Vor dem Volk, das tausendfach die

Rede deiner Krankheit hörte

Und dich sah,

Beriefst du einen Helfer, der dich von dem

Kopfverband befreite, ihn dir löste,

Und er lag um Haar, um

Stirn, um Augen, Wangen, Nase, Mund;

Und den Soldaten,

Der sich schließlich ohne Tarnung,

Unverletzt, dem Feind ergab,

Erschoss man auf der Stelle,

Und dein Leib war völlig

Unversehrt.

 

 

 

Es war nicht so, dass du Theater spieltest,

Weil du überzeugen wolltest,

Und der Maskenbildner passte dem Gesicht,

Das dich nach innen blicken ließ, den Ausdruck

Deiner Tageserde an.

 

 

 

Dann drehtest du dich schnell nach hinten,

Und du warfst die

Worte deines Mundes weit von dir

Und alle sahen, wie sie sich in falscher Richtung

Von uns wandten, gegen eine Mauer prallten

Und verletzt und blutig liegen blieben,

Und wir halfen uns und schrieben Bücher,

Die bestanden nur aus aufgeschriebnen

Zahlen.

 


 

Aufschläge 1432 - 1435

 

Du fragtest mich nach meiner Schreibarbeit,

Und das war gut, denn meine Schrift

War nicht zu lesen und bestand aus Lücken

Zwischen abgerissenem Papier,

Das klebte ich nun stellenweise auf die Tageszeitung,

Und was übrig blieb, las ich mir vor,

Und unter deinem Feuerschutz konnt ich im

Land der Feinde ruhig beten.

 

 

 

Als man mich zum Prediger bestimmte

Und an Fäden zog,

Die mir das Mundwerk öffneten,

Vergaß man ganz den Schreckensausdruck,

Den ich zeigte,

Und man kam und las die

Zeile meiner ungeschriebnen Worte deutlich,

Und ich selbst war Zeuge,

Und es sprach auch nicht für mich, dass ich für meine

Lage viel Verständnis zeigte.

 

 

 

Mein Amt für alle Zeiten

Sollte es von nun an sein, verspätete

Geschäftspapiere anzunehmen,

So, als wären sie zur rechten

Zeit gekommen,

Und ich durfte nicht die Überlegenheit

Der weitaus helleren Gestirne als die Sonne

Andre spüren lassen.

 


 

Aufschläge 1436 - 1438

 

Wir hörten dann ein großes Werk von dir

Und hundert Instrumente durch den Morgentau;

Vom Stacheldraht

Fiel von den spitzen Enden

Tropfenweise ab und zu ein Halbton

In das graue

Gras.

 

 

 

Auf der Jagd verunglückt hing ein Habicht

Aufgespießt im Schlehdorn,

Und ihr Frauen

Fragtet euch vertraulich,

Wann der Tod der eignen Männer

Zu euch käme

Und was danach sei,

Und spracht auch über euer

Alter, jetzt zu dieser

Zeit und dann, danach,

Und eine schlug den Baum, der vor ihr stand,

Umschlang den Stamm, 

Und flehte, dass ihr endlich Arme wüchsen,

Sich zu halten.

 

 

 

Nichts verstandet ihr von dem, was

Brot lebendig werden ließ,

Und ihr gestaltetet Figuren, Häuser, Puppen aus dem

Teig,

Und würdet ihr den neugebornen Leib nicht

Kneten, schlagen,

Hörten wir niemals das

Wehgeschrei der

Hungernden.

 


 

Aufschläge 1439 - 1441

 

Du lagst im Weg

Und warst verletzt, als ich dich fand,

Und über Steine sah ich noch die Kräfte springen,

Sah sie dich verlassen,

Und du sagtest mir zum Trost,

Dass du so schon jahrelang an deiner

Liebe hingst,

Und dieses sei das Bild,

Von dem du sprachst:

Die Königin der Reichen gibt den schwesterlichen

Kuss der reichen Königin.

 

 

 

Andre sahn dich so:

Du schlangst die Arme

Um den alten Stamm,

Verlangtest so Geborgenheit,

Und wirklich saß ich oft in deinem Schoß,

Und du fandst immer noch den Weg,

Dich eng um mich zu schließen.

 

 

 

Und die Bilder,

Die wir sahen,

Zeigten, dass das Laub der Bäume

Teppichweich, begehbar war,

Und dass man nicht die abgefallnen Blätter meinte,

Sondern dass die weißen Wellenkämme

Sich im Himmel

Spiegelten.

 


 

Aufschläge 1442 - 1444

 

Die Wohligkeit der Wärme meines Zimmers

Schnürte ich als Rucksack auf

Und lag inmitten meiner ausgestreckten Hand

Und malte mir die bunten Fresken an die Decke,

Und von außen lag der Sonnenschein darauf

Und drang herein zu mir

Und ließ mich in dem Kämmerlein

Von einem Ast zum andren

Fliegen.

 

 

 

Mir war wohl,

Und meinem Bruder ging die

Kraft der Heilung nebenher

Und hielt ihn auch gesund,

Und seine ersten Kinderbilder,

Die er selber damals malte,

Zeigten ihn als Greis,

Er war doch noch so jung,

Und auch das

Holz der Bilderrahmen

Blühte grau.

 

 

 

Nur diese eine Frau, die ich so liebte

Und sich neuerdings an meinem Hals festhielt,

Bewachte meinen Mund im Schlaf aus

Dem ich sprach,

Nur diese eine Frau verlangte

Nacht für Nacht die Träumerin

In meinem Traum

Zu sein.

 


 

Aufschläge 1445 - 1447

 

Vom Laufen durch den Nebel

Nässten sich die Wimpern ein,

Und als ich an die Wäscheleine stieß,

Verließen alle Tropfen,

Die dort hingen, ihren Platz,

Die Perlenschnur

Stand augenblicklich in der Luft,

Und eine zarte Kälte

Rollte über mich.

 

 

 

So bauten wir ein Basislager auf,

Und was ich dachte, schrieb ich nieder,

Und ich hielt es fest in kalter Höhe,

Und die Schrift verlegte ich,

Gefroren und geschichtet, in das Eis

Und wohnte doch im Zelt,

Das hier in meiner Stube stand,

Und schlug und bohrte meine Seile

Irgendwo an grade und auch schräge

Wände.

 

 

 

Dann zwang man mich von einem langen

Brett ins Meer zu springen,

Und die Blume,

Die von unten wuchs

Und die ich so, auf diese Weise aufnahm,

Zeigte mir im Bild,

Wie raumlos, haltlos sie dort schwamm,

Und ihre Schlingen

Wuchsen nicht um meine

Beine.

 


 

Aufschläge 1448 - 1450

 

Ich zielte mit dem rechten

Zeigefinger ganz genau auf dich

Und schoss ihn ab

Und wachte auf, als man mit winzig kleinen

Angelhaken nach mir warf

Und mich auch traf

Und an mir zog,

Und tausend dünne Fäden

Spannten mich nach außen

Und ich musste so die

Selbstamputation vollbringen.

 

 

 

Es war, dass man mich fragte,

Und ich schwieg,

Man nahm ein Teil von mir,

Kann nicht mehr sagen, welches,

Übergab es dir, ich ging verletzt davon,

Und später kam ein

Brief an mich, mit dieser Frage,

Ob es möglich sei, dass sich die Schmerzen

Irren könnten,

Oder schmelzbar seien,

Um sie umzugießen.

 

 

 

Ich zerbrach mit jedem Tag ein wenig mehr

Als ich mich von mir löste,

Trauerzeit begann,

Und jeder stahl sich hier und dort ein kleines

Stückchen,

Und verteilt sah ich mich wachsen,

Fest und unverwundbar,

Tausendfach entstand ich neu

Und irrte unter allen, ein

System von Uhren, die die gleiche

Zeit ansagten

Und doch ganz verschieden gingen.

 


 

Aufschläge 1451 - 1453

 

Gestern ludst du mich ein zweites

Mal in deine Werkstatt ein,

Und diesmal kam ich gern,

Und deine Mutter

Starb vor vierzig Jahren,

Und sie stand am Tisch

Und kochte eine Lieblingsspeise,

Die sie uns servierte, eine

Schale, angefüllt mit Kieselsteinen,

Und die aß sie ganz allein,

Sich zu beschweren.

 

 

 

Du webtest einen Teppich aus dem

Faden einer fremden Sprache,

Und die Ehrlichkeit,

So sagtest du, sei besser als die

Brücke, die aus Stein gebaut,

Von deiner linken Hand

In deine rechte führe,

Und man sähe auch den Mut des Morgens, der vertraue,

Und die Weisheit,

Die er mit sich bringe.

 

 

 

In deinem Zimmer

Sah ich gleich, dass sich die Sonne

Hier von deinen goldnen Farben ständig stahl,

Und tief war schon das

Loch, aus dem sie schöpfte,

Und du selber maltest,

Und du wagtest kaum den Pinsel an den

Sonnenrand zu legen,

Und ich neidete dir diese Freiheit,

Die dir so geschah.

 


 

Aufschläge 1454 - 1456

 

Man sagte mir, die Lichtsignale stünden still,

Und die Gedanken hätten wieder Vorfahrt,

Und es war ein Kind, das kam zu Tode,

Niemand traute sich zur Hilfe

Als es hier in meinen

Armen lag,

Und doch war nichts mit ihm,

Und wir besprachen uns,

Und alle Wagen

Drängten sich zur Seite,

Und es war ganz still um uns herum.

 

 

 

So legte man auf meinen Tisch

Notizen mit Verboten,

Die ich niemals kannte,

Und ich durfte nicht auf neuen Sonnen schlafen,

Und es gab doch Frauen,

Die entstanden einfach,

Wenn man dauernd abseits lag vom

Tageslicht.

 

 

 

Lange Jahre

Wohnten wir zusammen,

Und du warst von großer Güte,

Und du liebtest alles, was du tatst,

Und ich tat nichts

Und liebte nichts

Und hatte keine Güte,

Und das Zimmer

War so klein, dass immer nur ein einziger von uns

Drin wohnen konnte,

Und, das weiß ich,

Weder du noch ich zog jemals ein.

 


 

Aufschläge 1457 - 1459

 

Als ich draußen unsre Wäsche trocknete,

Geschah es wegen gestern,

Und ich sah den Stuhl im Müll,

Und du warst weit entfernt,

Und auf dem Fundstück

Lag ein Brief, dass dies kein Abschied sei,

Und deine Reise gelte andren Unglücksfällen,

Die du zu besuchen hättest.

 

 

 

Lange quälte mich ein Zweifel,

Wenn ein Gummimotor

Sich in meinem Kopf bewegte

Und mich drehte und lebendig zeigte,

Und ein Vater liebte seine Tochter

Vor den anderen

Und tat dies zum Beweis,

Den man verlangte.

 

 

 

Dann redeten verschiedne

Gegenstände auf mich ein,

Und auch die Übersetzerin bewies mir,

Dass es dieser unverstandne

Hunger sei, der die Geräte

Unablässig zueinander sprechen lasse.

 


 

Aufschläge 1460 - 1462

 

Es drängte von den Seiten,

Und man strömte hin zum

Platz auf dem die Köpfe standen,

Und sie wölbten sich in Eisen,

Und sie waren übergroß

Und ließen kaum mehr Platz für viele neue Köpfe,

Die nun auf den Platz der Köpfe

Kamen.

 

 

 

Alles, was du an dir tatst,

War nicht mehr gut,

Und blutig sah ich

Punkt für Punkt lebendig unter deiner Haut,

Und dieses sei die älteste der Künste,

Sagtest du,

Und sprachst zu einem alten Baum von

Körpermalerei.

 

 

 

Und drittens, sagtest du,

Und warst mit beiden

Beinen festgewachsen im Beton,

Und drittens, sagtest du,

Sei so das Ende eines Nagels demonstriert

Und hängtest deine

Kleidung über meinen Arm,

Die Schuhe

Blieben an dem Glas der Füße

Haften.

 


 

Aufschläge 1463 - 1465

 

So zersprang das Glas

Und eine Hand mit ihm,

Und niemals sollen allzu sanfte

Töne auf dem Rand der Trinkgefäße tanzen,

Und dein Finger

Gleitet kreisend, summend, immerzu auf meinem

Lippenrand

Und macht die Glasmusik.

 

 

 

Dann geschah es, dass ich keine Speise zu mir nahm

Und nahm mich nicht mehr auf

Und pflegte mich

Und stieß mich heftig wach

Und brauchte noch den Rest von mir

Und gänzlich auf

Und stand gepflegt

Und ständig aufrecht, nun als Wachsoldat

Vor einem Krankenzimmer, das mich

Aufbewahrte.

 

 

 

So verschnürt

Und völlig eingepackt, empfingst du mich,

Ich war mir selber Bote,

Und die Tür, an die ich klopfte,

Fiel heraus,

Und hinter ihr fiel alles, was ich sah zu Boden,

Und der Boden selbst

Fiel aus der Schachtel,

Die mich hütete,

Und mir entgegen.

 


 

Aufschläge 1466 - 1468

 

Wir sahen aus der Ferne,

Dass sich deine Liebe nun erfüllte,

Und der stumpfe Dampf des Trockeneises

Sank zu Boden,

Und wir sahen, dass ein grauer Vogel

Alles trank,

Und übrig blieb der

Heiratsantrag, der sich vor euch stellte,

Und sich sanft um eure

Leiber wand.

 

 

 

Man fand im Laufgang frische Asche,

Und du trautest dich das erste Mal,

Bliebst stehen, um den trocknen Regen

Zu empfangen,

Und der Mann, der weinte,

War ein Fresko in dem

Dachgewölbe.

 

 

 

Du erinnerst dich an das,

Was ich euch gestern vorlas, ein Gedicht,

Das ich zuvor geschrieben hatte,

Und erst heute fand es statt,

Und jemand sprach die Zeilen,

Weil sie sich ereigneten,

Und in den Händen

Hielt ich fest das

Protokoll.

 


 

Aufschläge 1469 - 1471

 

Gestern Abend

Überfiel man mich zu später Stunde,

Und man fing die Finger

Einzeln ein mit langen roten Zangen,

Und es war doch niemand dort,

Der mich gefangen hielt,

Und niemand der mich quälte,

Sondern ganz allein saß ich auf einer

Bank vor einer Bühne,

Die selbst noch vor leeren Plätzen

Spielen würde.

 

 

 

Dieses war der Anfang

Eines leeren Abends,

Und ich löschte eine Kerze aus,

Wie ich es in dem Buch gelesen hatte,

Und tatsächlich schlief ich ein

Und sah sofort darauf,

Dass mich die ausgestreckte Hand

Erreichte,

Und ich löschte mich, wie jeden leeren Abend

Aus.

 

 

 

Ähnlich war es auf dem Gitter,

Das ich lebend übersprang,

Und griff, mich abzustützen, in den Stacheldraht

Und blieb an seinen Drähten

Irgendwie mit irgendetwas meines nackten Körpers

Hängen

Und gestand in dieser Lage meine Unbeholfenheit,

In eine Schwerelosigkeit zu

Springen.

 


 

Aufschläge 1472 - 1474

 

Die Kinder waren krank

Und nicht einmal im Fieber

Konnten sie noch phantasieren;

Raumlos trieb ihr

Segelschiffchen immer wieder an den Strand,

Man sprach mit ihnen,

Und Gesundung

Brachten nur unendlich lange

Zahlenreihen.

 

 

 

Es war ein Schild weit über mir,

Und es war immer dort, wenn ich mich fand,

Und euer Sprichwort

War mir fremd,

Ich spürte hinter meiner Schulter nicht den Tod,

Und sah auch in der Ferne nicht die

Mädchenhaften Brüste

Aus den Wiesen wachsen,

Sondern meine Sohlen

Klebten immer neu am Straßenpflaster,

Und das Leben

Hielt sich dicht an meiner

Seite.

 

 

 

Außerdem verlangte ich zu viel von dir

Und war zu Haus,

Und du botst mir noch außer allem, was du hattest,

Außer allem, was ich je in dir gepflanzt,

Von dir geerntet hatte,

Auch noch ein Zuhause,

Und es war das erste Mal,

Dass ich dich als mein Raubgut hochhielt,

Und du ließt dich rauben,

Und die Doppelpfeile surrten leise

Und ganz nah an unsren

Köpfen.

 


 

Aufschläge 1475 - 1477

 

Die kriegerischen Völker

Übten vor dem Spiegel,

Und ich tastete mich Stein um Stein entlang der Mauer,

Und ich würde wohl die niedrig, schmale

Pforte zu den Sommergärten finden,

Und tatsächlich sah ich nun in jedem dieser

Mauerfelder mein Gesicht,

Es sprang auch ohne, dass ich weiterging,

Von einem Ziegel zu dem anderen.

 

 

 

So ist es, dass du mich verstehst:

Du wirst nicht wissen, was das ist, der

Tag, die Nacht,

Und lebst doch pausenlos zugleich im Tag

Und in der Nacht,

Und außerhalb

Und oberhalb

Und unterhalb,

Ja, innerhalb sogar,

Verlor man alles,

Was uns irdisch machte.

 

 

 

Und es strickte eine junge Frau

Und zog an einem Faden,

Und der Mann,

Der in dem Buch die Zahlenreihen harkte

Und begrenzte

Und den Wildwuchs stutzte,

Dieser Mann war selbst das Wollknäuel,

Welches sie am Abend liebevoll den

Katzentieren gab,

Damit zu spielen.

 


 

Aufschläge 1478 - 1480

 

Das Buch, aus dem ich meine Freiheit nahm,

Schlug ich gelassen zu,

So frei war ich,

Und hatte nicht und nie ein

Wort daraus gelesen,

Und ich war befreit und legte alle

Mäntel falscher Wohligkeit

Beiseite,

Und zu andrer Zeit,

Das gab ich zu bedenken,

Würd ich unter trocknem Durst die Sehnsucht

Auszutrinken,

Wieder ganz vergessen.

 

 

 

Man sagte auch, die dunkelsten der graden Wege

Ginge man allein

Und brechend stürze nur das helle

Licht der Feinde

Auf uns zu, ein Luxus,

Den sich sonst die Einsamkeit

Erlaube,

Und sie ritt an meiner Seite,

Und um sie herum war niemand,

Und kein Wegelagerer

Verfolgte uns

Und sah uns auch nicht nach.

 

 

 

Zehn der Tage,

Die wir auf die Bühne schauten,

Waren schon vorbei,

Und in dem Raum

Erstreckte sich ein langer Tisch,

An jedem seiner Enden

Saß ein strenger Mensch,

Sie sprachen, aßen, tranken

Und verdauten nicht

Und schwiegen immerzu,

Und jedermann erkannte, dass die

Weichen schneller Züge,

Die dazwischen lagen,

Wahllos einem fremden

Mechanismus ihre Steuerung

Verdankten.

 


 

Aufschläge 1481 - 1483

 

Drei Fragen brachte ich zu dir,

Sie sollten überleben lernen,

Und die eine lautete:

"Warum, "

Und aß so schlecht,

Und kümmerlich war ihre

Zeit der festen graden Kanten,

Und die andere sprang aufgeschreckt

Und aufgeregt und war der

Blick, der alles sah,

Und starb vielleicht am Überfluss,

In dir, die meine Klagen annahm,

Fand ich wohl den Nachtgesang der

Nummer Drei.

 

 

 

So sollst du mich verstehn:

Wenn aus dem Raum die

Astronauten wiederkehren,

Werden sie in ihrem Leben

Niemals mehr zu gleicher

Zeit wie wir auf unsrer Erde stehn,

Und eine Schaltung deines Herzens

Zwingt so überlaut zur

Regelmäßigkeit der

Liebe.

 

 

 

Oder ich versteh dich so:

Dein Weib ist Teil von dir

Und kommt und geht

Und steht in offner Tür

Und lässt die weißen Schwäne

Durch die Öffnung ziehn

Und summt sich leis ein Lied zum

Rauschen ihrer Flügel,

Die dich tragen.

 


 

Aufschläge 1484 - 1486

 

Die Kamelie

Blühte nur in dieser Höhenlage,

Und es war ein Schlafgemach,

Durch dessen Kuppel

Stach der frühe Morgenstrahl

Die Kälte ab,

Und sonderbar war eine klare Helligkeit,

Die uns aufs Lager brachte,

Und die Zapfen

Schmolzen und gefroren augenblicklich

Ineinander.

 

 

 

Später fiel der rote Blütenring

Vom Zweig,

Der weiche Teppich

Nahm ihn auf

Und eben diese, deine

Hände, hoben deine Brüste an,

Es schmiegte deine Wange

Fast bis an den Rand des Duftes

Dort hinein.

 

 

 

Dann legten wir das erste Mal die

Drähte deiner Gitter

Ordentlich beiseite,

Und du zähltest sie

Und nanntest sie mit Namen,

Und ich sah sofort, wie falsch es war,

Was ich von dir verlangte,

Und die Wärme

Prallte von dem Weiß der Schale ab,

In der du lagst,

Aus der du dich von mir

Getrunken wünschtest.

 


 

Aufschläge 1487 - 1489

 

Die Gravur des Ringes stand in deinen

Augen,

Und ich musste spiegelbildlich lesen,

Und die Initialen

Trug ich doch an meiner Hand,

Und nun verstand ich auch die

Ruhe an dem See,

Dem jahrelang nicht eine Welle an die Ufer brach

Und dem kein Windhauch

Durch die Morgennebel harkte,

Und dies

Bild war eine erste

Körpermalerei.

 

 

 

Du lebtest eng an dir mit dir in einer Kammer,

Und das Buch, in dem du last,

War schrecklich nah vor deinen Augen,

Und es war nicht nah genug,

Und eine

Zofe stand in deinem Rücken,

Und es war das lange

Wellen deiner Haare,

Das dich liebte.

 

 

 

Gegenüber spielte man die

Melodie der Landschaft,

Und es waren die

Geräusche der Natur,

Die man dort hörte in der Nacht,

Und, als ich meine Ohren

Öffnete,

Und meine Augen,

Lag ich angeschnallt auf einem

Tisch der weißen Laken,

Und man operierte tief in meinem

Innern,

Und ich sah hinein.

 


 

Aufschläge 1490 - 1492

 

So musstest du dich selbst verraten,

Und auf deiner Hand aus Holz

Konnte doch der

Schnee nicht schmelzen,

Und ich sah auch deutlich:

Hier war ich nur Gast,

Ein Fremdling würd ich vor mir bleiben,

Und dein Haus

Würd ich nie finden.

 

 

 

Mir träumte, dass ich hinter großen

Steinen einen Menschen tötete,

Und nur die Rücken,

Die ihr mir auf diese Weise zeigtet, waren

Zeugen,

Und sie sahen wirklich nichts,

Und ich, gewiss ich glaub es,

Ich vergaß die Tat für viele Jahre,

Und ihr spracht zu mir

Und wecktet mich

Und wolltet mich aus meiner

Wahrheit lösen,

Und ich starb doch hinter großen Steinen,

Und es sah kein Mensch.

 

 

 

So blieb von deiner Schönheit wenig,

Und die Einzelteile

Waren längst schon mehrfach ausgewechselt worden,

Und das heiße Blut,

Das sonst an kalten

Tagen bis in deine

Fingerspitzen schoss,

Trat einfach aus

Und suchte sich woanders engere

Gefäße.

 


 

Aufschläge 1493 - 1495

 

Stell dir vor,

Du solltest dienen;

Nur zu dienen, dienen,

Und du wärest untertan

Und tätest alles unter deiner Würde,

Und man hätt dich unter sie getan,

Sie läge über dir,

Und sie begrübe dich, den

Diener.

 

 

 

Stell dir vor,

Du wärst die Würde über dir

Und müsstest dir den

Dienst erteilen,

Und du träfest dich mit dir

Und solltest dich dir zeigen.

 

 

 

Stell dir vor,

Du wärest wirklich, wie du bist,

Und dientest deiner Würde

Und sie diente dir,

Und du in dir du wärst

Wie wir.

 


 

Aufschläge 1496 - 1498

 

So farbenfroh warf niemals eine Bergwand eine

Melodie zurück,

Wie nun im Echo deine Silberflöte,

Und sie blies auf

Wäldern, Bäumen, Blättern,

Und sie ließ den Stein im Weg nicht aus

Und blies der Schnecke,

Einem Halm,

Und rollte noch ein Sandkorn

Hin und her im Wechsellied,

Und leise drang der warme

Regen dieser Töne tief in mein

Gesicht.

 

 

 

So war mein Untergang in diesem Herbstbild,

Und ich liebte dies Ertrinken,

Und ich schöpfte von dem Wasser

Und ich spielte mit den sonderbaren

Roten, grünen, braunen, blauen, weißen, gelben

Fischen,

Die sich nicht um mich bekümmerten

Und blieben doch voll Stolz in meiner

Nähe, um zu

Schwimmen.

 

 

 

So vertrauten sich die

Jahreszeiten immer wieder,

Und ich sah genau, wie in den Wassertiefen

Winter kam;

Er sprach sich ab mit seiner Schwester oberhalb,

Und ließ es schneien, frieren und auch sterben,

Und in deiner Kammer

Schufst du unbeirrt ganz neue Klänge,

Und du spieltest sie

Und liebtest sie

Und kämpftest in der Kälte um ihr

Überleben.

 


 

Aufschläge 1499 - 1501

 

Zu lange hatte ich nicht königlich gelebt,

Um königlich zu sein,

Und dachte an ein neues Spiel,

Und jeder brächte täglich einen Stein,

Den würden wir in dieses

Landschaftsbild, in dem wir lebten, fügen,

Und es musste immer nur ein

Stein aus deinem Leben sein.

 

 

 

Was nützte mir die Kleidung über meiner

Kleidung,

Und du sähst mich nackt

Und sähst auf meine Liebe,

Wie sie, brach, sich nicht erheben kann, ein

Acker, der vor Ruhe strotzt,

Und deine Nähe

Lässt mich flieh'n

Und weichen Rasen

Über deine Augen

Ziehn.

 

 

 

Dann sprach die Stimme,

Und es musste deine sein, durchs Telefon,

Und jedes Leben

Hätte drei besondre Augenblicke:

Und zuerst, wenn sich die

Augen öffneten,

Und dann, wenn du ins

Helle kommst,

Und drittens, wenn sich deine

Lebensmitte in der

Waage hält,

Im letzten Augenblick.

 


 

ISBN 3-937264-65-5