Buchtitel
ISBN 3-937264-25-6
Lyrik.
10.000 Aufschläge
Band 14: Aufschläge
6502 - 6999
"Es lohnt
sich, einmal einen heutigen Dichter kennen zu lernen, der mit der deutschen
Sprache einen faszinierend fremden Weg betritt und trotzdem dem Leser Freiraum
lässt für eigene Gedankengänge, ohne dass die Probleme in erhobener
Zeigefingermanier zu zeitkritischen Trampelpfaden werden." (1986: Gutachten).
Harald Birgfeld, von Beruf Diplom-Ingenieur, schrieb seine
Gedichte während der morgendlichen Fahrt mit der Hamburger S-Bahn zur
Arbeit. Seine Texte entstanden fast
immer bereits in endgültiger Form.
Copyright 2007 beim Autor, Harald Birgfeld, alle Rechte vorbehalten.
Kein Teil dieser Veröffentlichung darf ohne schriftliche Erlaubnis des
Herausgebers, Harald Birgfeld, reproduziert werden. Das gilt insbesondere für
Vervielfältigungen, Übersetzungen, Verfilmung und Einspeicherung sowie
Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Herausgeber, Autor,
Redakteur: Harald Birgfeld, über e-mail: e-mail:.
Harald.Birgfeld@t-online.de
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Nach einem Film
über Hiroshima (6.
August 1945) |
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Es
lag kein Diamant
im Straßengraben, Und
die Scherbe, die dort blinkte, Funkelte
schon tagelang und würd mit jedem Sonnenlicht,
dass sich an seinen scharfen Kanten
brach, nach außen locken, Und
daneben lagen unter den verfallnen Tagen,
die noch gestern galten, dieses Heer
von zugedeckten Splittern. |
Es
war in einer Nacht,
in der ich mich entschloss Und
ausging, Und
mit meinen Händen
konnte ich die Sterne
wählen, die ich sehen wollte, Und
ich war ganz sicher, dass von ihnen Nicht
ein einziger der Mühe
wert war, Und
auch umgekehrt War
ich mir selbst zu klein geworden, Um
von mir erwählt zu werden, Und
ich prüfte wirklich, ob das eigne Leiden
noch erkennbar wäre, oder immer nur das Rücklicht
anderer, die sich dorthin Entfernten. |
Man
traute auch dem Laserlicht
nichts zu, Und
ganz genau genommen, war der Strahl
im Weltall überhaupt nicht sichtbar, Und
mein Sehen
trat aus meinen Augen
auf die Schrecklichkeiten,
die ja immer nur ein Einzelner
verübte, Und
es war ja hier auf Erden
jedes Lichtbund
so verschmutzt und unsichtbar, dass sich die Blicke
kreuzen mochten, Überlagern
konnten, Ineinander
fielen, Ohne
dass es jemand merkte. |
|
Ich stand wohl viel zu dicht am Stamm der Birke, Und die Rinde wuchs um mich, Ich sah herab an mir auf Felder weißer Haut, die eingerissen war und aufgebrochen, Und dahinter lag ein liebevolles
Schwarz, Ich dachte nicht an diese Krone über mir und an die Zweige, die nun preisgegeben waren
jeder Liebelei, sich jugendlich durch
halb geschlossne Hände ziehen ließen, Und ich stand vor mir, Und meine Arme schlang ich um das Holz, Und meine Wange presste ich an
harte Kanten. |
Eine andre Säule stand allein Und war ein meterhohes Kunstwerk, das ergoss vom höchsten Scheitel Wasser auf die runde Außenwand, dass es zu einem Spiegel wurde, der nicht spiegelte, Es lief ganz glatt herab, Und ‚selbst beim Baden wärest du nicht mehr mit dir
allein’, So sagtest du, und stündest unter
einem Regen, den du regeln könntest, Der dich wärmte oder kühlte, Und es müsste möglich sein, mit
einem Handgriff dich so gläsern zu
gefrieren, Und du sähest deinem Eingefrieren selber zu. |
Es
war ja so, dass jede Unschuld
immer einen einzelnen betraf, Und
in dem Kleiderschrank
lag meine Seele,
die ich nächtlich auszog, Und
sie wurde mir in dieser letzten Dunkelheit
vom Mottenfraß zerstört, Und
nichts davon hatt ich bemerken können, Und
mein Schlaf,
danach, hielt lange an. |
|
Im
Wald zerbrachen trockne Zweige
unter unsren Füßen, Und
es war gefährlich so zu wandern, Und
dein Schatten
ging dir nach und züngelte im Abendrot
und brannte lichterloh Und
streckte seine Arme
nach mir aus, Und
wirklich konnte ich dir gar nichts glauben, Und
es schien mir wahr, was dich so brennen machte, Und
es war dir völlig gleich, Was
hinter dir geschah. |
An
einer Schnur,
die zu mir niederhing, Zog
ich die Lichtung
auf, Wir
standen einem Wald
voll roter Dächer gegenüber, Und
dazwischen fehlte die Verbindung, Und
der eine Schritt,
den ich in diese Richtung
machte, ließ mich an die Scheibe
schlagen, Und
ein Taubentier, das von der andren Seite
kam, flog gegen Licht Und
brach sich das Genick
am Glas, Und
hier, bei mir, war nichts davon zu hören. |
Dann
sah ich in die Tiefe,
weil mein Blick
hineingefallen war, Ich
wollte ihn bewahren vor dem Zwischenraum,
dem Schwindel
und dem Aufschlag, Und
man sagte mir, dass jeder Stromschlag,
der den Menschen träfe, ihm im ersten Augenblick
die Sehkraft rauben würde. |
|
Auf
deiner Stirn
sah ich den roten Schönheitsfleck, Der
pochte unablässig, Und
dein Herz war hier zu Hause, weil es Ausschau
halten wollte, Und
den Menschen sagtest du und mir, dass hier dein Drittes
Auge säße, Dass
du so dem Herzen, das doch blind sei, Von
der Sichtbarkeit
berichten könntest, Und
dein Herz, das nach Erkenntnis
sucht, verstand in seiner Dunkelheit
von alledem kein Wort. |
Eine
Hand
schob ihre Fläche
leicht und warm auf deinen Rücken, Und
du konntest sie erkennen, Und
mir schenktest du die Angst,
ganz grundlos blind zu werden, zum Geburtstag, Und
ich schaute hin zum Gästetisch,
der voller froher Menschen
war, Die
hatten auf den Gabeln
schon die Blicke
aller anderen Und
waren gut gesättigt, Und
ich leerte ihre Mägen
wieder, Und
sie sahen nur den Inhalt,
der sie fürchtete und ekelte, Und
nichts war an der Speise
irgendwie verändert, Und
es brannten unverzagt die Kerzen. |
Man
wollte, dass ich von dem Turm
die Glocke läutete, das war sehr schwer, Und
meine Kräfte
reichten grade aus, sie zu bewegen, Und
ihr Klang erhob sich über unsre Dächer
und schwang in die Steine, Und
man sprach mich an: Der
Turm, den ich ermauerte, Wär
über ein Jahrhundert
fertig, Und
man könnte nicht mehr länger auf den Glöckner
warten. |
|
Man
operierte mich und fand in mir ein Netz
von weißen Wurzeln,
weit verzweigt, Das
wollte keinen Schössling
treiben, Und
es war ja einfach nicht genug, Die
nackten Füße
in die Erde einzugraben und zu warten, Und
mich band man gleich an einen Stützpfahl, Und
die Bindungsseile
würden mit mir wachsen. |
In
der Zeitung
sah ich dann das Bild
des großen Hungers, Und
den Mann,
der seine tote Frau
nur leicht zur Seite legte, Dem
das Kind
auf seiner Schulter starb, mit einem Kopf,
schon todeskrank, Und
über eine Straßenkreuzung
wehte unbekümmert, von den Wagen
hin und her gerissen, Eine
leere Tüte, Die
stieg auf und wirbelte zurück Und
wurde überfahren, Und
ich ließ nicht ab von meinem neuen Glauben,
dessen Zeichen
wurden immer deutlicher. |
In Bilderbüchern
fand man leere, weiße Felder, Und
nur einer schnitt sie aus, um sie zu töten, Weil
er sah wie ihre Nacktheit
auch die Blößen
zeigte, Und
die eigne Kleidung
nützte gar nichts. |
|
Ich
ging heraus aus meinem Traum, Du
sagtest später, dass aus meinem Munde
eine Maus gelaufen wäre, Und
sie sei sofort in das Gehege
eines Gottes, den wir fütterten Und
den wir fürchteten, geschlüpft, Und
habe sich, so sagtest du, in dem Gefieder
tief versteckt, Und
meine Wirklichkeit war tags verletzt, Ich
musste mich vor Spiegeln
unter weißen Tüchern
hüten. |
Man
hatte einen Himmelskörper
ausgemacht, Den
grub man heimlich um und überließ Besammaschinen
die Befruchtung, Und
von uns aus sah man wegen der Entfernung
grade erst, Wie
sich der Stern
aus Staub und Teilchen,
die wir mit uns brachten, Formte
und gestaltete. |
Mein
Zimmer war bevölkert von den Menschen,
die hier wohnen wollten, Und
ich war enttäuscht Und
hätte niemandem erlaubt, zu kommen, Und
ein Sprecher fragte ganz bescheiden, ob ich eine Heimat
hätte, die ich über alles liebte, Dorthin
wollte man mich schaffen und mir Ruhe
gönnen, Und
kein einziger verlangte, dass ich aus dem Spiegel
treten sollte. |
|
Wenn
ich heimisch wäre, hier bei dir Und
auch bei mir, Wär
ich daheim Und
sagte dir doch damals schon, dass ich der falsche Flüchtling
sei, der machte nur Station,
und hatte nichts, das er verlassen, Nichts,
dem er entkommen war, Und
niemand jagte ihn, Und
seine Augen
waren ständig auf der Flucht. |
Wenn
ich heimisch wäre, hier bei dir Und
auch bei mir, Dann
wär ich nicht daheim Und
hätte nicht so unverzagt Station
gemacht, Und
einem Flüchtling
hattest du noch nie geholfen Ohne
dass er dich dafür verlassen musste, Und
ich sammelte schon heimlich Drähte,
kurze Seile, alles Fluchtgeräte,
die du kontrolliertest Und
mir nahmst, Und
meine Augen
blieben dir zum Trost,
als ich mich von dir wandte. |
Wenn
ich heimisch war, War
ich von mir verlassen, Und
ich dachte nicht an dich Und
würd mich irgendwann auf meiner Flucht
und ohne aufzuschauen, Niederlassen, Und
wir würden miteinander leben, So,
wie gestern schon, Und
heute war es ähnlich, Und
auch morgen bliebe ich mit eingegrabnen Armen
stehen als Vertriebener. |
|
Mit
einem Spaten
stachst du auf mich ein Und
zieltest nach dem Schädel,
der lief fort, Den
würdest du auch so nicht treffen können, Und
du warfst das Gartenwerkzeug
hinterdrein, Das war
der erste Schmerz,
den ich als wahr empfand, obwohl Du
weit daneben trafst, Und
tatst mir leid, Und
ich hielt aus erneut, und Hunger
war die nächste Folter,
die du mir vor Augen
führtest, und du quältest einen Anderen, Und diesmal
sähe ich noch alles hinter Glas. |
Hier
bei uns beschäftigte man Menschentiere,
die ersetzten abgerichtete Maschinen, Und
sie fühlten weniger als irgendein Verschleißteil,
dass sich ihretwegen Aufrieb. |
Mancher
von den Jungen
glaubte auch, der Frieden
sei das unbekannte Wurzelwerk,
dass sich durch alle Ritzen
winde Und
dann grün Und
gelb Und
braun Und
weiß Und
rot zutage träte, Und
ich sagte ihnen, Dass
sie selbst in diesen Ritzen
säßen und den Spalt
mit größter Kraft geöffnet halten mussten, Und
das Mondlicht
war auch gut genug, die Dankgebete
und die Todesschreie
aufzunehmen und sie für die Nachwelt
in die Räumlichkeiten
abzustrahlen, Und
es bohrte sich die Zeit
mit ihrer Gegenwart in meiner Nähe
durch die Wand. |
|
Ich
sah es gleich, dass du dir einig warst, Und
braune Köpfe,
die du aus dem Lehmton
modelliertest, hatten ihren Eingang
in der Stirn, Ich
sprach dich an und traf sofort auf deine Angst, Und
alles, was ich sagen könnte, wär geeignet, Dich
von dir zu trennen, Und
die Stirn ließ mich hinein Und
führte ohne Unterbrechung
gleich zum Hinterkopf
hinaus, Und
mitten drin standst du und drücktest deinen Rücken
flach zum Schatten
an die Tunnelwand. |
Ich
sah in deinem Mund den Haken,
der war angeschraubt Und
wäre dort, so sagtest du, schon von Geburt
an, Und
der Vater dieser Zeugung
seist du selbst im Zorn, Man sah
den Haken nur in deinem Lachen. |
Meine
Füße machten eine Doppelspur
aus roter Farbe,
weil ich unbemerkt hindurchgegangen war, Und
monochrom war der Gedanke,
der mir folgte, Und
ich trat so unversehrt aus deinem Kopf, Der
war doch wirklich nur ein Abguss
einer Wirklichkeit, die lag Zerbrochen
auf der Waage. |
|
Nach
einem Film über Hiroshima (6. August 1945) Unwahr
ist der lange Nagel,
der in meiner Stirn sitzt, Und
man wies ihn nach als Einzelheit,
die unumgänglich war, Auch
schlug er mich nicht an die Wand, Er
ragt noch immer aus dem Hinterkopf
und lässt sich dort berühren, Und
dies ist der Schöntag,
der, so sagt ein Vatersohngedicht,
die Sonnenbombe
fallen ließ auf unser Haupt, Und
nun sitz ich am Straßenrand
im eingebrannten Schatten
einer meiner Väter, und sein Schrei
glitt damals in die aufgeplatzte Rinde
eines Baumes, die zur neuen Sonne
schaute, Und
sein Schrei blieb unaufhörlich ohne ein Geschlecht
hier stehen. |
Unwahr
sind auch Stoffemuster,
die sich in die Haut
einstrahlten, Und
sie prägten sich auf Menschendärme,
Menschenlebern, Und
mein Weib hat jetzt das Küchenkittelmuster,
das ihr Herz
verkleidet hat, als Strahlenkranz
an jedes ihrer Kinder
weitergeben müssen. |
Unwahr
sind auch jene Augen,
die allein spazieren gingen, Und
sie lachten, als die Köpfe
falsch von ihnen dachten, Und
es war ja nicht ihr freier Wille, Und
es blieb nicht Zeit
auch nur für einen Blick in leere Augenhöhlen,
die sogleich zerfallen waren, Und
es würden diese Augen
ohne Tränen
leben müssen, Und
es war ja niemand, Der
so schnell ein schwarzes Laken
vor den Giftball hatte werfen können, Und
es brodelte der Fluss
von aufgeplatzten Menschenleibern
und stand selbst in Flammen. |
|
Das
Morgenlicht brach grell ins Fenster,
und ich hatte kurz zuvor Die
Nacht zerrissen, die stand noch bis jetzt im Vorhang, Und
ein kleines Vogeltier flog gegen diese Scheibe
und fiel tief in einen Hof, Ich
hatte nichts gehört Und
sah ein wenig Flüssigkeit
dort draußen an dem Glas, Die
floss zusammen, Und
sie bildete nun einen milchig, weißen Tropfen. |
Drinnen
steckte ich die Finger aus, Und
meine Hände
warfen scharfe Schatten
auf die Fensterbank, Die
glitten lautlos über meinen Rücken,
der dort lag, Und
niemals würde ich mich unter eigne Gitterstäbe
legen, Und
es war nur dieser Wechsel
zwischen kaltem Schatten Und
den warmen Strahlen,
der mich reizte. |
Einen
Schritt
trat ich zurück und hinter mich Und
sah mich vor dem Fenster
stehen, Und
ich war auch tief im Hof
mit meiner Hand Und
unter diesem Vogeltier,
das war noch warm, Und
auch als Rücken in der Fensterbank Und
war nicht freier als es dieser Ausschnitt
zeigte, Und
das Grelllicht
trieb mir feuchte Fäden
in die Augen, Die
verklebten etwas meine Wimpern, Und
ich wagte nicht am kleinsten Schwarzstrich
meiner Arbeit
zu radieren. |
|
Man
zog aus einem Holzhaus
einen Balken, den man Senkrecht
stellte, Und
dies sei die Strafe: Dass
man jeden, der den Balken
so entferne, an denselben Schlagen
werde, dass er sterben müsse, Und
in meinem Hause
war ich doch allein Und
auch der einzige der Balken, Und
ich zündete mich an aus Angst,
dass ich verbrannte, Und
man sagte, das sei ebenso gerecht Und
ließ mich Ungestraft. |
Du
warst in meine Nacht
am frühen Morgen eingebrochen, Und
du suchtest Hilfe, Und
ich bot dir weiße Laken
an, Die
waren dir zu dünn als Schutzwand, Und
die Nacht, in die du einbrachst, Hatte
wirklich eine viel zu schwache Decke, Und
du sankst so schnell, Dass
du, bevor ich eine Leiter
fand, ein Seil, ein Handtuch oder Irgendetwas,
das ich bis zur Einbruchstelle
hätte werfen oder reichen können, Schon
ertrankst. |
Neu
war auch das unbeschriebne Namensschild,
das man an meine Haustür
schraubte, Und
man rief mich an Und
sprach durch ein Gerät
mit mir und sagte gleich, Sobald
man über die Vergabe
meines Namens Klarheit
habe, Dürfte
ich es wieder ganz Entfernen. |
|
Die
Straße, die ich ging, war öd und einsam, Und
es standen hier und da Gesichter,
die ich kannte, Und
mein Fuß trat wie versehentlich den Kieselstein, Der
flog auf unbedachter Bahn
weit über die Begrenzung, Und
es waren beides Nichtigkeiten, die ich den Gesichtern
zeigte: Mich,
so unwert wie ich war geliebt zu werden, Und
den Kiesel, dessen Unschuld
mich nicht rührte. |
Bedachte
ich genau die Kämpfe,
die ich, Ohne
mich zu rühren, Ohne
jede Waffe, Ohne
jedes laute Wort und Ohne
einen Menschen zu berühren, Täglich
kämpfte, Ja,
ich sprach sogar in einer andren Sprache,
die ich nicht verstand, Bedachte
ich genau die Kämpfe,
die ich täglich kämpfte, Stand
ich eigentlich den Feinden,
die erst morgen Gegner
waren, Jetzt
schon gegenüber, |
Wenn
mir schon die Gegner
fehlten, hätte ich von schönen Siegen
einen wenigstens erwählen dürfen, Und
es musste schließlich so sein, dass die Niederlagen,
die ich reichlich fand, Die
wahren Siege
waren, Und
ich sah in einer Straßenpfütze, dass sich Jede
Einzelheit der Wolkenbildung Darin
spiegelte, Und
auch der Vogelflug zog durch die Wasseroberfläche,
ohne sie zu Ritzen. |
|
Von
einer andren Fressgewohnheit
als vom Töten
und Getötet werden hattest du Noch
nichts gehört, Dein
Gott
lag mager auf dem Drahtbett
neben dir und nahm nichts an Und
hungerte und darbte, Und
er reiste heimlich durch die Nacht
und war versteckt in einem Eimer,
der war leicht zu tragen und war Unauffällig
leer und eilte ohne Aufenthalt
von einer Mahlzeit
zu der anderen und teilte Speisen
aus, Die
waren überall vorhanden. |
Meine
Tage
standen schon von Anfang
an auf Schienen, Und
ich blickte, wie die anderen nach vorn Und
achtete auf eine Seitenspur,
die würde mich vielleicht zu einem Irrtum
werden lassen, Und
in Wahrheit
stand ich ganz alleine vor dem schweren Wagen,
den ich mit den Schultern
ziehen musste, Und ich
saß darauf und sammelte von allem, was in meiner Eile
zu erreichen war, und steckte fest im Sand, Vielleicht,
so dachte ich, fänd ich ein Messer,
das sollt mich aus meinen Gurten
schneiden können. |
Hinter
mir sang eine Frauenstimme
davon, dass sich alles Wiederhole, Und
der Mensch
lebt in der Wohnungsstille
und zur gleichen Zeit
vor seiner eignen Tür, Sein
Klopfen mahne ihn dort drinnen, Und
er klopfe auch nach draußen Und
erschrecke nicht darüber. |
|
Lau
und schön stand neben mir der Sommerwind, Und
mein Verlangen war so wach, Ich
griff nach ihm und hielt ihn an der Hand, Durch
meine Lippen
stach ein feiner Draht,
der wiederholte sich und legte eine Naht
um meinen Kopf, Ich
wurde ganz in mich Verschlossen. |
Der
eine Wunsch,
den ich schon lange hatte, Wurde
mir erfüllt: Bevor
das Frühjahr anfing, Und
ich mochte denken, was ich wollte, Immer
war es schon vorhanden, Und
ich sah es als Geschenk
das erste Mal. |
Viele
Menschen
demonstrierten, Und
ich stand daneben, Und
ich wär auch nicht dabei, Wär
ich dabei gewesen, Und
ich richtete mich wirklich gegen mich, Und die
dort standen und zum Himmel
und zur Erde riefen, Wussten
nichts davon und auch nicht, Wo
sie standen, Und
sie meinten sich. |
|
Hinter
deinen Augen
waren viele Wege deines Gartens
zugewachsen, Und
ich sprach mit dir darüber, Und
du suchtest außerhalb Und
konntest nichts entdecken, Und
ich kehrte heim Und
schaute heimlich um und neben meine eignen Büsche
und entdeckte dich, Du
warst auf einem nie benutzten Pfad,
der stieß direkt in meine Augen. |
Mittags
sollten Gäste kommen, Und
die trafen ein Und
kamen doch nicht an Und
aßen viel und ließen ihre Mahlzeit,
die ich vorbereitet hatte, liegen, Und
ich durfte keine Trauer
tragen, Nur
um meinetwillen. |
Eure
Kunst
war schwer und ungewöhnlich, Und
ihr formtet Himmelswolken
um nach eurem Willen, Und
den Wind, der euch dies Handwerk
wehrte, Ließt
ihr farbig werden, Und
er floh in Scham
schon, als man ihn entdeckte, Und
ein Gegenkünstler
spielte mit gefärbten Winden,
die er in bewegten Bildern
in das Blau
der Tagesdecke
stoßen ließ, Dort
gingen sie verloren. |
|
Es
stehen deine Haare
in den unbewegten Wassern
deines Strandes, Und
der Anschein
einer Strömung
stellt sie etwas seitlich, Und
auf deinen roten Schal
fällt leicht ein einzelnes der Gräser
und liegt über Falten, Und
im Kiesbett deines Nackens
knirschen noch die unsichtbaren Füße
einer flachen Spur. |
Deine
Landschaft
war mir neu, Und
unbeschwert war jeder meiner Schritte, Und
ich ging spazieren unter deinem Langhaar,
das begrenzte die Lagune
weißen Sandes, Und
du wartetest am Ufer, Und
es bissen deine Schneidezähne
auf die Unterlippe in Erwartung, Und
ich traute mich nicht in die Tiefe
vor. |
Später
kam ich heim und hatte im Gepäck
nur den Verdacht, Und
hob die Decke
der geharkten Wege hoch Und
fand darunter eingetretne Pfade,
die verliefen völlig anders als man sah, Und
du bewegtest dich darauf Und
kanntest dich gut aus. |
|
Man
plante jetzt schon, meine Augen
einst mit einem Holzbrett
zu verschließen, Und
man plante es bei allen, Auch
bei sich, Und
dieses Tuch in meinen Händen,
das ich ständig übers Bild
zog, kannte mehr als ich und sah, dass in dem Rahmen
eine Jugend
wechselte mit dem Gesicht
des Alters, Ich
jedoch verwechselte in einem fort, Je
länger ich drauf starrte, die Vergangenheit
mit der Vergangenheit, Von
der ich nichts zu sehen wünschte. |
Lange
schaute ich in mich Und
störte keinen, der dort saß und so Nach
draußen seine Blicke
werfen konnte, Und
man ließ mir meine Zwiegespräche, Und
ich kämpfte in Beredsamkeit
mit mir, Und
hart war vieles hinzunehmen, Das
ich sagte. |
Alle Brüche
meiner Worte
nähte ich mit Draht,
der lange hielt Und
der nicht rosten konnte, Und
im Laufe
meiner Jahre wuchsen viele Regelrecht
zusammen , Und
ich konnte einiges an mir Verstehen. |
|
Hinter
meinen Bergen
kauerte das Nichts,
es war so wenig nichts, Dass
es sich über keinen Bergkamm
wagte, Und
ich stand am Abhang,
tief im Felsen, Sah
hinauf und hin zum Gipfel,
der sich zu mir beugte, So
sehr war ich nah und wollte doch nicht dort sein, Und
ich grub mich tiefer ein Und
hörte meinen eignen Atem
auf der andren Seite. |
Hier
berief ich mich auf meine Unschuld,
die war weit entfernt auf Reisen,
und es gab da ein Gesetz,
das müsst man schätzen können, Und
in meinem Nachtschrank
stand die Schachtel
voller Wissen, die war leer und ohne Boden, Und
ich fand es, Wie
ich es vermutet hatte. |
Draußen,
wo die Räume
sich vergrößerten je kleiner man sie sah, Hier
draußen gab es keinen Rückflug,
keine Heimkehr,
keinen Stillstand,
Und
das Nichts
wurd selbst zum Handwerkszeug,
das füllten wir mit unsrem Umgang,
der nicht enden konnte, auf. |
|
Du stehst
hinter dir, mit deinem Blick
gezielt auf mich und nähst mit langen Stichen
meinen Rücken zu und rechnest lange, ob der Wert,
wenn er denn kleiner wird als Eins,
auch wirklich kleiner wird, Und
ob wir, so verschweißt mit deinem Augenfaden
insgesamt wohl weniger ergeben Als
wenn du in dir Und
ich in mir Alleine
blieben. |
Über
deine rechte runde Schulter
schob ich meinen Mund,
Der
nahm nicht Abschied,
Und
der Kuss wurd immer größer, Und
du ließt dich von mir lieben, Und ich
liebte eine andere an dir, Und
diese andere zerriss sich ihre Kleider
und ertrug den eignen Mann, Der
nahm sie nur, weil ich für ihn so Unerreichbar
war, Und
du an dir Und
ich an ihr Und
er an mir vergaben nichts, Und
wirklich, nichts geschah, Was
wir uns zu vergeben hatten. |
Nun
entdeckte ich das Lichtseil,
das durch meinen Leib
lief, Und
man hatte es dort heimlich eingefädelt, Und
es saß so fest und lief zugleich So
ungehindert durch durch mich Und
kam von Unbekannten, Und ich
hätte gern erfahren, Wer
ich war daran und auch Wohin
ich ging damit. |
|
Eigentlich
war es verboten, Mich
zu zeigen, Und
ich zeigte mich und sah nach oben Und
den Pfeilen
zweier Entenvögel nach, Die
zogen schnell vorbei Und
schauten nicht nach mir, Ich ging
in eine unbekannte Richtung,
auch in sie zu schreiten war verboten, Und
es war noch niemand vor mir hier gewesen, Und
ich rief und musste meine Antwort
selber geben, Das
war meine Strafe. |
So
erzwang man mein Bekenntnis, Und
ich hob den Zeigefinger
in den Himmel, Und
ich wies in diese Richtung, Und
ich schimpfte nach dort oben, Und
was hinter meinen nahen Wolken
lag, blieb mir verborgen, Und
ein Mütterlein
gab mir für meine Nacktheit
einen Fingerhut, der war aus Porzellan
und bunt bemalt. |
Später
wurde ich ans Telefon
gerufen Und
erfuhr nicht, wer dort sprach, Und
hörte nur den Vorwurf,
dass ich mir im Wege
stand, Das
wäre nicht mehr zu ertragen, Und
es müsste einer von uns beiden weichen, Und,
mich zu entscheiden, bliebe kaum mehr Zeit, Man
habe mich statt meiner, gegen meinen Willen
nun befreit, Und
nirgends würde ich mehr auf mich Stoßen. |
|
Siehst
du, dieses ist ein Märchen,
das geschah heut Morgen, Und
man gab mir alles, alles was ich wollte, Und ich
wollte viel und war so Maßlos
anspruchslos in meiner Auswahl, Und
zuvor, als ich den Glücksstein
nicht zu fassen wusste, War
ich über alle Maßen anspruchsvoll Und
hatte nichts, obwohl ich Alles
hatte. |
Diesen
Ring
an meinem Finger trug zuvor ein andrer Mensch,
der sprach in einer andren Sprache,
Und
ich redete mit ihm Und
fragte ihn auf meine Weise
nach dem früheren Besitzer
und nach dem, was dessen Hände
angerichtet hätten, Und
ich musste das betretne Schweigen
deuten, Und
nur eines wurd gewiss, Dass
dieser Ring niemals zuvor von einer andren Hand
als dieser je getragen worden war. |
Jemand
hing der Statue
die Eisenfelge um den Hals,
die wurde dort zur königlichen Krause, Und
man staunte über die Verwandlung, Und
ich zeigte mich auch öffentlich Und
stellte mich ganz ohne Rücksicht
auf mich selber aus. |
|
Tags,
so fiel mir ein, zog über uns hinweg das Sternenzelt
des Südens, Und
ich hätte fragen können, ob die Himmelsbläue
dort im Südmeer
wirklich schon um vier des Morgens
sichtbar würde, Und
die Wolke
Eskortierter zog an mir vorbei, Und
immer öfter hörte ich das Rauschen
aufgeregter Stimmen, Und ich
könnte mich mit einem Aufschrei
selbst daraus befrein, Und
schwieg statt dessen, schwieg zu mir, Und
schwieg mich aus, dort draußen, Sah
mich nicht Und
blieb auch übersehn von mir. |
Der Stützstock,
den ich bei mir trug, Weil
mich das Alter
täglich einmal überraschte, Und
ich war noch jung, Selbst
dieser Stab,
den ich am Morgen aus der Hecke
schnitt, zerbrach am Abend
schon in Trockenheit. |
Mein Leben
war so lückenlos und Nirgends
war ein Ende,
dass ich es nicht mehr ertrug, Und neben
mir bewohnten Fremde
meine Nachbarzimmer, Und
man zählte dort ganz systematisch Alles,
was sich zählen ließ, Das
wurde immer weniger, Und
was unzählbar wurde, strich man von der Liste, Und
es war ganz gleich, ob diese Anzahl
starb, weil sie unendlich wurde Oder
einfach endete. |
|
Du
hattest mich enteignet, Das
sei schlimmer als entleibt, so sagtest du, Und
eine Namenlosigkeit
zu tragen, sei ein Tod
auf Raten, Und
die erste Rate konntest du mir zeigen, Und
mein Eigen, das, was unangreifbar sei, Wär
auch schon fast in deiner Hand: Du
sahst mich auf der Flucht Und
dir direkt in deine Arme
laufen. |
Unser
Haus war klein geworden, Niemand
konnte dort mehr sein, Geheimnis
wahren, Alle
Türen hatte man entfernt, Und
vorn am Eingang
hing ein Schild
mit Hinweis auf die absolute Leere
hier bei uns, Und
alle Fenster
waren eingeschlagen, Und
von außen schauten fremde Menschen
rein und kletterten an den Fassaden
und mit Leitern an die höchsten Luken,
um der Leere
nah zu sein. |
Ich
selbst saß auf dem Hocker,
der stand eng am Tisch, Darunter
lag mein Wille,
der war klein und ausgetrocknet, Und
ich trat versehentlich auf ihn, Und
fremd war mir das Schweigen,
das uns trennte, Und
hier oben durfte ich aus einer Kiste
einen Namen ziehen, Der
beschrieb das Fach,
in dem ich mich bei einer neuen Suche
wiederfinden sollte. |
|
Man
rief nach mir, ein Rufen,
das ich ganz falsch deutete, Man
sagte: „Du
bist nun genesen, neu entstanden aus der Krankheit,
Hinter
dir liegt guter Mut,
der hat sich nun in Tapferkeit verwandelt,“ Und
ich glaubte nur das eine, Weil
ich’s wusste: „Wer
entsteht, genest.“ |
In
der Heilung
liegen oft die Tränen,
die ein Tötungsmechanismus
hinterlässt und den Verdacht
dazu, dass uns die Trauer
zwingt, die falschen Dinge
zu bedauern, Und
ich weinte offenbar um mich, Und
schmerzhaft musste ich mit eignen Händen
die vernähten Wunden
lecken. |
Auf
der Treppe
hingen große Bilder
aus der Altzeit, deren Herkunft
wir nicht wussten, Und
sie zeigten mich in allen Lebensphasen, Und
auch einige, das war gewiss, Sah
ich darunter, die mich schon in meiner Zukunft
zeigten und bis hier Verfolgten. |
|
Der Bogen
grellen Lichtes riss nicht ab, Du
sprachst von Dingen,
die vor meiner Haustür
standen, die ich anderen als Abfall
überließ, Die
kamen von weit her und suchten aus Und
wählten, kramten, Und
du sprachst zu mir von ihnen, Und
ich sollte ihnen alles, was ich hatte, überlassen, Oder
einfach liegen lassen, wo es war, Und
mit dir gehen, Und
du merktest nicht, dass ich ja selbst schon auf dem Haufen
lag und meine Arme
jedem Sammler
in die Arme legte Und
mich an sie klammerte, Und
deine Taschenlampe hatte einen Viel
zu schwachen Strahl bei deiner Suche. |
Am
Hafen sah ich Möwen
fliegen und einander jagen, Und
ich sah den Fluss
und sah den Wind Und
sah in die Geräusche Und
sah alles, alles, Und
ich hörte keinen Laut, So
sehr erlebte ich im Leben, Und
als wirklich einmal deine Augen
schwiegen, deine Ohren
nichts erkannten, Deine
Hand dir deinen Mund verschloss, Starb
ich an dieser Explosion
der Stille. |
Lange
blieb ich nach dem Sturz
noch liegen, Niemand
hob mich auf, Und
keiner ahnte, dass hier eine Rettung
möglich war, Und
auch das Vorjahrsstroh,
an das ich lehnte, War
ganz feucht, Es
war ein Kind, das mir die Spielzeugtrommel
auf die Knie
und Schlegel in die Hände
drückte, dass ich mir den Rhythmus
schlagen konnte. |
|
Auf
deinem Kopf
trugst du den kleinen roten Hut, Man
sah, dass dir die Schönheit
haften blieb, Und
deine kleinen Schritte
führten dich nicht fort, Sie
zeigten alles nur in immer neuer Position, Und
nun gewahrte ich, wie deine ausgestreckten Hände
über deinem Volk
das Wort ergriffen, Und
das Volk gebar in seinem Hunger
wieder, wieder neuen Hunger, Du
jedoch entschiedst in deiner absoluten Nähe
über ihren Tod,
nicht über eines ihrer Leben, Und
wir anderen, auch ich, Berührten,
dicht gedrängt, das Fenster,
das uns von dir trennte, Und
es mochte jeden Augenblick
von unsrem Ansturm
brechen. |
Auch
die Drähte,
die uns aneinander reihten, Konnten
plötzlich reißen, Und
ich lebte neuerdings ganz ohne Tagesinstrumente, Und
die Zeit,
die sich mir auftat, gestern noch das Auge
meiner Zukunft war, Die
setzte ich in meine Stube, Und
sie lehrte mich ein Kartenspiel
in dem sich die Erinnerung
und die Erwartung
ohne Unterschied aus meinen Händen
auf den Holztisch werfen Und verspielen
ließen. |
Deine
Tasche
hing mit einem Lederriemen
an der Schulter, Und
du warfst so viel hinein, dass ich erstaunte, Und
auch andre kamen, die sich über ihre Öffnung
beugten, Und
sie legten große, schwere Lasten
ab, Und
als ich kam und nachsah, war die Tasche
leer und ohne Boden, Und
ich hätte nicht gewagt, die kleinste Kleinigkeit
Hineinzuwerfen.
|
|
Heute
Morgen war ich voller Zweifel,
als ich ging, Und
unter mir bewegte sich ein Weg,
der mich nach vorne brachte, Und
mein Zweifel blieb, Und
als ich meine Augen
meinem Rücken lieh, Entdeckte
ich, dass eine tiefe Spalte
hinter mir den Weg
in seiner Mitte auseinander schob, Und
alles, was ich tat, blieb zweifelhaft: Das
Trinkglas, das ich anhob, war schon leer, Bevor
ich daraus trank, Und
Regen fiel aus blauem Himmel,
der benetzte meinen Mantel
nicht, Und
die Passanten
waren völlig nackt, Und
ihre Kleidung trugen sie, Man
sah es ganz genau, Nach
innen. |
Ich
verstand auch nicht, warum man Wolken
numerierte und mit Drähten,
die ich hier von unten aus bemerkte, Aneinander
nähte, Und
es spannte sich so schnell dies Gitter
über uns als Himmelsbogen, Der
ging morgens auf Und
glühte nachts als tausendfaches Fadenkreuz. |
Sieh,
in meiner Wohnung
lebte ich allein, Und
die, die mit mir lebten, Waren
nicht vorhanden, Und
mein Mantel,
der von dem ich grade sprach, Schob
immer seinen Ärmel
in die Tasche eines andren Mantels
oder hing sich ein in einen andren Ärmel, Und
er war doch ordentlich an der Gard’robe
aufgeräumt. |
|
Die Mittagsstunde
kam als stille Wolke
auf mich zu, die ich genoss, Die Ruhe
hing in Bodennähe Und
war weit verbreitet, Und
die schwarzen Punkte
einer Tageszeitung fielen als ein Ascheregen
in die Spur,
die zu mir führte, Ein
betretner Weg,
den ich zurück würd gehen müssen, Und
die weißen Beeren,
die am Bahndamm
meiner Reise wuchsen, Schossen
als ein Schneegestöber,
an dem Zug,
in dem ich saß, Vorbei. |
Dieser Tag
war ganz genau wie jeder andere, Und
gestern war für mich schon heute Morgen Oder
wie man immer dieses Wortspiel
drehen wollte, Und
ich schrieb an dich die Nachricht,
die ich heut bekam, Und
sandte sie, weil ich mich nicht verstand, Zurück
an mich. |
Ich
wickelte ein Farbenband
um meine Stirn, Es
färbte sehr, Es
drang mit seiner Farbe
unter meine Haut, Verfärbte
mich nun innerlich Und
einheitlich, Ich
kannte mich in mir bald nicht mehr aus, Und
alle Schnitte, die mich teilten, Zeigten
mich so völlig farbengleich im Blut. |
|
In
unsrem Fenster
hing ein winzig kleiner Vogelkäfig,
der bestand aus goldnem Draht, Das
Vögelchen darin hat sich ein Lied
gesungen, das ich nicht vergessen kann, Es
sang von einem Regentropfen,
der an seinem Fenster
stand, Der
putzte sich sekundenlang die Farben
in der Sonne, Stürzte
dann, von Strahlen ausgebrannt, erloschen auf den Fensterrahmen
nieder und Ertrank. |
Das Fest,
das ihr so eifrig feiertet, war auch für mich, Und
auf der Eintrittskarte,
die ich mit mir brachte, stand mein Name,
der war leserlich, Ihr
hattet mich ja eingeladen, Und
es war kein Einziger zu sehen, Keiner
am Empfang und weit und breit kein Gast, Auch
niemand der hier arrangierte, Und
es galt wohl alles, alles mir, Und
als ich ankam, tauchte man mich gleich in einen Mantel
einer Heiterkeit, Der
passte rundherum und überall Und
schloss mich völlig ein. |
So
stand ich auf dem Dach
und schwankte in dem Wind, Man
konnte wirklich weiter sehen, Wenn
man höher stieg, Und
in dem Schacht,
den ich danach bestieg, Sah
ich, dass sich die Tiefe
auch unendlich dehnt Und nirgends
endet. |
|
In
dem andren Zimmer
wurde man behandelt und geheilt, Und
hier, auf dieser Seite
wurde man gekränkt, verletzt Und
vorbereitet für den Nebenraum, Und
irgendjemand rief mich an Und
fragte mich, ob ich verletzt sei, Irgendwo,
es sei ganz gleich, an welcher Stelle, Und
ich zeigte wieder auf die blanken Flecken
meiner Haut mit der ich dauernd an die Gitterstäbe
stieß. |
Jeder,
hieß es, sollte an sie denken, An
die Würde,
die dem Menschen eigen sei, Und
du beschimpftest mich voll Leidenschaft,
die riss das Pflaster
von der rohen Öffnung Und
stieß tief hinein, Und
eine Würde, sagtest du, Dürft
keine andre stören Und
müsst teilbar sein in große und in kleine Stücke. |
Wir
lebten auch mit einem Völlig
unbekannten Tier, Und
nur, weil niemand wusste, Wie,
wovon es leben, was es fressen, trinken mochte, Blieb
es uns am Leben, Und
wir überließen es sich ganz allein, Und
niemand sah es je, Und
keiner fragte irgendwann Danach. |
|
Auf
die Stellung
meiner Sonne nahm ich keine Rücksicht, Und
ich ging zum Marktplatz,
der war leer, Und
hinter schrägen Bäumen
stand der Wind
mit leicht verschränkten Armen, Und
um diese hohe Stunde
lag sein Atem schlafend in den Ästen, Und
es war kein Mensch,
kein Tier zu treffen, das war gut, Und
endlich hörte ich, wie sich die eignen Schritte
unabhängig von mir selber Fortbewegten
und an mir vorübergingen, Und
dies war der erste Schritt,
den ich ganz langsam zu mir Machte. |
Eine
Seitenstraße
führte mich zu einem kleinen Hafen,
Und
ich roch die einzelnen Erlebnisse, Ich
trank von dem Gemisch
aus Teer und Lindenblüten, Und
am Hafenbecken warf ich eines jener schwarzen Netze
über mich, Und
seine Fäden rissen nicht und hielten Diesen
großen Fisch
ganz fest am Boden. |
Später
sah ich doch nach oben, Wollte
wissen, wie die Sonne,
unter der ich lebte, ihren Tag
begonnen hatte, Und
sie war schon längst vorbei gezogen, Und
es gab sehr viele Leute,
die die Stellung ihrer Sonne
nicht mehr wussten Und
auch nicht mehr danach Fragten. |
|
Ein Künstler
saß den langen Tag
ganz eng am Rande
seiner Arbeit, Und
ich hatte ihm gesagt: In
einem Mann
lebt auch die Frau, Und
in der Frau
wird er einst sterben, Und
wir hielten unsretwegen unsre Augen
offen, um den Tod
gleich zu erkennen, der uns bergen sollte, Und
es war mein Irrtum,
denn die Arbeit,
die wir machten, hatte kein Geschlecht
und ungerecht war, was wir dachten, Und
es leben beide in dem Mann, Der
Mann, die Frau und umgekehrt Auch
er in ihr Und
sie in sich Und
er in sich, Und
was wir schufen war die reine Kunst,
die wir erkannten, Und
wir gingen auf sie zu. |
Auch
der lange Draht,
den du mit Absicht
in die Erde wachsen ließt, Man
sah ja nur den Anfang,
nicht das Ende, Riss
doch jeden, der von seiner Länge
wusste, mit sich in die Tiefe
bis ans Ende. |
Mir
war eine ferne Welt
genug, Sie
saß in mir Und
ruhte sich dort aus Und
wartete auf den Entdecker. |
|
Aufschläge
6601 - 6603 Wir
gingen auf dem Weg, Ich
hatte in der Stadt den Festtermin
bekommen, Und
ich eilte, Und
du bliebst zurück, Auch
störten dich die Zweige,
die herüberhingen, Und
sie griffen nur nach dir, Ich sah
sie nicht, Und
deine Angst wurd größer, Und
sie hielt dich immer weiter hinter mir, Und
rückte dich nicht auf, Und
unter uns, das wusstest du, Lief
eine zweite Straße,
die war ohne jede Schwierigkeit
für dich, Die
würden wir am Ende
treffen, Und du
gingst von nun an keinen Schritt
mehr. |
Aus
den beiden Fäden
wollt ich eine Schleife
machen, Die
sollt nur zwei freie Enden
aneinander binden, Weil
sie sich im Raum
sonst nie getroffen hätten, Und
ich griff hier ein, Und
weit entfernt, soweit, dass man Mir
nicht berichten konnte, Löste
sich zur gleichen Zeit
der Faden aus der Schleife, Die
so lang gehalten hatte. |
Man
sprach von einem Wert,
der sei verborgen, tief vergraben, Irgendwo
versenkt im Wasser oder Läge
völlig offen, frei und unverhüllt, Und
ich war sicher, dass Ich
ihn in meinen leeren, ausgestreckten Händen
hielte und mit nichts von dort vertreiben Oder
sichtbar machen könnte. |
|
Ich
sah das blaue Eiskristall,
es war der letzten Nacht
herausgebrochen, lag des Tags
nun noch im Weg Und
fesselte die Augen,
dass ich stehen bleiben musste, Und
von deinen Lippen hörte ich: „Geh
zu und lass das Eis
alleine wachsen,“ Und
du zogst mich fort in warme Räume, Und
die Bänder,
die um meine Augen
lagen, tauten nicht und hinderten die Blicke
zwischen dir und mir zu wandern, Und
du sagtest noch, dies sei ein Fall,
der würde lange keine Lösung
finden. |
Andrerseits
schriebst du die Lösung
auf ein kleines Stück
des Zeitungsrandes, Weil
es dort noch frei war, Und
dir reichte dieser Platz, Dann
warfst du deine Zeitung
ungelesen fort und sagtest mir, Die Felder
und die Linien
könnten so nicht mehr bestehen bleiben, Und
die neuen Perspektiven
lösten alles auf Und
zwangen dich und mich zu andrern Dimensionen. |
Ich
suchte darauf hin in meiner Nähe, Und
die Häuser weit dahinten blieben
in der Wahrheit unverändert gleich in ihrer Größe
und die andern Gegenstände auch, Sie
mochten noch so weit entfernt sein, Und
die Schwierigkeit
für mich war eigentlich, den Reiter,
der im Nebel auf mich zu kam, zu erkennen Und
ihn nicht für alles andere zu halten, Als
den Reiter,
den ich nicht erkannte. |
|
Über
uns trug man die Dächer
ab, Wir
wussten nicht warum, Und
immer größer wurde eine Blöße,
der wir uns nicht mehr entziehen konnten, Und
es war ein Unterschied,
ob jemand kam und uns im Freien
antraf oder uns aus unsrer Erde
grub, Und
wir hier unten sammelten die Nadeln,
die man immer noch für den Papiereinschlag
der Blumen brauchte, Steckten
sie zunächst in die Papiertapete, Und
wir konnten sie nicht mehr Für
unsre Sicherheit benutzen, Und man
riss von außen immer heftiger an der Verpackung. |
In
einem Garten
lag ein Boot, es zeigte mit dem Kiel
nach oben, Und
ich sah sofort die Löcher,
die im Boden waren, Und
ich fuhr mit diesem Boot die lange Strecke
in die Offenheit, die sich am Himmel
zeigte, Und
es kam, wie ich es schon befürchtet hatte, Luft
drang ein und ließ mich völlig Untergehn
in meiner kleinen Freiheit, Erst
am Grunde angekommen stieg ich aus, Das Boot
schlug um und blieb mit seinem Kiel
nach oben liegen, Wo
es lag. |
Mir
riss ein Wind
den Hut vom Kopf, Die
Öffnung traf uns beide, Und
ich griff ins Haar,
es fest zu halten, Und
der Hut
schlug sich die Hand Vor
seinen Mund, Ich
lief ihm nach, Und
er wich aus, Der
Wind wollt ganze Arbeit
machen, Und
es fiel ins Wasser
und schwamm nicht mehr auf, Und
alles, was ich dachte, warf ich hinterher Und
sah, wie es den Wind
beruhigte und friedlich stimmte Und
ihn sättigte, Und
dass er seine Arbeit
nun vollendet hatte. |
|
Wir
litten unter einer Bindungsenergie,
die reichte über große Strecken, Und
wir mochten uns, soweit es ging, entfernen Und
den anderen vergessen wollen, Und
es kam der Zeitpunkt,
der uns festhielt Und
uns zwang zurückzugehen, auf uns zu, Und
später fand man auch den Grund
für unsre Umkehr,
die sich dauernd wiederholte, Und
man hatte, noch in unserem System,
den Überstern
entdeckt, Der stand
seit langem zwischen uns Und
zog uns an Und
stieß uns ab in großen Bögen. |
Es
war die Hoffnung,
die wir hatten, Und
es gab Beweise überall dafür, Und
um den Giftpilz,
der nicht enden wollte, dessen Wachstum
ebenfalls im Grunde
eine Hoffnung
war, Um
diesen Giftpilz zogen wir bis in die Tiefe
und bis in den Himmel
eine Mauer, Und
an vielen Stellen
setzte man ein Schauglas
ein. |
Draußen
sah man, dass die Männer
sich an einem freien, halben Brückenende
mühten, Der
stand über einer Meeresenge, Und
es tastete hinüber, sich dort Endlich
auf der andren Seite
abzufangen, Und
dort drüben saß die Künstlerin,
die wartete schon auf den Augenblick
in der Berührung, Und
sie wusste nicht, dass die Berechnung
diesem Bogen ihren Kopf
und Körper nur als Stütze
geben konnte. |
|
Nun
sah ich in der Galerie
ein Eigenbild
von dir, Es
zeigte dich vor einem Stubenfenster, Und
der Frost
und Eiseskälte krochen grün Und
selbstverständlich durch das Glas
zu dir, Sie
überzogen auch die Heizung,
die sich unter einer Fensterbank
verbarg und krochen deinen Wintermantel
hoch Und
weiter hoch an deiner Stirn
und übers Haupthaar, Und
sie überzogen selbst den Schatten,
der vermochte nicht zu fliehen, Und
dein Blick war innerlich Und
suchte einen Rest
von Wärme, Der
stand außerhalb Und
fand den Weg
nicht ins Gemälde. |
Vor
dem andren Fenster
saß die junge Frau, Sie
trug ihr langes Haar
ganz offen, das ergoss sich über das Gesicht, Und
jede Einzelheit zerfloss mit diesem Strom, Es
schmolzen Mund
und Nase, Wange,
Augen, Ohren in die Hände,
die darunter lagen, Und
sie retteten ja nichts, Und
trostlos war der Trost den ich ihr brachte, Und
ich kam verspätet über Jahre. |
Draußen,
wo die Giftgaskatastrophe
wütete, War
niemand der Gesichter
sammelte, Und
jede Materialstruktur,
die sonst die Schuld
nachwies, blieb aus, Auch
war der Schock
für Maler hinter Glas so groß, Dass
ihre Scheiben barsten, Jeder
stand von einem Atemzug
zum andren vor der Schreckwahl
zwischen Giftgas-
und Erstickungstod. |
|
Ich war
so froh und sah, dass meine Wirklichkeit
nun doch nicht wirklich war Und
suchte trotzdem nach Beweisen, Und
ich hatte einen Traum
zum zweiten Mal geträumt, Darin
war ich ein Mörder,
der allein von seinem Totschlag
wusste, Und
man sagte mir im Schlaf: „Du
hast getötet, Und
du bist der einzige, der davon weiß,“ Und
hinter einem übergroßen Stein
sollt auch das Opfer liegen, Und
ich ging nicht hin Und
sah nicht nach Und
floh davor Und
war mir ganz gewiss in meiner Gräueltat
und sprach zu mir im Wachen: „Ja,
du hast getötet, Und…“ |
Plötzlich
kamen lange Tage
ohne Anfang,
ohne Ende, Und
man schenkte mir die Zeit,
ich konnte damit machen, was ich wollte, Und
es trat nichts auf, das stören konnte, Kein
Bedürfnis kam nach Essen,
Trinken, einem Menschen, Nicht
nach Räumlichkeiten,
nicht nach Gegenständen, Und
es trug mich eine ungeheure Leichtigkeit,
Die
artete so aus in mir, dass ich nach einem Spaten
griff und ihre weißen Wurzeln,
die nichts taugten, Abstach, Und
man fragte mich genüsslich, Ob ich
alles hatte haben können, was ein Mensch
braucht, wenn er nicht braucht, Was
er alles haben kann. |
Drüben
stand ein Mann,
der war in Arbeit, Und
er zog schon tagelang ein Seil
endlos aus großer Tiefe, Und
ich ging zu ihm und war im Schrecken
über ihn und schaute, so wie er, ins Loch
und sah das freie Ende, Und
er nahm mich wahr Und
machte mich sofort zum Publikum
für seine Pantomime. |
|
Man
fand dich hinter Fernzuggleisen, Und
du warst so sonderbar verändert, Aus
den Augen
las ich eine Sehnsucht,
die war tief in dir, Sie
kehrte nicht zurück, Erst
die Geräte,
die wir an dich legten, Brachten
uns Gewissheit: Nein,
du hattest keinen Leibesschaden, Und
du warst gesund Und
hattest alles wohlgeordnet, Und
du warst an diesem Bahndamm
nur erstickt an einer Hoffnung. |
Irgendjemand
sagte auch: „In
mir sprach gestern eine Stimme,
die war deutlich, Und
ich hörte jedes Wort,“ Wir
andren sahen uns betroffen an, Und
jeder, der hier stand, Tat
immer nur nach seiner innren Stimme, Und
man schlug uns so als Gruppenbild
in Stein, Und
niemand von uns regte sich, Wir
lauschten wieder jahrelang auf Worte
aus der Tiefe. |
Nein,
mein Abschied
sollte uns nicht trennen, Und
du gabst mir nach, Wir
gaben uns einander ein Versprechen, Und
es sollte jeder vor dem Abschied
sich dem anderen Noch
einmal anvertrauen, Und wir
würden eine Trennung
machen, Ohne
uns zu trennen. |
|
Du
sahst zu und ich, Wir
blickten beide auf das Wellenheben,
Wellensenken draußen auf dem Meer, Wir
lernten uns dort draußen kennen, als die Möwe
aufstieg und der Wellenkamm
sich unter ihr mit anhob Und
nicht nachließ, Und
die Wassertropfen
hatten nicht Gelegenheit zu fallen, So
sehr stieg das Meer an, Flug
und Spiel und Flucht und Jagd erkannten wir als eins, Auch
bat ich hinter mir die Frühlingsblume
mir zu helfen gegen die zerstörte Stadt
und gegen ihre Mauern,
die ich nicht errichten wollte Sondern
ich tat alles, Um
sie einzureißen. |
In
den Dünen
waren schmale Pfade
zwischen scharfem Gras,
das war im Sonnenlicht
und gläsern grün, Und
in Berührung
brach es ab Und
stach und schnitt ins Fleisch, Der
Dünensand verriet sich unter meinen Füßen
aus zertretnen Gräsern, die sich unentwegt Bewegten, Und
sie rieselten durch meine Hände, Und
ich drückte meine Wange
gegen deine, Und
es blieb kein Abdruck,
alles floss nach unten, Talwärts
an der Trichterwand, Es
reichte, mit dem Finger
irgendwo hineinzustoßen Oder
mit dem Fingernagel
diese Haut
zu ritzen. |
In
einer Landung
wurde auch der Boden
unter unsren Füßen fort gezogen, Und
wir fielen durch, Und
eigentlich wär es doch Umgekehrt
natürlich und verständlich, Und
ein Aufschlag
fand nicht statt. |
|
Hinter
mir tat sich der Boden
auf und vor mir stand die Leiter,
die in eine unbekannte Höhe
reichte, Und
ich wusste nicht, wo sie mir enden würde, Und
ein Rückweg
von dort oben Blieb
auch ausgeschlossen, Und
der Vorwurf,
den ich hörte, Wurde
immer größer, Ja,
er türmte sich bis in die ersten Sprossen, Und
ich warf ihn hinter mir gleich in die Spalte, Und
die Leiter stieß ich um, Und ausweglos
sei alles, was ich ohne fremde Hilfe
machte, Und
ich hörte nicht darauf. |
Den Mantel,
den ich trug, hatt ich mir Selbst
gewebt aus dünnen Drähten, Und
er war die Rüstung,
die ich brauchte, Und
die spitzen Enden,
die sich manchmal daraus lösten, Stachen
mich, Ich
wollte auch den Schmerz
um mich herum ertragen, Und
ich ahnte, dass er seine eignen Räumlichkeiten
brauchte. |
Manchmal
machte ich Geschenke, Die
nahm ich aus mir, Von
denen trennte ich mich schweren Herzens, Ich behandelte
auch die Empfänger
so, als müsste ich sie strafen Und
war freundlich, herzlich, Und
ich überraschte sie Und
ging verloren. |
|
Ich
saß vor einem Wachslicht,
das stand auf dem Tisch, Die
kleine Flamme
leckte sich die Zunge
rot und gelb Und
langte hoch hinauf Und
riss entzwei und teilte sich, Und brennend
floss sie schließlich über ihren Kerzenrand
und schoss herab, Und
nie zuvor sah ich, dass eine Flamme
übersprang und ihre Flüssigkeit
zurückließ, Und
ich war nicht hergekommen, Um
in Schmeichelei
zu leben, Um
zu spielen mit den Möglichkeiten,
sondern die Struktur
wollt ich verändern, Und
es war mir recht, wenn Blaues,
kaltes Licht mich in dem Eistanz
überzog und weithin leuchten ließ Und
nichts erwärmte. |
Wir
gingen zu der Hütte,
die war neu mit gelbem Stroh
in Bündeln zu belegen, Und
wir kamen jährlich einmal, Und
es war nun gute Zeit,
Der
Mensch war jetzt viel undurchsichtiger Ging
er ganz ohne Haut, Und
ich verbot es dir darum, dich zu entblößen, Und
ich war bereit, mit dir, so nackt wir werden konnten, In
die Spiegel einzutauchen, Die
bestanden aus der blanken Oberfläche
eines Schwermetalles, Das
war nicht erhitzt und trotzdem flüssig, Und
sie ließ uns einfach Durch. |
Die Hintertür
stand offen, Ich
ging unbedacht und ohne Argwohn
darauf zu, Und
kurz davor versagten meine Beine, Und
ich fiel zu Boden, Niemand
hatte mir von dieser Tür
gesagt, dass sie ein Hintereingang
sei, Und
niemals wollte ich Verrat
an irgendjemandem begehen, Und
man hob mich an Und
trug mich um so schneller in das Haus. |
|
Von
draußen sah ich schon, Es
standen deine beiden Stühle
immer noch im Fenster, Je
zwei Beine
bohrten sich durchs Glas, die Rückenlehnen
hatten ihre Hälse
selbst entlassnen Schreien
nachgereckt, Die
stiegen weiter hoch, die Hälse
blieben starr gestreckt, Und
drinnen standen wir davor, Es
war ja nichts zum Niedersetzen, Und
der Boden
war zu schade, Man
entdeckte unter ihm die große Schleife, Mochte
sein, dass sie in Wahrheit
unterirdisch war. |
Über
deine Tasse
wuchs ein Pelz, Ich
trank daraus und fasste nach der Schlange,
Löffel, führte sie zum Mund, Sie
wand sich sehr in meinen Händen, Und ich
gab sie dir zurück Und
küsste nur die Gabel,
dort wo ihre Zinken
ineinander liefen, Und
du wurdest rot in dem Gesicht, Ich
wollte dich nicht kränken. |
Später
schaltete ich eine Lampe
ein, Man
konnte so die Nacht
viel besser sehen, Und sie
stand als körpergroße Schachtel
in dem Raum, Sie
war ganz leicht und ließ sich Heben
und bewegen, Und
ich stellte sie für noch zwei Stunden
an die Wand, Bis
jetzt war nirgendwo ein Einstieg, Und
ich würde lange mit ihr ringen müssen. |
|
Die Gärten
waren endlos satt, Die Gräser
hingen schwer zu Boden, Und
im kleinen Auenhain
berührten sich die Birkenzweige,
stießen aneinander, Und
ich ging vorbei und suchte diese eine Stelle,
wo sich unterirdisch eine Wärme
sammeln sollte, wo sie sich Vergraben
haben sollte, ohne fremde Hilfe, Und
ich wollt sie sehen, mochte noch nicht glauben, dass sie Anfassbar
und vorzeigbar und übertragbar war Und
setzte meinen Spaten Irgendwo
und sinnlos in die Üppigkeit Und
stach so tief ich konnte, Und
mit beiden Füßen
balancierte ich auf dem Metallrand. |
Türen,
die in unsrem Wege standen, Schlossen
hinter jedem automatisch, Und
sie schnitten die Gedanken
ab, dass ich mich umsah, Und
von vorne tastete ein Lichtstrahl
nach Entgegenkommenden, Die
lösten eine andere Mechanik aus, Die
knüpfte an an das Gewebe
schließender und ungeöffneter Begebenheiten, Und
ich lehnte Teller
ab, die heimlich Durchgangstore hatten, Löffel,
die im Boden Fenster trugen, Und
auch Gabeln, die mit Schwimmhaut
überzogen waren. |
Am
Tage fiel ich auf die Knie und betete Und
sah mich um Und
wollte nicht entdeckt sein, Und
ich betete, dort, wo ich länger lebte, stärker Als
zu jener andren Zeit,
wo mir das Leben fern war, Und
versteckte mich in einem Kleiderschrank,
den konnte ich von Innen
schließen, Und ich
sah mich nicht. |
|
Ich
setzte mich erschöpft zu einer Gruppe
Wartender, die hockten vor dem Pappplakat,
das demonstrierte uns von dort So
nah es konnte, Und
die Leute
sahen nichts, es war in Wahrheit
eigentlich ein übergroßer Spiegel,
ein Theater, das wir selber spielten, Und
ich lenkte mich ein wenig ab Und
bastelte an einer Puppenbühne, die sich keine Sorgen
machte um ein Publikum, Und
eine Handlung würd ich schnell Erfinden. |
Wir
wohnten in dem hohen Haus
und lebten dort als Käfertiere
in dem toten Baum, Der
uns ertrug und der uns jede nur erdenkliche Geschäftigkeit
erlaubte, Und
ich selbst nahm einen Schleichweg
bis in seine blätterlose Krone,
die ließ einen Ausblick zu, Und
zwischen diesem Dach
und hohen Wolken war ein Zwischenraum,
dass ich erstaunte. |
Irgendwie
geriet ich dann in eine Festung,
die war tief in ein Gebirge
eingesprengt, Und
an der stillsten Stelle,
weit im Innern, Hörte
man tagaus, tagein den Herzschlag
aus der Dunkelheit, Der
ließ nicht nach Und kam
aus diesen Felsen, ohne dass man ihn Lokalisieren
konnte. |
|
In
meiner Not, denn irgendjemand Schlug
mit irgendetwas auf mich ein, In
meiner Not, fiel ich kopfüber an den Holzzaun,
der war auch ein Sichtschutz, Und er
half mir nicht und riss im Aufprall
etwas ein, das gab den Ausblick
frei auf eine völlig andre Welt, Ich
sollte eine Antwort geben, Sollte
sagen, ob die Welt, die sich Von
sich aus angekündigt hatte, Schon
zu sehen sei, Und
was ich sah, war mir so nah, Ich
wagte nicht, es meinen Peinigern
zu zeigen, Und
die aufgedrückten Hölzer Sprangen
wieder zu. |
Ich
griff ganz seltsam ruhig in mein Haar,
das fand ich brüchig feucht, Und
mit den Händen
stieg auch der Verdacht
nach oben, Und
die Kopfhaut
würde schrecklich bluten, risse sie erst ein, Und
ungewollt bemerkte ich, dass kaum ein Schmerz
sich halten konnte, Und
mein Weib
war sehr geschickt mit Garn
und Nadel, Und
sie müsste mir den Einriss
nähen, Und
ihr Einstich,
würde ich ihr sagen, Könnt
nicht anders sein als der in reine Seide. |
Rot
war meine Hand, Und
ihren Abdruck hatte ich wohl zehnmal auf den Teppich
und das Tuch auf unsrem Tisch gesetzt, Und
immer wieder ließ Unglauben
mich ins Stempelkissen greifen, Und
die Farbe hinterließ von mir Und
von sonst niemandem, den Fingerabdruck. |
|
Ich
saß vor meinem Fenster
und bewachte einen Regen,
der stieg auf in dunkle Wolkenfelder, Und
ich wachte über sein Entrinnen,
das nicht aufzuhalten war, Und
diesmal brach die Erde
auf und gab die Wassertropfen
frei, Ich
sah sie draußen sich in Pfützen
sammeln, Und
an mir vorbei begann die Flucht, Ich
ging zur Tür
und schaute nach und wollte wissen, Ob
man über mich genauso sinnlos wachte, Ich
erinnerte mich auch noch an ein Vogelnest,
das mochte nun wohl leerstehn. |
Als
ich meinen Blindenstab
nur für Sekunden in die Erde
stach, um meine Hände
frei zu haben, um nur einmal die Gebärde
eines Schauenden zu machen, Als
ich meinen Blindenstock
so blind vertraute, wuchs er an Und
war doch aus Metall,
Die
Wurzeln hatten sich sofort als Draht
im Unterirdischen
verschlungen, Und
sie waren nicht zu lösen, Ich
studierte sie genau Und
alles sah ich gut Und
sah auch, dass der Stab
sich gelb verfärbte, Und
er wurde mir zur Richtschnur,
der ich folgen musste, Und
ich hatte ihr zu trauen. |
Deine
Sätze
waren gut, so sagtest du zum Beispiel,
ob nicht meine Lügen
meine Wahrheit wären, Und
du hattest sie in deiner Tasche, Und
du klimpertest mit ihnen, dass ich hörte, Wie
sie sich an dir vermehrten, Und
sie mussten so ja aneinander schlagen Und
zerbrechen. |
|
Es
war wohl eine große Freude,
die dich rührte, Deine
Worte
trugen kein Gesicht, Sie waren
viel zu hell beleuchtet, Und
dein Lachen
stolperte und überschlug sich Und
fiel beinah hin, Und
meine Arme
streckte ich nun aus nach dir Und
wollte alles retten, was so froh begonnen hatte, Und
ich spürte dieses Stechen,
das vom Herzen kam Und
sich in meine linke Seite
flüchtete, Und
neben mir erschien ein neuer Schmerz, Viel
größer als der meine, Und
er kümmerte sich nicht um mich, Und
seine Augen
waren ganz auf dich gerichtet. |
Später
las ich meine eignen Worte
in der Zeitung, Und ich
rief dort an und fragte nach Und
bat um Auskunft,
wann und wo es sich ereignet habe, Und
man sagte mir, genau vor meinem Mund
hätt man gegraben, Und
die Worte
seien wirklich schon zwei Tage
alt und trotzdem übermäßig gut erhalten, Und
man habe sie geputzt, Und
wollt sie nur in meinem Sinn
gebrauchen, Und
ich grub nun selbst, Und
ich entdeckte einen ganzen Hügel
ungesprochner Worte, Der
lag gar nicht tief Und
war verdeckt von einem dünnen Sinn,
der riss sofort entzwei. |
Man
gab mir recht Und
dieses Recht
an einen Handwerksmeister, Der
besaß das Werkzeug,
das war gut genug, Es
sichtbar zu gestalten, Und
ich war so froh Und
hörte eine alte Rede, Danach
war das Recht
ja immer schon ein Todesurteil,
das man einfach aus den Händen
gab Und weiterreichte.
|
|
Als
ich heute früh erwachte, Türmten
sich an meinem Bett Zerbrochnes
Gut und Müll und Fortgeworfnes
Zeug, das mir noch sehr Bekannt
war, Und ich
sah nach dir Und
konnte nichts erklären, Und
du sagtest unter Gähnen,
auch die Überreste
meiner Träume hätten einen Sinn, Ich
würde ihn wohl zwischen diesen Gegenständen
finden, Und
ich müsste mich beeilen, denn die Träume
würden viel zu schnell verschwinden, Und
es schmolz der Berg
vor meinen Augen,
dass ich ihn vergaß. |
Die Hauswand
war aus stumpfem Klinkerstein,
die zog sich neben dem Spaziergang
hin, ein rotes Tuch,
das sich in kleine Felder
teilte, Und
in mir entstand auf jedem Rechteck
die Erinnerung an einen Tag,
der nicht begann, Ich
dachte lange, lange nach, Und
spät am Abend
endete die Mauer erst, Und
zwischen allen Steinen
stand ich plötzlich vor dem Eingang,
der war schon Verschlossen. |
Auf
der andren Straßenseite
brachen Diebe
in ein Fahrzeug ein, Und
sie entdeckten mich Und
kamen auf mich zu Und
schnitten mir, um meine Aufmerksamkeit
zu zerstören, die Verbindungsdrähte
durch, Und
später reparierte man vergeblich meinen Schaden, Und
ich konnte mich an nichts erinnern. |
|
An
dem Wintermorgen
goss sich wärmend gelb die frühe Sonne
in mein Zimmer, Und die
weiße Kappe
schmolz mir ab vom Kopf, Ich
stand im Wachstum
einer Wohligkeit, die an mir kletterte, Ich
wollte nichts mehr wissen von dem Inhalt
eines Buches,
dessen Zeilen überblendete die helle Kraft, Die
Seiten waren plötzlich unbeschrieben, Und
so war es recht, denn alles, was bestehen wollte, Musste
existieren, Und
ich hatte auch gehört, dass man die Liebe
lernen musste, Und
sie war nicht leicht, nur weil sie uns Beflügelte. |
Sonst
traf mich keine Schuld,
denn Schuld
war mir genauso wichtig wie die Unschuld, Und
ich musste immer gegenwärtig sein, aus diesem Grunde
angeklagt zu werden, Und
ich suchte mir ein stilles Plätzchen,
nur für mich allein, Und
mühte mich in einer menschenvollen Straße
zwischen all den Füßen
Sauberkeit zu halten Und
verbot es mir, nach denen, die den Abfall
fallen ließen, Aufzuschauen. |
Früher
warf ich jeden Abfall
fort und fühlte mich danach befreit, Und
heute musste ich die Trennung
vorbereiten, Alles
wurde liebevoll von mir sortiert und aufbereitet, Und
ich musste jedem Teilchen
die Erinnerung entwenden Und
mich richtig von ihm trennen, Ehe
ich mich fortwarf. |
|
Es war
ein wunderbarer Augenblick,
als ich entdeckte, dass die Kette,
die mich jahrelang am Hals
geschnürt und festgehalten hatte, nicht aus Eisen
war, Ich
biss sie durch, riss sie in Stücke, Und
sie wurde meine Speise, Und
mein Lächeln spannte ich in stramme Bänder,
dass es blieb Und
sich nicht regen konnte, Und
die Jahre,
die vergangen waren, hatte ich in meinem Magen, Und
ich wollte nichts davon verdauen. |
Du
maltest zwei Gesichter
ineinander, Und
es sollte, sagtest du, nur eines sein, Vielleicht
von einer Frau,
vielleicht von einem Mann, Vielleicht
auch jeweils nur die Hälfte,
die so ineinander fielen, Und
ich lief in meiner Wohnung
hin und her und stieß mich hart an Gegenständer,
die im Wege
standen, Meine
Frau erkannte dann, mich träfe die Gefangenschaft
des wilden Tieres
viel zu schwer, und ließ mich durch Und
auf die Straße
eilen, Und
die Fährte
führte in die Irre. |
Es
war ein kleiner Wald
in dem ich nachts ein Lichtlein
fand, das stand im Raum,
das war kaum größer als die Kerzenflamme, Es
war rund und gläsern Und
nicht gegenständlich, Und
ich konnte es umgehen, Und
es sprach kein Wort, Es
konnte nur der Schnittpunkt
zweier Strahlen sein, Die
sich so günstig überlagerten, Der
eine musste mir entstammen, Und
der andere stand immer auf der andren Seite. |
|
Weit
entfernt sah ich mir zu, Auf
meinem Kopfhaar
standen blaue Flammen, Und
es war mir kalt, Ein Bote
brachte eine Nachricht
von dort drüben, Und
ich sah ihn gut Und
sah auch, dass er nicht voran kam, Dass
er stecken blieb in irgendeiner Zähigkeit,
die lag im Weg, Ich
schlug die Hände
vors Gesicht, Ein Zaun
aus Eis fiel mir auf meine Augen, Und
er fing nicht an zu schmelzen, Und
das kalte Gitter
formte sich schon unter meiner Haut, Ich
sollte doch, so sagte jemand, auch ein wenig Unterhaltsam
sein Und
nicht den andren alles überlassen. |
Hier
im Wohnhaus
ordnete sich eine Ordnung
von alleine, Ich
bemerkte nichts von ihr Und
wohnte dort sehr lange ohne Unterbrechung, Und
als ich nach meinem Suchen
endlich heimfand, Wollte
man mir alles vorbereiten wie ich es Wohl
gerne hätte, Und
man schlug das Wohnhaus
ein und riss das Dach
von meinem Kopf
und legte es in einen fremden Garten, Und
die Balken
starrten aus dem Grätenfisch
und stachen durch die Schuppenhaut
nach außen. |
Man
verstand nicht, dass ich vor dem Essen
aufstand, mich bedankte, ging Und
vor den Augen
aller so im Mundraub
lebte, Und
man konnte mich deswegen nicht Bestrafen. |
|
Viel
zu schnell vergaß ich viel zu viel, Auch
hielt ich nachts den Mond
für eine Sonne, Und
er schien mir hell genug, Er zeigte
alles, was es hier zu sehen gab, Und
warum sollt ich nicht zum Nachtgetier
gehören, Und
ich ging in einen Wald, Von
einem Ast
zog ich die Rinde ab Und
aß die weiße Schicht dazwischen, Nährte
mich auf diese Weise, Und
ein Nachtbild
zeigte mir wie meine Sinne
sich nach außen stülpten, Meine
Ohren wurden groß, Und
meine Augen standen weit hervor, Und
an den Händen
wuchsen ganz natürlich lange Krallen. |
Heimlich
machte ich auch tags die Bilder, Und
es gab die Technik,
die den Schall
wie Licht fest hielt, Ich
sah genau, dass sich tagsüber große Ohren
bildeten Und
Zähne standen dort heraus, Die
fraßen unersättlich Und
ernährten sich von Schwebeteilchen,
die man sonst nicht sah, Und
ganze Menschenscharen
machten sich zum Futter, Und
ich stand dazwischen Und
gab acht auf mich Und
nährte mich von den Geräuschen. |
Gut
war, dass ich alles viel zu schnell vergaß, Und
als ich mir begegnete, erkannte ich mich nicht Und
fragte mich nach einem Unterschied
von Sonne und dem Mond, Der
war fast völlig unbekannt Und
auch, warum man früher Porzellan
vor einer Brauttür
niederwarf, dass es zerbrach und polterte, Konnt
niemand mehr erklären. |
|
Ich
las auf einem Stein,
der lag weit sichtbar auf der Wiese, Und
die Schrift,
vergoldet, blank: „Vorübergehend
tot,“ stand dort, Mehr
nicht, kein Name
und kein Hinweis, Und
es mochte schließlich sein, Dass
damit nicht die Toten
angesprochen waren, Sondern
jeder, der vorüber ging, Ich
war vielleicht auf Urlaub
hier und ahnte nichts davon Und
wanderte auf einem Trampelpfad,
der seitlich an der Straße
lief und ging auf der verkehrten Seite. |
Viele
lagen schon in fremder Erde, Und
sie sehnten sich in ihre Heimat, Und
man konnte gar nichts für sie tun, Und
irgendwo ging immerzu Die
neu entstandne Sprache
ohne Vorankündigung verloren, Und
der Winzling,
der den letzten Riesen
tötete, Wurd
selbst zum Größten, Der
sich umsah nach den Kleineren. |
Einer
eines ganzen Volkes
war noch übrig, Und
man ließ ihn sprechen, Und
er sprach in ein Gerät,
das alles, was er sagte, aufnahm, Und
er war ja unverstanden und erschöpfte sich Und
starb und hatte gleich zu Anfang
die Funktion des Instrumentes
heimlich ausgeschaltet, Und
man glaubte hinterher zu Recht, das Schweigen,
das man hörte, Habe
etwas zu bedeuten, Und
man lauschte Angestrengt. |
|
Ich
ritzte mir versehentlich die Haut
an einer winzig kleinen, scharfen Kante, Und
es war ein zarter Spalt,
der sich sofort mit einer roten Kordel
gürtete, Und
auch die Kinderlieder
konnte ich erinnern, Und
es perlte schön das Blut, Es
hieß ja irgendwo in einem Märchen,
dass ein Tropfen
davon reichte, sich die Seligkeiten
zu erkaufen, Und
ich sah mich um und bot es an, Und
niemand zeigte irgendein Intresse, Und
die dunklen Perlen
nahm ich ab Und
zog sie auf und warf sie in ein Glas,
das war gefüllt mit klarem Wasser, Und
ich blickte ganz genau hinein, Verfolgte
auch die rosa Fäden,
die sich lösten, Schwerelos
dort schwebten Und
nicht niedersanken. |
Draußen
fand ich diese Bilder
wieder: Haut
und Borke, Ritz
und Spalte, Blut
und Harz und Perle,
Bernstein, Und
die Kette
hing nun doch um deinen Hals, Du
ließt sie dir nicht nehmen, Und
ich wollte deine schweren Wunden
reinigen und dann verbinden, Und
du wehrtest dich, Und
niemand dürfe diese Spur,
die endlich aus dir trete, Keimfrei
machen. |
Du
zeigtest den Entwurf,
ein Umschlag,
den du für ein Bilderbuch
verwenden wolltest, Und
im Deckel
war ein großes Loch, Und
das begann, fing man zu lesen an, Sich
durch das ganze Buch
zu fressen, Und
im Boden
kehrte es sich um Und
schloss sich rückwärts wieder bis zum Anfang, Und
es lebten viele im Exil Und
ahnten nichts davon. |
|
Ich
sah hinaus ins Nachtrund
um mich her, ein Vielweg
stieß ins Unermessliche,
in fernste Zeiten, Deren
Schatten konnte ich nicht sehen, Und
ich stand doch mitten drin, Und
mir begegneten die Samen
meiner Gegenwart, Die
suchten nach dem Unterschlupf. |
Im Augenfeld
der Übermacht und Winzigkeit, Die
ich beträumte, blieb mein Blick
im Spiel
der Sterne, die mich um sich drehten, stehen, Und
es war nicht mehr als die Sekunde
der Entdeckung eines Atems
in der kalten Luft der Nacht. |
Dann
rührte mich das Licht
aus fernen Zeiten, Und
es gab mir Zuversicht, Und
es verlangte meinen ganzen Mut und
meine kleine Tapferkeit, Und
ich bedachte, dass nach mir Die
anderen drüber lachen mochten, Ohne
mich gekannt zu haben. |
|
Ich
trug nur einen Schuh,
den andren hatte ich zerstört, Und
draußen war es kalt, Und
Schnee lag überall, Die
schrägen Dächer
hielten krampfhaft fest an ihrer Last, Ich
ging hinaus und litt nach kurzer Zeit
schon große Schmerzen, Dann
erstarb mein Fuß,
mein Bein wurd hölzern bis zum Knie, Ich
hörte eine Mutter,
die mir zusah, ihrem Kind
erklären: „So
zerstört sich einer selbst, der eine andre Schönheit
sucht, Er
könnt auf einem seiner Beine
springen oder warum nimmt er keine Krücke,“ Und:
„Auf diese Weise wird er nichts Besonderes entdecken,“ Und
ich wusste, dass es in den fernen Ländern
Liebeslieder gab, Die
würd ich nie verstehen können Und
doch gerne hören. |
Wir
hatten uns gefunden und entdeckt, Und
als du tot warst, hatte ich dir deine Beine
in den Baum gehängt, Dich
in den Nasenlöchern
und am Mund
gekitzelt und dein Herz
massiert, bis es mir fast davon gesprungen wäre, Und
nun leben wir so einfach Voreinander. |
Schönheit,
sagte ich, sei nur ein Gegenüber,
nicht das Gegenteil, Und
das du töten konntest, War
nichts wert, Doch,
dass du es nicht tatst wie ich Und
wie der schwere Stein,
der fest am Boden lag, Das
machte dich besonders, Und
wir fassten unsre Hände,
als die Katastrophe
über uns hereinbrach, Und
der Stein
war nur, wie wir erkannten, der Verschluss
gewesen, Und
er flog nun fort Und
legte sich woanders Nieder. |
|
So
stieß ich auf das Unvollendete, Und
jemand sagte mir, dies sei ein Teil
der großen Kunst,
er sagte auch, dass jeder Inhalt
nur noch existiere wegen seiner Unvollkommenheit,
das wäre seine Basis,
ohne Gutes von dem Bösen oder Schönes
von dem Hässlichen zu trennen, Und
die Eisenschienen schwerer Züge
lagen so im Frost, Dass
Räder nicht drauf rollen konnten Sondern
dass sie Abstand hielten, Und
sie drehten sich im leeren Zwischenraum,
der war aus harter Eisenkälte, Und wir
kamen nicht voran. |
Aus
den feinen Nadeln
hörte ich Gespräche
weit entfernter Menschen, Und
sie mochten wohl ein Land
erleben, wo man feinen Nadeln
die Gedanken übertrug, Und
hier vom Fenster
strich ein kühler Windzug
über meine Stirn, Ich
musste wirklich mehr an meine Nähe
als an meine Ferne
denken. |
Irgendwo
geschah ein Diebstahl,
Und
man hörte, dass der Dieb
sich selbst das eigne Gut
gestohlen hatte, Und
man wusste nicht warum Und
konnte ihn nicht strafen, Und
er schadete ja niemandem, Und mir
verriet er heimlich, Dass
er einen Mord
an seinem Körper plane, Den
er überleben wollte, Und
der Diebstahl
sei für ihn schon eine erste Warnung,
die er sich zu Herzen
nehme. |
|
Du
sagtest gleich, dass Worte
Bilder sein, Und
jedes Fremdwort
sei gemalt aus Farben,
die wir kannten, Und
ich sprach mit dir und Du
mit mir und unsre Worte
mischten sich und es entstand ein Wortgemälde,
Daran
schafften wir zur gleichen Zeit, Es
wusste keiner etwas von dem anderen, Wir
schufen völlig neue Töne
aus der Überlagerung, Und
ich erzählte, Dass
ich meinen Körper
in der letzten Nacht auf frischer Zugeschneiter
Wiese malen ließ, Und
alles wurde sichtbar unter hellem Mondlicht, Und
ich malte ohne Farben,
nur mit Schatten,
die ich in den Neuschnee
drückte. |
Es
hing an deinem Hals
ein Kettchen, daran schaukelte ein kleines Schnitzwerk,
das warf seinen Schatten
auf die Haut, Ich
malte jedes Wort
getreu nach seinen Buchstaben
und achtete darauf, dass sich die Kettchen
zwischen ihnen Nicht
mehr lösen konnten. |
So
trug ich oft ein Kettenhemd,
ein Wortgeflecht,
dass sich in meinem Kopf
gebildet hatte, Schnitt
es von der Mitte
nach dem Muster einer Wendeltreppe
auf, Die
war nun unbeleuchtet, Und
ich tastete nach jeder Stufe, Und
es führte mich ein unsichtbarer Handlauf. |
|
Alles,
was ich hörte, was ich sah und Schlimmes,
schlenderte an mir vorbei, Und Schreckliches
bekriegte sich, Ja, alles,
was ich sah, Ich
sah auch wie das Kind
auf einem Kinderfest dem andren Kind
versehentlich die Gabel
in das Auge stieß, Ja,
alles, was ich sah und roch, Und
deine Hände
schmiegten sich, gesalbt, gepflegt als Samthandschuh
um mein Gesicht
und glitten ab als Schlitten
über meine Haut, Ja,
alles also, was ich sah und hörte, Roch
und fühlte, ohne es zu sehen, Hinzuhören,
ohne es zu riechen und zu fühlen, Alles,
alles war die Poesie
der Gegenwart, Und
voller Gegenwart
war ihre Poesie. |
Dein
Frauenhaar
hing tief in mein Gesicht, Ich
lag ja unter dir, Und
meine Zunge
spuckte heimlich diese dünnen Fäden
wieder aus, Auch
kämpfte ich mit mir, hineinzubeißen, Und
ich wagte nicht die Fingermalerei
von dir auf meiner Stirn
mit einem Schütteln zu Verwischen. |
In
mir schwang die Angst
vor Nüchternheit, Und
irgendjemand zeigte mir ein Bild,
dass er nicht mehr vergessen konnte, Drüben
lag ein Mensch
am Feldrand, Und
sein Leib war offen, Und
die Därme
hingen weit heraus, Ich
fasste mir in meine eigne Seite,
die war warm und weich Und
heil, Und
einer wusste ganz genau, wie hoch die größte Hitze
in der Erde war, Und
die war nicht im Mittelpunkt. |
|
Ich
sprang von einem Felsen, Und
es war der Anfang
meiner Suche, Und
ich sprang ins Meer, Es
sollte mir dies eine Mal
nicht salzig sein, Es
sollte mir die Liebste
zeigen, wenn ich meine Augen
unter Wasser offen halten würde, Und
ich blieb mit einem Fuß
im Fischnetz hängen, dass ich mich in Panik
retten musste, Und
es war ganz leicht, so sagte man mir später, Mich
zu operieren, Und
ich hätte die Narkose
gut vertragen, Und
ich wusste auch, Ich
müsste noch einmal ins Meer, Man
wischte mir danach das Salz
von Lippen und der Stirn. |
Einem Freund
erging es ähnlich, Und
er war sehr krank geworden Und
lag außerhalb; Daheim
in seinem eignen Haus
verliefen vielbefahrne Schienen,
die sich niemals kreuzten, Und
sie brachten immer nur die Durchfahrt, Und
es war nicht möglich, jetzt von draußen Weichen
einzubauen, So
entfernt war er, mein Freund, Und
seine Haustür
kam als einziger Besucher
regelmäßig, täglich zweimal an sein Krankenlager. |
Als
die Sonne
nicht mehr schien, Und
als die Stadt
zur Nacht mit ihrem Licht
sich an den Himmel wandte, Sah
ich wie das Weiß
der Möwenvögel, nun in Eiskristallen,
oben stand, Und
sie verglühten unvermutet, Wenn
sie in die langen Hochgebäude
unsichtbarer Schatten Fielen. |
|
In
meine Hand
geriet ein Eiskristall,
das schmolz sehr schnell, Die Decke
über mir war wasserblau, Und
ohne jede Wolke
fielen aus dem Stahl
der Luft die leichten Flocken
Schnee, Ich
malte in die Landschaft
Wintervögel, Und
sie flogen auf mit völlig weißen Federn, Und
sie zogen ihre Kreise
über mir, Und
niemals mehr würd ich den Tiefschwarzvogel
in die Bäume setzen, Und
die Nachtlaternen
waren sinnlos, Wenn
sie hoch in Bäumen
brannten und das Licht
nicht bis zum Boden
fand. |
In
dem Zimmer
wollte ich die Schachtel
öffnen, Und
der Deckel
brach mir ab, der Inhalt
fiel heraus und in die Spalte,
die sich öffneten, weit in die Erde
reichten, Und
ich hatte großes Glück,
dass ich mich noch an einem Rand
festhalten konnte Und
nicht mit versank. |
Draußen
sah ich kurz zurück, Vielleicht,
dass ich den letzten Blick
auf mein Zuhause werfen wollte, Ahnte
auch vielleicht, dass nichts und Niemand
nach mir winken würde, Und
mit einem Stein
schlug ich den Türgriff ab Und
steckte ihn in meine Manteltasche
und liebkoste ihn Und
wusste ganz genau, Dass
er nur aus Metall
war. |
|
Der
neue Mut
verschärfte mir die Flügel, Und
als schneller Vogel
war ich auf der Jagd
nach dir und lauerte mit meinen Augen
hinter einer Fensterscheibe,
bis du kamst, Und
fiel mit drei, vier Schritten ein, Und
du erschrakst, Und
mir entwischte dieser kleine, bunte Stein
in einen Strauch, Ich
schoss ihm nach und spießte Mich
auf einen langen Schlehdorn
auf, Der
gab mich nicht mehr frei, Von
oben rieselte ein wenig Atem,
als ein leichter Schnee auf mich, Das Vögelchen
verlor sein Funkeln
ganz. |
In
den engen Zweigen
fand ich Platz, Der
Schnee zog eine Decke über ihn, Ich sah
von außen auf die Unterseite, Und
die Sonne
stand darauf und leuchtete durch alle Wasser
bis zu mir, Ich
konnte unter dieser Decke
nicht entkommen. |
Du
hattest meinen Brief
nicht angenommen, Und
er war in meine Hand
geschrieben, Und ich
gab sie dir, Und
es genügte offenbar für dich, Dass
du mir deine reichtest, Die
war unbeschrieben und verdeckte meine Zeilen
ganz beim Händedruck Und
ließ mich so verzweifelt Unbegrüßt. |
|
Ich ging
sonst immer aufrecht, Und
vor Treppen,
auch die abwärts führten, Ängstigte
mich nichts, Und
meine Neugier
wuchs, vor mir zu gehen Und
zu wissen, was wohl vor mir war, So
nahm ich mir das Hundetier
zum Beispiel, Das
ging Kopf voran treppabwärts, Und ich
machte es ihm nach, Und
wirklich war ich eher weiter vorn Und
früher vor mir dort, wohin ich wollte, Als
zu jeder andren Zeit, Man
ließ mich durch Und
machte Platz, Es
fragte niemand, warum ich auf allen Vieren
liefe, Und
ich dachte nach, ob sich die Antwort
darauf hätte finden lassen. |
Das
zweite Bild
war nur für meine Ohren,
die doch alles Prüfen
sollten, was sich meldete Und
die mir Antwort
geben konnten, wer dort redete Und
wo, vielleicht ja auch warum, Und
diesmal stand der Schrei,
der wahrheitlich geschehen war, Nur
noch im Raum, Hing
mit der ganzen Schreckenblässe
in den Wänden, Und
es waren meine Augen, die mir Meldung
machten, Die
hier alles hörten. |
Aus
der Willenlosigkeit
des Augenblicks
gewährte man mir einen Wunsch, Und ich
bestand darauf, nur einmal mit den Augen eines Nachbarbaumes
sehn zu dürfen, Und
ich schwöre es und Glaubte
es mir selber, dass die Welt,
in die wir sehen, auch in Wahrheit
völlig anders ist, von Baum
zu Baum, Die Bäume
hielten sich für das, was ich als Sonne
sah, als Felsen, Flüsse oder Gras, Es
war ein großes Weltbild,
das sich so Unsichtbar
hielt. |
|
Selbst
im Flug
wärst du für Niemanden
mehr zu erreichen, Und
ich sah dir nach, Sah
dich weit über unsrer Erde,
abgekoppelt auf der neuen Bahn,
die zog dich schnell so weit in eine andre Richtung,
und ein Punkt
blieb nur für Augenblicke
sichtbar, Dann
war nichts mehr, Und
die absolute Ruhe
lag mit ihrer Schwester,
Leere, in demselben Bett, Sie
trieben’s arg in meinem Kopf,
ich wischte mir die Stirn
und durft mir keine Horizonte
schaffen, Und
das Sonnensegel,
das ich weit in meinem Rücken
schleppte, War
in Wahrheit keine Last, Es
zog mich nicht, Und
ich zog nicht an ihm. |
Anderntags
begegnete ich unvermutet einem Ding,
das sprach mich an Und
fragte mich nach meiner Sprache,
nach dem Weg,
der war nicht auszumachen, Und
es fragte dreimal und verstand mich nicht, Und
lange erst danach Entschied
ich mich zu einer Umkehr, Die
verlief natürlich in der gleichen Richtung, Und
ich traf auf nichts. |
Die Tage
waren lang und kurz, Und
alles war nun möglich, Und
ein Werkzeug, das ich selten brauchte, Wurde
mir zum Ausweis, Und
ich ließ mich häufig Kontrollieren
von mir selbst Und
ließ mich tagelang ganz sinnlos warten Und
beschwerte mich bei mir Und
schrieb auch, dass sich gar nichts von der Stelle
rührte, trotz der Höchstgeschwindigkeit,
mit der wir Reisten. |
|
Ins
Weiß der Zimmerdecke
wuchs ein Pilz, Und
dessen Fäden
strahlten aus und zogen sich bis an die Wand, Ich wohnte
hier und hatte oft Betrachter
meiner Worte, Und
verschiedentlich erfuhren wir Ein
wenig aus dem Wachstum, Und
ich sagte es fast als Entschuldigung
und gab die Bindung
an das Gegenständliche Fast
völlig auf und hatte zum Verständnis
eine Taschenlampe,
die schoss einen hellen Lichtfleck
an die Decke, Und
ich sagte auch, dass dieser Weg durch Unruhe
zur Ruhe führe. |
So
hörte ich zum Beispiel
aus dem Instrument
die Schwingungen der Farben,
umgesetzt in Töne, Und
es kam ein blasses Kind,
das setzte sich vor einen seiner Fühler,
wie ihn Käfertiere haben, Und
er tastete die fahlen Wangen
ab nach etwas Wärme, Und
es schwieg das Instrument auf seiner Suche
bis zu einem kümmerlichen Krächzen,
als der Fühler auf das leichte Rot
der Lippen stieß. |
Ich
selbst war kein Erfinder, Und
ich hörte ohne Ohren,
sah auch ohne Augen, Und
der Schwerpunkt
meiner Masse hing ganz frei, Ein Schlegel
in dem Glockenkörper, der auf Anstoß
wartete, Und
stritt mich um das Amt
des Glöckners. |
|
Jeder,
der vorbeikam, sollte eines dieser Fähnlein
von dir tragen, Jedes
hing an einem Stöckchen, Und
es stand ein Zeichen
drauf geschrieben, das dich anwies, Und
es kam ein Kind
gegangen, das trug stolz und ruhig eine fremde Fahne
vor sich her Und
ging auf deinen Stand zu, Zeigte
dir, was es zu tragen hatte, Und
es war nur diese eine Fahne, Und
das Kind
zerschnitt sie, Zog
sich daraus Segel
über seine Arme, Und
es flog davon. |
Dein Frühstückstisch
war schon gedeckt, Und
alles war gerichtet, Und
du wachtest auf und saßt auf einem Stuhl,
der stand auf einem Weg, Du
frorst dort draußen, Und
der Tisch stand quer, Und
jeder müsste hier an dir vorbei Und
viele kamen, Und
sie gingen auch an dir vorbei, Und
du erinnertest dich wirklich an die Morgende
davor. |
Dann
musstest du das Haus
verlassen, Und
es war dir fremd geblieben, Und
die Nägel
in den Wänden waren bilderlos Und
türenlos die Rahmen, Und
die Wände
hattest du entlassen, Und
das Dach war aufgestiegen, dass es Einfach
fort war, Und
der Boden
unter deinen Füßen sank Und
sank und sank Und
ließ dich nicht mit fallen, Und
die Wünsche,
die du hattest, Blieben
in dem Zimmer
liegen. |
|
Wir
sprachen über unsre Arbeit,
die war ruhig, Und
das Essen,
das ich auf den Löffel
legte, fiel herab, Es
fiel direkt vor meinem Mund vom Löffel,
ohne dass ich es verhindern konnte, Und
die Flüssignahrung,
die mich dann am Leben
halten sollte, Konnte
ich nicht schlucken, Und
ich wusste nicht warum, Dann
wollte man die Nahrung
meinem Leib direkt Zuführen,
das verbot ich, Ich
weiß auch nicht mehr warum, Und
schließlich hielt ich meinen Atem
an und kämpfte einen schlimmen Kampf,
den ich sogleich verlor. |
Dann
dachte ich zu Ende,
Und
am Ende
fand ich einen Frieden,
der war sonderbar Und
gar nicht interessiert an mir Und
hielt sich ganz neutral Und
nahm mich nicht zur Kenntnis, Und
ich hatte mir den Wanderstab
als einziges gerettet, Und
der Frieden
ist in Wahrheit eine reiche Armut, Der
konnt ich nichts abgewinnen. |
Mit Schrecken
dachte ich zurück, Man
hatte mich kopfüber aufgehängt an meinen Beinen, Und
es kam ein später Wachmann,
der die Runde machte, Der
schnitt mich dort wieder los Und
sprach von dem Versehen,
das ihm hätte auch passieren können, Und
dies war der wahre Schrecken, Und
ich floh in meinem Zimmer
eine ganze Nacht,
bis erste Stadtlaternen
plötzlich schwiegen. |
|
Draußen
war es kalt, Ich
lehnte in dem Hauseingang
und wartete und blickte auf das Straßenpflaster,
das brach auf Und große
Fenster
öffneten sich dort, Es
war die Hauswand,
die am Boden
lag, die weiter lebte, Und
die Bilder, die du maltest, Zeigten
die gemordeten, die mordenden Soldaten, Und
der Arzt,
der zwischen ihnen stand, Hätt
gern die Glieder,
die zerschossen und verstümmelt waren Und
verbrannt und abgerissen, Hätte
gerne heile Glieder
angewendet, ausgetauscht, verpflanzt Und
konnte gar nichts machen. |
Am Bahnhof
hatte ich mich nicht entschieden, Und
es fuhren viele Züge
ab und weiter, Und
dem letzten lief ich nach Und
malte mir die Reise
in Gedanken aus Und
sah mich um, dort wo ich stand, Und
hatte meine Wagen abgekoppelt, Und
das Führerhaus
in mir war unbesetzt, Und
zwischen dem Gepäck
stand ein verschnürter Rollstuhl,
Der
war so nicht zu gebrauchen. |
Es
lag ein armer Mensch
am Weg, Der
war so nicht zu sehen, Und
man sah ihn nicht, Es
stieg der arme Mensch
dann über all die anderen hinweg Und
suchte weiter Und
war nicht zu finden Unter
ihnen. |
|
Vor
mir saß ein Mensch,
den kannte ich schon lange, Und
ich fragte ihn nach seinem Namen
und auch nach der Länge
seines Lebens, Die
sei unterschiedlich Und
nicht einfach zu erklären, Und
ich hörte in mir eine Kapsel
brechen, Und
die Flüssigkeit trat aus Und
färbte mich von einem Augenblick
zum anderen Und
ließ mich plötzlich altern, Und
es saß vor mir ein Mensch,
der kannte mich schon lange, Und
er fragte mich nach meinem Namen,
und ich sagte gleich, die Länge
meines Lebens sei sehr unterschiedlich, Und
vor Jahren Sei
ich schon einmal so stark gealtert, Und
der Irrtum
läge schwer auf mir, Und
leider wusst ich niemanden, Der
mich noch kannte. |
So
entging ich knapp der Strafe,
die ich wohl verdiente, Und
sie musste sich vor mir zurückziehn, Und
ich ging nach Hause
und beschimpfte mich Und
warf mir mein Verhalten vor, Das
alles war noch lange nicht das gleiche, Und
entging so nicht der Strafe
und schuf mir Gerechtigkeit. |
Ich
stand im Schneefeld,
das war vor mir völlig unberührt, Und
traf auf eine Fußspur,
mittendrin, Die
stammte nicht von mir Und
hatte keinen Anfang, Und
sie führte auch nicht fort, Und
ohne, dass ich diesen fremden Menschen
sah, sprach ich ihn an Und
grüßte ihn und gab ihm ab von meiner Kleidung, Und
er blieb dort weiter stehen, Und
ich ließ ihn wieder sein. |
|
Aus
einem technischen Gerät
in meiner Nähe Drang
ganz menschliche Musik, Ich
ging sofort dorthin Und
sah in jeden Winkel
und ins Instrument und Hätte
gern den Mund
gesehn, der diese Lieder
sang, aus dem sie leicht und Unbeschwert
getragen wurden, Und
der Apparat
war völlig überflüssig, Und
ich folgte dem Gesang, Und
als ich dich dann tröstete, Ich
sah ja, dass du weintest, glühten deine Wangen
vor Erregung, Und
ich hatte alle Gurte
abgelegt, trieb schwerelos davon, Und
du riefst mir nicht nach, Und
jeder wusste von dem Horizont, Den
durften wir niemals berühren. |
Wir
richteten den Tag
der Armut ein, Und
man ging aus Und
schmückte alles, was man gern im Wohlstand
sehen würde, Keiner
traute sich an sich zu denken, Und
ich zog mich heimlich aus in meinem Zimmer
und besah die Beulen,
die der Frost
geschlagen hatte Und
verbrannte meine Kleidung
um der Wärme
willen. |
Über
mir stand eine Wolke
großer, schwarzer Vögel, Und
die Tiere
flogen schwer und schleppten ihren Leib
weit hinter ihren Flügeln, Und
sie kamen nicht voran Und
ließen sich im Dämmerlicht
auf etwas Unsichtbarem
nieder, Das
war auch am andren Tag,
als alles wieder hell war, Nicht
zu sehen. |
|
Wir
maßen mit zwei Stäben,
ich mit meinem Wanderstab
die Wege, die ich gehen wollte, Du
mit deinem Taktstock
maßt die Tongemälde,
die du schufst, Sie standen
mir sekundenlang vor Augen, Du
sahst deutlich, dass ich auf sie zuging, Sagtest
auch, man könnte sie nicht näher Sehen,
als so nah, wie sie nun einmal wären, Und
wir fanden beide kein Ergebnis, Meine
Maße blieben liegen, Deine
lösten sich schon im Entstehen
auf, Und
beide wussten wir nun um das Maß
der wesentlichen Dinge. |
Man
zeigte mir ein Hochzeitsbild,
das durfte ich behalten, Und
es war sehr ungerecht und war das Blitzeis,
das sich morgens auf die Straße
legte, Und es
würde niemand darauf gehen können, Und
ich schnitt das Leben
dieses Brautpaars, Seiner
Heimatdörfer und das, was die Gäste
sagten, tausendfach entzwei Und
schob die Schnipsel ineinander, Fügte
sie ganz neu zusammen Und
verklebte so den tagelangen Augenblick,
dass man drauf gehen konnte, ohne Hinzuschlagen. |
Später
hörte ich, dass man ein Lexikon
erfunden hatte, dass beschrieb für neue Menschen
alle wesentlichen Dinge,
die es jemals gab Und
jemals geben konnte, Und
es war ein dünnes Heftchen, Das verstanden
nur die Kinder. |
|
Die Quelle
meines Lichtes war nicht hell, Sie
war ein Riesenstein,
der stand am Himmel,
war ein fremder, runder Fels, Der
gab nur wieder, was an ihm Vorbeigefallen
wäre, War
ein Kinderlied,
das heute hohl in meinem Zimmer
abgesungen wurde, Und
sein Motor
sprang nicht an, es fehlten ja die Kinderohren,
Und
mein Herz war noch nicht alt genug dafür, Und
zweimal wöchentlich kam ich zu dir ans Krankenlager, Und
in meiner Tasche steckten immer dieser lange Kupfernagel
und ein Hammer, Und
ich konnt mich jederzeit damit an eine Holzwand
nageln lassen, Meine
Stirn wär völlig machtlos gegen seine Spitze. |
Es
gab tatsächlich schwarze Strahlen,
die wir nicht bemerkten, Und
ihr Licht
durcheilte unsre Augen, Und
ich fand die Ähnlichkeit
mit dir heraus Und konnte
dich doch nicht erkennen, Und
ich ging ja innerlich mit einem Blindenstock, Der
ragte nicht nach draußen. |
Manchmal
öffnete ich eines andren Menschen
Kopf, Und
dachte, dass ich mich erinnern würde, Und
ich hatte recht und alles fiel mir ein, Und
jener andere erkannte mich nicht wieder, Und
ich intressierte nicht Und
blieb nur ein bewegtes Leinwandbild, Das
konnte man vergessen und erinnern, Aber
nicht verändern. |
|
Es
blieb noch so viel Zeit,
dass ich mich ohne Eile
aus dem Zimmer und in Sicherheit
hätt bringen können, Und
ich sah mich um und jede Einzelheit
genau, es war ein Abschied
ohne Wiederholung, Und
vor meinem Fenster
reckte sich der Kirchturm
in den Himmel, andachtsvolle Hände,
die sich aneinander legten und Versteinert
waren, Und
man hatte mich entsetzt verlassen und stand draußen, Und
in meinem Zimmer
brannte noch das Licht, Ich
konnte mich nicht mehr entscheiden, Und
ich winkte auf die Straße. |
Ich
klingelte an deiner Tür,
die war schon auf und ließ mich ein, Und
alles schwieg dort drinnen, Und
ein Fliegentier
floh durch den offnen Spalt, Du
lagst verstreut in allen Räumen, Und
es hätt doch auch ein Dieb…, Ich
stieß auf die totale Leere
überall, Die
ließ sich nicht von ihren Plätzen
stehlen. |
Drüben
las die Frau
in einem dicken Buch, Sie
blätterte nicht eine Seite
um und las Und
las Und
las Und
blickte auch nicht auf, Und
ich schob meinen Kopf
ganz dicht vor ihre Augen, Und
darin war alles leer, Ich sah
hindurch und einfach gegen eine Rückwand
hinter ihr. |
|
Wir
erreichten, dass die Gitter
mit ins Weltall flogen, Und
sie zogen später als Gedankensplitter
nur noch in Erinnerung
durch unsre Köpfe, Und
in mir verhakten sich die Einzelteile, Und
an meinem Himmel wuchs daraus ein Netz,
das wurde immer breiter, Und
ich fragte andere, die sahen auch nach oben, Und
erkannten nichts, Es
habe sich in ihnen aber wie in mir vollzogen, Und
wir standen eng an eng und gaben uns die Hände, Und
wir stützten uns im Suchblick
durch die Räume
über uns. |
Vor
mir stand ein leeres Glas,
das hatte einen Deckel, Und
ich sollte die Entwicklung
ganz genau beobachten, Und
nichts geschah darin, Und
meine Theorie
begründete sich nicht aufs Wachstum,
das wir doch nicht sehen konnten, Sondern
darauf, dass das Licht
und wirkliches Geschehen ohne Rücksicht
auf die Glaswand Außerhalb
entstand und mich sogar mit einschloss, Und
ich untersuchte gleich den Boden
unter meinen Füßen. |
Man
bat mich um die Unterschrift,
die wollt ich gerne geben, Und
man reichte mir Papier,
das war noch völlig leer, Und
grundlos wollte ich nicht meinen Namen
schreiben, Und
man sagte, ich sei dumm, Und
diesmal würde man sich freundlich zeigen, Und
man gab mir eine kilometerlange weiße Wand,
dort wäre sicher Grund
genug zu finden, Und
ich hätte viel, viel Zeit. |
|
Briefe,
die ich dir im Leiden
schrieb, enthielten selbst das Leiden, Und wie
hätte ich dir helfen können, Ohne
auch zu leiden, Ja,
ich bin dir Brief
um Brief, Und
du sollst fleißig in mir lesen Und
beginnst im Kopf,
dort steht die Überschrift,
die gilt nur dir Und
will dich sehr willkommen heißen, Und
ich schieb dein Stirnhaar
rasch beiseite, Es
ist nass vom Schnee, Es
ist nur eine Geste, nur die kurze Landung
des Gefühls für dich, Du
greifst nach meiner Hand
und willst sie küssen, Doch
die steigt schon wieder auf Und
lässt das Gletscherbrett
zurück, die Spur
schmilzt gleich dahinter. |
Im Treppenhaus
stehst du vor mir Und
schaust zurück, auf mich herab, Ich
blick nach oben, Und
von deiner Stirn
ergießt sich die Lawine,
die beginnt zu stürzen, Und
sie reißt auch dein Gesicht
herab, das fällt auf mich Und
schlägt sich blutig an dem Mund,
der will dich fangen, Und
ganz warm wird das Ersticken. |
Hinter
mir tut sich das Tieftal
auf, es reizt hinein zu springen, Und
die Kleider reiß ich mir vom Leib, Und
vieles bleibt dran hängen, Und
ich werfe sie, so weit es geht hinaus, Sie
segeln langsam nieder in den Treppenschacht
und halten sich nicht auf in den Etagen, Und
sie schlagen an und fallen wieder weiter, Und
sie sehen nicht zurück, Und
unten breiten sie sich mir zum Sprungtuch
aus, Das
wird nicht stramm gehalten, Und
es ruft nach oben. |
|
Überall
stieß man auf die zertretenen Gedanken,
ausgestreut als Granulat
auf glatte Wege, Und
ich dachte mir, dass sich die Eiszeit
ganz unmerklich Und
ganz regelmäßig wiederholte, Und
dies sei ein Anfang, Und
im Eismeer schleppte man schon jahrelang Die
schwimmenden Gebirge,
zog sie aus der Kollisionsfahrt,
die sie auf die Inseln
machten, Und
im Weltall schob man schwere, Die
im Querkurs lagen, auch beiseite, Stieß
sie einfach an und ließ sie trudeln, Und
man kümmerte sich nicht um ihre neue Bahn. |
Wenn
ich weinte, weinte ich nach innen, Und
die Tränen
standen mir im Auge, Und
es hätt ja einen wahren Grund
für meine Trauer geben können, Und
es sprangen mir die Seufzer
in den Mund, Von
dort ließ ich sie frei, Sie
stießen mit dem Abgasfeuer
über meinen Rücken, Und
ich spürte einen angenehmen Schauer. |
Sonst
war alles blank an mir, Ich
hielt auch die Metalle,
die mich schützten, Immer
sauber, Und
ich duldete auf meiner Oberfläche
keine Fehler,
das war leicht, Sie
konnten einfach nicht geschehen, Und ich
war mir mit den andren einig, Und
wir waren alle ehrlich. |
|
Nein,
ich will dich nicht belasten, Und
ich lüge nicht Und
stelle alles neben dich Und
sage nichts Und
preise dir nichts an Und
wische mir, schweißnass, die Hände
in der Schürze ab Und warte
auf ein Wort,
dass du mir sprechen könntest, Und
du sprichst es nicht, Und
ich sprech nicht, Und
schwer belastet dich mein Schweigen, Und
es steht noch immer alles unberührt An
deiner Seite, Und
du denkst die ganze Zeit
wohl nur an dich, an das Was
du gern sagen würdest, Und
du kannst es nicht, Zu
sehr hast du zu schaffen mit der Kopflast, Und
ich sehe dich so balancieren, Und
ich helfe nicht. |
Im Nebenzimmer
fährt die Zeituhr
in die Wand, Sie
bleibt dort stecken und verläuft sich nicht Und steht
nun still, Und
unter ihr hält sich dein Weib
ganz nah an ihren Leib die andre Frau,
die liebt es sehr, Es
hat ihr viel zu bieten, Täglich
legt es dir die neu gewonnene Liebe
in das Krankenlager, Und
es ist ein falsches Weib,
das sich im Dunkeln unter deine Decke
schiebt, Es
kommt dir sehr entgegen in der Dunkelheit. |
Ich
kann das alles nicht ertragen, Und
die Doppelsterne
werden nicht zu meinen Zeiten
ineinander stürzen, Und
die grüne Sitzbank
auf dem Bahnhof
hinkt Und
bietet sich als Krüppel
an, Ihr
fehlen auf den Sitzen
und im Rücken je zwei Bretter. |
|
In
meiner Straße
nagelte ein Mann
den waagerechten Maßstab an die Hauswand, Und
ich ging daran vorbei Und wusste
nicht ob ich den Maßstab
messen sollte oder Ob
er mich vermaß Und
sah mich heimlich um nach diesem Mann, Der
war ein Straßenfeger, Und
er wusste nicht Bescheid
und fragte auch, ob er mir helfen könnte, Und
er mache hier nur seine Arbeit, Und
ich würde sicher schon in eins zwei Tagen
nicht mehr fragen, die Vermessung
wäre dann vorbei. |
Morgens
wollte ich von meinem Baum
hinunter steigen, Und
es lag noch Frost
in allen Ästen, Meine
Federn knarrten unerwartet, Und
es war unmöglich so zu fliegen, Und
ich war besorgt um mich, Es
mochte sein, dass sich der Baum,
wenn er erwachte, schüttelte, Und
noch war nicht die Zeit
des Gärtners angebrochen, Der
stand unbeweglich unter mir, Und
sicher würde er zuerst das Totholz
schneiden wollen, Das
war noch nicht zu erkennen. |
Drüben
sah ich eine Morgenröte,
Die
stand einfach auf und wurde größer, heller Und
verlor die Farbe, Sie
war schon vorhanden hinter einem Schwarzband,
als die Nacht
noch vor mir lag, Und
immer würde sie der Innenpelz
des Mantels sein Und
nur am Kragen sichtbar sein. |
|
Es
war wohl, dass du mich nicht sahst, Ich grüßte
dich umsonst, Wir
standen an den Enden
einer Linie des Visiers, Der
Wind hob deine langen Haare
weit nach vorn Und
trug sie über deine Schultern, Und
die Hände
strecktest du in bittender, Vielleicht
auch flehender Gebärde
in den Luftspalt,
der war unsichtbar für mich, Und
sonst war alles leer auf unsrer Straße,
die war endlos, Und
sie mündete im Kleinerwerden
als ein Bildrand,
der versehentlich entstanden war, Und
du, du hattest einen Stehplatz
eingenommen, Der
war unbestritten. |
Irgendjemand
sang das Nebellied
und sprach vom grauen Stein,
der sich im Dunst
versteckt hielt, dessen Buckel
weit bis in die Wolken
reichte, Und
ich war ganz sicher, Dass
es lange dauern würde, Dort
heraus zu finden, Und
dein Lied war selbst die Suche
und war selbst der Nebel, Und
der Ausgang,
der lag so vor mir. |
Man
sprengte in der Heide
einen hohen Turm, Der
stand dort sinnlos und umsonst, Und
niemals war ein Mensch
an ihm hinaufgestiegen, Und
ich sägte mir die abgestürzte Spitze
ab und nahm sie mit Und
sah ihr lange ins Gesicht, Sie
würde sicher mit mir sprechen Und
mich nach der Aussicht
fragen wollen. |
|
Die Hungerterroristen
aßen wieder, Und
die Welt
war immer noch voll Hunger, Und
man sandte Kommissionen,
die den Sinn
des Terrorismus untersuchen sollten, Der
lag sonst auf jeder Straße, Und
man ging um ihn herum Und
glaubte nicht an seine Wahrheit, Und
man fand auch einen Keim,
der war mit ihrem Essen
eingenommen worden, Er
war schwer herauszufinden, Und
die Terroristen
mussten ohne Essen
ihren Terror fristen, Und
sie starben bald. |
Unsre
Fenster
lagen auch zur Straßenseite, Und
sie barsten plötzlich unter einem starken Luftdruck, Der
entstand aus einer Explosion, Und
niemand wusste etwas, Konnte
etwas sagen, Und
mit meinen Augen
hielt ich die zerrissnen Scheiben
fest, Sie
blieben mit den Scherben, die sich grade lösten, So
im Raum gebannt und stehen, Und
es flog nichts mehr herum, Und
eigenartig war es nun für uns zu leben Unter
explodierten Fensterscheiben, Die
man explodieren sah, Es
kamen viele, sich den eingefrornen Zustand
einzuprägen. |
Täglich
war ja dreimal Menschenleid
geschehen, Das
sich schlimm ausnahm, Ich
fand auch einen langen Riss,
der über meine Seite lief, Ich
würde bis zum Sommer warten Und
ihn dann erst reparieren lassen, Und
ich hatte wirklich keine Zeit
mehr für dich übrig, Und
ich gab dir meine ganze Zeit, Du
sagtest auch, Ich
stünde dauernd neben mir Und
sei zu dir ganz anders, als die anderen, Und
rühre an den Sprung, Der
zöge sich durch dich Und
sei von einer Sprengung. |
|
So
kann es sein, dass man sich selbst ins Auge
sieht, Und
zwischen mir und meinen Augen
ist ein dünner Draht
gespannt, Und
rührte ich an ihn, gäb er die Blindenmelodie,
die sagt: „Macht
Platz dem, der sich selber sieht,“ Und
die ein Standpunkt ist, vielleicht der Ausgangspunkt,
um den ich mich so lange Mit
dir stritt, indem ich deine Wahrheit
nach Konkretem fragte, Und
ich zupf Zuhause mit dem Finger
einmal nur an der Verbindung, Und
die Resonanz zerreißt mich fast, Es
springt der Faden
aus der Schiene, schnellt zurück Und
schlägt mir Striemen ins Gesicht
Und
tätowiert mich dunkelrot. |
Du
zogst daraus den Schluss,
dass alles richtig wär, weil es sich ineinander Fügte
und vergaßt, wie käuflich eine Liebe
war, Die
passte in den Schoß, Und
sie verlangte nichts, Und
ich war ohne jede Absicht
und mir selbst genug Und
zwang dich nicht Und
gab auch keine Antwort, Und
du weintest, ohne dass dich dein Gesicht
verriet. |
In
den Pausen lernte ich ein Fingerspiel
mit einem Faden,
der aus jedem Knoten
immer wieder völlig glatt heraus fiel, Und
ich dachte an das Seil,
das lange schon am Fensterkreuz
befestigt war und in die Stube
hing, und sah die Schlaufe
an dem Ende, Die
blieb lange ungelöst. |
|
Ich
schlief im Freien, Und
ein weit entfernter Lichtpunkt,
der noch hinter Sternen
stand, warf einen scharfen, weißen Kegel
auf mein Lager, hüllte mich in seine Decke,
die war maßlos dünn, Ich
fror und sah dem Unschlaf in die Folterkammer,
die stand offen, Und
ich dachte mich ins Auge
der Beleuchtung, so weit draußen, hinter meinem Himmel,
unter schwarzem Samt
voll weißer Löcher, Sonst
geschah mir nichts, Und
auf dem Nachbarlager
wälzte sich ein Nebenmensch, Und
der vergnügte sich in der Verdauung, Hielt
die Hände
auf die strammen Magenwände. |
Niemand
zwang dich zu Konkretem, Und
man ließ dir deine Wahrheit,
mochten es auch zwei, Vielleicht
auch drei sein, Und
du fragtest mich und sahst, Dass
ich in meiner linken Hand
den grünen Leuchtstein trug, Den
hatte ich schon immer, Und
er sprach zu mir Und
war konkret Und
selbstverständlich. |
Meine Suche
endete dann vor dem Tor,
das war geöffnet, Und
ich ging nicht mehr hinein, Dahinter
fand ich stets das Ende
meiner Spur Und
weiter ging es nicht, Ich
dachte auch, der Mensch
an meiner Seite wäre von Geburt
an Mensch, Das
stimmte aber nicht, Er
war erschüttert über meine Herkunft. |
|
Ich
hätte dich nicht wiedersehen sollen, Viel
zu deutlich suchtest du mich in der Menge, Und
ich stand dir ins Gesicht
geschrieben, das war blass und fahl, Es
hatte nur sekundenlang die Anflugröte
Herzenskranker, wenn du mich entdecktest, Und
ich kam dann doch Und
sah sofort die kleine Möwe,
mehr ein Spielzeug, Die
hing über dir im Seil, Und
das trug dich in einer flachen Schale
etwas über meiner Erde, Und
du beugtest dich herab bis an den Rand
und sprachst mir in das Ohr, Und du
erflehtest deinen Tod
wie jener kleine weiße Vogel,
den erschoss ein Jäger
einst aus Langeweile, Und
ein Lehrer
ließ ihn präparieren. |
Wir
lehnten uns an junge Birkenstämme, Und
der Boden
war sehr feucht und weich, Und
unser Rückhalt
gab ein wenig nach, Ich
wusste, dass die Augen
in die Kronen zeigten, Die
begannen sich zu drehen, Und
im Gleichtakt
sprangen sie leicht übers Springseil
steiler Sonnenstrahlen, Alles
das schlug mir so heftig ins Gesicht, Ich
ließ mich gerne von dir quälen, Und du
rührtest keine Hand,
um mich zu streicheln, Und
wir rührten uns nicht an. |
Ich
wollte meine Freiheit,
aber ohne dich, Und
ich verzeichnete auf meiner Mantelinnenseite
jeden Augenblick,
den wir uns vorenthielten, Und
wir sagten einfach, später in der Freiheit, Stünde
dem nichts mehr entgegen, Dass
das Glück doch keine Wurzeln
habe. |
|
Es
fing an einer unscheinbaren Stelle
an, das Frühjahr
war noch weit entfernt Und
schwer entflammbar, Und
ich sträubte mich ein wenig, dir in deiner Krankheit
zu begegnen, Ich
bemerkte alles nur durch einen Zufall, Und
so ist es wenn die eigne Haut
taut, schmilzt, Und
wenn sich erstmals Risse
unter glatter Oberfläche
zeigen, Und
du sagtest auch zu mir: „Geh
hin, wenn dich die andre Seite
ruft Und winke
nicht nach drüben,“ Und
ich reichte dir die Worte,
aufgeschrieben, an dein Krankenlager,
dass du sie erst nach mir lesen solltest, Und
der Tag würd’ dadurch doppelt kurz, Auch
würden deine Fragen
ohne Antwort bleiben. |
Meine
Kunst
blieb euch ganz fremd, Es
war auch so, dass ich sie liebte Und
zugleich für mich behielt, Und
sie war jung genug, mich ohne Rückblick
zu betrügen, Und
mein Zimmer war zu klein für mich und sie, Und
trotzdem schuf ich sie noch schöner, Noch
vollkommener, Und
fraß in meiner Not
den abgeschabten Mauerstein, Der
ließ mich überleben, Und
die Farben, die ich wählte, Stammten
wirklich nur von mir. |
Ich
streckte meine Hand,
soweit ich konnte, aus, den Himmel
aufzureißen, Und
die Wolkenfelder
schob ich fort vom Blau, Und immer
wieder schnitten diese Kopfmaschinen
ihre weißen Streifen
ein, Es
dauerte mir viel zu lang, bis sie Vernarbten. |
|
Meine
Wahrheit
war ganz anders als die Wahrheit,
und ich litt darunter, Und
ich floh in die Gelassenheit
und kleidete mich gelb Und
gab mich willenlos Und
achtete darauf, Mich
überhaupt nicht hinzugeben, Und
in meinem Zimmer
stand die Nachtlaterne von der Straße, Und
die zündete sich automatisch an Und
brannte bis zum frühen Morgen, Und
sie blieb mir fremd in ihrem Eigensinn,
den konnte ich selbst so in meinen Händen
gar nicht lenken. |
Aus
dem Tagebuch
las man mir vor, Ich
sprach zu mir und achtete auf jedes Wort
und ging mit mir an meiner Hand
und mit dem Schlüssel
auf den Lippen an den Stahlschrank, Darin
hatte ich in meiner Jugend einen Urwald
eingeschlossen, Und
wir gingen nun gemeinsam um die Schwarzen,
glatten Stämme, Und
sie waren unverändert, Und
mit unsren Füßen
stießen wir ins Laubwerk, Daher
kamen die Geräusche, Und
wir mussten über große Kissen
steigen. |
Ich
sah mich häufig um, der Flur
war lang und viele Türen
gingen von ihm ab, Sie
waren nicht zu öffnen, Und
am Ende traf ich auf die Freiheit,
Die
ließ mich nicht frei, An dieser
Stelle
schlug das Meer direkt an blanke Klippen. |
|
Meine
Sorge
wuchs, Ich
formte einen Stahldraht
in die dritte Dimension, Er
wurde immer weicher, Und
er würde brechen, Und
ich sah auf ihn, bewegte ihn nicht mehr, Ein
Drahtbruch brächte mich zurück in eine ebne Fläche, Und
ich sah mich um, es hatte keinen Sinn, Es
fiel mir schwer, das Wohnhaus
so verkommen zu verlassen, Irgendjemand
würde doch versehentlich, Vielleicht
ganz automatisch, Nach
mir greifen, Und
ich würde auseinanderfallen, Und
von außen war nichts zu bemerken, Und
ich blieb so still ich konnte, Rührte
mich nicht von der Stelle, Und
ich fror den mürben Zustand
ein. |
Ungerecht
war auch, dass sich die Federdrähte
überhaupt nicht biegen ließen, Und
in meiner Hand
zog ich die Spule auf, Die
spannte sich mit Kraftgewalt
nach außen, Und
ich warnte mich, die Hand
würd explodieren. |
Bei
einem Unfall
schnellte einem Mann
ein Baustahl in die Stirn Und
trat aus seinem Hinterkopf
heraus, Man
konnte diesen Mann auf wunderbare Weise
ohne jeden Umstand retten, Und
man zog den Draht
aus seiner Wunde, Und
es blieb kein Schaden, Und
ich streich noch immer mit den Fingerspitzen
über meine Stirn
und taste langsam bis nach hinten Über
meinen Schädel. |
|
Dort,
wo einer ist, Sind
zwei, erzählte uns ein altes Märchen,
das ich nicht verstand, die Kinder
lauschten aufmerksam Und
fanden sich zurecht und neben sich den Anderen, Und
ich stand auf, ging fort, Und
draußen rief ich leise nach dem Zweiten,
der blieb still, Ich
warf den Stein
in einen See, nur um ein einziges Geräusch
zu haben, das entstand, Und
einen zweiten warf ich in den Himmel,
der schlug dort nicht auf Und
blieb verschwunden, Und
vor unsrer Erde
stand wohl niemand, der uns kannte, Und
wir standen alle fest im Raum Ich
stieß so an ein Gitter,
das mich von mir trennte. |