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Buchtitel ISBN 3-937264-25-6

Inhaltsverzeichnis

 

Wir gerieten in den

Gürtel der Meteoriten

Lyrik.

 

10.000 Aufschläge

Band 14: Aufschläge 6502 - 6999

 

Harald Birgfeld

 

"Es lohnt sich, einmal einen heutigen Dichter kennen zu lernen, der mit der deutschen Sprache einen faszinierend fremden Weg betritt und trotzdem dem Leser Freiraum lässt für eigene Gedankengänge, ohne dass die Probleme in erhobener Zeigefingermanier zu zeitkritischen Trampelpfaden werden." (1986: Gutachten).

 

Harald Birgfeld, von Beruf Diplom-Ingenieur, schrieb seine Gedichte während der morgendlichen Fahrt mit der Hamburger S-Bahn zur Arbeit.  Seine Texte entstanden fast immer bereits in endgültiger Form.

 

Copyright 2007 beim Autor, Harald Birgfeld, alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieser Veröffentlichung darf ohne schriftliche Erlaubnis des Herausgebers, Harald Birgfeld, reproduziert werden. Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Verfilmung und Einspeicherung sowie Verarbeitung in elektronischen Systemen.

 

Herausgeber, Autor, Redakteur: Harald Birgfeld, über e-mail: e-mail:.        Harald.Birgfeld@t-online.de


Inhaltsverzeichnis

 

 

Aufschläge 6502 - 6504

Aufschläge 6505 - 6507

Aufschläge 6508 - 6510

Aufschläge 6511 - 6513

Aufschläge 6514 - 6516

Aufschläge 6517 - 6519

Aufschläge 6520 - 6522

Aufschläge 6523 - 6525

Aufschläge 6526 - 6528

Aufschläge 6529 - 6531

Nach einem Film über

Hiroshima (6. August 1945)

Aufschläge 6532 - 6534

Aufschläge 6535 - 6537

Aufschläge 6538 - 6540

Aufschläge 6541 - 6543

Aufschläge 6544 - 6546

Aufschläge 6547 - 6549

Aufschläge 6550 - 6552

Aufschläge 6553 - 6555

Aufschläge 6556 - 6558

Aufschläge 6559 - 6561

Aufschläge 6562 - 6564

Aufschläge 6565 - 6567

Aufschläge 6568 - 6570

Aufschläge 6571 - 6573

Aufschläge 6574 - 6576

Aufschläge 6577 - 6579

Aufschläge 6580 - 6582

Aufschläge 6583 - 6585

Aufschläge 6586 - 6588

Aufschläge 6589 - 6591

Aufschläge 6592 - 6594

Aufschläge 6595 - 6597

Aufschläge 6598 - 6600

Aufschläge 6601 - 6603

Aufschläge 6604 - 6606

Aufschläge 6607 - 6609

Aufschläge 6610 - 6612

Aufschläge 6613 - 6615

Aufschläge 6616 - 6618

Aufschläge 6619 - 6621

 

 

Aufschläge 6622 - 6624

Aufschläge 6625 - 6627

Aufschläge 6628 - 6630

Aufschläge 6631 - 6633

Aufschläge 6634 - 6636

Aufschläge 6637 - 6639

Aufschläge 6640 - 6642

Aufschläge 6643 - 6645

Aufschläge 6646 - 6648

Aufschläge 6649 - 6651

Aufschläge 6652 - 6645

Aufschläge 6655 - 6657

Aufschläge 6658 - 6660

Aufschläge 6661 - 6663

Aufschläge 6664 - 6666

Aufschläge 6667 - 6669

Aufschläge 6670 - 6672

Aufschläge 6673 - 6675

Aufschläge 6676 - 6678

Aufschläge 6679 - 6681

Aufschläge 6682 - 6684

Aufschläge 6685 - 6687

Aufschläge 6688 - 6690

Aufschläge 6691 - 6693

Aufschläge 6694 - 6696

Aufschläge 6697 - 6699

Aufschläge 6700 - 6702

Aufschläge 6703 - 6705

Aufschläge 6706 - 6708

Aufschläge 6709 - 6711

Aufschläge 6712 - 6714

Aufschläge 6715 - 6717

Aufschläge 6718 - 6720

Aufschläge 6721 - 6723

Aufschläge 6724 - 6726

Aufschläge 6727 - 6729

Aufschläge 6730 - 6732

Aufschläge 6733 - 6735

Aufschläge 6736 - 6738

Aufschläge 6739 - 6741

Aufschläge 6742 - 6744

Aufschläge 6745 - 6747

 

Aufschläge 6748 - 6750

Aufschläge 6751 - 6753

Aufschläge 6754 - 6756

Aufschläge 6757 - 6759

Aufschläge 6760 - 6762

Aufschläge 6763 - 6765

Aufschläge 6766 - 6768

Aufschläge 6769 - 6771

Aufschläge 6772 - 6774

Aufschläge 6775 - 6777

Aufschläge 6778 - 6780

Aufschläge 6781 - 6783

Aufschläge 6784 - 6786

Aufschläge 6787 - 6789

Aufschläge 6790 - 6792

Aufschläge 6793 - 6795

Aufschläge 6796 - 6798

Aufschläge 6799 - 6801

Aufschläge 6802 - 6804

Aufschläge 6805 - 6807

Aufschläge 6808 - 6810

Aufschläge 6811 - 6813

Aufschläge 6814 - 6816

Aufschläge 6817 - 6819

Aufschläge 6820 - 6822

Aufschläge 6823 - 6825

Aufschläge 6826 - 6828

Aufschläge 6829 - 6831

Aufschläge 6832 - 6834

Aufschläge 6835 - 6837

Aufschläge 6838 - 6840

Aufschläge 6841 - 6843

Aufschläge 6844 - 6846

Aufschläge 6847 - 6849

Aufschläge 6850 - 6852

Aufschläge 6853 - 6855

Aufschläge 6856 - 6858

Aufschläge 6859 - 6861

Aufschläge 6862 - 6864

Aufschläge 6865 - 6867

Aufschläge 6868 - 6870

Aufschläge 6871 - 6873

 

Aufschläge 6874 - 6876

Aufschläge 6877 - 6879

Aufschläge 6880 - 6882

Aufschläge 6883 - 6885

Aufschläge 6886 - 6888

Aufschläge 6889 - 6891

Aufschläge 6892 - 6894

Aufschläge 6895 - 6897

Aufschläge 6898 - 6900

Aufschläge 6901 - 6903

Aufschläge 6904 - 6906

Aufschläge 6907 - 6909

Aufschläge 6910 - 6912

Aufschläge 6913 - 6915

Aufschläge 6916 - 6918

Aufschläge 6919 - 6921

Aufschläge 6922 - 6924

Aufschläge 6925 - 6927

Aufschläge 6928 - 6930

Aufschläge 6931 - 6933

Aufschläge 6934 - 6936

Aufschläge 6937 - 6939

Aufschläge 6940 - 6942

Aufschläge 6943 - 6945

Aufschläge 6946 - 6948

Aufschläge 6949 - 6951

Aufschläge 6952 - 6954

Aufschläge 6955 - 6957

Aufschläge 6958 - 6960

Aufschläge 6961 - 6963

Aufschläge 6964 - 6966

Aufschläge 6967 - 6969

Aufschläge 6970 - 6972

Aufschläge 6973 - 6975

Aufschläge 6976 - 6978

Aufschläge 6979 - 6981

Aufschläge 6982 - 6984

Aufschläge 6985 - 6987

Aufschläge 6988 - 6990

Aufschläge 6991 - 6993

Aufschläge 6994 - 6996

Aufschläge 6997 - 6999

 

 

Aufschläge 6502 - 6504

 

Es lag kein

Diamant im Straßengraben,

Und die Scherbe, die dort blinkte,

Funkelte schon tagelang und würd mit jedem

Sonnenlicht, dass sich an seinen scharfen

Kanten brach, nach außen locken,

Und daneben lagen unter den verfallnen

Tagen, die noch gestern galten, dieses

Heer von zugedeckten

Splittern.

 

 

 

Es war in einer

Nacht, in der ich mich entschloss

Und ausging,

Und mit meinen

Händen konnte ich die

Sterne wählen, die ich sehen wollte,

Und ich war ganz sicher, dass von ihnen

Nicht ein einziger der

Mühe wert war,

Und auch umgekehrt

War ich mir selbst zu klein geworden,

Um von mir erwählt zu werden,

Und ich prüfte wirklich, ob das eigne

Leiden noch erkennbar wäre, oder immer nur das

Rücklicht anderer, die sich dorthin

Entfernten.

 

 

 

Man traute auch dem

Laserlicht nichts zu,

Und ganz genau genommen, war der

Strahl im Weltall überhaupt nicht sichtbar,

Und mein

Sehen trat aus meinen

Augen auf die

Schrecklichkeiten, die ja immer nur ein

Einzelner verübte,

Und es war ja hier auf

Erden jedes

Lichtbund so verschmutzt und unsichtbar, dass sich die

Blicke kreuzen mochten,

Überlagern konnten,

Ineinander fielen,

Ohne dass es jemand merkte.

 


 

 

Aufschläge 6505 - 6507

 

Ich stand wohl viel zu dicht am

Stamm der Birke,

Und die Rinde wuchs um mich,

Ich sah herab an mir auf

Felder weißer

Haut, die eingerissen war und aufgebrochen,

Und dahinter lag ein liebevolles Schwarz,

Ich dachte nicht an diese

Krone über mir und an die

Zweige, die nun preisgegeben waren jeder

Liebelei, sich jugendlich durch halb geschlossne

Hände ziehen ließen,

Und ich stand vor mir,

Und meine

Arme schlang ich um das

Holz,

Und meine Wange presste ich an harte

Kanten.

 

 

 

Eine andre Säule stand allein

Und war ein meterhohes

Kunstwerk, das ergoss vom höchsten

Scheitel Wasser auf die runde

Außenwand, dass es zu einem

Spiegel wurde, der nicht spiegelte,

Es lief ganz glatt herab,

Und ‚selbst beim

Baden wärest du nicht mehr mit dir allein’,

So sagtest du, und stündest unter einem

Regen, den du regeln könntest,

Der dich wärmte oder kühlte,

Und es müsste möglich sein, mit einem

Handgriff dich so gläsern zu gefrieren,

Und du sähest deinem

Eingefrieren selber zu.

 

 

 

Es war ja so, dass jede

Unschuld immer einen einzelnen betraf,

Und in dem

Kleiderschrank lag meine

Seele, die ich nächtlich auszog,

Und sie wurde mir in dieser letzten

Dunkelheit vom Mottenfraß zerstört,

Und nichts davon hatt ich bemerken können,

Und mein

Schlaf, danach, hielt lange an.

 


 

 

Aufschläge 6508 - 6510

 

Im Wald zerbrachen trockne

Zweige unter unsren Füßen,

Und es war gefährlich so zu wandern,

Und dein

Schatten ging dir nach und züngelte im

Abendrot und brannte lichterloh

Und streckte seine

Arme nach mir aus,

Und wirklich konnte ich dir gar nichts glauben,

Und es schien mir wahr, was dich so brennen machte,

Und es war dir völlig gleich,

Was hinter dir geschah.

 

 

 

An einer

Schnur, die zu mir niederhing,

Zog ich die

Lichtung auf,

Wir standen einem

Wald voll roter Dächer gegenüber,

Und dazwischen fehlte die Verbindung,

Und der eine

Schritt, den ich in diese

Richtung machte, ließ mich an die

Scheibe schlagen,

Und ein Taubentier, das von der andren

Seite kam, flog gegen Licht

Und brach sich das

Genick am Glas,

Und hier, bei mir, war nichts davon zu hören.

 

 

 

Dann sah ich in die

Tiefe, weil mein

Blick hineingefallen war,

Ich wollte ihn bewahren vor dem

Zwischenraum, dem

Schwindel und dem

Aufschlag,

Und man sagte mir, dass jeder

Stromschlag, der den Menschen träfe, ihm im ersten

Augenblick die Sehkraft rauben würde.

 


 

 

Aufschläge 6511 - 6513

 

Auf deiner

Stirn sah ich den roten Schönheitsfleck,

Der pochte unablässig,

Und dein Herz war hier zu Hause, weil es

Ausschau halten wollte,

Und den Menschen sagtest du und mir, dass hier dein

Drittes Auge säße,

Dass du so dem Herzen, das doch blind sei,

Von der

Sichtbarkeit berichten könntest,

Und dein Herz, das nach

Erkenntnis sucht, verstand in seiner

Dunkelheit von alledem kein

Wort.

 

 

 

Eine

Hand schob ihre

Fläche leicht und warm auf deinen

Rücken,

Und du konntest sie erkennen,

Und mir schenktest du die

Angst, ganz grundlos blind zu werden, zum

Geburtstag,

Und ich schaute hin zum

Gästetisch, der voller froher

Menschen war,

Die hatten auf den

Gabeln schon die

Blicke aller anderen

Und waren gut gesättigt,

Und ich leerte ihre

Mägen wieder,

Und sie sahen nur den

Inhalt, der sie fürchtete und ekelte,

Und nichts war an der

Speise irgendwie verändert,

Und es brannten unverzagt die

Kerzen.

 

 

 

Man wollte, dass ich von dem

Turm die Glocke läutete, das war sehr schwer,

Und meine

Kräfte reichten grade aus, sie zu bewegen,

Und ihr Klang erhob sich über unsre

Dächer und schwang in die

Steine,

Und man sprach mich an:

Der Turm, den ich ermauerte,

Wär über ein

Jahrhundert fertig,

Und man könnte nicht mehr länger auf den

Glöckner warten.

 


 

 

Aufschläge 6514 - 6516

 

Man operierte mich und fand in mir ein

Netz von weißen

Wurzeln, weit verzweigt,

Das wollte keinen

Schössling treiben,

Und es war ja einfach nicht genug,

Die nackten

Füße in die Erde einzugraben und zu warten,

Und mich band man gleich an einen

Stützpfahl,

Und die

Bindungsseile würden mit mir wachsen.

 

 

 

In der

Zeitung sah ich dann das

Bild des großen Hungers,

Und den

Mann, der seine tote

Frau nur leicht zur Seite legte,

Dem das

Kind auf seiner Schulter starb, mit einem

Kopf, schon todeskrank,

Und über eine

Straßenkreuzung wehte unbekümmert, von den

Wagen hin und her gerissen,

Eine leere Tüte,

Die stieg auf und wirbelte zurück

Und wurde überfahren,

Und ich ließ nicht ab von meinem neuen

Glauben, dessen

Zeichen wurden immer deutlicher.

 

 

 

In

Bilderbüchern fand man leere, weiße

Felder,

Und nur einer schnitt sie aus, um sie zu töten,

Weil er sah wie ihre

Nacktheit auch die

Blößen zeigte,

Und die eigne

Kleidung nützte gar nichts.

 


 

 

Aufschläge 6517 - 6519

 

Ich ging heraus aus meinem

Traum,

Du sagtest später, dass aus meinem

Munde eine Maus gelaufen wäre,

Und sie sei sofort in das

Gehege eines Gottes, den wir fütterten

Und den wir fürchteten, geschlüpft,

Und habe sich, so sagtest du, in dem

Gefieder tief versteckt,

Und meine Wirklichkeit war tags verletzt,

Ich musste mich vor

Spiegeln unter weißen

Tüchern hüten.

 

 

 

Man hatte einen

Himmelskörper ausgemacht,

Den grub man heimlich um und überließ

Besammaschinen die Befruchtung,

Und von uns aus sah man wegen der

Entfernung grade erst,

Wie sich der

Stern aus Staub und

Teilchen, die wir mit uns brachten,

Formte und gestaltete.

 

 

 

Mein Zimmer war bevölkert von den

Menschen, die hier wohnen wollten,

Und ich war enttäuscht

Und hätte niemandem erlaubt, zu kommen,

Und ein Sprecher fragte ganz bescheiden, ob ich eine

Heimat hätte, die ich über alles liebte,

Dorthin wollte man mich schaffen und mir

Ruhe gönnen,

Und kein einziger verlangte, dass ich aus dem

Spiegel treten sollte.

 


 

 

Aufschläge 6520 - 6522

 

Wenn ich heimisch wäre, hier bei dir

Und auch bei mir,

Wär ich daheim

Und sagte dir doch damals schon, dass ich der falsche

Flüchtling sei, der machte nur

Station, und hatte nichts, das er verlassen,

Nichts, dem er entkommen war,

Und niemand jagte ihn,

Und seine

Augen waren ständig auf der

Flucht.

 

 

 

Wenn ich heimisch wäre, hier bei dir

Und auch bei mir,

Dann wär ich nicht daheim

Und hätte nicht so unverzagt

Station gemacht,

Und einem

Flüchtling hattest du noch nie geholfen

Ohne dass er dich dafür verlassen musste,

Und ich sammelte schon heimlich

Drähte, kurze Seile, alles

Fluchtgeräte, die du kontrolliertest

Und mir nahmst,

Und meine

Augen blieben dir zum

Trost, als ich mich von dir wandte.

 

 

 

Wenn ich heimisch war,

War ich von mir verlassen,

Und ich dachte nicht an dich

Und würd mich irgendwann auf meiner

Flucht und ohne aufzuschauen,

Niederlassen,

Und wir würden miteinander leben,

So, wie gestern schon,

Und heute war es ähnlich,

Und auch morgen bliebe ich mit eingegrabnen

Armen stehen als

Vertriebener.

 


 

 

Aufschläge 6523 - 6525

 

Mit einem

Spaten stachst du auf mich ein

Und zieltest nach dem

Schädel, der lief fort,

Den würdest du auch so nicht treffen können,

Und du warfst das

Gartenwerkzeug hinterdrein,

Das war der erste

Schmerz, den ich als wahr empfand, obwohl

Du weit daneben trafst,

Und tatst mir leid,

Und ich hielt aus erneut, und

Hunger war die nächste

Folter, die du mir vor

Augen führtest, und du quältest einen

Anderen,

Und diesmal sähe ich noch alles hinter

Glas.

 

 

 

Hier bei uns beschäftigte man

Menschentiere, die ersetzten abgerichtete

Maschinen,

Und sie fühlten weniger als irgendein

Verschleißteil, dass sich ihretwegen

Aufrieb.

 

 

 

Mancher von den

Jungen glaubte auch, der

Frieden sei das unbekannte

Wurzelwerk, dass sich durch alle

Ritzen winde

Und dann grün

Und gelb

Und braun

Und weiß

Und rot zutage träte,

Und ich sagte ihnen,

Dass sie selbst in diesen

Ritzen säßen und den

Spalt mit größter Kraft geöffnet halten mussten,

Und das

Mondlicht war auch gut genug, die

Dankgebete und die

Todesschreie aufzunehmen und sie für die

Nachwelt in die

Räumlichkeiten abzustrahlen,

Und es bohrte sich die

Zeit mit ihrer Gegenwart in meiner

Nähe durch die Wand.

 


 

 

Aufschläge 6526 - 6528

 

Ich sah es gleich, dass du dir einig warst,

Und braune

Köpfe, die du aus dem

Lehmton modelliertest, hatten ihren

Eingang in der

Stirn,

Ich sprach dich an und traf sofort auf deine

Angst,

Und alles, was ich sagen könnte, wär geeignet,

Dich von dir zu trennen,

Und die Stirn ließ mich hinein

Und führte ohne

Unterbrechung gleich zum

Hinterkopf hinaus,

Und mitten drin standst du und drücktest deinen

Rücken flach zum

Schatten an die Tunnelwand.

 

 

 

Ich sah in deinem Mund den

Haken, der war angeschraubt

Und wäre dort, so sagtest du, schon von

Geburt an,

Und der Vater dieser

Zeugung seist du selbst im

Zorn,

Man sah den Haken nur in deinem

Lachen.

 

 

 

Meine Füße machten eine

Doppelspur aus roter

Farbe, weil ich unbemerkt hindurchgegangen war,

Und monochrom war der

Gedanke, der mir folgte,

Und ich trat so unversehrt aus deinem

Kopf,

Der war doch wirklich nur ein

Abguss einer Wirklichkeit, die lag

Zerbrochen auf der

Waage.

 


 

 

Aufschläge 6529 - 6531

Nach einem Film über Hiroshima (6. August 1945)

 

Unwahr ist der lange

Nagel, der in meiner Stirn sitzt,

Und man wies ihn nach als

Einzelheit, die unumgänglich war,

Auch schlug er mich nicht an die

Wand,

Er ragt noch immer aus dem

Hinterkopf und lässt sich dort berühren,

Und dies ist der

Schöntag, der, so sagt ein

Vatersohngedicht, die

Sonnenbombe fallen ließ auf unser Haupt,

Und nun sitz ich am

Straßenrand im eingebrannten

Schatten einer meiner Väter, und sein

Schrei glitt damals in die aufgeplatzte

Rinde eines Baumes, die zur neuen

Sonne schaute,

Und sein Schrei blieb unaufhörlich ohne ein

Geschlecht hier stehen.

 

 

 

Unwahr sind auch

Stoffemuster, die sich in die

Haut einstrahlten,

Und sie prägten sich auf

Menschendärme, Menschenlebern,

Und mein Weib hat jetzt das

Küchenkittelmuster, das ihr

Herz verkleidet hat, als

Strahlenkranz an jedes ihrer

Kinder weitergeben müssen.

 

 

 

Unwahr sind auch jene

Augen, die allein spazieren gingen,

Und sie lachten, als die

Köpfe falsch von ihnen dachten,

Und es war ja nicht ihr freier

Wille,

Und es blieb nicht

Zeit auch nur für einen Blick in leere

Augenhöhlen, die sogleich zerfallen waren,

Und es würden diese

Augen ohne

Tränen leben müssen,

Und es war ja niemand,

Der so schnell ein schwarzes

Laken vor den Giftball hatte werfen können,

Und es brodelte der

Fluss von aufgeplatzten

Menschenleibern und stand selbst in

Flammen.

 


 

 

Aufschläge 6532 - 6534

 

Das Morgenlicht brach grell ins

Fenster, und ich hatte kurz zuvor

Die Nacht zerrissen, die stand noch bis jetzt im

Vorhang,

Und ein kleines Vogeltier flog gegen diese

Scheibe und fiel tief in einen

Hof,

Ich hatte nichts gehört

Und sah ein wenig

Flüssigkeit dort draußen an dem Glas,

Die floss zusammen,

Und sie bildete nun einen milchig, weißen

Tropfen.

 

 

 

Drinnen steckte ich die Finger aus,

Und meine

Hände warfen scharfe

Schatten auf die Fensterbank,

Die glitten lautlos über meinen

Rücken, der dort lag,

Und niemals würde ich mich unter eigne

Gitterstäbe legen,

Und es war nur dieser

Wechsel zwischen kaltem Schatten

Und den warmen

Strahlen, der mich reizte.

 

 

 

Einen

Schritt trat ich zurück und hinter mich

Und sah mich vor dem

Fenster stehen,

Und ich war auch tief im

Hof mit meiner Hand

Und unter diesem

Vogeltier, das war noch warm,

Und auch als Rücken in der Fensterbank

Und war nicht freier als es dieser

Ausschnitt zeigte,

Und das

Grelllicht trieb mir feuchte

Fäden in die Augen,

Die verklebten etwas meine Wimpern,

Und ich wagte nicht am kleinsten

Schwarzstrich meiner

Arbeit zu radieren.

 


 

 

Aufschläge 6535 - 6537

 

Man zog aus einem

Holzhaus einen Balken, den man

Senkrecht stellte,

Und dies sei die Strafe:

Dass man jeden, der den

Balken so entferne, an denselben

Schlagen werde, dass er sterben müsse,

Und in meinem

Hause war ich doch allein

Und auch der einzige der Balken,

Und ich zündete mich an aus

Angst, dass ich verbrannte,

Und man sagte, das sei ebenso gerecht

Und ließ mich

Ungestraft.

 

 

 

Du warst in meine

Nacht am frühen Morgen eingebrochen,

Und du suchtest Hilfe,

Und ich bot dir weiße

Laken an,

Die waren dir zu dünn als Schutzwand,

Und die Nacht, in die du einbrachst,

Hatte wirklich eine viel zu schwache

Decke,

Und du sankst so schnell,

Dass du, bevor ich eine

Leiter fand, ein Seil, ein Handtuch oder

Irgendetwas, das ich bis zur

Einbruchstelle hätte werfen oder reichen können,

Schon ertrankst.

 

 

 

Neu war auch das unbeschriebne

Namensschild, das man an meine

Haustür schraubte,

Und man rief mich an

Und sprach durch ein

Gerät mit mir und sagte gleich,

Sobald man über die

Vergabe meines Namens

Klarheit habe,

Dürfte ich es wieder ganz

Entfernen.

 


 

 

Aufschläge 6538 - 6540

 

Die Straße, die ich ging, war öd und einsam,

Und es standen hier und da

Gesichter, die ich kannte,

Und mein Fuß trat wie versehentlich den Kieselstein,

Der flog auf unbedachter

Bahn weit über die Begrenzung,

Und es waren beides Nichtigkeiten, die ich den

Gesichtern zeigte:

Mich, so unwert wie ich war geliebt zu werden,

Und den Kiesel, dessen

Unschuld mich nicht rührte.

 

 

 

Bedachte ich genau die

Kämpfe, die ich,

Ohne mich zu rühren,

Ohne jede Waffe,

Ohne jedes laute Wort und

Ohne einen Menschen zu berühren,

Täglich kämpfte,

Ja, ich sprach sogar in einer andren

Sprache, die ich nicht verstand,

Bedachte ich genau die

Kämpfe, die ich täglich kämpfte,

Stand ich eigentlich den

Feinden, die erst morgen

Gegner waren,

Jetzt schon gegenüber,

 

 

 

Wenn mir schon die

Gegner fehlten, hätte ich von schönen

Siegen einen wenigstens erwählen dürfen,

Und es musste schließlich so sein, dass die

Niederlagen, die ich reichlich fand,

Die wahren

Siege waren,

Und ich sah in einer Straßenpfütze, dass sich

Jede Einzelheit der Wolkenbildung

Darin spiegelte,

Und auch der Vogelflug zog durch die

Wasseroberfläche, ohne sie zu

Ritzen.

 


 

 

Aufschläge 6541 - 6543

 

Von einer andren

Fressgewohnheit als vom

Töten und Getötet werden hattest du

Noch nichts gehört,

Dein

Gott lag mager auf dem

Drahtbett neben dir und nahm nichts an

Und hungerte und darbte,

Und er reiste heimlich durch die

Nacht und war versteckt in einem

Eimer, der war leicht zu tragen und war

Unauffällig leer und eilte ohne

Aufenthalt von einer

Mahlzeit zu der anderen und teilte

Speisen aus,

Die waren überall vorhanden.

 

 

 

Meine

Tage standen schon von

Anfang an auf Schienen,

Und ich blickte, wie die anderen nach vorn

Und achtete auf eine

Seitenspur, die würde mich vielleicht zu einem

Irrtum werden lassen,

Und in

Wahrheit stand ich ganz alleine vor dem schweren

Wagen, den ich mit den

Schultern ziehen musste,

Und ich saß darauf und sammelte von allem, was in meiner

Eile zu erreichen war, und steckte fest im

Sand,

Vielleicht, so dachte ich, fänd ich ein

Messer, das sollt mich aus meinen

Gurten schneiden können.

 

 

 

Hinter mir sang eine

Frauenstimme davon, dass sich alles

Wiederhole,

Und der

Mensch lebt in der

Wohnungsstille und zur gleichen

Zeit vor seiner eignen Tür,

Sein Klopfen mahne ihn dort drinnen,

Und er klopfe auch nach draußen

Und erschrecke nicht darüber.

 


 

 

Aufschläge 6544 - 6546

 

Lau und schön stand neben mir der

Sommerwind,

Und mein Verlangen war so wach,

Ich griff nach ihm und hielt ihn an der

Hand,

Durch meine

Lippen stach ein feiner

Draht, der wiederholte sich und legte eine

Naht um meinen Kopf,

Ich wurde ganz in mich

Verschlossen.

 

 

 

Der eine

Wunsch, den ich schon lange hatte,

Wurde mir erfüllt:

Bevor das Frühjahr anfing,

Und ich mochte denken, was ich wollte,

Immer war es schon vorhanden,

Und ich sah es als

Geschenk das erste Mal.

 

 

 

Viele

Menschen demonstrierten,

Und ich stand daneben,

Und ich wär auch nicht dabei,

Wär ich dabei gewesen,

Und ich richtete mich wirklich gegen mich,

Und die dort standen und zum

Himmel und zur Erde riefen,

Wussten nichts davon und auch nicht,

Wo sie standen,

Und sie meinten sich.

 


 

 

Aufschläge 6547 - 6549

 

Hinter deinen

Augen waren viele Wege deines

Gartens zugewachsen,

Und ich sprach mit dir darüber,

Und du suchtest außerhalb

Und konntest nichts entdecken,

Und ich kehrte heim

Und schaute heimlich um und neben meine eignen

Büsche und entdeckte dich,

Du warst auf einem nie benutzten

Pfad, der stieß direkt in meine

Augen.

 

 

 

Mittags sollten Gäste kommen,

Und die trafen ein

Und kamen doch nicht an

Und aßen viel und ließen ihre

Mahlzeit, die ich vorbereitet hatte, liegen,

Und ich durfte keine

Trauer tragen,

Nur um meinetwillen.

 

 

 

Eure

Kunst war schwer und ungewöhnlich,

Und ihr formtet

Himmelswolken um nach eurem

Willen,

Und den Wind, der euch dies

Handwerk wehrte,

Ließt ihr farbig werden,

Und er floh in

Scham schon, als man ihn entdeckte,

Und ein

Gegenkünstler spielte mit gefärbten

Winden, die er in bewegten

Bildern in das

Blau der

Tagesdecke stoßen ließ,

Dort gingen sie verloren.

 


 

 

Aufschläge 6550 - 6552

 

Es stehen deine

Haare in den unbewegten

Wassern deines Strandes,

Und der

Anschein einer

Strömung stellt sie etwas seitlich,

Und auf deinen roten

Schal fällt leicht ein einzelnes der

Gräser und liegt über Falten,

Und im Kiesbett deines

Nackens knirschen noch die unsichtbaren

Füße einer flachen Spur.

 

 

 

Deine

Landschaft war mir neu,

Und unbeschwert war jeder meiner

Schritte,

Und ich ging spazieren unter deinem

Langhaar, das begrenzte die

Lagune weißen Sandes,

Und du wartetest am

Ufer,

Und es bissen deine

Schneidezähne auf die Unterlippe in Erwartung,

Und ich traute mich nicht in die

Tiefe vor.

 

 

 

Später kam ich heim und hatte im

Gepäck nur den Verdacht,

Und hob die

Decke der geharkten Wege hoch

Und fand darunter eingetretne

Pfade, die verliefen völlig anders als man sah,

Und du bewegtest dich darauf

Und kanntest dich gut aus.

 


 

 

Aufschläge 6553 - 6555

 

Man plante jetzt schon, meine

Augen einst mit einem

Holzbrett zu verschließen,

Und man plante es bei allen,

Auch bei sich,

Und dieses Tuch in meinen

Händen, das ich ständig übers

Bild zog, kannte mehr als ich und sah, dass in dem

Rahmen eine

Jugend wechselte mit dem

Gesicht des Alters,

Ich jedoch verwechselte in einem fort,

Je länger ich drauf starrte, die

Vergangenheit mit der Vergangenheit,

Von der ich nichts zu sehen wünschte.

 

 

 

Lange schaute ich in mich

Und störte keinen, der dort saß und so

Nach draußen seine

Blicke werfen konnte,

Und man ließ mir meine

Zwiegespräche,

Und ich kämpfte in

Beredsamkeit mit mir,

Und hart war vieles hinzunehmen,

Das ich sagte.

 

 

 

Alle

Brüche meiner

Worte nähte ich mit

Draht, der lange hielt

Und der nicht rosten konnte,

Und im

Laufe meiner Jahre wuchsen viele

Regelrecht zusammen ,

Und ich konnte einiges an mir

Verstehen.

 


 

 

Aufschläge 6556 - 6558

 

Hinter meinen

Bergen kauerte das

Nichts, es war so wenig nichts,

Dass es sich über keinen

Bergkamm wagte,

Und ich stand am

Abhang, tief im Felsen,

Sah hinauf und hin zum

Gipfel, der sich zu mir beugte,

So sehr war ich nah und wollte doch nicht dort sein,

Und ich grub mich tiefer ein

Und hörte meinen eignen

Atem auf der andren

Seite.

 

 

 

Hier berief ich mich auf meine

Unschuld, die war weit entfernt auf

Reisen, und es gab da ein

Gesetz, das müsst man schätzen können,

Und in meinem

Nachtschrank stand die

Schachtel voller Wissen, die war leer und ohne

Boden,

Und ich fand es,

Wie ich es vermutet hatte.

 

 

 

Draußen, wo die

Räume sich vergrößerten je kleiner man sie sah,

Hier draußen gab es keinen

Rückflug, keine

Heimkehr, keinen

Stillstand,

Und das

Nichts wurd selbst zum

Handwerkszeug, das füllten wir mit unsrem

Umgang, der nicht enden konnte, auf.

 


 

 

Aufschläge 6559 - 6561

 

Du stehst hinter dir, mit deinem

Blick gezielt auf mich und nähst mit langen

Stichen meinen Rücken zu und rechnest lange, ob der

Wert, wenn er denn kleiner wird als

Eins, auch wirklich kleiner wird,

Und ob wir, so verschweißt mit deinem

Augenfaden insgesamt wohl weniger ergeben

Als wenn du in dir

Und ich in mir

Alleine blieben.

 

 

 

Über deine rechte runde

Schulter schob ich meinen

Mund,

Der nahm nicht

Abschied,

Und der Kuss wurd immer größer,

Und du ließt dich von mir lieben,

Und ich liebte eine andere an dir,

Und diese andere zerriss sich ihre

Kleider und ertrug den eignen Mann,

Der nahm sie nur, weil ich für ihn so

Unerreichbar war,

Und du an dir

Und ich an ihr

Und er an mir vergaben nichts,

Und wirklich, nichts geschah,

Was wir uns zu vergeben hatten.

 

 

 

Nun entdeckte ich das

Lichtseil, das durch meinen

Leib lief,

Und man hatte es dort heimlich eingefädelt,

Und es saß so fest und lief zugleich

So ungehindert durch durch mich

Und kam von Unbekannten,

Und ich hätte gern erfahren,

Wer ich war daran und auch

Wohin ich ging damit.

 


 

 

Aufschläge 6562 - 6564

 

Eigentlich war es verboten,

Mich zu zeigen,

Und ich zeigte mich und sah nach oben

Und den

Pfeilen zweier Entenvögel nach,

Die zogen schnell vorbei

Und schauten nicht nach mir,

Ich ging in eine unbekannte

Richtung, auch in sie zu schreiten war verboten,

Und es war noch niemand vor mir hier gewesen,

Und ich rief und musste meine

Antwort selber geben,

Das war meine Strafe.

 

 

 

So erzwang man mein Bekenntnis,

Und ich hob den

Zeigefinger in den Himmel,

Und ich wies in diese Richtung,

Und ich schimpfte nach dort oben,

Und was hinter meinen nahen

Wolken lag, blieb mir verborgen,

Und ein

Mütterlein gab mir für meine

Nacktheit einen Fingerhut, der war aus

Porzellan und bunt bemalt.

 

 

 

Später wurde ich ans

Telefon gerufen

Und erfuhr nicht, wer dort sprach,

Und hörte nur den

Vorwurf, dass ich mir im

Wege stand,

Das wäre nicht mehr zu ertragen,

Und es müsste einer von uns beiden weichen,

Und, mich zu entscheiden, bliebe kaum mehr

Zeit,

Man habe mich statt meiner, gegen meinen

Willen nun befreit,

Und nirgends würde ich mehr auf mich

Stoßen.

 


 

 

Aufschläge 6565 - 6567

 

Siehst du, dieses ist ein

Märchen, das geschah heut Morgen,

Und man gab mir alles, alles was ich wollte,

Und ich wollte viel und war so

Maßlos anspruchslos in meiner

Auswahl,

Und zuvor, als ich den

Glücksstein nicht zu fassen wusste,

War ich über alle Maßen anspruchsvoll

Und hatte nichts, obwohl ich

Alles hatte.

 

 

 

Diesen

Ring an meinem Finger trug zuvor ein andrer

Mensch, der sprach in einer andren

Sprache,

Und ich redete mit ihm

Und fragte ihn auf meine

Weise nach dem früheren

Besitzer und nach dem, was dessen

Hände angerichtet hätten,

Und ich musste das betretne

Schweigen deuten,

Und nur eines wurd gewiss,

Dass dieser Ring niemals zuvor von einer andren

Hand als dieser je getragen worden war.

 

 

 

Jemand hing der

Statue die Eisenfelge um den

Hals, die wurde dort zur königlichen

Krause,

Und man staunte über die

Verwandlung,

Und ich zeigte mich auch öffentlich

Und stellte mich ganz ohne

Rücksicht auf mich selber aus.

 


 

 

Aufschläge 6568 - 6570

 

Tags, so fiel mir ein, zog über uns hinweg das

Sternenzelt des Südens,

Und ich hätte fragen können, ob die

Himmelsbläue dort im

Südmeer wirklich schon um vier des

Morgens sichtbar würde,

Und die

Wolke Eskortierter zog an mir vorbei,

Und immer öfter hörte ich das

Rauschen aufgeregter Stimmen,

Und ich könnte mich mit einem

Aufschrei selbst daraus befrein,

Und schwieg statt dessen, schwieg zu mir,

Und schwieg mich aus, dort draußen,

Sah mich nicht

Und blieb auch übersehn von mir.

 

 

 

Der

Stützstock, den ich bei mir trug,

Weil mich das

Alter täglich einmal überraschte,

Und ich war noch jung,

Selbst dieser

Stab, den ich am Morgen aus der

Hecke schnitt, zerbrach am

Abend schon in Trockenheit.

 

 

 

Mein

Leben war so lückenlos und

Nirgends war ein

Ende, dass ich es nicht mehr ertrug,

Und neben mir bewohnten

Fremde meine Nachbarzimmer,

Und man zählte dort ganz systematisch

Alles, was sich zählen ließ,

Das wurde immer weniger,

Und was unzählbar wurde, strich man von der

Liste,

Und es war ganz gleich, ob diese

Anzahl starb, weil sie unendlich wurde

Oder einfach endete.

 


 

 

Aufschläge 6571 - 6573

 

Du hattest mich enteignet,

Das sei schlimmer als entleibt, so sagtest du,

Und eine

Namenlosigkeit zu tragen, sei ein

Tod auf Raten,

Und die erste Rate konntest du mir zeigen,

Und mein Eigen, das, was unangreifbar sei,

Wär auch schon fast in deiner

Hand:

Du sahst mich auf der Flucht

Und dir direkt in deine

Arme laufen.

 

 

 

Unser Haus war klein geworden,

Niemand konnte dort mehr sein,

Geheimnis wahren,

Alle Türen hatte man entfernt,

Und vorn am

Eingang hing ein

Schild mit Hinweis auf die absolute

Leere hier bei uns,

Und alle

Fenster waren eingeschlagen,

Und von außen schauten fremde

Menschen rein und kletterten an den

Fassaden und mit Leitern an die höchsten

Luken, um der

Leere nah zu sein.

 

 

 

Ich selbst saß auf dem

Hocker, der stand eng am Tisch,

Darunter lag mein

Wille, der war klein und ausgetrocknet,

Und ich trat versehentlich auf ihn,

Und fremd war mir das

Schweigen, das uns trennte,

Und hier oben durfte ich aus einer

Kiste einen Namen ziehen,

Der beschrieb das

Fach, in dem ich mich bei einer neuen

Suche wiederfinden sollte.

 


 

 

Aufschläge 6574 - 6576

 

Man rief nach mir, ein

Rufen, das ich ganz falsch deutete,

Man sagte:

„Du bist nun genesen, neu entstanden aus der

Krankheit,

Hinter dir liegt guter

Mut, der hat sich nun in Tapferkeit verwandelt,“

Und ich glaubte nur das eine,

Weil ich’s wusste:

„Wer entsteht, genest.“

 

 

 

In der

Heilung liegen oft die

Tränen, die ein

Tötungsmechanismus hinterlässt und den

Verdacht dazu, dass uns die

Trauer zwingt, die falschen

Dinge zu bedauern,

Und ich weinte offenbar um mich,

Und schmerzhaft musste ich mit eignen

Händen die vernähten

Wunden lecken.

 

 

 

Auf der

Treppe hingen große

Bilder aus der Altzeit, deren

Herkunft wir nicht wussten,

Und sie zeigten mich in allen

Lebensphasen,

Und auch einige, das war gewiss,

Sah ich darunter, die mich schon in meiner

Zukunft zeigten und bis hier

Verfolgten.

 


 

 

Aufschläge 6577 - 6579

 

Der

Bogen grellen Lichtes riss nicht ab,

Du sprachst von

Dingen, die vor meiner

Haustür standen, die ich anderen als

Abfall überließ,

Die kamen von weit her und suchten aus

Und wählten, kramten,

Und du sprachst zu mir von ihnen,

Und ich sollte ihnen alles, was ich hatte, überlassen,

Oder einfach liegen lassen, wo es war,

Und mit dir gehen,

Und du merktest nicht, dass ich ja selbst schon auf dem

Haufen lag und meine

Arme jedem

Sammler in die Arme legte

Und mich an sie klammerte,

Und deine Taschenlampe hatte einen

Viel zu schwachen Strahl bei deiner

Suche.

 

 

 

Am Hafen sah ich

Möwen fliegen und einander jagen,

Und ich sah den

Fluss und sah den Wind

Und sah in die Geräusche

Und sah alles, alles,

Und ich hörte keinen Laut,

So sehr erlebte ich im Leben,

Und als wirklich einmal deine

Augen schwiegen, deine

Ohren nichts erkannten,

Deine Hand dir deinen Mund verschloss,

Starb ich an dieser

Explosion der Stille.

 

 

 

Lange blieb ich nach dem

Sturz noch liegen,

Niemand hob mich auf,

Und keiner ahnte, dass hier eine

Rettung möglich war,

Und auch das

Vorjahrsstroh, an das ich lehnte,

War ganz feucht,

Es war ein Kind, das mir die

Spielzeugtrommel auf die

Knie und Schlegel in die

Hände drückte, dass ich mir den

Rhythmus schlagen konnte.

 


 

 

Aufschläge 6580 - 6582

 

Auf deinem

Kopf trugst du den kleinen roten Hut,

Man sah, dass dir die

Schönheit haften blieb,

Und deine kleinen

Schritte führten dich nicht fort,

Sie zeigten alles nur in immer neuer

Position,

Und nun gewahrte ich, wie deine ausgestreckten

Hände über deinem

Volk das Wort ergriffen,

Und das Volk gebar in seinem

Hunger wieder, wieder neuen Hunger,

Du jedoch entschiedst in deiner absoluten

Nähe über ihren

Tod, nicht über eines ihrer Leben,

Und wir anderen, auch ich,

Berührten, dicht gedrängt, das

Fenster, das uns von dir trennte,

Und es mochte jeden

Augenblick von unsrem

Ansturm brechen.

 

 

 

Auch die

Drähte, die uns aneinander reihten,

Konnten plötzlich reißen,

Und ich lebte neuerdings ganz ohne

Tagesinstrumente,

Und die

Zeit, die sich mir auftat, gestern noch das

Auge meiner Zukunft war,

Die setzte ich in meine

Stube,

Und sie lehrte mich ein

Kartenspiel in dem sich die

Erinnerung und die

Erwartung ohne Unterschied aus meinen

Händen auf den Holztisch werfen

Und verspielen ließen.

 

 

 

Deine

Tasche hing mit einem

Lederriemen an der Schulter,

Und du warfst so viel hinein, dass ich erstaunte,

Und auch andre kamen, die sich über ihre

Öffnung beugten,

Und sie legten große, schwere

Lasten ab,

Und als ich kam und nachsah, war die

Tasche leer und ohne Boden,

Und ich hätte nicht gewagt, die kleinste

Kleinigkeit

Hineinzuwerfen.

 


 

 

Aufschläge 6583 - 6585

 

Heute Morgen war ich voller

Zweifel, als ich ging,

Und unter mir bewegte sich ein

Weg, der mich nach vorne brachte,

Und mein Zweifel blieb,

Und als ich meine

Augen meinem Rücken lieh,

Entdeckte ich, dass eine tiefe

Spalte hinter mir den

Weg in seiner Mitte auseinander schob,

Und alles, was ich tat, blieb zweifelhaft:

Das Trinkglas, das ich anhob, war schon leer,

Bevor ich daraus trank,

Und Regen fiel aus blauem

Himmel, der benetzte meinen

Mantel nicht,

Und die

Passanten waren völlig nackt,

Und ihre Kleidung trugen sie,

Man sah es ganz genau,

Nach innen.

 

 

 

Ich verstand auch nicht, warum man

Wolken numerierte und mit

Drähten, die ich hier von unten aus bemerkte,

Aneinander nähte,

Und es spannte sich so schnell dies

Gitter über uns als

Himmelsbogen,

Der ging morgens auf

Und glühte nachts als tausendfaches

Fadenkreuz.

 

 

 

Sieh, in meiner

Wohnung lebte ich allein,

Und die, die mit mir lebten,

Waren nicht vorhanden,

Und mein

Mantel, der von dem ich grade sprach,

Schob immer seinen

Ärmel in die Tasche eines andren

Mantels oder hing sich ein in einen andren Ärmel,

Und er war doch ordentlich an der

Gard’robe aufgeräumt.

 


 

 

Aufschläge 6586 – 6588

 

Die

Mittagsstunde kam als stille

Wolke auf mich zu, die ich genoss,

Die

Ruhe hing in Bodennähe

Und war weit verbreitet,

Und die schwarzen

Punkte einer Tageszeitung fielen als ein

Ascheregen in die

Spur, die zu mir führte,

Ein betretner

Weg, den ich zurück würd gehen müssen,

Und die weißen

Beeren, die am

Bahndamm meiner Reise wuchsen,

Schossen als ein

Schneegestöber, an dem

Zug, in dem ich saß,

Vorbei.

 

 

 

Dieser

Tag war ganz genau wie jeder andere,

Und gestern war für mich schon heute Morgen

Oder wie man immer dieses

Wortspiel drehen wollte,

Und ich schrieb an dich die

Nachricht, die ich heut bekam,

Und sandte sie, weil ich mich nicht verstand,

Zurück an mich.

 

 

 

Ich wickelte ein

Farbenband um meine

Stirn,

Es färbte sehr,

Es drang mit seiner

Farbe unter meine Haut,

Verfärbte mich nun innerlich

Und einheitlich,

Ich kannte mich in mir bald nicht mehr aus,

Und alle Schnitte, die mich teilten,

Zeigten mich so völlig farbengleich im

Blut.

 


 

 

Aufschläge 6589 - 6591

 

In unsrem

Fenster hing ein winzig kleiner

Vogelkäfig, der bestand aus goldnem

Draht,

Das Vögelchen darin hat sich ein

Lied gesungen, das ich nicht vergessen kann,

Es sang von einem

Regentropfen, der an seinem

Fenster stand,

Der putzte sich sekundenlang die

Farben in der Sonne,

Stürzte dann, von Strahlen ausgebrannt, erloschen auf den

Fensterrahmen nieder und

Ertrank.

 

 

 

Das

Fest, das ihr so eifrig feiertet, war auch für mich,

Und auf der

Eintrittskarte, die ich mit mir brachte, stand mein

Name, der war leserlich,

Ihr hattet mich ja eingeladen,

Und es war kein Einziger zu sehen,

Keiner am Empfang und weit und breit kein

Gast,

Auch niemand der hier arrangierte,

Und es galt wohl alles, alles mir,

Und als ich ankam, tauchte man mich gleich in einen

Mantel einer Heiterkeit,

Der passte rundherum und überall

Und schloss mich völlig ein.

 

 

 

So stand ich auf dem

Dach und schwankte in dem

Wind,

Man konnte wirklich weiter sehen,

Wenn man höher stieg,

Und in dem

Schacht, den ich danach bestieg,

Sah ich, dass sich die

Tiefe auch unendlich dehnt

Und nirgends endet.

 


 

 

Aufschläge 6592 - 6594

 

In dem andren

Zimmer wurde man behandelt und geheilt,

Und hier, auf dieser

Seite wurde man gekränkt, verletzt

Und vorbereitet für den

Nebenraum,

Und irgendjemand rief mich an

Und fragte mich, ob ich verletzt sei,

Irgendwo, es sei ganz gleich, an welcher

Stelle,

Und ich zeigte wieder auf die blanken

Flecken meiner Haut mit der ich dauernd an die

Gitterstäbe stieß.

 

 

 

Jeder, hieß es, sollte an sie denken,

An die

Würde, die dem Menschen eigen sei,

Und du beschimpftest mich voll

Leidenschaft, die riss das

Pflaster von der rohen Öffnung

Und stieß tief hinein,

Und eine Würde, sagtest du,

Dürft keine andre stören

Und müsst teilbar sein in große und in kleine

Stücke.

 

 

 

Wir lebten auch mit einem

Völlig unbekannten Tier,

Und nur, weil niemand wusste,

Wie, wovon es leben, was es fressen, trinken mochte,

Blieb es uns am Leben,

Und wir überließen es sich ganz allein,

Und niemand sah es je,

Und keiner fragte irgendwann

Danach.

 


 

 

Aufschläge 6595 - 6597

 

Auf die

Stellung meiner Sonne nahm ich keine

Rücksicht,

Und ich ging zum

Marktplatz, der war leer,

Und hinter schrägen

Bäumen stand der

Wind mit leicht verschränkten Armen,

Und um diese hohe

Stunde lag sein Atem schlafend in den

Ästen,

Und es war kein

Mensch, kein Tier zu treffen, das war gut,

Und endlich hörte ich, wie sich die eignen

Schritte unabhängig von mir selber

Fortbewegten und an mir vorübergingen,

Und dies war der erste

Schritt, den ich ganz langsam zu mir

Machte.

 

 

 

Eine

Seitenstraße führte mich zu einem kleinen

Hafen,

Und ich roch die einzelnen

Erlebnisse,

Ich trank von dem

Gemisch aus Teer und Lindenblüten,

Und am Hafenbecken warf ich eines jener schwarzen

Netze über mich,

Und seine Fäden rissen nicht und hielten

Diesen großen

Fisch ganz fest am

Boden.

 

 

 

Später sah ich doch nach oben,

Wollte wissen, wie die

Sonne, unter der ich lebte, ihren

Tag begonnen hatte,

Und sie war schon längst vorbei gezogen,

Und es gab sehr viele

Leute, die die Stellung ihrer

Sonne nicht mehr wussten

Und auch nicht mehr danach

Fragten.

 


 

 

Aufschläge 6598 - 6600

 

Ein

Künstler saß den langen

Tag ganz eng am

Rande seiner Arbeit,

Und ich hatte ihm gesagt:

In einem

Mann lebt auch die Frau,

Und in der

Frau wird er einst sterben,

Und wir hielten unsretwegen unsre

Augen offen, um den

Tod gleich zu erkennen, der uns bergen sollte,

Und es war mein

Irrtum, denn die

Arbeit, die wir machten, hatte kein

Geschlecht und ungerecht war, was wir dachten,

Und es leben beide in dem Mann,

Der Mann, die Frau und umgekehrt

Auch er in ihr

Und sie in sich

Und er in sich,

Und was wir schufen war die reine

Kunst, die wir erkannten,

Und wir gingen auf sie zu.

 

 

 

Auch der lange

Draht, den du mit

Absicht in die Erde wachsen ließt,

Man sah ja nur den

Anfang, nicht das Ende,

Riss doch jeden, der von seiner

Länge wusste, mit sich in die

Tiefe bis ans

Ende.

 

 

 

Mir war eine ferne

Welt genug,

Sie saß in mir

Und ruhte sich dort aus

Und wartete auf den

Entdecker.

 


 

 

Aufschläge 6601 - 6603

 

Wir gingen auf dem

Weg,

Ich hatte in der Stadt den

Festtermin bekommen,

Und ich eilte,

Und du bliebst zurück,

Auch störten dich die

Zweige, die herüberhingen,

Und sie griffen nur nach dir,

Ich sah sie nicht,

Und deine Angst wurd größer,

Und sie hielt dich immer weiter hinter mir,

Und rückte dich nicht auf,

Und unter uns, das wusstest du,

Lief eine zweite

Straße, die war ohne jede

Schwierigkeit für dich,

Die würden wir am

Ende treffen,

Und du gingst von nun an keinen

Schritt mehr.

 

 

 

Aus den beiden

Fäden wollt ich eine

Schleife machen,

Die sollt nur zwei freie

Enden aneinander binden,

Weil sie sich im

Raum sonst nie getroffen hätten,

Und ich griff hier ein,

Und weit entfernt, soweit, dass man

Mir nicht berichten konnte,

Löste sich zur gleichen

Zeit der Faden aus der Schleife,

Die so lang gehalten hatte.

 

 

 

Man sprach von einem

Wert, der sei verborgen, tief vergraben,

Irgendwo versenkt im Wasser oder

Läge völlig offen, frei und unverhüllt,

Und ich war sicher, dass

Ich ihn in meinen leeren, ausgestreckten

Händen hielte und mit nichts von dort vertreiben

Oder sichtbar machen könnte.

 


 

 

Aufschläge 6604 – 6606

 

Ich sah das blaue

Eiskristall, es war der letzten

Nacht herausgebrochen, lag des

Tags nun noch im Weg

Und fesselte die

Augen, dass ich stehen bleiben musste,

Und von deinen Lippen hörte ich:

„Geh zu und lass das

Eis alleine wachsen,“

Und du zogst mich fort in warme Räume,

Und die

Bänder, die um meine

Augen lagen, tauten nicht und hinderten die

Blicke zwischen dir und mir zu wandern,

Und du sagtest noch, dies sei ein

Fall, der würde lange keine

Lösung finden.

 

 

 

Andrerseits schriebst du die

Lösung auf ein kleines

Stück des Zeitungsrandes,

Weil es dort noch frei war,

Und dir reichte dieser Platz,

Dann warfst du deine

Zeitung ungelesen fort und sagtest mir,

Die

Felder und die

Linien könnten so nicht mehr bestehen bleiben,

Und die neuen

Perspektiven lösten alles auf

Und zwangen dich und mich zu andrern

Dimensionen.

 

             

 

 

Ich suchte darauf hin in meiner

Nähe,

Und die Häuser weit dahinten

blieben in der Wahrheit unverändert gleich in ihrer

Größe und die andern Gegenstände auch,

Sie mochten noch so weit entfernt sein,

Und die

Schwierigkeit für mich war eigentlich, den

Reiter, der im Nebel auf mich zu kam, zu erkennen

Und ihn nicht für alles andere zu halten,

Als den

Reiter, den ich nicht erkannte.

 


 

 

Aufschläge 6607 - 6609

 

Über uns trug man die

Dächer ab,

Wir wussten nicht warum,

Und immer größer wurde eine

Blöße, der wir uns nicht mehr entziehen konnten,

Und es war ein

Unterschied, ob jemand kam und uns im

Freien antraf oder uns aus unsrer

Erde grub,

Und wir hier unten sammelten die

Nadeln, die man immer noch für den

Papiereinschlag der Blumen brauchte,

Steckten sie zunächst in die Papiertapete,

Und wir konnten sie nicht mehr

Für unsre Sicherheit benutzen,

Und man riss von außen immer heftiger an der

Verpackung.

 

 

 

In einem

Garten lag ein Boot, es zeigte mit dem

Kiel nach oben,

Und ich sah sofort die

Löcher, die im Boden waren,

Und ich fuhr mit diesem Boot die lange

Strecke in die Offenheit, die sich am

Himmel zeigte,

Und es kam, wie ich es schon befürchtet hatte,

Luft drang ein und ließ mich völlig

Untergehn in meiner kleinen

Freiheit,

Erst am Grunde angekommen stieg ich aus,

Das

Boot schlug um und blieb mit seinem

Kiel nach oben liegen,

Wo es lag.

 

 

 

Mir riss ein

Wind den Hut vom Kopf,

Die Öffnung traf uns beide,

Und ich griff ins

Haar, es fest zu halten,

Und der

Hut schlug sich die Hand

Vor seinen Mund,

Ich lief ihm nach,

Und er wich aus,

Der Wind wollt ganze

Arbeit machen,

Und es fiel ins

Wasser und schwamm nicht mehr auf,

Und alles, was ich dachte, warf ich hinterher

Und sah, wie es den

Wind beruhigte und friedlich stimmte

Und ihn sättigte,

Und dass er seine

Arbeit nun vollendet hatte.

 


 

 

Aufschläge 6610 - 6612

 

Wir litten unter einer

Bindungsenergie, die reichte über große

Strecken,

Und wir mochten uns, soweit es ging, entfernen

Und den anderen vergessen wollen,

Und es kam der

Zeitpunkt, der uns festhielt

Und uns zwang zurückzugehen, auf uns zu,

Und später fand man auch den

Grund für unsre

Umkehr, die sich dauernd wiederholte,

Und man hatte, noch in unserem

System, den

Überstern entdeckt,

Der stand seit langem zwischen uns

Und zog uns an

Und stieß uns ab in großen

Bögen.

 

 

 

Es war die

Hoffnung, die wir hatten,

Und es gab Beweise überall dafür,

Und um den

Giftpilz, der nicht enden wollte, dessen

Wachstum ebenfalls im

Grunde eine

Hoffnung war,

Um diesen Giftpilz zogen wir bis in die

Tiefe und bis in den

Himmel eine Mauer,

Und an vielen

Stellen setzte man ein

Schauglas ein.

 

 

 

Draußen sah man, dass die

Männer sich an einem freien, halben

Brückenende mühten,

Der stand über einer

Meeresenge,

Und es tastete hinüber, sich dort

Endlich auf der andren

Seite abzufangen,

Und dort drüben saß die

Künstlerin, die wartete schon auf den

Augenblick in der Berührung,

Und sie wusste nicht, dass die

Berechnung diesem Bogen ihren

Kopf und Körper nur als

Stütze geben konnte.

 


 

 

Aufschläge 6613 - 6615

 

Nun sah ich in der

Galerie ein

Eigenbild von dir,

Es zeigte dich vor einem

Stubenfenster,

Und der

Frost und Eiseskälte krochen grün

Und selbstverständlich durch das

Glas zu dir,

Sie überzogen auch die

Heizung, die sich unter einer

Fensterbank verbarg und krochen deinen

Wintermantel hoch

Und weiter hoch an deiner

Stirn und übers Haupthaar,

Und sie überzogen selbst den

Schatten, der vermochte nicht zu fliehen,

Und dein Blick war innerlich

Und suchte einen

Rest von Wärme,

Der stand außerhalb

Und fand den

Weg nicht ins

Gemälde.

 

 

 

Vor dem andren

Fenster saß die junge Frau,

Sie trug ihr langes

Haar ganz offen, das ergoss sich über das

Gesicht,

Und jede Einzelheit zerfloss mit diesem

Strom,

Es schmolzen

Mund und Nase,

Wange, Augen, Ohren in die

Hände, die darunter lagen,

Und sie retteten ja nichts,

Und trostlos war der Trost den ich ihr brachte,

Und ich kam verspätet über

Jahre.

 

 

 

Draußen, wo die

Giftgaskatastrophe wütete,

War niemand der

Gesichter sammelte,

Und jede

Materialstruktur, die sonst die

Schuld nachwies, blieb aus,

Auch war der

Schock für Maler hinter Glas so groß,

Dass ihre Scheiben barsten,

Jeder stand von einem

Atemzug zum andren vor der

Schreckwahl zwischen

Giftgas- und Erstickungstod.

 


 

 

Aufschläge 6616 - 6618

 

Ich war so froh und sah, dass meine

Wirklichkeit nun doch nicht wirklich war

Und suchte trotzdem nach

Beweisen,

Und ich hatte einen

Traum zum zweiten Mal geträumt,

Darin war ich ein

Mörder, der allein von seinem

Totschlag wusste,

Und man sagte mir im Schlaf:

„Du hast getötet,

Und du bist der einzige, der davon weiß,“

Und hinter einem übergroßen

Stein sollt auch das Opfer liegen,

Und ich ging nicht hin

Und sah nicht nach

Und floh davor

Und war mir ganz gewiss in meiner

Gräueltat und sprach zu mir im Wachen:

„Ja, du hast getötet,

Und…“

 

 

 

Plötzlich kamen lange

Tage ohne

Anfang, ohne Ende,

Und man schenkte mir die

Zeit, ich konnte damit machen, was ich wollte,

Und es trat nichts auf, das stören konnte,

Kein Bedürfnis kam nach

Essen, Trinken, einem Menschen,

Nicht nach

Räumlichkeiten, nicht nach Gegenständen,

Und es trug mich eine ungeheure

Leichtigkeit,

Die artete so aus in mir, dass ich nach einem

Spaten griff und ihre weißen

Wurzeln, die nichts taugten,

Abstach,

Und man fragte mich genüsslich,

Ob ich alles hatte haben können, was ein

Mensch braucht, wenn er nicht braucht,

Was er alles haben kann.

 

 

 

Drüben stand ein

Mann, der war in Arbeit,

Und er zog schon tagelang ein

Seil endlos aus großer Tiefe,

Und ich ging zu ihm und war im

Schrecken über ihn und schaute, so wie er, ins

Loch und sah das freie Ende,

Und er nahm mich wahr

Und machte mich sofort zum

Publikum für seine

Pantomime.

 


 

 

Aufschläge 6619 - 6621

 

Man fand dich hinter

Fernzuggleisen,

Und du warst so sonderbar verändert,

Aus den

Augen las ich eine

Sehnsucht, die war tief in dir,

Sie kehrte nicht zurück,

Erst die

Geräte, die wir an dich legten,

Brachten uns Gewissheit:

Nein, du hattest keinen

Leibesschaden,

Und du warst gesund

Und hattest alles wohlgeordnet,

Und du warst an diesem

Bahndamm nur erstickt an einer

Hoffnung.

 

 

 

Irgendjemand sagte auch:

„In mir sprach gestern eine

Stimme, die war deutlich,

Und ich hörte jedes Wort,“

Wir andren sahen uns betroffen an,

Und jeder, der hier stand,

Tat immer nur nach seiner innren

Stimme,

Und man schlug uns so als

Gruppenbild in Stein,

Und niemand von uns regte sich,

Wir lauschten wieder jahrelang auf

Worte aus der

Tiefe.

 

 

 

Nein, mein

Abschied sollte uns nicht trennen,

Und du gabst mir nach,

Wir gaben uns einander ein

Versprechen,

Und es sollte jeder vor dem

Abschied sich dem anderen

Noch einmal anvertrauen,

Und wir würden eine

Trennung machen,

Ohne uns zu trennen.

 


 

 

Aufschläge 6622 - 6624

 

Du sahst zu und ich,

Wir blickten beide auf das

Wellenheben, Wellensenken draußen auf dem

Meer,

Wir lernten uns dort draußen kennen, als die

Möwe aufstieg und der

Wellenkamm sich unter ihr mit anhob

Und nicht nachließ,

Und die

Wassertropfen hatten nicht Gelegenheit zu fallen,

So sehr stieg das Meer an,

Flug und Spiel und Flucht und Jagd erkannten wir als eins,

Auch bat ich hinter mir die

Frühlingsblume mir zu helfen gegen die zerstörte

Stadt und gegen ihre

Mauern, die ich nicht errichten wollte

Sondern ich tat alles,

Um sie einzureißen.

 

 

 

In den

Dünen waren schmale

Pfade zwischen scharfem

Gras, das war im

Sonnenlicht und gläsern grün,

Und in

Berührung brach es ab

Und stach und schnitt ins Fleisch,

Der Dünensand verriet sich unter meinen

Füßen aus zertretnen Gräsern, die sich unentwegt

Bewegten,

Und sie rieselten durch meine

Hände,

Und ich drückte meine

Wange gegen deine,

Und es blieb kein

Abdruck, alles floss nach unten,

Talwärts an der

Trichterwand,

Es reichte, mit dem

Finger irgendwo hineinzustoßen

Oder mit dem

Fingernagel diese

Haut zu ritzen.

 

 

 

In einer

Landung wurde auch der

Boden unter unsren Füßen fort gezogen,

Und wir fielen durch,

Und eigentlich wär es doch

Umgekehrt natürlich und verständlich,

Und ein

Aufschlag fand nicht statt.

 


 

 

Aufschläge 6625 - 6627

 

Hinter mir tat sich der

Boden auf und vor mir stand die

Leiter, die in eine unbekannte

Höhe reichte,

Und ich wusste nicht, wo sie mir enden würde,

Und ein

Rückweg von dort oben

Blieb auch ausgeschlossen,

Und der

Vorwurf, den ich hörte,

Wurde immer größer,

Ja, er türmte sich bis in die ersten

Sprossen,

Und ich warf ihn hinter mir gleich in die

Spalte,

Und die Leiter stieß ich um,

Und ausweglos sei alles, was ich ohne fremde

Hilfe machte,

Und ich hörte nicht darauf.

 

 

 

Den

Mantel, den ich trug, hatt ich mir

Selbst gewebt aus dünnen

Drähten,

Und er war die

Rüstung, die ich brauchte,

Und die spitzen

Enden, die sich manchmal daraus lösten,

Stachen mich,

Ich wollte auch den

Schmerz um mich herum ertragen,

Und ich ahnte, dass er seine eignen

Räumlichkeiten brauchte.

 

 

 

Manchmal machte ich

Geschenke,

Die nahm ich aus mir,

Von denen trennte ich mich schweren

Herzens,

Ich behandelte auch die

Empfänger so, als müsste ich sie strafen

Und war freundlich, herzlich,

Und ich überraschte sie

Und ging verloren.

 


 

 

Aufschläge 6628 - 6630

 

Ich saß vor einem

Wachslicht, das stand auf dem

Tisch,

Die kleine

Flamme leckte sich die

Zunge rot und gelb

Und langte hoch hinauf

Und riss entzwei und teilte sich,

Und brennend floss sie schließlich über ihren

Kerzenrand und schoss herab,

Und nie zuvor sah ich, dass eine

Flamme übersprang und ihre

Flüssigkeit zurückließ,

Und ich war nicht hergekommen,

Um in

Schmeichelei zu leben,

Um zu spielen mit den

Möglichkeiten, sondern die

Struktur wollt ich verändern,

Und es war mir recht, wenn

Blaues, kaltes Licht mich in dem

Eistanz überzog und weithin leuchten ließ

Und nichts erwärmte.

 

 

 

Wir gingen zu der

Hütte, die war neu mit gelbem

Stroh in Bündeln zu belegen,

Und wir kamen jährlich einmal,

Und es war nun gute

Zeit,

Der Mensch war jetzt viel undurchsichtiger

Ging er ganz ohne

Haut,

Und ich verbot es dir darum, dich zu entblößen,

Und ich war bereit, mit dir, so nackt wir werden konnten,

In die Spiegel einzutauchen,

Die bestanden aus der blanken

Oberfläche eines Schwermetalles,

Das war nicht erhitzt und trotzdem flüssig,

Und sie ließ uns einfach

Durch.

 

 

 

Die

Hintertür stand offen,

Ich ging unbedacht und ohne

Argwohn darauf zu,

Und kurz davor versagten meine

Beine,

Und ich fiel zu Boden,

Niemand hatte mir von dieser

Tür gesagt, dass sie ein

Hintereingang sei,

Und niemals wollte ich

Verrat an irgendjemandem begehen,

Und man hob mich an

Und trug mich um so schneller in das

Haus.

 


 

 

Aufschläge 6631 - 6633

 

Von draußen sah ich schon,

Es standen deine beiden

Stühle immer noch im Fenster,

Je zwei

Beine bohrten sich durchs Glas, die

Rückenlehnen hatten ihre

Hälse selbst entlassnen

Schreien nachgereckt,

Die stiegen weiter hoch, die

Hälse blieben starr gestreckt,

Und drinnen standen wir davor,

Es war ja nichts zum Niedersetzen,

Und der

Boden war zu schade,

Man entdeckte unter ihm die große Schleife,

Mochte sein, dass sie in

Wahrheit unterirdisch war.

 

 

 

Über deine

Tasse wuchs ein Pelz,

Ich trank daraus und fasste nach der

Schlange, Löffel, führte sie zum Mund,

Sie wand sich sehr in meinen Händen,

Und ich gab sie dir zurück

Und küsste nur die

Gabel, dort wo ihre

Zinken ineinander liefen,

Und du wurdest rot in dem

Gesicht,

Ich wollte dich nicht kränken.

 

 

 

Später schaltete ich eine

Lampe ein,

Man konnte so die

Nacht viel besser sehen,

Und sie stand als körpergroße

Schachtel in dem Raum,

Sie war ganz leicht und ließ sich

Heben und bewegen,

Und ich stellte sie für noch zwei

Stunden an die Wand,

Bis jetzt war nirgendwo ein

Einstieg,

Und ich würde lange mit ihr ringen müssen.

 


 

 

Aufschläge 6634 - 6636

 

Die

Gärten waren endlos satt,

Die

Gräser hingen schwer zu Boden,

Und im kleinen

Auenhain berührten sich die

Birkenzweige, stießen aneinander,

Und ich ging vorbei und suchte diese eine

Stelle, wo sich unterirdisch eine

Wärme sammeln sollte, wo sie sich

Vergraben haben sollte, ohne fremde Hilfe,

Und ich wollt sie sehen, mochte noch nicht glauben, dass sie

Anfassbar und vorzeigbar und übertragbar war

Und setzte meinen Spaten

Irgendwo und sinnlos in die Üppigkeit

Und stach so tief ich konnte,

Und mit beiden

Füßen balancierte ich auf dem

Metallrand.

 

 

 

Türen, die in unsrem Wege standen,

Schlossen hinter jedem automatisch,

Und sie schnitten die

Gedanken ab, dass ich mich umsah,

Und von vorne tastete ein

Lichtstrahl nach Entgegenkommenden,

Die lösten eine andere Mechanik aus,

Die knüpfte an an das

Gewebe schließender und ungeöffneter

Begebenheiten,

Und ich lehnte

Teller ab, die heimlich Durchgangstore hatten,

Löffel, die im Boden Fenster trugen,

Und auch Gabeln, die mit

Schwimmhaut überzogen waren.

 

 

 

Am Tage fiel ich auf die Knie und betete

Und sah mich um

Und wollte nicht entdeckt sein,

Und ich betete, dort, wo ich länger lebte, stärker

Als zu jener andren

Zeit, wo mir das Leben fern war,

Und versteckte mich in einem

Kleiderschrank, den konnte ich von

Innen schließen,

Und ich sah mich nicht.

 


 

 

Aufschläge 6637 - 6639

 

Ich setzte mich erschöpft zu einer

Gruppe Wartender, die hockten vor dem

Pappplakat, das demonstrierte uns von dort

So nah es konnte,

Und die

Leute sahen nichts, es war in

Wahrheit eigentlich ein übergroßer

Spiegel, ein Theater, das wir selber spielten,

Und ich lenkte mich ein wenig ab

Und bastelte an einer Puppenbühne, die sich keine

Sorgen machte um ein

Publikum,

Und eine Handlung würd ich schnell

Erfinden.

 

 

 

Wir wohnten in dem hohen

Haus und lebten dort als

Käfertiere in dem toten Baum,

Der uns ertrug und der uns jede nur erdenkliche

Geschäftigkeit erlaubte,

Und ich selbst nahm einen

Schleichweg bis in seine blätterlose

Krone, die ließ einen Ausblick zu,

Und zwischen diesem

Dach und hohen Wolken war ein

Zwischenraum, dass ich erstaunte.

 

 

 

Irgendwie geriet ich dann in eine

Festung, die war tief in ein

Gebirge eingesprengt,

Und an der stillsten

Stelle, weit im Innern,

Hörte man tagaus, tagein den

Herzschlag aus der Dunkelheit,

Der ließ nicht nach

Und kam aus diesen Felsen, ohne dass man ihn

Lokalisieren konnte.

 


 

 

Aufschläge 6640 - 6642

 

In meiner Not, denn irgendjemand

Schlug mit irgendetwas auf mich ein,

In meiner Not, fiel ich kopfüber an den

Holzzaun, der war auch ein Sichtschutz,

Und er half mir nicht und riss im

Aufprall etwas ein, das gab den

Ausblick frei auf eine völlig andre

Welt,

Ich sollte eine Antwort geben,

Sollte sagen, ob die Welt, die sich

Von sich aus angekündigt hatte,

Schon zu sehen sei,

Und was ich sah, war mir so nah,

Ich wagte nicht, es meinen

Peinigern zu zeigen,

Und die aufgedrückten Hölzer

Sprangen wieder zu.

 

 

 

Ich griff ganz seltsam ruhig in mein

Haar, das fand ich brüchig feucht,

Und mit den

Händen stieg auch der

Verdacht nach oben,

Und die

Kopfhaut würde schrecklich bluten, risse sie erst ein,

Und ungewollt bemerkte ich, dass kaum ein

Schmerz sich halten konnte,

Und mein

Weib war sehr geschickt mit

Garn und Nadel,

Und sie müsste mir den

Einriss nähen,

Und ihr

Einstich, würde ich ihr sagen,

Könnt nicht anders sein als der in reine

Seide.

 

 

 

Rot war meine

Hand,

Und ihren Abdruck hatte ich wohl zehnmal auf den

Teppich und das Tuch auf unsrem Tisch gesetzt,

Und immer wieder ließ

Unglauben mich ins Stempelkissen greifen,

Und die Farbe hinterließ von mir

Und von sonst niemandem, den

Fingerabdruck.

 


 

 

Aufschläge 6643 - 6645

 

Ich saß vor meinem

Fenster und bewachte einen

Regen, der stieg auf in dunkle

Wolkenfelder,

Und ich wachte über sein

Entrinnen, das nicht aufzuhalten war,

Und diesmal brach die

Erde auf und gab die

Wassertropfen frei,

Ich sah sie draußen sich in

Pfützen sammeln,

Und an mir vorbei begann die Flucht,

Ich ging zur

Tür und schaute nach und wollte wissen,

Ob man über mich genauso sinnlos wachte,

Ich erinnerte mich auch noch an ein

Vogelnest, das mochte nun wohl leerstehn.

 

 

 

Als ich meinen

Blindenstab nur für Sekunden in die

Erde stach, um meine

Hände frei zu haben, um nur einmal die

Gebärde eines Schauenden zu machen,

Als ich meinen

Blindenstock so blind vertraute, wuchs er an

Und war doch aus

Metall,

Die Wurzeln hatten sich sofort als

Draht im

Unterirdischen verschlungen,

Und sie waren nicht zu lösen,

Ich studierte sie genau

Und alles sah ich gut

Und sah auch, dass der

Stab sich gelb verfärbte,

Und er wurde mir zur

Richtschnur, der ich folgen musste,

Und ich hatte ihr zu trauen.

 

 

 

Deine

Sätze waren gut, so sagtest du zum

Beispiel, ob nicht meine

Lügen meine Wahrheit wären,

Und du hattest sie in deiner Tasche,

Und du klimpertest mit ihnen, dass ich hörte,

Wie sie sich an dir vermehrten,

Und sie mussten so ja aneinander schlagen

Und zerbrechen.

 


 

 

Aufschläge 6646 - 6648

 

Es war wohl eine große

Freude, die dich rührte,

Deine

Worte trugen kein Gesicht,

Sie waren viel zu hell beleuchtet,

Und dein

Lachen stolperte und überschlug sich

Und fiel beinah hin,

Und meine

Arme streckte ich nun aus nach dir

Und wollte alles retten, was so froh begonnen hatte,

Und ich spürte dieses

Stechen, das vom Herzen kam

Und sich in meine linke

Seite flüchtete,

Und neben mir erschien ein neuer Schmerz,

Viel größer als der meine,

Und er kümmerte sich nicht um mich,

Und seine

Augen waren ganz auf dich gerichtet.

 

 

 

Später las ich meine eignen

Worte in der Zeitung,

Und ich rief dort an und fragte nach

Und bat um

Auskunft, wann und wo es sich ereignet habe,

Und man sagte mir, genau vor meinem

Mund hätt man gegraben,

Und die

Worte seien wirklich schon zwei

Tage alt und trotzdem übermäßig gut erhalten,

Und man habe sie geputzt,

Und wollt sie nur in meinem

Sinn gebrauchen,

Und ich grub nun selbst,

Und ich entdeckte einen ganzen

Hügel ungesprochner Worte,

Der lag gar nicht tief

Und war verdeckt von einem dünnen

Sinn, der riss sofort entzwei.

 

 

 

Man gab mir recht

Und dieses

Recht an einen Handwerksmeister,

Der besaß das

Werkzeug, das war gut genug,

Es sichtbar zu gestalten,

Und ich war so froh

Und hörte eine alte Rede,

Danach war das

Recht ja immer schon ein

Todesurteil, das man einfach aus den

Händen gab

Und weiterreichte.

 


 

 

Aufschläge 6649 - 6651

 

Als ich heute früh erwachte,

Türmten sich an meinem Bett

Zerbrochnes Gut und Müll und

Fortgeworfnes Zeug, das mir noch sehr

Bekannt war,

Und ich sah nach dir

Und konnte nichts erklären,

Und du sagtest unter

Gähnen, auch die

Überreste meiner Träume hätten einen Sinn,

Ich würde ihn wohl zwischen diesen

Gegenständen finden,

Und ich müsste mich beeilen, denn die

Träume würden viel zu schnell verschwinden,

Und es schmolz der

Berg vor meinen

Augen, dass ich ihn vergaß.

 

 

 

Die

Hauswand war aus stumpfem

Klinkerstein, die zog sich neben dem

Spaziergang hin, ein rotes

Tuch, das sich in kleine

Felder teilte,

Und in mir entstand auf jedem

Rechteck die Erinnerung an einen

Tag, der nicht begann,

Ich dachte lange, lange nach,

Und spät am

Abend endete die Mauer erst,

Und zwischen allen

Steinen stand ich plötzlich vor dem

Eingang, der war schon

Verschlossen.

 

 

 

Auf der andren

Straßenseite brachen

Diebe in ein Fahrzeug ein,

Und sie entdeckten mich

Und kamen auf mich zu

Und schnitten mir, um meine

Aufmerksamkeit zu zerstören, die

Verbindungsdrähte durch,

Und später reparierte man vergeblich meinen

Schaden,

Und ich konnte mich an nichts erinnern.

 


 

 

Aufschläge 6652 - 6645

 

An dem

Wintermorgen goss sich wärmend gelb die frühe

Sonne in mein Zimmer,

Und die weiße

Kappe schmolz mir ab vom Kopf,

Ich stand im

Wachstum einer Wohligkeit, die an mir kletterte,

Ich wollte nichts mehr wissen von dem

Inhalt eines

Buches, dessen Zeilen überblendete die helle

Kraft,

Die Seiten waren plötzlich unbeschrieben,

Und so war es recht, denn alles, was bestehen wollte,

Musste existieren,

Und ich hatte auch gehört, dass man die

Liebe lernen musste,

Und sie war nicht leicht, nur weil sie uns

Beflügelte.

 

 

 

Sonst traf mich keine

Schuld, denn

Schuld war mir genauso wichtig wie die

Unschuld,

Und ich musste immer gegenwärtig sein, aus diesem

Grunde angeklagt zu werden,

Und ich suchte mir ein stilles

Plätzchen, nur für mich allein,

Und mühte mich in einer menschenvollen

Straße zwischen all den

Füßen Sauberkeit zu halten

Und verbot es mir, nach denen, die den

Abfall fallen ließen,

Aufzuschauen.

 

 

 

Früher warf ich jeden

Abfall fort und fühlte mich danach befreit,

Und heute musste ich die

Trennung vorbereiten,

Alles wurde liebevoll von mir sortiert und aufbereitet,

Und ich musste jedem

Teilchen die Erinnerung entwenden

Und mich richtig von ihm trennen,

Ehe ich mich fortwarf.

 


 

 

Aufschläge 6655 - 6657

 

Es war ein wunderbarer

Augenblick, als ich entdeckte, dass die

Kette, die mich jahrelang am

Hals geschnürt und festgehalten hatte, nicht aus

Eisen war,

Ich biss sie durch, riss sie in

Stücke,

Und sie wurde meine

Speise,

Und mein Lächeln spannte ich in stramme

Bänder, dass es blieb

Und sich nicht regen konnte,

Und die

Jahre, die vergangen waren, hatte ich in meinem

Magen,

Und ich wollte nichts davon verdauen.

 

 

 

Du maltest zwei

Gesichter ineinander,

Und es sollte, sagtest du, nur eines sein,

Vielleicht von einer

Frau, vielleicht von einem Mann,

Vielleicht auch jeweils nur die

Hälfte, die so ineinander fielen,

Und ich lief in meiner

Wohnung hin und her und stieß mich hart an

Gegenständer, die im

Wege standen,

Meine Frau erkannte dann, mich träfe die

Gefangenschaft des wilden

Tieres viel zu schwer, und ließ mich durch

Und auf die

Straße eilen,

Und die

Fährte führte in die Irre.

 

 

 

Es war ein kleiner

Wald in dem ich nachts ein

Lichtlein fand, das stand im

Raum, das war kaum größer als die

Kerzenflamme,

Es war rund und gläsern

Und nicht gegenständlich,

Und ich konnte es umgehen,

Und es sprach kein Wort,

Es konnte nur der

Schnittpunkt zweier Strahlen sein,

Die sich so günstig überlagerten,

Der eine musste mir entstammen,

Und der andere stand immer auf der andren

Seite.

 


 

 

Aufschläge 6658 - 6660

 

Weit entfernt sah ich mir zu,

Auf meinem

Kopfhaar standen blaue Flammen,

Und es war mir kalt,

Ein

Bote brachte eine

Nachricht von dort drüben,

Und ich sah ihn gut

Und sah auch, dass er nicht voran kam,

Dass er stecken blieb in irgendeiner

Zähigkeit, die lag im

Weg,

Ich schlug die

Hände vors Gesicht,

Ein

Zaun aus Eis fiel mir auf meine Augen,

Und er fing nicht an zu schmelzen,

Und das kalte

Gitter formte sich schon unter meiner

Haut,

Ich sollte doch, so sagte jemand, auch ein wenig

Unterhaltsam sein

Und nicht den andren alles überlassen.

 

 

 

Hier im

Wohnhaus ordnete sich eine

Ordnung von alleine,

Ich bemerkte nichts von ihr

Und wohnte dort sehr lange ohne

Unterbrechung,

Und als ich nach meinem

Suchen endlich heimfand,

Wollte man mir alles vorbereiten wie ich es

Wohl gerne hätte,

Und man schlug das

Wohnhaus ein und riss das

Dach von meinem

Kopf und legte es in einen fremden

Garten,

Und die

Balken starrten aus dem

Grätenfisch und stachen durch die

Schuppenhaut nach außen.

 

 

 

Man verstand nicht, dass ich vor dem

Essen aufstand, mich bedankte, ging

Und vor den

Augen aller so im

Mundraub lebte,

Und man konnte mich deswegen nicht

Bestrafen.

 


 

 

Aufschläge 6661 - 6663

 

Viel zu schnell vergaß ich viel zu viel,

Auch hielt ich nachts den

Mond für eine Sonne,

Und er schien mir hell genug,

Er zeigte alles, was es hier zu sehen gab,

Und warum sollt ich nicht zum

Nachtgetier gehören,

Und ich ging in einen

Wald,

Von einem

Ast zog ich die Rinde ab

Und aß die weiße Schicht dazwischen,

Nährte mich auf diese Weise,

Und ein

Nachtbild zeigte mir wie meine

Sinne sich nach außen stülpten,

Meine Ohren wurden groß,

Und meine Augen standen weit hervor,

Und an den

Händen wuchsen ganz natürlich lange

Krallen.

 

 

 

Heimlich machte ich auch tags die

Bilder,

Und es gab die

Technik, die den

Schall wie Licht fest hielt,

Ich sah genau, dass sich tagsüber große

Ohren bildeten

Und Zähne standen dort heraus,

Die fraßen unersättlich

Und ernährten sich von

Schwebeteilchen, die man sonst nicht sah,

Und ganze

Menschenscharen machten sich zum

Futter,

Und ich stand dazwischen

Und gab acht auf mich

Und nährte mich von den Geräuschen.

 

 

 

Gut war, dass ich alles viel zu schnell vergaß,

Und als ich mir begegnete, erkannte ich mich nicht

Und fragte mich nach einem

Unterschied von Sonne und dem Mond,

Der war fast völlig unbekannt

Und auch, warum man früher

Porzellan vor einer

Brauttür niederwarf, dass es zerbrach und polterte,

Konnt niemand mehr erklären.

 


 

 

Aufschläge 6664 - 6666

 

Ich las auf einem

Stein, der lag weit sichtbar auf der Wiese,

Und die

Schrift, vergoldet, blank:

„Vorübergehend tot,“ stand dort,

Mehr nicht, kein

Name und kein Hinweis,

Und es mochte schließlich sein,

Dass damit nicht die

Toten angesprochen waren,

Sondern jeder, der vorüber ging,

Ich war vielleicht auf

Urlaub hier und ahnte nichts davon

Und wanderte auf einem

Trampelpfad, der seitlich an der

Straße lief und ging auf der verkehrten

Seite.

 

 

 

Viele lagen schon in fremder

Erde,

Und sie sehnten sich in ihre

Heimat,

Und man konnte gar nichts für sie tun,

Und irgendwo ging immerzu

Die neu entstandne

Sprache ohne Vorankündigung verloren,

Und der

Winzling, der den letzten

Riesen tötete,

Wurd selbst zum Größten,

Der sich umsah nach den

Kleineren.

 

 

 

Einer eines ganzen

Volkes war noch übrig,

Und man ließ ihn sprechen,

Und er sprach in ein

Gerät, das alles, was er sagte, aufnahm,

Und er war ja unverstanden und erschöpfte sich

Und starb und hatte gleich zu

Anfang die Funktion des

Instrumentes heimlich ausgeschaltet,

Und man glaubte hinterher zu Recht, das

Schweigen, das man hörte,

Habe etwas zu bedeuten,

Und man lauschte

Angestrengt.

 


 

 

Aufschläge 6667 - 6669

 

Ich ritzte mir versehentlich die

Haut an einer winzig kleinen, scharfen

Kante,

Und es war ein zarter

Spalt, der sich sofort mit einer roten

Kordel gürtete,

Und auch die

Kinderlieder konnte ich erinnern,

Und es perlte schön das Blut,

Es hieß ja irgendwo in einem

Märchen, dass ein

Tropfen davon reichte, sich die

Seligkeiten zu erkaufen,

Und ich sah mich um und bot es an,

Und niemand zeigte irgendein

Intresse,

Und die dunklen

Perlen nahm ich ab

Und zog sie auf und warf sie in ein

Glas, das war gefüllt mit klarem

Wasser,

Und ich blickte ganz genau hinein,

Verfolgte auch die rosa

Fäden, die sich lösten,

Schwerelos dort schwebten

Und nicht niedersanken.

 

 

 

Draußen fand ich diese

Bilder wieder:

Haut und Borke,

Ritz und Spalte,

Blut und Harz und

Perle, Bernstein,

Und die

Kette hing nun doch um deinen Hals,

Du ließt sie dir nicht nehmen,

Und ich wollte deine schweren

Wunden reinigen und dann verbinden,

Und du wehrtest dich,

Und niemand dürfe diese

Spur, die endlich aus dir trete,

Keimfrei machen.

 

 

 

Du zeigtest den

Entwurf, ein

Umschlag, den du für ein

Bilderbuch verwenden wolltest,

Und im

Deckel war ein großes

Loch,

Und das begann, fing man zu lesen an,

Sich durch das ganze

Buch zu fressen,

Und im

Boden kehrte es sich um

Und schloss sich rückwärts wieder bis zum

Anfang,

Und es lebten viele im Exil

Und ahnten nichts davon.

 


 

 

Aufschläge 6670 – 6672

 

Ich sah hinaus ins

Nachtrund um mich her, ein

Vielweg stieß ins

Unermessliche, in fernste Zeiten,

Deren Schatten konnte ich nicht sehen,

Und ich stand doch mitten drin,

Und mir begegneten die

Samen meiner Gegenwart,

Die suchten nach dem

Unterschlupf.

 

 

 

Im

Augenfeld der Übermacht und Winzigkeit,

Die ich beträumte, blieb mein

Blick im

Spiel der Sterne, die mich um sich drehten, stehen,

Und es war nicht mehr als die

Sekunde der Entdeckung eines

Atems in der kalten Luft der Nacht.

 

 

 

Dann rührte mich das

Licht aus fernen Zeiten,

Und es gab mir Zuversicht,

Und es verlangte meinen ganzen

Mut und meine kleine

Tapferkeit,

Und ich bedachte, dass nach mir

Die anderen drüber lachen mochten,

Ohne mich gekannt zu haben.

 


 

 

Aufschläge 6673 - 6675

 

Ich trug nur einen

Schuh, den andren hatte ich zerstört,

Und draußen war es kalt,

Und Schnee lag überall,

Die schrägen

Dächer hielten krampfhaft fest an ihrer Last,

Ich ging hinaus und litt nach kurzer

Zeit schon große Schmerzen,

Dann erstarb mein

Fuß, mein Bein wurd hölzern bis zum Knie,

Ich hörte eine

Mutter, die mir zusah, ihrem

Kind erklären:

„So zerstört sich einer selbst, der eine andre

Schönheit sucht,

Er könnt auf einem seiner

Beine springen oder warum nimmt er keine

Krücke,“

Und: „Auf diese Weise wird er nichts Besonderes entdecken,“

Und ich wusste, dass es in den fernen

Ländern Liebeslieder gab,

Die würd ich nie verstehen können

Und doch gerne hören.

 

 

 

Wir hatten uns gefunden und entdeckt,

Und als du tot warst, hatte ich dir deine

Beine in den Baum gehängt,

Dich in den

Nasenlöchern und am

Mund gekitzelt und dein

Herz massiert, bis es mir fast davon gesprungen wäre,

Und nun leben wir so einfach

Voreinander.

 

 

 

Schönheit, sagte ich, sei nur ein

Gegenüber, nicht das

Gegenteil,

Und das du töten konntest,

War nichts wert,

Doch, dass du es nicht tatst wie ich

Und wie der schwere

Stein, der fest am Boden lag,

Das machte dich besonders,

Und wir fassten unsre

Hände, als die

Katastrophe über uns hereinbrach,

Und der

Stein war nur, wie wir erkannten, der

Verschluss gewesen,

Und er flog nun fort

Und legte sich woanders

Nieder.

 


 

 

Aufschläge 6676 - 6678

 

So stieß ich auf das

Unvollendete,

Und jemand sagte mir, dies sei ein

Teil der großen

Kunst, er sagte auch, dass jeder

Inhalt nur noch existiere wegen seiner

Unvollkommenheit, das wäre seine

Basis, ohne Gutes von dem Bösen oder

Schönes von dem Hässlichen zu trennen,

Und die Eisenschienen schwerer

Züge lagen so im Frost,

Dass Räder nicht drauf rollen konnten

Sondern dass sie Abstand hielten,

Und sie drehten sich im leeren

Zwischenraum, der war aus harter

Eisenkälte,

Und wir kamen nicht voran.

 

 

 

Aus den feinen

Nadeln hörte ich

Gespräche weit entfernter Menschen,

Und sie mochten wohl ein

Land erleben, wo man feinen

Nadeln die Gedanken übertrug,

Und hier vom

Fenster strich ein kühler

Windzug über meine Stirn,

Ich musste wirklich mehr an meine

Nähe als an meine

Ferne denken.

 

 

 

Irgendwo geschah ein

Diebstahl,

Und man hörte, dass der

Dieb sich selbst das eigne

Gut gestohlen hatte,

Und man wusste nicht warum

Und konnte ihn nicht strafen,

Und er schadete ja niemandem,

Und mir verriet er heimlich,

Dass er einen

Mord an seinem Körper plane,

Den er überleben wollte,

Und der

Diebstahl sei für ihn schon eine erste

Warnung, die er sich zu

Herzen nehme.

 


 

 

Aufschläge 6679 - 6681

 

Du sagtest gleich, dass

Worte Bilder sein,

Und jedes

Fremdwort sei gemalt aus

Farben, die wir kannten,

Und ich sprach mit dir und

Du mit mir und unsre

Worte mischten sich und es entstand ein

Wortgemälde,

Daran schafften wir zur gleichen

Zeit,

Es wusste keiner etwas von dem anderen,

Wir schufen völlig neue

Töne aus der Überlagerung,

Und ich erzählte,

Dass ich meinen

Körper in der letzten Nacht auf frischer

Zugeschneiter Wiese malen ließ,

Und alles wurde sichtbar unter hellem

Mondlicht,

Und ich malte ohne

Farben, nur mit

Schatten, die ich in den

Neuschnee drückte.

 

 

 

Es hing an deinem

Hals ein Kettchen, daran schaukelte ein kleines

Schnitzwerk, das warf seinen

Schatten auf die Haut,

Ich malte jedes

Wort getreu nach seinen

Buchstaben und achtete darauf, dass sich die

Kettchen zwischen ihnen

Nicht mehr lösen konnten.

 

 

 

So trug ich oft ein

Kettenhemd, ein

Wortgeflecht, dass sich in meinem

Kopf gebildet hatte,

Schnitt es von der

Mitte nach dem Muster einer

Wendeltreppe auf,

Die war nun unbeleuchtet,

Und ich tastete nach jeder

Stufe,

Und es führte mich ein unsichtbarer

Handlauf.

 


 

 

Aufschläge 6682 - 6684

 

Alles, was ich hörte, was ich sah und

Schlimmes, schlenderte an mir vorbei,

Und

Schreckliches bekriegte sich,

Ja, alles, was ich sah,

Ich sah auch wie das

Kind auf einem Kinderfest dem andren

Kind versehentlich die

Gabel in das Auge stieß,

Ja, alles, was ich sah und roch,

Und deine

Hände schmiegten sich, gesalbt, gepflegt als

Samthandschuh um mein

Gesicht und glitten ab als

Schlitten über meine Haut,

Ja, alles also, was ich sah und hörte,

Roch und fühlte, ohne es zu sehen,

Hinzuhören, ohne es zu riechen und zu fühlen,

Alles, alles war die

Poesie der Gegenwart,

Und voller

Gegenwart war ihre Poesie.

 

 

 

Dein

Frauenhaar hing tief in mein Gesicht,

Ich lag ja unter dir,

Und meine

Zunge spuckte heimlich diese dünnen

Fäden wieder aus,

Auch kämpfte ich mit mir, hineinzubeißen,

Und ich wagte nicht die

Fingermalerei von dir auf meiner

Stirn mit einem Schütteln zu

Verwischen.

 

 

 

In mir schwang die

Angst vor Nüchternheit,

Und irgendjemand zeigte mir ein

Bild, dass er nicht mehr vergessen konnte,

Drüben lag ein

Mensch am Feldrand,

Und sein Leib war offen,

Und die

Därme hingen weit heraus,

Ich fasste mir in meine eigne

Seite, die war warm und weich

Und heil,

Und einer wusste ganz genau, wie hoch die größte

Hitze in der Erde war,

Und die war nicht im Mittelpunkt.

 


 

 

Aufschläge 6685 - 6687

 

Ich sprang von einem

Felsen,

Und es war der

Anfang meiner Suche,

Und ich sprang ins Meer,

Es sollte mir dies eine

Mal nicht salzig sein,

Es sollte mir die

Liebste zeigen, wenn ich meine

Augen unter Wasser offen halten würde,

Und ich blieb mit einem

Fuß im Fischnetz hängen, dass ich mich in

Panik retten musste,

Und es war ganz leicht, so sagte man mir später,

Mich zu operieren,

Und ich hätte die

Narkose gut vertragen,

Und ich wusste auch,

Ich müsste noch einmal ins Meer,

Man wischte mir danach das

Salz von Lippen und der Stirn.

 

 

 

Einem

Freund erging es ähnlich,

Und er war sehr krank geworden

Und lag außerhalb;

Daheim in seinem eignen

Haus verliefen vielbefahrne

Schienen, die sich niemals kreuzten,

Und sie brachten immer nur die

Durchfahrt,

Und es war nicht möglich, jetzt von draußen

Weichen einzubauen,

So entfernt war er, mein Freund,

Und seine

Haustür kam als einziger

Besucher regelmäßig, täglich zweimal an sein

Krankenlager.

 

 

 

Als die

Sonne nicht mehr schien,

Und als die

Stadt zur Nacht mit ihrem

Licht sich an den Himmel wandte,

Sah ich wie das

Weiß der Möwenvögel, nun in

Eiskristallen, oben stand,

Und sie verglühten unvermutet,

Wenn sie in die langen

Hochgebäude unsichtbarer Schatten

Fielen.

 


 

 

Aufschläge 6688 - 6690

 

In meine

Hand geriet ein

Eiskristall, das schmolz sehr schnell,

Die

Decke über mir war wasserblau,

Und ohne jede

Wolke fielen aus dem

Stahl der Luft die leichten

Flocken Schnee,

Ich malte in die

Landschaft Wintervögel,

Und sie flogen auf mit völlig weißen

Federn,

Und sie zogen ihre

Kreise über mir,

Und niemals mehr würd ich den

Tiefschwarzvogel in die Bäume setzen,

Und die

Nachtlaternen waren sinnlos,

Wenn sie hoch in

Bäumen brannten und das

Licht nicht bis zum

Boden fand.

 

 

 

In dem

Zimmer wollte ich die

Schachtel öffnen,

Und der

Deckel brach mir ab, der

Inhalt fiel heraus und in die

Spalte, die sich öffneten, weit in die

Erde reichten,

Und ich hatte großes

Glück, dass ich mich noch an einem

Rand festhalten konnte

Und nicht mit versank.

 

 

 

Draußen sah ich kurz zurück,

Vielleicht, dass ich den letzten

Blick auf mein Zuhause werfen wollte,

Ahnte auch vielleicht, dass nichts und

Niemand nach mir winken würde,

Und mit einem

Stein schlug ich den Türgriff ab

Und steckte ihn in meine

Manteltasche und liebkoste ihn

Und wusste ganz genau,

Dass er nur aus

Metall war.

 


 

 

Aufschläge 6691 - 6693

 

Der neue

Mut verschärfte mir die Flügel,

Und als schneller

Vogel war ich auf der

Jagd nach dir und lauerte mit meinen

Augen hinter einer

Fensterscheibe, bis du kamst,

Und fiel mit drei, vier Schritten ein,

Und du erschrakst,

Und mir entwischte dieser kleine, bunte

Stein in einen Strauch,

Ich schoss ihm nach und spießte

Mich auf einen langen

Schlehdorn auf,

Der gab mich nicht mehr frei,

Von oben rieselte ein wenig

Atem, als ein leichter Schnee auf mich,

Das

Vögelchen verlor sein

Funkeln ganz.

 

 

 

In den engen

Zweigen fand ich Platz,

Der Schnee zog eine Decke über ihn,

Ich sah von außen auf die

Unterseite,

Und die

Sonne stand darauf und leuchtete durch alle

Wasser bis zu mir,

Ich konnte unter dieser

Decke nicht entkommen.

 

 

 

Du hattest meinen

Brief nicht angenommen,

Und er war in meine

Hand geschrieben,

Und ich gab sie dir,

Und es genügte offenbar für dich,

Dass du mir deine reichtest,

Die war unbeschrieben und verdeckte meine

Zeilen ganz beim Händedruck

Und ließ mich so verzweifelt

Unbegrüßt.

 


 

 

Aufschläge 6694 - 6696

 

Ich ging sonst immer aufrecht,

Und vor

Treppen, auch die abwärts führten,

Ängstigte mich nichts,

Und meine

Neugier wuchs, vor mir zu gehen

Und zu wissen, was wohl vor mir war,

So nahm ich mir das

Hundetier zum Beispiel,

Das ging Kopf voran treppabwärts,

Und ich machte es ihm nach,

Und wirklich war ich eher weiter vorn

Und früher vor mir dort, wohin ich wollte,

Als zu jeder andren Zeit,

Man ließ mich durch

Und machte Platz,

Es fragte niemand, warum ich auf allen

Vieren liefe,

Und ich dachte nach, ob sich die

Antwort darauf hätte finden lassen.

 

 

 

Das zweite

Bild war nur für meine

Ohren, die doch alles

Prüfen sollten, was sich meldete

Und die mir

Antwort geben konnten, wer dort redete

Und wo, vielleicht ja auch warum,

Und diesmal stand der

Schrei, der wahrheitlich geschehen war,

Nur noch im Raum,

Hing mit der ganzen

Schreckenblässe in den Wänden,

Und es waren meine Augen, die mir

Meldung machten,

Die hier alles hörten.

 

 

 

Aus der

Willenlosigkeit des

Augenblicks gewährte man mir einen

Wunsch,

Und ich bestand darauf, nur einmal mit den Augen eines

Nachbarbaumes sehn zu dürfen,

Und ich schwöre es und

Glaubte es mir selber, dass die

Welt, in die wir sehen, auch in

Wahrheit völlig anders ist, von

Baum zu Baum,

Die Bäume hielten sich für das, was ich als

Sonne sah, als Felsen, Flüsse oder

Gras,

Es war ein großes

Weltbild, das sich so

Unsichtbar hielt.

 


 

 

Aufschläge 6697 - 6699

 

Selbst im

Flug wärst du für

Niemanden mehr zu erreichen,

Und ich sah dir nach,

Sah dich weit über unsrer

Erde, abgekoppelt auf der neuen

Bahn, die zog dich schnell so weit in eine andre

Richtung, und ein

Punkt blieb nur für

Augenblicke sichtbar,

Dann war nichts mehr,

Und die absolute

Ruhe lag mit ihrer

Schwester, Leere, in demselben

Bett,

Sie trieben’s arg in meinem

Kopf, ich wischte mir die

Stirn und durft mir keine

Horizonte schaffen,

Und das

Sonnensegel, das ich weit in meinem

Rücken schleppte,

War in Wahrheit keine

Last,

Es zog mich nicht,

Und ich zog nicht an ihm.

 

 

 

Anderntags begegnete ich unvermutet einem

Ding, das sprach mich an

Und fragte mich nach meiner

Sprache, nach dem

Weg, der war nicht auszumachen,

Und es fragte dreimal und verstand mich nicht,

Und lange erst danach

Entschied ich mich zu einer

Umkehr,

Die verlief natürlich in der gleichen

Richtung,

Und ich traf auf nichts.

 

 

 

Die

Tage waren lang und kurz,

Und alles war nun möglich,

Und ein Werkzeug, das ich selten brauchte,

Wurde mir zum

Ausweis,

Und ich ließ mich häufig

Kontrollieren von mir selbst

Und ließ mich tagelang ganz sinnlos warten

Und beschwerte mich bei mir

Und schrieb auch, dass sich gar nichts von der

Stelle rührte, trotz der

Höchstgeschwindigkeit, mit der wir

Reisten.

 


 

 

Aufschläge 6700 - 6702

 

Ins Weiß der

Zimmerdecke wuchs ein Pilz,

Und dessen

Fäden strahlten aus und zogen sich bis an die

Wand,

Ich wohnte hier und hatte oft

Betrachter meiner Worte,

Und verschiedentlich erfuhren wir

Ein wenig aus dem

Wachstum,

Und ich sagte es fast als

Entschuldigung und gab die

Bindung an das Gegenständliche

Fast völlig auf und hatte zum

Verständnis eine

Taschenlampe, die schoss einen hellen

Lichtfleck an die Decke,

Und ich sagte auch, dass dieser Weg durch

Unruhe zur Ruhe führe.

 

 

 

So hörte ich zum

Beispiel aus dem

Instrument die Schwingungen der

Farben, umgesetzt in Töne,

Und es kam ein blasses

Kind, das setzte sich vor einen seiner

Fühler, wie ihn Käfertiere haben,

Und er tastete die fahlen

Wangen ab nach etwas Wärme,

Und es schwieg das Instrument auf seiner

Suche bis zu einem kümmerlichen

Krächzen, als der Fühler auf das leichte

Rot der Lippen stieß.

 

 

 

Ich selbst war kein

Erfinder,

Und ich hörte ohne

Ohren, sah auch ohne Augen,

Und der

Schwerpunkt meiner Masse hing ganz frei,

Ein

Schlegel in dem Glockenkörper, der auf

Anstoß wartete,

Und stritt mich um das

Amt des Glöckners.

 


 

 

Aufschläge 6703 - 6705

 

Jeder, der vorbeikam, sollte eines dieser

Fähnlein von dir tragen,

Jedes hing an einem

Stöckchen,

Und es stand ein

Zeichen drauf geschrieben, das dich anwies,

Und es kam ein

Kind gegangen, das trug stolz und ruhig eine fremde

Fahne vor sich her

Und ging auf deinen Stand zu,

Zeigte dir, was es zu tragen hatte,

Und es war nur diese eine Fahne,

Und das

Kind zerschnitt sie,

Zog sich daraus

Segel über seine Arme,

Und es flog davon.

 

 

 

Dein

Frühstückstisch war schon gedeckt,

Und alles war gerichtet,

Und du wachtest auf und saßt auf einem

Stuhl, der stand auf einem

Weg,

Du frorst dort draußen,

Und der Tisch stand quer,

Und jeder müsste hier an dir vorbei

Und viele kamen,

Und sie gingen auch an dir vorbei,

Und du erinnertest dich wirklich an die

Morgende davor.

 

 

 

Dann musstest du das

Haus verlassen,

Und es war dir fremd geblieben,

Und die

Nägel in den Wänden waren bilderlos

Und türenlos die Rahmen,

Und die

Wände hattest du entlassen,

Und das Dach war aufgestiegen, dass es

Einfach fort war,

Und der

Boden unter deinen Füßen sank

Und sank und sank

Und ließ dich nicht mit fallen,

Und die

Wünsche, die du hattest,

Blieben in dem

Zimmer liegen.

 


 

 

Aufschläge 6706 - 6708

 

Wir sprachen über unsre

Arbeit, die war ruhig,

Und das

Essen, das ich auf den

Löffel legte, fiel herab,

Es fiel direkt vor meinem Mund vom

Löffel, ohne dass ich es verhindern konnte,

Und die

Flüssignahrung, die mich dann am

Leben halten sollte,

Konnte ich nicht schlucken,

Und ich wusste nicht warum,

Dann wollte man die

Nahrung meinem Leib direkt

Zuführen, das verbot ich,

Ich weiß auch nicht mehr warum,

Und schließlich hielt ich meinen

Atem an und kämpfte einen schlimmen

Kampf, den ich sogleich verlor.

 

 

 

Dann dachte ich zu

Ende,

Und am

Ende fand ich einen

Frieden, der war sonderbar

Und gar nicht interessiert an mir

Und hielt sich ganz neutral

Und nahm mich nicht zur Kenntnis,

Und ich hatte mir den

Wanderstab als einziges gerettet,

Und der

Frieden ist in Wahrheit eine reiche

Armut,

Der konnt ich nichts abgewinnen.

 

 

 

Mit

Schrecken dachte ich zurück,

Man hatte mich kopfüber aufgehängt an meinen

Beinen,

Und es kam ein später

Wachmann, der die Runde machte,

Der schnitt mich dort wieder los

Und sprach von dem

Versehen, das ihm hätte auch passieren können,

Und dies war der wahre Schrecken,

Und ich floh in meinem

Zimmer eine ganze

Nacht, bis erste

Stadtlaternen plötzlich schwiegen.

 


 

 

Aufschläge 6709 - 6711

 

Draußen war es kalt,

Ich lehnte in dem

Hauseingang und wartete und blickte auf das

Straßenpflaster, das brach auf

Und große

Fenster öffneten sich dort,

Es war die

Hauswand, die am

Boden lag, die weiter lebte,

Und die Bilder, die du maltest,

Zeigten die gemordeten, die mordenden

Soldaten,

Und der

Arzt, der zwischen ihnen stand,

Hätt gern die

Glieder, die zerschossen und verstümmelt waren

Und verbrannt und abgerissen,

Hätte gerne heile

Glieder angewendet, ausgetauscht, verpflanzt

Und konnte gar nichts machen.

 

 

 

Am

Bahnhof hatte ich mich nicht entschieden,

Und es fuhren viele

Züge ab und weiter,

Und dem letzten lief ich nach

Und malte mir die

Reise in Gedanken aus

Und sah mich um, dort wo ich stand,

Und hatte meine Wagen abgekoppelt,

Und das

Führerhaus in mir war unbesetzt,

Und zwischen dem

Gepäck stand ein verschnürter

Rollstuhl,

Der war so nicht zu gebrauchen.

 

 

 

Es lag ein armer

Mensch am Weg,

Der war so nicht zu sehen,

Und man sah ihn nicht,

Es stieg der arme

Mensch dann über all die anderen hinweg

Und suchte weiter

Und war nicht zu finden

Unter ihnen.

 


 

 

Aufschläge 6712 - 6714

 

Vor mir saß ein

Mensch, den kannte ich schon lange,

Und ich fragte ihn nach seinem

Namen und auch nach der

Länge seines Lebens,

Die sei unterschiedlich

Und nicht einfach zu erklären,

Und ich hörte in mir eine

Kapsel brechen,

Und die Flüssigkeit trat aus

Und färbte mich von einem

Augenblick zum anderen

Und ließ mich plötzlich altern,

Und es saß vor mir ein

Mensch, der kannte mich schon lange,

Und er fragte mich nach meinem

Namen, und ich sagte gleich, die

Länge meines Lebens sei sehr unterschiedlich,

Und vor Jahren

Sei ich schon einmal so stark gealtert,

Und der

Irrtum läge schwer auf mir,

Und leider wusst ich niemanden,

Der mich noch kannte.

 

 

 

So entging ich knapp der

Strafe, die ich wohl verdiente,

Und sie musste sich vor mir zurückziehn,

Und ich ging nach

Hause und beschimpfte mich

Und warf mir mein Verhalten vor,

Das alles war noch lange nicht das gleiche,

Und entging so nicht der

Strafe und schuf mir

Gerechtigkeit.

 

 

 

Ich stand im

Schneefeld, das war vor mir völlig unberührt,

Und traf auf eine

Fußspur, mittendrin,

Die stammte nicht von mir

Und hatte keinen Anfang,

Und sie führte auch nicht fort,

Und ohne, dass ich diesen fremden

Menschen sah, sprach ich ihn an

Und grüßte ihn und gab ihm ab von meiner

Kleidung,

Und er blieb dort weiter stehen,

Und ich ließ ihn wieder sein.

 


 

 

Aufschläge 6715 - 6717

 

Aus einem technischen

Gerät in meiner Nähe

Drang ganz menschliche Musik,

Ich ging sofort dorthin

Und sah in jeden

Winkel und ins Instrument und

Hätte gern den

Mund gesehn, der diese

Lieder sang, aus dem sie leicht und

Unbeschwert getragen wurden,

Und der

Apparat war völlig überflüssig,

Und ich folgte dem Gesang,

Und als ich dich dann tröstete,

Ich sah ja, dass du weintest, glühten deine

Wangen vor Erregung,

Und ich hatte alle

Gurte abgelegt, trieb schwerelos davon,

Und du riefst mir nicht nach,

Und jeder wusste von dem

Horizont,

Den durften wir niemals berühren.

 

 

 

Wir richteten den

Tag der Armut ein,

Und man ging aus

Und schmückte alles, was man gern im

Wohlstand sehen würde,

Keiner traute sich an sich zu denken,

Und ich zog mich heimlich aus in meinem

Zimmer und besah die

Beulen, die der

Frost geschlagen hatte

Und verbrannte meine

Kleidung um der

Wärme willen.

 

 

 

Über mir stand eine

Wolke großer, schwarzer Vögel,

Und die

Tiere flogen schwer und schleppten ihren

Leib weit hinter ihren Flügeln,

Und sie kamen nicht voran

Und ließen sich im

Dämmerlicht auf etwas

Unsichtbarem nieder,

Das war auch am andren

Tag, als alles wieder hell war,

Nicht zu sehen.

 


 

 

Aufschläge 6718 - 6720

 

Wir maßen mit zwei

Stäben, ich mit meinem

Wanderstab die Wege, die ich gehen wollte,

Du mit deinem

Taktstock maßt die

Tongemälde, die du schufst,

Sie standen mir sekundenlang vor Augen,

Du sahst deutlich, dass ich auf sie zuging,

Sagtest auch, man könnte sie nicht näher

Sehen, als so nah, wie sie nun einmal wären,

Und wir fanden beide kein

Ergebnis,

Meine Maße blieben liegen,

Deine lösten sich schon im

Entstehen auf,

Und beide wussten wir nun um das

Maß der wesentlichen Dinge.

 

 

 

Man zeigte mir ein

Hochzeitsbild, das durfte ich behalten,

Und es war sehr ungerecht und war das

Blitzeis, das sich morgens auf die

Straße legte,

Und es würde niemand darauf gehen können,

Und ich schnitt das

Leben dieses Brautpaars,

Seiner Heimatdörfer und das, was die

Gäste sagten, tausendfach entzwei

Und schob die Schnipsel ineinander,

Fügte sie ganz neu zusammen

Und verklebte so den tagelangen

Augenblick, dass man drauf gehen konnte, ohne

Hinzuschlagen.

 

 

 

Später hörte ich, dass man ein

Lexikon erfunden hatte, dass beschrieb für neue

Menschen alle wesentlichen

Dinge, die es jemals gab

Und jemals geben konnte,

Und es war ein dünnes Heftchen,

Das verstanden nur die

Kinder.

 


 

 

Aufschläge 6721 - 6723

 

Die

Quelle meines Lichtes war nicht hell,

Sie war ein

Riesenstein, der stand am

Himmel, war ein fremder, runder Fels,

Der gab nur wieder, was an ihm

Vorbeigefallen wäre,

War ein

Kinderlied, das heute hohl in meinem

Zimmer abgesungen wurde,

Und sein

Motor sprang nicht an, es fehlten ja die

Kinderohren,

Und mein Herz war noch nicht alt genug dafür,

Und zweimal wöchentlich kam ich zu dir ans

Krankenlager,

Und in meiner Tasche steckten immer dieser lange

Kupfernagel und ein Hammer,

Und ich konnt mich jederzeit damit an eine

Holzwand nageln lassen,

Meine Stirn wär völlig machtlos gegen seine

Spitze.

 

 

 

Es gab tatsächlich schwarze

Strahlen, die wir nicht bemerkten,

Und ihr

Licht durcheilte unsre Augen,

Und ich fand die

Ähnlichkeit mit dir heraus

Und konnte dich doch nicht erkennen,

Und ich ging ja innerlich mit einem

Blindenstock,

Der ragte nicht nach draußen.

 

 

 

Manchmal öffnete ich eines andren

Menschen Kopf,

Und dachte, dass ich mich erinnern würde,

Und ich hatte recht und alles fiel mir ein,

Und jener andere erkannte mich nicht wieder,

Und ich intressierte nicht

Und blieb nur ein bewegtes

Leinwandbild,

Das konnte man vergessen und erinnern,

Aber nicht verändern.

 


 

 

Aufschläge 6724 - 6726

 

Es blieb noch so viel

Zeit, dass ich mich ohne

Eile aus dem Zimmer und in

Sicherheit hätt bringen können,

Und ich sah mich um und jede

Einzelheit genau, es war ein

Abschied ohne Wiederholung,

Und vor meinem

Fenster reckte sich der

Kirchturm in den Himmel, andachtsvolle

Hände, die sich aneinander legten und

Versteinert waren,

Und man hatte mich entsetzt verlassen und stand draußen,

Und in meinem

Zimmer brannte noch das Licht,

Ich konnte mich nicht mehr entscheiden,

Und ich winkte auf die

Straße.

 

 

 

Ich klingelte an deiner

Tür, die war schon auf und ließ mich ein,

Und alles schwieg dort drinnen,

Und ein

Fliegentier floh durch den offnen Spalt,

Du lagst verstreut in allen

Räumen,

Und es hätt doch auch ein Dieb…,

Ich stieß auf die totale

Leere überall,

Die ließ sich nicht von ihren

Plätzen stehlen.

 

 

 

Drüben las die

Frau in einem dicken Buch,

Sie blätterte nicht eine

Seite um und las

Und las

Und las

Und blickte auch nicht auf,

Und ich schob meinen

Kopf ganz dicht vor ihre Augen,

Und darin war alles leer,

Ich sah hindurch und einfach gegen eine

Rückwand hinter ihr.

 


 

 

Aufschläge 6727 - 6729

 

Wir erreichten, dass die

Gitter mit ins Weltall flogen,

Und sie zogen später als

Gedankensplitter nur noch in

Erinnerung durch unsre Köpfe,

Und in mir verhakten sich die

Einzelteile,

Und an meinem Himmel wuchs daraus ein

Netz, das wurde immer breiter,

Und ich fragte andere, die sahen auch nach oben,

Und erkannten nichts,

Es habe sich in ihnen aber wie in mir vollzogen,

Und wir standen eng an eng und gaben uns die Hände,

Und wir stützten uns im

Suchblick durch die

Räume über uns.

 

 

 

Vor mir stand ein leeres

Glas, das hatte einen Deckel,

Und ich sollte die

Entwicklung ganz genau beobachten,

Und nichts geschah darin,

Und meine

Theorie begründete sich nicht aufs

Wachstum, das wir doch nicht sehen konnten,

Sondern darauf, dass das

Licht und wirkliches Geschehen ohne

Rücksicht auf die Glaswand

Außerhalb entstand und mich sogar mit einschloss,

Und ich untersuchte gleich den

Boden unter meinen Füßen.

 

 

 

Man bat mich um die

Unterschrift, die wollt ich gerne geben,

Und man reichte mir

Papier, das war noch völlig leer,

Und grundlos wollte ich nicht meinen

Namen schreiben,

Und man sagte, ich sei dumm,

Und diesmal würde man sich freundlich zeigen,

Und man gab mir eine kilometerlange weiße

Wand, dort wäre sicher

Grund genug zu finden,

Und ich hätte viel, viel

Zeit.

 


 

 

Aufschläge 6730 - 6732

 

Briefe, die ich dir im

Leiden schrieb, enthielten selbst das

Leiden,

Und wie hätte ich dir helfen können,

Ohne auch zu leiden,

Ja, ich bin dir

Brief um Brief,

Und du sollst fleißig in mir lesen

Und beginnst im

Kopf, dort steht die

Überschrift, die gilt nur dir

Und will dich sehr willkommen heißen,

Und ich schieb dein

Stirnhaar rasch beiseite,

Es ist nass vom Schnee,

Es ist nur eine Geste, nur die kurze

Landung des Gefühls für dich,

Du greifst nach meiner

Hand und willst sie küssen,

Doch die steigt schon wieder auf

Und lässt das

Gletscherbrett zurück, die

Spur schmilzt gleich dahinter.

 

 

 

Im

Treppenhaus stehst du vor mir

Und schaust zurück, auf mich herab,

Ich blick nach oben,

Und von deiner

Stirn ergießt sich die

Lawine, die beginnt zu stürzen,

Und sie reißt auch dein

Gesicht herab, das fällt auf mich

Und schlägt sich blutig an dem

Mund, der will dich fangen,

Und ganz warm wird das

Ersticken.

 

 

 

Hinter mir tut sich das

Tieftal auf, es reizt hinein zu springen,

Und die Kleider reiß ich mir vom Leib,

Und vieles bleibt dran hängen,

Und ich werfe sie, so weit es geht hinaus,

Sie segeln langsam nieder in den

Treppenschacht und halten sich nicht auf in den

Etagen,

Und sie schlagen an und fallen wieder weiter,

Und sie sehen nicht zurück,

Und unten breiten sie sich mir zum

Sprungtuch aus,

Das wird nicht stramm gehalten,

Und es ruft nach oben.

 


 

 

Aufschläge 6733 - 6735

 

Überall stieß man auf die zertretenen

Gedanken, ausgestreut als

Granulat auf glatte Wege,

Und ich dachte mir, dass sich die

Eiszeit ganz unmerklich

Und ganz regelmäßig wiederholte,

Und dies sei ein Anfang,

Und im Eismeer schleppte man schon jahrelang

Die schwimmenden

Gebirge, zog sie aus der

Kollisionsfahrt, die sie auf die

Inseln machten,

Und im Weltall schob man schwere,

Die im Querkurs lagen, auch beiseite,

Stieß sie einfach an und ließ sie trudeln,

Und man kümmerte sich nicht um ihre neue

Bahn.

 

 

 

Wenn ich weinte, weinte ich nach innen,

Und die

Tränen standen mir im Auge,

Und es hätt ja einen wahren

Grund für meine Trauer geben können,

Und es sprangen mir die

Seufzer in den Mund,

Von dort ließ ich sie frei,

Sie stießen mit dem

Abgasfeuer über meinen

Rücken,

Und ich spürte einen angenehmen

Schauer.

 

 

 

Sonst war alles blank an mir,

Ich hielt auch die

Metalle, die mich schützten,

Immer sauber,

Und ich duldete auf meiner

Oberfläche keine

Fehler, das war leicht,

Sie konnten einfach nicht geschehen,

Und ich war mir mit den andren einig,

Und wir waren alle ehrlich.

 


 

 

Aufschläge 6736 - 6738

 

Nein, ich will dich nicht belasten,

Und ich lüge nicht

Und stelle alles neben dich

Und sage nichts

Und preise dir nichts an

Und wische mir, schweißnass, die

Hände in der Schürze ab

Und warte auf ein

Wort, dass du mir sprechen könntest,

Und du sprichst es nicht,

Und ich sprech nicht,

Und schwer belastet dich mein

Schweigen,

Und es steht noch immer alles unberührt

An deiner Seite,

Und du denkst die ganze

Zeit wohl nur an dich, an das

Was du gern sagen würdest,

Und du kannst es nicht,

Zu sehr hast du zu schaffen mit der

Kopflast,

Und ich sehe dich so balancieren,

Und ich helfe nicht.

 

 

 

Im

Nebenzimmer fährt die

Zeituhr in die Wand,

Sie bleibt dort stecken und verläuft sich nicht

Und steht nun still,

Und unter ihr hält sich dein

Weib ganz nah an ihren Leib die andre

Frau, die liebt es sehr,

Es hat ihr viel zu bieten,

Täglich legt es dir die neu gewonnene

Liebe in das

Krankenlager,

Und es ist ein falsches

Weib, das sich im Dunkeln unter deine

Decke schiebt,

Es kommt dir sehr entgegen in der

Dunkelheit.

 

 

 

Ich kann das alles nicht ertragen,

Und die

Doppelsterne werden nicht zu meinen

Zeiten ineinander stürzen,

Und die grüne

Sitzbank auf dem

Bahnhof hinkt

Und bietet sich als

Krüppel an,

Ihr fehlen auf den

Sitzen und im Rücken je zwei

Bretter.

 


 

 

Aufschläge 6739 - 6741

 

In meiner

Straße nagelte ein

Mann den waagerechten Maßstab an die

Hauswand,

Und ich ging daran vorbei

Und wusste nicht ob ich den

Maßstab messen sollte oder

Ob er mich vermaß

Und sah mich heimlich um nach diesem Mann,

Der war ein Straßenfeger,

Und er wusste nicht

Bescheid und fragte auch, ob er mir helfen könnte,

Und er mache hier nur seine Arbeit,

Und ich würde sicher schon in eins zwei

Tagen nicht mehr fragen, die

Vermessung wäre dann vorbei.

 

 

 

Morgens wollte ich von meinem

Baum hinunter steigen,

Und es lag noch

Frost in allen Ästen,

Meine Federn knarrten unerwartet,

Und es war unmöglich so zu fliegen,

Und ich war besorgt um mich,

Es mochte sein, dass sich der

Baum, wenn er erwachte, schüttelte,

Und noch war nicht die

Zeit des Gärtners angebrochen,

Der stand unbeweglich unter mir,

Und sicher würde er zuerst das

Totholz schneiden wollen,

Das war noch nicht zu erkennen.

 

 

 

Drüben sah ich eine

Morgenröte,

Die stand einfach auf und wurde größer, heller

Und verlor die Farbe,

Sie war schon vorhanden hinter einem

Schwarzband, als die

Nacht noch vor mir lag,

Und immer würde sie der

Innenpelz des Mantels sein

Und nur am Kragen sichtbar sein.

 


 

 

Aufschläge 6742 - 6744

 

Es war wohl, dass du mich nicht sahst,

Ich grüßte dich umsonst,

Wir standen an den

Enden einer Linie des Visiers,

Der Wind hob deine langen

Haare weit nach vorn

Und trug sie über deine Schultern,

Und die

Hände strecktest du in bittender,

Vielleicht auch flehender

Gebärde in den

Luftspalt, der war unsichtbar für mich,

Und sonst war alles leer auf unsrer

Straße, die war endlos,

Und sie mündete im

Kleinerwerden als ein

Bildrand, der versehentlich entstanden war,

Und du, du hattest einen

Stehplatz eingenommen,

Der war unbestritten.

 

 

 

Irgendjemand sang das

Nebellied und sprach vom grauen

Stein, der sich im

Dunst versteckt hielt, dessen

Buckel weit bis in die

Wolken reichte,

Und ich war ganz sicher,

Dass es lange dauern würde,

Dort heraus zu finden,

Und dein Lied war selbst die

Suche und war selbst der

Nebel,

Und der

Ausgang, der lag so vor mir.

 

 

 

Man sprengte in der

Heide einen hohen

Turm,

Der stand dort sinnlos und umsonst,

Und niemals war ein

Mensch an ihm hinaufgestiegen,

Und ich sägte mir die abgestürzte

Spitze ab und nahm sie mit

Und sah ihr lange ins

Gesicht,

Sie würde sicher mit mir sprechen

Und mich nach der

Aussicht fragen wollen.

 


 

 

Aufschläge 6745 - 6747

 

Die

Hungerterroristen aßen wieder,

Und die

Welt war immer noch voll Hunger,

Und man sandte

Kommissionen, die den

Sinn des Terrorismus untersuchen sollten,

Der lag sonst auf jeder

Straße,

Und man ging um ihn herum

Und glaubte nicht an seine

Wahrheit,

Und man fand auch einen

Keim, der war mit ihrem

Essen eingenommen worden,

Er war schwer herauszufinden,

Und die

Terroristen mussten ohne

Essen ihren Terror fristen,

Und sie starben bald.

 

 

 

Unsre

Fenster lagen auch zur

Straßenseite,

Und sie barsten plötzlich unter einem starken

Luftdruck,

Der entstand aus einer Explosion,

Und niemand wusste etwas,

Konnte etwas sagen,

Und mit meinen

Augen hielt ich die zerrissnen

Scheiben fest,

Sie blieben mit den Scherben, die sich grade lösten,

So im Raum gebannt und stehen,

Und es flog nichts mehr herum,

Und eigenartig war es nun für uns zu leben

Unter explodierten Fensterscheiben,

Die man explodieren sah,

Es kamen viele, sich den eingefrornen

Zustand einzuprägen.

 

 

 

Täglich war ja dreimal

Menschenleid geschehen,

Das sich schlimm ausnahm,

Ich fand auch einen langen

Riss, der über meine Seite lief,

Ich würde bis zum Sommer warten

Und ihn dann erst reparieren lassen,

Und ich hatte wirklich keine

Zeit mehr für dich übrig,

Und ich gab dir meine ganze

Zeit,

Du sagtest auch,

Ich stünde dauernd neben mir

Und sei zu dir ganz anders, als die anderen,

Und rühre an den Sprung,

Der zöge sich durch dich

Und sei von einer

Sprengung.

 


 

 

Aufschläge 6748 - 6750

 

So kann es sein, dass man sich selbst ins

Auge sieht,

Und zwischen mir und meinen

Augen ist ein dünner

Draht gespannt,

Und rührte ich an ihn, gäb er die

Blindenmelodie, die sagt:

„Macht Platz dem, der sich selber sieht,“

Und die ein Standpunkt ist, vielleicht der

Ausgangspunkt, um den ich mich so lange

Mit dir stritt, indem ich deine

Wahrheit nach Konkretem fragte,

Und ich zupf Zuhause mit dem

Finger einmal nur an der Verbindung,

Und die Resonanz zerreißt mich fast,

Es springt der

Faden aus der Schiene, schnellt zurück

Und schlägt mir Striemen ins

Gesicht

Und tätowiert mich dunkelrot.

 

 

 

Du zogst daraus den

Schluss, dass alles richtig wär, weil es sich ineinander

Fügte und vergaßt, wie käuflich eine

Liebe war,

Die passte in den Schoß,

Und sie verlangte nichts,

Und ich war ohne jede

Absicht und mir selbst genug

Und zwang dich nicht

Und gab auch keine

Antwort,

Und du weintest, ohne dass dich dein

Gesicht verriet.

 

 

 

In den Pausen lernte ich ein

Fingerspiel mit einem

Faden, der aus jedem

Knoten immer wieder völlig glatt heraus fiel,

Und ich dachte an das

Seil, das lange schon am

Fensterkreuz befestigt war und in die

Stube hing, und sah die

Schlaufe an dem Ende,

Die blieb lange ungelöst.

 


 

 

Aufschläge 6751 - 6753

 

Ich schlief im

Freien,

Und ein weit entfernter

Lichtpunkt, der noch hinter

Sternen stand, warf einen scharfen, weißen

Kegel auf mein Lager, hüllte mich in seine

Decke, die war maßlos dünn,

Ich fror und sah dem Unschlaf in die

Folterkammer, die stand offen,

Und ich dachte mich ins

Auge der Beleuchtung, so weit draußen, hinter meinem

Himmel, unter schwarzem

Samt voll weißer Löcher,

Sonst geschah mir nichts,

Und auf dem

Nachbarlager wälzte sich ein

Nebenmensch,

Und der vergnügte sich in der Verdauung,

Hielt die

Hände auf die strammen

Magenwände.

 

 

 

Niemand zwang dich zu

Konkretem,

Und man ließ dir deine

Wahrheit, mochten es auch zwei,

Vielleicht auch drei sein,

Und du fragtest mich und sahst,

Dass ich in meiner linken

Hand den grünen Leuchtstein trug,

Den hatte ich schon immer,

Und er sprach zu mir

Und war konkret

Und selbstverständlich.

 

 

 

Meine

Suche endete dann vor dem

Tor, das war geöffnet,

Und ich ging nicht mehr hinein,

Dahinter fand ich stets das

Ende meiner Spur

Und weiter ging es nicht,

Ich dachte auch, der

Mensch an meiner Seite wäre von

Geburt an Mensch,

Das stimmte aber nicht,

Er war erschüttert über meine Herkunft.

 


 

 

Aufschläge 6754 - 6756

 

Ich hätte dich nicht wiedersehen sollen,

Viel zu deutlich suchtest du mich in der

Menge,

Und ich stand dir ins

Gesicht geschrieben, das war blass und fahl,

Es hatte nur sekundenlang die

Anflugröte Herzenskranker, wenn du mich entdecktest,

Und ich kam dann doch

Und sah sofort die kleine

Möwe, mehr ein Spielzeug,

Die hing über dir im Seil,

Und das trug dich in einer flachen

Schale etwas über meiner Erde,

Und du beugtest dich herab bis an den

Rand und sprachst mir in das

Ohr,

Und du erflehtest deinen

Tod wie jener kleine weiße

Vogel, den erschoss ein

Jäger einst aus Langeweile,

Und ein

Lehrer ließ ihn präparieren.

 

 

 

Wir lehnten uns an junge

Birkenstämme,

Und der

Boden war sehr feucht und weich,

Und unser

Rückhalt gab ein wenig nach,

Ich wusste, dass die

Augen in die Kronen zeigten,

Die begannen sich zu drehen,

Und im

Gleichtakt sprangen sie leicht übers

Springseil steiler Sonnenstrahlen,

Alles das schlug mir so heftig ins

Gesicht,

Ich ließ mich gerne von dir quälen,

Und du rührtest keine

Hand, um mich zu streicheln,

Und wir rührten uns nicht an.

 

 

 

Ich wollte meine

Freiheit, aber ohne dich,

Und ich verzeichnete auf meiner

Mantelinnenseite jeden

Augenblick, den wir uns vorenthielten,

Und wir sagten einfach, später in der Freiheit,

Stünde dem nichts mehr entgegen,

Dass das Glück doch keine

Wurzeln habe.

 


 

 

Aufschläge 6757 - 6759

 

Es fing an einer unscheinbaren

Stelle an, das

Frühjahr war noch weit entfernt

Und schwer entflammbar,

Und ich sträubte mich ein wenig, dir in deiner

Krankheit zu begegnen,

Ich bemerkte alles nur durch einen

Zufall,

Und so ist es wenn die eigne

Haut taut, schmilzt,

Und wenn sich erstmals

Risse unter glatter

Oberfläche zeigen,

Und du sagtest auch zu mir:

„Geh hin, wenn dich die andre

Seite ruft

Und winke nicht nach drüben,“

Und ich reichte dir die

Worte, aufgeschrieben, an dein

Krankenlager, dass du sie erst nach mir lesen solltest,

Und der Tag würd’ dadurch doppelt kurz,

Auch würden deine

Fragen ohne Antwort bleiben.

 

 

 

Meine

Kunst blieb euch ganz fremd,

Es war auch so, dass ich sie liebte

Und zugleich für mich behielt,

Und sie war jung genug, mich ohne

Rückblick zu betrügen,

Und mein Zimmer war zu klein für mich und sie,

Und trotzdem schuf ich sie noch schöner,

Noch vollkommener,

Und fraß in meiner

Not den abgeschabten Mauerstein,

Der ließ mich überleben,

Und die Farben, die ich wählte,

Stammten wirklich nur von mir.

 

 

 

Ich streckte meine

Hand, soweit ich konnte, aus, den

Himmel aufzureißen,

Und die

Wolkenfelder schob ich fort vom Blau,

Und immer wieder schnitten diese

Kopfmaschinen ihre weißen

Streifen ein,

Es dauerte mir viel zu lang, bis sie

Vernarbten.

 


 

 

Aufschläge 6760 - 6762

 

Meine

Wahrheit war ganz anders als die

Wahrheit, und ich litt darunter,

Und ich floh in die

Gelassenheit und kleidete mich gelb

Und gab mich willenlos

Und achtete darauf,

Mich überhaupt nicht hinzugeben,

Und in meinem

Zimmer stand die Nachtlaterne von der

Straße,

Und die zündete sich automatisch an

Und brannte bis zum frühen Morgen,

Und sie blieb mir fremd in ihrem

Eigensinn, den konnte ich selbst so in meinen

Händen gar nicht lenken.

 

 

 

Aus dem

Tagebuch las man mir vor,

Ich sprach zu mir und achtete auf jedes

Wort und ging mit mir an meiner

Hand und mit dem

Schlüssel auf den Lippen an den

Stahlschrank,

Darin hatte ich in meiner Jugend einen

Urwald eingeschlossen,

Und wir gingen nun gemeinsam um die

Schwarzen, glatten Stämme,

Und sie waren unverändert,

Und mit unsren

Füßen stießen wir ins Laubwerk,

Daher kamen die Geräusche,

Und wir mussten über große

Kissen steigen.

 

 

 

Ich sah mich häufig um, der

Flur war lang und viele

Türen gingen von ihm ab,

Sie waren nicht zu öffnen,

Und am Ende traf ich auf die

Freiheit,

Die ließ mich nicht frei,

An dieser

Stelle schlug das Meer direkt an blanke

Klippen.

 


 

 

Aufschläge 6763 - 6765

 

Meine

Sorge wuchs,

Ich formte einen

Stahldraht in die dritte Dimension,

Er wurde immer weicher,

Und er würde brechen,

Und ich sah auf ihn, bewegte ihn nicht mehr,

Ein Drahtbruch brächte mich zurück in eine ebne

Fläche,

Und ich sah mich um, es hatte keinen Sinn,

Es fiel mir schwer, das

Wohnhaus so verkommen zu verlassen,

Irgendjemand würde doch versehentlich,

Vielleicht ganz automatisch,

Nach mir greifen,

Und ich würde auseinanderfallen,

Und von außen war nichts zu bemerken,

Und ich blieb so still ich konnte,

Rührte mich nicht von der Stelle,

Und ich fror den mürben

Zustand ein.

 

 

 

Ungerecht war auch, dass sich die

Federdrähte überhaupt nicht biegen ließen,

Und in meiner

Hand zog ich die Spule auf,

Die spannte sich mit

Kraftgewalt nach außen,

Und ich warnte mich, die

Hand würd explodieren.

 

 

 

Bei einem

Unfall schnellte einem

Mann ein Baustahl in die Stirn

Und trat aus seinem

Hinterkopf heraus,

Man konnte diesen Mann auf wunderbare

Weise ohne jeden Umstand retten,

Und man zog den

Draht aus seiner Wunde,

Und es blieb kein Schaden,

Und ich streich noch immer mit den

Fingerspitzen über meine

Stirn und taste langsam bis nach hinten

Über meinen Schädel.

 


 

 

Aufschläge 6766 - 6768

 

Dort, wo einer ist,

Sind zwei, erzählte uns ein altes

Märchen, das ich nicht verstand, die

Kinder lauschten aufmerksam

Und fanden sich zurecht und neben sich den

Anderen,

Und ich stand auf, ging fort,

Und draußen rief ich leise nach dem

Zweiten, der blieb still,

Ich warf den

Stein in einen See, nur um ein einziges

Geräusch zu haben, das entstand,

Und einen zweiten warf ich in den

Himmel, der schlug dort nicht auf

Und blieb verschwunden,

Und vor unsrer

Erde stand wohl niemand, der uns kannte,

Und wir standen alle fest im Raum

Ich stieß so an ein

Gitter, das mich von mir trennte.