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Erster Tag
Frau U., die Lehrerin
Steht auch am Zaun,
Und die Gespräche gehen durcheinander,
Sie berichtet aus der Zeit,
Das ist die Zeit, von der wird hier berichtet,
Als die tausend Jahre
Sich schon zu dem Ende neigten,
Und das tiefe Schwarz
Der Winzigpunkte schwarzer Hemden,
Die einst ineinander liefen,
Sich im Raster wieder aufzulösen schienen,
"Damals," sagt sie, "hatte ich die Wahl
Und hatte keine Wahl
Und hatte längst gewählt
Und war ein junges Mädchen,
Das versteckte seine Reize ordentlich,
Und meine Wahl galt nicht,
Und eine andre Wahl in meinem Herzen
Durfte ich nicht einmal mit dem Mund berühren.
Ich war noch im Studium,
|
Da fragte mich ein Schwarzhemd mit dem Rutenbündel,
Und es war sehr freundlich,
Und es war ein Mann.
Ich hatte oft von dem Versteck
In seinem Arm gehört
Und wählte aus der Wahl, die er mir gab:
Die war das Kettenwerk der Munitionsfabrik
Am Bahnhof Ochsenzoll,
Um Kriegseinsatz zu leisten,
Und ich brauchte so nicht in den Krieg,
Und andrerseits als Schaffnerin
Auf einer Straßenbahn,
Die hatte keinen Bunker,
Und ich würde meine Angst spazieren fahren.
Und ich ging mit anderen in die Fabrik,
Dort hatte man die Angst vor uns,
Weil wir noch gar nichts wussten,
Und man lehrte uns
Die Hände zu gebrauchen,
Und das, was wir selber hätten lehren können,
|
Zu vergessen,
Und wir lernten schnell
Und produzierten endlich
Hülsen für Granaten."
Andrerseits vom Zaun
Erinnert sich die Jugend nicht.
Sie wurde nie getötet,
Nie befreit,
Sie wurde nie beraubt,
Beplündert mit Gesetz und Ordnung,
Und man wird noch viel, viel schreiben müssen,
Um am Ende nichts zu schreiben,
Weil man's dann versteht
Und endlich kennenlernt
Und das Erkennen lernt.
Frau U. berichtet später über diese Angelegenheit,
Die sie betraf,
Noch ganz ausführlich,
Und es ist nicht nur die Angelegenheit,
Die sie betraf.
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Sie leben in Ansorge
Und in
einem Garten,
Der erlaubt
nur junge Menschen.
Die vermissen
sich,
Weil sie
sich ohne Sorge
Niemals
umeinander sorgen können,
Und ihr
Heim liegt mitten in der grünen Landschaft,
Die ist gar
nicht grün für sie,
Weil sie
das tote Grau des Grauens
Gar nicht
kennen,
Und sie
leben in dem Alstertal
Und gehen
an den Gartenzaun
Und horchen
auf die Steine
Und auf die
Gespräche dieser Steine,
Die
befinden sich noch
In dem
ersten Echo,
Sind noch
nicht so alt,
Man kann sie
gut vernehmen,
Und sie
schreiben alles in der Eile auf,
Die kommt
nun fast zu spät
Und rettet
doch noch alles,
Was sich
schon auf das Vergessenwerden vorbereitete.
Die Hast
von damals taucht vor ihnen auf,
Und wo sie
stehen,
Stand zuvor
ein Lager,
Das war
aufgestanden
Und
zerfallen bis auf einen Rest
Und einen
Stein, der wurd' behauen
Und ist
nass von immer neuen Tränen,
Und er ist
so grau,
Dass man das
Grün um ihn herum erkennen kann.
Das alles
steht am Zaun von Sasel,
Darin liegt
das Alstertal,
Das ist
nichts weiter als Geschichte,
Die man vor
dem Untergang
Noch
schnell befragt,
Und soviel weiß man noch genau,
Das Grau,
von dem sie sprachen,
Wird sich
schrecklich
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Mit dem Rot
vermischen,
Dass man
auf das Grün,
Um
dessentwillen man mit Steinen spricht,
Wird kaum
noch hoffen können.
Die, die
leben
Und die
überlebten
Werden an
den Zaun gerufen und befragt.
Sie geben
gleich als erstes
Eine
Totenliste ab,
Die haben
sie in Bergstedt
Unter einem
Stein gefunden,
Und sie
wird lebendig
Ohne einen Gruß
zu übermitteln.
Keiner kann
sich dem Bericht entziehen,
Keiner der
dort spricht
Vermag mit
seinem wahren Namen
Wahre Namen
aufzusagen,
Und man
kürzt sie alle ab.
Es spricht
Frau I., Herr X., Frau H.,
Und Bilder
die man machen möchte,
Werden
nicht belichtet,
Das ist
schrecklich wahr,
Weil eine
wahre Sonne ihnen,
Nach nun
fünfzig Jahren
Der Geburt
der Schwarzhelmtyrannei,
Noch nicht
zu scheinen scheint.
Von keiner
Seite wirft man einen Stein,
Es steht ja
auch der Zaun dazwischen,
Und die
einen sind zu jung,
Die anderen
vielleicht zu müde,
Und das
Steine werfen, sieht man ein,
Trifft ausnahmslos
die Falschen,
Und sich
selbst bewirft man nicht,
Und Spiegel
stellte keiner auf.
Die jungen
Leute haben eine Amtsperson,
Die
übersetzt die Steingespräche,
Das ist aus
Liszkowski in die Gegenwart.
Und sie diktiert
aus den Gesprächen
Von dem
Tage der Geburt,
Die war vor
fünfzig Jahren.
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Die Geburt
war eine Sonnenfinsternis,
Die fing
mit einer Sonnwendfeier an
Und ließ
die Feuerräder von den Bergen laufen.
Damals
staunten viele über diese Wende.
Wenige von
ihnen waren später
Noch als
Zeugen zu befragen
Wie Herr
X., Frau I., Frau H.
Die gaben auch
nur von dem Ende
Den
Bericht.
Vor fünfzig
Jahren hatten die,
Die in der
Krippe lagen,
Sich als
Wunder der Natur allein gezeugt,
Allein aus
sich heraus geboren,
Sich allein
genährt,
Dann in der
Folge rascher Dieberei
Die Brüste
junger Mütter andrer Kinder
Ausgetrunken
und sie, wenn sie schrien,
Gezwungen
sie zu säugen,
Bis zu
deren Tod,
Und tranken
auch die Muttermilch,
Wenn sie
nicht mehr zu trinken war.
Sie wählten
sich alleine aus
Und hatten
sich ein Zeichen ausgewählt,
Das war die
Axt,
Die trugen
sie versteckt im Rutenbündel,
Das
entdeckten die, die auf sie trafen,
Viel zu
spät.
Die anderen
entdeckten nichts
Und sahen
nicht in das Versteck.
Die
Ausgewählten kamen schon bekleidet auf die Welt
Und trugen
unter ihrer Haut
Die
schwarzen Hemden,
Als ein
Fruchtbarkeitssymbol,
Das legten
sie nie ab,
Das war ein
Panzer, der das Überleben
Garantieren
sollte,
Und der die
Verbreitung sicherte,
Und ihren
Fortbestand.
Den planten
sie sofort
Auf über
tausend Jahre.
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Am Zaun kommt man nicht weiter,
Und man fragt
nun in die Steine.
Steine kann
man nicht befragen,
Und man
muss auf die Gespräche lauschen,
Die sie
miteinander führen,
Und für
Steine, die hier liegen,
Gibt es
neben ihren Urgesprächen,
Auch die
frischen Narben.
Für den
Stein sind tausend Jahre gar nichts,
Und sie
lachten,
Als sie von
den schwarzen Hemden hörten,
Die an
tausend Jahre dachten.
Aus den Steinen
nimmt die Jugend den Bericht,
Den muss
sie von den Urgesprächen trennen
Und dann
übersetzen lassen,
Und er wird
verlesen:
"Wir,
die Steine, lagen nahe beieinander,
Und wir
lagen an dem Türeingang der Villa,
Und wir
hörten alles.
In der
Villa lebten neben den Bewachern
Auch die
schwarzen Hemden,
Die mit
eignen Schwarzhemdfrauen schliefen.
Über den
Bewachern wohnten ihre Wachen
Und drei
Könige, Herr P., Herr T., Herr T.,
Und täglich
zogen sie zu den Baracken
Hinter
einem Stacheldraht,
Ein
Aufenthalt für fünf Mal hundert Frauen,
Um sich
abzulösen.
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Und die
Insassinnen dort
Belebten,
nicht bewohnten,
Und bestarben sechs Baracken.
Einmal lag
auf einem Stein, auf uns,
Ein
Schwarzpapier,
Das kam von
dem Kommando Neuengamme,
Und die
Insassinnen, hätten Heime zu errichten,
Heime für
die Not,
Die
breitete sich aus,
Und Arbeit
in der Ziegelei zu machen
Und die
Trümmer zu beseitigen;
Sie selbst,
so schrieb man,
Seien in
dem Falle ihres Todes zu beseitigen,
Und die
Bevölkerung,
Die lebte
gar nicht weit entfernt,
Sei streng
von ihnen abzuschnüren,
Und man
drohte ihr und ihnen
Harte
Strafen an.
„Das
Lager“, wussten diese Steine zu berichten,
"Nahm im
späten Sommer, erstmals im August des Jahres '44,
Und es war
der letzte
Dieses Tausendjahrereiches,
Seine
Menschen auf
Und war
kein Arbeitslager,
Und im
Wonnemonat Mai darauf,
Der konnte
keinem mehr
Ein Wonnemonat
sein
Und wurde
doch zur Wonne dieser Tage,
|
Wieder
abgerissen
Und dem
Boden gleichgemacht.
In dieser
Zeit errichteten die Insassinnen
Überall in Sasel kleine Plattenhäuser,
Davon steht
noch eins."
Die Steine
sprechen noch von einem Lageplan,
Den hätte
man gezeichnet,
Und man
fand ihn in den Protokollen,
Wo er
durchgestrichen war.
Die
Totenliste gab es nirgends in den Protokollen,
Und sie
hatte fünfunddreißig Namen,
Und die
Steine wissen nichts davon
Und
sprechen sich nicht weiter aus.
Es gilt
sich zu erinnern,
Ohne sich
noch zu erinnern,
Und die
Jugend weiß nicht,
Dass man
das Vergessen wollen kann.
Man weiß
nun von dem Lager,
Darin
lagerte man Menschen in Baracken,
Und das Ende
dieses Krieges stand bevor,
Das wusste
keiner,
Und die
meisten hofften es,
Und die in
schwarzen Hemden
Fürchteten
den Tag.
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Frau B. erzählt,
Und sie
berichtet viel.
Die Jugend
fragt in ihr Gewissen
Und sie spricht
von ihrem Wissen
Und, was
sie von allem wusste
Und was die
Bevölkerung gewusst,
Gesagt,
getan hat.
Sie kennt
sich noch gut in Einzelheiten aus
Und meint
die Einzelheiten nicht,
Sie meint
die Glieder einer schlimmen Kette.
Damals
hatten sie dort draußen
Auf den
Feldern Licht entdeckt,
Das war verboten
Und war
hier erlaubt.
Man sprach
davon mit vorgehaltner Hand.
Am Tage mussten
Frauen, die von dorther kamen,
|
"Plattenbüttel"
bauen,
Das war
eine Unterkunft für Menschen,
Die nicht
unterkamen.
Diese
Frauen durften nicht dahin.
Ihr Mann,
erzählt Frau B.,
Trug früher
die Geschehen
Auf dem
Friedhof Bergstedt's
In ein Grabbuch ein,
Nun spielte
er nur noch die Orgel,
Und er fand
ein langes großes Grab,
Das war
frisch ausgehoben
Und mit
Stroh gefüllt,
Darinnen lagen nackte Frauenleichen,
Und er
wusste ihre Anzahl nicht,
Sie waren
nur noch Haut und Knochen,
Und die
Köpfe waren kahl geschoren,
Und das
Grab lag an der Friedhofswand,
Das war die
Wand zum Gasthof:
"Zu
der Linde".
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Und er
dachte,
Was bleibt einem
Menschen,
Wenn man
ihm die Haare raubt.
Man sprach
nun wieder in die Hand,
Dass davon
eine wie die andren Jüdin wär',
Die wurden
selbst der Ruhe
In dem Grab
beraubt
Und später
nächtlich wieder
Ausgegraben.
Für die
Ruhelosen gab es keine Ruhe,
Und man
hatte sie in einen Tod gejagt
Und jagte
sie noch nach dem Tod
In einen
neuen Tod
Und wieder
aus dem Grab.
Man konnte
ihren Weg nicht mehr
Verfolgen.
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Ganz benommen steht die Jugend,
Und sie
will es ja mit ihren Ohren hören,
Und Frau E.
fällt hier ins Wort-,
Sie weiß
noch mehr.
Das Lager
hatte unweit ihrer Gartengrenze
Seine
Grenzen aufgepflockt,
Die Frauen
waren aus Rumänien
Und aus
Frankreich
Und sie
waren strafgefangen,
Und sie hatte
Äpfel in den Korb gelegt,
Dann in den
Weg,
Und Brot im
Busch versteckt.
Man hatte
wenig heimlich mitgenommen,
Und
nachher,
Als man die
schwarzen Hemden
|
Auf der
Leine sah
Und sich
die Freude noch nicht traute,
Waren
sieben von den Frauen
In ihr Haus
gekommen,
Um sich zu
bedanken,
Und sie gab
danach noch Kleider ab,
Die waren
weder schwarz, noch rot, noch braun,
Nur eines
hatte sie für sich behalten,
Und es
sprach sie eine an,
Die sprach
die Sprache,
Und sie hatte
noch im Munde goldne Zähne,
Und sie sei
Französin,
Und sie
hätte in Paris,
In ihrer
Heimat, ein Geschäft gehabt
Und schwor
nun tausend Eide,
|
Ihr die
Dankbarkeit zu zeigen,
Und sie
hatte Wort gehalten
Und ihr
später Seife und Parfum gesandt,
Und alle
Welt bestand auf
Reinigung
des Leibes
Und des
Leibes
Und des
Leibes.
Sie
erzählte von vier Wagen,
Die mit
Frauen aus dem Lager fuhren
Und es
hätte sie ein Polizist des Ortes aufgehalten,
Und er
hätt' sie fliehen lassen,
Und man
wusste schon nicht mehr,
Wer wen
bald fliehen lassen würde,
Wer bald zu
den Fliehenden gehören wurde.
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Von Frau K., die mischt sich ein,
Erfahren
nun die Jugendlichen,
Dass ihr
Mann noch in den letzten Tagen
Aus der
Stadt, die brannte,
Frauen bis
nach Sasel fuhr, es waren vielleicht neun,
Dort traf
er auf ein Schwarzhemd,
Das schlug
auf ihn ein
Und ließ
ihn schließlich doch vorbei,
Vielleicht,
weil er das Feuer sah,
Das bis
hierher die Zunge streckte,
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Und die
Frauen hielt Frau K.
Auf ihrem
Boden ohne Decken,
Nur mit
Kohl und Mehl am Leben,
Bis sie
weiter flohen.
Später
konnte sie mit ihrem Mann
Das Lager
selbst besichtigen, das stand nun leer
Und war nur
eine Kette schmaler, tiefer Einzelzellen
Ohne Licht,
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Zwei Meter
lang und aus Beton gestellt,
Man sagte,
in der Zelle
Habe es die
Decke und den Aborteimer geben dürfen,
Und ein
Arzt, Herr Y.
Der einer
Frau in schwerer Stunde hatte helfen sollen,
Sprach von
unglaublichen Dingen,
Und er
schwieg danach davon,
Bis in sein
Grab.
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Voller Angst und Sorge war Frau I.,
Und sie sah
jeden Morgen einen Zug
Von zwei
Mal hundert Frauen,
Der kam ihr
entgegen,
Denen hätte
sie ihr Frühstück
Gerne in
die Reihen fallen lassen,
Und sie
hatte es sich nicht getraut,
Und von den
Frauen hätte keine es gewagt,
|
Sich nach
dem Brot zu bücken.
Links und
rechts und überall
War Schwarzhemd's Gegenwart mit Rutenbüschel.
Sie meint,
Wenig hätte
sie gewusst,
Doch von
den anderen,
|
Die näher
in der Nähe, wie die Schreber
In den
Schrebergärten wohnten,
Wüsste sie,
das die wohl alles wussten,
Und die
wohnten
Tür an Tür
mit denen.
Doch die
konnte man nun nicht mehr fragen,
Alle waren
längst, längst tot.
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Herr N. erinnert sich genau,
Weil er zu
der Zeit jung
Und in
Begeisterung die Zeit erlebte,
Und er war
ein Hitlerjunge,
Der war
überall und nirgends
Und
gehorchte auf das Wort,
Wenn man' s
ihm sagte.
Heute lehnt
er an dem Zaun
Und weiß
auch, wo das Lager damals lag,
Das war
ganz in der Nähe einer Stellung
Mit Kanonen
gegen Luftkommandos
An dem
Feldblumenweg,
Und er
meinte,
Dass es ein
Jahr älter wäre
Als die
Steine sagten,
Die
verstanden von so kleinen Zahlen nichts.
Das
Arbeitslager sei ein Schutz der Flak gewesen,
Nachts
stand es im Licht.
Herr N.
weiß auch
Von fünf
Mal hundert Frauen
Und dass
viele krank gewesen seien,
Und er habe
sie gesehen,
Wie man
Menschen sieht
Und nicht,
wie sich ein junger Mann
Die Frau
ansieht.
Sie waren
Haut und Knochen,
Und sie
trugen Holzpantinen an den Füßen,
Blau- und
weißgestreifte Kleidung,
Und darauf
stand eine lange schwarze Nummer.
Er hat sie
gesehen, als sie völlig ausgemergelt
In der
Waschbaracke standen,
Und er hat
die lauten schrillen Schreie
|
Noch im
Ohr.
Man duschte
sie mit eisig kaltem Wasser ab.
Er hatte
durch das eine Fenster
Auf die
Frauen schauen können,
Und sie
hätten wegen dieser vielen nackten Knochen
Aneinander
schlagen müssen.
Und ein
Wachmann war gekommen,
Um ihn zu
vertreiben.
Was Frau I.
erzählte,
Konnte er
bestätigen.
An jedem
Morgen schleppte sich ein Zug
Von zwei
Mal hundert Frauen
Bis zum Bahnhof
Poppenbüttel.
Dort
verluden sie sich in den Güterzug
Und wurden
in die Stadt gefahren,
Um die
ausgebombten Viertel
Von den
Trümmern und den Leichen zu befreien,
Und man
habe sie mit "Schnaps" gefüttert,
Und die
Übelkeit
In ihnen
unterdrückt.
Man hatte
dreißig Männer
Zur
Bewachung abgestellt,
Die waren
jeder um die sechzig Jahre alt
Und
ausgerüstet und bewaffnet
Wie die
Schwarzhemdmänner.
Einige von
ihnen hatten Schäferhunde.
Schlimmer
als das Eis der Dusche
Waren
Schwarzhemdfrauen,
Die sie
auch bewachten
|
Und sich
gar nicht zierten
Und mit
scharfen Schäferhunden,
Schlimmen
Peitschen, blanken Stiefeln,
Ihre
Ordnung hielten.
Und die
bildeten sich viel
Auf ihre
blauen Augen
Und die
kurzen blonden Haare ein.
Und jede
war in einem
Unersättlich
reifen Frauenalter
Zwischen
zwanzig, dreißig Jahren.
Und der
Zug, der durch die Straßen zog,
Nahm immer
wieder einen andren Weg,
Und viele
Frauen, andre Frauen,
Legten
Essen oder ähnliches dahin
Und ließen
sich auch von den Wachen
Nicht
bedrohen,
Und man
drohte oft sie 'Abzuholen',
Und das
nahmen sie und sie
Nicht
ernst,
Und, wie es
schien,
Ließ dann
die Wache doch das eine und das andre zu,
Und was das
war,
Das konnte
selbst Herr N.
Der Jugend
nicht mehr sagen.
Die
Bewachung durch die Männer
War, so
sagt Herr N., nicht allzu streng,
Sie waren
im Vollzug
Und sie
vollzogen nicht
Wie mancher
glaubte.
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Nun erreicht die Jugend ein
Gespräch,
Das ist im
Telefon
Und alle
hören mit,
Man hat ein
lautes Sprechgerät
Dazu
geschaltet:
"Hier
sprech' ich, Frau P.,
Ich möchte einiges
ergänzen und bestätigen
Und kann
nicht selber zu euch kommen.
Damals war
ich noch ein Kind
Von zehn,
elf Jahren
Niemand der
Familie hatte je Kontakt
Zu den KZ -
Insassen.
Das war gar
nicht möglich,
War viel zu
gefährlich
Und 'da
drang nun wirklich gar nichts 'raus'.
Niemand
blieb an der Umzäunung
Stehen,
Und man
fürchtete zu Recht,
Dass die
Umzäunung um sich greifen würde,
Und sie
würde einen selbst umgreifen.
Meine
Mutter fuhr
Mit ihrem Fahrrad
auf das Lager zu.
Sie war
nicht mutig
Und man sah
ihr ihren Mut nicht an,
Ihr Kommen
war ein Eilen, Fliehen,
Und sie
warf die Reste Brot vom Tage
Und was sie
noch hatte,
|
Über deren
Stacheldraht
Und warf sehr
oft daneben,
Manches
blieb im Gitter hängen,
Und sie war
schon fort
Bevor sie
kamen.
Die dort
drinnen lebten nur
Von
irgendwelchen Suppen,
Die sie gar
nicht hatten,
Oder gerne
hätten,
Das sah man
von weitem,
Wenn sie in
Kolonnen
Zu dem
Baden gehen mussten.
Nach dem
Lager,
Als das
Lager nicht mehr Lager war,
Erlaubten
meine Eltern zwei Zigeunerinnen
Mit dem
Kind den Aufenthalt
In unsrem
Haus.
Sie hielten
sich nicht lange auf
Und sie
erhielten etwas 'Anständiges',
Das war
Essen, Kleidung, Trost,
Und sie
erzählten,
Dass sie
Wassersuppen, Bohnensuppen
Hatten
essen müssen,
Und sie
waren fast schon tot.
Ich sah sie
immer wieder an,
Und jemand
sagte,
Dass sie's
nicht so schlimm
Wie die in
Neuengamme hatten.
|
Hier in Sasel hatte es die Kammern,
Die aus
ihren Duschen Gas verströmten,
Nicht
gegeben.
Hatte eine
Frau etwas "verbrochen",
Wo es
nichts mehr zu verbrechen gab,
Dann fügte
man ihr Wunden zu
Und die
bestreute man mit Salz und Pfeffer,
Oder stellte
sie für Stunden
In ein
Becken,
Das war
angefüllt mit kaltem Wasser.
Sonst
verzichtete man hier in Sasel
Auf die
Folter.
Einer der
Bewacher sei ein Mensch gewesen,
Und er habe
oft den Frauen
Bei dem
Tragen schwerer Kannen mit geholfen,
Und man
holte damals Milch
Von einem Platz
am Markt in Sasel,
Dort ist
jetzt ein
Lebensmittelsupermarkt
errichtet worden.
Meine
Eltern hätten es niemals gewagt,
Das Lager
auf dem Foto festzuhalten.
Niemand
hätte das gewagt.
Man hatte
die Gefahr gesehen,
Hätte dann
vielleicht Gelegenheit bekommen,
Alles ganz
genau zu sehen,
Auch von
innen,
Um es in
sich aufzunehmen."
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Von Frau D. erhielt man einen Brief,
Den wollte
man nicht mehr verlesen,
Und er war
doch lesenswert,
Weil er den
Schlussstrich zog,
Den zog so
mancher später,
Als man
einen Schlussstrich gar nicht ziehen durfte,
Und
nachher, das ist das Jetzt,
Stand es,
sagt einer von den Jugendlichen,
Stand es
gar nicht an,
Den Strich
von damals immerzu zu wiederholen,
Und sie
wären kopflos im Verstehen
Wenn sie
diesen Schlussstrich ziehen müssten.
|
Man las
vor:
"Von
der Familie hatte keiner
Den Kontakt
zu den Insassinnen gehabt.
Ich wusste
aber von den andren Frauen,
Die, die Essenreste
an die Zäune brachten;
Und wir
sahen täglich ihren Zug
Durch Sasel bis zum Bahnhof,
Eine
Wanderschnecke,
Die in abgeschlossne Wagen kroch.
Die hatten
nur die Lappen an den Füßen,
Und die
hüllten sich in Decken,
Das war
ihre Kleidung.
|
Und es
waren Männer, die sie überwachten,
Dass sie
sich nicht nach den Essenresten bücken konnten,
Ohne dass
man auf sie schlug,
Und schlug
sie auch,
Wenn sich
die Schnecke in die Länge zog.
Mit
sechzehn, siebzehn Jahren
War mir
alles gar nicht so bewusst,
Ich dachte
auch, dass das so sei
Und müsste
wohl so sein,
Und alles
hätte seine Ordnung."
|
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Nach dem Lager,
Als das
Lager nicht mehr Lager war,
Befragte
man zwei Freigelassne
Nach den
Strafen, die noch auf der Strafe lagen
Und man
hörte aus den Steinen
Zwei
Berichte:
Namentlich
war uns Frau M. bekannt,
Das war die
Schwarzhemdfrau,
Die sollte
ihren Mann im Krieg verloren haben,
Und sie war
erst dreißig Jahre alt.
Der Biss
der Peitsche reichte ihr nicht aus,
Sie hatte
einen dritten Arm,
Das war ihr
Arm der Rache,
Und sie
schlug so oft es ging,
Wohin es
ging mit einem Gummiknüppel,
|
Und sie
rächte sich für sich
Und nicht
an sich,
Und freute
sich in Quälerei an anderen.
Die war die
Schlimmste, die dort stand.
Sie spielte
einmal "Hinkefuß"
Mit einer,
die sich in der Stadt
Beim Steine
laden ihren Fuß verletzte,
Und die
musste bis ins Arbeitslager
Auf dem
Bein, das ihr geblieben war,
Nach Hause
hinken,
Das war
Kilometer weit,
Und keine
durfte Hilfe leisten,
Und sie
hatte kein Zuhause,
Und der
Frau erschien
Das größte
Ungemach nun ein Zuhause,
Und es kam,
dass sie, die Strafgefangne,
|
Die
Verschleppte, den Verschleppern
Auf dem Weg
für etwas Hilfe
In die Arme
hätte fallen mögen,
Und sie
hätte sie in Dankbarkeit geküsst,
Und
überhörte in den Schmerzen
Dass man
sie verhöhnte
Und den
Spott in ihre Wunde träufelte.
An Schlägen
von Frau M.
Ist keine
Frau gestorben.
Und die
andere Insassin:
„Meines
Wissens
Hat es in
dem Lager keine Tötungshandlung
Oder
Selektion gegeben.
Allerdings
schlug man und viel.“
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Die Steine
Fielen
wieder in die Urgespräche,
Und es war
wohl so,
Dass sie
für kurze Augenblicke
Viel zu
lange lebten,
Und sie
waren ja schon dagewesen,
Als die
anderen vor ihnen
Noch nicht
existierten,
|
Und sie
dachten an die Schlauen,
An die
Tausendjährigen,
Die standen
doch mit denen,
Die die
Zeit davor,
Jahrtausende
davor das Land
In
Niedertracht und Glück
In Unglück
und in Schicksal aufgerichtet
Und
gerichtet hatten,
|
Eng im
Bunde,
Und sie
hatten nach dem Maß der Steine
Nichts
gebunden,
Und sie
blieben wie die anderen davor
Und davor
und davor.
Das musste
man bedenken.
|
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Dieses ist das Bild:
Es steht
ein Zaun,
Und
diesseits stehen Jugendliche,
Die
befragen Zeugen und die Leute,
Die noch
etwas wissen können
Aus der
Zeit davor, die sind nun alle alt,
Und stehen
jenseits,
|
Diesseits
liegen noch die großen Steine
In dem
Rasen,
Die sind
selber Zeugnis.
Eine Gruppe
Jugendlicher
Hat sich
abgesondert,
Um den Zaun
zu streichen,
|
Das ist eine
Tat,
Die, meinen
sie, muss sein,
Und niemand
wagt es,
Sie von
ihrem Eifer, ihrem Handeln
Abzuhalten.
|
|
Die Jugend steht am Zaun
Und horcht
gespannt.
Man winkt
von andrer Seite ab,
Man kann
Erfahrung doch nicht übertragen.,
Und die
Jugend möchte,
Dass man
alles unterbricht
Und zur
Kantine geht
Und sich
ein wenig stärkt,
Und eine
von den Älteren, Frau H.
Ist noch im
Telefon,
Sie hätte
nicht so viel zu sagen,
Und das,
was sie sagen wollte,
Wäre eben
grad' gesagt:
Die Jugend
sollte nicht zum Essen gehen,
Denn sie
wollte noch den Hinweis
Auf den
Hunger geben,
Und der
Hunger wäre mehr als das Bedürfnis
Und viel
schlimmer,
Und er wäre
eine Frage um die Existenz
Und nicht
die Frage um den Preis, wie heute,
|
Und das
Frauenlager
Ist von
vielen völlig übersehen worden,
Und der morgendliche
Zug der Frauen
War sehr
langgezogen
Und man
hatte ihn durchschreiten können
Und man
trat dabei in offne Münder,
Die nur
flüstern konnten,
Und sie
riefen: "Hunger, Hunger!'
Und die
Wache rief dazwischen-.
"Lasst,
verdammt noch 'mal, das Betteln!"
Und die
Frauen hatten sich
Mit Farben aufgeschminkt
Und ihre
Lumpen aufgebauscht,
Das taten
sie zu ihrem Schutz,
Erfuhr ich
später,
Dass man
sie nicht aussortierte
Und
beseitigte.
|
Es gab sehr
viele,
Die zu der
Zeit schon nichts mehr
Von diesen Dingen
wissen wollten.
Keiner
Jugend dieser Welt
Wünsch ich
den Hunger als Erfahrung,
Und ich
sage euch,
Ihr solltet
bis zum Abend hungern
Und nichts
trinken,
Und ihr
habt ein neues Wort gelernt.
An einem
Ende hatten Jugendliche
Damit
angefangen,
Diesen Zaun
zu streichen,
Und sie
dachten in dem Eifer nicht ans Essen
Und ans
Trinken,
Und sie
wollten ihre Arbeit
Wegen solcher
Kleinigkeiten
Auch nicht
unterbrechen.
|
|
Die Jugend war nun aufmerksam
geworden
Auf das
neue Wort
Und wollte
'Hunger' kennen lernen,
Weil es
mehr sein sollte, als sie kannten,
Und ein
Teil von ihnen
War ja mit
der Malerei am Zaun beschäftigt,
Und sie
legten von den Steinen,
Die sie
nicht verstanden,
Einige zu
einem Stehpult aufeinander
Um darauf
zu stehen,
Und die
Steine schrien auf,
Weil sie
ein Pult wie damals bildeten,
Und sie
erinnerten sich nun
Und wussten
auch die Textpassagen,
Die von
dort verlesen worden waren.
Man schrieb
mit
Und hatte
dann die Übersetzung,
Die verlas
man so:
"Bin
euer Schwarzhemdstandortarzt
Und gehe
allen Klagen nach,
Und man
beklagt das Essen.
|
Essen wurde
untersucht,
Die Werte,
liegen wenig unter Werten
Wo die
Werte für Verpflegung liegen sollen.
Reichen
eben aus, das ist genug.
Gehalt an Kalorien
ist festgelegt,
Ist
wissenschaftlich untersucht,
Stellt ganz
und gar neutrales Amt zufrieden,
Weicht nur
wenig ab,
Mit einer
Toleranz von vier Prozent nach unten,
Andre
liegen viel, viel tiefer.
Habe auch
Vergleiche mit Tabellen angestellt,
Kann hier
nur gratulieren,
Wollen ja
nicht Winterspeck ansetzen,
Kleiner
Scherz,
Es ist nicht
angestrebt,
Mit der
Ernährung zusätzlich Reserven
Anzulegen,
Kann nicht
Sinn des Arbeitslagers sein.
Es sollen
alle alles geben
Und nur
wenig dafür nehmen.
Zubereitung,
Sauberkeit in dieser Häftlingsküche
|
Ausgezeichnet,
Spreche von
vorbildlich,
Habe nichts
Bemerkenswertes,
Meine
Ungesundes, in mein Protokoll
Zu nehmen.
Schwarzhemdstandortarzt
befindet alles
"Sauber,
einwandfrei",
Verwaltung
ist "gerecht";
Ein
Glücksfall, dieses Außenlager, .
Andre Lager
leben mit ganz andren
Kompromissen
und Entscheidungen.
Wir singen
jetzt ein Lied:
"Vernichtung
durch die Arbeit"
Und danach:
"Die
Arbeit macht euch frei".
Die Frauen
die ihn hören mussten,
Standen
still
Und
lauschten auf das Lied der Drossel,
Die im Grün
der Büsche
Spottete.
|
|
Es kommt nun eine Frau,
Das ist
Frau B.,
Die ist
ganz stumm
Und hält
den Zettel in der Hand,
Den reicht
sie durch die Maschen zu den Jugendlichen,
Darauf
steht:
"Ich
bin nun stumm
Und habe
noch ein Band,
Das ist ein
Tonband,
Wie wir es
noch kürzlich hatten.
Heute habt
ihr eure Steinkristalle,
Darin
speichert ihr die Welt
Und ihr
wisst alles,
Und auf
meinem Band befindet sich ein Interview,
Das haben
wir, Herr F., Frau F.,
Und ich
gegeben,
Und ihr
könnt es hören, wenn ihr wollt."
Sie hat
auch das Gerät, es abzuspielen,
Und die
Jugendlichen denken an das Essen,
|
Das steht
fertig,
Und sie
sollen es sich noch nicht nehmen,
Und sie
wollen die Geschichte mit dem Hunger
Nicht mehr
länger akzeptieren.
Man
beschließt noch dieses Band zu hören,
Man
beschließt zu warten mit dem Essen,
Dann kann die
Erfahrung mit dem Hunger,
Die
Erfahrung werden, die noch fehlte,
Und sie
wollen es nicht
Übertreiben,
Und sie
einigen sich auch mit denen,
Die den
Zaun bemalen,
Ohne deren
Einverständnis,
Und die
stehen immer noch auf ihrem Steinpult,
Und sind so
besessen,
Dass sie
nicht ans Essen denken,
Und sie
lachen über ihre "Fressgenossen",
Und sie
wollen ihre Arbeit fertig bringen,
Und die
andre Seite ihres Zaunes
Ist ja auch
noch anzustreichen.
|
So beginnt
das Band, es wird zurück gespult,
Ein
Interview mit einer Frauenstimme,
Und Frau B.
hebt ihren Finger,
Das ist
also sie:
"Die
Aufsicht über jede Aufsicht
Hatten drei
der Schwarzhemdmänner
Und drei
Schwarzhemdfrauen.
Zwei von
ihnen blieben stets im Lager,
Vier
begleiteten den Zug der Frauen
Nach dem
Bahnhof Poppenbüttel,
Und die
Aufsicht über jede Aufsicht
Wohnte in
zwei Wohnbaracken,
In zwei
Augen,
Die in
ständiger Betrachtung,
Nach den
Frauen in dem Lager trachteten.
Sie hatten
über sich,
Für das
Willkommen, einen Gruß:
"Dies
ist das Arbeitslager Sasel,
Stehen
bleiben ist verboten!"
|
|
Es war ein Tag,
Der endete
nun doch mit Essen
Und
Gesprächen,
Und der Lebensmittelsupermarkt
Erkannte
die Gelegenheit
Und
schenkte jedem, der dort war,
Ein
Lunchpaket, das sättigte,
|
Und die,
die draußen standen,
Das ist
außerhalb des Zaunes,
Würden
niemals wieder satt,
Die
Jugendlichen innerhalb des Gitters
Spürten,
dass die Sattheit sich
Unangenehm
erinnerte
Und die von
ihnen,
|
Die noch
immer an dem Gitter malten,
Waren über
alles Maß erhaben
Und
verschlangen ihre Mahlzeit
Nebenbei,
Und alle
überschliefen diesen ersten Tag
Und trafen
sich am zweiten wieder.
|
|
Heute ist der zweite Tag,
Wir hören
wieder in das Interview vom Band
Und auf
Frau B.,
Die fährt
nun fort:
Es waren
etwa vier Mal hundert Frauen in dem Lager,
Und zum
Ende, als das Ende kam,
Kam noch
ein Schub,
Der brachte
zwei Mal hundert neu dazu.
Die
Schwester von Frau B.
Und eine
andre Frau begaben sich
Nach
Poppenbüttel,
Um hier Nahrung
den Insassinnen zu bringen.
|
Als die
Schwarzhemdfrauen die Kontakte sahen,
Schrien sie
ihre Lumpenmannschaft an,
Und doch
schien es nach außen,
Dass sie
sich nicht an den Häftlingen vergingen.
Einer von
der Wache
Sah in eine
weite Weite,
Die war intressant für ihn,
Sonst sah
er nichts
Und wollte
auch nichts sehen
Und er
gönnte denen ihre Spenderinnen.
Überwiegend
trugen die Insassinnen
Den gelben
Stern, der wies sie aus
|
Und zeigte,
dass sie Juden waren.
Diese
Frauen schufen in Kolonnen.,
Und sie
bauten fünfzig Plattenhäuser,
Daraus
wurden je zwei Eigenheime,
Und sie
wurden denen, die sie schufen,
Nicht zu
eigen und kein Heim
Und wurden
doch sofort bezogen,
Und, die
sie bezogen,
Hingen ihre
Augen in den Heimen auf
Und sahen
nicht nach draußen,
Halfen
denen nicht,
Die hier
geholfen hatten,
Standen in
der Angst,
Die Hilfe
könnte schaden.
|
|
Interview mit dem Paar
F., (12 Fragen)
Das wohnt
noch in dem Plattenhaus
Am
Pfefferminzkamp Nummer (Fragezeichen)
|
|
|
|
Erste Frage:
Wie
verstanden sie den Bau des Hauses
Und was
wussten Sie darüber
Und was
über dieses Lager nebenan?
Die Leute,
die die Trümmer ihrer Häuser
Überstanden
hatten,
Konnte man
zum Teil
Hier unterbringen.
Große
Firmen leiteten den Bau der Häuser
Und es gab
viel Eigenhilfe.
Zweite Frage an das Paar:
Was dachten
Sie denn über Juden,
Allgemein
die Juden?
Er sagt
ganz spontan:
Ich hatte
meine eigenen Gedanken,
Und ich
glaubte nicht, was man mir sagte,
Überall
traf man auf Hass,
Der
richtete sich gegen sie,
Weil man
von ihnen sagte,
Dass sie an
den 'Fäden' zögen,
Ihre Finger
hätten sie in jeder Sache,
Und vor der
Vertreibung wären sie als die
Geschäftemacher
und Besitzer
Aller
Wäscherein und Schuhgeschäfte
Überall
verschrien gewesen.
Danach hat
man sie verfolgt,
Und fliehen
konnten nur die wenigen,
Die Bargeld
hatten,
Und man
machte Jagd auf die und die
Und fing
sie ein.
Das ist
nicht nur bei uns geschehen,
Sondern
überall wo sich
Ein
Schwarzhemd sehen lassen konnte.
Und die eingefangnen Juden
Sprachen
oft kaum unsre Sprache,
Und sie
kamen aus den andren Ländern.
Über die im
Lager
Konnte man
nur in dem allerengsten Kreise
Der Familie
reden.
Jeder
Fremde,
Jeder
Außenstehende stand im Verdacht,
Uns zu
verdächtigen,
Es gab
genügend Leute, die 'gesessen' hatten,
Und, wer
das nicht annahm
Und nicht
glaubte,
Wollte es
nicht glauben,
Oder war zu
dumm.
Bei den
Kontakten der Insassinnen
Mit
Außenstehenden
Misshandelte
man
Diese
Frauen,
Und sie
mussten immer, immer arbeiten,
Das nahm
kein Ende.
Dritte Frage:
Wann begann
und endete der Bau
Der
Plattenhäuser?
Diese
Häuser hatten einen kurzen Weg,
Der dauerte
ein Jahr.
Sie standen
bis zum Ende
Dieses
schlimmen Krieges
Nur am Kritenbarg und an dem Pfefferminzkamp,
Das sind
kleine Straßen.
Als das
Ende kam,
Verschwanden
alle Insassinnen,
Und sie
konnten ihre Plattenhäuser
Nicht zu
Siegeshallen machen.
Wenige und
restliche davon
Errichteten
dann andere danach.
Wir wissen
nicht,
Wohin die
Frauen gingen,
Wohin sie
entlassen wurden,
Ob man sie
entließ,
So dass sie
ihrer Wege gehen konnten,
Oder ob man
sie am letzten Tag
Noch in die
Grube zu den Brüdern
Und den
Schwestern stieß
Und sie
verließ in der Verlassenheit.
Vierte Frage:
Hat man die
Besitzer dieser Häuser
Etwas übers
Lager wissen lassen,
Was hat man
erzählt,
|
Was wussten
Sie?
Wir hatten
nur Vermutungen
Und wussten
nichts genau
Und waren
auch in einer Fremde,
Fast so wie
die Frauen.
Aber die,
das sahen wir im letzten Winter,
Waren
schrecklich dran.
In
Eiseskälte gingen sie mit 'Plunder'
An den
Füßen
Und
bekleidet mit den Tüten für Zement,
Sie sahen
schlimmer aus
Als
'Penner‘, wie wir heute sagen,
Mussten auf
den Pritschen schlafen,
Ohne Stroh,
so wie sie waren,
Wurden
morgens hochgetrieben,
Mussten an
die Arbeit,
Dann zurück
Und immer
neu, und immer neu
Und Tag für
Tag,
Und
schlimmer als die Männer
Waren
Schwarzhemdfrauen,
Und er habe
selbst auch einmal
Etwas
"eingefangen", sagt Herr F.
Das hatte
aber keine Folgen,
Weil er in
dem Schutz der Wehrmacht stand.
Die
Schwarzhemdfrauen
Schlugen in
der Kälte auf die Kälte
Und sie
schlugen, was sie trafen,
Und es tat
sich mancher Sprödbruch auf
Und mancher
neue Riss
Lief durch
die Haut.
Fünfte Frage:
Wissen
Sie" wie lang' die Judenfrauen
Täglich auf
der Arbeit waren?
Das ging
mit dem Hahnenschrei.
Sowie die
Sonne kam
Und sich
die erste Helligkeit
Nach
draußen wagte,
Hatten sie
Appell, dann ging es ab,
Und mit dem
Dunkelwerden
Waren sie
zurück.
Die
Arbeitszeit empfand man als normal,
Es gab auch
Arbeitspausen,
Und die
Frauen machten harte Männerarbeit,
Das war
schwere Erdarbeit.
An Flucht
war nicht zu denken.
Sechste Frage:
Hatten Sie
nun selber Fragen
Auf der
Zunge, oder haben Sie gefragt,
Und mussten
Sie sich nicht Gedanken machen
Über das,
was Sie vor Augen hatten?
Wenn man zu
viel fragte,
Hätte man
die Antwort
Sicher bald
aus erster Hand gewusst,
Das wollte niemand.
Sonst
erhielt man eine gute Antwort:
"Alles
bestens.
Hier ist
alles bestens,
Kümmern Sie
sich nicht darum."
Die Wachen
gingen
An der
Fragerei vorbei,
Und richtig
informieren
Konnte man
sich nicht.
Die siebte Frage:
Hatten Sie
Verbindung
Zu Insassinnen?
Verbindung
gab es nicht.
Die
Judenfrauen waren schüchtern,
Und sie
waren eingeschüchtert,
Und sie
wussten ja Bescheid
Was kommen
würde,
Wenn sich
andere auf sie beriefen
Und mit dem
Bescheid an vorgesetzte Stellen gingen,
Und sie
konnten unsre Sprache kaum
Und waren
nie allein,
Sie standen
stets im Schatten einer Wache.
Manchmal
haben wir von unsrer Suppe,
Erbsensuppe,
abgegeben,
Und wir
konnten sie an zwei, drei Frauen geben,
Und die
hatten keine Zeit zum Essen,
Nicht zum
Schlingen,
Sondern
haben ihre Suppe
Weggeschluckt,
das dauerte Sekunden.
|
Achte Frage:
Haben Sie
den Abtransport
Von
Judenfrauen miterlebt?
Wir wissen
davon nichts.
Hier waren
etwa hundertfünfzig Frauen,
Die die selben blieben,
Und die
waren stationiert im Lager.
Das war
kein KZ,
Das war ein
Arbeitslager.
Neunte Frage:
Haben Sie
gesehen,
Dass die
Judenfrauen im Kommando lebten
Und die
Arbeitsplätze wechseln mussten,
Transportierte
man sie ab?
Transporte
haben wir gesehen,
Aber
niemand wusste ihren Weg.
Ja, wir
vermuteten Verschiedenes
Und dachten
uns,
Die müssen
wohl nach Ochsenzoll,
Das ist
nicht weit von hier,
Und sollen
dort die Hülsen für Granaten schmieden
Oder
Panzerketten bauen.
Zehnte Frage:
Sagen Sie,
wie wurden die verladen
Und wie
sahen Züge aus,
Die diese
Züge transportierten?
Man nahm
alte Eisenbahnwaggons,
Nicht mehr
als einen oder zwei,
Die hielt
man frei für Judenfrauen.
Jeder Wagen
war von außen abschließbar.
Man fuhr
nicht mehr als fünfzig Frauen.
Eine Flucht
war ausgeschlossen,
Wachen
waren überall.
Ich weiß
auch nicht,
Ob alle
wiederkamen.
Wenn sie
standen,
Schwankten
sie auf wackeligen Beinen,
Das kam
nicht von ihrer Fahrerei,
Das kam von
ihrer Schwäche,
Und sie
waren nur noch Haut und Knochen.
Manchmal
sahen wir sie sich
Um Reste
prügeln, zanken,
Die sie aus
dem Mist gezogen hatten,
Der war
angehäuft,
Das ekelte
uns an.
Die elfte Frage
Ging ums
Essengeben an die Frauen,
Was die
Wache dazu sagte,
Und es hing
ganz von der Wache ab,
Die
wechselte sehr oft.
Die letzte Frage dieses Interviews:
Erinnern
Sie siehe
Ob man
ihnen die Begründung nannte
Für die
Arbeit,
Die doch so
unmenschlich war,
Warum man
keiner Essen geben durfte?
Sehen Sie,
Die Schwarzhemdmenschen
Hatten eine
Propaganda,
Die war,
wie sie sagten, eine Herzensstimme,
War die
Stimme unsres Volkes,
Die
bestimmten sie,
Es war die
Stimme eines einzigen,
Und diese
Stimme sagte,
Dass es sich
bei diesen Menschen
Nicht um
Menschen handelte:
"denn
das sind keine Menschen".
Sie bekamen
nur das Notwendigste,
Und das
Volk erhielt ja auch nicht viel.
Wer aus den
Wachen
Stumpfe
Pfeile machen wollte,
Lenkte
deren Wut
Auf diese
Judenfrauen.
Wer hier
helfen wollte,
Musste
Essen, Kleidung, Schuhe
An die
Straße stellen,
Und es war
ja keine Hilfe, wie man half.
Die Frauen
waren nicht zu sprechen
Und sie
sprachen nicht
Und waren
nie allein.
|
|
|
|
|
|
Es kommt ein Jugendlicher
Aus dem
Alstertal gelaufen,
Der bringt
eine alte Ladenkasse,
Darin liegt
ein Kassenbuch,
Und drückt
man auf die Öffnungstaste,
Klingt die
Glocke,
Die ist
eingebaut und funktioniert noch immer,
Und sie ist
ein Kuckucksruf
In den
Gesprächen,
Und es
liegt noch etwas Geld in ihren Fächern.
Aus dem
Kassenbuch entnimmt man
Die Belege,
Und der
Jugendliche sagt,
Darunter
liegt ein Brief, den möchte er verlesen,
Und den hat
der Kassenwart geschrieben.
Der Bestand
der Kasse ist ganz abgerechnet,
Und er
liest nun vor:
"Die Regelung
und der Bestand:
Die
Arbeitszeit der KZ-Außenstelle, Hamburg-Sasel
Ist die
Zeit vom
Sonnenaufgang
bis zum Sonnenuntergang.
Als Arbeit
haben alle Frauen
Schwerstarbeit
zu leisten,
Das ist
"Trümmerräumen" in der Innenstadt,
Das sind
die Erdarbeiten für die Plattenhäuser
Vor den
Toren dieser Vaterstadt, in Sasel,
Das soll
diesen Frauen keine Stadt der Väter werden,
Und sie
sollen dort im Pfefferminzkamp graben,
Weiter
haben sie im Kettenwerk von Langenhorn
Zu schaffen
Und sind zu
verwenden
In der
Produktion von Hülsen
Für
Granaten und Kartuschen.
Diese
Frauen hat man zu verbrauchen,
Sind
erschöpfend zu verbrauchen,
Für
Verlegung kleiner Loren zu den Plattenhäusern,
Das sind
kleine Wagen,
Die auf
Schienen fahren und geschoben werden,
Und den
Anfang nehmen sie am Bahnhof Poppenbüttel,
Und sie haben
alles gut zu warten
Und zu
reparieren.
|
Weiter sind
sie einzusetzen
In den
Atemschutzfabriken,
Das sind
Gummiwerke, die in Barmbek stehen,
Dort sind
Masken zu verkleben,
Und sie
haben Bombenopfer einzusammeln,
Aufzulisten
Und in
Ohlsdorf zu begraben.
Diese
Arbeit kann man heimatliche Frauen
Nicht
verrichten lassen,
Weil es
eine Schande wäre,
Die fiel
aufs Regime.
Beim
Einsatz ist kein Unterschied zu machen
Zwischen
männlichem und weiblichem Geschlecht,
Und jeder
Häftling ist dem andren gleich zu setzen,
Und die
Gleichheit ist hier ausgesetzt,
Und die
Bekleidung ist dem Ziel,
Den
Häftling auszuschöpfen, anzupassen,
Sie muss
dürftig sein,
Auf
Arbeitsschutz soll man nun ganz verzichten.
Unverzichtbar
werden Opfer unter ihnen sein,
Die soll
man nicht beklagen,
Sondern aus
der Liste streichen,
Und es kann
ein Unfall bei der Lorenarbeit sein,
In der
Fabrik,
Es kann ganz
einfach Krankheit sein."
(In Sasel ist ein Totenbuch geführt,
man siehe
auf die Bergstedt- Totenliste
Von den
fünfmal hundert Frauen strich man
Fünfunddreißig
aus.)
"Wie rechnen für den Winter mit noch mehr,
Die
brauchen einzeln nicht erfasst zu werden.
Dann beruft
der Kassenwart sich auf den
Schwarzhemdhauptverwaltungsleiter
Pohl,
Von dem ist
ein Befehl gegeben worden,
Der liegt
abgedruckt dabei:
Entscheidung
liegt allein beim Lagerkönig.
Anvertraute
Unvertraute sind erschöpfend
Zu
verwenden
Und im
wahrsten Sinne zu verwerten,
Zu
erschöpfen,
Leistung
ist als Höchstmaß zu erreichen
|
Danach ist
Ernährung einzurichten,
Darf nicht
als Reserve dienen,
Ist nicht
Vorratshaltung.
Beispiel Sasel lässt sich gut verwenden."
Soweit der
Befehl.
Der
Kassenwart hat Buch geführt
Und keinen
Lohn gezahlt,
So, zahlte
der sich aus.
Er wurde
abgeführt an eine Schwarzhemdrechnerei.
Von den
Fabriken ist pro Tag, pro Frau
Ein
Tagegeld von vier Mark auszuzahlen,
Das ergibt
in einem Monat
Bei den
fünf Mal hundert Frauen,
Fünfzigtausend
Mark,
Und
Schwarzhemds Kasse füllte sich,
Und stärkte
sie
Für neue
'Wirtschaftsunternehmen" dieser
Und auch
andrer Art.
Private
Firmen,
Und die
Väter dieser Stadt,
Vermaßen
sich, mit diesem Maß zu messen
Und
gewannen dadurch,
Dass sie
Unermessliches verloren
Und
verloren, was für sie nicht messbar war,
Und waren
doch die Väter einer Stadt,
Die waren
viel beschäftigt mit Verstoßen
Und Vermessensein.
Die Kasse
hat noch Groschen,
Die sind
nichts mehr wert,
Und sind
ein Wert, den kann kein Mensch bezahlen,
Und man
zeigt sie, reicht sie sich
Von Hand zu
Hand,
Lässt den
Bericht die Runde machen,
Und man
weiß,
Es sind die
echten Zeilen.
Besser wäre
es für sie gewesen,
Dass es nie
Papier
Für ihre
Niederschrift hätt' geben müssen.
So sah man
in' s Lager
Als in eine
Wechselstube,
Die das
Blut direkt in Groschen tauschte.
|
|
Das Ende dieses Krieges
War noch
lange nicht das Ende,
Und der
Anfang dieses Endes
War für
viele noch das Ende,
Und man
brachte in den letzten Tagen
Viele der
Insassinnen nach Bergen-Belsen.
Keiner kann
darüber
Eine ganz
genaue Auskunft geben.
In den
letzten Tagen, schreibt Frau K.,
Fuhr man
noch Frauen mit dem Wagen
Aus dem
Lager.
Der
Transport wurd' unerwartet aufgehalten,
Als ein
Polizist ihn stoppte,
Und es
flohen einige der Frauen.
|
Dieser
Polizist,
So meint
Frau K. zu wissen,
Wurde
später von der englischen Besatzungsmacht
Verurteilt,
Und die
Gründe blieben unbekannt.
Der
Frühlingsanfang dieses Jahres
War schon
überschritten,
Und das
Frühjahr war genau vier Wochen alt,
Als in dem
Lager etliche der Frauen starben,
Das fiel
auf, und wir vermuteten,
Dass man
sie tötete,
Weil sie
von allem zu viel wussten.
|
Die
Besatzungsmacht kam näher
Und die
ersten Schwarzhemdfrauen,
Die die
Wache machten,
Flohen in
der Kleidung
Ihrer
anvertrauten Unvertrauten,
In der
Sträflingskleidung,
Andere, das
wusste man genauer,
Flohen in
die "Alte Mühle“, das war nahe bei,
Und war ein
Fliegerheim gewesen.
Kapitulation
war das Signal
Für die
Besatzungsmacht,
Die kam mit
Jeeps zum Lager.
|
|
Unter denen auf der andren Seite
Das ist
diesseits jenes Zaunes,
Ist Herr
N., der hält sich nicht zurück
Und
schildert allen wie es war
Und sagt:
"Die
meisten dachten so wie ich, so dachte ich,
Und damals
war ich fünfzehn Jahre alt
Und lebte
in Begeisterung
In unsrer
Hitlerjugend.
Wir
erlebten,
Wie das Lagertor geöffnet wurde,
Wie man
diesen Knoten aufschlug:
An der
"Alten Mühle“ gab es einen Sportplatz,
Der war
lange schon ein
Abgesperrter
Übungsplatz für
Schwarzhemds
Leute, die betreuten dort
In Schlaf-
und Wohnbaracken
Ihre
fliegenden Kommandos,
Die entließen
sie nur nachts in ihren Himmel
Um zu
kämpfen,
Und sie
feierten dort viele Feste
Mit den
Schwarzhemdfrauen,
Alle waren
stationiert in:
"Fuhlsbüttel,
Einsatz für das Vaterland,
Das braucht
nun jeden Mann."
Mit dem
Ende gab es plötzlich keine
Schwarzhemdfrauen
mehr,
Sie waren
in ein Nichts verschwunden,
Übrig waren
nur die Wachen.
Auch die
Flak war abgebaut und fortgeschafft,
Wohin,
vermochte niemand mehr zu sagen,
Und Herr N.
war zur Marine kommandiert.
Später kam
er selbst
|
Als Ende
eines Endes wieder,
Und es war
das Ende dieses Krieges,
Und er
stieß auf die Besatzungsmacht,
Die war
motorisiert und fuhr mit Jeeps
Und hatte
den Verdacht in Sasel:
"dass
da irgend etwas war."
Im
Stacheldraht des Lagers
Hingen die
Gefangenen
Und rissen
an dem Zaun,
Der hielt
der Freude stand:
"Wir
sind nun frei,
Sind frei,
Sind
frei!"
Und kamen
doch nicht frei,
Weil
niemand einen Schlüssel
Für das Tor
des Lagers hatte,
Und die
Menschen standen auf der andren Seite
Im Gelände
und erstarrten vor dem Zaun
Und dem
Geschrei,
Und die
Besatzungsmacht nahm sich die Macht
Und brach
das Tor,
Damit es
sich den andren endlich öffnete.
Die Frauen
stürmten durch
Und schrieen und riefen:
'Tommies, hurra Tommies!'
Und
verliefen sich nicht in der Gegend
Und
verliefen sich sofort,
Und sie
genossen ihre Freiheit,
Und es
konnte niemand Ruhe über sie vergießen,
Und sie
brachen aus
Und brachen
ein in die Fabrik, ganz in der Nähe,
|
Dort
entdeckten sie
Und wussten
sie von Marmeladefässern,
Die
zerrissen sie
Und
hungerten so sehr nach Süße,
Und es
waren alles Judenfrauen,
Polinnen
und auch Zigeunerinnen.
Dann fing
man die Frauen wieder ein,
Sie
medizinisch zu versorgen,
Und das
Lager wurde offiziell
Erst ein
paar Tage später aufgeschlossen
Und
befreit.
Man
fürchtete ein Chaos,
Und man
wollte es vermeiden,
Und es
kamen Angehörige aus andren Lagern:
Auschwitz,
Buchenwald,
Die Frauen
abzuholen.
Das betraf
nur wenige,
Und andre
gingen betteln,
Und von
einer Frau, die das Dilemma sah,
Weiß ich,
dass sie die Kleidersammlung
Unter der
Bevölkerung ins Leben rief
Und sie
organisierte.
Andere
beschwerten sich, dass
"die
Zigeunerinnen wieder stehlen, betteln kommen.“
Einige
Insassinnen verbeugten sich
Und zeigten
Peitschenstriemen
Die sie von
den Schwarzhemdfrauen hatten.
|
|
Von Herrn N. erfuhren die,
Die alles
wissen wollten,
Noch ein
wenig mehr, und er erinnert sich:
Wir hatten
zwei Soldaten aufgenommen,
Und mit
ihnen ging ich in die Tannenschonung,
Um uns Holz
zu suchen,
Als wir
zwei Kolonnen sahen,
Darin
schwärmten jeweils fünfzig, sechzig Frauen aus.
Eine kam
direkt vom Wald ,
Und strebte
auf die Sportbaracke zu,
Die andere
vom 'Redder Mellingburg'
Mit
gleichem Ziel.
Nun sahen
wir noch eine dritte,
Die kam von
der 'Alten Mühle',
Die
entdeckte jemanden,
Der aus dem
Fenster fliehen wollte,
Und es war
die erste Schwarzhemdfrau,
Die griffen
sie sofort
Und zerrten
auch die anderen aus der Baracke,
Die war
eingekreist,
Und ließen
ihre Wut an ihnen aus
Und
schlugen auf sie ein
Und rissen
ihre Haare aus
Und hielten
eine nur
In einem
kleinen Kreis geschützt,
Die hatte
ihnen nie etwas getan,
Geholfen,
wo es ging.
Die andren
mussten dann ihr Strafgericht beenden,
Weil die
"Tommies", ihre Retter,
Sich zu
falschen Rettern machten,
|
Und die
luden sich die Schwarzhemdfrauen
Auf die
Wagen.
Heute sagt
Herr N. nur:
Damals
sagten wir nach vierzehn Tagen:
"Alles
ist gelaufen,
Alles hatte
sich verlaufen,
Niemand war
mehr in dem Lager,
Alle hatte
man entlassen.
Die
Baracken wurden angesteckt
Und
abgebrannt, was dort noch brennen konnte.
Man
verstand im Nachhinein
Die Schwarzhemdfrauen
nicht,
Die sich so
nahebei
Versteckt
gehalten hatten.
Die
Bewohner Sasels, sagt Herr N.,
Und er sah
ab von wenigen,
Sind nicht
in der Partei gewesen,
Sondern war'n verschrien als
"Sozies" und als Kommunisten,
Und sie
hatten all die Jahre ihren Mund gehalten:
"Schweig“,
wenn du nicht immer schweigen willst,
Wenn du
nicht willst, dass sie dich holen,
Und die
meisten haben nichts gewusst,
So sagt
Herr N.
Er selbst
war damals überzeugter Hitlerjunge
Und er war
das Bild an sich,
Das man von
einem Hitlerjungen hatte,
|
Und er idealisierte
es mit seinen blauen Augen
Und dem
blonden Haar,
Das hatte
Auf der
linken Seite einen Scheitel,
Und er
dachte über die KZ's:
Die haben
ihre Ordnung,
Und die
haben ihren Sinn,
Und drinnen
sitzen nur die Minderwertigen
Und
Arbeitsscheuen
Und die
falschen Rassen.
Auch Herr
N. sang mit im Hitlerjugendchor
Und zog mit
dem
Zwei Jahre
an die Front zu den Soldaten
Und in
Lazarette,
'Um die
Herzen zu erfreuen
Und zu
stärken,'
Und man
sang am liebsten Lieder von
"Blutroter
Sonne,
Die im
Lande aufging,“
Und danach
sprach er noch ein Gedicht,
Das stand
total im Gegensatz zu dem,
Was er zu
Hause sah und hätte sehen müssen
Und nicht
sah
Und auch
nicht übersah.
In Wahrheit
zeigte er mit seinen Liedern
Die
verkehrte Seite,
Und er habe
nie darüber
Nachgedacht,
So sagt
Herr N.
|
|
Die Jugendlichen kennen heute
Kaum noch
Lieder.
Einer Frau,
die später erst gehört wird,
Fällt das
auf
Und sie
fragt nach.
Sie meint
sie hätte früher
Alle
Strophen vieler Lieder
Auswendig
gewusst,
Und schöne
Melodien, erinnert sie,
Hat sie
gekannt,
Die kennt
heut' keiner von den Jugendlichen mehr.
|
Inzwischen
haben sich die Fragenden
Mit denen,
die die Antwort geben, überall vermischt,
Der Zaun
trennt sie nicht mehr,
Und die,
die es bezeugen wollen,
Dadurch,
dass sie von dem Zeugnis hören,
Sind nun
unter denen,
Die das
Zeugnis sind.
Die andre
Gruppe,
Die den
Zaun anstreicht,
Ist immer
noch besessen
Und kommt
gut voran
|
Und malt
auf beiden Seiten,
Und es
haben sich noch einige der Jugendlichen
Angeschlossen,
Und sie
helfen mit
Und fragen
nicht warum
Und nicht,
an was sie helfen,
Und sie
helfen, um zu helfen,
Und
erfreuen sich daran.
|
|
Von einem, der zusammenfassen
möchte
Hört man:
"Immer
wieder gibt es Leute,
Die in
Listen leben,
Die das
Leben anderer durch Siebe gießen
Und den
Rest betrachten,
Den
vermerken sie,
Und sie
vermerken, so wie hier,
Die
Grausamkeiten,
Sehen auf
das Massenelend,
Und es ist
zu schwer für sie
Und fast
unmöglich,
Nur ein
Einzelschicksal zu erfassen.
Was man
bisher hörte, waren Stimmen,
Die als
Echo von den Wänden
Auf ganz
junge neue Hörer trafen,
Und die
Rufer selbst sind dabei
Ungehört
geblieben.
|
Man
erinnerte sich ans Geschrei des Nachts,
Ans
Schreien unter kalten Duschen,
An die
Schreie: "Hunger, Hunger,"
Und den
Schrei, der sich auf alle Schreie legte:
"Wir
sind frei, sind frei, sind frei!"
Und stumme
Namensschreie
Findet man
nur in den Friedhofslisten Bergstedts,
Und man
weiß noch etwas über eine "Kleine Maria",
Etwas über
eine Russin,
Die mit
sechzehn Jahren in das Lager kam,
Weil sie
den Ausweis nicht
In ihren
Händen hatte,
Weiß noch
etwas über eine unbekannte Jüdin,
Die sich
später von Paris aus
Bei Frau K.
bedankte.
Hat Adele Enoch hier das Kind geboren,
Das mit
dreiunddreißig Tagen starb,
War sie es,
der Herr Doktor Y.
Den
Beistand bringen sollte?
|
Jede Suche
nach dem Einzelschicksal
Muss
verebben,
Und es war
doch eine Flut,
Die lebte
nur aus Einzelschicksalen.
Trotzdem
versucht man nun in zwei Berichten,
Davon etwas
aufzuzeigen:
Erstens
schreibt Frau E. von sich
Und der
verstorbenen Sulejka Klein,
Dann hören
wir die Lehrerin, Frau U.
Und ihr
Gespräch mit einer Unbekannten,
Einer Jüdin
aus dem Balkan, nahm sie an,
Die lernte
sie in einem
Kettenwerk
in Langenhorn in Hamburg kennen.
Ganz am
Ende steht dann noch
Die winzige
Facette einer Jüdin,
Die aus
Lodz berichtete,
Dass andere
Insassinnen des Lagers heute in
Australien,
in Amerika, in Israel und Frankreich
Leben
sollen.
|
|
Nun Frau E.,
Die ist
Zigeunerin und wohnte in Berlin
Und wurde
dort vernommen
Und dann
festgenommen
Und nach Ravensbrück verschleppt
Und ins KZ
gesteckt,
Dort wurde
sie zur Straßenarbeit eingesetzt.
In diesem
Lager traf Frau E.,
Das erste Mal
auf ihre eigene Kusine,
Die war
ungewöhnlich schön
Und hieß Sulejka.
Eines Tages
machte eine neue Hoffnung
Eine neue
Runde unter den Gefangenen:
Man suchte,
So
berichteten die Frauen, die es wussten,
Ein paar
Frauen als Modell,
Die würden
als Belohnung
Ihre
Freiheit ganz und gar zurück erhalten,
Und Frau E.
verstand sofort,
Dass man
wohl nicht Modelle suchte,
Sondern
hübsche Frauen fürs Bordell
Und hörte
auch, dass diese Frauen
Einem
Schwarzhemdkönig selbst gefallen mussten.
Das
verstand sie alles richtig,
Und sie lud
sich Abfall auf den Leib
Und wälzte
sich in Asche,
Und sie
ging freiwillig in die erste Reihe
Zum Appell,
Und man
beschimpfte sie:
"Du
alte Drecksau"
Und
verjagte sie mit einem Fußtritt,
Das war eine
Rettung,
Die sie für
sich wünschte.
Von
fünfhundert Frauen,
Die man
fand.,
Und ihre
eigene Kusine war nicht unter ihnen.,
Kamen nur
zwei wieder.
Alle andren
wurden in demselben Lager
Gegen
'Krankheiten’ gespritzt,
Man
spritzte sie mit Waschbenzin
Zu Tode.
Danach kam
sie in das Arbeitslager
Barth in
Pommern.
Die Kusine
blieb zurück.
|
Sie selber
musste Nieten lernen
Und
vernietete an siebzehn, achtzehn Stunden täglich,
Flugzeugteile,
Und sie
durfte nicht den kleinsten Fehler machen.
Jeder der
nur einen Fehler machte,
War ein
Saboteur
Und wurde
an die Wand gestellt.
Zwei junge
Mädchen hatten an dem Arbeitsplatz,
Sie waren
vierzehn Jahre alt und fünfzehn,
Aus
Versehen und aus Überforderung
Ein
Werkzeug eingenietet,
Und sie
wurden noch am selben Tag
Erschossen.
Dort blieb
sie drei Monate,
Dann wurde
sie ins Kettenwerk
Nach
Langenhorn gebracht.
Dazwischen
lagen andere Transporte,
Dabei wurde
jedes Maß an Grausamkeit,
Unmenschlichkeit
erreicht
Und überschritten.
So wurd' den KZ- Insassinnen gesagt,
Sie würden
ein paar Stunden
Unterwegs
sein,
Und man
sperrte sie in Wagen ein,
Die schloss
man einfach ab
Und ließ
sie reisen,
Und es
waren manchmal Wochen,
Die sie in
Waggons verbringen mussten,
So dass
viele unter ihnen starben,
Die ließ
man am Boden liegen,
Und es
trieb sie Durst und Hunger
Zu den
Schreckenstaten,
Dass sie
Fleisch in Fetzen von den Körpern rissen
Und es
aßen,
Und sie
tranken ihren eigenen Urin.
Die Leichen
blieben später in den Wagen.
Nur in
Häftlingskleidung kam Frau E.
Vom
Langenhorner Kettenwerk
Zum
KZ-Außenlager Sasel.
Dort traf sie
noch einmal auf Sulejka K.
|
Die einst
so schöne, junge Frau
Von
siebzehn, achtzehn Jahren
Lag nun auf
dem Steinfußboden,
Der war
kalt, im Sterben.
Die Kusine
war von einem Schwarzhemd
Vergewaltigt
worden
Und sie starb
an einer Totgeburt,
Die hatte
sie grad' hinter sich.
Sulejka hatte mit der Mutter
Einen
Leidensweg beschreiten müssen,
Der begann
in Königsburg
Und führte
gleich nach Auschwitz,
Wo man ihre
Mutter von ihr trennte
Und
vernichtete.
Das wusste
ihre Tochter nicht,
Die war
noch arbeitsfähig,
Und man
steckte sie nach Ravensbrück
Und dann
nach Sasel,
Wo sie
jämmerlich zugrunde ging
Und auch
beerdigt wurde,
Das war in
den letzten Tagen dieses Krieges,
Und sie
hatte eine Nachricht
An die
Mutter hinterlassen,
Die blieb
bei Frau E.
Frau E.
erlebte dort das Ende mit,
Als man das
Lager öffnete
Und sie
befreite,
Und es
hatte zu der Zeit
Um tausend
Frauen aufgenommen,
Die aus
ganz verschiednen Lagern kamen
Und in
Poppenbüttel
Plattenhäuser
hatten bauen müssen,
Und sie
wurden von den
Schwarzhemdfrauen
überwacht.
Die flohen
plötzlich
In der
Häftlingskleidung,
Und sie
wurden abgelöst von Zollbeamten,
Die sehr
nett und freundlich
Zu den
Frauen waren.
Die
erwarteten das 'Rote Kreuz‘,
Das sie in ihre Heimat bringen sollte.
Das geschah
zum großen Teil.,
Wenn es
geschehen konnte,
Und das
Lager wurde abgebrannt,
Und für
Frau E.
Ließ man
doch eine der Baracken stehen,
Darin
wollte sie von nun an wohnen
Und in Sasel bleiben.
|
|
Frau U. ist eine Lehrerin,
Und die
berichtet nun.
Die
Jugendlichen hatten sie
Schon
einmal angesprochen,
Weil sie
wussten, dass die Frau
Als junges
Mädchen in den Kettenwerken
Einer
Munitionsfabrik am Bahnhof Ochsenzoll
Im Zwang
gestanden hatte.
Damals war
der Krieg,
Und sie und
andere Studenten
Hatten
Kriegseinsatz zu leisten,
Und man
hatte sie gezwungen
Und sie vor
die Wahl gestellt.
Sie war
sich schnell mit ihrer Freundin einig
Und
entschied sich,
Nicht als
Schaffnerin auf einer
Straßenbahn
zu fahren.
Ihre Angst
vor Bomben war zu groß.
Als
Schaffnerin auf einer Straßenbahn,
So dachte
sie,
Wär' nie
ein Bunker in der Nähe,
Und sie
ging zur Munitionsfabrik.
Hier kam
sie in ein Kettenwerk,
In einen
extra Raum,
Der wurde
den Studenten zugewiesen,
Und man
wollte diese jungen Mädchen
Nicht
sofort an die Maschinen schicken,
Und man
bildete sie aus,
So gut es
ging,
So schnell
es ging,
Das dauerte
zwölf Wochen,
Dann fand man
sie in den Hallen wieder.
|
Und Frau U.
war klein,
Die Hallen
waren riesengroß,
Da drinnen
standen elf Maschinen,
Die bis an
die Decke reichten.
Die
Maschinen pressten
Hülsen für
Granaten,
Und sie
hatte deren Größen nachzumessen.
Alle Frauen
die dort saßen,
Saßen auf
dem Stuhl,
Das war erlaubt,
Und die
Maschinen warfen immer nur
Die Hülsen
aus
Und
spuckten sie den zwanzig Frauen
Vor die
Füße,
Fast in
ihre Schöße.
Sie und
ihre Freundin glaubten
Unter Jüdinnen
zu sitzen,
Und die
Frauen sahen nicht verwahrlost
Und nicht
ausgemergelt aus
Und waren
hübsch und gut genährt
Und um die
dreißig Jahre alt.
Die beiden
durften nicht
Mit diesen
Frauen sprechen.
Hinter den
Maschinen saßen Männer,
Die sehr
freundlich auf sie schauten,
Und sie
glaubten diesmal,
Dass es
Russen wären,
Und die
schliffen sich aus Abfallresten
Heimlich
scharfe Messer,
So dass sie
sich fürchteten,
Das sei ihr
unheimlich gewesen, sagt sie schnell.
|
Gespräche
konnte sie nur mit der Freundin führen.
In der Halle
war der Lärm fast unerträglich.
Mit den
andren Frauen durften sie nicht sprechen,
Und am
Eingang und am Ausgang
Wachten Schwarzhemdfrauen,
Die die
Augen nicht von ihnen ließen.
Und die
Frauen fanden einen Weg,
Dass sie
doch miteinander reden konnten,
Trotz des
Lärms und trotz der scharfen Augen,
Weil die
Frauen
So nicht
miteinander schweigen wollten,
Und es
unterhielten sich die Freundinnen
Und
sprachen im Gespräch,
Was sie den
andren sagen wollten,
Und sie
sprachen laut,
Die andren sprachen unter sich
In einem
anderen Gespräch
Und
unterhielten sich so gut es ging
Auf' diese
Weise und befragten sich.
Sie stießen
bei den Frauen
Nicht auf
Bitterkeit und Abwehr,
Wie sie es
befürchtet hatten,
Und die
Sorge,
Dass sie
Abscheu ernten würden,
War
umsonst.
Die Frauen
kamen aus Rumänien
Und aus
Ungarn,
Und sie
baten gleich um Kleinigkeiten,
Die sie
sehr vermissten,
Die
erhielten sie, indem die Freundinnen
Sie
"zufällig" in ihrer Nähe
Fallen oder
liegen ließen.
|
|
Frau U. ist sehr bewegt,
Und sie
erinnert sich an eine Bitte,
Die war
ungewöhnlich.
Eine Jüdin
hatte sie nach der Ballade angesprochen,
Die von
Theodor Fontane stammte,
Und sie
wusste nur den Anfang
Und auch
den nicht mehr genau,
Sie meinte,
dass sie so begann:
"Getragen
hab' ich's sieben Jahr..."
Das war
nicht ganz getreu
Und doch
verstand Frau U. sofort,
Wovon sie
sprach
Und hatte
keine Möglichkeit,
Den Text in
die Fabrik zu schmuggeln,
Und sie
lernte alle dreiundzwanzig Strophen
Und sprach
sie ihr vor
So oft sie
es nur wollte.
Ich selber
und die Freundin
Wohnten in
privaten Häusern.
|
Täglich
hatten wir acht Stunden
In dem
Kettenwerk zu arbeiten,
Und wir
erhielten Lohn dafür.
Und ich
empfand die Arbeit,
Die ich
machen musste, als unangenehm,
Ganz
unnütz, sinnlos und "nervtötend",
Wenn ich an
den Lärm in diesen Hallen denke.
Frau U. wurd' nun von vielen Jugendlichen
Unterbrochen,
die von der Ballade,
Von dem
König Jacob und dem Grafen Douglas
Gar nichts
wussten,
Und man
holte aus der Bücherei das Buch
Und las die
Verse allen vor,
So dass man
ahnen konnte,
Welcher
Freiheitswille, Friedenswille,
Welcher
demutsvolle Geist,
Von einem
freien Stolz emporgehoben,
In dem Kopf
der Jüdin leben musste.
Und Frau U.
fuhr fort:
|
Die
Judenfrauen,
Die zur
Arbeit kamen,
Kamen nur
zu dritt
Und wir
erfuhren nicht, woher sie kamen,
Wir
vermuteten daher,
Dass sie
auf dem Fabrikgelände
In Baracken
wohnen mussten,
Und der
Eingang, den sie nahmen,
War auch
vom Gelände aus.
Gleich nach
dem "Zusammenbruch"
Begegnete
ich vor der Kirche in Fuhlsbüttel,
Die war
evangelisch,
Einer
Jüdin, die ich hätte kennen müssen,
Und ich
traute mich doch nicht sie anzusprechen;
War es
Schamgefühl,
Ich machte
mir auch Selbstvorwürfe,
Ach, ich
weiß es nicht..
Ich hatte
ja gehört,
Wie es den
Jüdinnen ergangen war
Und hätte
ihr vielleicht mit einem Mantel
Helfen
können....
|
|
Es entbrennt nun eine Diskussion
Um das
Gedicht, das man gehört hat,
Die soll
ganz getreu
Dem Leser
vorgetragen werden.
Es ergibt
sich dieses Bild:.
Die
Häftlingsfrau erkennt sich
In dem
Grafen Douglas wieder,
Der aus dem
Geschlecht der Douglas' stammt,
Das lebt,
vom König Jacob unterdrückt,
Im Elend,
das ist hier in Not
Und auf
verdammter Erde.
In dem
König sieht sie die Schwarzhemdnation,
Die ist nur
eine einzige Person,
Der steht
sie gegenüber,
Die spricht
ihre Hoffnungen
Und ihre
Wünsche an.
Sie hätte
sich Frau U. so gerne mitgeteilt,
Das ging
nicht, wegen der Bewacherinnen,
Und sie
wünschte sich,
Wie es in
dem Gedicht geschah,
Ein
"Happy End" für sich.
Sie wollte
ihr Geschick als Judenfrau
Nicht mehr
ertragen,
Ja, sie
hätte sich zu gerne
Mit dem
Wagnis auf den Schultern
Vor die
Schwarzhemdschar gestellt
Und sie um
Gnade angefleht
Und ihr die
Knechtschaft angeboten.
Sie war
innerlich maßlos erschöpft
Und in der
Lagerkleidung
Unwürdig
gekleidet
Und
verkleidet
Und
entstellt
Und dachte
dabei auch an ihre
Leidenskameradinnen.
|
Sie hielt
sich nicht
Mit
zweifelhaften Fragen auf,
Und gab die
übergroße Macht
Des Königs
Jacob zu
Und auch,
dass sie in Schuld verstrickt,
Nun vor ihm
stehe.
Diese
Schuld, so schien es, meinte sie,
Sei zwar
die Schuld des Volkes,
Und sie
habe selber nichts verbrochen,
Doch sie
wusste,
Dass der
König sie nicht aus dem Kollektiv
Entlassen
würde,
Und das
wäre ihr auch nicht genug,
Und sie gab
alles zu.
Der König
aber gab ihr selbst die Schuld am Krieg,
Der sei um
ihretwillen
Und um
ihres Volkes willen
Ausgebrochen.
Ihre
Sehnsucht ist die Hand des Königs,
Die will
sie berühren
Und ihn
damit rühren,
Und ihn an
die Zeiten festen Friedens
Zwischen
ihren Völkern denken lassen,
Als die
Völker ineinander leben konnten,
Wie es die
Geschichte
Und das
Wissen um die Dinge
Tausendmal
bewiesen haben.
Und der
König gab dies zu
Und ließ
sie dennoch auf den Knien liegen,
Und verwies
sie auf ihr Judentum,
Das wäre so
nicht abzutun,
Es wäre
wohl am besten,
Würde er
sie übersehen
Und die
Augen über sie hinweg
Ins Weite
schicken,
Dann müsst'
er, der König,
|
Nicht die
Nähe sehen
Und sie
töten.
So,
erinnern sich die Alten,
Die das
Zeugnis geben sollen,
Haben viele
sich verhalten,
So zum Beispiel
einige Bewacher,
Die nicht
sahen, was sie sehen sollten.
Diese
kleine Judenfrau
Gibt noch
nicht auf
Und bietet
ihrem König ihre Hilfe an
Und denkt
an echte Dienerschaft,
Die soll
ihr recht sein,
Und sie
will nur eines,
Sie will
frei, will akzeptiert seine
Und sie
hofft, wie in den Strophen,
Auf die
Geste,
Die sie
hoffen lassen könnte,
Und sie
lebt von dieser Hoffnung
Und erfleht
ein Enden lassen dieser Grausamkeiten
Und erfleht
Besinnung auf Gerechtigkeit
In Frieden.
So
besprechen sie nun alle,
Was die
Jüdin sich beim Hören der Ballade
Hatte
denken können,
Und sie
sagen auch,
Dass sich
die Wahrheit von der Illusion
Sehr
unterscheidet,
Denn es
hätten nicht die Juden
Diesen
Grund gehabt,
Sich
schuldig zu bekennen,
Sondern
jedes Schwarzhemd,
Das sie mit dem Bild des Königs Jacob überdeckte,
Und die
hätten eigentlich
Um Gnade
bitten
Und in
Wahrheit ihre Schuld bekennen müssen.
|
|
Die Jugendlichen und die anderen
Begeben
sich noch einmal zu den Steinen,
Und sie
hören tief hinein.
Die Steine
haben einen Rhythmus,
Der sich
wiederholt,
Verraten
eine Kette nur aus Worten,
Eine dünne
unsichtbare Fährte,
So, als
könnten Steine bluten,
Und man
übersetzt den Singsang laut:
|
"Aus
Hilfsbereitschaft, Scham und Angst,
Gelassenheit
und Abgestumpftheit,
Ahnungslosigkeit
und Schwarzhemdtragerei,
Ergibt sich
dieser Tanz,
Der macht
uns Steine schwindeln,
Die
Erinnerung verblassen.
Auskristallisiert
ist unser Blut,
Ein Gut,
Das kann man
mit den Händen fassen."
|
Daraus
lässt sich eine schwere Klage fassen,
Die nimmt
man mit heim
Und lässt
den zweiten Tag sich auf die Steine setzen,
Um mit sich
allein zu sein,
Denn morgen
ist ein neuer Tag,
Das ist der
dritte Tag,
Den sollte
man dem Singsang widmen,
Und man
wird noch einmal neu zusammentragen
Und
berichten lassen.
|
|
Der dritte Tag beginnt
Mit einer
Lesestunde,
Die ist gut
für alle,
Und es ist
durchaus nicht gut für alle
Was sie
hören,
Und sie
hören es mit Sorge
Die hat nun
die Jugendlichen eingenommen,
Und sie ist
den anderen Besitz,
Den haben
die erhalten
Oder
achtlos liegen lassen
Und
verloren.
Dieses
steht in den Erinnerungen
Des Herren
D.:
"Man
hatte der Besatzungsmacht
Drei Tage
für die Plünderung der Stadt gegeben,
Das war
gleich im Anschluss
An das Ende
dieses Krieges.
Der
Bevölkerung verbot man in der Zeit
Die Häuser
zu verlassen.
Diese Tage
waren schon vorbei,
Da ging es
vor den Toren unsrer Stadt,
Hier
draußen,
Doch noch
turbulenter zu.
Wir hatten
durch die aufgelösten Lager
Plötzlich
neu zu leiden,
Und wir
hatten kaum von deren
Existenz
gewusst.
Die Wachen
hatte man vertrieben
Oder sie
nach Haus' geschickt,
Damit war
die Beköstigung im Lager
Auch
beendet.
|
Außerhalb
war alles rationiert,
Und harte
Strafen
Wurden für
Verstöße angedroht
Und
ausgeführt.
In Trillup, auf dem Hof,
Verköstigte
man weiterhin
Die
russischen Gefangenen.
Die waren
frei
Und hatten
die Befreiung oft besprochen,
Und die
einen freuten sich,
Die andren
hatten Angst vor einer Heimkehr,
Und man
würde sie vielleicht erneut
Ins Lager
stecken, weil sie von dem Land,
Aus dem sie
kommen würden, zu viel wussten,
Und sie
hatten von Sibirien gehört,
Das war für
sie der schrecklichste der Schrecken.
Sie
erbettelten sich erst einmal ein Fahrrad,
Um die
Gegend zu erkunden.
Die
Bevölkerung erfuhr dann von dem Lager
Auf dem Saselberg,
Das hatte
Jüdinnen und Ukrainerinnen freigelassen,
Die um
Lebensmittel fragen kamen,
Und sie
irrten in der ganzen Gegend
Hin und
her."
Herr D.
erinnert sich auch noch:
"Ich
ging zur Polizei nach Hamburg
In der
Dammtorstraße,
|
Die
vermittelte mir eine Nummer der
Besatzungsmacht,
Die könnte
ich im Notfall schnell erreichen.
Als nun
zwanzig Ukrainer kamen
Und vor
meiner Tür
Und in den
Fenstern standen,
Rief ich an
Und ließ
mich mit dem Obersten verbinden.
Fast im
selben Augenblick
Erschien
ein Offizier im Hof,
Und wenig
später zogen jene Ukrainer ab,
So dass ich
mich beim Obersten entschuldigte
Und ihn
nicht kommen ließ.
Ich ahnte
jedoch nicht,
Dass unsre
Wirtschaftsfrau., den Speck,
Den wir
noch hatten,
Kräftig
diesen Männern aufgeschnitten hatte,
Und der
Offizier verlangte nun von mir
Zwei "Springhens",
Das sind
fette Hühner, für die Siegesfeier,
Und ich
lachte über ihn,
Und seine
Hühner müsst' er selber fangen,
Und ich
sagte auch von meiner Nachricht
An den
Obersten,
Der müsste
sehr bald kommen,
Und die
Hühner ließen sich nicht fangen,
Und der
Offizier wollt' sich vom Obersten
Nicht
fangen lassen
Und zog
ab."
|
|
Das war aus den Erinnerungen des
Herrn D.,
Und alle
haben zugehört,
Und soviel ist gewiss,
Herr D.
stand nicht im Schock des Lagers
Und war
nicht betroffen.
In der
Sorge um sich selbst
Vergaß er
jedes Mitleid
Und
erfasste nicht die Tiefe des Problems
Und hatte
auch kein Mitgefühl
Und dachte
an die eigenen Probleme,
Und es intressierte wirklich niemanden das Lager
Und die
Menschen, die von dorther kamen.
Noch im
ersten Atemzug der neuen Freiheit
Starben
zwei der Lagerfrauen.
Dass das
Unrecht, das gewesen war,
Nun Unrecht
blieb
Und nicht
zurechtzubiegen war,
Verstanden
die, die das beschrieben,
Damals
nicht.,
Und alles
spielte sich im Auge derer,
Die es
sahen, ab,
Und die
Bevölkerung,
Die auch
mit diesem Auge sah, sah nichts.
|
"Herr
D." so sagt ein Jugendlicher,
"Schreibt
nur seine Wahrheit,
Denn wir
wissen ja,
Dass viele
die KZ- Insassinnen an jedem Tage sahen,
Nur, sie
kannten nicht die Hintergründe,
Und sie
sahen nur den Vordergrund,
Dass war
die Propaganda,
Das, was
jedes Schwarzhemd sagte:
"Die
im Lager sind nur eine Bande
Kriegsgefangener
und Sträflinge."
Und:
"Das
sind alles Arbeitsscheue,
Denen
werden wir's schon zeigen,
Und wir
bringen ihnen bei
Was Arbeit
ist,
Sie werden
uns auf Knien dafür danken!"
Und sie
sagten:
"Es
ist nützlich,
Wenn sie
uns beim Hausbau helfen,
Und die
Juden haben uns geschadet,
Und es ist
gerecht für sie
Hier etwas
wieder gutzumachen,"
Und sie
sagten:
"Das
sind Untermenschen,
Das sind
fremde Rassen,
Die sind
gar nichts wert.,"
|
Und sagten:
"Wir
verstehen nicht,
Wo uns ein
Vorwurf treffen sollte,
Lager mit gefangnen Menschen
Gibt es
nicht bei uns,"
Sie sagten
zur Bevölkerung:
"Wir
haben große Sorge
Um die
tapferen Soldaten.
Diese Sorge
teilen wir mit euch.
Wir müssen
alle standhaft sein
Und dürfen
uns von Bomben
Nicht mehr
überraschen lassen,
Und wir
müssen unsre Nahrungsmittel
Noch
gerechter teilen.“
„Und Herr
D.", so sagt der Jugendliche,
"Ist
wohl, wie die meisten waren,
Und die
eigenen Probleme waren nah genug,
An andere
kam er nicht mehr heran
Und wollte
davon auch nichts wissen.
Man darf
trotzdem nicht vergessen,
Dass es
Menschen gab, die helfen wollten
Und es
taten,
Und sie
taten es entgegen dem Verbot."
|
|
Es geht nun um den Spruch der
Steine,
Der soll
Sinn bekommen,
Und
"…das Blut,
Das uns zum
Gut geworden ist,
Das
auskristallisierte,
Das man mit den Händen fassen kann",
Das sind
die Steine sicher selbst.
Sie werden
so als Zeugen und als Zeugnis
Liegen
bleiben
Bis auf
einen,
Der soll
mit der Steinschrift unsrer Sprache
überzogen
werden
Und zur
Mahnung an der Straßenecke
Feldblumen-
und Petunienweg
Die
Menschenwürde fassen
Und ein
Schlüssel bleiben.
In den
Protokollen,
Die die
Jugendlichen gar nicht alle kennen,
Wird die
Hilfsbereitschaft angesprochen,
Die war
häufig in den Reihen armer Leute,
Und die
leisteten die Hilfe auch.
Es waren
meistens Frauen, Siedlerfrauen,
Die aus
eigner Not
Die Not der
anderen erkannten
Und zu
mildern suchten,
Und die
gaben von dem wenigen, das sie besaßen,
Ab an die
KZ-Insassinnen.
Die Frauen
zeigten Mut
Und zeigten
Taten,
Und die
Männer blieben stumm,
Von ihnen
steht in den Berichten nichts.
Auch findet
man nicht einen Hinweis
Auf die
Hilfe reicher Leute.
|
Die
befanden sich fast ausnahmslos in der Partei,
Die war die
Heimat jeder Schwarzhemdträgerei.
Selbst die,
Die nur
Steigbügelhalter waren
Brachten
keine Hilfe,
Um sich
selbst nicht zu gefährden.
Insgesamt
erstaunt das Ausmaß aller Hilfe,
Doch es
blieb nur Milch,
Die man im
Dorf verteilte,
Die
erreichte ganz bestimmte Leute,
Längst
nicht alle.
Von den
anderen.,
Die sich
auch ganz 'bestimmten Kreisen'
Zugehörig
fühlten, wusste man,
Dass sie
sich heftig gegen die Beerdigung
Der
Judenfrauen zwischen 'ihren Reihen' auf dem
Friedhof Bergstedts wehrten,
Und Herr D.
lässt in dem Auszug aus Erinnerungen
Keine
Zweifel an der Meinung der Bevölkerung,
"Dass
diese Frauen,
Jüdinnen
und die Zigeunerinnen
Wieder betteln
gingen."
Frauen, die
die Hilfe gaben,
Hatten
häufig Mitleid,
Und sie
hatten die Insassinnen
Zuvor im
Arbeitslager elendig
Verkümmern
sehen,
Und der
Anblick löste mütterliches Wollen aus,
Vielleicht
berührte er auch das Gewissen,
Dass sie
meinten:
"Frauen
müssen Frauen helfen".
|
Bei den
Männern war die Sorge
Um den
Arbeitsplatz zu groß,
Man hätte
ihn verlieren können,
Und es lag
ein Druck auf ihnen.
Insgesamt
ergab sich eine
Nicht
organisierte Hilfeleistung,
Die
berührte nicht das Übel.
Man
erzählte später,
Dass die
Frauen weitaus weniger
Ans
"Übermenschliche" der Schwarzhemdträger glaubten
Als die
Männer,
Diese
hatten denen
Alle
Arbeitsplätze zu verdanken.
Frauen
waren auch politisch
Kaum zu
motivieren
Von der
Propaganda wurden sie
Nicht allzu
sehr erfasst.
Sie
retteten sich so ein Mitgefühl,
Das ließ
sie menschlich bleiben.
"Heute"
sagt ein Jugendlicher,
"Sind
wir auch schnell Opfer einer Politik
Und sollten
uns doch davor hüten
Und uns
Mitgefühl bewahren
Und uns
unser Denken
Nicht von
anderen verdenken lassen,
Und wir
sollten uns viel häufiger besinnen
Auf die
Menschenrechte,
Die die
andren haben,
Und es kann
im Grunde nur vereinte Hilfe
Hilfe
leisten
Und das
Unrecht deutlich machen."
|
|
Aus einem andren Protokoll
Wird
vorgelesen:
Von Frau R.
Erfährt man
etwas über Lena G.,
Die dachte
ganz aktiv an Unterstützung
Der
Insassinnen
Und
bettelte und bat die Nachbarinnen
Um die
Lebensmittelreste,
Damit fuhr
sie zum Berliner Tor in Hamburg
|
Und
verstaute ihre Schätze
In dem
Pappkarton,
Den warf
sie von der Brücke,
Unter der
die Frauen
Schwere
Gleisarbeit verrichteten,
Ganz
wortlos auf die Schienen,
Und den
Frauen in der Tiefe
Brauchte sie
nichts zu erklären.
Heute ist
Frau Lena G. vergessen,
|
Tot
vielleicht,
Man weiß es
nicht.
In ihr
erkennt man einen Ansatz.
Großer
Hilfeleistung.
Ihren Mut
nahm sie vielleicht aus sich,
Vielleicht
war sie wie die
Als Fremde
in der Fremde,
War
vielleicht selbst eine Polin.
|
|
Ein andres Schriftstück
Zeigt die
Hilfe von Frau K.,
Die hatte
auf dem Boden ihres Daches,
In dem
eignen Haus Insassinnen versteckt.
Die wurden
mit der Hilfe eines Otto G.
Ernährt.
Familie G.
gab dazu an:
"Es
war nicht nur ein Arbeitslager,
Sondern ein
KZ und galt als solches.
Das wurd' nicht geheim gehalten.
Tags war
niemand da.
Ein Trupp
von diesen Frauen
Wurde oft
im Saseler Mühlenweg gesehen.
Herr A. S.,
ein Bauer,
Fuhr die
Toten aus dem Lager
Zu dem
Friedhof Bergstedt's."
Als Frau G.
an einem Tag im Wald mit der Kusine
Auf die
Frauen stieß,
Versteckten
sie sich hinter Bäumen,
Weil die
Scham sie überkam,
|
Sie
schämten sich fürs Vaterland
Beim
Anblick der armseligen Gestalten.
Wenn die
starben, starben sie nicht an der Folter
Sondern vor
Erschöpfung
Und an
krassestem Ernährungsmangel.
Diese
Frauen hatten auf dem Friedhof Ohlsdorf
Bombenopfer
aus Fuhlsbüttel zu begraben,
Andre
wurden in das Gummiwerk in Barmbek
Kommandiert.
Die Frauen
zeigten die kaputten Beine,
Das sah
schrecklich aus.
Sie hatten
immer holzgeschnitzte Stiefel
Tragen
müssen.
Eines Tages
hieß es,
Dass die
Lager ihre Tore öffnen würden,
Und es
brach ein lautes
Weithin
dringendes Geschrei der Frauen
Von dort
aus.
Herr G.
erhielt Besuch von einer Lageraufsicht,
Die
empfahl, die Türen zu verschließen,
|
Denn die
freigelassenen Frauen
Würden
"alles klauen,
Was sie in
die Finger kriegten".
G.'s bedachten,
Dass es
anders besser wär',
Und
schlossen keine Türen ab.
Die Frauen
kamen,
Und es
waren fünf von ihnen,
Die um
Essen baten,
Und
erhielten von den G.'s
Auch
Kleidung.
Ganz zum
Schluss entließ man aus dem Lager
Russinnen,
Darunter
war "Maria",
Die war
sechzehn Jahre alt und klein,
Sie sprach
ein wenig diese Sprache
Und
erzählte G.'s, bei denen sie nun öfter kam,
Dass sie
nur wegen eines Passes,
Den sie
nicht zur Stelle hatte,
Festgenommen
und verhaftet worden war.
|
|
Hier in Sasel
Gab es
Angst in der Bevölkerung.
Man konnte
sich nicht frei bewegen,
Sich nicht
frei erkundigen,
Warum das
Lager Nachts
In einer
Lichterglocke stand.
Die eine
Zeugin sagte,
Dass ihr
Mann bei dieser Frage
Seine
Finger als ein Gitter vor den Mund
Gehalten
habe.
|
Eine andre
Zeugin sagte aus,
Man hätte
nie mit den Insassinnen
Auf ihrem
Weg zum Bahnhof Poppenbüttel
Sprechen
können;
Dafür
wurden sie zu streng bewacht.
Man wagte
es nicht einmal
Sie genauer
anzusehen.
Die
Bevölkerung, so sagt eine andrer Augenzeuge
Zeigte auf
den Anblick dieser Judenfrauen
|
Keine
Reaktion.
Sie wussten
nicht,
Ob es sich
um KZ-Insassinnen,
Vielleicht
um Strafgefang‘ne aus Fuhlsbüttel
Handelte.
Man hatte
selber Angst,
In das KZ
gesteckt zu werden.
Einer Frau,
die diesen Frauen
Brot in
ihre Tasche steckte,
Hatte man
das angedroht.
|
|
Ein Ehepaar berichtete,
Das sind
nun immer noch die Protokolle,
Wenn man
will,
Der Tanz,
von dem die Steine sprachen,
Dieses Paar
berichtete,
Dass die
Insassinnen an allen Plattenhäusern
"Schuften"
mussten.
"Wer
den Frauen Nahrung gab,
Bekam
sofort mit der Bewachung Ärger,
Und die
drohte Prügel an.
Am
schlimmsten und verrufendsten
Und am
brutalsten waren Schwarzhemdfrauen.
|
Offiziell
war gar nichts zu erfahren.
Von der
Aufsicht
Gab es
keine Antwort, höchstens:
'Alles
bestens, alles bestens,
Kümmern Sie
sich nicht darum,'
Und die
Insassinnen erhielten,
Wenn sie
etwas sagen wollten, Schläge.
Wir
besprachen damals, was wir sahen,
Im
Familienkreis,
Der wurd' aus Angst vor neuer Angst
Sehr klein
gehalten.
|
Fremde
standen im Verdacht,
Das was sie
hörten,
Gleich dem
Schwarzhemd anzuzeigen.
Insgesamt war
diese Sache
Nur im
engsten Kreis bekannt
Und
breitete sich so nicht aus.
In
Volksdorf, das ist nur ein wenig abgelegen,
Wusste
scheinbar keiner etwas von dem Lager.
Einige der
Leute fuhren mit dem Fahrrad
Nah heran,
aus Neugier, um hinein zu sehen,
Um den
Frauen, die im Duschraum standen.,
Zuzuschauen
?"
|
|
Es gibt ein Protokoll
Des
Telefongespräches mit Herrn A.,
Der war zu
der Zeit fünfzehn Jahre alt:
"Ich
wusste
Von dem
Lager und den Judenfrauen.
Plattenhäuser
rechts der S- Bahn
Haben sie
gebaut,
Mit
Schaufeln, Eimern mussten sie
Die
Fundamente schütten.
Andre
fuhren in vergitterten Waggons der S- Bahn ,
In die
Stadt.
Wohin, das
konnte niemand sagen.
Ich war
damals in der Lehre
Und
begegnete den Frauen morgens
Auf dem Weg
zur Bahn
Und abends
auf dem Weg ins Lager.
Damals
musste auch ein Lehrling
Zehn, elf
Stunden arbeiten.
Die
Kleidung der Insassinnen war
"Grau
in grau",
Und
Streifen waren kaum erkennbar.
An den
Füßen hatten sie nur Holzpantinen.,
Mit ein
wenig Leder übernagelt.
Einer Herde
Schafe glichen sie.
Ergeben in
sein Schicksal
Schlurfte
dieser Frauenzug den Weg entlang,
Es war ein
Elendszug
Von
abgemagerten Gestalten.
Die
Bewachung war ganz schlecht,
Und die
Kolonne zog sich weit durch Straßen,"
Und Herr A.
verstand es nicht,
Warum auch
heute noch so viele sagten,
Dass sie
alles nicht geahnt, gewusst, erfahren hätten.
Er, so sagt
Herr A.,
War allerdings
total verschüchtert,
Dass er
nicht einmal die Frauen angesehen hätte,
Und man
hätte ihn bestimmt "zusammengeschissen".
"Jedes
Schwarzhemd war gefährlich,
Und die
steckten überall
Auch in der
Hitlerjugend,
Und es ging
um Kleinigkeiten,
Die zum
Anlass wurden:
Koppel, das
nicht grade saß,
|
Die Uniform
war nicht genau gewinkelt,
Irgendwelche
Maße stimmten nicht.
Man wurde
völlig nachgemessen
Und verordentlicht,
Das konnte
einem überall passieren,
In der
Schule, auf der Polizei,
Von Leuten,
die beim Luftschutz waren und von anderen.
Herr A. litt
damals sehr viel Hunger.
Prügelstrafen
hat er nicht gesehen,
Und die
Männer, die die Wache hatten,
Waren lange
nicht so schlimm, wie Frauen.
Ja. Herr A.
sagt, dass die Männer 'milder' waren,
Als das
Frauenpersonal.
Die Angst
der Saseler in Sasel
War nicht
aus der Luft gegriffen:
Alle waren
sie drei Jahre vor dem Ende
Dieses
schlimmen Krieges aufgerufen worden,
Sich das
gnadenlose Tun der Schwarzhemdträger
Anzuschauen
und mit eignen Augen
Die
Bedrohlichkeit zu sehen.
Eine Flucht
kam nicht in Frage.
Wohin hätten
sie entkommen sollen.
Niemand
hätte sie verstecken können
Oder
wollen.
Alle lebten
in der Lethargie,
In
Abgestumpftheit, Magerkeit der Sinne,
Lebten in
der Angst, in innrer Spannung,
Scham,
Gelassenheit
Und in Verbohrtheit,
Ahnungslosigkeit,
In einem
Tanz,
Der alle
alles schwindeln machte.
Niemand
mochte Fragen stellen,
Ähnlich,
wie es heute im Nachbarland geschieht,
Das ist
kein Nachbarland,
Das ist das
Bruderland,
Und ich, so
sagt Herr A.,
Wen sollte
ich mit fünfzehn Jahren fragen?"
Durch den
Vater, damals "Sozi" und ein Demokrat,
Sei er
gleich mit verschrien gewesen,
Und sein
Lehrer habe ihn deswegen vor den Schülern
Schwer
gekränkt.
Er habe
deshalb nie den Weg,
In dem das
Lager lag, betreten,
|
Und er habe
Angst gehabt,
Und wollte
kein Intresse zeigen.
"Damals
hat man dies Problem verdrängt.
Der Hunger
stand zu nah,
Man achtete
auf Luftangriffe
Und auf
Bombentote."
Immer
wieder sah man
Tote in der
Stadt.
Es wurde
damals auf Gut Hohenbuchen
Eine Tötung
vorgenommen,
Als der
Pole A. S. öffentlich
Auf
Anordnung der Schwarzhemdträger
Hingerichtet
wurde,
Und man
machte nicht viel Federlesens
Und
erhängte ihn.
Der hatte
eine Liebschaft unterhalten.
Das war
jedem Zwangsarbeiter
Streng
verboten,
Nicht ein
Wort hätt' er an eine Frau
Aus dieser
Heimat richten dürfen.
Auch die
Frau, um die es ging,
Erhielt
drei Jahre Zwangsarbeit in Ravensbrück,
Die endeten
fast zu der gleichen Zeit
Wie dieser
Krieg.
Frau B. war
damals auch dabei gewesen,
Und sie gab
nun an:
"Der
Pole hatte auf dem Hof zu schaffen
Und
poussierte mit dem Heimatmädchen,
Das war
schwer verboten.
Auch der
Bauer warf ein Auge auf das Mädchen,
Doch das
zog den Polen vor.
So zeigte
er den Polen an,
Das machte
er aus Eifersucht,
Dass der zu
Tode kam.
Im
Alstertal wurd' dieser Mann gehenkt,
Und alle,
die im Zwange standen,
Mussten
Zeuge sein,
Man lud
auch alle Klassen einer Schule ein,
Sich das
mit anzusehen.
Als das
"Reich der Reiche",
Weil es
tausend Jahre währen sollte,
Dann
zusammenbrach,
Erhängte
sich der Bauer,
|
|
Nun kommen noch zwei Protokolle,
Die die
Steine schwindeln machten,
Die
Erinnerung verblassen ließen.
So erzählt
Frau J.:
"Ich
war wohl zwischen zehn und fünfzehn
Jahre alt,
was ist das schon.
Den Kindern
wird der Tisch gedeckt,
Sie fragen
nicht warum,
Und alles
steht bereit,
Und jemand
sagt: "Iss deine Speise,
Dass du
wächst."
Wir Kinder
hatten kein Intresse
"solche
Dinge" zu erfahren.
Wir
verstanden "davon" nichts,
Besonders,
wenn sich etwas zeigte,
Das ein
schlechtes Licht aufs Arbeitslager warf.
|
Man sagte
uns,
Dass
Arbeitslager nützlich wären,
Und es gäbe
gute Gründe ihrer Existenz.
Wir hielten
es für ganz normal,
Wenn
Hunderte von diesen Frauen
Morgens
durch die Straßen, über Wege zogen,
Und man sie
zur Arbeit führte.
Viele Leute
hatte man 'evakuiert',
So hieß es
damals.
Das geschah
mit Menschen,
Die in
einem 'solchen Staat nicht
Oder gar nicht
mehr benötigt' wurden."
Und Frau J.
erinnert sich an eine Freundin
Aus der
Schule,
Die geriet
ganz plötzlich in Verruf,
Weil sie
von Juden stammte.
|
Selbst der
Leiter dieser Schule
Sprach die
Schülerinnen darauf an,
Sie sollten
von dem Mädchen Abstand halten,
Das sei
besser so.
Trotzdem
verblieb das Mädchen
Bis zum
Ende seiner Schulzeit
An der
Schule.
Leider,
sagt Frau T. von sich,
Verstand
sie erst das ganze richtig,
Als das
Lager nicht mehr Lager war,
Und von den
Schreckenstagen
Hinter
diesem Lagerzaun
Erfuhr sie
erst nach der Befreiung.
|
|
So berichtet auch Herr J.
Vom Bau der
Siedlung.
Es war
damals Herbst
Und es wurd' Winter,
Und er war
noch Schüler, wie Frau J. gewesen.
Auf dem Weg
sah er die Frauen
Und die
Männer in der Sträflingskleidung
Schwere
Arbeit machen.
Alle wurden
streng bewacht,
Und die man
dort bewachte, froren,
Und sie
waren halb verhungert.
Niemand
konnte mit den Leuten sprechen,
Und es
hatte keiner Lust dazu gehabt
|
Und kein Intresse,
Und es
überwogen andre Dinge,
Andere
Erlebnisse.
Man
trauerte um den Verlust der Anverwandten,
Stand von
einem Augenblick zum andren
Vor dem
Nichts
Und hatte
dabei doch noch Glück gehabt.
Man konnte
auf die Zwangsarbeiter
Gar nicht
reagieren,
Und man
wusste nicht einmal,
Ob es die
Strafgefangenen aus Fuhlsbüttel
Oder die
Insassinnen des KZ-Arbeitslagers
Waren.
Was die
taten, jedenfalls, war gut
|
Und
nützlich,
Und die
Plattenhäuser sollten Ausgebombten
Dienen,
Und die
mussten eine Bleibe finden,
Man empfand
die Arbeit als sehr notwendig
Und
hilfreich.
Alles sah
Herr J. mit Augen
Seiner
Jugend, sagt er,
Und sein
Protokoll liest sich
Ganz
ähnlich wie das von den
Herren A. und N.
Es war sehr
schwer für einen Zeugen
Sachverhalte
zu erfahren,
Und die
Propaganda war für ihn
Nicht zu
durchschauen.
|
|
So vergeht der dritte Tag.
Die
Jugendlichen haben ihren Zaun
Gestrichen,
Der hat
seinen Sinn fast ganz verloren,
Weil er
nichts mehr trennt.
Man hat ihn
mehrfach durchgebrochen,
Jeder kennt
sich gut
Auf beiden
Seiten aus.
Die
Jugendlichen und die Zeugen
Wollen sich
am nächsten Morgen
Wieder
treffen.
Dann
erwartet sie, das ahnen sie noch nicht,
Ein neuer
Zaun,
|
Ein andrer
Zaun,
Den kann
man nicht mit Farbe übergießen,
Daran
können sich die Jugendlichen
Nicht
erproben..
Dieser Zaun
wird unsichtbar
Vor ihnen
wachsen,
Und sie
werden ihn so stehen lassen müssen.
Etwas
anderes beschließen sie noch heute:
Die, die an
dem ersten Zaun gestrichen haben,
Wollen nun
beginnen,
Eine
Schrift für den Granit zu finden.
Die
besteht, das wissen sie schon jetzt,
Aus einem
Bild
Und aus der
Mahnung, die soll Worte finden,
|
Und die
Worte, die gefunden werden,
Sollen
Mahnung sein.
Zusammen
sollen
Bild und
Wort das Leid der Menschen zeigen
Und auch,
Wie der
Mensch darunter leidet.
Großes Glück
Und großes
Leid, so denken sie,
Entlassen ihre
Kinder nicht,
Und morgen
will sich diese Gruppe Jugendlicher
Jugendlich
daran versuchen.
|
|
Heute ist der vierte Tag,
Es werden
Antiprotokolle,
Das sind
Nicht-Nichtprotokolle,
Vorgelesen,
vorgetragen,
Und die
Jugendlichen und die Zeugen
Können gar
nichts mehr verstehen.
|
Nur die
eine Gruppe kümmert sich um nichts,
Die sucht
nach Hebezeugen,
Einen
Felsen zu bewegen,
Und sie
haben eine Künstlerin
Und einen
Steinmetz,
Und sie
haben die Idee,
Die lässt
sich nicht vertreiben.
|
Allen
andren steht ein neuer Zaun
Im Weg,
Der wird
zur Schranke,
Die sie
schrecklich
In die
Schranken weist.
|