Buchtitel, ISBN
3-937264-02-7
Wo
die schwarzen Blätter wachsen
Lyrik.
Harald Birgfeld.
Copyright 2002 beim Autor, Harald
Birgfeld, alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieser Veröffentlichung darf ohne
schriftliche Erlaubnis des Herausgebers, Harald Birgfeld, reproduziert werden.
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Herausgeber, Autor,
Redakteur: Harald Birgfeld, e-mail:.
Harald.Birgfeld@t-online.de
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Und über mir ist
sie die Königin, Man könnte sagen,
die Gesalbte. |
Ich, ihr
Untertan, Der Küsser ihres Schoßes, Schreibe über
Blumen, Denen schwarze
Blätter Wachsen. |
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Ins braune Gras, Das zuckt ein
wenig auf, Und drinnen steht
die Hitze Greller als davor Und ist nun unter
mir. |
Mit meinen Lippen
grase ich Die Trockenheit
ein wenig ab, Und will dich
feuchten, Kleinster Rasen
aller Rasen. |
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Ein beuteliges
Tuch, Nicht größer, als die Fläche zweier
Hände, Hängt auf mich herab. Ich greife sanft hinein Und zieh dann etwas fest, Dass es sich nieder neigt, Sich zu mir senken muss, |
Und öffne diesen Spalt im Stoff, Dass mir das Gold Von beiden Seiten in die Kehle läuft, Als sollte ich daran Ersticken. |
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Und doch nicht
ganz Und stand vor
einem rosa Baum, Der hielt die
langen Äste Weit von sich. Nur schwarze
Blätter Blieben in den
Gabeln liegen. |
Mein Gesicht
verschrammte nicht, Als ich es an der
Rinde Bis zum Ansatz
eines Astes In die Höhe
schob. Ein Wind bog ihn
zu mir herab, Und spitze Finger
griffen in mein Haar Und drückten meine
Nase, meinen Mund Tief in die
Mulde. |
Mit den Augen
irrte ich In eine Krone, Die stand mit geschlossnen Augen über mir. |
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Die Doppelsegel
sind gebläht, Und meine Hände
liegen auf den Rundungen. |
Das
Segelschiffchen Freut sich auf
den Sturm, Der darf von
allen Seiten Drängen. |
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Mit einer Hand Beschatte ich die
Augen, Mit der andren
halte ich den Stock, |
Der sucht in
einer kleinen Mulde Nach der
Muschelschale, Die besteht, so
hoffe ich, Aus beiden
Seiten. |
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Muschelfischer will ich an dir sein Und Uferschwalbe, Räuberische Möwe Und der schnelle Wattenläufervogel. |
Hinter dunkler
Schale Liegt die
Köstlichkeit In Fleisch
gebettet. |
Mit dem Schnabel
lässt du dir Den Kalk
zerschlagen. |
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Dass ich ein
zügelloser Reiter Auf dir bin Und beißt in
meinen Finger, Um dich unter mir Zu dirigieren. |
In die
Zimmerdecke Ließt du einen Spiegel
setzen. Bis dorthin
willst du Die Hürden überspringen Und dich dabei
nicht Aus deinem Blick
verlieren Und nicht aus den
Augen lassen. |
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Suche ich umsonst
die Meeresenge. Ufer links und
Ufer rechts. Der Bogen der
sich bildet Ist zu weit. |
Ob Stirn allein, Ob ganzer Kopf, Ob nur der
Mund... |
Die Enge engt
nicht ein Und passt sich
immer wieder an In ungeheurer
Weite. |
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Seid so
freundschaftlich So sanft im
Umgang miteinander; Jede von euch
geht um ihre Freundin Als in einem
liebevollen Tanz Und macht sich
ohne Hast Zur Beute für die
andre, Die bleibt
unberührt Und wird nicht
angefasst. |
Ich werde lange
vor euch Auf euch warten
müssen, Und ihr lasst
mich gerne Lauern. |
Ganz wollt ihr
noch nicht Verzichten. |
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Fahre ich im Handumdrehn In deine Bluse, Um mich umzuschauen. |
Darin stehe ich
sekundenlang Im Marmorzimmer. Hell sind seine
Fenster Und ich bin total
allein Und fürchte deine
Augen mehr Als deine Finger. |
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Du schläfst
darin, Bist zugedeckt. Ich seh durch diesen Berg aus Laub Dein Nachthemd, Das ist
sicherlich verschoben Und verdeckt,
versteckt, vor mir die Stellen, Wo die schwarzen
Blätter wachsen. |
Ohne dich zu
wecken, Schiebe ich in
Neugier mit dem Fuß Das Blätterwerk
beiseite. |
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Und du, Die nie am Boden lebte, Lässt es zu. |
Ich sehe, Wie du mit derselben Hand, In dessen Boden ich die Küsse legte, Unter dessen Kiesel Ich die Liebesworte schob, Dass du sie nicht erst hören musstest Sondern gleich erfuhrst, |
Ich sah, Wie du mit dieser Schalenhand Den Hund verwöhntest, Wie er daraus fraß. |
|
Im
Vorbeigehn Knöpfe ich an
deine Augen meine Augen, Meinen Mund an
deinen Mund, Und meine Hände
halte ich so fest es geht An mich gedrückt. |
Der Faden hält
nur noch Sekunden stand, Dann springt er
mir, Weil du mich
ansiehst, Durchgerissen Ins Gesicht. |
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Steh ich über
dir, Und du, die
Dauertänzerin, Die ich nicht
lassen kann, Mit der ich jeden
Tanz beginn, Liegt bäuchlings
unter mir Im Schlaf. |
Selbst mit dem
Atem Würde ich nicht
wagen, Dich noch einmal
zu berühren. |
So sind wir im
Kreuz mit uns Und sterben ohne
Andacht Vor uns hin. |
|
Weil wir in der
Menge waren, Weil wir in ihr
untergingen. Deine Hand sah ich
darin Zum Himmel
steigen, Und du zeigtest
damit Deine reine
Freude. |
Unter Wasser Mochte deine
andre Hand In einer andren
liegen. |
Eng an eng mit
anderen, Auf diese Weise
eng an eng mit dir Ertrank ich unter Unerträglichen
Gedanken. |
|
Du sein kann Und lernen kann, Wie du mich gerne
hättest, Wenn ich so bin,
wie ich bin, Wenn ich um
deinetwegen, Nein, um
meinetwegen Bei dir bin. |
Vielleicht wärst
du danach Um meinetwillen, Nein, um
deinetwillen Noch einmal bei
mir. |
|
|
Über zwanzig leuchtend blaue Augen Deines Staunens Waren
aufgegangen. Davon sah ich
nichts. Du standst mit
deinem Rücken An der Wand. Die Kleider lagen
unter dir Und eines deiner
Beine Hattest du ein
wenig angewinkelt Und den Fuß
zurück gestellt. |
Erst hattest du
die Augen zu, Dann, als ich vor
dir kniete Und du diese Wand Als Stütze deines
Kopfes brauchtest Und die Hände in
den Nacken schobst Und mit denselben
Händen Mich an meinen
Haaren In die Höhe
zogst, Ging eine Blume
nach der andren An dir auf, Doch das geschah
schon unter mir. |
Ganz oben stand
dein offner Mund, Daraus entsprang
ein Schlängelein, Das hielt nach
einer Schwesterzunge Ausschau. |
|
Es huschen Schatten kleiner Blätter über
dich. Ich denke mir
dabei Wie du dich unter
meinen Händen Räkeln würdest, Könnt ich Blatt
für Blatt Von dir
entfernen. |
Schließlich würde
ich dich Durch ein
Schlüsselloch entziffern können, Deinen Namen sagen
lernen, Dass du mir auch
glaubtest. |
Auf die Frage, Was ich dauernd
denke, Hab' ich keine
Antwort. |
|
Will ich nach
deinem Inhalt schau'n. Du weißt, Dass ich nur
malen kann, Wenn meine Augen
sehen. |
Meine Augen
kleben überall an mir, Und nachts, Wenn ich auf
Steigungen An dir, in Niederungen
schleiche, Sind sie
unterwegs Und überraschen
mich mit Neuentdeckungen, |
Mich wundert
sehr, Dass ich mir
selbst noch nicht begegnet bin Und dich zu dir Noch nicht
befragen konnte. |
|
So erwart' ich deine Heimkehr: Eng, Als schlösse sich
ein Blitz um dich, Umfließ ich
deinen Leib Und fahr mit Blauer, gelber,
roter, weißer Zunge Über dich. |
Ich schlag in
dich Und schlage doch
nicht ein Und stehe als ein
Züngelnder Vor deinem Mund, Den kann ich in
der Raserei Nicht finden,
kaum erkennen. |
Deine Hände
müssen dabei Meine Führer sein Und dich mir
lenken. |
|
Und knie vor dir, Und deine Kleider Sind schon lange
abgestreift, Und mit viel
Vorsicht Hab ich meine Hand
in dich getaucht Und lüg mir vor, Dass das ein
wenig Kühlung brächte; |
So verhinder ich, Dass mich der
Herzschlag trifft, Wenn ich nun
ganz, Mit einem
einzigen Verlassen, In dich springe |
Und mein Atem,
außer Atem, Um dich weht. |
|
Sie hielt ihn an
der Hand Und legte seinen
Arm um sich. Sie sang ein Lied Von einem
Wanderstab Und er versprach Mit einem Zeichen
seines Daumens, Den er zwischen
seinen Mittel- und den
Zeigefinger schob, Dass er
verstanden hatte Und dass er
verlässlich sei. |
Dann gingen sie, Und hatten nichts
verrichtet, Auseinander. |
"Irgendwann",
so meinte er, "Wenn wir
uns wiedersehen, Wird es nicht so
lange dauern, Weil wir nichts
erklären müssen, Und wir wissen
gleich Bescheid, Dann werden wir
uns finden." |
|
Lebt wohl ihr
Irdischen, Ich komm euch
wieder nah! Mein Leben ist
mein Tod, Mein Tod dein
Schoß, Dein Schoß, hurra,
mein Leben. |
Kurz vor meinem
Aufschlag, Denke ich noch
diese Zeilen. |
Schreibstift und
Papier Hab ich., so lang
ich fall, Genug im Kopf. Nachher erinner
ich kein Wort Davon, Und lerne alles
neu, Vom Ende und vom
Anfang an. |
|
Und schamlos
nützt du jedes Loch in ihr, Mir die zerstörte
Welt, Mir meine Welt Aus glatter,
makelloser Oberfläche Aufzuzeigen. |
Das, Was mich zum
Schluss verführen könnte, Liegt in mir Und hat mich
ausgehöhlt; Bis an den Rand. |
Ein kleiner Riss
darin, das weißt du, Wäre tödlich. |
|
Zwischen Gleisen blüht ein Mohn. So leuchtend
strahlen deine Zähne, Wenn die
Perlenkette deines Mundes Sichtbar wird, So denke ich,
sieht deine Zunge aus, Fällt Licht auf sie. |
Nur ungern lass
ich dich verreisen. Mohn und Zähne, Mund und Zunge Sind im selben
Augenblick Nur noch
verblühter Abschied. |
|
|
Vom Gras zum Beet zum Rittersporn... Ich zwinge dich Mit deiner Hand
darüber hin zu fahren. "Manche
Pflanzen tragen Gift in sich, Sagst du, "Und Gift
ist Medizin Und Medizin ist
Gift." Nun bist du schon
zwei Tage fort, Und was du
meintest, War der Fingerhut Und nicht der
Rittersporn. |
Ich leide sehr. Dein ganzes Leben
lang Verwechselst du
mich schon mit Dingen, Die ganz harmlos
sind. |
Wär ich nicht
ständig auf der Hut, Würdst du nur einmal
deinen Durst Und deinen Hunger
an mir stillen können, So wie ich es
täglich an mir machen muss, Wärst du schon
lange Von mir tot. |
|
Du hast davon kein Wort erzählt, Und dein Gefühl behältst du ganz für
dich. Zu gerne wär ich ein Mal du, Wenn ich als ich mich zu dir bringe, Und ich bringe mich dir immer ganz. |
Nur einmal sagtest du: "Und alles, was nach dir kommt, Wird man an dir messen müssen," Und ich denke, Also wird noch etwas nach mir kommen, Etwas, das mich ablöst, Und ich frage: "Bist du dann nicht mehr du
selbst?" |
Ich weiß es längst schon besser. Selbstverständlich hast du recht. Du wirst dich zwingen müssen Du zu sein Und ich, Das habe ich verwechselt, Bin erst dann ich selbst. |
|
Ich sah das Bildnis einer Frau, Von einer
Künstlerin gemalt, Und "Frauenbildnis"
wurde es genannt. Sie hatte ein
Relief In Gelbmetall
geschlagen. |
So, denk' ich, Denkt also eine
Frau von einer anderen Und schlägt sie
gleich für alle Zeiten In ein
Gelbmetall. |
Ich denke
einfach, Und ich wäre nie darauf
gekommen, Dass die Frauen
etwas miteinander Hätten haben
können, Und sie sprachen
doch von Liebesspielen Und Vereinigung, Und mein Relief
von einer Frau Wird täglich neu
auf einen Frauenleib gepasst, Und es umfasst
ihn ganz. |
|
Früher steckten mir noch Teile Des Propellers
eines Flugzeugs In der Stirn. Du dachtest, als
du mich entdecktest, Gleich darüber
nach, Ob sie Signal für
eine Ankunft Oder einen Abflug
wären. |
Dann entschiedst
du dich Und zogst, was du
erreichen konntest, Vorsichtig mit
einem Instrument Heraus. |
Ich spürte nichts Und sah gebannt
zu Boden Und entdeckte,
dass du an den Füßen Weiße
Ringelsöckchen trugst, So wie sie junge
Mädchen hatten. Dünne rote, blaue
Ringe Liefen um die
Fesseln Durch die feine
Strickerei. |
|
Ich sah das Boot
weit draußen stehn, Es dümpelte ein
wenig, Wind ging nicht Und Anker hattet
ihr, so meintet ihr, Nicht nötig. Auf dem Boot sah
ich nur Frauen, Die sich mit den
Fingerspitzen In den eignen und
den fremden Nabel stießen. |
So entstand um
sie die Trockenheit, Und Wasser wurde
Sand, Der hielt das
Schwanken an. Ein Wüstenklima
Weiblichkeit Stand über ihnen, Explodierte
langsam in der Ferne, Und ich floh und
floh Und kam auch gut
voran Und kam davon. |
Ich weiß noch
heute nicht, Ob ich dir je
davon erzählen werde, Denn von allen, Die dort draußen
um ihr Leben rangen, Und du warst ja
unter ihnen, Kehrte keine
heim. |
|
Schlug dir ein
feines, zartes Gitter. Es war feiner,
als du denken konntest, Noch viel feiner,
zarter, schöner, Als die
künstlerischste Häkelarbeit. Die schlug dir
ein grober Schmied. |
Du hingst mit
deinen Augen Nicht an dieser
Arbeit, Sondern an dem
Schmied Und legtest dich
erst in sein Kohlenbecken, Dann auf seinen
Amboss, Und der Schmied, Dem du nur in die
Augen schautest, Nahm dich als die
größte Selbstverständlichkeit. |
Ein Funken, Der aus diesem
Feuer stob, Stach mir ins
Auge Und dann tief in
meinen Kopf, So dass ich auf
der Stelle Daran hätte
sterben können. |
|
Im Fensterrahmen
stehen. Zwischen dir und
einer Morgensonne, Die sich
königlich wie du Soeben erst
erhoben hatte, Stand ein
Wettstreit. |
Zwischen dir und
mir Könnt sich der
Wunsch entfalten, Diesen Streit mit
einem Urteil Zu entscheiden. |
Dabei muss ich
mich vor harten Strahlen hüten Und vor Augen, Deren Blitze Trunkenheit aus
Wahnsinn zaubern Und die Gier nach
Zärtlichkeit Verraten. |
|
Schnell noch zur
Bedingung, Weil du meinen
Hunger kanntest, Weil du wusstest, Wie ich
unersättlich alles nehmen, Alles fressen
würde, Weil du an dich
selber dachtest. |
Die Bedingung
stelltest du zu spät Und auch zu früh. |
Den Wunsch nach
Zärtlichkeit Konnt ich dir erst
danach erfüllen. Alles aß ich roh Und mit den
Fingern, Aß so
unergründlich schnell Und ohne die
Genüsslichkeit, Die du mir botst. |
|
Wir feierten das Fest der groben Sitten. Jemand klagte an, Es sei das krause
Leben eines Schamhaars Mehr der Ausdruck
stiller Kunst, Als alles, was
wir mit dem Lärmen In uns
unterdrückten. Dich beredete ich
nebenbei, Mir als Portrait
zu sitzen, Und ich hatte
hinterhältig vor, Dich in der
vierten Dimension, der Zeit, Und auch von
allen Seiten Und von oben und
von unten Als ein Aktbild
darzustellen. |
Nichts, versprach
ich dir, Würd dir durch
mich geschehen. Es entstand ein
Film, Sonst war es
nicht zu machen. Darin schnitt ich
dich an vielen Stellen auf, Und setzte mich
daran, dich wieder Zuzunähen, Und ich öffnete
dich wieder Und verschloss
dich wieder. |
Dies Geschehen
wiederholte sich Und wiederholte
sich. Sonst war es, wie
ich sagte, Wirklich nicht zu
machen. |
|
Einmal fragte ich direkt, Ob du die Treue hieltst Und dachte dabei nur an dich und mich, Und Treue, sagtest du, Wär heute nichts Und trotzdem hättest du von ihr Ein Bild mit einer Kamera gemacht. Es war ein buntes Bild, Das du mir zeigtest. |
Darin flogen du und ich, Vom Boden abgehoben, In das Objektiv. Wir hielten uns im Fliegen Eng umschlungen Und verfolgten jeder ganz für sich Mit großen, abgestumpften Kinderaugen Das Geschehen unter uns, Und unter uns geschah die Erde, Die wir grad verließen. |
"Ich" so sagte ich, "Kann mich an diese Reise nicht Erinnern." |
|
Und heute gebe
ich es zu: "Sie ist dir
näher, als die andere, Das soll ihr
Vorteil sein," Und Liebe wusste
ich nicht anders Zu erklären. |
Du und ich
versuchten damals Mit nicht einem Wort An diesem Zustand
etwas Zu verstehen. |
|
|
Später machtest du mir ein Geständnis Und gestandst dir
selber etwas ein. |
Du hattest mich Mit aller Kraft
und allen Mitteln In den Jahren
umgeschmolzen. So war ich ein zweites
Mal Entstanden |
Und erfuhr durch
dich von mir Und dass ich
anders nie Vor dir bestanden
hätte Und nie
existierte. |
|
Weil ihr als
Freundinnen Im Umgang
miteinander wart. Ich suchte das
Geheimnis, Das euch band,
und sah, Dass ihr von Heimlichkeiten
lebtet, Die ihr euch, so
schnell es ging, Erzähltet,
offenbartet Und erst
zwischen, unter euch, Entstehen ließt. |
Ich hörte einmal, Als die abgerissnen Fetzen rohen Fleisches, Dass ihr euch Die bloßen
Schenkel Unter hochgezognen Röcken Aneinander riebt, Und dass ihr euch
die Hände Gegenseitig auf
die Brüste legtet. |
|
|
Dir ist doch eine
Frau genug, Und eine Frau ist
immer Mehrfach eine
Frau. |
Wir kannten uns
schon lange, Und ich hatte
lange den Verdacht, Und hätte ich
dich einmal ohne mich Mit dir allein
verbracht, Wär ich viel
früher drauf gekommen. |
So blieb ich nur
im Verdacht, Dass du mit
dir... |
|
Hinter Glas seh
ich dich sitzen, Hinter Glas seh
ich den Zopf Aus deinem Haar, Darin ist eine Schleife eingeflochten, Eingeflochten auch die Hand- Und Armbewegungen der Morgentoilette. |
Heute früh, vor deinem Spiegel, Warst du noch auf dieser Seite Und mir nah, Ich sah dich wie du warst und in dem
Glas. Dahinter gab es kein Dahinterkommen. |
Nun sitzt du im Zugabteil, Bist hinter Glas, im Spiegel und davor, Und eine Wirklichkeit, Die so nicht anzufassen ist Und an mich fasst, Fasst mich nun an. |
|
Und griff nach
den Trinkgefäßen Deiner Brust, Da traf mich
schon der Stich Der Schlange, Die du dir zu
deinem Schutze hieltst, Dass ich dich
wenigstens im Tod Bemerken würde. |
So biss ich Um selbst von dir Den Biss zu
ernten. |
|
|
Du hattest deinen Mann verloren, Weil er sich
verloren hatte, Und er hatte
nichts zu dir Von dem Verlust
gesagt, Und dir war der
Verlust entgangen. |
Morgens hing er
in dem Baum, Die Füße waren
noch auf einer Sprosse Seiner Leiter. |
"Nein, Sprich nicht zu
mir von dem Verlust. Ich sah es auch. Halt deinen Mund
geschlossen, Dass du nicht die
letzten Perlen, Die du in den
Backentaschen Aufbewahren
konntest, auch verlierst, Denn jedes deiner
Worte wird zum Reiter Eines dieser
weißen Pferdchen." |
|
Groß war mein Verlangen, Groß war meine Kraft. Du konntest beidem Nichts entgegensetzen als dich selbst. |
So stieß ich unerwartet heftig Doch mit dir zusammen, Und du warfst mir Die Besessenheit des Augenblickes Augenblicke später vor. |
Das war zu spät Und etwas früher Hättest du ja gar nichts damit Ausgerichtet. Unser Aufprall war und blieb Ein Prallen
aufeinander. |
|
Könnte Schnee zur
Wärme werden, Und ich denke, Puppenhaft ist
dein Gesicht. An deiner Hand
geht schon ein Kind, Ein anderes ist
noch in deinem Leib, Und einen Vater weist du auf, Der bleibt
hauteng an deiner Seite. |
Uns bleibt nur Das Schlafwort
des Bedauerns In die Augen
hängen, Das versenden wir Mit schwarzen
Segeln unsrer Blicke. |
Du bist näher
noch an dir, als ich. Und fragst zuerst
und ganz gezielt, Warum ich an dir
Vater wurde. "Manchmal",
sagst du, "Kann ich
dir nicht glauben, Und wie steht es
erst mit mir." |
|
Gib auf! Ich bin ein
Nagelbrett, Darauf kann man
nicht schlafen. |
Niemand ruht sich
ungestraft Auf meinem Rücken
aus. |
Der wurde viel zu
sehr Gequält mit
Nägeln, Die man schon
seit seiner Jugend In ihn schlug. |
|
Heute morgen Musstest du dich mir verweigern, Weil es eine Frauensache war. Ich lag zwar über dir Und wurde doch Zum abgestorb'nen Ast Am eignen Baum. |
Mit deinem spitzen Schnabel Hacktest du ins Holz, An meinem Arm ein Specht, Der sich beschäftigte, Denn Futter war genug vorhanden. |
Unter fester Rinde Lag die Sehnsucht nach Berührung Andrer Art, Die ließ die trockne Späne Unter mir zu Boden sinken. Dort, in diese Tiefe, Durfte ich nicht blicken, Leben schösse mir gleich wieder Ins Geäst. |
|
"Ich will
die Glocken An dir klingen
lassen, Dass ihr Schwingen
mich mit dir Zum Beben
bringt." Ich hörte dich Und schlug von
innen an die Wand, Wie man die
Glocken schlägt, Wenn man sie
richtig schlägt, Will man sie
klingen lassen. |
Dieses Singen Sprang so heftig
auf dich über, Dass sich keiner von
uns beiden Aneinander halten
konnte. |
Lange schwangen
wir Nun parallel zu
uns, Und jeder war in
sich mit sich Beschäftigt. |
|
Erzählte ich dir
das Gedicht Von einer
Blumenfrau, Die Wasser auf
die Steine goss Und sie zum
Blühen bringen wollte. |
"Du bist
nicht gerecht zu mir," Das sagtest du
dazu, "Denn vor
der Tür, Vor deinem Mund, Liegt dieser Berg
nicht aufgegang'ner Liebe, |
Und ich weiß
nicht mehr, Was ich noch
machen soll." Du hattest sicher
Recht Und wirklich sah
ich dich Sehr oft in
meiner Nähe. |
|
Und mich im
Grunde Hättest lassen
können, Wie ich war, Nahmst du dich
meiner an, Um dir dein
Ebenbild Von mir an mir zu
schaffen. |
Noch war ich als
Block Im Ganzen, Doch dein
Werkzeug, Oder was es immer
war, Biss sich an mich
heran. |
|
|
Denn am andren
Ende wäre ja Dein Mund. Als er dann kam, Und du als Erstes Über meine Ängste
lachtest, Gab ich zu, Dass selbst dein
Lachen, Hier in dieser
Muschel, Frühling in dem
Nachbargarten war, |
Der blühte
plötzlich auf, Und er verlockte
mich; |
Und meiner Angst, Das wussten wir
sofort, War er von vielen
Gründen einer. |
|
Ich bin ein Mensch, Der trägt das Schneckenhaus, In dem er wohnt, Mit sich herum, Und du, die ohne Häuschen lebt, Empfiehlst mir die Zerstörung, Dass ich endlich nackend bin. |
Durch dich, so sagst du auch, Erlebe ich vielleicht Die einzige Gelegenheit dazu. |
Nach dir, so fährst du fort, Und hämmerst es mir mit der Zähigkeit, Mit deinem Willen, Den ich mir alleine zuzuschreiben habe,
ein, Kommt niemand mehr Und niemals wieder eine Möglichkeit Mich so zu sehen, wie du mich, Und die brutale Einsicht, Dass uns gar nichts unterscheidet. |
|
Deine Haare trugst du hoch gesteckt, Und deine Augen Schossen schnell und
etwas distanziert An mir treppauf,
treppab. Sie blickten
fröhlich, freundlich, Ließen sich
trotzdem, Als hätten sie im
Kopf Gewichte, Von dir langsam
drehen, Und dazwischen Unterbrachen
deine Augenlider alles. |
So bekam ich
Zeit, Auf deinen Mund zu
schauen. Der schwieg sich
in Landschaft aus. Die Lider fuhren
wieder hoch, Ich war schon
weit in dir, Das spürtest du Und batst mich, Weil du mich noch
viel zu wenig kanntest, Und du sagtest
immer noch kein Wort, Dich wieder zu
verlassen. |
Draußen, wusste
ich, Hing sich der
Wind An Schaukeln
deiner Löckchen auf Und lag auf
deiner Stirn Und fragte nicht Und wurde nicht
gefragt. |
|
Darauf lag ein
hartes Blech, Das war ins
Pflaster eingefahren, War gestaucht Und Teil der
Fahrbahn Ohne Teil von ihr
zu sein. |
Was ich dir sagen
wollte, Hätte sagen
müssen, Sagte ich nicht
mehr, Ich traute mich
nicht mehr, Es abzugeben. |
Der Verkehr nahm
rasend zu. In dir wuchs die
Gefahr Mir zur Gefahr zu
werden. |
|
Die abgezählten
Augenblicke Einer
Automatiktreppe, Die dich in die
Höhe schob, An mir vorbei, Und davon blieben
eigentlich auch nur Die wenigen, In denen ich von
vorne auf dich sah. |
Ich rang nach
einem Wort, Das dich
beschreiben Und dich mir
bewahren sollte, Nach dem Wort, Das mir noch
jahrelang aus der Erinnerung, Dies Bild
vermitteln sollte. |
Hinter dir stand
schon die nächste, Deren Haar,
vielleicht ihr Ohr, Vielleicht nur
eine Handbewegung Würde mir genauso
gut gefallen, Und es war das
Wort für dieses Bild Geboren:
"Landesweit", hieß es Im Stenogramm der
Augenblicke. |
|
Von oben sahst du auf die Hast, Mit der ich dich
erklimmen wollte, Und du lachtest, Mit der Hand vor
deinem Mund, Treppab. |
Mit meiner Mühe,
dachte ich, Bin ich umsonst Und gab dich an
dir auf Und fiel zurück. |
Dort lag schon
deine andre Hand, Und deine Augen
waren nah genug, Um wahr zu sein, Die sprachen
alles aus: Du wolltest mich,
wie ich mich selbst, Um meinetwillen
haben. |
|
War dir Raum
genug. Du hocktest dich
in sie, Es war sehr
schwer dorthin zu kommen, Ohne nah zu sein. |
Die schwarzen
Blätter deines Stammes Hieltst du ganz und
gar Vor mir versteckt Und schlugst
Eroberungen, Die ich machen
wollte, Völlig ab Und warst nicht intressiert. |
Ich sah, dass du Die zweite Reihe
deiner Flügel putztest, Die lag sonst
unsichtbar Fest an dir. Die Nacktheit,
dachte ich, Soll sich und dich
wohl so vor mir Nicht zeigen. |
|
Und übtest dich
in meiner Sprache. Darin sog an mir,
so sagtest du, Die Gaze einer
Liebe Alles, was du geben
konntest, auf. |
Ich sah sofort, Dass du die Worte
an dich selber richtetest Und mit mir
spieltest, Und ich sagte
auch, Dass Gaze und die
"Tropfen", die du nanntest, Nicht von einem
Mann Verstanden werden
könnten, Und es seien
Frauenattribute. |
Du errötetest vor
Scham und Wut Und zogst aus dir
ein Netz zurück, Das hatte sicher
mir gegolten. |
|
Auf der Spur. Ich sagte mir, Wo schwarze Blätter
wachsen, Ist die Frucht
nicht fern. |
Ich hatte deinen
Körper In den Rändern
meiner Kunst Mit Glasrohr nachgestaltet, Das von innen
leuchtete. |
Von außen wartete
ich auf den Wind, Der mir die
Blätter deines Körpers Heben würde. Alles würde sich
mir zeigen, Alles würd ich
sehen Und auch finden. |
|
Ja, es war meine
Schuld, Und ich war voll
von einer Lust An Schuld Und Lust am
Untergang, Die sollte mich
ganz haben. |
Du behieltst an
dir die Oberhand Und auch zum
Schluss an mir Und wolltest
nicht Als
Schweinehirtin Mit den Schweinen
schlafen. |
|
|
Bestand aus Rohr
aus Glas Und flackerte von
innen. Auch die andren
sahen andre so Und mich. |
Es war die Zeit, In der man ganz
direkt Gedanken zeigen,
sehen konnte, Und es unterschied
sich diese Zeit In nichts von
andren Zeiten, |
Und in deiner
Nähe tauchte Licht in Licht,
das nur verschmolz Und nicht, wie
ich sonst dachte, Alles
überstrahlte. |
|
Der Wildwuchs angepflanzter Rosen Reichte über
meinen Weg. Die Dornen waren
jung Und weich. |
Ich spürte
trotzdem, Wie die
peitschenlangen Zweige Als ich schnell
vorbeiging, Sich im Windsog neigten, Und mir folgten Und sich so
versuchten. |
Später gab ich
zu, Dass grade diese
Stiche, Die nicht
stachen, Mich erreichten Und den Schmerz
erzeugten, Der im Inneren
entstand, Dich mir so
köstlich unersetzlich Machen konnten. |
|
Weil ich es will, Ein wenig deine
Bluse auf. Es geht nicht
schnell genug, Ich helfe nach. |
Du siehst den Schreck
in meinen Augen über mich, Und darin auch,
was du zu zeigen hast Und sonst
verbirgst, Und ich seh, Dass du letzten
Endes gerne siehst, Dass ich es seh, Du siehst den
Schrecken über mich Nicht ungern. |
Dann sagst du: Sei nicht so
grob, Sei nicht so grob
zu mir Und gibst es auf Und hast ein
wenig Angst Und lässt die
Hände, Meine und auch
deine, sein, Und ich hab nun
die Schwerarbeit Und tu es gern, Und dir fällt
alles in den Schoß, Dass deine Furcht
sich darin gründet. |
|
Kam nun von
innen, Ja, ich war ganz
unbemerkt von dir und mir In dir Und gab das Stenogramm
an mich Nach außen ab. |
Alles sieht, so
dachte ich, Ganz anders aus, Wenn man es
selber sieht, Als wenn man sich
nur selbst davon erzählt. |
Zu dir sprach ich
von meinem Wissen nicht, Und ich erklärte
dir die Worte nicht, Die du so zu mir sprachst. |
|
Der See der
nackten Mädchen-, fast schon
Frauenkörper, aus. Sie legen sich, So unbekleidet
wie sie sind, In Sonnenwind Und in mein
Augenwasser. Das spült über
sie Und liebt Und setzt die
Wasserrosen, Die auf ihnen
blühen. |
Ihre Hüften
schieben sich Als absenkbare Inseln hoch empor, Die Brüste
schwimmen als gemarkte Fische Über ihren Leib, Und ihre Stimmen Sind der Schrei
der Möwen, Die sich lachend
in das Wasser stürzen. |
Schade nur, dass
ich kein Maler bin. Nach dieser
Ewigkeit würd ich erneut Zur nächsten
Ewigkeit Euch malen, Um nicht zu
vergessen. |
|
Du breitest deine Arme aus zu Flügeln, Und du hebst sie
langsam an Und neigst den
Kopf auf deine Schultern, Deinen Blick auf
mich gerichtet. |
So hebt sich die
Brust an dir Zu einem Garten, Dem ich nicht
entkomm'. |
|
|
Du bist an mir die Staffelläuferin Und hältst den
Stab nur kurz Und überlässt ihn
mir Und gibst mir ab,
was mir gehört, Dass ich es
endlich zu dir bring Und übernimmst
ihn ganz und mich Und wirst zur
Siegerin an dir, |
Die bäumt sich
auf Und hält sich selbst
ganz fest Und zwischen sich
und sich Den Träger ihres
Sieges. |
|
|
Und diesen
Fallwind, Der an warmen
Sommerabenden In Büsche, Bäume,
Gräser, Halme, Haare Als ein Vorankünder fällt, Als ein
Erfrischender Nach schwüler Stickigkeit Und feuchtem
Brüten, Diesen Fallwind
lässt du aus. |
Du legst dich
einfach in das Trockengras, Auf dem du immer
ruhst und schläfst, Auf dem du immer
schon empfangen hast Und schlingst, Dass ich mich
nicht an dir verlaufe, In dem einen
Augenblick Die Arme ums
Gefährt. |
|
|
In den Schenkeln. Du hast immer
Angst davor, Und zwischendurch
heb ich dich an, Dass du zum Bogen
wirst, Der spannt sich
in der Rückenlage. |
Ja, ich küsse,
wenn ich küsse, Gern bergauf Und werfe mich an
dir treppab Und weiß von
Schluchten, Die ich alle
sprengen möchte. |
Du weißt auch
davon und auch, Dass alles nur
Sekunden dauern kann, Dass keine Zeit Für lange
Vorbereitung bleibt. |
|
Erreichen lassen. Neben mir
verstummtest du Als Antwort auf
mein Schweigen, Das war so
beredt, Dass ich ganz sicher
war, Du müsstest meine
Stimme hören. |
|
|
|
Nachts kam ich zu
dir, Und doppelt Schweigen
ließ geschehen, Und das kurze
Öffnen dieser Decke Blieb nicht unser
Fenster, Blieb uns nicht
zum Atemholen, Nicht zum Namen
nennen, War nicht mehr,
war weiter nichts Als nur ein Stich In eine zähe
Flüssigkeit, |
Die schob sich an
der Oberfläche Wieder
ineinander. |
Trotzdem war es
eine Täuschung, Denn am Morgen,
sah ich, Trugst du das
lebendige Geschehen, Hattest du dein
Herz, das wirklich schlug, Um deinen Hals
gehängt Und kamst mir so
entgegen. |
|
Und dachte
unentwegt an dich. Ich bin ein dummer
Mensch, Der braucht
Erinnerung, Die muss man ihm
servieren, Ja, die muss von
außen kommen. So vergaß ich
dich in mir Und stieß mit dir
erst neu zusammen, Als ich wieder
aus der Tasse trank, Den Teller sah Den Türgriff
fasste Und ihn mir zum
Schmeichler Meiner Hände
werden ließ Und ganz die Tür
vergaß. |
Selbst Eingang,
Ausgang, Durchgang Waren nichts als Langsamkeiten, Eiligkeiten, Die von außen die
Erinnerungen An dich brachten. Mittendrin
verließ ich alles, Blieb dort
stehen, wo ich stand, Und sah
sekundenlang nach dir. |
Du hattest in mir
wieder alles umgestellt Und dich neu
eingerichtet. Kaum, dass ich
dich fand. |
|
Das war schlimm, Und meine Haut,
so sagtest du ganz nebenbei, Sei viel zu dünn. |
Ich frage mich, Woher kannst du
das alles wissen, Und woher, frag
ich, Kennst du die Dicke,
Härte eines Steines, Denn in ihn floss
ich, Bevor ich zu dir
kam. |
|
|
Heute morgen wurde ich Von dir geweckt. Ich meinte wach zu sein. So irren sich die Schläfer. Gleich zu Anfang sah ich Auf das Grün der schwarzen Blätter Unter rosa Vorhang, Unter deinem Nachtgewand, Das wand sich wirklich Als ein Schlinggewächs um dich, Und deine schwarzen Blätter Waren wirklich grün Und standen fast in Blüte. |
Du in meinem Ohr Kannst meine Träume fällen Und bringst Wachheit, Die sich dann an dir vergeht. Du kennst das alles, Und du redest auf mich ein Und dass du Wäsche wechseln musst, Und ich denk an die Seelenlosigkeit Und Unbenutzbarkeit Gereinigter und frisch gestärkter Tücher. |
Mit der Nagelpfeile sitzt du gleich
danach Auf deinem Bett, Und ich in deinem Rücken warte, Dass du an mich Hand anlegst. |
|
Der ist ganz neu Und nicht von
mir. Du sagst: "Man hat ihn
mir aus Dankbarkeit geschenkt, Es ist etwas Lebendiges Und steckt in
einem Käfig." |
Jetzt erkenne
ich, Dass an dem
kleinen Kettchen Goldne Stäbe wirklich Einen runden
Käfig bilden, Und darin bewegt
sich Fleisch Das ist hautfarben, etwas rund, Mit blauen Adern
unterzogen. |
Dazu muss ich
schweigen, Und ich könnte
fragen, was ich wollte. Jede Antwort Müsste jetzt die
Wahrheit sein. |
|
In euer Lachen, Das hing überall. Ihr wart zwei
Frauen unter euch. |
Am Strand, das sah
ich, Lebtet ihr ganz
frei Und ohne Kleider. |
Bäume, die die
schwarzen Blätter tragen, Sah ich, gibt es
überall, Und mehr als
einer dieser Bäume Sind für mich
schon Wald, In dem ich mich
verlaufe. |
|
Das ist ein
fremdes Land, So hörte ich, Müsst sich die
Braut den ganzen Leib, Bis auf den Kopf,
enthaaren. |
Sie wurd so zum Opfer Eines Waldbrands. Der ließ nur die
nackten Stämme übrig. So bezwang man
sie, Von neuem
auszuschlagen. |
Dein Land ist
mein Reiseland, Das liegt in
meiner Hand. Ich würde es nie
wagen, Eines dieser
Blätter Abzupflücken. |
|
Sage wenigstens, Dass ich im
Irrtum bin, Denn ich
behaupte, jetzt, in diesem Augenblick, Da du die Augen
schließt Und in dir bist Und ich in dir Und mich dein
Innenauge Nicht aus deinen
Augen lässt, |
In diesem
Augenblick, Da ich von dir nicht
lassen kann, Steht neben
deinem Bett ein Frauenkopf. |
Es könnte deiner
sein, Dem dient als
Rumpf das ganze Zimmer, Und ich bin in
dir in dir Und täusche mich
ganz sicher nicht. |
|
In den Büschen
einer fremden Frau, Die hielt mich
dort versteckt. Ich lag gern
unter ihren Blättern. |
Alles, Was ich wissen,
hören musste, Ließ ich mir von
ihr erst übersetzen, Dass ich nicht
ein Wort Verstand. |
Ich ließ sie nur Um ihrer Stimme
willen sprechen Die drang ohne
Halt Durch mich und
mein Gewissen. Das hielt sie als
Nackentuch Um sich gehängt. |
|
Als wir in unsren
Betten lagen, Nachts, Als ich das Laken
Dunkelheit Ganz eng um unsre
Körper schlang, Ja Nachts erfuhr ich
nur Von deinem
Doppelwesen. |
Vorher warst du
im Verdacht, Bei mir im Kopf, Im Oberleib die
Frau zu sein, Darunter
vierbeiniges Tier. |
Die Wahrheit aber
lag noch anders: Deinen Oberkörper Legtest du in
einen Flusslauf, Dass ich mit den
Wellen kämpfen musste, Deinen Unterleib
empfahlst du Einer
Riesenschlange ohne Kopf, Die konnte uns
nicht auseinander halten. |
|
Und das ist wahr, An dir ist nichts
so wahr, Wie der Verlauf
der schönen, braunen Schultern, Und ich fuhr sie
mit den Fingerspitzen, Mit der Innenhand In jeder Rundung
ab. Du wolltest
wissen, was es sei, Dass ich es
sagte. |
"Ja," Du kanntest das
Gefühl. "Heut morgen," sagtest du, "Bot man mir
Hölzer an, Die legten sich
in jede Hand Und passten sich, Der Form der
Hände an. So, oder ähnlich ist
wohl das Gefühl An mir." |
Ein Kuss von mir Blieb nicht auf
deiner Schulter haften. "Das
liegt," wusstest du sofort, "An dieser
Glätte." |
|
Eine Jalousie vor
meine Augen fallen Und erschreckte
so Das Bild von dir
in mir, Dass es zum
Schluss verblasste Und mich frei
ließ. |
Nachts ging ich
dann aus der Dunkelheit, In der du
schliefst, In s andre
Zimmer, Um mir Licht zu
machen. |
So vertrieb ich
dich ein zweites Mal Aus mir Und überstrahlte
dich, Um endlich Schlaf
vor dir zu finden. |
|
Ich weiß nicht, Wie ich’s anderen
erklären soll: Du warst mit dir
zu Viert, Und jedes Wort Und jede
Handbewegung, Jeder Schritt
zerstob sofort In alle
Himmelsrichtungen. Vor deinem
Spiegelschränkchen Warst du immer Einmal greifbar
wahr gewesen Und nur dreimal
Illusion. |
Du sagtest mir aus
deinem Echo: "Du kamst zu
mir, wann du wolltest, Und ich konnte
nichts dagegen tun. Nun aber wirst du
lange Nach mir suchen
müssen. Ich bin nicht
mehr die, Die du noch an
mir kanntest." |
Meinetwegen warst
du also du geworden, Und ich gab auch
zu, Dass ich dich nur
für mich Von Mal zu Mal
zusammen setzte, Und das würde
ich, Weil du mich dazu
zwangst, Nun wieder tun. |
|
"Überhaupt," so hörte ich dich
sagen, "Wird sich
vieles an mir ändern," Und du sprachst
zu dir vor mir Vor deinem
Spiegel, Darin war ich
auch. |
Du sagtest noch: "Im Spiegel
sehe ich genau, Wer wem ein Teil Und wer von wem
ein Teil ist. |
Diesen Spiegel, Der uns nicht die
Wahrheit zeigt Und doch bis in den
Boden einer Wahrheit Blicken lässt, Werd ich um
unsrer Beider willen Operieren," Und du schworst dem Spiegel Einen Kampf an. |
|
Es war das Rauschen eines Wasserfalles Ganz in meiner
Nähe. Zwischendurch Ergab es sich an
einer Stelle, Dass man durch
ein Gitter Mit der Hand Den Sturz der
Wasser greifen konnte, Und man hielt
nichts an. |
Ich träumte Tag
für Tag Von dieser
fremden Frau Und ihren
Blättern. |
Sie stand mir vor
Augen Und ich dachte an
ihr Laub. Es mochte
vielleicht blond, Ein wenig rötlich
sein. |
|
Wir lebten nahe
beieinander, ineinander Und doch auf
Distanz. In größter Nähe
zueinander Sahst du mir mit
deinen Blicken nach, Bis wir uns nicht
mehr sehen konnten. |
Ich sah auch zu
dir Und sah, wie du,
in diese Ferne. Die war unsre
eigne Schuld. |
Ich hätte dir
auch sagen können, Hättest du's
gewollt, Woran das lag, So nah an uns. |
|
Verließen wir das
Haus zu gleicher Zeit. Das war nicht
unsre gleiche Zeit. Ich dachte immer
nur an dich, Ließ dich sofort aus
meinen Händen Flattern, Und du flogst
davon Und warst in
Eile. |
Alles, was ich an
dir liebte, Ließ ich frei, Dass du es mit
dir nehmen könntest. |
Schmerzlich würde
es mich überkommen, Fiele eines Tages
aus den Wolken Laub in meine
Hand. |
|
Lag das Klingeln
eines Anrufs Noch im Raum. Ich lauschte auf
die Wiederholung. Nichts geschah. Ich dachte so von
mir: Du bist ein
dummer Mensch, Der steht zum
Sprung bereit vor einem Bild Und übersieht
nicht eine Einzelheit, Und wirklich gibt
es Keine wahre
Einzelheit darin. |
Ich könnte dich
und mich Und immerfort das
ganze Sein Mit einem harten
Gegenstand Durchdringen. Nichts von dir
und nichts von mir Würd dabei
aufgespießt, Von uns würd
nichts zum Zeigen Hängen bleiben. |
So, verstehst du, So denk ich, Wenn du in deiner
Sprache Mit mir redest. |
|
Manchmal würdest du mir Gerne gegenständlich sein. Ein Gegenstand für mich, so sagtest du, Wärst du schon ohnehin. |
Von meiner Scham verstandst du nichts Und nichts von meinem Zwang zu dir. An mir wuchs auch ein Baum Mit schwarzen Blättern. |
Dessen Wurzeln suchten unablässig Und verfingen sich. Das war nicht zu verhindern, Und ich schämte mich dafür. |
|
Nein, es war
schon Nacht, Sah ich von außen
deinen schönen Kopf Im Fenster
liegen, Der lag dort auf
Wache. Deinen Körper
hattest du getrennt davon Ins Bett
gebracht. |
Es schliefen
deine Augen. Katzenmenschen,
dachte ich, Sind weiter nichts,
als Tiere, Die sich
menschlich zeigen. |
Nie zuvor hat
dich mein Leben intressiert, Und ich, das geb
ich zu, Blieb immer
wieder im Gestrüpp Des ersten
Unterholzes An dir hängen. |
|
Das Schlupfloch
deiner Dunkelheit Benutzen. |
"Das,"
so sagtest du, "Ist nun zu
spät," Auch stünde ich,
um das zu wollen, Vor der falschen
Tür. |
Du hieltst die
Hand auf dich Und lachtest über
so viel Wollen: "Ganz umsonst
sind deine Tage Vor dem
Licht." |
|
Wuchs erstmals
eine feine Wolle An dir aus. Das Silberfell
des jungen Mädchens Hatte sich
gefärbt Und auch
gewandelt. |
Morgens fühlte
ich im Aufstehn, Wie sich dünnste
Fäden auf mich legten. Sie verwehten
hinter dir Und kamen auch
von dir. Ich war ganz
sicher. |
Draußen, dass du
es nicht sahst, Riss ich sie mir
aus dem Gesicht Und atmete so
tief es ging. In meiner Lunge,
spürte ich, Bewegten sich die
Haare eines Felles, Und sie legten sich Und richteten
sich auf. |
|
Ein wenig
abgeschirmt, In einem
Restaurant An einem Tisch. Ich wartete auf
dich, Und du, das gabst
du zu, Auf mich. |
So sprachen wir
von uns Und über uns Und hofften auf
die Gegenseite, Die sollt für den
anderen, Wir waren ja noch
Kinder, Und wir lebten in
der Illusion, |
Die sollte für
den anderen Begegnung sein Und uns ein
Wunderding vollbringen. |
|
Du standst in
deinem Zimmer, Und es brachen
überall von dir Die kristallinen
Stücke eines Überzuges ab, Der hatte deine
Haut Ganz lückenlos
umschlossen. |
Mir warst du in
letzter Nacht nicht aufgefallen, Und ich hatte
noch den Nachgeschmack nach dir In meinem Mund, Der hatte dich
berührt Und hatte dich
nicht ausgelassen, |
Und du sagtest mir,
wie zur Erklärung: "Immer, wenn
du bei mir warst, Muss ich mich
nachher Häuten." |
|
Dass wir uns
nicht sehen konnten, Eine
Bodenkrümmung lag dazwischen, Aus der größten
Ferne also, Sah ich über jene
Bodenkrümmung Fest in deine
Augen, Und ich musste
warten, Dass sie sich
beruhigten, Das Schwarz in ihnen
endlich still stand. |
In der
Spiegelung, die nicht mehr zuckte, Und in der
Vergrößerung War ich in dir zu
sehen. Alles sah ich aus
der größten Ferne, Und mir half kein
Instrument, Es war allein
mein Wissen ums Geschehen. |
Jene
Bodenkrümmung Schob sich
langsam über deine Augen, Zog sich wieder
fort, Pulsierte mit den
Schlägen einer Unbestimmten
Wachsamkeit, Und Aug vor Aug Lag jeder vor dem
andren auf der Lauer. |
|
Ein andres Mal traf ich auf dich, Es war ganz
unvermutet. |
Niemals hätte ich
dich überraschen wollen, Und du sahst mich
nicht, Warst so mit dir
in dir vertieft Und saßt dir
gegenüber, Und du tatst dir
und auch dir viel Gutes an, Das musste ich
ertragen. |
Und ich hätte es,
das wusstest du, In meinem Leben nie
ertragen können, Und du
überraschtest mich, Der ich dich
überraschte, Damit unvermutet. |
|
Es lag ein Katzentier in deinem Arm. Du sagtest mir: "Begrüße
meine Schwester, Das ist deine
Schwägerin, Sie ist der
Auswuchs einer Liebe, Die gilt mir Und ist nicht zu
erfüllen." |
Immer spieltest
du mit Worten Und mit Taten an Auf alles, was
uns trennte, Und ich sah es
ja, In Wirklichkeit
lag nichts in deinem Arm, |
Und mit der
dritten Hand, Die dir gewachsen
war Und dir
gehorchte, Fingertest du dir
im Schoß Und lecktest dir
mit deinem zweiten Mund Das Fell. |
|
Du wolltest mich nicht überraschen, Und du tatst es
nicht, Und ich war
trotzdem vorbereitet, Dass du mir den
Mantel deines Felles Einmal
überstreifen würdest, Und ich wäre trotzdem
überrascht gewesen. |
Ich wär gern in
ihn geschlüpft Und hätte mich
total in ihn verknöpft Und keine Stelle
des Entkommens Freigelassen. |
So war ich es
immer, Der den Mantel an
sich nahm Und öffnete Und um sich
schlang Und ihn verknöpfte Und ihn wieder
öffnete Und ihn
zurückgab, Und an dir
verschlosst du ihn Dann schließlich
wieder selbst. |
|
Wieder lagst du fest im Schlaf Im Laub des Bettes. Es gefiel dir so. |
Ich sah die
Birkenstämme etwas angewinkelt Und die Gabeln mit
dem Nest, Aus dem sie
wuchsen, Und ich sah auch
aus der Nähe Auf das Pergament
der Rinde, Das war glatt und
hell Und
vollgeschrieben mit den Worten Der Berührung
durch meine Finger. |
Die, so sah ich, Hatten nicht die
kleinste Fläche Ausgelassen. |
|
Eines Tages fuhr ich von dir fort. Dort draußen,
dachte ich, Sieht man mich
nicht, Ich würde dich Und schließlich
mich vergessen, Und das Blau des
Himmels Zog sich krönend
über mir zusammen. |
Lange sah ich
dort hinauf Und sah auch, Dass sich
Wolkenkämme Als die Ränder
und die Spitzen einer Krone Bildeten,
verfielen und zerrissen. |
Meine Hände lagen
neben mir Im Laub, im Sand,
im Gras Und sahen nichts Und ließen sich
nicht krönen, Sondern suchten
emsig Nach den
schwarzen Blättern, Wie sie es schon
immer taten, Um sie wieder neu
zu fühlen, Um nicht zu
vergessen. Ihre Angst nur
einmal nichts zu finden, Hätte eine Krone
niemals Überwinden
können. |
|
Den ganzen Baum
zu lieben, Wäre viel zu viel
für mich. Das Holz der
Birke ist auch innen weiß, Und niemand
möchte wissen, Woher meine
Schwärze stammt. |
Ich liebe diesen
Teil des Stammes Den ich sehe, Seine Gabeln Und das Moos in
ihnen. |
In die Krone
deiner Haare steig ich nur, Wenn ich das Fliegen
wieder lernen möchte Oder muss. |
|
Deinen
Augen seh ich's an: Die Zunge leckst
du dir Im Mund. Ich kenne diesen
Nachgeschmack, Der endet mit dem
Strecken beider Arme Weit nach einem
unsichtbaren Rücken, Den man fest
umfasst, Und den man sich
von hinten Bis ans Ohr
zieht. |
Dessen Mund
beschert dann Worte, Die dich deine
Augen schließen lassen, Und du wirst du
selbst Und horchst nach
innen, Achtest auf die
Laute Tierischen
Behagens. |
So lässt du dich Ohne einen
Augenaufschlag nehmen, Und es bleibt dir
völlig gleich, Wer es dir macht, Und für die Untat Denkst du dir in
übler Lust Auch eine Strafe
aus, Die soll dich
selber mit betreffen Und auf seltne Höhepunkte Tragen. |
|
Einmal, sah ich, schriebst du auf Was ich dir
beichtete. Ich schrie zum
Himmel über dich, Schrie nach
Verstand für dich. Du warst mir doch
vertraut Und nun so
unvertraut. |
Dort oben schuf
man blitzschnell Eine grüne Wiese, Darauf wuchs zu meiner
Freude Schwarzes Gras. |
Ich sagte nach
dem Schrei zu dir, Dass ich auf
deine Weide wollte, Und ich ging Und fraß mich
satt wie nie zuvor Und graste bis an
deine Wurzeln. |
|
Menschen wachsen in den Gabeln ihrer Äste, Schwarze Blätter,
dunkle Nester, Die bevölkert
sind mit den Gedanken Und den Wünschen Ihresgleichen. |
Mir geht so
Erinnerung verloren, Jede
Individualität verliere ich. Ich fragte in der
Nacht nach dir, Du warst hellwach
und sagtest: "Nein, denn
ich will schlafen." |
Hättest du
geschlafen, Hätte es dir gar
nichts Ausgemacht. |
|
Auf den Tisch Und wurde
abgelenkt. Dann sah ich
wieder auf den Tisch Und griff in eine
Rolle Stacheldraht, Der biss gleich
zu. |
Darunter lagst du
nun als Buch Als Mensch, Warst nicht zu
öffnen, Bliebst
geschlossen, wortlos, stumm, Und ließt mich nicht an dich Und pflanztest
mir den Glauben, Dass ich dich
geschaffen hätte. |
|
|
Der Wind spült dir ins Haar, Fällt ständig neu In eine Dünenlandschaft Und zieht dort im Gras Die Scheitel, Sie verändern sich sofort, Und deine weiße Kopfhaut Schimmert durch. Mich grausts
bei dem Gedanken. |
Später blas ich selbst Mit meiner Atemluft Die weichen Lippen deines Mundes Auseinander, Und die Zähne stehen weiß in Schranken, Fest im Biss, Und meine Angst hält an. |
Ich sollte wirklich alle Lampen, Alle Nachtgedanken löschen, Wenn ich bei dir bin, Dass du von mir nichts siehst Und mich nicht sehen kannst, Und ich dich nicht bemerke. |
|
"Ich spreche
mit dem Wind Und er mit mir. Der Wind bläst über
meine Lippen, Die ich leicht
verforme, Und in mir, in
meinem Mund, Beginnen sanfte
Töne Sich in mich zu
fressen." |
Es war gut, dass
du das sagtest, Denn zu oft
verstand ich deine Sprache nicht Und wusste in der
Dunkelheit in dir Mit dir nichts
anzufangen. So, sah ich, Gab's immer einen
Weg nach draußen. |
Früher lag ich
unter Wurzeln eines Flüssigglases Fest begraben, Und ich hätte
mich um meinetwillen Nicht gerührt. |
|
"Dort
drüben." sagte ich, "Fängt man die
Fliegen mit der Hand." Du legtest alles
ab, Stiegst auf Und flogst als
Fliege in der Luft herum Und wolltest auch
auf meine Haut. |
Ich schlug nach
dir Und traf dich
nicht Und wollt dich
fangen Und in eine
Schachtel sperren. |
Jeder Tag war so für
uns, Und jeder Tag war
wie der andere, Und abends
spielten wir in Regelmäßigkeit Im Blätterwald, Und eigentlich, War ich viel
häufiger als du Das kleine
Fliegentier. |
|
Wenn wir in unsren Wäldern spielten, Und die schwarzen
Blätter auf der Erde sahen, Mit den Füßen, Das sind unsre
Finger, darin gingen, Ohne sie zu
heben, Schliefst du
neben den Gespannten Saiten
meines Instrumentes. |
Und du warst, das
sah ich, Unter deinen
Augen wach Und griffst auch
ein, Um deine Melodie
zu hören, Ohne dich zu
rühren, Ohne dich von dir
aus zu bewegen. |
Alles musste ich
alleine Und nach deinen
Wünschen machen, Und ich machte es
mit Eifer, Fast im Wahnsinn, Der ließ
plötzlich alles Laub verwelken Und zur Erde
fallen. |
|
Dir, so sagtest
du zu dir Und sagtest
nichts zu mir Und sahst mich
an, Dass ich an dir
bemerkte, was du hattest, |
Dir, so sagtest
du zu dir, Sei jeder Regen
recht Und trocken sei
das Laub an dir Von all der
vielen Sonne, Die drauf fiele. |
|
|
Wir, das waren du
und ich. Ich fuhr auf dir Und du auf mir, Darunter schwamm
das Land, Das war nicht zu
erreichen. |
Ich war
dreigeteilt. Es machten sich
in mir Das Opfer Und der Quäler Und der Hehler
breit. Sie übten
Eintracht aus. |
Dir war nichts
vorzumachen. Alles, was ich
kannte, Kanntest du von
dir vor mir. |
|
Du legtest dich Mit einem viel zu
weiten Kleid Auf eine glatte
Kunststoffbahn, Die war mit Laub
bestreut. Du kanntest mich
genau Und sahst mich
an. |
Ich stand in
meinem Straßenanzug neben dir. Du stießt dich
nun in deiner Rückenlage Mit den Füßen ab Und schobst dich
durch das Laub Und rutschtest
meterweit. Ich lief dir
nach. Ich hätt' mich
auf dich werfen können, Und dein Körper
gab viel frei, Das Kleid hielt
dir kaum stand. |
Mich schreckte
dieser Blätterwald am Boden. Jedes Blatt, so
dachte ich, Hast du geboren. Du wirst weiter
ohne Unterlass gebären, Und es ist kein Platz
für mich An dir. |
|
Der gestern war Und sprachen auch
vom Wetter. "Hinter
Wolken," sagte ich, "Scheint
jede Sonne, Und ich sah dort
eine schwarze Sonne stehen. Die strahlt ohne
Unterbrechung, Und man könnte
nicht erklären, Was sie abgibt, Und die Nacht ist
etwas völlig anderes.“ |
Als ich dann
heimkam, Wusste ich
Bescheid. Der Ausdruck des
Gesichtes, das wir haben, Ist persönlicher
Besitz. Dahinter tragen
wir, trag ich, Ein zweites
Wesen, Das ist anders, Das ist völlig
frei von uns Und richtet sich
nicht einen Augenblick Nach dem
Besitzer." |
So gesprochen, Mit den Wolken
meiner Worte auf den Lippen, Zwang ich dich
zum Kuss. Du hattest dabei
Angst vor dem Ersticken, Und in Abwehr Wehrtest du dich
nicht. |
|
Unter mir dein
Schläfchen machst Und in Gedanken
deinen Haushalt richtest Und bis Hundert
zählst Und siehst, Es dauert diesmal
etwas länger, |
Wenn du also
deine Fischernetze Mühevoll mit
deinen Händen flickst, Dann frage ich
dich laut, Dass du mich nicht
verstehst: "Warum gibst
du die Fischerei nicht auf Und machst dich
selbst zum Fisch?" |
|
|
Unter mir
beiseite. Schwer warst du, Und schwer war es
für mich, Dich zu bewegen, Und ich achtete
nicht mehr auf dich Und ich verlegte
dich. |
Du wusstest davon
nichts, Und ich ließ dich
nicht aus den Armen, Und ich hörte dich
mit dir Gespräche führen, Die ich
eigentlich nicht hören konnte, Und es klang, Als wolltest du Auf keinen Fall
beiseite liegen, |
Und es war ein
Klammern aneinander, Das uns zum
Ertrinken führen musste. |
|
Es war nichts zu
gestehen, Und ich sprach
von mir Und meinen
Körperteilen, Die gehörten mir. Du warst
erstaunt, Dass ich so
deutlich wurde, Und du hattest
nie bedacht, Dass eine Straße, Die von niemandem
begangen und befahren wird, Wenn man alleine
darauf ist Und sich sich selber fort denkt, Wirklich leer
ist. |
Und sie läuft
ganz lautlos Durch die
Wirklichkeit. Die ist auf diese
Weise aufgehoben. |
Ich, das meinte
ich zu sagen, Habe niemals
existiert, Und sinnlos ist
es, Mich danach zu
fragen, Und an mir zu
suchen. |
|
Meine Wohnung war ein Laubwald. Überall stieß ich
auf Stämme, Weite Äste, die
ins Zimmer ragten, |
Und ich stand in Schwarzen, roten,
gelben, braunen Blättern, Die versuchte ich Mit meinen
Fingern zu berühren, Und darunter
zuckte Fleisch. |
Dann sah ich
dich, versteckt, Und mich in einer
Falle, Die fiel gleich
nach mir ins Schloss, Und fiel ins
Schloss Und fiel und
fällt ins Schloss Und fällt in's Schloss und, "Niemals,"
sagt dein Mund zu mir, "Wirst du,
der keine andre Frau berührt, Mich an dem Laub Von andren Frauen Unterscheiden
können." |
|
Meinen Körper hatte ich vergeben, Und ich wusste
nicht an wen. Es ist mir auch
egal, Wovon ich lebe. Wovon leb ich
denn, Wenn ich von irgend etwas lebe, Statt zu leben. |
Darum die
Vergabe, Und es kamen
etliche, Die nahmen
einfach mit Und ließen, als
sie nichts mehr fanden, Das, was sie
genommen hatten, Für mich sein. |
Ich sah Und sah auch zu, Wie sie zu Dieben
an mir wurden. Ich, das war
gewiss, Fraß nur die
Köpfe anderer, Und das berührte
niemanden, Und deinen Kopf Hob ich mir immer
wieder auf, Weil es mich
schmerzte. |
|
Wie du es bist,
wenn du dich weigerst, Kann kein Wildtier
sein, Und hoch sind
deine Sprünge, Giftig ist dein
Zischen, Scharf ist jeder
Schlag mit deiner Hand, |
Und, dass du kein
Wort weiter sagst, Als
"Nein", Es mir in die
Erwartung sagst, Ist schlimmer als
ein "Ja" Aus einem
Hinterhalt. |
|
|
So lautlos wie
ein Wildtier sein, Das sich nach Beute
umsieht. Oft lieg ich vor
dir Und warte ab. |
Du weißt es, wie
es ist, Ich weiß es, wie
es war, Und dieses Tier
in mir Will immer wieder
neu erfahren. |
Manchmal machst
du dich Als Beute gut, Und manchmal
biete ich dir Beute an. In dir zuckt
nicht Der Wahnsinn
dieser Lust Zu jagen. |
|
Warst du von dir
gesundet. Und du sagtest
nichts und sahst, Obwohl du meine
Körpergröße hattest, Als ein
Schmeicheltier, Von unten zu mir
auf Und legtest mir,
der dachte, Dass es doch Gewalt
gewesen sei Und viel mehr als
Begehren, Legtest mir den
Blick der Anerkennung, Deines
Wohlgefallens, Des Gefühles wärmster Neigung in die Augen, Weil ich ohne
dich, So sagtest du es
im Triumph, Nicht leben
konnte. |
Und du sagtest es
in meine Hand Und neigtest dich
mit einem Kuss Darüber. Ich, mit meinem
Mund, war schneller Und zur Stelle. |
Gut sahst du in
allem aus. Von meiner Angst, Dass ich dich in
der Angst zerstören könnte, Wolltest du
nichts wissen. |
|
Seine Hände in
dir waschen können, Weil du klarer
warst, als Bergluft, Klarer, als ein
ungetrübtes Küstenwasser. |
Dann hielt ich mich
ganz in dich getaucht Und achtete auf
Blätter, Die auf deine
Oberfläche fielen. |
Mit den Fingern
durfte ich Mit ihnen
spielen, Und du selbst
saßt in den Schiffchen. Die stieß ich
ganz leise ab Und fing sie
wieder ein. |
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Man hatte dich
gemalt, Und ohne es zu
wissen, Etwas, jemanden
darüber projiziert. Der war auf dir, An dir, In dir Und überall war
er mit dir. |
Du sagtest, dass
du mit dem Künstler Alles
durchgesprochen hättest, Dass er dich so
zeigen konnte, Wie du wirklich
warst. Und der auf dir Hielt sein
Gesicht zu dir, Das war auf
deinem Bild nicht anzusehen, Und ich fragte
nicht Und war mir nicht
mehr sicher. |
Du verlangtest,
sah ich, Weiter nichts, Als das Gefühl Totaler Aufgenommenheit. |
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Es wäre nicht
erwähnenswert, Wenn es so wäre, Oft bin ich der
Tod An deiner Seite, Der kämpft um das
bisschen Leben, Das ihm blieb, Und pflügt und
gräbt Und kann nicht
fündig werden. |
Tief in dir,
versteckt im Laub, So denke ich, Entdecke ich den
Sinn des Lebens Oder was man
dafür hält. |
In Wahrheit aber Stoße ich auf
eine ausgestreckte Hand, Die ragt heraus Und greift nach
allem, was sich greifen lässt, Und hält es fest. Das will ich so. |
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Ich strandete entfernt an einer Insel. Niemand, dachte
ich, Wird mich hier
kennen, Hier bin ich
vertraut mit mir, Hier werde ich
mir neue Namen geben. Täglich war es
einmal so. Die Morgennächte Hatten Sand im
Mund Und sprachen
nicht. |
Es war zu
unbequem fürs Überleben, Dich am Tage zu
bewohnen. Nur, wenn alles
gut geht, Werden wir zum
Doppeltier, Das kann sich
nicht mehr trennen, |
Und wir müssen Vor den anderen
versteckt, die sind wir selbst, Weil sich die
anderen für uns Nicht intressieren, Fest umschlungen,
wie wir sind, Ein Doppelleben
aneinander führen Und auf dessen
Ende warten. Das fällt in die
Regenzeit. |
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"Im
Wald", so sagst du, "Gibt es
nach dem Regen Einen zweiten
Regen." |
Diesmal kam ich
schon durchnässt zu dir Und kam aus einer
Regenlandschaft. Dorthin, wusste
ich, Müsst ich nach
dir Noch einmal
gehen, Und ich kam von
mir zu dir |
Und würde nach
dir Wieder zu mir
gehen Und danach zurück
zu dir Und dann zu mir, Zu dir, Zu mir, Zu...... ........ |
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Ich klopfte an die Blätterwand, Ich klopfte an an dich, Und keine Stimme
öffnete, Es kam kein Wort
der Freundlichkeit, Und äußerlich sah
es so anders aus Und lud so
freundlich ein. |
Ich hätte jeden
Irrtum ausgeschlossen, Hätte jeden
Schwur getan Und hätte nie
daran gedachte Dass du dich ganz
verlässt, Wenn du dich
meinem Klopfen Überlässt. |
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Ich bildete mir ein, Das Blätterdach Sei Schutzdach vor dem Regen, Weil darunter eine blanke Sonne lag. |
Die kam, das sah ich hinterher, Von so weit her aus schrägem Winkel, Und sie hatte mit dem Regen Nichts zu tun. |
Der Regen hatte sich um mich gehüllt Und ließ die Blätter An den Zweigen kleben, Lieferte mich schutzlos aus. |
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Als ich dich und
mich In schwarze,
weiße Felder teilte, Sahst du vieles
ein. Es war ganz
sonderbar, Solange ich nur
davon sprach, Bedeutete es
nichts Und gab dir keinen
Sinn. Nun aber riss ich
diese Felder von uns ab. |
Man könnte es Mit abgezog'nem Pergament der Birkenrinde, Dieser
wunderbaren Haut vergleichen, Die ich nun als
schwarze, weiße Teile Ineinander,
aneinander schob. |
Daraus entstand ein
lebensgroßes Bild Von dir und mir, Das zeigte uns
von uns entfremdet, Und es zeigte
eben auch Die starke
Bindung Zwischen den
Extremen. |
ISBN 3-937264-02-7