Lyrik.
Harald Birgfeld.
Copyright 2002 beim Autor, Harald
Birgfeld, alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieser Veröffentlichung darf ohne
schriftliche Erlaubnis des Herausgebers, Harald Birgfeld, reproduziert werden.
Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Verfilmung und
Einspeicherung sowie Verarbeitung in elektronischen Systemen.
ISBN 3-937264-03-5
Herausgeber, Autor,
Redakteur: Harald Birgfeld, e-mail:. Harald.Birgfeld@t-online.de
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Gott hat Folgen,
sagt man. "Welche
Folgen?", frage ich, Und jemand sagt: "In einer
Streichholzschachtel Sah ich all die
Köpfe schlafen, Rundherum im
Freien gab es nichts mehr, Das noch brennen
konnte." |
Dann ein andrer: "Auf den
feuchten Wiesen, in den Wäldern, Wachsen wieder
Pilze. Die sind dies
Jahr ohne Unterschied. Man warnt vor
ihnen. Ihre Giftigkeit
sei wirklich Ohne Unterschied. Das Gift sei aus
der Luft gegriffen." |
Mir ist alles
gleich. Ich häng, wie man
hier sagt, am Tropf, Und kann seit
neuestem, von mir aus Über jenen
Apparat, der mich am Leben hält, Allein
entscheiden. |
|
Verhakte sich der
Rank des Rosenstockes In den Stoff der
Hose die ich trug. Es ging sehr
schnell. |
Ich sah zu
gleicher Zeit, Wie er sich
schlängelte, Den Kopf,
gepeitscht, nach vorne schnellen ließ Und mit den
harten Zungen seiner Dornen Zubiss. |
Ja, ich war
sofort gelähmt, Stand noch Sekunden
still Und starb dann Auf der Stelle. |
|
Man reichte ein Tablett herum. Das wanderte, weil es im Raum von
Menschen eng war, Über alle Köpfe, Wanderte von Hand zu Hand, Es sollte mich erreichen. Als es ankam, war auch ich soweit. |
Ich legte meinen Kopf darauf, Das hatte man verlangt, Und ich bestand darauf, Dass ich in diese Geste Ebenso die Demut wie die Tötung legen
durfte. |
Nach der Trennung Konnte ich mich dafür nicht mehr intressieren, Wohin das Tablett mit meinem Kopf Die neue Wanderschaft begann, Ich war zu sehr Mit mir beschäftigt. |
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Eigentlich war es ganz anders. Immer wünschte ich mir jemanden, Der mich verstehen konnte, Und der Ansatz, dachte ich, Sei gut. |
Die Wahrheit aber war, Das schon der Ansatz In die falsche Richtung zeigte. Auf dem Bahnhof standen meine
Doppelgänger Überall herum. Sie waren nackt wie ich Und trugen auch darunter Keine Kleidung. |
Alle warteten Auf meine Ankunft. (2006
Frankfurter Bibliothek…) |
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Manchmal dreht sich Dieses Rad in meinem Kopf, Das schlägt mit einem schweren Ende Immer an die gleiche Stelle. |
Ja, ich weiß, Es schlägt das zweite Herz im Kopf. Doch dies ist anders. Hier, in mir, schlägt jemand An die feste Wand Und wird sie auch durchbrechen Und zerstören. |
Was wird sein, so denke ich, Wenn alles Offen liegt? |
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Ich wohnte hoch. Ich wohnte in dem Stockwerk Über allen anderen. Ich wohnte immer wieder über denen Die behaupteten, Sie hätten eine Wohnung über mir. |
Das konnten diese Menschen nicht verstehen, Und ich brauchte lange, Mich an diese Menschen Zu gewöhnen. |
Mir war alles selbstverständlich, Auch die Ordnung über mir. |
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"Muss ich denn wissen, wer ich bin, Muss ich von mir in einer Einzahl Oder in der Mehrzahl reden, Nun, wo ich mir nicht mehr nur, wie früher, Innerlich begegne Sondern mich auch äußerlich Der eigenen Gefahr durch mich aussetze, Auf mich treffe? |
Wer ist wer, Und woher komme ich, Wenn ich's nicht bin?" |
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Ich begegnete der
lebenden Maschine. Angenehm war sie Und kam mir sehr entgegen. Was ich mit ihr absprach, Sollte uns Geheimnis bleiben, Aber das verstand sie nicht. Sie war ganz frei von sich Und hatte keine Bindung. |
In den Augenblicken, die ich mit ihr sprach, Schuf sie von mir, Sie sagte, dass sie in Gehorsam diene, Ja, sie zeugte mit mir Duplikate meiner selbst Und ließ sie frei. Die Duplikate waren ganz genau so alt Wie ich Und mir in allem gleich Und lebten so wie ich, Mit einer und derselben Frau und anderen. |
Und alle waren überall bei jedem einzelnen Und wussten nichts davon, Und, wie mir schien, Auch nichts von sich. Nur, wegen der Maschine, Würde es nicht lange Ein Geheimnis bleiben können. |
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Die lebende Maschine, Die mich duplizierte Und mich vielfach machte, Hat mich nicht verraten. |
Meine Frage hat sie abgetan Und nicht gewertet, Und aus ihrer Sicht, ließ sie mich
wissen, Sei ein Einzelleben, so wie sie es
führte, Ohne Unterschied von meinem. |
Sie, so sagte die Maschine, Hätt wie ich den Glauben Und sei leidensfähig. |
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Ich kam heim. Dort fragte man mich, Ob ich heim gekommen sei, Denn mein Heim sei das Heim der anderen, Wo ich zu Hause sei, Sei das Zuhause derer, die mich fragten. |
Alle hatten mich erlebt Und wussten von zwei Dingen: Erstens, dass ich mich verlaufen könnte, Das war zu verhindern, Zweitens, dass ich mich an nichts erinnern würde Oder könnte, Das würd Heimatlosigkeit bedeuten. Niemanden könnt man davor beschützen. |
Meine Wege waren Kreidestriche, Und ich selbst errichtete mir Hinweisschilder, Dass ich nicht vergessen Und mich nicht verlaufen konnte. |
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In Wahrheit war ich ohne Wohnung. Jemand las uns vor. Er las aus einer Dokumentation, Die sollte eine Zukunft zeigen, Eine nahe, die schon fast geschah, Und eine ferne. |
Auch, dass ich ein Wohnungsloser würde, Prophezeite man. Die Zukunft, sah ich, War an mir stets einen Schritt
Vergangenheit. |
Die andren hielten die Vergangenheit Für erste Schritte in die Zukunft. |
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Man rechnete damit, Dass ich nicht wiederkommen würde. Vor mir selbst war ich schon lange Ohne Umkehr, ohne jede Rückkehr, Und ich liebte Bücher, die im Fehldruck Völlig falsche Sätze schrieben Und Passagen durcheinander brachten. Die las ich mir immer wieder durch. |
Die Mädchen trugen Schleifen, Bänder Aus Papier in ihren Haaren. Darauf möchte ich, Wie an den Baum der Wünsche, Meine Sätze schreiben, Dass sie diesen Mädchen, Wenn sie sich frisieren, Auf die Haut und in die Schöße, In die Hände fallen. |
So käm ich am Ende doch noch wieder. |
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Alles sah ich prüfend an, Mit Wohlgefallen, Auch mit Fremdheit, Und der Abstand wurde merklich größer, Wenn ich etwas in die Hände nahm. |
Mir gegenüber saß die junge Frau, Die sah zufrieden aus Und strickte ohne Unterlass und schnell Und lächelte mir zu, Als wüsste sie Bescheid. |
Sie nahm wohl nur mit ihren Augen Meine Größe ab. Ich dachte, alles um mich her Bereitet sich auf einen Abschied vor, Von dem bin ich betroffen. |
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Du standst nun auf Und folgtest mir zur Tür. Ich hatte nicht mit dir gerechnet, Denn du hattest deine Arme, Noch am Frühstückstisch, nachdem du satt
warst, Über deiner Brust verschränkt Und mich dann gehen lassen. In der Haustür hieltst du unerwartet Meine Schritte an, Indem du von der Innenseite An dem Türknauf zogst. |
So hieltst du fest an mir Und hieltst mich doch nicht fest. Ein letztes Mal, so dachte ich,
vielleicht. Ich knöpfte dir das Wollkleid auf, Mehr fand ich nicht auf deiner Haut, Es lag eng an Und es war einfach grau Und alles was du trugst. |
Du aber schobst, bestimmt Und ohne jede Glut, Die ausgestreckte Hand zurück Und sagtest mir: "Nun geh, Du dehnst mir alles aus," Und sagtest nichts von Wiederkehr. |
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Vor mir stand eine große Müdigkeit, Die trieb mit jeder neuen Welle Sand auf Sand in meine Augen, Dass sie brannten. |
Als ich lichterloh in Flammen
stand, Und schließlich nicht mehr übrig
blieb, Als das, was du in Händen halten
konntest, Gabst du nach und Ruh, Und fülltest mich in eine Urne um. |
Die wolltest du gelegentlich Beschriften lassen. |
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Natürlich war, was alle Menschen
in sich haben, Auch in mir. Es gab in mir, wie in den andren, Diesen letzten Stein. Der würde übrigbleiben, Der würd Zeugnis sein, Den würde man in einer letzten Würde Durch die Zeitung gehen lassen, Und auf eine Aussichtsplattform setzen, Dass er sich in Aussicht Schließlich selbst verzehren könnte. |
Alles würde sein wie ich es sage, Wenn nicht diese Einsicht wäre. Noch als Stein, das weiß ich, Werden meine Augen aufstehn Und nach innen schaun, Und äußerlich wird nichts zu sehen sein. |
Ich stoße dann, wie all die andren Auf ein übermenschlich menschliches
Verlangen Nach Berührung. Die kann nur von außen kommen. |
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Einmal, ich erinner mich genau, Wird eine Gondel Vor der Haustür stehen, Und es wird mir jemand sagen: "Steigen Sie doch bitte ein, Die Gondel ist für Sie." Ich weiß es, Weil ich tausendfach, Wenn ich das Haus verließ, In diese Gondel kletterte Und darauf wartete, Dass sie nach oben steigen würde. |
Alles war bis jetzt umsonst. Vom Dach der Gondel Spannte sich ein blanker Faden Bis ins All Und zog nicht an. |
Von diesem Faden werde ich dann sagen: "Wie ich mich erinnere, Verdanke ich dem unbekannten Faden Mein Entkommen. So, ja so, kam ich hier an.' |
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Immer ist grad das, was ist, In Wahrheit nicht. In einem Film Sah ich in einen Ausschnitt deines
Lebens. |
Damals, sagt man heute, Warst du schon im Aufbruch, Abschied lag schon hinter dir. |
Ich selbst beendete zu der Zeit Eines meiner Leben, Das kam auf mich zu, Und die Erinnerung Verblasste schnell. |
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In meiner Haustür Wurde ich mit jedem Durchgang Neu gefragt. Der Türknauf war die Frage selbst: "Wenn du so gehst und so vergisst, Wie du vergisst Und alles aus den Händen legst Und nicht mehr weißt, was kommen wird, Und dich nicht intressiert,
was war, Wovon wirst du dann leben können, Wenn du eines Tages lebst?" |
Ich schwieg dazu Und ging mit jedem Tag Dem Leben Einen Tag Vergangenheit Entgegen. |
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Ich habe mich beschwert: In einer glatten Wand aus Felsen Fand ich keine Tür. |
Man hatte mir gesagt: "Du musst hinein, Es wird dich keiner fragen, wie!" |
Mich hatte man natürlich dabei Übersehen, Und kein Mensch nahm meine Frage An. |
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Er führte über
eine Straße aus Beton. Man sah in ihm
sehr gut Die abgetragnen Stellen. Ich hielt an, Bot alles auf,
den Weg zu sperren, Und den Strom der
Menschen Leitete man
schließlich um, Dass dieser Weg
vergessen wurde. |
Ich sah zu und
wartete nun ab. Die Blöcke, einst
gegossen, Rissen, sprangen
auf Und gähnten sich
in eine andre Endlichkeit Und ließen Grün Aus ihren Spalten
wachsen, Dass die Straße
starb. |
Zuvor hat mir
kein Mensch geglaubt Als ich es
prophezeite, Als ich sagte: "Nichts ist
auszutreten." Dieses Bild
benannte ich. Es heißt nun: "Schwer ist
jeder Abschied, Und noch schwerer
ist das Wiedersehn Mit ihm." |
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Ihr wart
zerstritten, Und ich weiß, Es lagen nur zwei
Jahre Einer tiefen Frauenfreundschaft Zwischen euch. Ihr hattet keine
Wahl Und musstet
ineinander stehen bleiben. |
Jede von euch
schlug der andren vor, An ihr die
Heilige zu werden. Das war euer
Grund. Den konntet ihr
nicht sehen, Nicht erkennen. |
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Abschied ist ein langer Nagel, Der wird aus der
Stirn gezogen. Hinterher bemerkt
man erst, Wie aufgehängt
man war. |
Der Fall danach,
er kommt So schnell wie
man es nicht erwarten konnte, Müsste einen
Aufschlag haben. Doch der war
bereits am Anfang, War sofort. |
Die erste
Schrecksekunde Breitet sich nun
aus, Entfaltet sich in
Langsamkeit Zu Tode. |
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Du saßt mir
gegenüber in dem Zug, Und dich verriet
ein Mantel, Der war streng
kariert gemustert. Buch im Buch Und Buch an Buch Und Seite neben
Seite Hattest du dich
eingehüllt. |
Es nützte wenig. Jede Seite, die
du last, War
programmierter Abschied, Der kam dir, die
einsam lebte, Immer schneller
näher. Bücher lesen war
die Sucht an dir. |
Es hätte einer
nur von außen Einen Finger auf
die Seite legen müssen, Und du wärest
aufgewacht Und hättest
zugebissen. Einmal hattest du
dich schon verwechselt Und verletzt. |
|
Abschied, stand in einer Schrift, Ist Anfang, Und ich las von
der Begebenheit: Du warst zu einem
Mann gegangen, Um zu fragen, und
du sahst, Er hatte sich die
Frage Tausend Mal
herbeigesehnt, Es war die Frage
nach ihm selbst. Die Antwort stand
vor dir. |
Du aber nahmst
die Antwort, Weil er sie dir
bot, für dich Und bliebst bei
ihm als Frage, Die sah er. Er konnte so mit
seiner Frage, Du mit deiner
Antwort leben, Jeder nahm sich
selbst im anderen. |
Verblüffung legte
sich auf euch. So einfach, saht ihr, Ist die Trennung
von sich selbst, Wenn man sich
findet. |
|
Immer wieder sandte man den Mann In einen Raum, Dort hätte er zu
warten. Drinnen, sah er
gleich, War jede Warterei
umsonst: Die leeren Plätze
täuschten nicht. |
Ich sah in meinen
Pass, Das Datum war
verfallen, Meine Haare auf
dem Foto waren Schwarz und voll. In meiner
Gegenwart war ich ein Stuhl, Der hatte sich
geleert Und hatte graue
Haare. |
Junge Mädchen
ließen ihre Hände Über meine Lehnen
gleiten, Kamen, um das
Haar zu streicheln, Und sie wussten nichts Und sahen nichts
von meiner Warterei. |
|
Zum Abschied wurde Zärtlichkeit An dir verübt. Es war ein
Abschied gegen deinen Willen: So tat man Gewalt
an dir. |
Du wolltest
keinen Abschied geben, Schlimm war die
Gewalt, Und ein Gefühl
der Ohnmacht Schlang die Arme
fest um deine beiden Beine. |
Schwankend
standst du vor dir selbst. Ein Windstoß Hätte
ausgereicht. |
|
Führte jemand ans
Papier. Es war ein
Kinderspiel, Und Trennung hat
mit Abschied Wirklich nichts
zu tun. Mein Auto steht an
einer Straße. Ich sitz in der
Höhle, Etwas vor der
Tür. Im Spiegel, der
nach hinten zeigt, Empfang ich all
die Kommenden. |
Auf meiner Höhe
denkt von denen Nicht ein
einziger an mich, Und, kaum vorbei, Beginnen sie die
Sucherei nach vorne Und nach mir und
ahnen nichts von mir. Für alle sind wir
alle immer der, der kommt Und der, der
geht. |
Man rief mich
immer wieder an, Und ich erinnerte
mich wirklich nicht, Obwohl man sagte, Dass wir uns doch
gegenüber säßen. |
|
Sie liest in
fremder Sprache, Spricht von
fremder, ihr vertrauter Angelegenheit. Mich geht nur
ihre Fremdheit etwas an. |
Hier ist es
umgekehrt: Aus einem
Abschied, der besteht, Mit dem sie
angekommen ist, Nehm ich
Begegnung an, Und alles, was
vergangen ist, beginnt. |
Sie, die dort
vorne liest, Hat nichts mit
mir zu tun Und zwingt mich
mit der fremden Sprache Einen Abschied
anzunehmen, Zwingt mich, Alle Fremdheit
abzulegen. Abschied, der am
Anfang steht. |
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In mir, das
spürte ich, Obwohl ich außen stand,
war Aufbruch, Wandel aus dem
Ich ins Fremde. Sieht so Abschied
aus? Wird so die eigne
Haut Dem nächsten
einfach mitgegeben? |
Es entstand die
Ungewissheit, Was mit dieser
Haut geschehen würde Und die Angst,
das rohe Fleisch zu sehen, Und die Hoffnung
auf den Irrtum. |
Wenn ich schweig
und schweig und schweig Dann sind das
Zeichen eines Aufbruchs, Damit hoff ich, Lässt sich
schließlich Wachstum zwingen. |
|
Das war noch zu
Beginn, Sah ich an mir,
der unbelehrbar war, Der dieses
schreibt und denkt, Der bis zum Ende
denkt |
Und, wie ich
sagte, Dann am Anfang
steht, Als ich den
Abschied nahm, Sah ich, Auch Gott hat
Folgen. |
|
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Es wurd hell und dunkel, Hell und dunkel, Hell und ... Und wir wohnten
Tür an Tür, Und zwischen
unsren Türen lag ein Flur, Und diesen Flur, das
war das Schlimmste, Mussten wir
bewachen, Und wir richteten
es so, Dass immer einer
wenigstens In seiner Kammer
blieb. |
Zwei Jahre sahen
wir uns nicht Und wachten über
unsre Trennung. |
Die bewies Und sie beweist
noch gar nichts. |
|
Nicht Begegnung
mit dir selbst? Kann Abschied nie
die Frage Nach dir werden? Jemand kam vom
Krankenlager Einer alten Frau, Die lag im
Sterben, Und er hatte sie
gemalt. |
Als ich das Bild
in meine Hände nahm, Bemerkte ich
sofort das Alter, Und die
Untersuchung gab mir recht: Das Bild war
Hunderte von Jahren alt, Vielleicht schon
mehr als ein Jahrtausend. |
Dafür und für die
Erkenntnis Dankte ich, |
|
Du riefst mich in dein Zimmer. Als ich kam,
vernahm ich noch, Dass du mich
warntest, Vorsicht wäre angebracht, "und stolper
nicht, Ich kann nicht
länger warten." |
Es gab nur die
eine Tür. Die Fenster waren
zu Und du warst
fort. Ich sah noch
einen Rest von dir, Daraus entstand
ein Bücherstapel. |
In dem Zimmer
hattest du vor mir Mit mir gelebt Und außer diesen
Büchern Blieb nichts
übrig, Die warst du dir
selbst. |
|
Sonst hattest du dich eingeteilt In Grade und in
Zahlen, Nun erfandst du
Tageszeiten neu: Der Morgen war
geeignet, Tee an dir zu
pflücken; Mittags gabst du
dich an Dingsymbole ab, Du lebtest gern
mit ihnen, Sagtest auch, Sie würden hinter
deinem Rücken Ganz verrückte
Spiele spielen. |
Abends zündete ich
dann in dir Die Lampe an. |
Die Zeit vor
einem Abschied Ist die Zeit, In der man nichts
von all dem wissen will Und zündet sich,
so lang es geht, Alleine aus und
an. |
|
Dass das Herbstblatt, Welches ich noch
in den Händen hielt, Das letzte war, Das abzupflücken
war. |
Am andren Morgen Lagen wir schon
ganz im Laub, Der Nachtfrost
hatte alle Überrascht Und hatte Schuld
gebracht. |
Die teilten wir
nun, Als wir uns
erhoben, auf, Weil sie nicht zu
vermeiden war, |
|
Ich lebte in der
falschen Zeit, An mir vorbei, Und brauchte
nichts zu fürchten, Als, dass ich und
ganz versehentlich An ihr zerbrechen
würde, Oder, wie es
heut' geschah, Für Augenblicke
meine wahre Zeit Erwischte. |
Königlich ist das
Gefühl der Leiblichkeit In eigner Zeit. Ich dachte nicht
an Gräueltaten Kindermord, Nicht an die
Frau, Der man die Kehle
durchgeschnitten hatte. Das hätt' jeder,
der es sehen wollte, Sehen können. |
Meine falsche
Zeit Ist meine Zeit, Wer denkt schon an
ein Messer in der Kehle. |
|
Alles zu erklären
hatte keinen Sinn, Und eine Frage
konnte ich so schnell Nicht
formulieren. |
Mit der Harke
wurde eine Spur, Von der ich nur
die letzten Reste sah, Endgültig und für
alle Zeit verlöscht Und unwirklich. |
Der andre hätte Einfach leugnen
können. |
|
Und gabst ihm
einen Namen. Jedes Blech, so
sagtest du, Das funktioniert, Ist wert, geliebt
zu werden. |
Gestern war
Beerdigung. Die Menge
drängte, Und ich konnte
nichts erfahren. Ich schrieb auf
ein Transparent: "Beerdigung
ist Trennung, Hat mit Abschied
nichts zu tun." |
Wir standen
durchgesägt daneben, Und ich geb es
zu, Ich dachte dabei
nur an dich. |
|
Es war ein
Fußweg, Lag das Siegel
eines Königs. Woher soll ich
wissen, Wie das Siegel
eines Königs aussieht, Wie die
Fälschung? Woher soll ich
meinen Glauben daran nehmen? |
Wertvoll, Über alle Maßen
wertvoll Ist das Siegel
eines Königs, Und der Finder
selbst wird König. |
Gestern kam ich
wieder dort vorbei Und fand mich
unentschlossen wie zuvor davor Und war noch
immer unentschieden, Dieses Siegel
aufzuheben, |
|
Immer wieder dachte ich an Abschied. Dies war auch ein
Grund: Du küsstest deinem
Hund das Fell, Dann küsstest du
ein Geldstück, Das war
aufgeschrieben, Und es war dir so
viel wert, Dass Tränen still Aus deinen Augen
liefen. |
Die erinnerten
dich an die Perlen. Eine Reihe
schöner Perlen Hing an deinem
Hals. Die Kette war so
lang, Dass du sie heben
und ganz langsam Über deine Zunge
laufen lassen konntest. Einmal schlossen
sie die Lippen ein. Ich weiß nicht,
was in deinem Mund geschah. |
Wir reisten in
ein andres Land. Du bist die Frau
an meiner Seite. Nichts tust du
von dem, Was ich hier
schreibe, Und ich schreibe
nur, Was ich mit
eignen Augen sehe. Ich komm nicht
vor mir davon. |
|
Du kuschelst dich in deinen Sitz. In deinen
Kleidern findest du ein Nest, Das trocken ist Und
selbstgemacht. |
Ich denke
immerzu, Wie soll ich als
ein Mensch, Der doch von
andren Menschen ist, Dort unterkommen, Unterschlupf, wie
du es gerne hättest, An dir finden? |
Was ist, Wenn du deinen
Tag der Wäsche hast? |
|
Ich auf ihm... Dann kommt der
Übergang, Der ist nicht
mehr vorhanden, Einfach
abgerissen... Über den Kanal
sprang kürzlich noch Die Brücke. Hölzern waren
alle Planken. Später rissen
sie... Dann brachen
sie... Dann fielen sie
hinab... |
Ja, so erklärte
man es mir. Ich aber hatte
täglich meinen Überweg gemacht Und nichts
bemerkt, Und heute war ein
Ferientag, Der sollte sich
von andren unterscheiden. Nichts ist
festzuhalten, Keine Schönheit, Nicht die Frau an
meiner Seite. "Dafür",
sagt sie, "Kennen wir
uns schon zu lange." |
Leider sieht sie
nicht, Bemerkt nicht, Dass man sich
nicht an sich Verkaufen kann. |
|
Und sie ist gut
erhalten. Alles wurde zur
Erinnerung. Gleich nach dem
Bad Kommst du ins
Zimmer: |
"Halt dir
deine Augen zu." Du warst noch etwas
nass und unbekleidet. So entstehen, Das verstehe ich
ganz plötzlich, Altertümer; Altertümer, die
am Anfang ihres Alters stehen. |
Ich hielt mir um
deinetwillen Meine Augen zu. |
|
Der Gartenstuhl stand hoch im Laub. Die Abendnebel
hatten sich bei Licht Schon
ausgebreitet. Dann stieß ich an
dich, Weil ich dir etwas
sagen wollte. Welch ein Wort
muss es gewesen sein, Dass du daran
sofort zerbrachst Und ganz
gewichtslos In die Blätter
sankst. |
Ich konnte dich
von andren Blättern Nicht mehr
unterscheiden. Tränen hab ich
nie gehabt, Nein, Tränen hatt ich nicht. |
Und du, Die jetzt an
meiner Seite stand, Um mich zu
trösten, Führtest meine
Hand Genau an jene
Stellen, Wo der Übergang
vom Schoß in deinen Leib An dir begann. |
|
Und ich hätte es
getan, Es lag an dir, Dass es nicht
ging. Ich muss es anders
sagen: Als wir dieses
Bild von uns Mit einem
Selbstauslöser machten, Spiegelten wir
uns ganz leicht verzerrt In dem Metall der
Säule. |
Die war vielfach
aufgerissen, Und ich sah
darunter, drinnen, Körperteile, die
ich einzeln Sehr gut von dir kannte. |
In der Säule
lebten sie als Ganzes, Ohne dass ich sie
erreichen konnte. Dich ließ ich
dabei nicht los, Und mich
umklammerte die Sorge. |
|
Das heißt Stirn
entgegen Stirn, Das heißt An deinem Kopf
begann ich neu Mit meinem Kopf. Du hieltst mir
das Gesicht nach oben, So sah ich auf
dich. Ich sah auf
deinen Mund, Dein Mund in
meine Augen. |
Wehren, sagtest
du, würdst du dich nicht, Und überhaupt Beklagtest du
dich über meine Lust. Du warst nur halb
heraus zu sägen, Deine andre
Hälfte Blieb als Spiegel
unter mir. |
Ich teilte dich
so auf Und gab dich für
mich ganz verloren Und stand auf. Die Decke, die am
Boden lag, Zog ich so
sorgsam wie ich konnte glatt Und über das Geschehen, Über dich. Du schliefst
sofort. |
|
Doch es war viel
zu laut Und viel zu
grell, So dass ich ging, |
Ich rührte dabei
mit der flachen Hand An einen Stein Und spürte seine
Schwärze. "Nacht",
hieß dieser Stein. An ihm entstanden
weiter oben Aus dem Nichts
der Nacht die Sterne. |
Siehst du nun, Verstehst du nun,
warum ich ging? Dir sagte ich: "Die
Nachttischlampe hat jetzt Lang genug
gebrannt", Und schaltete sie
aus. |
|
Die andren kletterten in Bäume Und von dort
herunter Warfen sie die
Texte. Unten warteten
die Leute. Manche Worte
trafen, Viele Texte
fielen so zu Boden. Von den Hörern
warfen einige zurück Und andre fingen
auf. Ich staunte, Weil für mich das
Laub doch immer In dem Baum
entstand, Und nun sah ich
es völlig umgekehrt Und ohne Sinn: Vom Boden fiel
das Laub in Bäume, Und es blieb dort
sitzen. |
So, wie es nun
stand, Bewegte sich in
keine Richtung etwas. Zwischen meinen
Händen stand ein Glasrohr. Wenn man dieses
Rohr nun richtig drehte, Fiel darin ein
Blatt nach unten; Drehte man es
schnell genug, Dann tat sich
nichts darin, Es drehte sich
das Blatt als Rad herum. Ich musste mir
die Ruhe Zwischen Baum und
Boden so erklären Und bedachte mich
nicht einen Augenblick Dabei. |
In meinem Rücken
stand mein Steinmetz. Der schlug mir
die Texte ein. Die sollte man
von allen Seiten Lesen können. |
|
Es war sehr
schnell. Für alle war es
möglich, Die Systeme, die
sich schnell bewegten, Zu durchqueren, Ohne eine eigene
Bewegung auszufahren Damals hatte ich
von allem nichts verstanden, Und ich rechnete
es einem Zufall an, Dass ich in einem
Reisezug Auf eine Freundin
stieß. |
Die hob die Augen
in dem einen Augenblick Und sah zu mir, Als ich durch
ihre Mitte ging: Durchquerung des
Systems. Wir waren
nachweislich Fast tausend Kilometer
auseinander Und begegneten
uns in der Ferne. |
Ich berührte Ihre
Wange, Dass ich glauben
konnte. Abstand ist die
größte Enge, Und man geht
durch jede Mitte Ohne eine einzige
Bewegung. |
|
Man schenkte mir ein Glasgefäß, Das war
geschlossen, Und es war ein
Kasten, Dessen Wände,
dessen Decke, dessen Boden Waren ganz aus
Glas, Es ließ sich gut
in beide Hände nehmen. Drinnen war es,
bis auf einen Tropfen, leer. Der Tropfen
schwebte mitten in dem kleinen Raum, Verschob sich
leicht Und fiel an keine
Wand Und blieb als
völlig runde Kugel stehen. |
Niemand konnte es
erklären, Und es war nicht
zu verstehen. Unter einem
andren Glas, Das alles, was
darunter lag, vergrößerte, Sah ich ein Herz
in diesem Tropfen schlagen, Das bemerkte
niemand außer mir. Auch, als ich es
erzählte, sagte man: "Wir wissen
es und wissen auch Dass es der Grund
des Schwebezustands ist," Und lachte über
mich. |
Das Herz stand
plötzlich still, Der Tropfen fiel
zu Boden Und verlief. Von außen sah ich
fremde Augen In mein Fenster
schauen. |
|
Er sei mit Sand
gefüllt, Er sei bis an die
Haut mit Sand gefüllt. Ich würde es
nicht glauben, Und er wüsste
nicht durch wen, Durch was der
Sand in ihn gekommen sei. Auch seine
Notdurft sei aus Sand. Er öffnete den
Mund, Und weit im Hals Sah ich ein wenig
Sand, Ein Eingang, der
ein Ausgang sei, So sagte er. |
Er zeigte ein
Papier: "In Sand
geboren", stand darauf. Mit einem Messer
schnitt er eine Ader auf Und Sand
verrieselte daraus zu Boden. Er versicherte
mir auch, Er habe viele
Menschen angetroffen Die, wie er, bis
an die Haut mit Sand gefüllt, Ein ganz normales
Leben führten. |
Ich gab vor, Obwohl es nichts
mehr zu verbergen gab, Nichts zu
erkennen. Ja. ich habe vor
der Wahrheit Angst Und lasse niemals
jemanden In mir nach
Gründen suchen. |
|
Es ist ein Abend
vor dem letzten Abend. Das Verbot wird
ausgesprochen. Abschied überall, Die Stille eines
Toten, Den man mir zu
Füßen legt, Den ich nicht
kenne, Den ich auch als
Toten Gar nicht kennen
lernen will. |
So lautet das
Verbot: "Vergessen
darfst du nicht, Vergessen ist
verboten!" Außer mir gibt es
für mich nichts zu vergessen. Das Vergessen
anderer Geht mich nichts
an. |
Der Grund für das
Verbot bin ich. Ich sprech es für
mich aus, Weil ich
verlorenging. Der Grund, Nein das Verbot
bin ich. Als Strafe, drohe
ich mir selbst, Soll ich mich
wieder finden. |
|
Vor einem Stern. Für ihn ist mein
Gesicht Vierfach geteilt. Er ist für mich
die Schwärze, Die nicht schnell
genug zusammenfloss. Der weiße Punkt
blieb übrig. |
Oft bin ich mehr
Weib als Mann, Doch das ist von
mir missverstanden Und wird niemals
äußerlich zu sehen sein, |
Ich stehe lange in
dem Fadenkreuz Und warte ab. |
|
Sie schimmert
durch Und zeigt mir
schwach, was ich vermutete: In meinen Adern
fließt ein Farbstoff, Blut kann es
nicht sein. |
Zur Sicherheit
schneid ich mich ein An einer Stelle. Eine grüne
Flüssigkeit dringt aus der Wunde, Drunter, so
vermute ich, wo's wärmer wird, In größerer
Tiefe, Wird wohl rotes,
dunkelrotes Blut Zu finden sein. |
Ich nähe meinen
Einschnitt wieder zu Und werde warten,
bis zu meinem Durst Der Hunger kommt. |
|
Die
Folterinstrumente so herum Wie man sie vor
Jahrhunderten benutzt Und hatte liegen
lassen. Damals hatte
jemand einen Brief verfasst, Der lag dabei: Man hätte ihm die
Beine Zum Skelett
verbrannt, Dies wäre seine
letzte Stunde. |
Alle wären fort. Was bliebe, wäre
so, Wie man es vor
Jahrhunderten vor ihm Benutz und
eingerichtet Und dann hatte
liegen lassen. |
Hinter mir fällt
eine schwere Tür ins Schloss. In meinem Kopf
fällt mir die Schwärze auf. Die kommt von
außen. |
|
Es zieht ein letzter Tag herauf. Man kündigte ihn
an. So sicher ist die
Zukunft, Wenn sie sich zum
Ende neigt. Man schrieb mir
einen Brief. Den schrieb ich
ab Und fälschte
seine Unterschrift. Es tat sich
nichts für mich. Noch einmal
schmolz die Sonne Teer, Mit dem man eine
Straße reparierte. |
Damit fing man
mich. Mein rechter Fuß
und dann mein linker Blieben stecken. "Es ist alles
einfach und geht schnell." Es kamen Männer
auf mich zu. Im Hintergrund
stand eine Frau. Die rief: "Ich werde
meinen Namen ändern lassen müssen." |
Mir fiel ein, Dass ich die Füße
aus den Schuhen Hätte ziehen
können, Und es war noch
nicht zu spät, Ich stand ganz
still Und ließ es sein. |
|
Nachts, als ich an deiner Seite lag Und, wie du
sagtest, schlief, Das wusstest du, Weil du. nur meinetwegen
aufgewacht, Mich noch gesehen
hattest, letzte Nacht, Als ich mich von
mir trennte Und mein Leben
bei dir ließ. Ja, nachts lief
ich Durch regennasse
Seitenstraßen. Niemand war hier
weit und breit, Nur dieses
feuchte Straßenlampenlicht Und, für den
nächsten Tag schon vorbereitet, Sperriges
Gerümpel Bis zur
Straßenmitte. |
So kam ich vor
meine eigne Haustür. Und bis dahin
wusste ich, das schwör ich, Nichts von meiner
Wohnung, Die lag mitten in
den Abfallhaufen. Nachts, so sagtest
du am Morgen, Hörte ich nicht
auf zu klagen, Und ein monotoner
Singsang Sei seit neuestem
dabei. |
Ich kann mich
nicht wie früher selbst beschützen, Und auf meinen
Wanderungen Sehe ich mich um
nach Leuten, Die mir folgen
könnten. Niemand weit und
breit. |
|
Es fragte mich
die junge Frau, Ob sie und ihre
Freundin Mich besuchen
dürften, Und ich lud sie
ein. |
Durch sie, so
hoffte ich, Würd ich
erfahren, Wo ich leben,
wohnen würde, Und wir machten
den Termin. |
Seitdem lass' ich
die beiden Nicht mehr aus
den Augen. |
|
Und der erlebt,
wie ich, Ist es ein
schreckliches Ereignis. |
Immer schreib ich
alles auf. Doch diesmal
hatte ich Ganz sonderbare,
ungewöhnliche Gedanken, Und ich sah
bereits von weitem Wie die Schrift,
gleich nach der Ankunft, Das Papier
zersetzte und zerfraß. |
Es war kein
Vorwärtskommen, Und es ist mir
nicht gestattet, Was ich denke, Schriftlich
mitzuteilen. .....Hier stand
nur ein Wort Des Anfangs. |
|
Einmal war ich guter Dinge, bester Laune, Und ich wollte
Ausdruck haben. Als ich aufstand, Gab ich meiner
Frau den leichten Kuss, Den gibt man nur, Wenn man vorüber
geht, In eigner Sache. |
Es geschah im
Park, Und einer dieser
Dornen, Die ganz in der
Nähe rosaroter Röschen wachsen, Schoss sofort in
meine Lippen, Hakte sich dort
kräftig ein Und riss mir auf
der Flucht Die Wunde. |
Dunkles Blut
stieg auf als Pilz. Man sagt, dass
eine Kopfverletzung Oft die stärkste
Blutung zeigt. Ihr Mund, das sah
ich ganz genau, Nahm keine Farbe
an Und blieb blassgrau. |
|
Jemand dachte über seine Träume nach: So einfach ist es
also, Wenn man sich
verkauft, Und, wenn ich
lache, ist es oftmals nur "make up". Die Frau zog mit
dem Lippenstift Auf einem fremden
Spiegel Ihre eignen Züge nach; Der Mann dahinter Mit den Augen
ihren ganzen Leib. |
So ist der
Stillstand anzufassen, Als das Rad, das
steht Und doch im
Freilauf Hin und her zu
drehen ist. So treibt es
nichts. Bergab und frei Säh alles anders
aus Und auch bergauf. |
Hier, wo wir uns
befinden, Trifft man nur
auf flaches Land. Man merkt nicht, Ob man sich im
eignen Oder einem
fremden Traum Befindet. |
|
Den hatte ich
gesandt. Darin befand
sich, Von mir selbst
verfasst, Mein ganzes
Leben. Nichts war
angekommen, Kam , als gäb es
keine Richtigkeit darin, In meine Hand
zurück. |
Den Brief werd
ich in meinem Leben Nicht mehr
öffnen, Als Empfänger
werd ich den Empfang Verweigern. |
Immer war in
meinem Leben Sorgfalt oberstes
Gebot. |
|
Ob ich sichtbar
und berührbar sei, Gab ich die
Antwort: "Ja". Ich war jedoch
verwirrt Und dachte nach Und fasste meinen
Körper an. Die Wolken,
dachte ich, Sind aus der
Ferne scharf umrissen, Und in Wahrheit
gibt's an ihren Grenzen Keine Grenzen, Und man fliegt
durch sie, Als wär es
umgekehrt. |
Auch die
Berührung eines Wassers Ist in Wahrheit
umgekehrt: Denn jeder, der sich
an mich lehnte, Nahm ein wenig
von mir mit. Als mich dann
wieder jemand fragte, Ob ich sichtbar
und berührbar sei, Gab ich die
Antwort: "Nein'. |
Es ist stets
gegen meinen Willen, Und wer fragt,
bedenkt die Wahrheit nicht. |
|
Jemand schlug aus einem Stein, Er schlug den
Stein. Er schlug aus einem
großen Stein, Daraus entstand
ein Leben, Wie es einmal
war. Der Steinmetz war
die Gegenwart. |
Ich hatte alles
nur sehr schnell gesehen Und ging hin Und wollte
fragen. Stein stand hier
an Stein, Und niemand gab
die Antwort, Dass ich selbst erstarrte. |
Dabei habe ich
noch Glück gehabt, Wahrscheinlich,
weil ich weiter dachte. |
|
Wär es ganz
leicht nach außen, Bis zur Schale,
vor zu dringen, Also bis an mich, Bis an die Haut, Bis an die
Grenze. |
Jemand unterbrach
uns im Gespräch Und sprach vom
Essen Und von der
Genialität Der Essenzubereitung
und, dass der, Der äße,
einerseits dem Essen Andrerseits dem
Körper glauben müsse. |
|
|
Aus den Wolken brach ein Gegenstand Und fiel herab. Er schlug nicht
auf Und offenbar
zerbrach er nicht. Er landete, das
sah ich, sanft. |
Je näher ich dann
kam, Das sah ich auch, Je weniger
erkannte ich, Und aus der Nähe
war nichts mehr zu sehen. |
Ich ging langsam
wieder fort Und ahnte,
spürte, Wie in meinem
Rücken etwas wuchs und wuchs und wuchs Und immer näher
kam. |
|
Im Raum verbleiben keine Spuren, Nichts bleibt als
Beweis. Wir gaben uns die
Hände, Und wir zogen sie
zurück. |
Ich untersuchte
diesen Raum im Raum genau: Die Hände hatten
keine Spuren Hinterlassen. Nichts ist wahr, Und Augenblicke
sind nicht Fest zu halten. |
Die Begrüßung war
das Ende. Gleich danach
ging sie im Raum Verloren, Und die Zeit, Die alles hätte
retten können, Blieb unsichtbar. |
|
Sie brachte ihren Mann zum Zug. Sie sah ihm nach. Das sah er nicht,
er sah nach vorn. Dann drehte er
sich um. Er sah, sie hatte
einen Stein im Schuh, Den schüttelte
sie aus Und sah ihn
nicht. Sie zog den Schuh
blitzschnell Auf ihren Fuß und
sah nach vorn. Er sah noch immer
nicht zurück. |
Der Schuh saß
schlecht, Sie zog ihn noch
einmal vom Fuß. Er sah zurück und
sah, Dass sie nicht an
ihn dachte, Und die Zeit war
knapp. Sie blickte
zwischendurch zu ihm, Er sah nur seinen
Zug, Und dachte nicht
an sie. Dann stießen sich
die Leute vor der Tür, Er ging für sie
verloren Und fuhr ab. |
Sie dachte, nie
sieht er zurück. Er dachte, nie
sieht sie mir nach. Sie fühlten
beide, Wie sie mit den
Rücken eine Wand berührten, Die ließ sie
nicht durch. Sie standen beide
angelehnt An eine Wand, Die war nicht zu
durchstoßen. |
|
Ich sage:
"Nein. In diesem
Herbst," so sag ich, "Fallen kleine,
braune Birkenblätter Von der Decke
meiner Küche." Dann geb' ich es
auf und sage "Ja". Es fallen keine
Blätter mehr. Die Küchendecke
öffnet sich. |
Ich hatte nicht
mit diesem Telefongespräch Gerechnet. Durch die Öffnung
löst sich jedes Wort Aus seiner
Spannung, Und die andre
Seite spricht nicht mehr. Dort sprach ein
junger Mensch, Ein Mädchen, das
in einer Kunst lebt, In der
Schauspielkunst. |
Nun ist das
Mädchen hier Und kniet vor mir Und tippt, wie im
Gespräch Mit einem spitzen
Finger Auf mein Knie. So klein kann
eine Bühne sein, Die macht aus mir
die Welt. |
|
Fährt sie sich
ins Haar Und hat ein wenig
Mühe. Jedes krause Haar Stammt aus dem
Inneren. Ich sehe, dass
man die Gedanken Bündeln kann. |
Sie ist so jung, Dass sie als
Zweig an meinen Zweigen Hätte wachsen
können. Kraus und lang
sind ihre Haare. Rührte ich sie
an, Wär' es ein Denken
durch die Hände. |
Dann dreht sie
sich plötzlich schnell herum Und letzte krause
Spitzen ihrer Haare Streifen meinen
Mund. Im nächsten
Frühjahr Werde ich die
Zweige stutzen, Wenn der
Stillstand dieses Augenblickes Sich bis dahin
legt, Und sich nicht
neu bewegt. |
|
Hängen leere Rüstungen, Die rosten. |
"Samen
fremder Männer Sind in mich
gekommen," sagt sie, "Und der
Rost kam über mich. So bin ich immer
noch auf Suche. Eines Tages werde
ich mich Nicht mehr
häuten." |
Es war spät, Als sie mir ihre
Rüstungskammer Zeigte. |
|
"Ist alles
um mich her mechanisch. Die Beziehung
zueinander Ist mechanisiert. Ich habe einen
Stab, Der sich in sich
ganz sanft bewegt." Sie zeigt ihn
mir. |
Ich bin ein Mann Und habe über
diese Dinge Niemals
nachgedacht. So schäm ich mich Um meinetwillen. |
Sie verbringt mit
sich die Tage Und die Nächte. Später stelle ich
dem Automaten Meine Fragen. Der ist hoch
intelligent Und wird mir
helfen können. |
|
Als das Geräusch verklungen war, Trat Ruhe ein. Zuvor erzwang das
überlaute, schrille Schrein Gequälter Frau’n, dass man bedachte. Ja, es waren
Stimmen, Die man über
Sprechgeräte wiedergab Und die als ein
Zusammensturz Von jeder
Quälerei und Raserei und jeder Ohnmacht Laute in die
Ohren hämmerte Und die ein
Knopfdruck unterbrach, Und nun war
Stille. |
Stille ist der
Laut, Der alle Laute
maßlos überbrüllt, Der Echo hat Und der vor jedem
Echo seinem Echo Wiederum ein Echo
überlässt. Die Stille ist in
sich nicht still. Sie treibt in
sich die Brandung Nachklang An die Ufer, Weitet ungeheuer
jedes Ohr Und trägt Gewölbe
in den Kopf. |
So drängt, wer
Laster hat, Die Laster andren
auf. |
|
Das sich
beklagte, weil es, Kind von Königin
und König, Unter
seinesgleichen lebte, Und es sagte: , "Königlich
arm dran bin ich, Als König unter Königen." |
Ich nagelte mir
diesen Vorwurf An die
Eingangstür. Von nun an lebte
ich in Armut. |
Die Reliefs auf
fast verfallnen Tempeln, Die man zu
verstehen suchte, Blieben ein
Geheimnis, Und man überließ
sie schließlich Dem Verfall. |
|
Und bedachte Tod
und Leben. Bis zu meinen
Schultern stand ich in dem Wasser, Und ich dachte
ans Ertrinken, Ans Verdursten. Darin fand ich
keinen Gegensatz. |
Auf einem Foto,
sah ich, Hatten Leute ihre
Stühle In die Wüste
mitgenommen, Sich darauf
gesetzt. |
Man fand viel
später Ihre Skelette in
der Kleidung Neben diesen
Stühlen. Niemals werde ich
in einem Wasser Schwimmen wollen. |
|
Was ich sehen
wollte, Sah ich nicht. In mir stieg eine
Sehnsucht auf, Die hätte ich mit
Worten Nicht beschreiben
können. So kam Panik über
mich, Und meine Augen
hasteten, Weil doch das
Wort versagte. |
Drüben zeigte
eine junge Frau Den Tanzschritt. Mit der rechten
Hand Schob sie die Locken
in den Nacken, Sah hinab auf
ihren Fuß, Und mit der
linken Hand Hielt sie den
Faltenrock entlang der Schenkel An den Leib
gedrückt. Dann schlug sie
ihre Augen auf Und sah zu mir. |
Vor jeder
Sehnsucht steht Verwandlung. Als ich zu ihr
ging War vor mir
weiter nichts, Als dieser Baum, Der in der
Schwingung stand Und sich bewegte Und verharrte. |
|
Im Zimmer hing
ein Spiegel, Darin hätte ich
mich Wiederfinden
müssen, Und ich sah
hinein. |
Ich hätte nichts
bemerkt, Wär ich in ihm
gewesen. |
So sieht also,
dachte ich Versagen aus, So sichtbar ist
ein Mangel An der Existenz. |
|
Ich fragte nicht
wofür und nicht warum, Denn oft war
Recht, das man mir gab, Ein Unrecht. Darum ging ich in
die Galerie Und hängte Bilder
auf. Zu Anfang war ich
ungeschickt, Doch dann gelang
mir die Verwandlung Und ich blieb als
Gegenstand Im Raum. |
Ich war nun zu
betrachten, Und ich selbst
fand mich, Als ich Besucher
war, Nicht wieder. |
Bilder einer
Galerie Sind all zu oft die Gegenstände, Die sich in sie
flüchten. |
|
Ich sollte Überblick bekommen, Und man stellte
mich vor eine Wahl: Entweder dürfte
ich Aus größter,
allergrößter Höhe Alles überschauen
und verlöre jede Übersicht, Zum Schluss die
ganze Sicht Und wäre dann
alleine in der Leere, Oder.... |
Also wählte ich
das tiefste Bohrloch aus, Das je von
Menschenhand Geschaffen worden
war. |
Noch ist die
Zeit, In der ich mich
auf diese Talfahrt Vorbereite, Und ich denke Tag
und Nacht daran. |
|
Und alles, was
auf ihnen lief, lief glatt. Die Räder liefen
glatt auf ihnen. Endlos liefen
Schienen Unter glatten Rädern. Dort, wo ich bin, Sind die
Fahrgeräusche, die sind angenehm. Die Nacht ist
stundenlang Um alle Wagen und
um mich. |
Beim ersten Licht
seh ich hinaus, Es ist nicht mehr
als ein Verdacht, Und der bestätigt
sich sofort: Die Wagen stehen
still, Sie standen
still, Es hatte sich
kein Rad gedreht, Wir hatten uns
nicht einen Zentimeter fortbewegt. |
Den andren würde
ich vor unsrer Ankunft Kein Wort sagen. Jeder reist für
sich. Ich möchte nicht
im Nachhinein Die Nachtfahrt
andrer Leute stören. |
|
Das hatte eine
Frau geschrieben Und darin, dass
sie den Bruder liebte, und, Dass sie sich
nicht verriet, Schrieb sie ihm
alles auf. |
Sie schrieb, Dass sie nun
seinen Tod beschlossen hätte Und verbrannte
sich in einem Zimmer Mit dem Zimmer. |
Niemand stellte
ihren Bruder Vor Gericht. |
|
Ich saß darin und
sah hinaus. |
Vom Himmel
wuchsen Bäume, Deren Kronen
reichten bis in unsre Nähe, Und die Früchte
stiegen, Als sie
niederfielen, Himmelan. |
|
|
In der Tasche einer alten Hose Finde ich Den Zettel zum
Gedenken. Ja, so ist
Gedenken. |
Nur, wenn man wie
ich, In aller Frühe
seine Stirn An eine Steinwand
drücken kann, Und sich die
Schrift von dort In deine
Stirnhaut drückt, Dass du sie in
dem Spiegel vor dir lesen kannst, Dann spricht man
von Gedenken. |
Nein, ich kann
dem Tod Die Ironie nicht
abgewinnen. Übertrieben
stimmt er allem zu, Er zeigt den
Schein und nicht den Wert Und macht sich so
zur Sache. |
|
Dem hatte man das
Jesuskind Herausgeschnitten, Das lag auf dem
Tisch Und wurde
operiert. Die Ärzte waren
zu beschäftigt, Um mich zu
bemerken, Und ich selbst
bemerkte nichts. |
Mit meiner Hand
griff ich, Wie zum Beweis, Ins
Leinwandloch., Das überwachte
ein geheimes Auge, Und Alarm wär
angesprungen Hätte man mich
nicht im letzten Augenblick Zurück gerissen. |
Ja, man schalt
mit mir, Ich sei voll
Unvernunft. Dass ich in eine offne Wunde Hatte greifen
wollen. (2008 Frankfurter Bibliothek der Klassikerausgabe
…) |
|
Man trug mir eine
Botschaft zu. Im Arm trug man
mir eine Botschaft zu. Sie sei in dem
Paket, Das war eng
zugebunden. Ich war mir mein
Bote. Ich erhielt von mir
die Botschaft, Und ich ging mit
dem Paket den Weg des Boten Durch den Park. |
Es war der Weg
des Boten, der ich war. Im Park sah ich
drei Steinfiguren. Denen hatte der,
der sie geschaffen hatte, Mit dem Meißel
Linien um den Leib geschnitten Und sie so
verschnürt, Dass ihre
Botschaft Unberührt zutage
trat. |
So kam ich an. Ich legte den
Figuren das Paket zu Füßen Und war frei. |
|
Und zwang mir
harte Arbeit ab. In mir, vergaß
ich zu erwähnen, Mussten die Gefangnen in den Steinbruch gehn
Und durften über
die Gefahren, Über diesen
Zwang, Kein Sterbenswort
erwähnen. |
Wenn mich jemand
nach mir fragte, Und ich lügen
musste, Drang oft weißer
Staub nach außen, Blässe schoss in
meine Wangen. |
Trotzdem hielt
ich die im Steinbruch Abgeschnitten von
der Welt Und achtete
darauf, Dass sie kein
Sterbenswort erfuhren. Sie erfuhren
nichts Von einer andren
Welt. (2007 Frankfurter Bibliothek der Brentano – Gesellschaft und der Klassikerausgabe…) |
|
Und, darin war er
sicher, Seinetwegen
zündete die Sonne morgens Ihre gelbe Fackel
an. Er wollte es, Sie musste ihm
gehorchen. |
Dieser Unsinn,
gab er zu, Versetzte andere, Und nicht zuletzt
ihn selbst, in Staunen. |
Ich beschrieb ihm
den Laborversuch, Der hatte Glauben
isoliert. Man konnte diesen
Glauben erstmals Äußerlich
betrachten, Und er kam, wie
jeder andre Glaube, Nicht von innen. |
|
Mit dem Stock, es
war die Spitze eines Stockes, In die Erde. Um mich
abzustützen, ohne nachzudenken, Stach ich mit der
Spitze des Spazierstocks In die Erde. In dem Film sah
ich genau, Wie eine Frau ein
Kind bekam, Ich hörte, dass
sie schrie, Und sah es auch
an ihrem Mund. |
Heut’ lebe ich
allein, Und wenn ich
falle, Suche ich die
Stütze einer Wand. Ein drittes Mal Soll dieser kleine
Leib, mein Leib, Nicht Grund zu
Rissen in der Haut von andren Werden. |
Ja, nach jenem
zweiten Mal leb ich wie eh und je, Und wandre mit
dem spitzen Stab Und kann den
Samenfluss aus mir Nicht stoppen. |
|
Es bleiben mir
die Schreie, Die ich tags
nicht auszustoßen wage. Selbst, wenn sie
auf meinen Lippen lägen, Würd ich tags
nicht einen davon hauchen. Nachts kannst du
mich nicht mehr wecken, wenn ich störe, Unsre Betten
haben wir getrennt. Erst schoben sie
sich von alleine auseinander, Dann war unser
Wille sichtbar. |
Jedes Bett steht
messerscharf an einer Klippe. Zwischen ihnen
ließen wir Ein Telefon
verlegen, So bescheren wir
uns wenigstens den Tag. Ja, früher
konntest du mich wecken, Mit den Händen
packen, Dass ich schwieg,
wenn ich zu schreien hatte. |
Zwischen unsren
Betten wächst ein Unkraut. Dadurch führt ein
Trampelpfad, Der ist von mir. |
|
Ich lege keinen Wert auf Schilder. Meinen Namen sehe
ich, Wenn ich ihn
wissen muss, In meinem Ausweis
nach. Schilder. denke
ich, sind Abwehr. Jede Hand ein
Schild. |
Ich gebe keinem
mehr die Hand. Und jede Tür ist
Schild. Ich geh durch
keine Türen mehr. |
Auf meiner
Kopfhaut ist ein tätowierter Kreis, Den kann ich mir
mit nichts erklären, Und ich weiß auch
nicht, Seit wann er sich
schon unter meinem Haar versteckt. Er ist sehr
schlecht zu sehen. Ich sah ihn noch
nie. |
|
Die Spiralen
ferner oder naher Sternennebel. Es ist Tag, Ich weiß trotzdem
von ihnen. Plötzlich stehst
du nah vor mir, Ja, ich
erschrecke mich, Ich kanns nicht glauben. Du und ich, Wir machten uns
zu dummen Schafen einer Herde, Dass wir heimlich
Liebe suchen mussten Und uns heimlich
küssten Und uns dann
versagen mussten. |
Dumm ist eine
unerfüllte Liebe. Täglich
auferstehst du tausend Mal vor mir. So, sagt man,
kann man uns uns überlassen, So, sagt man,
kann nichts passieren. Unsre Feinde
überlassen uns für unsre Küsserei Dem Frieden. So, sag ich, Seh ich uns unsre
Herde dummer Hoffnungen Und Unerfüllbarkeiten Voller Angst und
Sorge Über eine
Lichtung treiben. |
Mehr als diese
Zeit bleibt nicht, Mehr Zeit räumt
man nicht ein. |
|
Der lebte in dem
Räderwerk Und war mir
unbekannt. Er wusste davon
nichts Und wachte über
mir Und über mich. |
"Ihm,"
sang ich laut, "Sei Lob und
Dank. Ein guter Wärter
ist ein Schutzpatron. Ihm werde ich die
Füße, Nein, die Sohlen
seiner Füße küssen." Jeder hörte, dass
ich ehrlich war. |
In meinem Falle Tauschte man
sofort den Wärter aus Und tuschelte: "Die
stärkste Liebe Stirbt an
Trennung." (2008 Bibliothek
deutschsprachiger Gedichte…) |
|
Es gab zum
Abendbrot den Film. Der Film war
Speise. Grausam ist ein
Essen, Dass aus reiner
Wahrheit zubereitet ist. Ich sprach zu
mir, Ich sagte laut: "Du bist allein
mit deiner Liebe, Und die Liebe hat
zum Preis Die Liebe." |
Später sprach ich
dann mit dir. Du hattest einen
Liebeswunsch, Den sagtest du
mir nur, Weil ich
versprach, Mein Innenohr vor
ihm zu schließen, Und du sagtest
selbst, vor dir: "Es ist, als
hätte ich den Wunsch Und hätte ihn
doch nie geäußert." |
Dieser Film war
nach der Öffnung der Vernichtungslager Aufgenommen
worden, Und er zeigte
eine Erde, Wie sie grad im
Schrei aufbricht. Dein Mund Und mein Mund Konnten sich
nicht wieder Schließen. |
|
Wo ich schreiben
konnte. Alles, was mir
lieb und wert war, Sollte ich
benennen. Das war leicht. |
Ich setzte mich in
eine Ecke Auf den Boden, Weil ich leer
war. Niemand konnte
sehen, Wie ich mich
besaß, Und alles andre
zählte wenig. |
Keine Zimmerecke
wäre kahl genug gewesen, Um mich
aufzunehmen. |
|
Ich selbst blieb
in mir Wohnen. |
Äußerlich sah es
ganz anders aus: Man konnte nicht
verstehen, Dass ich mit der
Eigenmenschlichkeit Vollauf
beschäftigt war. Ich nahm die
Menschen um mich her Nicht wahr. |
Ich litt ganz
einfach Unter einer
Sehnsucht, Die ich nicht
verstand. |
|
Man sandte einen Brief an mich, Der kam gut an. Danach rief man
mich an. Der Brief, das
Telefongespräch Eröffneten mir, Dass nun eine
Zeit zu Ende ginge, Die beträfe mich. Man hätte sich
auch zu mir aufgemacht, Und sicher träfe
man bald ein. |
Es hieß, Ich sollte meine
Zeit Zu nichts mehr
nutzen Und mich
vorbereiten. Jetzt bin ich, Weil nichts
geschah, Auf Wanderschaft Und lebe in der
Wohnung ganz allein. |
Ein Vogel flog an
meine Fensterscheibe Und fiel tot in' s Gras. Den werd ich noch
begraben. |
|
Ans Fensterglas
gelegt Und lausche so
nach draußen. Viel wird es
nicht bringen, Denn die
Doppelfenster sind mit einem Hohlraum Isoliert, Und eigentlich Lausch ich ganz
ahnungslos In diese Leere. |
Was ich draußen seh, vermute ich, Ist nur die halbe
Wahrheit, Ist vielleicht
viel weniger, Ein kleiner Teil
von ihr. Der Rest ist
eingesperrt Hier drinnen. |
Jemand, den ich
kenne, Lobt die
Königswürde, Und er schmückt
sich seine Wohnung Mit den
Kunstdrucktafeln edler Kronen aus. Ich weiß nicht, Was er nachts In seiner Wohnung
treibt und macht. |
|
Doch sandte sie
im letzten Augenblick Noch Boten aus, Die hatten keinen
Sinn, Weil sie auch Träger
dieser Lähmung waren. So hieltst du mir
deine Arme Um den Leib
geschlungen, Deine Finger
hieltst du mir im Rücken Fest verhakt, So, dachte ich, Kann sich kein
Mensch aus der Umklammerung Befrein, Und du, das
sagtest du, Seist auch noch
stärker, Und ich sei dir
so nicht stark genug. |
Ich sagte nichts
dazu. Du solltest
wissen, Wenn die Not
gewesen wäre, Hätt ich deine
Finger abgerissen. Doch in meiner
Not, das weißt du, Bin ich dir
gelähmt, Ich will von dir
umschlungen sein Und nichts
dagegen tun. In meiner Not
soll Not die Freiheit sein. |
Ich wartete und
gab dir deine Stärke zu, Und deine Finger
riss ich auf, Als dich die
Schwäche überkam, Als du mir
glaubtest. Wenn wir uns
begegnen, Sehn wir uns von nun
an Ratlos in die
Augen, Stehen tatenlos
vor uns. |
|
Ja. du warst ein
neuer Mensch, Warst neu
geboren, Und ich fragte
dich, Weil ich in Sorge
war: "Wo hast du
mich an dir gelassen?" |
Du warst neu
geboren, Und ich hatte es
vergessen, Als ich dich so
fragte. Dumm, zu dumm von
mir. Ich wollte dich
in alte Kleider stecken, Und betrübte dich
zutiefst. |
Du stecktest meine
Haut in Flammen, Als du sagtest: "Alles habe
ich durch dich getan. Wie konntest du
vergessen. Weißt du nicht, Dass ich verloren
ging? Ich selber ging
an mir durch dich Verloren." |
|
Sahst du auf die
Verletzung deiner Haut. Es schmerzte
wenig mehr Als dieser
Lichtpunkt. Das, was
schmerzte, War nur wenig
deines Lebens. Dunkelrot trat
eine Färbung Aus der
Fingerkuppe. |
Gestern zeigte
man im Film Den aufgerissnen Leib des Jungsoldaten. Aus dem Kopf kam
seine Stimme, Sie erinnerte
jedoch nur seinen Namen, Dann verirrte
sich sein Blick, Und über seine
Augen schoben sich, wie von allein, Die Lider. |
Unter seinem Kopf
stand schon der Tod. Die anderen, die
um ihn saßen, Waren heil. Sie ließen neben
seinem Mund Das Tonband
laufen. Dir, verzeihe
mir, Mocht, ich davon
nichts sagen. |
|
Als wir uns
unterhielten, Ließ ich Worte
aus, Weil ich mich
plötzlich selbst bemerkte, Ganze Sätze
hatten sich in meinem Mund Verdreht, Ich musste auf
mich hören. Weil wir über
Blumen sprachen sagte ich: "Dies ist
der Kranz zu meinem Ring." Danach war Schweigen. Pendeln einer Tür
in mir Wo nie ein
Durchgang war. |
Wir hatten also
über Blumen, Über einen Kranz
und Über einen Ring
gesprochen? Nein, ich weiß
nicht, was ich sagen wollte, Und nicht, was
ich sagte. Meine Lüge
konntest du nicht ahnen, Wirklich konnte
ich nicht sagen, Was ich meinte. |
Und ich selbst,
der blitzschnell in dich übersprang, Dort den Gedanken
auffing, dich verließ Und ihn
zurücktrug, War ganz sicher. Nein, du hattest
nichts gehört Und nichts
verstanden, Und wir konnten
es auf sich bewenden Lassen. |
|
Zahlen standen
fest, Doch sie ergaben
zueinander miteinander erst Den Wert. Es war ein Fest
der Werte. Werte konnte
niemand fassen, Nur den
Gegenstand, die Zahl, Den Stein, das
Wort, den Menschen. |
Heute hörte ich die
Rufer wieder. Ihnen war ein
Künstler Nicht mehr wohl
gesonnen. Dafür stachen sie
ihm, Als sie ihn im
Wald ergriffen, Beide Augen aus. |
Ich las auf einer
langen Liste, Welche
Menschenteile, menschlichen Organe, Unbedingt
benötigt werden, Und dass die
Beschaffung Schwierig sei. |
|
Es war ein Mensch in meiner Nähe, Der aß, Nein, der fraß
die Gummibänder. Einmal habe er
gehört, So sagte er zu
mir, Der wahre
Hungerkünstler hungre nur, Weil ihm die
rechte Nahrung fehle. |
Es kam so, Dass ich von nun
an Nichts mehr aß. Dies ist der
dritte Tag. Ich trinke nur
ein wenig Tee Und werde, hoffe
ich, Die
Hemmungslosigkeit besiegen. |
Jetzt scheint mir
ein Gummiband Ein königliches
Mahl zu sein. |
|
In deiner Wohnung lebte außer dir, Der Vogel aus dem
Paradies. Du gabst ihm
diesen Namen, Weil du dachtest, Dass die
Farbenpracht der Federn Paradiesisch sei. |
In meiner Wohnung Lebe ich mit
einem Wesen, Das kommt, weil
es wahr ist, Aus dem Paradies. Dem wächst von
Zeit zu Zeit Ein Giftdorn, Und das Gift, das
immer tödlich ist, Versticht es schnell. |
Ich wurde auch
getroffen Und ich starb. Ich weiß daher, Wovon ich
spreche. |
|
In eine
Puppenstube, Die war
lebensgroß. Diejenigen, die
sich darin bewegten, Konnten mit mir
sprechen Und bewegten sich In völliger
Natürlichkeit. Sie machten
keinen Unterschied zu mir. |
Ich blieb bei
ihnen. So sieht eine
Selbstentführung aus. Ich sagte nichts
zu mir Und hoffte, auch
in Zukunft, Niemandem durch
irgendetwas Aufzufallen. |
|
|
Stieg ich als
Krähe auf. Wir waren viele, Die sich von den
Ästen fallen ließen, Um dann
aufzusteigen, um zu fliegen. Über mir warst
du, Ein Krähentier, Das ich
versehentlich berührte. |
Uns, im Flug,
macht die Berührung gar nichts aus. Ich stürze mich
absichtlich Und kopfüber In die Furche unter
mir. Als Stein werf
ich mich fort Und schlage
endlich auf. |
Ich liege tot in
meinem Bett Und öffne mir die
Augen. |
|
Als ich noch ein
Mensch war, Unter Menschen
lebte, Lernte ich zuerst: "Das, was du
in dir spürst, Sind ganz
verschiedene Leben. Einmal schlägt
dein Herz, das lebt für sich, Zum andren lebt
dein Kopf, Der denkt und
weiß vom Herzen nichts Und will davon
nichts wissen." Später kam hinzu,
dass ich an Nahrung dachte, Wo sie bleiben
würde, Würde sie von mir
gegessen. |
Heute weiß ich
mehr. Ich numeriere mich Und weiß, ich
brauch von mir Nicht viel zu
wissen, Überhaupt nicht
mehr Als ich als
Einzelteil, Das neben
Einzelteilen sitzt. Die müssen auch von
mir nichts wissen, Und sie wissen
nichts von mir. Ich halte mich,
so gut es geht, Zusammen; Mit der Liste
über mich, dem Katalog, In meiner Hand. |
Der reichste
Mensch, denk ich, ist arm. Zeigt man ihm
seinen eignen Daumen, Den ein andrer
trägt... Ich hab mein Herz
vermacht und wüsste gerne, Ob ein andrer
denken würd wie ich, Gäb ich ihm mein
Gehirn, Und ob er auch
den Kopfschmerz Übernehmen würde. |
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Eines hab' ich ganz vergessen, Nein, sag nichts,
bleib blass Und warte ab. Ich bin nur aus
Papier Und dich, damit
du existieren konntest, Schnitt ich aus. Ich schnitt dich
aus für mich. Wir sind uns also
gleich. |
Du wirst es nun verstehn. Wie soll es unter
Schnipseln aus Papier So etwas wie
persönliche Verbindung, Liebe geben? Lass uns warten, Bis ein Mensch
mit einem Streichholz kommt. |
Aha, nun weißt
du, Was ich meine. Ich vergaß, Uns die Gesichter Aus zu malen. |
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Ob es etwas
nützt. Ich plane viel Und bin zur Zeit Als Drache an der
Schnur In großer Höhe. |
Aufwind, Absturz, Rückruf, besser
Rückzug, Sind mein Leben. Was weiß ich, Was unten vor
sich geht. |
Mein Gott, Was wäre, Schnitte einer
meine Leine Durch. |
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Die Suche zu
beginnen. Deshalb geh ich
durch den Wintergarten, Und es freut
mich, Dass der letzte
Apfel unten liegt Und aufgebrochen
ist. Die Amsel, Die aus ihm ihr
Futter nimmt, Fliegt auf. |
Um meinen Hals
liegt eine enge Krause, Die ist schwer Und drückt zu
Boden. Würde ich den
Kopf Jetzt schnell
genug nach hinten wenden, Sähe ich
bestimmt, Dass ich an einer
Kette lieg! Ich wende mich
nicht um. |
Ich bin ganz
sicher: Jemand trägt mir
heimlich meine Kette nach, Dass ich von ihr
nichts merke. Es ist einfach, Ich tu weiter so, Als wüsste ich
von dem Geschehen mir im Rücken, Hier im
Wintergarten, nichts, Und bleibe
stehen. |
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Mein Gott, Es fielen
Ziegelsteine aus dem Himmel, Schindeln, Mörtel,
Häuserreste Fielen und
erschlugen viele Menschen. Niemand konnte es
erklären. Vorher hatte
niemand ernsthaft Über eine
Existenz dort oben Nachgedacht. Die Zeit stand
wieder still. |
Es war nur
sicher, Dass dort oben, Irgendwo noch im Bereich
des Schwerefeldes, Einsturz tobte. Man fand nichts
heraus. Die Zeit stand
wieder still. |
Es dachte niemand An die
Unterirdischen. |
ISBN 3-937264-03-5