Buchtitel, ISBN
3-937264-09-4
am
Rand
aus Fleisch
Lyrik.
Harald Birgfeld.
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Erlaubnis des Herausgebers, Harald Birgfeld, reproduziert werden. Das gilt
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Herausgeber, Autor,
Redakteur: Harald Birgfeld, e-mail:. Harald.Birgfeld@t-online.de
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Dass dir schwarze Blätter wachsen. Deine Hand krault mir Das kurze Haar am Hinterkopf. Wir sitzen in dem Wagen, Und das Lenkrad halte ich, Und die Geschwindigkeit, mit der wir fahren, Ist sehr hoch. Ich denke an den kleinen Augenblick Der Unaufmerksamkeit., Der könnte tödlich sein. |
Dein Zeh steigt mir am Bein empor, Und schiebt den Hosenstoff mit sich, Und ist ein Finger, Der malt Bilder in den Sand. In deinen Augen gähnt die Langeweile. Hätte ich die Hände frei Und wärst du frei für mich von dir Und nicht nur frei für dich von dir, Ich hielte auf dem Seitenstreifen an Und öffnete dir heute noch die Augen. |
So bedenke ich, Dass du aus Plastik bist Und dass du eine neue Mode trägst, Die steht dir wunderbar. Du kannst zufrieden sein. Ich werde dir, Auch wegen dieses Steuers in der Hand, Von mir Kein Sterbenswörtchen sagen. |
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Und somit
zwischen uns Steht eine Dose
Kaltgetränk, Die werden wir
uns teilen. Nicht, weil du
sie nicht so gerne magst, Und nicht, weil
ich bescheiden bin, Und nicht, weil
wir so bettelarme Leute sind, Nein, Aus, ich weiß
nicht was für einem Grund, Entschieden wir uns
nur für eine Dose, Wir entschlossen
uns für uns für eine. |
An der Wandung
dieser Dose Steht die
Feuchtigkeit als mattes Blank. Das siehst du an Und siehst, Dass man mit
bloßen Fingern Auf ihm malen
kann, Und du versuchst
es erst auf deiner Seite, Und du malst ein
Bild, Das ist nicht
auszumachen, Und du malst es
weiter, Und du setzt es
auch auf meiner Seite fort Und drehst die
Dose, die schon offen ist, Und hast sie
rundherum bemalt Mit unsichtbarer
Fingermalerei Und hast mich
nicht gefragt Und hast nicht
nachgefragt, Ob du auf meiner
Seite malen darfst, Und diese Dose
hatten wir doch für uns zwei Gekauft. |
Ich hab' dabei
geschwiegen, Ganz auf dich
vertraut Und sehe nun, Dass du mich gar
nicht siehst, Und ich, dass
müsstest du doch sehen, Sitze eng mit dir
an einem Tisch, Und niemand außer
uns ist hier Uns auch nicht
zwischen uns zu sehen. |
|
Du hauchst auf eine spiegelglatte Wand Und die beschlägt
sofort. Ich frage dich: "Warum
hauchst du auf diese Wand?" Du schweigst und
wischst es wieder aus Und sagst ganz
schnell zu mir: "Nun du, nun
bist du dran." |
Ich hauche auch, Und hauche zart, Und will es
richtig machen, Auch weil ich,
als Mann, dir zeigen muss, Wie man auf eine
Fläche haucht, Und hauche auf
dieselbe Stelle, Und du siehst
mich an Und siehst, dass
ich versage, Und es zeigt sich
nicht der stumpfe Film, "Der
konnte," sagst du mir, "Nur einmal
sein. |
Du bist," so
sagst du noch, "Zu gar
nichts nütze, Und ich habe doch
nur eine Kleinigkeit Von dir
verlangt." |
|
Und stehst im
Licht, Das fällt in dein
Gesicht Und Farben
leuchten auf, Ein Dünengras,
aus Glas gezogen, sind die Wimpern. Ich hab dieses Streichholz
in der Hand, Das hab ich noch
nicht abgebrannt Und denke lange
nach. |
Du dringst in
mich Mit deinen
Blicken, Die sind Netze, Die, schon ganz
zerrissen, Nichts mehr
fangen können. |
Wüsst ich doch, Wie ich mit
meinem Streichholz Brennend unter
deine Haut geraten könnte, Wüsst ich doch, Wie ich mir Licht
in dir verschaffen könnte, Wüsst ich doch, Ob wenigstens das
schwarze Licht In dir vorhanden
ist, Dann brauchte ich
nicht Eine Dunkelheit
an eine andere Zu hängen. |
|
Durch mich hast
du den Schmerz erfahren, Der war nicht wie
sonst, Wenn Schmerzen
sich Lokalisieren
lassen. |
Dieser Schmerz
entstand durch mich in dir, Er wurde
ferngezündet, wie du sagtest, Und er wäre nicht
entstanden, Wäre ich so nah
es eben ging, Bei dir gewesen, Dann, so sagtest
du, hättet du Den größten
Schmerz von mir Mit Freudentränen
in den Augen Und von Herzen
gern empfangen. |
Ich saß weit
entfernt Und hatte mich
von dir entfernt Und wollte dir
den Schmerz ersparen Und schlug mit
der Stirn Auf einen
ungedeckten Tisch, Der musste dich
ersetzen. |
|
Ich hatte sie um
sich gebeten, Und ich gebe es
dir zu. Sie hatte sich an
mich gelehnt Und ihren Kopf
auf meine Schulter. Sie vergrub sich
in dem Nest, Das sie mit ihren
Haaren darauf schuf. Ich hätte gern
darin gelegen Und beneidete sie
fast darum Und sagte so: "Du hast es
gut, Weil du dich
immer bei dir hast," Und fragte noch
einmal: "Darf ich
dich um dich bitten, Weil ich sehr
nach dir verlang." |
Sie schlug in
ihrem Nest die Augen auf, Die waren lange
schon auf mich gerichtet, Und es gab, das
dachte ich, Nichts, was
dagegen sprach. Aus ihrem Mund kroch
langsam und gewissenhaft Das
"Nein". |
Dann schloss sie
ihre Augen wieder, Legte ihre eignen
Arme eng an sich, Und zeigte mir, In ihrer Suche
nach dem Neuen In dem
Widerspruch, im Widerstand, Die Liebe, die
sie hatte. |
|
Das um den
Handgriff deines Aufgangs rankt. An dir empor, Mein Blick, Der sich nicht
schnell genug an dir In eine Höhe
schießen kann, Und dessen Sturz
nicht schnell genug Ins Tal geschieht Und der in der
Vermutung nach den Höhlungen Sich irrt und
sucht und findet Und doch gar
nichts finden kann. |
Was kann ein
Blick schon finden Oder gar, Was kann ein
Blick als Finderlohn verlangen. |
Ich erinnerte
mich an die Frau, die sagte: "Ich würd
ihm die Genitalien waschen Und mit ihm wär
ich wohl im Verkehr, Doch ließe ich
ihn sonst Nicht nah an mich Und würde alles
tun, Dass wir uns nie
entdeckten, Dass wir immer
voreinander Im Geheimnis
blieben.“ |
|
Ich stand mit
meinem Rücken an der Wand Und in der Ecke, Und die Briefe,
die du schriebst, Erhielt ich
ungeöffnet Und ich ließ sie
so Und las sie
nicht, Sie lagen nur zu
meinen Füßen, Und sie lagen
dort bewegungslos Und rührten sich
nicht von der Stelle. |
Stiege ich nun
über sie hinweg Und schliche mich
davon, Hätt ich sie
gleich im Rücken. Also stand die
Wand, Die vor mir lag, Auch vor mir auf. Ich lebte
zwischen Wänden Und ich lehnte
mich an sie Und hielt mich in
der Ecke An der Ecke fest. |
Du wolltest,
hörte ich, damit beginnen, Mir die Briefe
einzeln aufzuheben Und sie
vorzulesen, Und du wusstest, Dass ich mich dagegen
nicht mehr wehren konnte, Und du wusstest
von der Distanzierten
Quälerei, Und dass ich
davon wusste. |
|
Der dich nah an
meine Seite rückte, Und ich stahl dir
vom Geruch der Haare, War so nah an
ihnen, Dass ich fast in
ihnen war; So nah kam ich
sonst nur noch der Geliebten, Die war dieser
Zufall, Die blieb trotz
der Nähe immer fern. |
Es war kein
Unterschied. |
Es kam sehr
schnell, Dass wir uns
liebten, So, wie wir uns
liebten. |
|
In den Wendeltreppen unsrer Worte Kannten wir uns
sehr gut aus, Sie waren
insgesamt Die
Kinderschaukel, Liebeswippe Und das lange Tau
aus einem alten Baum, Das, angeknüpft
an eine Sitzbank, Die den Boden
nicht berührte, Weit zum
Schwingen kam Und jeden, der
sich darauf setzte, Majestätisch in
die Höhe, In das Blättergrün,
entführte Und ihn sanft Und immer
schneller werdend, Dass man ihn
nicht halten konnte, Durch die Mitte
schnellen ließ. |
Das war schon nah
am Boden. Köstlich waren
unsre Worte. |
Königlich war es,
sie vor dem andren auszusprechen, Und sie vor Und vor dem
anderen zu hören, Ja, sie gar nicht
erst zu sprechen. |
|
Früher konnte ich
noch sagen: "Ich
verstehe viel von dir," Und heute steht
die Sonne, wenn sie aufgeht, In dem Eigenrot, Das lässt sie
fast verbluten. Nur Sekunden
später saugt sie alles wieder auf Und wird ein
greller Lichtfleck. Über dich läuft
eine Schnur Von Punkt zu
Punkt Und meldet alles, Was an dir
geschieht, Dass nichts an
dir geschieht, Was dir
geschieht. |
Ich stehe deshalb
still an dir Und warte, warte
einfach ab Und möchte die
Verbindung Auf dir täuschen, Möchte, dass du dich
mir in Besitz gibst Und es selbst
nicht merkst, Und keine Läuterei an dir Soll Warnsignale
geben, Nicht von
Vornherein verbellen, Was sich nähern
möchte. |
Schweigen soll
auf deinem Bahnhof Einfahrt haben
können. Die Signale, Die du an die
Gleise stelltest, Jedes Halteschild
will ich umfahren Und geschickt
umgehen. |
|
Und ich beschrieb
dich ja für mich, Weil ich dich
grade kennen lernte, Also, als ich
dich für mich beschrieb Und du, Im Kleid aus
grüner Farbe, Weißer Haut und
blonden Haaren, Schnellen Augen
vor mir standst, Als ich dich so für
mich beschrieb Und sagte:
"Ja, so sieht sie aus, Sie trägt die
Haut ganz anders, Als sie andre
tragen, |
Auch lässt sie
den Augen Einen andren
freien Willen Als du es von
andren kennst, Und ihre blonden
Haare fliegen nicht davon, Wie du es oft gesehen
hast, Sie sind ein
Schwarm, Der löst sich
trotzdem nicht von ihr, Sind ihrem Kopf
vielmehr ein Nest, In dem er gerne
liegt," |
Als ich das alles
sah Und in mir
aufgenommen hatte, Brachte dieser
Windstoß, Der den Spiegel
unsres Wassers überlief, Das Bild zum
Einsturz, Und ich musste
mich ganz neu An deiner
Wahrheit orientieren, Die stand neben
mir. |
|
Standen
Hindernisse der Erinnerungen, Und wir kamen
nicht darüber hin: Du nicht, Weil ich die
Hindernisse aufgebaut Und dir errichtet
hatte, Weil ich dich in
dir behinderte, Und ich nicht, Weil ich mich aus
dir nicht schälen konnte, Mich nicht aus
dir nehmen konnte, Und mich so nicht
in dir ändern konnte, Und mich, wie ich
anders wär, Auf mir in dir
nicht überlagern konnte. |
Hindernisse der
Erinnerungen also, Weil in dir in
mir. |
Ich litt sehr
unter dem Verlust Und lebte, Sonst wär es ja
gar nicht möglich, Ohne eine einzige
Erinnerung An dich in dir an
mich. |
|
"Vergiss
mich ganz." Es ist das dritte
Mal, Dass wir
vergeblich nun versuchen Uns an uns zu
koppeln. Unsre Schlüssel
passen nicht, Und von uns
beiden Kommt so keiner
zu dem anderen. Wir treiben noch
ein ganzes Stück im Raum, Das heißt, Der Raum treibt
um uns her in alle Richtungen, Wir bleiben
voreinander stehen, Können uns nur
durch die Augen In die Augen
sehen. |
Unsre Hände
liegen als die Hände kleiner Kinder Ineinander; Unsre Köpfe wagen
sich in hastiger Gesprächigkeit In größte Nähe. Selbst die Haare
haken sich schon Ineinander. So verlangst du, Und du sprichst
mit Worten, Die sind weniger
als eine Zeichensprache, So verlangst du, Dass ich dich
vergesse. |
„Und," so
frage ich zurück, ''Was mache ich
mit dir, Wenn ich dich
dann vergessen habe, Und du mir als
Dauerstrandgut Vor die Füße
treibst Und dich auf
diese Weise von mir sammeln lässt?" |
|
Verhakten sich
die Augen ineinander, Niemand konnte
helfen. Jemand sagte nur: "Da, an den
beiden seht ihrs wieder, Und sie selber
sehen nichts Und sind verhakt
mit ihren Augen. Blind sind sie
dadurch Und sehen nur auf
sich. |
Es könnte
sich.... Hat sich
vielleicht schon zwischen sie Die neue Sicht
geschoben, Und die bleibt
bei ihnen, Bleibt in Blicke
eingesperrt und ausgesperrt, Bleibt Blick im
Blick, Ist Haken, Der an einem
andren Haken hängt." Die Augen gingen
wieder auseinander, Und es war doch
wie verhext, Sie kamen nicht
mehr auseinander. |
Wieder jemand
sagte: "Nun könnt ihr
es nicht mehr an den beiden sehen, Weil sie selber
alles sehen. Nun sind sie
verwachsen, Und ihr Blick ist
zwar ein Blick, Doch sehen sie
von sich nichts mehr. Die Augenpaare
blicken beide In dieselbe
Richtung, Und das bleibt
von nun an so, Und wird sich
wegen der Vergänglichkeit Des ersten
Atemzuges Nicht mehr
wiederholen." |
|
Das war
ungewöhnlich, Denn wir waren
schon im Raum der Räume, In den Räumen
überhaupt. Wir waren in dem
Raum, Der alle andren
Räume ausschloss Und sie somit in
sich einschloss, In dem Raum, Durch den sich alle
andren Räume zogen, Ohne ihn und sich
zu unterbrechen, Und die Treppe
konnte nicht nach oben führen, Und sie führte
nicht nach unten, Und da sie im
Raum Durch alle Räume
führte, Führte sie so
auch durch uns. |
Wir standen schon
auf einer ihrer Stufen, Waren selbst die
Stufe, Würden die, die
sie begehen sollten, sein, Und auch die
Stufe, Die begangen
werden würde. Anders kann ich
diesen Zustand Nicht
beschreiben, Anders waren die
Gefühle, Die ich für dich
hatte, nicht. |
Mir wich mein
Kopf aus, Und er schmiegte
sich an deinen, Und ich machte
daraus, Wie belanglos,
eine Frage, die dich intressierte: "Kennen wir
die Leute eigentlich, Dort
drüben?" So kam mir dein
Kopf in deiner Antwort nahe, Sicher wär er mir
sonst ausgewichen, Und der Akt von
einer Treppe Wird ein Sinn, Der ist nicht zu
erfassen. |
|
Und andren ging
es so wie mir. Ich hätte die Bewegungen
der Tänzer Und der
Tänzerinnen fassen, greifen mögen, Nicht sie selbst Und nicht die
Leiblichkeit der Körper, Nein, nur ihre
Leichtigkeit Mit der sie sich
vom Boden trennen Und im Tanzen
schweben konnten, Diese
Schwerelosigkeit, so dachte ich, Müsst man
berühren können, |
Und du sagtest so
zu mir, Und alles, was du
sagtest, glaubte ich dir auch: "Du
überforderst mich in allem, Und nur deine
Nähe stellt mich in den Hagel Spitzer Funken, Die mich treffen, Ja, die schlagen
ein in mich." |
Das, dachte ich, Zeigt doch, wie
sehr gefährdet Dinge sind, Die sich so ganz
und gar Der eigenen
Gefahr Entzogen haben. |
|
Jede der Bewegungen war eine Illusion. So ging ich auf
dich zu, Nahm deine Hand Zum Kuss auf
ihren Rücken, Drehte sie herum Und küsste dort
den Boden ihrer Schale, Der war leer und
doch ein köstliches Getränk, Das ließ den
Sehenden Zum Blinden
werden. |
Abgewandt von mir
standst du Und warst ein
fremder Mensch, Ein jugendlicher
Mensch, Der war für seine
Jugend nicht mehr jung genug, Und frauenartig
schobst du deine Haare Unter eine rote
Spange, Die vermochte viel Und bündelte die
blonden Locken Zu der Garbe, Die stand frei im
Feld, Und traubenartig
hingen ihre Ähren Bis auf deine
Schultern,. Das war keine
Illusion. |
Das Feld, die
Garbe, Ähren, Deine Finger, die
als Rechen Durch die
Strähnen fuhren, Wurden eine
sommerliche Sonnenlandschaft, Die beschwor den
Frühling, Der war erst zwei
Tage alt Und stand bei dir
und mir in voller Blüte. Ich erinnerte
mich schnell an eine Kirschbaumstraße, Die wurd in den ersten Frühlingstagen Weiß zum
schlanken Kleid, Und eine Taille
reihte sich darin an eine andere. Die neue
Jahreszeit ist eine Illusion, Die geht durch
alle Zeiten. |
|
Ich hatte lange nichts von dir gehört, Dann kam ein
Brief, Der sandte einen
Kuss von dir. Es war nicht
auszumachen, Wie es technisch
möglich war, Und doch war dieser
Kuss ein wahrer Kuss Und wiederholbar Und war ganz
gewiss von dir Und war mit
diesem Brief gekommen. |
Und er küsste
nur, Darüber gab es
eine Garantie, Den Richtigen Und nur, wenn der
es wollte, oder sie. |
Der Kuss, Das wusste ich
sofort, War ein verlorner Kuss, Er war aus deiner
Zeit, Die lief schon
parallel zu mir, Und gestern, als
wir uns begegneten, Da hätten wir uns
doch begegnen können, So wie jetzt. |
|
Du bist schlimmer, als der Beißhund, Der in seiner
Wache Gier entwickelt, Und du sollst das
Blut nun haben, Und ich sage dir: "Es ist nicht
nur das Blut des Dichters, Sondern jedes
Künstlers. Ja", so sage
ich, "Nun gebe
ich dir recht, Ich habe keine
Liebe, Und ich habe nur
die eine Liebe, Die gehört mir
nicht, Die gab mir
jemand als Geschenk, Und ich verprasse
sie An meine Kunst Und huldige damit
dem Geber, Und ich liebe
eine Wolke, Einen Regen, Einen Teil von
dir und dich Und etwas auch
von dir was du nicht hast, An anderen. |
Ich gebe diese
Liebe einfach ab Und raube ihr
dafür die Liebe anderer Als Nahrung. Deshalb hast du
recht. Ich beute dich so
aus, wie einen Stein; Auch die Bewegung
deines Armes, Wenn er sich um
deinen Nacken schlingt, Bin ich, Du wusstest es
nur nicht bis jetzt, Und die vom Auto
tot gefahr'ne, Aufgerissne Amsel bin ich
auch Und denke mir in
allem weiter nichts, Als dass es ist,
so wie es ist, Und dass ich es
als Lebender erlebe Und erleben muss. |
Und keinen
Aufschrei, keinen Lustschrei Darf ich dafür
geben, Und der
Unterschied Von Amsel, Mensch
und Baum, Von dir und mir Wird grad in mir
erfunden Und von mir entdeckt. Gedulde dich mit
deinem Biss Noch einen Tag, Mein Blut muss
reifen. |
|
Vor deinen Augen lebte in der Haut Ein großer
Schmetterling. Er lebte auf und
in der Oberfläche Und die Flügel Gingen als die
Schaukeln Langsamen
Erlebens auf und nieder. Deine Augen waren
auch auf mich gerichtet, Blieben auch auf
mich gerichtet Selbst, wenn ihre
Schranken Unten waren, Und die
Augenblicke freier Überfahrt, Die wirklich nur
sekundenlang den Weg Für die Passage
offen hielten, Waren Übergänge
ohne Garantie, Denn oft geschah
es zwischendurch, Dass sich die
Flügel senkten, Und man musste
unter ihnen Ganz allein mit
dir die Dunkelheit Verbringen. |
Dabei stellte
ich, Weil ich es wissen
wollte, fest, Dass du im
Spiegel gegenüber, Immer nur das
Farbenspiel Des Senkens
dieser Flügel In extremster
Langsamkeit erleben wolltest. Leicht wär es für
mich gewesen, Diesen Buntstaub
von den Fenstern Deiner Einsicht,
deiner Aussicht Abzuwischen. |
War die
Dunkelheit vorbei, Erinnerte ich
mich noch schnell genug an dich, Und hätte nie
gewagt, Dir die Paläste
deiner Häuslichkeit Mit einer dummen
Putzsucht zu zerstören. Sonst gab es nur
wenig Über
Schmetterlinge, Die in
Langsamkeit Die Flügel heben,
senken konnten, Zu berichten. |
|
Es war aus einer Folge
vieler roter Bilder, Die sich immer
weiter isolieren ließen, Schließlich rot
geworden und geblieben, War durch den
Verlust der dritten Dimension Entstanden, Und es hatte nur
so werden können, Dass das Rot sich
über eine Fläche zog, Es zog sich hin
vom Hals, aus dunkelroten Wurzeln, Über Wangen zu
den Ohren, Stürzte sich in
deine Stirn, Von dort in eine
Tiefe, die man nicht mehr Sehen konnte. |
Auf der Suche
nach der Räumlichkeit Gab ich nicht
auf, Und durch die
kleinen Öffnungen der Bluse, Die du trugst, Durch diese Winzigseen, Die zwischen
Knöpfen lagen, Meinen Blick
verführten und entführten, Mich bis an die
Wurzeln deiner Röte Stoßen ließen, Fand ich einen
Ursprung, Von dem hattest
du mir nie erzählt, Und letztlich,
dachte ich, Hast du ihn
selbst noch gar nicht Wahrgenommen. |
Sollte ich nun
diese Bergseen Einer allgemeinen
Fischerei entdecken Und vielleicht
gar selbst Am Ufer
Trampelpfade hinterlassen, Oder über die
Entdeckung eines Ursprungs, Dass er ja ein
Ursprung bleibe, Schweigen? So gesehen,
hattest du ein Recht Auf deine eine
eigne Dimension. |
|
Und anfangs war
es, Dass du dich dem
Gast zum Gaste machtest. Du und ich, Ich sah nur dich. Du warst allein, Weil ich mich
nicht mehr wahrnahm. Das Geschirr, das
du uns botst, War nur ein Hauch
von Porzellan, Das blieb auch ungefüllt, Und Speise, rietst
du mir, Sei anderswo. |
Da überzog sich
schon dein herrliches Geschirr Mit Glanz aus
Blankmetall, Das strahlte und
das blendete, Ich blickte in
das Auge eines Bergsees, Der die Sonne
eingefangen hatte. Darin sah ich
mich das erste Mal. Es wurde alles
bleiern schwer. Du sagtest: "Alles ist
zum Erzguss ausgeflossen," Und ich stellte
mit der größten Mühe Meine leere Tasse
auf den Tisch zurück. Sie war so schwer
geworden, Kaum noch
anzuheben. |
Aus dem Kleid kam
die Metallhand Auf mich zu; Sie war sehr
weich und warm Und hatte letzte
oder erste Strahlen Eingefangen und
gespeichert, Und du gabst mir
alle Arten deiner Speisen An dir frei. "Ich bin
durch mich geschützt," So sagtest du, "Du kannst
getrost durch meinen Panzer dringen, Der hält stand." |
|
"Du musst
dich hüten vor Vergleichen; Du darfst nicht
die totgefahrne Amsel Gleichstell'n Mit den Schrecken
einer Großstadt, Mit den
aufgespießten Kindern eines Wahnsinnslandes, Mit den Frauen
einer fernen Gegend, Denen man die Brüste
abgeschnitten hat Und Männern,
denen man den Bauch Mit einem Messer
öffnete Und die man so
zum Laufen zwang. Du darfst doch
nicht so tun, Als wäre eine
Himmelswiese voller Strahlentode Hinter fernen
Welten, So, als suchtest du
für dich ein Rauschgift, Um dich zu
betäuben, So als sagte
nicht ein anderer, Wie ich zum
Beispiel, Auch etwas
dazu." |
Ich tat ja
nichts, Und auch nicht so
als täte ich nur so. Die Leiter fängt
mit einer ersten Sprosse an. Dort wo ich
stand, War lange schon
die Höhe Nicht mehr
auszumachen. An mir, sah ich, Konnte man sehr
wohl die Bilder sehen, Die der Mensch,
der mich so angesprochen, Auch beschrieben
hatte. Woher hätte er
sie sonst wohl nehmen können, Wenn nicht nur
von mir. |
Kam ich zu dir, Verlangte ich
darum nicht mehr Als dass sich
deine Arme um mich legten, Dass du mir das Rückenfell ein
wenig glättetest. Nur, Mein Verlangen
konntest du nicht wissen, Weil wir wegen
dieser Welten, Die uns trennten, Zwei verschiedne Sprachen Wählten. Keiner von uns
beiden Wagte dies
Geständnis. |
|
Es war ein
kleines Haus, Es war ein
Spitzdachhaus. In deiner Stirn
entdeckte ich sofort Das
Giebelfenster. Ich verbot dir, Und ich war sehr
streng, Mir irgend etwas zu verwehren. Ohne Worte gabst
du nach Und zogst mit
lässiger Gebärde Deine schwarzen
Haare, Die weit über
deine Schultern fielen, Mit den
tänzerischen Armbewegungen Und spitzen
Fingern hoch, Du machtest dein
Gesicht zur Bühne, Die vor schwarzem
Vorhang stand. |
Das Spiel, das
ich erwartete, Sollt ich nun
selber bringen. Alles legtest du
und dich zurück auf bunte Kissen, Deine Kleider
taten sich Als
Schmuckkassette vor mir auf. Du irrtest dich. Ich wollte mich
nicht mit dir schmücken, Und ich dachte
nicht an Raub, Nicht an Verkauf, Nicht an Besitz Und schlug mit
der geballten Faust, Das Giebelfenster
ein. So, und nicht
anders Wollte ich in dir
an dich gelangen. Blutig wurde
meine Hand. |
Du hattest später
einen Traum, Der, sagtest du, Hätt dir den
Aufenthalt In einer Anstalt
aufgezwungen. Dort hätt man
dich wochenlang Zur Heilung einer
Wunde, Die du selbst
nicht sahst, Die du, so sagte
man, nicht sehen konntest, Festgehalten. |
|
Einmal wollte ich dich lieben, Und ich dachte, Dass man immer
und für alles Einen Schlüssel
brauchte, Und ich dachte
dabei nicht ans Öffnen, Sondern ans
Verschließen, Und ich kaufte bunte,
selt'ne Blumen, Die man nur aus
Märchen kannte, Kaufte
Blauaurikel und vermischte sie Mit
Weißmaiglöckchen, Um sie dir zu
schenken. |
Dann kam ich zu
dir. Du sahst mich und
du sahst Den Wunsch an mir Und sahst die
Blumen an Und sagtest, noch
in deiner Tür, zu mir: "Man darf
nie Märchenblumen Miteinander
mischen. Sieh, sie lassen
schon die Köpfe hängen, Können sich
selbst nicht ertragen," Und du trenntest
sie, Dass sie sich
nicht mehr sahen, Stelltest sie in
ganz verschied'ne Vasen, In verschied'ne Räume. |
Deinen Schlüssel
hattest du Ganz sorglos,
unbedarft, Im Schloss Von außen stecken
lassen. |
|
Ist dem Träumen
nahe. Denken träumen, Ist das Sagen,
das man niemals sagt, Von dem man
wenig, Meistens gar
nichts weiß. Ich denke oft in
dir, Das weißt du
nicht, Und denke, wie es
ist, Wenn ich mir nahe
bin in dir, Und träume so vom
Denken, meinem Denken. |
Das könnt ich dir
sagen, Und ich sage
nichts, Weil ich zu wenig
davon weiß, Und dich dagegen,
habe ich in mir ertappt, Du kanntest dich,
das hast du zugegeben, Sehr gut aus. Du warst nicht zu
vertreiben, Und ich sah es
ein, bevor ich daran dachte, Und du bliebst, Gingst aus aus mir und ein Und fort und
kamst zurück. |
Ich fragte dich,
so arglos ich nur konnte, Nach mir aus. Du sagtest
gleich: "Es ist mir
jetzt ganz klar, Auf dich kann ich
nicht bauen, Ich vertraue
nicht auf dich. Du bist ein
Zufall, Der für mich
begehbar ist Und bist mit gar
nichts zu erreichen, Und ich selbst
bin dir ganz fremd. Du würdest mich, Wenn du mich
wieder fändst, Noch nicht einmal
vermissen." |
|
Der
Eingeständnisse. Es war ein Buch, Das wir gemeinsam
schrieben. Jeder trug dort
streng geheim Auf eine Seite, Die der andre
niemals würde lesen dürfen, Das Geständnis
ein, Mit dem man ihn,
den anderen, Betrog, belog,
betrogen und belogen hatte, Ihn belügen und
betrügen würde. |
Jeder wusste von
den Eingeständnissen Des anderen Und kannte
keines. So gesehen, War ein
Eingeständnis Auch Geheimnis,
das man offenbarte. Jeder machte sich
zum Detektiv Und lauschte auf
verräterische Einzelheiten. |
Dir entlockte ich
nicht viel, Es war auch nicht
der Rede wert Und war nicht
mehr, Als dass du dir
die wahre Freiheit wünschtest, Dass du dir in
dir die wahre Freiheit, Wie du sie
versehentlich beschriebst, Bewahren
wolltest, Und sie wäre ein
Betrug an mir, Die Beute eines
Raubzugs, Den du immer
wieder durch mich machtest. In dem Buch, An dem wir beide
schrieben, Konnte Schrift, Wie wir sie
schreiben, lesen konnten, Gar nicht haften. |
|
Und du frorst. Im Zimmer war ein
neuer Schnee gefallen, Der lag überall. Du wusstest nicht
wohin mit dir, Und sagtest so: "Die Kälte,
die ich in mir trag, Bricht nun
heraus. Was soll ich
machen?" |
Ich sah dich
normal gekleidet In demselben
Zimmer sitzen, Und du sprachst
mit mir In einer zweiten
Sprache ganz wie sonst, Als wäre nichts
geschehen, Und wir
unterhielten uns Und tranken ein
Getränk dazu Und froren nicht Und lebten in der
Kälte Und dem Eis des
Raumes. Eis und Kälte
brachen ständig neu aus dir. |
Als Kind, Das fiel mir noch
als Warnung ein, Hieß es für mich, "Du darfst
mit deiner Zunge Nie am Eis des
kalten Türgriffs lecken." Das erklärten
die, Die die Erfahrung
hatten. "Schlimm,"
so sagte man, "Sind die
Verletzungen," und auch, "Es ist kein
Unterschied zu spüren, Zwischen dem
Erfrieren Und im Eis
verbrennen. |
|
Als hätte man
dich grad verlassen, Und ich sei der
nächste. Nicht, dass du
dich irgendwie verkauftest, Sondern mit den
Augen Winktest du noch
einem Schatten nach, Den ich nicht
sah, Und ließt mich warten; Dann zu mir: "Nun bist du
fort Und bist doch
grade angekommen." |
Wirklich, dachte
ich, Vor ihrer Tür
ließ ich mich immer sein Und überließ mich
ihr und mich Und machte einen
Zeitpunkt mit mir aus, Dann würde ich
mich wieder holen, Und ich dachte
auch, Als Frau hat sie
ja Augen, Die durch Wände
sehen können, Außerdem sieht
sie an mir, Dass ich der
Falsche bin. |
Der andere würd
sie sich nicht Mit einem Andren
teilen wollen, Und sie fragte
mich danach In schwacher
Neugier aus: Sie würde mich
doch gerne Kennen lernen
wollen. |
|
Von dem Gespräch
erzählen, Dass ich mit mir
hatte. Das ging so: "Auf meine
Schulter Setzte sich dies
sanfte Wesen, Setzte sich ein
Schmetterling. Es war kein Schmetterling, Wie du ihn
kennst, Es war vielmehr
ein Sandbild. Das bestand aus Farbsand, Der war
eingesperrt in eine Flüssigkeit Und die bewegte
sich als "Malerei" In einem
Doppelglas, In einem
"Bildmobil", In einem
Zwischenglas, Das war zu
drehen, Und mit jeder
Drehung Floss das Bild ganz
anders Und ganz neu
zusammen. |
So, in dieser
Art, War jener
Schmetterling auf meiner Schulter. Sage mir, Der ich ja du
bin, Was das ist, Damit ich dich Und damit mich
verstehe." Darauf sagte ich
zu mir: "Das, was du
fühlst, Machst du dir
sichtbar, Dass du es
begreifen kannst Und kannst und
darfst es nicht begreifen. Was du siehst und
sehen kannst, Ist unsichtbar, Weil es nur eine
Sehnsucht ist. Noch ist sie bunt Und voller
Farben, Lässt sich unter deinen
Händen drehen. |
Eines Tages aber
wird das Wesen Eier legen
wollen, Um sich
fortzupflanzen, Und es wird von
dir Besitz ergreifen wollen, Und es wird sich
dir Als
Todessehnsucht zeigen Und erkenntlich
machen Und in
Trauerkleidung gehen." |
|
"Nun ist
mein Tag Nur ein Gerippe. Alles ist
verzehrt, Und ich bin müde, Denn von dir
bekomm ich keinen Schlaf. Du frisst die
ganze Nacht an mir Und schläfst
dabei Und zehrst mich
auf Und meinen neuen
Tag dazu, Und meine Kräfte
lassen nach." |
Das, dachte ich, Hab ich mir nicht
verdient Und dachte auch, Wovon ernährt
sich denn ein Mensch, Wenn nicht von
andren Menschen, Und ich dachte,
dass ich dir Von mir gegeben
hätte Und war im
Gewissen ruhig, ausgeglichen, Bis zu diesem
Augenblick, Als du so heftig
an die Waage stießt. |
Aus einer der
zwei Schalen Fiel mir meine
Welt zu Boden. Plötzlich war sie
faul, Ein Apfel der im
Ausschlag lebte Und im Aufprall
gleich zerplatzte, Durch und durch War er schon
braun durchzogen. Was kann ich, ein
armer Fresser, Gegen meinen
Menschenhunger machen, Der stillt sich
nicht von allein. Ich kann mich
zehnmal selbst zerfleischen Und von mir
verspeisen lassen. Das bringt gar
nichts ein. Das ist doch ganz
umsonst. |
|
Geschrien, Und dich hatt ich als Wache An mein Bett
gestellt, Du konntest ruhig
schlafen. Du warst mir im
Schlaf das Nadelkissen, Das war voller
Stiche, Und die waren mir
zugleich die Spitzen Eines
Nagelbrettes, Das lag unter
mir. |
Du wecktest mich Und riefst mich, Das war auch im
Schlaf Und konntest so nicht
helfen, Und ich wünschte
nur, Dass du mich
wecken, retten würdest, Denn ich tat im
Schlaf, Was ich nicht
machen wollte, Und ich brauchte
einen Rückruf. |
Morgens sprachen
wir im Aufbruch Über diese Nacht. Ich konnte mich
sehr gut erinnern, Und ich sagte
nichts, Und du warst mit
Vergleichen Schnell zur Hand: "Dir bin ich
als ein Nadelkissen Halt und immerzu
Vergessen, Und du selbst
quälst dich auf einer Nagelbank. Dein Schlaf ist
Tag, Und deine Tage
sind die Nächte, Die verbringst du
mit der Augenbildermalerei
und mit dem Denkbaren, Und nachts
kämpfst du Um deren
Wirklichkeit Und
Wahrheit." |
|
Königlichen Stuhl
herein. Sonst war das
Zimmer leer. Die junge Frau
stand auf der Leiter, Und mit einem
breiten, schweren Pinsel Weißte sie die
Wand. Wir waren in der
Zelle. Schlampig war die
Frau gekleidet, Und der Kittel,
den sie trug, War viel zu kurz. Die Knöpfe,
vorne, Waren nicht ganz durch
geknöpft, Man hätte sich an
ihr vergehen können. |
Sie, Die Leiter, Weiße Farbe, Königlicher Stuhl Und ich In dem Gefängnis,
in der Zelle. So, denk ich,
verhalten sich die Gegenstände Hinter unsrem
Rücken. |
Wär ich ich, Hätt ich die Frau
doch angesprochen Oder umgekehrt. Es krönten sich
die Dinge selbst, Wir mussten
helfen Als die Diener
unter einer Dienerschaft. Viel früher
schrieb ich einmal Von den Göttern, Die man in
Gehegen hielt. Mit deren Augen Sah ich dieser
jungen Frau Ins Tun. |
|
Der Augenblick des Handelns war vorbei, Nun war der
Augenblick des Denkens, Und ich dachte
nur an mich. Ich hatte mich
erschossen. Autohupen um mich
her Kam näher, Also war ich in
Gefahr. Sofort darauf:
Klaviermusik. Es hatte eine Kneipe
in mir aufgemacht, Und ernstes,
schönes Spiel Drang durch den
Eingang., Eingelagert in
die Sprache, Die ich sprach, Die wurde fremd,
zur fremden Sprache. |
Meine Frau, denk
ich, Liegt schon im
Bett Und fürchtet sich
vor mir: "Nun wird er
kommen, Oder ich hab
heute Glück," Sie wird nicht um
mich weinen, Und sie weint
nicht mehr um mich. Die festen
Treppen fließen plötzlich doch. |
Ich hätte an die
Blumen denken sollen, Das hab ich
versäumt, Und denke an den
Krieg, Der ist ein schlimmes
Unkraut, Und ich denke an
die dumme Schläue All der Menschen, Die den
Wildwuchsgarten halten, Die sind immer
außerhalb des Zaunes. In der
Hosentasche suche ich nach einem Tuch Und greife in die
Wurzeln, Die sind bis hierher gekommen. |
|
Liegt eine Folie, Die ist dünn und
superfest Und reflektiert
in Gold, Das ist die
Rettungsplane. Die ist klein,
wenn sie gefaltet ist, Und ich umfasse
sie mit einer Hand. Du möchtest sie
benutzen, Weil es regnet, Und du denkst an deine
Haare Und dass das ein
Notfall ist. |
Du möchtest mit
der Plane auf dem Kopf Den Wagen schnell
verlassen Und planst diese
Rettung, das ist deine Rettung, Und du bist
geschickt In dem Entfalten. Hier im Wagen ist
sehr wenig Platz, Und deinen Notfall
planst du ganz alleine, Und ich helfe
nicht dabei Und seh dir zu. Dann springst du
aus dem Fahrzeug, Das steht still. |
Ich höre
Regentropfen Zweierlei
Geschlechts. Geräusche dringen
durch das Dach Und durch die
Fensterscheiben. Du bist schneller
fort Als dich die Not
erreichen könnte. Meine
Scheibenwischer lass' ich laufen, Und du bist ein
Gold umhüllter Regenball, Der tanzt um
Pfützen und bringt sich voran. Im Notfall ist
dir alles recht. Du hättest auch
für Sonne einen Einfall. |
|
Einmal sprach ich ganz normal mit dir Und dachte an die
Kunst, Die wir für uns
entdeckten, Und die doch
schon vor uns war, Und du
erzähltest, Dass es diese
beiden Menschen gäbe, außer uns. |
Der eine hätte eingestanden, Dass er nicht
verstehen könnte, Was ich sagte und
wovon ich redete, Und alles gäbe
wohl ein Bild, Doch bliebe alles
unklar, Und der andre
Mensch, so sagtest du, Fänd diese Bilder Als die eignen in
sich wieder, Nur dass sie vor mir
nicht dort gewesen wären, Und es wäre fast
wie eine Sucht für ihn, Dass er auf neue
Worte von mir hoffte, Um in sich in die
Verliese Einer unbekannten
Galerie zu kommen. |
"Ich,"
so sagst du, "Habe selten
Zugang, Ich," so
sagst du, "Gehe hinter
deinen Worten, Und ich sehe über
deine Schulter, Ob du einen
Spiegel trägst, Dass ich dich
sehen kann, Dass ich dir
glauben kann, Dass ich mir
glauben kann, Dass du es bist, Der vor mir
geht." |
|
Aus Glas, Das war sehr
klein Und hätte grade
ausgereicht für zwei. Das sagte ich dir
aber nicht, Weil ich erst
wissen wollte, Ob du es auch ohne
mich bemerken Würdest. |
Übers
Glashausdach Zogst du gleich
ein Gewächs, Das Schatten gab. Die Wände und die
Türen Überwucherten mit
Pflanzen, Die sofort in
Blüte standen, Und du blühtest
selbst mit diesem Haus Zu einem
Glasgewächs, Dass ich dir wortlos Meine Küsse auf
die Rücken deiner Hände legte. |
Einmal sagtest du
dazu: "Das Haus
hat Glück gebracht, Ich danke dir. Wir sind darin So glücklich wie
noch nie. Es ist gerade
Platz für zwei darin, Sonst würde ich
dich zu uns bitten, Aber so Bin ich mit mir
bei mir, Wir füllen alles
aus." |
|
Wird das Heim
nicht Heim. Ihr Heim ist
dort, Wo sie nicht
heimisch sind Und quälen sich
mit irgendeiner Quälerei, Die hinterlässt
kein Wohlgefühl, Und die Gedanken,
die du hast Und über die du
sprichst, Sind dir, die nie
das Heim verließ Und nie verlässt, Ein Heimatland,
in das du fliehst. |
Dir ist das
"Ding" des Mannes, Wie du’s für dich
nennst, Nicht oft genug im
Leib, Und über
jegliches Detail Weißt du Bescheid Und sprichst in
einem Atemzug davon, Wie
"göttlich" sich das alles Ineinander fügt Und denkst dabei: Wie lange hält es
an, Wie lange hält er
an, Und dann denkst
du: Du bist sein Heim Und hoffst, dass
er dir Heimat bleibt, |
Und er darf dich
nicht beißen, Und du schiebst
ihm seinen Mund Von deiner Brust, Und er lässt dich
nicht herrschen über dich, Und du schreist
auf im Schmerz Und denkst: Die Schmerzen
einer Frau sind fürchterlich Und selten
körperlich, Und heimatlos
sind die, Die in der Heimat
sind, Und schmerzlos
sind, Und viel zu oft
machst du's dir selbst. |
|
Nun stehst du ganz in weißen Blüten, Stehst in weißen
Blüten, Deren Ränder
einen rosafarbnen Schimmer tragen. Ich steh unter
dir Und seh hinauf Und könnte dich
mit einer schnellen Drehung Wieder unter
meinen Körper bringen So, wie ich dich
eben In die Höhe hob,
dass du nun auf mir liegst, So bist du
machtlos, Wenn ich dir die
Macht geb, Über mir zu
liegen. Und du fühlst
dich auch nicht wohl Und stützt dich
ab Und liegst auf
mir. |
Es sind im Jahr
nur ein paar Tage, Die du so in
Blüte stehst. Du selbst bleibst
fest im Boden, Und ich klettere
auf deine Äste, Um den Blüten nah
zu sein. Sie strahlen
Sonnenwärme aus, Und einen eignen
Duft Entdecke ich auf
deiner Haut. Die andre Frau, Die auch Gedichte
schreibt, Ist mir im Ohr. Man hat sie für
die Schreiberei verhaftet. Die würd über
meine fade Lyrik lachen. |
Sie kämpft gegen
Politik und gegen Schwachsinn, Gegen
Menschenfresserei Und gegen
Strahlensterben. Unter einem
andren Blütenstamm Steht noch ein
Mann, Der ist nicht alt Und ist doch halb
gelähmt, Gestützt auf
einen Stock, Und völlig
hilflos An den Baum
gelehnt. Den holt man
nicht mehr ab. |
|
Ich hatte es nun so oft angesprochen, Dass es
unaussprechlich wurde, Ja, es war zum
Unaussprechlichen an sich Geworden. Nun, da ich es
dir beschreiben möchte, Und da ich es
andren zeigen möchte, Nun, da ich das
Unaussprechliche Aussprechen
möchte, Ist die Chance
vertan. Was bleibt, ist
der Verzicht. Ein Beispiel: Ich schau aus dem
Zugabteil. Die Züge fahren
hier in schneller Folge. |
Auf den Bahnsteig Eilt ein junges
Mädchen, Um den Zug noch
zu erreichen, Und es hat gar
keinen Abstand zu sich selbst. Das wird so
bleiben, Nirgends wird es
seinen Abstand halten. Und bei mir
Zuhause Wird an einem
Feiertage Staub gesaugt. Die Ruhe dieses
Tages Habe ich gekauft Und mir Gedanken
aufgehoben. Nicht einmal von
ihnen Hält man Abstand, Und der Lärm der Reinlichkeit Saugt die
Gedanken auf Und jagt mich auf
den Haublock einer Richtstatt. |
Nichts hab ich
verbrochen, Und ich flehe
diesen Henker an, Der Feiertags
nicht köpfen darf, Doch heute
ausnahmsweise seines Amtes Schnell zu
walten. Der vertröstet
mich auf morgen. |
|
"Das,"
so sagtest du, "stimmt nicht, Denn es ist nur
im Traum gewesen," Und ich konnte
mich auch nicht erinnern. Dir im Traum Lag ich im
Schlaf, Und du warst um
mich her Mit Reisevorbereitungen
beschäftigt, Und die Koffer
hattest du gepackt Und hattest über
alles nachgedacht Und auch an mich
gedacht Und an die
Zukunft., Und ich fragte
nach, Weil ich auch an
die Zukunft dachte, Und du zeigtest
mir die Liste Aus dem Traum, |
Die hattest du im
ersten Wachen abgeschrieben, Weil es doch viel
Zeit ersparte, Und die Liste war
perfekt und fehlerfrei, Und nichts,
fandst du heraus, War frei
geblieben, Und du hattest,
das gestandst du noch einmal, An mich dabei
gedacht, Und es sei gut, Dass ich im
Schlaf gewesen sei, Obwohl du
wusstest, dass es doppelt Schlaf, Mein Schlaf in
deinem Schlaf Gewesen war. |
Als ich dann
aufstand, einfach ging, Riefst du mir
etwas nach. Mag sein, Dass du den Traum Noch immer
träumst. |
|
Und ich durfte
sie betreten, Als ich dich
besuchte. Du, so sagtest
du, Würdst auch gleich
kommen, Und du seist ja
ohnehin Schon rundherum und
um mich her. |
In deiner
"guten Stube" Suchte ich sofort
nach dem, Was
"gut" war an der Stube, Und es herrschte
Sauberkeit, Und eine
Reinlichkeit bewegte sich Als schwere
Flüssigkeit, Die, einmal in
Bewegung, nicht mehr still stand, Sie bewegte sich als
kleines Meer, Das pausenlos mit
seiner Brandung An die Wände
schlug. Dort hingen
Bilder, Die, sich selbst
genug, Nichts mehr
bebilderten. |
Ich fand das
"Gute" Dieser Stube
nicht Und hob den
Teppich an, Sah unter einen
Tisch Und unter jeden
Stuhl. Ich drehte eines
dieser Bilder um Und stieß auf
eine dieser Fragen, Die galt mir, die
war von dir, Die maßtest du dir an: "Denkst du,
selbst unter Gegenständen, An die Sehnsucht
zwischen Mann und Frau, Bist du, in mir,
mir noch nicht nah genug?" |
|
Du erinnertest dich noch ein Mal An deinen Traum, In welchem wir
auf Reisen waren Und in welchem du
um meinen Schlaf herum In Wachheit reistest Und die Koffer
packtest Und den neuen
Gästen sagen musstest, Dass sie sich
gedulden müssten: "Unser
Zimmer wird gleich frei. Ich packe schon, Und meinen Mann
möcht ich Noch schlafen
lassen, Weil er nicht in
Wahrheit schläft. Er schläft in
meinem Traum, Den kann ich
nicht so einfach enden lassen." |
Ja, ich konnte
mich erinnern. Heute fiel mir
alles ein. Ich lag in deinem
Traum im Schlaf Und kam mit dir
an deine Tür, an unsre Tür, Um einzuziehen, Denn es war ein
Zimmer im Hotel, Das durften wir beziehen, Und ich kam, um
mich zu wecken Und kam nicht an
dir vorbei, Und du und diese
Frau An meiner Seite Wurden eins. |
Ihr wart
geschickt mit mir, Dass ich sogar
vergessen konnte. Jetzt erst fällt
mir alles wieder ein. Ich seh mich immer noch Im Schlafe
schlafen Und in deiner
Tür. |
|
Dass du den
Eintrag machtest. Ich nehm an, Es ist dein
Tagebuch gewesen, Das vor dir und
aufgeschlagen lag. Du schriebst
direkt aus deinen Augen ab. Die lagen gleich
daneben. Deshalb sprach
ich dich nicht an, Du hättest mich
im Schreiben Und im Lesen, wie
du schriebst Und wie du last,
nicht sehen können. Meine Tagebücher
schrieb ich anders. |
Meine Augen
gingen dann In mir verloren, Und ich hatte oft
sehr lang damit zu tun, Sie wieder zu
entdecken, So wie jetzt. Ich war zu nah an
dich geraten, Und sie hatten
uns verwechselt. Du schriebst also
von mir ab, Durch meine Augen
sahst du ein Erleben, Das hieltst du
für deines, Und last nach. |
Ich sah nun wie
viel mir Durch dich
verloren ging Und sah auch ein, Dass es in einer
Richtigkeit geschah, Die ließ uns das
Gemeinsame gemeinsam werden, Ohne uns noch mit
uns zu vergleichen, Und ich sah
umsonst auf dich durch deine Augen. |
|
Dann kommst du
dazwischen... Ich geh gleich. Die Tür ist zugesperrt, Ich kann nicht
fort. Dann komm ich
eben heim. Du kommst
dazwischen. Nun, dann geh'
ich durch dich durch. Du hältst den
Rock dazwischen: "Nicht am
Morgen," sagst du, "Nicht schon
wieder". |
Ich steig auf das
Dach. Es geht nicht
weiter. Du stehst hinter
mir: "Du bist
verrückt. Komm gleich
zurück." Ich komm' zurück. Du stehst auf
meinem Weg nach unten. Das ist
ungerecht, Und wäre nicht
dein kleines Haus Mit Menschen
angefüllt, Ich zählte dich
allein schon dreimal, Mich genauso oft,
Und von Sekunde
zu Sekunde wächst die Anzahl. |
Wäre dieses
kleine Haus Nicht mit uns
angefüllt, Dass ich mich
dauernd vor mir Bloßgestellt und
ausgezogen schämen müsste, Würde ich dich
auch am Morgen Auf der Treppe
nehmen, Und du hieltest
nicht den Rock Und dich
dazwischen. |
|
Die Kiste, Ganz und gar aus
Kampferholz gemacht. Man hatte nie
hinein geschaut. "Die Kiste
ist ganz leer Und was sie
aufbewahrt, Ist eine dumme
Weisheit," Und man lachte
über eine Unbekannte
Klugheit. Du hast mich
gezwungen, ohne es zu wollen, Eine Neugier
auszuüben, Und du sagtest
so: "Die Frage
nach dem Sinn des Lebens Ist die Frage
nach dem Un- Sinn, Und wer gibt
schon gerne zu, Dass er im Un- Sinn lebt, Und dass es
zwischen Sinn und Un- Sinn Keine Grenze
gibt, Wer gibt schon
gern sein Leben An die
Kunst." |
Ich musste also
jene Kiste öffnen. Ja, du wusstest
über ihre Existenz In mir Bescheid. Sie war fast
leer, Und auf dem Boden
lag ein Zettel, Darauf stand: "Mein Leben
ist Erlaubnis, Und den Keim des
Todes darf ich in mir tragen, Als die Garantie
dafür." |
Ich sagte nichts
davon zu dir, Du fragtest auch
nicht nach. Viel später erst
kamst du darauf zurück. Es war auf einer
Autobahn, Die wir befuhren Und mich überkam
totale Freiheit, Mehr als das
Gefühl, war es schon Existenz. Du sagtest später
von dir selbst: "Ich war im
Irrtum, Denn ich dachte
doch sekundenlang, Dass ich allein
im Auto säße. Auch den Wagen
lenkte niemand." |
|
Du sahst den
Menschen auf den Mund Und tatst, als
sprächen sie mit dir, Das schriebst du
auf. Von mir schriebst
du: "Ich ging
Versteinerungen zu begießen, Und ich traf auf
seinen Mund, Der war aus
Stein. Die Formen waren deutlich
zu erkennen, Und er sprach auf
seine Art zu mir. Ich sah, wie
schlimm Er unter der
Behinderung zu leiden hatte. Wasser brachte
nichts bei ihm; So resignierte
ich zum Schluss, Ich war zu spät
gekommen. |
Lange rief er mir
noch nach." Sie schrieb die
Wahrheit. Alle ihre Briefe Ließ ich ohne
Antwort liegen, Weil ich keine
Anschrift hatte. |
Die war auch In meinem Mund
verschlossen. |
|
Es ist die
Müdigkeit in dir und gähnte, Und es kam ein
Mann, Den kannte ich
schon lange. Beide fuhren wir
in einem Zug, Und alles dauert
nur wenige Sekunden. "Gähnen",
sprach er, "Ist ein Zeichen
höchster Spannung, Die verbraucht
den Sauerstoff, Und das bewirkt
den Hunger nach der Luft." |
Er hatte Recht. Ich lebte in dem
Neugefühl Der Solidarität
mit Dingen, Und ich hatte die
Verfremdung Hinter mir
gelassen, War in eine Fremde
vorgedrungen, Die nur noch aus
Gegenständlichkeit bestand, Aus Sachzwang. Dieser Mann war
als Gefahr für mich Auf meinen Weg
gestellt. Ich sagte so: "Ich bin
nicht ich, Ich fürchte, Sie
verwechseln mich mit mir. Ich kenne
niemanden wie Sie." |
Der Mann zog sich
zurück Und sah in einem
fort zu mir. Ich musste noch
ein wenig warten. Alles dauerte,
das sagte ich, Sekunden. Dann sprang ich
so hoch es ging Und warf mich auf
den Boden, Dass ich überall
zerbrach. Nun konnte er mir glauben Und dem eignen
Irrtum. Meine Scherben Ließ ich liegen. Niemand würde
sich bekümmern müssen. |
|
Das ich verloren
hatte. Alles hätte ich
verlieren dürfen, Und von allem Konnte ich mich
leichten Herzens trennen, Nur nicht von den
Worten. Jedes Wort, das
von mir ging, War an den festen
Platz gestellt Und hatte dort zu
bleiben. So war meine
Wortschar eine Einigkeit, Die lebte von der
Nachbarschaft, Und jede
Nachbarschaft war unersetzlich, Und es fehlte nun
ein Wort. |
Von dir erfuhr
ich folgendes: "Das was du
denkst Und deine
handgeknüpften Teppiche Sind mir zutiefst
zuwider, Und ich mag nicht
sehen, Wie du daran
arbeitest Und mag nicht
sehen, Wie du diese Art
der Netze spinnst, Und was du damit
einfängst, Kann nichts
taugen." |
So ging mir das
Wort verloren. Auf dem Weg durch
meinen Mund Ging mir mein
Wort verloren, Sonst hätt ich
doch irgend etwas Zu dem Vorwurf
sagen, Dir entgegnen
können. So gefährlich war
es also, Wenn man mich in
Frage stellte. |
|
Fragen
auszufragen. Später saß ich in
der Bahn. Die Leute neben
mir Besprachen den
Erfolg. Ich hatte dich
vor Augen: Deine Technik,
eine Armbanduhr, Verzierte eine
dünne blaue Ader, Die lief fort aus
dem Gehäuse, Über, unter eine
blasse Haut, Verzweigte sich Und schimmerte
als Flüsschen, Das aus größter
Höhe sichtbar wurde, Unter unberührtem
Sand. Ich sah bis auf
den Grund. |
Von hier, aus
meiner Höhe, Sah ich auch auf
ein Gebirge, das sich anschloss. Eine unbekannte
neue Sonne Tauchte alles in
Türkis Und zündete in
einer Meeresbucht Ein Leuchten an. Nun hörte ich, Dass du mir
Fragen stelltest, Und ich hörte meinen
Mund, Der redete und
redete und sprach von mir. |
Es war doch
leider so, das warf ich ein, Dass ich von mir
nur reden konnte, Wenn ich von mir
sprach. Dann, als wir
draußen waren, Musstest du dich
schützen, Und vor eines
deiner Augen setztest du, Um nah an mir zu
sein, ein Teleobjektiv. Das andre Auge
sah nach innen. Dort begegnete
ich ihm ein zweites Mal. |
|
Zwei Tage waren
in der Wahl. Du drehtest dich vor
mir Und zeigtest
deine Vorderseite, Dann den Rücken, Und du blicktest
bei der Rückenschau Nicht zu mir hin. Ich bat dich noch
einmal zurück Und wieder so, Dass du dich von
mir wandtest. Eingestehen
müsste ich dir, Welches meine
Vorderseite ist. Zwei Tage waren
in der Wahl. |
Du hattest nicht
zu wählen, Und du fragtest
nicht. Dann hattest du
mich überzeugt. Es war dir
gleich, Und den Betrug
verstandst du nicht Und ludst mich
einfach zu dir ein. Mit mir, so
sagtest du, Sei alles in der
Ordnung, Und ich hätte, Weil ich doch im
Vorrecht wäre, Freie Wahl. Noch einmal
zeigtest du dich Von den beiden
Seiten. Jeder Unterschied war nun verschwommen. |
Du, ein Kreisel,
drehtest dich vor mir. Ich rief dir zu: "Stütz deine
Hände in die Hüften, Das bringt
Sonne." Alles machtest du
für mich Und glühtest auf. Nicht anzufassen
war die freie Wahl an dir. |
|
Die Worte lebten
in den Jahreszeiten. Allerdings
vergingen die in einer Reihenfolge, Die ich nicht
verfolgen konnte. Was ich heut Im Frieden zu dir
sagte, Löste morgen eine
kriegerische Wolke aus, Die legte sich
auf deine Stirn, Und Sturm und
Regen Schleuderte dein
Mund. |
Zu andrer Zeit
riss dir dasselbe Wort Den Sonnenvorhang
auf, Dass ich vor
dieser Plötzlichkeit erschrak. Vor Jahren hatte
ich gelesen, Dass sich Künstlerinnen
die Vaginen In Keramik
nachgebildet hatten, Sie in
Tellergröße brannten Und dann einen
Tisch mit ihnen deckten. |
So gedachten sie
einander, Denn es waren
auch auf den Servietten Frauennamen
eingestickt. Das Kunstwerk
nahmst du an. "Es war
symbolisch," sagtest du, "gemeint." Ich dachte an die
Küsse, Die für deinen
Schoß gesammelt waren. Sie verbrachten
deinetwegen Einen dummen
Herbst In meinem Mund. |
|
Ich halte eine Uhr in meiner Hand. Es ist nicht eine
Uhr, Wie du sie
kennst, Wie ich sie kenn, Es ist das
Schwimmen Ohne Vorwärtskommen
in dem Sand, Es ist nur ein
Gefühl Und wird zum
Zeitgefühl Und wird zu dem
Gefühl der Zeit, Die lässt sich so
berühren. Kannst du anders
Zeit berühren, Als in der
Sekunde, Wenn sie stehen
bleibt? |
Am
Frühstückstisch entstand vor dir, Weil wir so nah
am Fenster saßen, Dieses Hinterglasportrait, Die Spiegelung
von dir, Die zeigte dich
ganz anders. Warum hatte ich
dich niemals Hinter Glas
gesehen, Niemals richtig
hingeschaut. |
Mir fiel auch
ein, Dass du mir
einmal zugerufen hattest: "Sieh dich
vor vor meinem Zweitgesicht, Das hat mit dir
zu schaffen." Deine Zeit kam
noch von hier, Und deine Worte
waren noch an meinem Ohr, Doch du warst
längst schon Drüben auf der
andren Seite, Und du lebtest
dort. |
|
Du hieltst mir deine Hand entgegen, Und ich sah, Und ich erschrak, Dass dir ein
Finger abgetrocknet war, Ich sollte ihn
entfernen: "Er ist
abgetrocknet, Brauchst ihn mir
nur abzubrechen." Niemals würde ich
mich so an dir vergeh'n Und sagte: "Gleich, ich
komme gleich dazu. Ich muss noch
einiges bedenken," Und ich dachte über
das Geschehen nach. |
Der Finger war
vielleicht ein Anfang, Später käme dann
die ganze Hand, Der Arm, ich weiß
nicht, was noch alles, Und die
Trockenheit Vermochte dich
vielleicht ganz auszutrocknen. Andrerseits, so
dachte ich, War ich vielleicht
grad aufgewacht Und hatte nichts
bemerkt, War durch den
Schlaf verhindert worden Etwas zu bemerken Und bemühte mich
umsonst, Ließ mich umsonst
bemühen, Stand vor einem
Rest, der sich bemühte, Vor mir zu
verschwinden, Und ich war zu
früh erwacht. |
Vielleicht
hieltst du den Finger hingestreckt Und wolltest mich
zur Unbedachtsamkeit Verführen. Mocht auch sein, Dass dir ein
trockner Zweig Versehentlich ans
Licht gebrochen war. So hielt ich ein Und dachte auch
an meine Schuld dabei. |
|
Der verstand das
Netz zu flechten, Und ich ließ ein
Netz, für "Fischfang",
sagte ich, Von ihm
erstellen. Das bezahlte ich Und zog es in dem
Garten über einen Balken Und den Balken In die größte
Höhe, Dass das Netz als
Segel senkrecht hing Und so nichts fangen
konnte, Selbst der Wind
stand nicht darin. |
Das Segel, das
kein Segel war, War mir ein Netz, Das konnte ja
nichts fangen. Du verstandst
mein Handeln nicht. Ich sagte: "Wenn dies
nicht die beste Sprache Für mich wäre, um
mich auszudrücken, Würde ich
natürlich eine andre wählen." |
Du verstandst
mich wieder nicht, Du zwangst mich
also, Meine
Zeichensprache zu ergänzen. So stieg ich ins
Netz Und blieb in
halber Höhe In den Maschen Und mit einem
Seil band ich mich an Und richtete mich
ein, So gut es ging. Du dachtest nun
zu Recht, Dass ich wohl
alles deinetwegen machte, Und du sagtest
noch, bevor du gingst: "Ich habe
damit nichts zu tun." |
|
Nichts blieb von mir unversucht. Ich setzte alles,
was ich kannte, Der Versuchung
durch mich aus. So ging ich ins
Museum, Ins Theater, Sang in einem
Chor Und war
Familienvater. |
Das Museum blieb
Bewahrer, Ich erfuhr nicht
ein Geheimnis, Das Theater blieb
mir fremd, Die Trennung
zwischen Publikum und Bühne War nicht
aufzuheben, Selbst im Chor
stand ich als Einzelfall, Der ging nicht
unter in der Menge. Den Familienvater
glaubte ich mir nicht, Selbst Dokumente,
die ich hatte, Konnten mich nicht
überzeugen. |
Meine Wiesen
mähte ich mit meinen Füßen, Und in Steine
konnte ich Ganz ohne jede
Mühe beißen. Die Versuchung
war sehr groß Und nützte
nichts. Ich sagte immer
wieder zu mir selber: "Wiesen kann
man nicht mit Füßen mähen, Und in Steine
kann ein Mensch nicht beißen," Und ich gab nicht
auf. |
|
Die befand sich
morgens früh Auf meinem Weg Und war mit
Händen anzufassen. "Das ist
also meine Frage," dachte ich Und sah zum
Himmel. Dort entdeckte
ich zwei große Entenvögel, Die die Flügel
hastig schlugen Und in spitzen
Pfeilen eilten, Dann ganz
unverhofft Auf einem
Spitzdach, einem Giebel, landeten. |
Ich rief zu
ihnen: "Ihr
befindet euch im Irrtum, Euer See kann
hier nicht sein." Die Frage brach
im Weg zusammen, Ohne sich
gestellt zu haben Und versickerte
im Handumdrehn im Sand. Die Entenvögel
flogen plötzlich auf Und waren fort. |
Ich würde sicher
lange warten müssen, Um der Frage
wieder zu begegnen, Und ich wusste
nicht Bescheid. Ich stellte auch
den Menschen, Die mir nahe
standen, Meine Frage nach
der Frage, Ob sie selbst
vielleicht.... |
|
Wenn einem
Menschen etwas fremd wird, Wird ihm
schließlich alles fremd. Ich war in
fremder Stadt. Die war mir fremd
gewesen Schon bevor ich
ankam, Fremd war ich in fremder
Nacht, Ich hatte meinen
Alltag nicht verlassen. Ja, die fremde
Stadt war Gast bei mir, Sie war ein Ding
auf Wanderschaft, Ich konnte mich
dagegen überhaupt nicht wehren. |
Zwischen Stadt
und fremder Nacht Fiel aus dem
Fliederbusch Der Duft auf mich. Den kannte ich,
der war mir sehr vertraut Und heimatlich Und war, wie alle
Dinge, in Bewegung. Dinge waren auch
die Dinge, Die nicht
dinglich waren. |
Sollte man ein
Kind, Das mit zwei
Köpfen lebte und gesund war, Töten? Viele sagten ja. Ich dachte
schnell an mich Und wie
gefährlich meine Liebsten waren, Wie ich Tag und
Nacht durch sie gefährdet war, Am meisten durch
mich selbst, Durch meinen
zweiten Kopf, Ein Ding, Das ständig auf
der Suche nach mir war, Um mich mit mir
zu jagen. |
|
Erzählte ich von
mir. Ich fing von
vorne an, Damit sie mich
verstehen konnte. Nachher sagte
sie, weil sie mich gut verstand: "Sie haben
also meinetwegen Mit dem Ende
angefangen, Dass ich sie
verstehe." So ertappte sie
mich schnell. Ich schwieg und
sah durch sie hindurch. |
An ihrem Glashaus Waren keine Risse
zu entdecken. Drinnen führte
sie den Haushalt, Den sie für sich machen
musste, Und ich dachte: "Sie ist
nicht so schlimm, Dass sie in
Tötungsabsicht lebt." Von außen war sie
schön, Fast lieblich
anzusehen. Statt der Antwort
fragte ich: "Wie lebt es
sich, Wenn man in sich
alleine lebt, Wenn man vom
Töten leben muss." |
Sie sagte: "Seien Sie
mein Gast, Das Ende ist
vorbei, Wir sind am
Anfang, Und wir können
neu beginnen. Hinter Glas sieht
man uns nicht." Sie hätte mir
noch sagen müssen, Wo bei ihr der
Anfang und das Ende waren, Denn das
"Wir" War sicher eine
Falle, Die sie stellte. |
|
Weil ich hungrig
war. Es war ein Essen, Das ich mir nicht
wünschte, Aber dringend
brauchte. Jemand fragte: "Wo
entstehen die Gedanken? Kann es sein, Dass sie den
Ursprung Nicht in unsren
Händen haben, Sondern in dem
Mund, In einer Art von
Innenhänden, Die dem Mund so ähnlich
sind?" |
Das Essen, das
ich nehmen wollte, Wich mir aus, War nicht zu
fassen. Jemand reichte
einen Teller, Gab mir ein
Besteck, Dass ich nicht
völlig hilflos bliebe, Doch es nützte
nichts, Das Essen war
nicht zu erreichen, Und ich gab es
auf. |
Man dachte ich
sei satt Und räumte ab. Ich hätte mich
bedanken sollen, dachte ich, Und dachte auch,
wofür, und sagte: "Danke für
die Speise." Und man nickte
höflich: "Nein, Sie
dürfen uns nicht danken, Das ist doch
nicht richtig, Sondern wir bedanken
uns bei Ihnen, Denn es war ein
gutes, großes Mahl, Und ausgewählt
war jede Speise." So, denk ich, Entstehen die
Gedanken. |
|
Jahrelang hing ich an einem Band. Das war mir immer
lang genug Und nie zu kurz
gewesen, Gab gelegentlich
auch nach, Und heute hatte
man es heimlich Durchgeschnitten. Neben jenem Schnitt
lag noch das Messer, Das nahm ich in
meine Hand. Es sah nun aus, Als hätte ich den
Schnitt getan. Es wär ein
Schnitt an mir gewesen. |
Mit dem Messer in
der Hand Hätt ich nicht
klagen können, Und ich hätte
mich auch wegen dieses Schnittes Nicht beklagen
können, Denn er machte
mich ja frei Und gab mir eine
Freiheit, Die ich sonst
nicht hatte, Eine wahre
Ungebundenheit band mich an sich. |
"So,"
könnt man sagen, "Stelle ich
mir meine Freiheit vor. Man muss doch
sehen, zeigen können, Wo sie anfängt,
wo sie endet, Und sie in die
eignen Hände nehmen können." Alles ging so
schnell, Vom andren Ende
war nichts mehr zu sehen, Es war nicht mehr
zu erreichen, Und ich würde
nicht einmal mehr Einen Knoten mit
ihm schlagen können. |
|
Dass sich die
Erde abends in dem Weltall drehte, Weil ich sie nur
abends sah, Sie stand als
Mond in meinem Fenster, Drehte sich Und ließ mich
spüren, Wie entfernt ich
von ihr war. Die Erde ist nicht
alles, dachte ich, Und würde gerne
laut erklären, Was mich auf die
Reise schickte, Welchem Zwang
nach Ferne, Welchem Zwang
nach Einsamkeit ich unterlag. |
Ich war hier ganz
allein Und lebte in dem
Haus Mit euch auf
dieser Erde. Meinen Abstand saht
ihr nicht, Ihr dachtet
höchstens: "Manchmal
scheint es, dass wir stören," Doch ihr drangt
in mich, Obwohl ich
draußen war. Ich hielt mir
beide Ohren zu. Ihr wart nicht
einzusperren Und nicht
auszusperren. |
Meinetwegen hatte
ich den Taschengott dabei, Der war mir stets
zur Hand Und war doch nur, Damit ich mich um
irgend etwas kümmern konnte, War ein Kümmern
um mich selbst Und brachte
weiter nichts. So spielte sich
die Welt, Die immer kleiner
wurde, Abends in dem
Fenster ab. Das Fenster war
im Auge einer Frau, Die sollte ich
erst kennenlernen. Mir gefielen ihre
langen roten Haare Sehr, Darin lag schon
der Wind. |
|
Zu roten Sicheln
eines Doppelmondes. Zwischen beiden
Monden lag ein flaches Glas, Das trennte sie, Es war ein
Spiegel. Einer von den beiden
mochte also Lüge sein, Vielleicht war
auch das Glas nur eine Illusion. Ich stieß mit
meinem Finger Zwischen deine
Lippen, Stieß mit meinem
Finger auf ein Wasser, Das ich nicht
gesehen hatte, Und es breiteten
sich Ringe aus, Die liefen
schnell bis an den Rand Und zeigten, Dass du ganz und
gar nicht wirklich warst. |
Von kleinen
Kindern wusste man, Dass sie im
Spiel, Wenn sie sich
bäuchlings vor die Pfütze legten, Um hinein zu
schauen, Ohne Widerstand
darin ertrinken konnten. Die Verlockung
war sehr groß. Am Rande trugst
du dieses Goldherz, Das bestand aus
einer Doppelreihe Dunkelroter
Steine, aus Granaten, Die ihr Blut noch
tropfen ließen. |
Das erinnerte
mich An den Feiertag
in einer Religion. Du hieltst die
Hände Brav in deinem Schoß
gefaltet, Den verschwieg
ein schwarzer Seidenrock. An dir könnt ich
das Spiel der Kinder wiederholen, Wenn du nur den
unbedachten Augenblick Erlauben würdest. |
|
Wohnt denn das
Böse, Wenn nicht in uns
selbst. Das Böse ist
vielleicht von sich aus böse, Ist vielleicht nur
umgekehrte Hoffnung, Die stellt sich
zum Schein nicht gegen uns, Die macht sich
uns zu dem Besitzer. Eigenartig ist
die Bosheit, die man liebt. Sie wohnt in
völlig eignen Räumen, Die man kennt und
die man nicht betritt, Weil man sie
nicht betritt, Und woher, frage
ich, Kenn ich mich
darin aus. |
Die Bosheit kenne
ich mit jeder Eigenart, Mit sämtlichen
Facetten, Und ihr Schrecken
ist mir Angst Und die totale
Lust zugleich, Die Bosheit sind
die Dornen, Die sich langsam
in die Augen schieben, Und die Schreie
schreien fürchterlich. |
Tagsüber wunderst
du dich über mich Und sagst: "Du wimmerst
ja die ganze Nacht, Als tobten sich
Gefühle auf dir aus. Wohin vertreibst
du deinen Schlaf, Dass er nicht
wacht Und dich nicht
schützt. Ich kann dir keine
Hilfe geben." Und ich wusste
nichts von meinen Nächten Und bedankte mich
bei meinem Schlaf Für seine Milde. |
|
Wuchsen wieder
Ackerblumen. Lange hatte man
sie sehr gering geachtet. Ihre Leuchtkraft überstieg
bei weitem Jedes neue Licht,
das man dagegenhielt Und sagte: "Seht dies
Licht, Es zeugt von
völlig neuen Farben." Es war nichts
dagegen. Nichts war meine
Hand dagegen, Nichts mein Arm, Und die bewegten
sich doch als ein Teil Der wirklichen
Lebendigkeit. |
Die Ackerblumen
wuchsen an dem Bahndamm, Den ich schnell
befuhr. Es war nicht
denkbar, dass ich hielte Um sie zu
besuchen. Dich, du wirst
dich noch erinnern, Grub ich damals
mit den eignen Händen aus Und pflanzte dich
zu mir. |
Ja, damals war es
möglich. Heute liefe man
Gefahr Als Räuber die
Natürlichkeit zu schänden. Heute, wenn ich
Ackerblumen sehe, Denke ich, dass
es ein Fehler war. Du wuchst im
Kunstlicht auf, Das musste
schließlich Schaden bringen. Meine Tage sind vom
Licht durchlöchert Und total
zerstochen. |
|
Von einem grellen
Licht, Das sah ich
nicht, Das konnte ich
nur spüren. Unter mir, so
dachte ich, Würd ich es
finden, Und ich drehte
mich Und sah in meine
Kissen, Sah in eine
Mulde. Eingepresst von
meinem Hinterkopf Fand ich dort ein
Relief aus Gips, Das stand in
weißem Licht. Es war ein Hohlrelief, Mit dem Profil
nach innen. Es war dein
Gesicht, Du wehrtest dich
mit Tränen gegen mich, Nun hatte ich
dich wahrgenommen. |
Sprechen konntest
du nicht mehr. Die Tränen
standen durchsichtig und klar In deinen Augen,
eine echte Flüssigkeit, Die tupfte ich
dir ab. Ich sah ins
Nachbarbett, Dort lagst du
tief im Schlaf, Ich konnte dich
nicht stören. Im Relief schob
sich dein Zeigefinger Auf den Mund: Ich sollte
schweigen und ich schwieg. Du schwiegst im
Tränenflor Und ich im
Unverstand. |
Dein Finger hatte
deinen Mund verlassen. Außer dem Gesicht War nichts von
dir in meinem Bett. Ich neigte mich
zu deinem Mund, Der lag tief
eingebettet, Und ich legte
Mund auf Mund. Am Morgen sagtest
du, Du hättest eine
schlimme Nacht verbracht, Ich hätte dich
mit einem viel zu langen Kuss Im Bett erstickt. Du hättest mich
mit gar nichts Rühren können. |
|
Fiel ein wenig
Dunkelheit ins Fenster, In das Zimmer. Ja. ich hatte
mich erinnert an den Tag, Der hatte dunkle
Augenblicke mitgebracht, Die standen noch
einmal im Raum. Ihr saht sie auch Und konntet sie
euch nicht erklären, Und ich wusste
gleich Bescheid. Ich machte also
meinen Tag zu eurem Tag Und sah, dass ich
zuviel verlangte. |
Ihr erklärtet
mir: "Soeben ist
ein großes Ding In einem Zufall, Den man gar nicht
denken dürfte, Mit dem Schatten
über unser Haus geflogen. Sonst ist weiter
nichts." Ihr hattet sicher
Recht. Ein Tag ist
niemals wie er selbst. Derselbe Tag ist
nie für mich und dich Derselbe. |
Meine Sonne
brüllt als schwarze Scheibe Hinter einer
Schallwand, Die verwandelt
auch das Licht ins Weiß. Von Wesen, die im
Freien leben, Weiß ich es. Ich weiß es
sicher, Denn ich hab es
selbst gesehen und gehört. Ich darf es nur
nicht unter euch erzählen, Darf auch nicht
erzählen, Dass auf deinen
schönen Schultern Flügel wachsen, Die ich
leidenschaftlich gerne Ausgebreitet
sehe. Dazu muss ich
warten, bis du schläfst. |
|
Die Leute sprachen viel von Liebe, Sprachen von dem
Bleistiftstrich, Der schien durchs
Blatt Papier, Lag auf der
andren Seite, War von
unterwärts gezogen, Schien nur durch Und war nicht zu
ergreifen, War nicht
anzugreifen. Die, die ihn
gezogen hatten, Mussten auf der
andren Seite leben. Soviel wusste
man, Auch wenn man
Unterwärts nach oben drehen würde, Käme man nicht
ans Geheimnis, Auch, dass man es
nur durch "Davon reden", Nicht beschwören
konnte. |
Viele Leute
sprachen von der Liebe, Die sie für die
Liebe hielten, Und sie sprachen
Tag und Nacht darüber. Viele Leute
sprachen nur am Tage Von der Liebe, Nachts war sie
vergessen. Viele Leute
lebten nachts in ihrer Liebe, Und sie dachten
bis zum nächsten Abend Nur an sie. Man sagte so: "Die Liebe
wird den meisten ganz bewusst, Weil sich
Bewusstsein Durch die Liebe
steigert." |
Mir war alles
falsch. Ich stand in
hellen Flammen, Und ich wusste
nicht warum, Ich wusste nicht,
was an mir brennen konnte, Und mein Alter
hielt sich mir Die Hände vor die
Augen. Morgens zogst du Deinen
Morgenmantel vor mir zu. Dir war es lange
noch nicht spät genug Für heute Abend. |
|
Dass ich dich um
dich beneidete. Die andren Frauen
neben dir Beneidete ich um
die Eigenheiten, Die sie hatten,
so wie du Und andre
Eigenarten, Die sie ganz
alleine hatten, Und um derentwillen,
nur um ihnen nah zu sein, Ich alles auf
mich nehmen wurde, Jede Quälerei Und jedes
Gitterwerk, Das schöbe sich
dann Zwischen dir und
mir. Du konntest mich
mit nichts beruhigen, Das wusstest du, Und du
versuchtest es nicht erst, Und andren gab
ich nicht Gelegenheit dazu Und hing an
meinen Gittern. |
Hinter einer
langen Mauer lagen Gräber, Die schon lange
niemand mehr besuchte, Selten stieg von
denen jemand In Erinnerungen
auf, Und wer sich hätt
erinnern können, Lag auch schon
bei ihnen. Möglich, dass
sich Tote Überhaupt nicht
sehnen und erinnern. Niemand weiß, Ob nicht der
kleinste Augenblick Genau so lange
währt, wie eine Ewigkeit. |
Wenn ich im Auto
sitze Und mit dir an
meiner Seite Sehr schnell
fahre, Greife ich nach
deiner Hand. Du überlässt sie
mir. Ich sehe, ohne
hinzuschauen, Wie du sie mir
frei gibst Und sie von dir
trennst. Ich küsse
trotzdem ihren Rücken Und den Brunnen Auf der
Innenseite. |
|
Ich erkannte dich
nicht wieder. Erst, als wir im
Auto saßen, Und du so
beharrlich schwiegst Sprach ich dich
an: "Du redest
nicht Und sprichst kein
Wort. Es könnte sein,
dass du nicht hier bist. Gib dich zu
erkennen, Oder habe ich den
falschen Menschen eingeladen?" Die Verkleidung,
die du trugst, War innerlich. Ich sah nur
diesen Zipfel, Diese
Schweigsamkeit an dir. |
"Es könnte
dir passieren, Dass du wirklich
einen falschen Menschen Zu dir lädst, Du würdest es
nicht einmal merken." Einen Blick zur
Seite durfte ich, Schon wegen der
Geschwindigkeit des Wagens Gar nicht wagen. So sah ich dich
nur im Augenwinkel. Zweifel waren
nicht berechtigt, Aber innerlich... |
Ich sah in mich, Denn wenn die
Liebe sich entfremdet, Wird sich auch
das Selbst entfremden, Und ich sprach
mit mir Und wollte
fragen, Doch ich stieß
auch hier auf die Verkleidung, Und es war kein
Fest in mir. Du sagtest so: "Es ist zum
Schluss die Eigenliebe, Die die Treue
bricht, Sie lässt uns
ganz im Stich. Es geht dir
sicher so." Dein Platz war, Als ich anhielt, Wirklich leer. |
|
Sonst ergabst du dich mir ganz. Du sagtest so: "Ich bin mit
zwei Gesichtern Auf die Welt
gekommen. Eins davon bist
du." Du wusstest
nicht, Dass ich
inzwischen schon mit meinem Kopf An eine Wand
gesprungen war. Dahinter, sagte
man, Befindet sich ein
andres Land, Das breitet sich,
wenn man beharrlich ist, Vor einem aus, Man muss nur
diese eine Wand durchstoßen. |
Sonst war niemand
da, Der es genauer
wusste. Also war es dein
Gesicht an mir, auf mir, Das ich entfernen
musste. Als ich mich zu
einem Arzt begab, Erkannte der
sofort das Leiden, Und er riet mir, Ohne mir zu
helfen, Mich von mir zu
trennen: "Gehen Sie
für ein Jahr oder länger Aus dem
Haus." |
Er wusste nicht, Dass ich nach
Jahren in der Fremde Grade
heimgekommen war. Vielleicht, so
dachte ich, Müsst ich den Rat
befolgen. |
|
Und schlief. Ich sagte so zu
mir: "Da liegt
die Frau und schläft, Und es ist deine
Frau, die ist dir fremd, Und ihre Nähe ist
vergebens. Du bist nicht
vertraut, Mit einer
Einsamkeit allein zu sein." Ich wusste auch, Es lag in diesem
Bett Die eine
Einsamkeit ganz nahe an der anderen. Die eine aber
wusste nichts von sich. Ich holte aus dem
Keller eine Säge Und begann die
Doppelbetten Durchzusägen. |
Das tat ich nur
in Gedanken, Um die Einsamkeit
auf mich zu lenken Und sie zu
vertiefen, Mir vertraut zu
machen, Zog, auch in
Gedanken, Aus dem Zimmer
aus, Um mich allein
zurecht zu finden. Ich entdeckte,
dass sich meine Einsamkeit In allem
widerspiegelte. |
Selbst, als ich,
auch noch in Gedanken, In die Küche ging
und einen Teller nahm Und davon aß, Aß ich von dieser
Einsamkeit, Die schmeckte
fade. Meine ganze
Hoffnung setzte ich auf dich, Dass du
erwachtest, Dass ich dir von
meiner Nacht erzählen konnte, Und du sagtest
gleich: "Ich habe
nicht geschlafen, Sondern war die
ganze Zeit bei dir. Du bist sehr spät
zurück gekommen." |
|
Dort war nicht
eine Frage Nach dem
"Oben", nach dem "Unten". In dem Raum galt
ja die Schwerkraft nichts. Die Zeitung las
ich nach wie vor, Ich musste sie
nur richtig halten. Dabei dachte ich, Wenn ich sehr
lange draußen bliebe, Würde es am
Anfang nicht mehr Anfang sein Und auch am Ende
nicht mehr Ende, Und man müsste
schließlich Rückwärts denken
können Und es nicht
bemerken, Weil es
unbedeutend sei. |
Sehr oft hab ich Den Mangel meiner
Existenz bedacht, Er war der Grund
von Missverständnissen mit dir. Du riefst nach
der Vollkommenheit, Und andre wären anders, Und es wäre dir
das Heute Näher als das
Morgen, Und du lebtest
jetzt, in diesem Augenblick, Und erst im
nächsten wieder weiter, Unterschiedst
noch ganz genau, Was gestern war, Was heute ist, Was morgen wird. |
Du legtest die
Vollkommenheit in deine Grenzen: "Wenn du nur
ein wenig wärest, Wie ich mir dich
wünsche," sagtest du, "Du bist
nicht auszurichten." Ich hing schräge
von der Decke deines Zimmers In dem Raum. |
|
Über die
Lebendigkeit, Das machte mich
betroffen, Und es war ein
Nagel, Der ging durch
den Lebensnerv: Man schrieb von
mir Und meinem Leben. Alles hatte man
gerafft Und mit den Worten,
die es gab, Beschrieben, Und was blieb,
war eine Häufung Schwarzer
Zeichen, Die schnitt ich
dir aus Und sandte sie in
einem Briefumschlag an dich: "Dies bin
ich selbst," so schrieb ich, "Und ich
kann nun nicht mehr kommen, Weil die Schwärze,
die ich in mir hatte, Ausgelaufen ist. Sie wird sich
nicht so schnell Erneuern können. Dich werd ich, so
wie du warst, Erinnern." |
Gleich nach dem
Empfang des Briefes Riefst du an: "Ich habe
einen Brief von dir erhalten," sagtest du, Den hast du
abgesandt, Das steht auf
diesem Umschlag. Aber in dem Brief
befindet sich kein Brief, Nur
unbeschriebenes Papier, Als hätte man es
einer unbedruckten Zeitung Abgerissen, Sag, was hat das
zu bedeuten?" |
Ich erklärte es
dir so: "Es ist nicht
schlimm, Ich habe meine
Schwärze ganz verloren, Und es ist sehr
schwer das zu erklären, Es dir
auszudrücken. Du musst dich mit
etwas gutem Willen So an mich
erinnern." |
|
Und hielt dich
aufgeschlagen. "Die Kapitel
über dich," so sagtest du, "Sind
ungeschrieben." Deshalb suchte
ich. Ich dachte auch, Sie wird sich gut
erinnern Und sie nimmt
dich wahr Und wird sich
etwas für die Zukunft mit dir denken Oder wünschen, Und es gab noch
keine Karte über sie, So war ich auf
sie angewiesen. |
Jeder Schritt in
ihr begann in Dunkelheit, Und nirgends
brannte Licht. Sie sagte: "So, wie ich
dich kenne, Wirst du meine
Helligkeit nicht sehen Und nur nach dir
selber suchen." Schlimm ist es, wenn man in
Fremden Auf der Suche
nach der Eigenliebe Unter einem
Oberlicht entdeckt und überrascht wird. |
So war wirklich
nichts zu finden. Einen Raum
schloss ich Mit einem
falschen Schlüssel auf. Darinnen standen deine
Wunschvorstellungen, Die waren unter
Staub Und unter
schwacher Sonne. Sie betrafen dich
und mich. Man hätte nicht
mit Fingerspitzen Daran rühren
dürfen, Ohne dass sie
gleich zerfallen wären. Gläsern waren
unsre Schuhe wieder. |
|
Ich fuhr mit einer Höchstgeschwindigkeit. In meinen Händen
war das Steuer Und die Angst, Und du bliebst
nicht zurück. "Es
ist," so dachte ich, "Auch kein
Zusammenhang zu sehen. Angst und
Höchstgeschwindigkeit Vertragen sich
sehr gut Und lassen sich
das Publikum nicht nehmen. Als wir tanzten
blieben meine Schritte stehen, Meine Füße gingen
mit mir fort, Ich hatte draußen Kerzen brennen
sehen, Das war weiter
nichts als Spiegelei Des Inneren, Und deshalb war
sie für mich wahr. |
Du stießt mich an Und tanztest mit
mir weiter. Autofahrerei und
Höchstgeschwindigkeit Und Angst und
Tanz und Spiegelung Und "Dich verlassen,
hinterlassen wollen," Ohne fort zu
gehen, Und sich deiner
Führung überlassen müssen... "Pass doch
bitte auf," Ja, so sprichst
du mit mir. Du greifst mit
deiner linken Hand Vor mein Gesicht Und ziehst die
Fäden fort; "Mit deiner
Träumerei Gefährdest du uns
alle." |
Ich denk' immer
wieder, Ob du deinen
Unterleib Aus Ton hast
brennen lassen. Wenn man dich
berührt, Kann man es nicht
bemerken. Später, Wenn es soweit
ist, Beachte ich nicht
diese Kleinigkeiten. |
|
Heute trägst du einen neuen Rock, Der steht dir
gut. Du trägst auch
eine neue Bluse. Schön bist du Und wenn ich dich
mit dir vergleiche, Bist du so am
schönsten. Von den Blumen,
die ich brachte, Glockenblumen,
deren Läuten man nicht hörte, Von den
Glockenblumen, die ich brachte, Brachte ich ein
ganzes Glockenspiel, Ein Läutewerk, Das hörte ich mir
nachts in aller Stille an. |
Ich saß davor am
Tisch. Es musste ruhig
sein, Im Licht war
nichts zu hören. Du passt gut in
diese wasserblauen, Himmelweißen
Glockenblumen. Eines ist gewiss,
nach drei, vier Tagen Fallen alle
Faltenröcke ein. Dann steh ich
auf, du kommst ins Zimmer Und trägst
wirklich einen neuen Rock Und eine neue
Bluse. |
Beides möchte ich
berühren, Doch du würdest
mich an eine Ampel schicken: "Lauf' nicht
einfach über diese Vielbefahrne Straße. Denk an die
Gefahr, Sei vorsichtig,
bleib drüben. Später komme ich
zu dir." Ich möchte auch
das Knistern deiner Seide Zwischen meinen
Fingern hören, Und du bist schon
wieder aus dem Zimmer. Zwischen uns wird
immerzu Verkehr verkehren. |
|
Ich ging mit euch, zwei Frauen. Ihr wart noch
sehr jung. Ich sprach zu
euch, Weil ihr doch
Frauen wart, Ihr hättet,
sagtet ihr, Schon eng an
einem Mann gelegen, Und ihr wusstet
weiter nichts zu sagen. Mit euch ging, um
euch gestellt, Ein Maschenzaun,
dass ihr gefangen bliebt, So wolltet ihr es
haben. Eure Flügel, sah
ich, waren stark beschnitten, Und ihr sagtet
unter euch: "Wir sehen
an dem Flugverbot, Dass wir in
festen Händen sind, Wir wollen es so
haben, wie es ist." |
Ihr wusstet
nichts von mir an eurer Seite. Auf der Straße
fanden wir ein Glück, Das hatten andere
verloren, Und ich sagte so
zu euch: "Es ist die
Eigenart des Glückes, Dass man es nicht
zwingen kann. Es läuft dem
Glücklichen Auf eignen Sohlen
nach." |
Ich hob das Glück
vom Boden auf, Es war ein großes
Glück mit einem Namen, Und mit euch im
Schlepp, Trug ich es dem
Verlierer nach. Der nahm es
wortlos, reglos, danklos, Glücklos,
unbewegt entgegen, Und ich sagte: "So sieht es
nun aus, Wenn man vergeben
muss Und nicht
vergeben kann." |
|
Ich hätte dich zu gern gefragt, Ich hätte dich zu
gern' gebeten Um die Hilfe auf
der Suche nach dem Flussbett, Das mir passen
würde. Alles konnt ich über dich erfahren, Und ich wusste, Dass du dich mit
deiner Freundin treffen würdest, Die statt meiner
zu dir ging. Ich gab ihr meine
Augen mit Und meine Ohren, Meine Nase, meine
Haut und meine Hände, Und ich würde
mich, entfernt von euch, So unbemerkt es
ging, verhalten. |
Dafür, um ganz
still zu liegen, Brauchte ich das
Flussbett. Ja, ich geb es
zu, Ich dachte nur an
dich dabei, Und wenn die
Freundin zu dir spricht, Sprech ich zu
dir, Und was sie an
dir macht, mach ich an dir. |
Ich fleh dich an, Lass alles zu, Lass mich in dir
als meinem Flussbett liegen Und zerfließen Und im Sand
versiegen. Später tausche ich
mit deiner Freundin Wieder Haut und
Knochen. Ja, ich muss sie
so betrügen, Denn für sie Wird kaum mehr
übrig bleiben. |
|
Dein Glasmund brach, zerbrach, Ich hatte dich
gewarnt: Du hättest nicht Das Trinkgefäß
aus Fleisch Zum Munde führen
sollen. So kam Leben an
die Starre, Glasmund brach am
Fleischrand. Die Gedichte, die
du sprachst, verirrten sich Und brachten dein
Gefühl Und deinen Trieb In allergrößte
Nähe. Diese Spannung
war nicht auszuhalten. |
Deine Splitter,
deine Scherben, Schnitten ein Und stachen tief. In meinem Fleisch
begaben sie sich Auf die
Wanderschaft und Suche nach dem Herzen. Immer wieder fandst
du einen neuen Weg Und ließt nicht nach. Du fandst auch
nicht Den Unterschied
der Himmel, Die sich auf uns
stürzten. |
Kinder, die uns
sahen, Malten ganz
spontan Und mit der
größten Phantasie ein Schiff Ein Schiff, das
unter Wasser lag, Es war schon halb
verfallen. Von den Kindern
können wir, Die an der
Oberfläche schwimmen, lernen. So jedoch, mit
Splittern in der Kehle, Ausgebrochnem Mund Und einer irren
Suche in der Dunkelheit Nach der
Lebendigkeit, Ist jedes
Kinderbeispiel Ganz umsonst. |
|
An einem Hang, Der stürzte sich
mit einem falschen Schritt In ungewisse
Tiefe Und lag vor uns
angelehnt an einen Berg. In Wahrheit aber
war es so: Du hieltst mir
deine Hand Geneigt und schräge
an die Wange, Um mich
abzustützen. Eine meiner Hände
lag in deinem Schoß, Wie sollte ich
die Liebe Anders an dir
rufen können. |
Du verstandst
dich gut Und hattest dich
mir überlassen. "Viel,"
so sagtest du, "ist noch zu tun. Ich hol mich
nachher wieder ab bei dir." Bei mir blieb
deine Schwester, Selbstverfremdung, Die schlug ihre
Beine über, Sonst kam sie mir
sehr entgegen. Sicher hatte sie
sich alles einstudiert. |
Wir machten
keinen falschen Schritt Und neideten dem
Berg Die Höhe nicht. Als du zurück
kamst, Waren wir noch an
der gleichen Stelle. Jetzt erst sprang
ich Über die
Begrenzung meiner Sehnsucht. Einem Aufschlag
eilte ich entgegen. |
|
Eine
Eigenlandschaft ging, so sagtest du, Um dich, und dass
du über Bäume, Büsche,
Blätter sprachst, Von Tieren, die
auf deiner Landschaft lebten, Von der Erde, von
dem Wasser, Von dem Feuer. Das, so sagtest
du, sei nur symbolisch, Beispielhaft, Um mehr
Verständnis für dich selbst Zu finden. |
Ich hab dir von
Anfang an Kein Wort
geglaubt. Ich sah ja, wie
du heimlich Deinem Körper
neue Adern zogst. Es ging dir nicht
um eine Landschaft im Vergleich, Es ging um dich
direkt. Die neuen Adern,
sah ich, Konnten nichts
erhalten, Sondern sie
veränderten und waren besser. Unterirdisch,
musste ich vermuten, Trugst du sicher
schon das ganze alte Leben ab Und schüttetest
ein neues auf, Das würde bald
nach oben brechen. |
So schlecht, wie
du vorgabst, Waren deine alten
Adern nicht. Ich dachte auch, Wenn erst dein
Herz erneuert wird, Bist du doch
selber neu Und lebst in
einer Landschaft eines fremden Gartens, Der war angelegt
von dir, Gepflegt von dir,
von dir erhalten, Und du hättest
nichts mit ihm zu tun. Du, eine Frau in
besten Jahren, Trugst den
federleichten Strohhut, Darauf wuchsen
frische Blumen, Die ernährten
sich von dir darunter. Sonst war überhaupt
kein Platz An dir. |
|
Wenn sie sich
begegnen, meine ich, Dann werden sie
sich grüßen. So ein Gruß wird
lange dauern, Länger als ein Menschenleben. Danach erst
beginnen sie Sich auszufragen
über Dinge Und
Begebenheiten, Die wir Menschen
nicht verstehen können. Auf dem Friedhof Finden diese
Reden unter Steinen statt. Ein Grabstein, Den man seit
Jahrzehnten sah, War von den
Wurzeln einer Eiche, Schließlich von
dem Stamm des Baumes, Den man damals
viel zu nahe pflanzte, So umschlungen
worden, Dass der Stein im
Wachsen dieses Baumes Angehoben wurde, Und er lebte nun
in der Umklammerung Und über seinem
Boden In der Luft Im Baum. |
Der Abstand war
nicht groß, Und trotzdem
sagte man: "Auf diesem
Friedhof gibt es einen Grabstein, Der lebt ganz
entwurzelt in den Wurzeln In der Luft Im Baum Und zeugt von Tod
und Leben." Viele Menschen
kamen Um ihn zu
besuchen. |
Abends, wenn ich
eilte, Um aus deiner
Hand zu essen, Dachte ich an
dieses Kunststück: Wie wär es zu
schaffen, In die Hand, Die du mir so
entgegenstrecktest, Unter meine
Speise, Die schon darin
lag, Den Kuss zu
legen. Immer wieder
schlug ich dir im Ungeschick Zuvor das Essen
aus der Hand. |
|
Du zu sein. Ich würde so erfahren, Ob sich deine
Liebe wirklich konzentrierte, Oder ob es nur Die Sehnsucht
nach dem Unerfüllten war, Die in dir tobte. Ich vermied dich
lang, Um nicht im
Übergang in dich zu flüchten. Von der Straße
sah ich hoch Zum spitzen Turm
der Kirche. Der stand
zitternd in dem Flimmern einer Sonne Dicht dahinter. Die war nahe
dran, so sah ich es, Ihn in sich
aufzunehmen. Meine Augen
unterschieden immer weniger Das Schwarz des
Turmes Von dem grellen
Goldfluss, Und der Turm
entschwand dem Blick. |
Ich schloss die
Augen Und wurd Opfer meiner Neugier, Wurde aufgesogen, Und vor meinen
Augen tanzte eine dumme Blendung. So erfüllte sich
mein Wunsch Und war doch
nicht Erfüllung. "Manchmal,"
sagtest du, "Siehst du
mich an, Als blicktest du voll
Lust am Untergang In eine Sonne Und vergisst,
dass ich die Nacht bin, Die sich eigne
Lichter schaffen muss." |
Die Glut in ihr
stand still Und war geronnen. Niemand konnte
eine neue Liebe Prophezein. Ich ahnte nur, Dass sie in einer
großen Selbstverbrennung Stand, Die war nicht
aufzuhalten Und nicht zu
erfüllen. |
|
Und es wär dir
schon genug, Um mich zu wissen,
sagtest du, Und legtest mir
zur Sicherheit Die Arme als den
Ring um meinen Hals, Und meinem Mund ließt du an dir Die große
Auswahl, Bis du wieder
kommen würdest. Tag und Nacht lag
ich vor deinem Mund Und deiner Brust
und nahm nicht an. Es dauerte, Bis du dich
wieder sehen ließt, Dann löstest du
den Armring ab von meinem Hals. |
So waren deine
Wünsche. "Wie,"
so fragte ich, "Soll ich
von deinen Wünschen etwas ahnen, Wenn du sie sich
selber überlässt, Sie hängen mir am
Hals Und lassen mich nicht
atmen. Ginge ich in's Wasser, Wären sie kein
Rettungsring." |
Es waren meine
Zweifel, Die nach unten
zogen. Später, als wir
lernten, Weil du lernen
wolltest, Stießen deine
Finger in mein Fell Bis auf die Haut, Und meine Finger
suchten jede Nische an dir auf. Wir wurden Lava,
so erinnerte ich mich, Und flossen
ineinander. Diese Zeit war
kurz Und führte zur
Versteinerung. Die lastet heut
auf uns. |
|
Stand nur eine
schwarze Wolke, Eigentlich hätt
ich sie gar nicht übersehen können. Daher kam ein
Blitz, Der traf mich
ahnungslos. Du riefst mich an Ich ging zum
Telefon Ich hatte jeden Tag
an dich gedacht, Und jeder Tag war
eine neue Quälerei gewesen. Ja, ich hatte
Angst vor dir Und gab es zu Und musste sie
erklären Und erklärte sie
umsonst, Du glaubtest
nichts von dem. Ich musste mich
dir zeigen, wie ich war. |
Der Apparat, Nach dem ich
griff, zu hören, War der
Blitzschlag selbst, Der traf mich
hart. Du warfst den
Hörer unerwartet in die Gabel, Früher, als
gewollt. Ich hatte dir
noch vieles sagen wollen, Doch ich stand im
Strahl, Der sich an mir
mit mir verbrannte. Dann erst fiel
mir ein, Was ich dir hätte
sagen können. |
Draußen stand ein
Rollstuhlfahrer, Der mit dem
Gefährt Nicht über diese
kleine Schwelle kam. Man redete ihm
ein, Wenn er den Mut
besäße und den Willen, Und den Willen
zeigen würde, Könnten ihn die eignen
Beine tragen, Und er war auch
wirklich überzeugt Und auch davon, Dass ihm danach
im Fallen Keiner helfen
würde, Keiner wurde
helfen können. |
|
Mit deinen Worten fiel der Wind Aus allen Segeln, Und ich war doch
auf der Fahrt. Du saßt mit mir
in einem Boot. Der Wind, auf den
wir angewiesen waren, Blieb ganz aus. Ich glaubte
wirklich, Dass wir so in
Zweisamkeit Alleine bleiben
würden. Alles hatte ich
an dir liebkost Und kostete noch
immer deine Liebe, Und wir kamen
nicht voran. |
Du dachtest
selbstverständlich, Wie es besser
wäre, Wenn es anders
wäre, Und ich dachte,
wie es wieder wäre, Wenn es wäre, wie
es war. So waren wir zu
viert, Das hatte uns den
Wind gekostet. |
Vorne, sah ich, Brach das Boot
schon auseinander. Unsre Zeit war
kurz bemessen, Die Gedanken
dachten anders. Jeder glaubte
sich Und war im Recht. Mein Gott, es
würde doch nicht dazu kommen, Dass sich jeder
an den andren täute, Dass sich jeder
zum Ertrinken Seiner Illusion
bedienen musste. |
|
"Du bist das
Kind von einem Kind, Und wenn du groß
bist, Wirst du erst zum
Kind. Von meiner Kunst
verstehst du nichts Und nichts von
meiner Not." Ich liebe
Treppen, Deren Stufen
keinen Sichtschutz haben, Wo man zwischen
jeder Stufe Freien Durchblick
hat und Tiefen sieht, So kann ich weit,
weit unter Brücken sehen, Werde selbst zur
Brücke, die sich spannt, Den Rücken frei
gibt zum Betreten Und zum
Überfahren. |
Du gabst
schneller an dir auf Als ich an mir. Du maltest deinen
Oberkörper Mit der weißen
Kreide an die Wand, Und alles, was
darunter war, Die Hüften,
Schenkel, Beine, Füße Ließt du stehen, So aus Fleisch und
Blut, Wie sie es waren. Diese Wand war an
der Straße, Schloss an meine
Brücke an. Ich sah, was du
mit dir geschehen ließt. |
Dein Oberkörper
hatte sich weit abgesetzt Und wartete an
andrer Stelle wieder auf, Dort hattest du
den Unterkörper hin gemalt, Und mich
belehrtest du, Dass man
"es" auch im Stehen machen könnte. So verletztest du
mich schwer. Mich traf nicht,
dass du dich verteiltest Und
"es" machtest, Sondern, dass du
Rache an mir nahmst. Zuhause hatte ich
dich nachgemalt Und bunt und farbig
dargestellt. |
|
Manchmal, wenn ich ausgeschrieben bin, Schmerzt mir das
Handgelenk. Ich kühle es mit
einem Stück Metall. Es reicht dafür
die Halteklammer Eines
Kugelschreibers, Lege sie auf
meine Haut. Es schlägt
Metallisches an das Metall, Dass ich
erschreck. |
Ich weiß sofort, Dass ich ja keine
Schmerzen hatte haben können, Also keine hatte. Alles war wie
immer eine Illusion. Ich bin zu dumm, Um zu begreifen. Die Gelenke
unterstehen meiner Wartung nicht, Und ihre
Handarbeit Geht mich nichts
an. |
Ich könnte mich
an mir beenden, Doch ich müsste
dafür meinen Anfang finden. Einmal hatte ich dir
meine Sorge anvertraut. Du sagtest: "Sieh doch
zu, Dass du auf einem
Kuriositätenmarkt Dein Bild
verkaufst, Der Preis ist
unerheblich, Nimm, was man dir
gibt, Und wenn es sein
muss, Gib noch was
dazu." Ich hatte nichts
mehr zuzugeben, Alles war doch schon
durch mich ersetzt. |
|
Vor uns gingen Schranken nieder, Schranken sind
die Grenzen, Die sich in die
Höhe ziehen lassen, Schranken
existieren nur vor der Gefahr, Sie schützen
Reisende vor denen, Die nicht reisen
oder umgekehrt, Und Schranken
schützen sich vor sich Und trennen. Eigentlich
sprachst du von meiner Sprache, Und ich konnte nichts
erwidern. Immer wieder
grubst du in Vergangenheit Und zeigtest
Altes neu, Das machtest du
mit meinen Und gemeinsamen
Erinnerungen. |
Ich verlangte zu
vergessen. Damals war ich
Instrument gewesen, Nur ein Ding, auf
dem man musizierte. Heute spiele ich
mich selbst Und kann auf mich
verzichten. Damals hatte ich
die Sprache, Dass ich denken
konnte. Heute denke ich
und habe eine Sprache, Die erlaubt mir
alles Denkbare zu sagen. |
Vor mir fuhr ein
Wagen, Der kam an die
Gleise, Und der Fahrer sah
das Warnlicht nicht. Nur seinetwegen,
weil er vor mir fuhr, Vor mir das
Unbeschrankte überfuhr, Kam er statt
meiner um. Dir wäre in
demselben Wagen nichts passiert. Die Schranke, die
ich meine, Hat in
Zweifachexistenz Nur einmal
existiert. |
|
Dem Kind zerbrach ein liebes Tier Aus einer
Glasmenagerie, Das sollte ich
nun kleben, Und "ich
klebte," wie ich zu mir sagte, "Eine Liebe
die entfliehen wollte, Die sich durch
den Tod entfremden wollte." Dieser Flucht
stand niemand bei, Man steht nicht
bei Bei einer Flucht
wie dieser, Soweit kannte ich
mich sehr gut aus. |
Ich hatte dir von
hinten meine Hände Auf die Brust
gelegt, So sah ich nicht
in dein Gesicht; In jeder Hand lag
eine Frauenbrust. Ein andres Mal
bestand ich drauf, Das Licht zu
löschen. Auf der Jagd nach
Essen Hatte ich dir
vielfach schon Den Schädel
aufgebrochen, Doch für mich lag
nichts In deiner
Speisekammer. |
Dieses Glastier kam mir recht, Ich weckte es zu
neuem Leben auf. Ein andrer
Schädel voller Köstlichkeiten Lag noch
eingepackt. Ich hätte ihn mir
rauben Und dabei den
eignen Kopf verlieren müssen. Doch so lange in
der Nähe Glasgeschöpfe
unter Kinderhand zerbrachen, War ich
unentbehrlich. Irgendwann würd
ich mir sicher glauben Und die Flucht
beenden. |
|
An dich zu
denken. Erst, als ich
mich niederbeugte, Meinen Mund zu
deinem neigte... Nein, Denn eigentlich
war ich zuvor schon ich. Ich hatte an den
Durst in mir gedacht, Der sehnte sich
gestillt zu werden. Ja, dann trank ich Wie man trinkt,
wenn man das Falsche trinkt, Und trank vom
Sand, Der ließ sich
nicht verschlucken, Steckte trocken
in dem Mund, der Kehle, Klebte an den
Lippen. |
In der Mulde, die
ich hinterließ Verrieselten noch Tausende
von gelben Körnchen, Die entließ der
Hang. Warum wirst du
mir Sand Und drohst, mich
zu ersticken? Mitten im
Gespräch wirfst du den Hörer auf, Vernagelst meinen
Mund, Der wollte doch
noch etwas sagen. Stumpf sind deine
Nägel, Dass ihr
Durchstich schmerzt. Vergib mir, Sand, Dass ich dich
schlucken musste. |
Irgendwann
bevölkert unsre Erde wieder etwas, Dass wird dich genüsslich fressen Und verdauen
können. So schluck ich an
dir und mir und würge, Und wir bleiben
uns im Halse stecken, Sind noch viel zu
roh und unverdaut Und in der
Überlebenskette Glied an Glied. |
|
Du bist mein Schiff der Wiederkehr, Ich kann nicht
von dir lassen, Und du sagst zu
mir: "Ich weiß
von mir nicht, Wie es ist, wenn
ich verlassen bin. Du bist der Mast
in mir, An dir hängt
Segelzeug Und alles, was mich
treibt. Könnt ich, So würd ich
meinen Untergang beschließen, Könnt ich, wie
ich wollte, Käm ich frei von
allem, was mich treibt Und schwimmen
lässt. Ich wäre wahrhaft
ohne Wiederkehr, Du müsstest von
mir lassen." |
Ich sah noch am
selben Abend Einen Mond an
eine Felswand rasen, Holte dich Und zeigte dir
das Himmelsspiel. Du sagtest: "Ja, so hab
ich es gemeint. Nun warte, bis
ich neu erscheine, Denn ich möchte
dir ein unerreichter Stern In unerhörter
Ferne sein. Den abendlichen
Untergang wirst du Nicht hindern
können, Dein Verlangen
wird mich nicht erreichen." |
Schon am nächsten
Morgen Stand ich auf
demselben Felsen, Lauerte dir auf. Du wusstest
ohnehin, Dass ich dich
nicht passieren lassen würde. Deine Arme
hattest du schon vorsichtshalber Ausgebreitet. |
|
Und ein
kümmerlicher Draht Mit einem
Widerhaken hakt sich in mein Hemd Und reißt es ein Und lädt mich neu
ins Haus. So ist ein Widerhaken
höchstes Glück. Ich stürme über
eine Treppe Noch einmal zu
dir, Du liegst noch so Und konntest dich
nicht vorbereiten, Und du fragst
nach mir, Als kenntest du
mich nicht: "Ich denke
du bist fort." |
Und unter deinem
rosa Hemd Begeh ich eine warme
Dünenlandschaft, Werfe mich ihr in
den Sand, Und dir erkläre
ich Und spreche dabei
unter Wasser, Dass du heimlich
lachst: "Ich
wünschte dir, Dass du nur einen
Tag So im Begehren
nach dir leben müsstest. Deine Kleider
rissest du dir Nur bei deinem
Anblick schon vom Leib." |
Dann beiß ich
dich Und beiße doch
nicht zu Und du schreist
auf Und schreist doch
nicht zu laut Und handelst
wieder etwas aus, Dass ich nun
endlich geh, Dass ich ja
wieder kommen kann Und willst dich
schonen, Und die Schonung,
die du brauchst, so sage ich, Werd ich dir
geben Wenn ich
wiederkomme. Draußen reißt
derselbe Draht Mir noch die
Oberlippe auf. |
|
Als man die
Schrauben, die man in mich zog, Die mich
zusammenhalten, Außen sichtbar
ließ. Die blanken Köpfe
stecken mir, so sieht es aus, Im Leib. Man weiß
natürlich schon, Was sie bedeuten. Du beruhigst mich
und sagst: "Es macht
doch gar nichts aus. Durch mich zog
man gleich zweifach Flaches
Stahlband, Das verspannt
mich über Kreuz in meinem Rücken, Wer es wissen
will, Kann es sofort
erfahren. Ohne diese Bänder
wäre ich nicht ich, Und ohne deine
Schrauben wärest du nicht du." |
Ich hatte davon
wirklich nichts gewusst Und nichts von
der Notwendigkeit Und hatte mich
als Sonderfall betrachtet Und mich so betrogen. Andren seh ich nun, seitdem ich sehen kann, Die Stützen
nirgends an. |
Wenn ich dich in
den Armen halte, Taste ich in
deinem Kreuz Nach diesem
flachen Band, um es zu fühlen, Und du sagst: "Du musst
und kannst getrost Ein wenig tiefer
in mich dringen. Dort stößt du auf
meine Haut, Gleich unter
meiner Haut, Und dort musst du
beginnen." |
|
In dem Garten sitzt ihr Frauen, Und ich hab es
schwer, Die wahre Sonne zu
entdecken; Immer müsst ihr
euch an einer Blendung messen, Immer wollt ihr
heller sein Als eure eigne
Helligkeit, Um das zu sehen,
reicht euch schon Ein
Taschenspiegel Oder die
Besinnungslosigkeit des Mannes. Ich bereite
meiner Sonne Schmerzen, Meine Sonne wecke
ich noch nachts. Ich lasse sie
danach am Bettrand untergehen, Lege sie zuvor in
mein Geäst Und lass sie mich
verbrennen. |
Selbst dabei
besprecht ihr Frauen Euch noch im
Detail, Tauscht
Eitelkeiten aus. Es stört euch, Dass die Rückenlage
viel Von eurer
Schönheit nimmt, Und rätselt
wiederum an dem Geheimnis, Warum Schönheit
sich nicht selbst genügt, Und wenn, Dass sie dann
nicht nach außen dringt. Die Schuld gebt
ihr der Kleidung, Und ich falle ein
und sage, Dass die Kleidung
wirklich stört. |
Ihr meint, das
wüsstet ihr, Und das, wovon
ihr redetet, Wär' eine andre
Kleidung, Die trügt ihr
noch, Wenn ihr nichts
mehr trügt. Wer die Libelle
ehelicht, So sagt ihr, Müsste über
dieses räuberische Fluginsekt Viel wissen, Und die Flügel
dieser Schönheit Darf ein Mensch
nicht Putzen wollen. |
|
Denn Schuld
entsteht durch andere. Du bist nur aus
Papier Und reißt leicht
ein, Und steckte ich
dich an, Verbrenntest du
vor meinen Augen Schnell und
lichterloh. Die Asche würde
durch die Hitze, Wegen ihrer
Leichtigkeit, Vom Boden abgehoben
werden. Als ich dich
befragte, Wusstest du von
der Gefahr Und tausend andre
fielen dir noch ein. Dann lachtest du
und sagtest: "Glaubst du,
du bleibst unentdeckt Und unverbrannt? Du bist nur eine
kleine Zündung Und blitzschnell
als Lichtstich abgetrennt. Komm mit, dass
ich dir zeige, Was ich
meine." |
So gelangten wir
in einen Tunnel, Der war dunkel
und in diesen Stunden Nicht befahren. An die
Tunnelwände maltest du Im
Taschenlampenlicht, Gezogene,
gestreckte Bilder, Farbig, schwarz
und weiß. Wir sahen alles
nur im Lichterkegel. |
Als wir andern
Tags Die Strecke
schnell passierten, Standen deine
Werke in Bewegung und Lebendigkeit Als Lichtstich an
der Wand, Beleuchtet durch
das helle Fahrzeug. So hast du mich
abgetrennt, Um mich mir zu beweisen. |
|
Selbst die Dinge,
die ich in die Hände nahm, Verweigerten sich
mir. Es fiel ein Glas
zu Boden und zerbrach, Die Kleidung
passte nicht mehr zueinander, Keine Ordnung war
mehr Aufeinander abgestimmt Und wurde eine
fremde Ordnung ohne mich, Es störte jeder
Schritt von mir darin. Es fraß, das war
der Grund, Sich eine
mörderische Sehnsucht an mir satt, Und schlimm war
ihre Unersättlichkeit, Und dass sie
schneller nachwuchs Als sie sich
verzehren konnte. |
Meine Sehnsucht
wuchs und wuchs Und gab mir
keinen Grund, kein Ziel, Kein Wissen,
keinen Anlass, nichts, Und wuchs, so
schien es mir, Um ihrer selbst. Ich tat mir
schließlich etwas an, Dabei vergaß ich
sie Und stand
sekundenlang betäubt Von einem neuen
Schmerz, Der hatte die
Gelegenheit, Den andren
Schmerz zu überlagern. |
Meine Sehnsucht
suchte in den Schmerzen Schutz vor mir Und ich im
Schmerz vor ihr. Ich dachte auch,
dass Schmerzen über Schmerzen Doppelt Polster wären
oder dreifach Polster Doch ich wusste
nicht für wen Und nicht vor was Ich ohne
Schmerzen wäre, Wenn ich
schmerzlos wäre. |
|
Eines Tages zeigtest du mir Silberfäden. Damit hätte man
an dir genäht, Nicht
irgendwelche Wunden oder Narben, Sondern deine
ganz normalen Nähte, Und du zeigtest eine
gute Arbeit. Silberfäden
hattest du genug Und in Reserve, Und du könntest
dich bei einem Einriss Selbst versorgen. Morgens riefst du
deinen Hund ans Bett, Der war dir treu
ergeben, Und du kraultest
ihn, Und mit den Augen
sprach er auch zu dir. |
Ich dachte an die
Silberfäden, Die dich überall
zusammen hielten, Wenig später
wärest du vielleicht aus Goldpapier. Wie sollte ich
mich dann an dir bewegen, Und ich würde
dich nicht knittern dürfen, Falten dürften
sich an dir nicht zeigen, Und ich käme nicht
mehr an die Tränke deiner Haut. |
Selbst dort, Wo ich noch hätte
fündig werden können, Stieß ich jetzt
ja schon Auf Netze deiner
Silberfäden. Die verhinderten,
weil du es wusstest, Meinen Mord an
dir, Und Schutz um
Schutz Gewannst du so aus
mir vor mir Um meinet- und um
deinetwillen. |
|
Ich legte Wert darauf, dich einzuholen, Weil du für mich
wertvoll warst, Du warst mir
unersetzlich, Diesmal wurde ich
zum Mund aus Glas am Rand
aus Fleisch. In großer,
meisterhafter Kunst Schlugst du die
Arme, schnell gekreuzt, Vor dein Gesicht
und neigtest dich nach vorne. Es war Angst. Du sagtest: "So geht man
zur Schlachtbank, Wenn man
Schlachtvieh ist." |
Dann warst du in
Versuchung, Mir die Beile
deiner flachen Hände Ins Gesicht zu
hacken, Ließt es aber sein Und legtest sie
statt dessen, Ohne dass ich
widerstand, So eng um meinen
Hals, als hättest du nun vor, Mich zu
ersticken. Deine Kunst
erlernten andere in Jahren nicht, Du warst perfekt. In deinem Rücken
kreuzten sich Die Träger deines
Kleides. |
So bist du: Um zu gewinnen, Steigst du auf
die Schlachtbank Und zeigst vor
der Eigentötung Deine Kreuzigung
im Rücken Und in dem
Gesicht. Ich nehme dich Weil du mir unersetzlich
bist, So wie du bist, Und bringe auch
die Kraft, dich aufzubiegen, mit, Und ich vergesse
meine Selbstverletzlichkeit, Missachte sie Und auch die
ersten Splitter meines Mundes, Die beginnen,
sich in dich zu fressen. |
|
Und flehe mich um
Rücksicht an. Die Rücksicht
brauche ich für mich, Und Nachsicht
sollst du auf mich gießen, Und ich denke: "Schlimm ist
es, Und schwer wird
es für dich." Der Abstand
zwischen dir und mir Ist kaum
gewachsen, Und es gab doch
Opfer unter uns. Du hast mich
wieder aufgerichtet, Deinen Leib
geschlossen Und gezeigt, wo
er zu öffnen ist Und mir den
Schlüssel ausgehändigt, Eine Schnur an
ihn gehängt, Als gäbest du mir
dreimal "Lebenslänglich". |
Ich erkenne
nicht, wofür und nicht warum Und sehe nicht,
ob du mir Strafe gibst, Vielleicht, so
denke ich, Gibst du mir
dreimal "Freiheit", Und ich kann sie
nicht erkennen, Weiß sie darum
nicht zu nutzen. Deine Worte, die
sehr freundlich klingen, Hängen mir den
Schlüssel um den Hals: "Nun geh mit
mir, Sei meinetwegen
dreimal "Lebenslänglich", Doch verrat mich
nicht, Nicht jeder muss
es wissen." |
Du vergisst, Dass mich dort
drüben eine andre Frau erwartet, Die, und das bist
du, Nimmt mir als
erstes mit denselben Worten Deinen Schlüssel
ab: "Den wirst
du wohl nicht brauchen." |
|
Du warst die Tür, Die sich mit ihrem
Rahmen In ein Glas
verbissen hatte, Und die schwang
im Öffnen und im Schließen Alle Spiegelungen
mit sich fort. Ich hatte Mühe Mich im letzten
Zittern jedes Stillstands In dir zu
behaupten. Einmal sagtest
von dir: "Ich lebe
als das Fernweh. Das sucht
überall, nur nicht in seiner Nähe." So warst du mir
auf der Spur. |
Man fertigte die
Uhren neuerdings aus Steinen, Aus Achaten, aus
Graniten, Ja, aus
Edelsteinen, Und ich sah
sofort, Dass man der Zeit
mit einer Art Versteinerung Entkommen wollte. |
Du gingst gleich, Um so ein Ding zu
kaufen, Das wog schwer am
Arm, Die ganze Zeit
wog schwer, Und du sahst
nicht, Dass ich mich
auskristallisierte, Fern im Raum an
deiner Seite stand, Auf den Sprung,
den Riss im Steingehäuse hoffte, So im Stillstand
in dem Wettlauf stand Mit deinem
Fernweh. Einsicht konntest
du nicht haben. Deinen Rock
schlug dann ein jäher Wind Vor deine Augen,
über deinen Kopf, Du streiftest
ihn, so hastig wie es ging, Zurück. |
|
Das musste sich
zu Tode tanzen. Manchmal
unterschied ich nicht mehr zwischen Wirklichkeit und
Liebe, Zwischen
Fetzenkleid, das dir zerriss, Und heilem Leib,
der eigentlich, Mit Rissen
übersät, zerbrechen müsste. Beide musstet ihr
in Liebe töten, Beide solltet ihr
den Tod der Liebe überleben, um daran zu
sterben. |
Eure Münder
wurden neben euch Ein neues Paar,
ein eignes Paar, Das wurde Zentrum
der Bewegungen und Drehungen, Und hob der
Tänzer seine Tänzerin, So blieb ihr Mund
mit Worten angefüllt An seinem Ohr, Und er
durchwanderte die Haare, Die sie über ihn
ergoss. |
In Wahrheit
wusste jeder, der euch sah, Dass ihr die
Liebe zu dem Ebenbild im andren suchtet Und vor Spiegeln
tanztet. Würfe man in euch
nur einen Stein, Wär euer Tod ein
wahrer Tod, Ihr bliebt im
Schauspiel stecken. Als ich heimkam Aß ich eine
Henkersmahlzeit Und schlug mit
der Axt den ersten Spiegel, Der mich zeigte, Ein. |
|
Und ich bekannte
meine Lügen, Und du musstest
dein Erstaunen unterdrücken. Schwer war es für
dich gewesen, Meine Wahrheit
anzunehmen, Und du hattest
gleich gezweifelt, Um nicht zu
verzweifeln. Jetzt war es fast
umgekehrt: Du warst
verzweifelt, Nur um nicht zu
zweifeln, Und du fragtest: "Ist denn
gar nichts wahr geblieben?" Und ich dachte
nach. |
In deiner Frage
steckte nur die Frage Nach der
Wahrheit. Fragen nach der
Lüge hatte ich, Das war ein
Unterschied. Und so gesehen Wandelte sich
meine Wahrheit, Und ich sagte: "Über mir
scheint eine Sonne ohne Unterlass. Ich bin der
Schwimmer in dem Wasser, Und ich spüre
deutlich Die Erwärmung
seiner Oberfläche. Unter mir
befindet sich ein eisiges Gewässer." |
Dann bekannte
ich: "Es könnte
sein, Dass Wahrheit als
ein Rauch durch Ofenrohre zieht, Doch das erfährt
kein Mensch. Es könnte sein, Dass ich in mir
verbrenne, Und, was ich dir
sage, Ist nicht für
dein Ohr bestimmt, Und Recht hast
du, Wenn du nach
Resten meiner Wahrheit fragst, Und gestern, als
ich log, Sprach ich die
Wahrheit, Heute, wo ich dir
bekenne, Schneide ich mir Meine eigne Kehle
durch Und will das Herz
des Ofens In mir brennen
sehen." |
|
Beim Verlassen unsres Gartens, Nein, es ist dein
Garten, Den du
meinetwegen pflegst, Nun, beim
Verlassen irgend eines Gartens, Der mich kannte, Kam ich an die
Pforte. Du, im
Morgenmantel, Der war gestern noch
dein Abendkleid Und in der Nacht
das Silberlicht Das sich vom Mond
gesandt, Auf schwarze
Häuser legte, Du. im
Morgenmantel, Saßt am
Frühstückstisch. |
Ich trank den Tee
aus dir Und suchte mit
der andren Hand Nach dieser
Gartenpforte. Hier im Garten, Hier am
Frühstückstisch, War jeder Baum in
Porzellan gefasst, Und Düfte waren
aus Metall. Die Pforte,
musste ich befürchten, War auf
irgendeine Wand gemalt. Es könnte gar
nichts nützen, Wenn sie sich mir
öffnen würde, Immerzu war sie
mir Heimkehr. |
Schließlich
sagtest du: "Du musst
jetzt gehen, Wann willst du
sonst wiederkommen." Das ist wahr. Ich denke nie an
Wiederkehr, Und Pforten öffne
ich in meinem Leben Nie von außen. Meine Wände,
unsre Wände, Irgendwelche
Wände Habe ich mit
Pforten, Pforten, Gartenpforten Übervoll bemalt. |
|
Ich beugte mich zu einem Spiegel nieder. In der Glätte
eines Auges Trieb die Barke
einer Wimper. Noch kam Wind
nicht auf. Doch, Würde sich mein
Lid darüber schieben, Müsste ich den Schmerz
sofort empfinden. Deine Haut war übersäht mit Schiffchen, Rüschen deiner
Spitzenkleider, Falten deiner
Stoffe, Falten deiner
Haut in jeder Beuge, Wasserschnellen
der Bewegung. Schmerzlos
trieben sie auf dir. |
Ich machte mich zum
Fisch in den Gewässern Und kam an die
Oberfläche, Schwamm direkt in
deine Frage: "Überall
bist du in mir, an mir, auf mir. Wo bleibe ich
dabei?" Ich überhörte
nicht den Vorwurf In der Stimme. "Du
vergisst," so sagte ich, "Dass jede
Sonne räuberische, mörderische Tage hat, Und du hast auch
nicht überall Geländer Mich zu
führen." |
Leise strandete
die Barke einer Wimper, Dass ich sie
entfernen konnte. Ich sah nun ganz
ungestört in meine Augen. "Brauner
See," so dachte ich, "Kann Angst
verbreiten." Nichts war
schlimmer, Als in mir ein
Bad zu nehmen. Außerdem geriet
ich dabei auf die Einflugschneise Schneller Blicke. Die ließ
rücksichtslos Maschinen Landen, steigen. |
|
Das Frühstück war schon fast beendet, Ich vermisste
dich Und rief nach
dir, Und deine Antwort
kam, War hier, bevor
ich fragte, Und du sagtest
so: "Du isst und
trinkst von mir, Du speist aus
mir, Ja, ich bin deine
Speise, Und, obwohl du
alles weißt Und alles nimmst
und hin nimmst, an nimmst, Willst du mich
vermissen. |
Frühstückstuch
bin ich und dein Gedeck. Obwohl du alles
besser weißt, Rufst du nach
mir." So kamen Zweifel
in mir auf. Ich konnte es
nicht besser wissen, Und ich dachte
so,: 'Es wird sich von
uns beiden Einer wohl
erheben, Der erst wird
verraten, Wer dem andren
Speisung war.' |
Wir hatten gute
Plätze Und wir
unterhielten uns Und sahn auf uns
herab Und hatten viel,
viel Zeit Und wuchsen nach. |
|
Mein Heimweh war daheim geblieben. Irgendwelche
Menschen, Ich war auch dabei, Versuchten sich,
durch Sumpf und Moor, Um die Erinnerung
den Ringkanal zu ziehen; Trocken wollten
sie die ganze Gegend legen, Die uns immer
wieder einfiel. Heimweh war
Erinnerung an Wirklichkeit Und Fernweh die
Erinnerung an Unbekanntes. Beides wollte ich
in einem Atemzuge Wiedersehen. |
Meine Welt war
eingeteilt in Schuld und
Unschuld, Nicht in Gut und
Böse oder Himmel oder Hölle
oder Außen- oder
Innenhaut, Wie sie die
Menschen trugen. Heimweh hielt ich
in den Händen. Heimweh, Fernweh waren
eins, Wie Schuld und
Unschuld eines sind, Die Pole meiner
Moore. |
So beweg ich mich
auf dir Und hab’s
gelernt, mit langer Stange Nach dem Grund zu
stoßen. Fiele ich herab, Wär keine Rettung
vorgesehen, Weil Erinnerung
nach Wirklichkeit Und Unbekanntes
nach dem Recht verlangen, Weil mein Fernweh
sich an dir erfüllen muss. Ja, ich verlange, Dass du mir nicht
hilfst, Wenn ich an dir
durch dich hindurch versinke. |
|
Betetest du eine
rote Sonne an, Du hofftest, dass
sie Heilung brächte, Und ich wusste
doch, Du hattest einen
Glauben, Der hätt diesen
Götzen nie erlaubt. Es musste eine
schlimme Krankheit sein, Die in dir fraß. Ich fragte weiter
nicht Und war besorgt
und sprach dich an: "In mir ist
eine rote Sonne aufgegangen, Die verlangt in
ihrem Strahlen immer neue Nahrung, Und ich kann sie
ihr nicht bringen. |
Es ist möglich, Dass sie sich
woanders sonnt Woanders Nahrung
raubt. Sie wird in ihrer
Wahl Vor keinem
Menschen halten," Und du wusstest
gleich Bescheid, Und sagtest
nichts zu mir, Und wieder sah
ich dich Und diesmal
hastiger vor dieser roten Sonne beten, Und in mir
entstand tatsächlich Dieses warme
Sattgefühl, Ein Wohlgeruch
von Strahlen, Den man aus dem
Frühjahr kennt. Ein Ansturm
ungeheuren Wachstums Brach aus mir
hervor, Das blieb dir
nicht verborgen. |
Deine rote Sonne Hatte dich fast
ganz genommen, Irgendwie
verzehrt, Und doch war sie
zu deinem Ebenbild geworden. Sie wurd du, Und deine Heilung
sagtest du, Sei deinem
Glauben zu verdanken. Unsre leeren
Hüllen ließen wir zurück. |
|
Meine Sehnsucht konnte niemand stillen. Eine Sehnsucht
war es, Die nach Neuem
schrie. Erst kaufte ich
mir einen neuen Schreiber, Danach neue
Kleider, Weiter konnte ich
nicht gehen Und versagte mir
die Wünsche, Weil sie nicht
mehr zu erfüllen waren. Meine Träume
gingen um ein neues Haus, Um neue Zimmer, Letztlich
wünschte ich mir neue junge Menschen Um mich her. |
Ich war ein
Tänzer auf dem Seil Und mied von nun
an alles Neue Und das
Jugendliche, Um nicht abzustürzen. So traf ich auf
einen alten Mann, Der sagte vor
sich hin Und sprach zum
Baum, zur Luft, zu mir, In Wahrheit weiß
ich nicht zu wem: "So, wie die
jungen Dinger möchte ich Noch einmal
laufen können, Barfuß möchte ich
so laufen." Und er hatte an den
Füßen keine Strümpfe, Sondern nur
Sandalen Und in seiner
Hand den Stock. |
Die grauen
Stoppeln des Gesichtes Luden nicht zum
Laufen darauf ein. So, sagte ich zu
mir, Sieht deine
Sehnsucht aus. Ich zog die
Schuhe und die Strümpfe aus, Und es war gutes
Wetter, Und ich hatte
wahrhaft keine Sehnsucht, So zu laufen. Violett, so
dachte ich, Mit warmer gelber
Strömung, Ist die Farbe der
Verzweiflung. Mancher sagte
auch von mir: "Er ist im
besten Mannesalter, Und er macht gar
nichts daraus, Und seine Augen
schauen nur nach innen, Wenn sie in die
Weite schauen." |
|
Gleich neben
meiner Sonne, Standen weiße
Wolken. Heute wollte ich
das Blau, Die Sonne, weiße
Wolken Ganz in Ruhe
lassen und nicht stören, Nicht d'ran rühren. Liebevoll
gedachte ich der Schürze, Die du manchmal
trugst. Sie war ein
Fetzen Traum aus Kindertagen, Der war
aufgehängt zum Trocknen, Weil die alten
Träume manchmal nässten, Und ich hatte
nichts dagegen. |
Wolkenränder lösen
sich aus dieser Ferne auf Und werden
nichts. Erst morgen,
sagst du, Hast du wieder
Zeit. Mein Augenblick
fragt nicht nach dir. Heut ist ein
Sommertag in meinem Kopf. Die letzte Nacht
war qualvoll, Weil ein Arzt,
den ich nicht liebte, Grundberührung
mit mir übte. Ich war wieder
selbst der Arzt Und der Patient, War die
Vergangenheit, der Traum, die Quälerei, Der Schlaf Und die
Vergeblichkeit des Weckens. |
Jemand prüfte
meinen Fahrschein, Der war echt und
wahr, Und ich war
Wirklichkeit, Und trotzdem
wurde nichts von allem anerkannt. Mit einem letzten
Kraftakt Pustete ich alle
Wolkenschiffchen Auf die Reise. |
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Dann wirst du vom
Abschied sprechen. Du wirst kommen, Um den Abschied
festzuhalten, Wirst mit Kamera und
Teleobjektiv Noch einmal deine
Augen auf mich richten, Nah wirst du mir
sein, Um fern von mir
zu bleiben, Alles wirst du
von der Bank aus, Unter dir,
erledigen. Dort sitzt du gut
im Wissen, Dass ich auf dich
warten werde Und auf unsren
Abschied. |
Keiner gab ihn
zu, Als er sich in
uns stellte, Einfach
stattfand. So hast du
gesagt: "Du darfst
mit allem weiter zu mir kommen, Wann du immer
willst, Es ist mir
gleich, ob Tags, ob Nachts." Und ich, der zuviel dachte Und zu wenig
sprach, War zu erstaunt und
wiederholte deine Worte: "Tags und
Nachts? Was ist denn
ausgeschlossen, Wenn du alles
einbeziehst. Es bleibt für
dich nichts nach. Es ist doch immer
Tag an einem Tag Und Nacht in
einer Nacht. |
Ich dachte aber
so bei mir: 'Sie drängt mich von
sich fort Und überlässt
mich irgendwelchen Tagen, Irgendwelchen
Nächten. Damit, denkt sie, Hat sie weiter
nichts zu tun, Die sind ja
immerfort bei jedermann, Und wenn ich es
ihm sage, Wird er nicht
mehr kommen.' Heute wirst du
also Abschied nehmen wollen. Nimm ihn, Denn du nimmst
ihn nur von dir. Von mir in dir Kann ich mich
noch nicht trennen. |
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Um endlich Ruh zu
haben, Müsste ich mich
aus dir rauben. Also war es so. Ich sagte: "Heute nacht schlaf ich, Um dich zu
schonen, In dem
schonungslosen Raum, Der nimmt auf
mich gar keine Rücksicht, Und ich werde
dich alleine lassen," Und ich meinte, Dass ich sie für
eine Nacht vergessen könnte. |
So schnitt ich
mich vor dir durch Und ließ mich
halb in dir Und halb in mir. Aus dir war ich
mit nichts herauszubringen, Und du wusstest
es und sagtest nichts, Und sangst im
Bett ein Kinderlied Und summtest
seine Melodie. |
Der schonungslose
Raum ist außerhalb von dir. Ich bog dich so zu
mir heran, Mich so in dich
hinein, Dass dir die Luft
versagte. Dabei flüsterte
ich leise: "Nie werd
ich die Teilung überwinden können." Ohr an Ohr lag Leib an Leib. Die Münder
sprachen nicht mehr über sich Und richteten
sich auf das Essen ein. |
ISBN 3-937264-09-4