Buchtitel, ISBN
3-937264-00-0
Inhaltsverzeichnis
nach Stationen und
zum
Rande im Rande des Randes
der
Sonne
Lyrik.
Im Buchhandel erschienen unter ISBN
3-7053-1949-3, Neuauflage unter ISBN 3-923939-24-8 (vergriffen).
"Auf deiner Reise zum Rande im
Rande des Randes der Sonne"..... geschieht Merkwürdiges: Im Innern der
Sprache werden Kräfte freigesetzt. Sinn der Operation: eine neue Sprache, die
zur adäquaten Darstellung unserer heutigen, von Wissenschaft und Technologie
geprägten Welt geeignet ist.
"Es lohnt sich, einmal einen heutigen
Dichter kennenzulernen, der mit der deutschen Sprache einen faszinierend
fremden Weg betritt und trotzdem dem Leser Freiraum lässt für eigene
Gedankengänge, ohne dass die Probleme in erhobener Zeigefingermanier zu
zeitkritischen Trampelpfaden werden."
Copyright 2009 beim Autor, Harald
Birgfeld, alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieser Veröffentlichung darf ohne
schriftliche Erlaubnis des Herausgebers, Harald Birgfeld, reproduziert werden.
Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Verfilmung und
Einspeicherung sowie Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Herausgeber, Autor, Redakteur: Harald
Birgfeld, e-mail:. Harald.Birgfeld@t-online.de
Inhaltsverzeichnis nach Stationen:
Ach, Liebste
|
Ach, Liebste, meine Liebste, Woher hast du dein weiches Haar? Ach,
Liebster du, mein Liebster, Das
ist von meinem Elternpaar. Ach, Liebste, meine Liebste, Wo sind die schönen Augen her? Ach,
Liebster du, mein Liebster, Die
Mutter liebt mich gar zu sehr. Ach, Liebste, meine Liebste, Woher die roten Wangen sind? Ach,
Liebster du, mein Liebster, Mein
Vater küsst mich oft als Kind. |
Ach, Liebste, meine Liebste, Warum springt mir das Herz so sehr? Ach,
Liebster du, mein Liebster, In
meiner Brust klopft es noch mehr. Ach, Liebster du, mein Liebster, Wie könnt' ich ohne dich je sein? Ach, Liebste,
meine Liebste, Du bist noch
lange Zeit allein. Ach, Liebster du, mein Liebster, Du wirst mich niemals mehr verlassen. Ach, Liebste,
meine Liebste, Wie könnt' ich
deine Liebe lassen. |
Ach, Liebster du, mein Liebster, Versprich, dass du mich ewig liebst. Ach, Liebste,
meine Liebste, Ich schwör dir
alles, was du willst. Ach, Liebster du, mein Liebster, Leg still den Kopf in meinen Arm. Ach, Liebste,
meine Liebste, Dein Herz schlägt
jetzt ganz ruhig an. |
Am Abendsee
|
Langsam sinkt der Sonnenstrahl, Sendet dunklen Schattenpfahl Vom Uferrand Ans Land. |
Sanfter goldner
Wellenschlag Fließt vom Horizont herab Und wiegt das Rohr Im Chor. |
Schwarzes Segel trägt ein Kahn, Gleicht in süßem Liebeswahn Der stillen Wacht der Nacht. |
Gedicht in den
Farben Raoul Dufy's: Im Blumengarten
|
Ach, Christine. Alles hier trägt
deinen Namen. Blauer
Flügelschlag der Lilien, deine Lider Gehen auf und
nieder. |
Blütenhauch der
Rose, Gläsernes
Geplätscher der Libelle Fließt herab von
ihrem Purpurkelch In Liebesworten Wie aus deinem
Mund. |
Sperling in den
Zweigen Zwitschert wie
der helle Tropfen Deines Lachens. |
Ruf über die Hügel
|
In ruhelosen Schlaf Trat, Gleich einem Bild Verzaubernder Gesänge, Ein Lächeln wieder ein, Ein Blick aus halber Höhe, Als raste er im Flug, Kehre aus der Ferne, Traum und Wunsch. |
Doch gibt es Lichter, Die der Weite und der Näh Zugleich Des Taues Frische senden: |
Sehnte einst ein Liebender, Statt im Weibe, In der Nacht Sich zu ertränken. |
|
Grüne Fährte
Wind, Streichelst sanft Das Wellenheben, Bringst das
Klirren Junger Weiden Mir zum Lob. |
Singst ein
Schlummerlied Im Halm des
Rohres Über unsren
Leibern. |
Eine Nacht hast
du geklungen, Deine liebevolle
Kühle Uns gezwungen, Eng zu schmiegen Und zu liegen Tief im Raume, Eine Nacht. |
Abschied
|
Die Träne, die du
beim Abschied nicht weintest, Dein Schmerz, den
mir lange Seufzer verrieten, Und dein Lachen
erstarben so schrill ... Ach, du, halte
still. |
Deine Blicke, die
Bleiben anboten ... Wie du Trotz und
Wut in einer Bewegung vereintest, Unter deinen
Händen in fahrigen Strichen Die Haare von den
Schultern wichen ... |
Auch schlich die
Sekunde der Wehmut vorbei, Da wurde dein
Atem schon ruhig und frei. Es trieb dich
beizeiten, Den Abschied nun
selbst zu bereiten. Nein, nein,
dreimal nein, Halte nicht ein. |
Verliebt
|
Verliebt in ihren Schoß, Der jung vermählt Sich bot und doch nach Wiederholung angstvoll spähte, Spülte Kuss auf Kuss In ihre hohle Hand Und ihre Schenkel Seine Lust hinweg. |
Ihr feiner, kleiner Leib, Vom reinsten Garn gewoben, Nahtlos kupferfarben überzogen, Rollte über weiße Laken, Einer Perlenkette gleich, Und Schnur und Haken Brachte er herbei. |
|
Ich schließ' die
Augen zu
|
Blickst du in
meine Äugelein, Soll dir das eine
Warnung sein. In tiefstem
Kämmerlein Findst du dich ganz
allein. Ich schließ' die Augen zu, Und du bist mein im Nu. So warm ist mir
dein schöner Mund, Ganz heimlich ziehn Gedanken rund. Ein Kuss tut
allen kund Die Lieb in
dieser Stund. Ich schließ die Augen zu, Und du bist mein im Nu. |
Wie nah ist mir
dein weicher Schopf, Wie drück ich
herzlich deinen Kopf. Vor Freud das
Herz mir pocht Im Leibe, springt
und klopft. Ich schließ die Augen zu, Und du bist mein im Nu. Und lässt du
einst mein Herzelein, Soll mir das eine
Warnung sein. Verschlungen ist
das Wegelein, Lässt keinen aus
und keinen ein. Ich schließ' die Augen zu, Und du bleibst mein im Nu. |
|
|
Ihr Kopf liegt
mir im Arm, Und das Gesicht, Ein wenig von mir
abgewandt, Horcht still nach
innen. Warm ist ihre
Haut, Und sie lässt zu, Dass sich mein
Mund an ihrem Hals Und später auf der
Brust verliert. So treibt sie
unter mir, Ein los gebundnes Boot, Das auf und
nieder wogt. Die leichten
krausen Wellen Ihres weichen
Körpers Glätten meine
Hand Und tastet auch
zugleich Nach ihrem Schoß, Das Zucken
einzudämmen. |
Durch die geschlossnen Lider Sieht sie gut Den tiefen Zug, Den ich aus ihrem
Körper tu. Randvoll gefüllt Ist heut der
Becher, Und sie will
auch, Nun schnell
erwacht, Sich ganz darein
versenken, Will baden, So wie ich, In diesem Nass Und drängt und
atmet flach Und hält mich an sich
fest. |
Ihren Mund, die
Lippen, Schmückt ein
leichtes, kaltes Rot, Das ich, Als ich dann zu
mir komm, Entdeck! Ihr Haar hatt ich mir Und den Kopf Gewaltsam
hingezogen, Hingebogen ihren
Leib, Gewölbt ihn, mir
entgegen, Rücksichtslos sie
dann geliebt. Doch blieb sie
willig, Löste sich von
mir danach sogleich. Was sie noch eben
sprengte War ihr nun ganz
einerlei. Mir schien sie
völlig eins und frei, Und ihre flinken
Augen Stahlen ihrer
Umwelt schon Die nächste
Sensation. |
|
Mich lockt das kleine Stückchen Haut, Das unter ihrem Träger, der verrutscht, Von ihrer nackten, runden Schulter, Zu mir 'rüber schaut. Bräunlich, weiß ich, läuft wie Samt, So trocken, die Bewegung in den Rücken
über, Und jeder Tropfen würde selbst als Perle Darauf rollen, Kieselstein auf schrägem
Sand. |
Und dann verlockt mich noch ihr Blick. Ihr Haar, gesteckt, gekämmt, mit viel
Geschick, Stell' ich mir vor, es fiele lang
herunter; Die Stirn an ihrem Ohr, läg ich darunter. So fühlt sie sich, das spürt sie selbst, Das strahlt sie aus Als Frau und weiß es wohl auch ganz genau Und schiebt bewusst den Träger ihres
Kleides wieder hoch. |
Ein Blick von ihr darauf, Ein Blick voll Sicherheit zu mir: "Schuld ich dir Eine Antwort?" Ich schrecke auf, Dann lächelt sie sofort Und wendet sich im Nu Dem Kind in ihrer Nähe zu. |
|
Wie oft zerbrachst du den Spiegel, Der dein Antlitz wiedergab. Wie oft nahm ich die Scherben, Ließ nicht den kleinsten Splitter liegen Und leimte alles neu, am selben Tag. Wie oft bat ich dich, Mir die Risse zu verzeihn, Die sichtbar blieben, Wenn dein Angesicht ihm näher kam. Wie mit Narben, sagst du, Sähst du darin aus, Wie im Käfigfenster, Das dir keine Freiheit ließ. |
Ein neues goldgerahmtes, Hochpoliertes Spiegelwerk, Das ich dir schnell verhieß, Konnt dich im
Augenblick betör'n. Doch schon beim nächsten Spiegel Sollt dich störn, Dass er nicht endlos war. Und wieder warfst du ihn Mir hin. Da nahm ich wahr, Wie schön dein Haar Geschwungen über deine Schultern lief, Und küsste dir die Stirn Und küsste dir die Wange, Leicht das Ohr. |
Dein Kleid schob ich zurück. Du wehrtest nicht dem Blick Und meiner Hand auf deiner Brust. Ich sagte noch: "Die Haut passt gut zu deinem
Haar," Dann nahmst du meine Liebe wahr. Du glaubtest, ich sei ganz und gar, Der Leib, der Kopf, mit dir im Paar, Doch sah ich dich vom Boden ganz
verstohlen Eine kleine Scherbe holen, Um gegen eine dunkle Wand Zu sehn, Wie dir die neue Wahrheit stand. |
|
Durch den Klang Der ständig
hämmernden Wirbel, Dem schrillen Pfeifen
in Meinem Ohr, Vernahm ich deine
Stimme, Die war rein und
sanft. |
Du sprachst nicht
mit mir Und warst mir
doch bekannt. Die eine Frage,
die ich hatte, Last du ab von Meinem Mund, Und, abgewandt
von mir, Dann aus der
Stille Kam dein
"Nein". |
Hilflos wolltest
du mich sehn, Es sei zu meinem
Guten, Und zu andren
sollt ich auch Nicht gehn. Dein
"Nein" war sanft und gut und rein, Und für den
Bruchteil Einer Zeit Sollten Trommeln
und das Pfeifen Meinen Ohren
Lieder sein. |
Das Lied von einer
schönen Frau
|
Mit ihren Augenlidern Zeigte sie perfekt Die hohe Kunst Des Vorhangs. Ihre strahlend blauen Tänzerinnen Verneigten sich Im Augenwinkel noch. Schon wenn die schwarzen Wimpern fast das ganze Weiß der Bühne Hinter sich beließen, Sah man den letzten Saum Der schönen Kleider doch. |
Langsam kamen sie Erneut hervor, Der Mond schien auf zu gehn, Und lange mussten sie auf Spitzen Schuhen stehn, Bis dann, blitzschnell, Das Licht erlosch. Und gleich danach Erschienen sie mir Schamhaft neu, gebeugt. Der Vorhang ging Nur in die halbe Höhe. |
Als ich dann ganz In ihrer Nähe stand, Mein Atem kaum Noch Atem fand, Beherrschte plötzlich Beide Ränder ihrer Lider Jenes Heer von Schlangenzungen. Die haben mir das Lied Von einer schönen Frau gesungen. |
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Mich trennt von dir, Dass ich dich liebe. Mich trennt von dir Das Weib, das ich verlang! Mich trennt von dir, Dass ich mich nach dir sehne. Mich trennt von dir, Dass ich um deine Liebe bang! |
Dich trennt von mir, Wenn ich mich zu dir neige. Dich trennt von mir, Dass ich dir deinen Leib nicht nur
berühr! Dich trennt von mir Der Durst, den ich dir zeige. Dich trennt von mir, Das, was du Enge nennst. |
Dass ich die Trennung dulde, Dass du die Trennung nicht beweinst, Erlaubt mir im Traum deine Körpermulde Und dir meine Königin zu sein. |
|
Worauf soll ich meine Hoffnung setzen, Auf Vertraun? Kann ich mit ihm Über jene Brüstung schaun, Enttäuschung, Die mir meinen Weg versperrt? |
Kann es meine lahmen Glieder Neu beleben, Mir die müden Augenlider Wieder heben, Wo ich weiß, dass mein Vertrauen schwand, Als ich dich über seinem Briefe fand, |
Und du, mit hektisch roten Flecken im
Gesicht, Versuchtest schnell das Schreiben zu
verstecken. Du gabst es auch noch zu, zuletzt. Mein Gott, auf was hab ich mein Glück
gesetzt. |
|
Im Zwielicht Einer Rose, Verband uns Grün gerollt das
Blatt. Im langen Kelch Der unteren Ufer
verbarg Der Stiel den
Mund Für seine
Nahrung. Dennoch glückte Die Vermählung, Und Rosenblatt
für Rosenblatt
umschlang den Übergang. |
Die frohe
Botschaft Trank im Fuß Im Überfluss Und ließ die Farbenpracht In stiller
Werbung Sich nach außen drehn Und rot den
Purpur sehn. |
Zu hastig nahm
die Zeit Sich dieser Blüte
an. |
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Der Flötenspieler, Dessen unbekannte Melodie Dich gleich mit Namen nannte, Dem du nur im Hinschaun Töne deiner eignen Melodie Antrugst, Er schwieg bei deinem Anblick. Du konntest nicht erkennen, Was er sah, Was seinem schnellen Atem Lautlos Spiel verlieh. |
Doch du begriffst In seinem unaufhaltsam Nehmen seine Hände, Deren Finger dich im schnellen Lauf zu seinem Lieblingsinstrument beriefen. Leis erklang euch
beiden Ein Duett aus Flötenspiel und Saiten. Dem Hunger, der schon endlos Tief in mir mit Bissen meinen Alltag quälte, gab An hohen Feiertagen noch Der Spott das Flittchen, Durst, Dabei. |
Es strich im frohen Springen Grässlich seine Saiten an, Und du, du musstest auf Der feuchten Hirtenflöte, Ungestimmt, die Töne Dazu bringen. Nur bei solchen Festen Kam die Lust euch an. |
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Längst floh die Zeit Mir dir Aus mir Von meinen Lippen Und auch verständnislos Dein Wort zu mir: "Mit meinem Mund Hast du mich wach geküsst." Damals war ich dein Und wohnte auch In dir. Die Luft war voll mit Süßerem Doch Honig sog ich Nur aus deinem Schoß, Und du warst erst in mir, Wenn meine Liebe in dich Überfloss. |
Doch Hagerkeit befiel dir Bald die Wangen. Was wir in unsrem dunklen Raum Nicht ahnten, Was wir später erst Erkannten, War, dass dir der Honigtopf, Den deine Lippen suchten, Nur von einer andren Frau Zu bringen war. |
Als das geschah, Begann dein Liebesdienst Zu wachsen, Dass mich die Hagerkeit Der Wangen Bald gefangen Nahm. |
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Ein weiches, warmes Wasser, Das sich über unsre Nacht ergoss, Das Wachstum regte, War dein unbedachtes Spielen An dem Feuerstoß. In offner Hand
hieltst Du die helle Flamme Über unsren Köpfen In die Tropfen, Dann schlugst du, Verkehrt herum, das kühle Nass Uns kochend, schnell, Als Mantel um. |
Es wurd uns Bad Zum sengend heißen Feuersturm, Und nur, wo deine Nähe Meinen Körper traf, Blieb ich verschont. |
Doch lichterloh brannt Lange schon Dein Feuerdorn In meinem Schoß. Die Nahrung dieser Flamme, Jener Feuerstoß, jedoch, Zog triumphierend Wieder hinter Festes Schloss. |
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Aus deinen schräg gestellten Augen Traten Füchse, Heftig blinzelnd, in die Morgensonne. Nur das Niederschlagen deiner Lider Trieb sie wieder in die Höhlen. Dann verließen sie dich schnell und
plötzlich Im Gepäck des Mannes, Dem du aufgelauert, Suchten dort nach Beute. Und er sah, wie du es wünschtest, Mit den Füchsen auch das Wild. |
Dein Bild und auch Die Wohnung deiner Füchse Wurden ihm Gravur. Im Umfeld der Behausung Glaubte er Schon das Revier zu kennen, Grub im Schatten deiner Haare, auf den Kämmen deiner Lippen, In den weiten Dünen deiner Wangen heimlich sich Gedanken An den Sieg in Mulden ein. |
Kurz nach dem Verschwinden Deiner Tiere in den Höhlen, Schnell vor dem Gefangennehmen, Zogen deine Wimpern Mandelblüten auf. Im trippelnden Lauf Bestrichen deine Finger Ihm die fiebrig heißen Lippen, Und in dir brach schrankenlos Ein Jagen nach dem Jäger aus. |
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Im ersten warmen Abendregen Dieses Frühjahrs Legte der Magnolienbaum Das Blütenblätterkleid Nur zögernd ab. Im Fallen hielten nackte, Feuchte Arme Hunderte von Spitzen dieses Umhangs Federnd auf. |
Am Boden lag auf sattem Rasen, Ganz zum Schluss, die Schar Von rosaweißen Vogelleibern. Ihre Flügel trug der Wind In Schiffchen fort. Dem schlanken Baum Wurd es zum
abgestreiften Nachtgewand, in dessen Mitte, beim Verlassen schon, Noch eines seiner Beine stand. |
Es trug einst eine Frau Zu später Nacht, als sie, Aus kurzem Traum erwacht, Das mondbeschien'ne
Abbild In dem Spiegel fand, Inmitten ihres abgelegten Kleides Sich dem Körper an. |
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Deine Speise ist
nicht meine Speise, Und dein Trunk
ist nicht mein Trunk, und Deine Ordnung,
die du liebst, ist Nicht die
Ordnung, die ich halte. Deine Freiheit
ist nicht meine Freiheit. Deine Pflicht bestimmt
mir nicht mein Tun, Und der Kampf,
für den du stirbst, Ist mir nicht Tod
genug. |
Die Sonne warf
den heißen Überhang Uns auf die
Dächer. Brütend lud das
Flimmern Der metall'nen Gegenstände zum
Verbrennen ein. Auf spitzen
Pfoten zog das Katzentier sich
schmiegend um Dein nacktes
Bein. |
Du zögertest nur
einen Augenblick, Dich dieser Hitze Ganz in Hitze
hinzugeben, Und ließt Glut der Stangen fremder Gitter Glühend, fremd
und Gitter sein. |
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Ist es nicht Lust für dich, Mich willenlos an deine kalte Brust zu legen? Nimmst du nicht zitternd An den Schmerz, wenn meine Zunge wärmend dir das Fleisch bewegt, Dort, wo dein Kind einst Nahrung trank? Ist es nicht Lust für dich, Gespannt die Schenkel mir Zu dehnen, angstvoll Eingang anzuregen? |
Ist es nicht Lust für dich, Im Zittern, Bangen Mir die Schultern zu umfangen, Zu gelangen zu dem Biss Sekundenlang dir In den Rücken Deiner eignen Hand? |
Ein Künstler legte, als ihn Der Triumph erreichte, Seinen Hals der Dirne in den Schoß Und mordete, als sie die Lust In seiner Demut gierig überkam, Mit einem harten Gegenstand Das Weib. |
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In deinen Augen kreisten Still die Zeiger einer Uhr Als du, auf deiner Suche Nach Empfängnis, Zu mir kamst. Mein Angebot versprach dir Heilung und war mild Und ohne Hinterhalt für dich. Auch hätt ich ohne dich Nicht viel verlor'n.
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Als ich den Zug, in dem du fuhrst, Betrat, riss mich die Stufe, Oder war's der Türenschlag, Beinahe in die Tiefe. Viel zu schnell griff deine Hand In meinen Tag. In deinem Stirnband trugst Du sichtbar all die feinen Räder Deiner kunstvoll aufgebauten Uhr. Die Zeiger dieses Werkes, Die uns Obdach waren, Zwangen in der Schere ständig Mich zur Flucht. Später klafften sie unendlich, Trennten Kilometer weit. |
Bitter und verzweifelt Sahst du mich entfernt Am andren Rand. Wie solltest du von mir Empfangen, wenn, Trotz aller Mühe, Keine Stunde uns Zusammenfand. |
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Der rote Kreis des Glücks Zerspringt beim ersten Anspruch auf Gerechtigkeit. Auf Gleichheit, Sattheit. So wie andre leben Soll die eigne Schaukel Sich zum Himmel heben. |
Kleines grünflüg'liges
Sonnentier Verwischt ein Handstreich Über das Papier, Und winzig rote Spur Bleibt nur. |
Es können auch im Nachhinein Die Weichheit deiner Brust, Sanftes Lieben einer Handbewegung, Fernweh und der Zufall, Mir ein fremdes Gehen Nur bedeuten. |
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Der Durst der Flammen Fand nach heißer Glut Durch vorgeschützte Wand Den Brand, Und ihre sanfte Hand Lag ruhig in dem Schoß. Die andere umschloss Und hob ganz leicht die Brust. Ihr Blick, gesenkt, vergaß Die Knechtschaft, Riegel, Kette, Schloss. |
Es floss mit jedem Atem Schneller die Bewegung Ihrer Hände. Ihr Leib verbäumte sich in Rundung, Zart war gar ihr Lächeln, Weit entfernt und Halb im Flug das Angesicht. |
Dann fiel sie starr Zur Seite in die Kissen. Die Zähne sperrten ihr den Mund Mit Bissen in die Unterlippe. Viel später trug sie sich gelassen aus Und sorgte sehr, dem Brand in Naher Zeit nur spärlich Kohle zu gewähren. |
|
Im Hahnenkampf Empfandst du dich, Um die der Streit entbrannt, Als Mittelpunkt. Die Frage nach der Richtung Meines Weges konntst
du Nicht verstehn: "Geh doch dorthin, oder dort Entlang. Du musst Doch sehn, wie ich Erst sehen muss, Mit wem ich weiter geh, Bevor ich dir von deinem Wege Näheres berichten kann." |
Im Hahnenkampf entschiedst Du dich für den Verlierer, Gegen deinen Willen. Der Sieger aber nahm dich Später und verlangte dich Als Führer. |
Ich konnte deine Frage nach Der Richtung deines Weges Nicht versteh'n.
Ich sah doch, Wie du schlepptest Am Verlierer und versuchtest In dem Sieger Sieg zu sehn. |
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Als kalt das Eis Vom Himmel fiel Und tausendfaches Weiß Sich körnte, Erschrak dein Sommerlicher Tag. Stein auf Stein Lag aufgereiht Im Sonnenschein, Ein Hagelschlag. Weit vor der Wolkenwand Erfand der ferne Regen seinen Bunten Bogen. |
Ein Lederschild, wie Kinder jetzt ihr Spielzeug Häufig tragen, Lag im Gartengras Und wies nach oben. Tanzend kochte dort die Kälte, prallte ab. Geschmückt und voller Duft war deine Kammer. Dein Gast der Gäste Traf nicht ein. Noch spät zur Nacht Bedachtest du in Hoffnung andre Feste Und lüdst dich
gerne Zu ihm ein. |
Rief dich von ihm ein Wort, nur eine Geste Seiner Hand, Du gingest zu ihm hin Und trügst ihm an Dein duftgeschmücktes Kämmerlein. |
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Dem Wind, der deine Haare Sanft umfing, Und deinem Mund Die Lippen strich, Vertrautest du dich Ratlos an. Ihm wolltest du die Abgebrannten Güter Deiner Seele zeigen. Und leise hob er auf Ein wenig von dem Staub, Der Asche, welche du Beklagtest, Trieb sie wolkenartig Vor sich her. |
Dich versah er, Stürmisch erst, dann Leicht, mit Kühlung. Wie konntest du ihm traun? Verrat an dir war ihm das Liebste Spiel. Von Mitleid, Treue, hielt er Gar nichts. Denk nur an die Zeit, Als Regen seine Peitsche war, Und denk nur, niemals Konnt er im Geheimnis Schweigen. |
Dünnen Wänden Ästen, Halmen, jedem fremden Hohlen Mund Verriet er deine Sorgen. Nur denk ich grad, Dass eben dieser Wind Die Asche deiner Feuerlaube dir ins Haus gestreut, Und dass gerade er, In seiner launenhaften Unschuld, Dir vertraut. |
|
Wir zogen mit
weißen Kreiden Auf den uns
eigenen Pflastersteinen Die großen Ringe. Sie sollten uns
allen Wohnung, Ruhe und Hoffnung sein. Kaum wurde von Unserem Umzug Gesprochen, Die ersten zogen Tatsächlich schon
ein, Da traf uns in Unsrem
entschlossenen Handeln Deine Frage nach Weiterer
Dimension. |
Du zogst nicht
mit ein. Du kanntest aus
unseren Kreisen auch
nicht Den dauernden
Kampf Ums neue
Beschaffen Von weißen
Kreiden. Zu uns sprachst
du trotzdem von Deinem Zuhause, Das läge nicht
weiter entfernt. Man schlösse In dessen
Fenster, Auch rund und
gezogen Im weißen
Kreidebogen, Unsre Wohnungen Einfach mit ein. |
Wir Verlangten von
dir, Uns den Eingang
zu Diesem Gebilde zu
zeigen. Wir wollten ja
nicht, Dass andere sich
unsre Habe Einverleiben. Du musstest die
Fragen Wohl nicht
verstanden Haben, Denn du deutetest
uns nur Die Suche nach
dessen Ausgang an. |
|
Mein Boot hebt sich Im letzten Schwung, Raschelnd, Durch das Schilfrohr Auf den Grund Und knirscht im Kies. Frischer, kalter Wind Vom offnen See Schiebt die Wellen, Furcht die Stellen Langer Gräser, Unbestimmt im Ziel. |
Ich trug dir einst Zu bleiben an Und drängte dich Aus deiner Bahn Ins kleine Boot, Zur Fahrt ins Schilf. Du suchtest bang Nach unsrem Steuermann. |
Ich konnte deine Suche Nicht verstehn, Das Ufer war doch Rundherum zu sehn. Erst als dein Körper sich Ins Wasser ließ Und du, ein blanker Fisch, Mir aus den Augen kamst, Trieb ich an Land Und suchte selbst Nach einem Steuermann. |
|
Im weißen Schleierkleid Begingst du deine Flucht. Im schönen Bild warst du Gerahmt, und auch der Mensch an deiner Seite Merkte nichts. Ein Brief aus meiner Hand, Ich war mir selber Bote, Kam nicht an. |
Solange du im Bilderrahmen Sichtbar warst, Sprach ich zu dir. Doch dann ... Den Gitterstäben, die dein Haus umgaben, trug ich im Vorbeigehn meine Botschaft
an. Der Brief, in rechter Hand gehalten, Ratschte an dem Zaun im Rhythmus einer ausgebrochnen Fahrradspeiche. |
Wie konntest du dem Bild Entspringen, wie kam es, dass Bis jetzt nicht einer deiner Lieben dein Verschwinden Aufgedeckt. Im Gegenteil, um dich noch Deutlicher zu sehn und auch Den Neuen gleich zu zeigen, Wurde das Gemälde von euch beiden Nun im Gästezimmer aufgehängt. Wenn ich nur wüsst' Um dein Verbleiben. |
|
Die Stummheit
deiner Sprache war mir
neu. Es überraschte,
dass auch Dein Plakat in
Überlebensgröße Keine Worte
hatte, Weder Farben,
noch Symbole, Keine Zeichen,
nichts. Weiß und nackt
trugst du Den Vorwurf vor
dir her. |
Du weißt, ich
hatte nie den Rednern zugehört. Vielleicht war
das der Grund. Was nun? Wie sollte ich
erfahren, Was nur deine
Augen sahen? Du gingst an mir
vorbei, Als ob die Zeiten
des Zusammenlebens
nie gewesen sein. Du sahst durch
mich hindurch, Und die dir
folgten, Schwiegen auch
betreten. |
Ich stieg auf
größte Höhn Und konnte sehn, wie sich Im Felde draußen
eure Gruppe Bald verstreute. Doch du gabst Von dem Plakat
zuvor In Sorgfalt jedem
deines Häufleins gleiche Stückchen ab. |
|
Im Gedränge auf der Suche Nach verlor'ner
Illusion Erfuhrst du bitter Schwangerschaft In Wahrheit, Festgenagelt in dem Brautgemach der Nüchternheit. |
Deine Nachbarn Gaben ab genug, Dich zu beladen mit Enttäuschung. Trotzdem hütetest du Deine Frucht im Leib, Weil dich in Ahnung streifte Spätrer Lohn. |
Die Frage nach dem Vater Deines Kindes kam dir fremd Es war doch offenbar, Dass du auf Suche warst. |
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Hilflos war sie im Verlangen Nach dem Schutz im Schutze. Sie ging hinter ihm im Schritt Mit seinen Schritten. Ihre Hand lag weich auf seiner Schulter, Horchend auch ihr Ohr auf seinem Rücken. Schwer ertrug er das Gepäck. Obwohl sie nicht verlangte das Getragensein im Tragen, Ließ sie sein was war Und mühte sich, ihm Eng zu folgen. |
Nicht sah sie den Weg, Die Stufen, Türen, Gänge, Freies Feld, das sie betraten. Sie sah immer nur, was schon gewesen, Wenn es hinter ihnen lag. Sie erkannte keinen Abschied. Was vorüber war, fing an Ihr zu begegnen, weiter im Entfernten und ganz nah. |
Sie wagte nicht den Blick Nach vorne über ihn hinweg Zu heben in der Angst, der Herzschlag träfe ihn, und lauschte So und kontrollierte seinen Atem. Lange blieb sie in dem Schatten. Auch als er die Wege Heimwärts lenkte, Nahm sie das, was sie einst in der Zukunft hatten, Als es ihr nun sichtbar wurde, Für Vergangenheit, und auch Was nie gewesen Ohne Abschied in sich auf. |
|
Schade, dass Die Tür aus Glas Unter uns weilte, Dass sie deine
Worte neu In Stille fasste. Zu oft vergaß ich
in dem Lärmen deine
Neigung, Die Gedanken in
ein Schweigen Uns zu hüllen. |
Du hattest bald
erfahren aus Der Stummheit die Gefahren und
verzogst doch Hinter
wortverschluckende Fassade. Der Zufall hob
beim Transportieren Gelber Rosen die
Verdeckung ab. Das leicht
gerollte Blütenblatt Der einen
spendete unwirklich Duft und ließ die
Nähe hölzerner Transportgefäße
sein. |
Später stand die
Rose dann mit Immergrün und
Schleierkraut In einer Vase. Ein
vielbeschäftigter Graveur, Der sie mit
künstlerischen Augen maß, Schnitt ihre
Linien täuschend nach In eine Tür aus
Glas. |
|
Es gibt für mich
viel zu bedauern: Worte, die ich voreilig
sprach, Zuneigung, die
ich verstieß, Und Neigung, die
mich nie verließ, Den Verrat zu
erproben. Zu oft sah ich in
dir Das satte Tier. Den Fettleib
trugst Du nur als
Zeichen Deiner Wollust, Deiner Gier nach
Speisen, Ausgewählt und
wahllos doch In deiner Sucht. |
Deine Sattheit Und die Lust in
der Verdauung Rief die Angst
vor dem Danach In mir wach. Auch hattest du
mich wissen lassen, Die nichts
hätten, Trügen selber
schuld, Als du sprachst: "Sieh zu
mir, sieh doch ein, Ich kann auch Mit wenig
zufrieden sein, Und steh ich je Mit leeren Händen
hier?" Er sprach wahr. Die leeren Hände Blieben stets den
andren überlassen. Auch nahm er an, Dass ich wohl
kaum Selbst das
Geschenkte In den Händen
halten kann. |
Auch das war
wahr. Nichts konnt ich halten, Was nicht ganz
und gar Mein Eigen war, Und das war
nichts. Als ich mich dann
endlich Entschlossen, Den Schritt in
mein Wirkliches Nichts
getan, Sah mich die
gähnende Leere Aus öden,
leblosen Augen an. Mein Nichts war
so endlos vollkommen. Da hab' ich mir
selbst meinen Namen genommen, Und diesen Tag Zu meinem
Geburtstag ernannt. |
|
Es gab auch
Zeiten, Als sie beide
noch von Wohlstand sprachen, Einem fremden
Land, Welches zu
entdecken, Zu erobern, Jeder lohnend
fand. Der Mangel an
Besitz War festes Band Und Einigkeit. Man musste
außerdem Nicht gleich
alles haben. Damals konnten
sie In Seligkeiten
baden. Die Kinder
glaubten später kaum Jenen Traum, Als sie Trümmer
dieser Zukunft sahn. |
Das Elternhaus, Das sie mit ihrem
Mann gebaut, War rundherum mit Rostig sprödem
Draht vertaut. Sie denkt mit
Schrecken an die Ferngespräche, Wenn er zum
Einbruch banger Nächte Wieder nicht nach
Hause kam. Und sie gestand
sich manche Üble Freiheit
ein, Die sie der
besten Freundin kaum Noch anvertraute. Sie trieb es mit
sich selbst am tollsten. |
Sie musste
schweigen Über das Futter
ihrer seelischen Leiden, Alkohol und
Nikotin, Und über lange
Tage, Strenge
Disziplin. Heute war auch
dieses Land für sie Verloren, Dahin war ihre
Lust Das Wenige zu
retten. Zu alt und zu
verbraucht War bald ihr
Glaube An das Morgen. So ließ sie sich
in jungen Jahren Schon zum
Mahlstein Für die
unverdauten Brocken Ihrer Umwelt
machen. Und alle Welt
befand, sie sei Eine gute,
vorbildhafte, Beinah, Noch
begehrenswerte Frau. |
|
Nachts zerbrach kein Traum Die Ruhe seines Schlafes. Erst im Morgengrauen Schlug das Pfauenrad der Phantasie Mit jeder Feder einzeln, Schüttelnd sich im Ganzen zeigend, Seine Wonneträume wach. Frohlockend schritt er ab Die Flur, bedeckt mit weißem Schnee, Und neben ihm Dein leichtes Atmen Blieb als Spur, Der ich die Sichtbarkeit verlieh: Aus meiner Wunde Tropfte Blut hinein. |
Behende schwangst du
dich Auf seinen Federrücken, Und ehe ich's versah, Entflogt ihr jäh. Du warst auch mit der Zügel, Jenem Zaumzeug, zu beschäftigt, Und ihn, ich sah's genau, Schien wohl zuerst die Schwere Last zu drücken. Doch das war Täuschung. Schon der zweite Flügelschlag war Auftrieb. Schnell verlort ihr euch Am Horizont. |
Mein eigner Flügelschlag War lahm, Und nicht erprobt war ich, Im Neuschnee aufzufliegen, Und meiner roten Zeugen Nahmen andere sich an. In heimlichen schlaflosen Nächten Hoffte ich auf linde Wiederkehrende Winde, Die mir das Rauschen deiner Landung
brächten. |
|
Kann nicht vergessen, Was wir einmal hatten. Seh noch den Wind
der Liebe Über unsre Felder gehn. In deinem Schoß Fand ich den Trost, Als unsre Saat Nicht auf die Erde fand. |
Als später dann Das Wachsen doch begann, War längst die Zeit der Illusion, Der Hoffnung und des Glaubens Auf ein bisschen mehr Als das, Was für das Nötigste man fand, Zerstört. |
Doch darf ich nicht verhehlen An deinem Halse die Juwelen Und an dem Handgelenk Ein königlich Geschenk. Es kam aus meiner Hand, Die sich vergeblich Nach dem Damals wand Und streckte. |
|
Im Augenblick, als sich Dein Bild von mir Und meine Welt Einander rieben, Sagtest du ein falsches Wort: "Warte, greife nicht Nach mir", Und spannst im Wort das Netz, In dem sich meine Worte, die erschöpften Vögel, Fingen. |
Ermattet von dem Wunsch Nach dir Und von dem Wunsch, ich könnte Frei und ohne deine Hilfe Durch die Maschen fliegen, Ließ ich ab von dir. Im rosa Bad erkannten Unsere Rücken, Wand an Wand, Die Wohligkeit der Wärme. |
In deiner ausgestreckten Hand Trugst du die Kanne Voll mit frischem Wasser für die Blumen, Die du liebtest, Auf der Fensterbank. Mich fand Der Spiegel nackt. Ein Frösteln wuchs mir Über Arm' und Leib. Und durch dein dünnes Morgenkleid Hob sich Zum Licht Die Silhouette Deines Körpers ab. |
Du ahntest wirklich
nicht, warum
|
Die Tür zu deinem Blumenhof Blieb unsichtbar. Erst spät zur Nacht, Als deine Gesten Lange Schatten warfen Hob sich der Eingang Herrlich von den Tagespflanzen ab. Ein schwerer, süßer Duft Wurd uns zum Pfad. Die Dinge, die wir bei uns Hatten, verwarfen wir Nach kurzer Strecke Wegs Als Ballast, Und ich, ein Fremder, Sollt auf dieser Fährte Dir im Garten Führer sein. |
Es war wohl die Verlockung, Die mich trug Und mich betrog, Denn als du dein Gewand Verlorst, erreichten wir Gerade noch den Ort, Wo dich das ungewollte Wort: "Wohin", Aus meinem Mund Und eine leichte Drehung Deines Halses in die Gruppe schöner Tänzer trieb. Man fragte noch, Wie du den schweren Weg Gefunden. |
Dann hat ein Nachtgeräusch Die Gartentüre zugedreht Und Tänzerin und Tänzer In die Dunkelheit verweht. Noch nächtelang, Wenn ich die langen Schatten Deiner Gesten wieder fand, Schritt ich die Tagespflanzen ab. Du ahntest wirklich nicht, Warum, Und welchen Durchgang Ich zu finden hatt. |
|
Bevor ich dir den Handkuss gab Und meine Augen deine Augen maßen, Und glitten ab Und an dem Hals herab, Dir deine Hand zu fassen, Vernahm ich deine Ironie. Der Ring, den ich mit deinem Arme hob, Trug eingefasst, Statt eines Edelsteins Ein Spiegelein
aus Glas, Dass ich erschrak, In meiner Nähe mir Den Kuss zu geben. |
Würdelos entzogst Du mir den Untertan, Er blieb in deiner Hand. Den Ring, den du nach innen Drehtest, mich im Blick Drauf hauchtest und Mit deinem Atem Trocken wehtest, Umschloss die Faust. |
Wie raffiniert hast du mir Das Gesicht gestohlen. Und ich, was mach ich nun, Hatt nie im Leben So zu leben Ausprobiert. |
|
Als ich an deiner Küste stand Und du die Füße deiner Flucht Im seichten Wasser wuschst, Trieb schon die kleinste Welle Sand auf Sand in unsre Bucht. Ein schmaler, flacher Fisch Geriet im Sog ein wenig Über deine Hand im Meer Und fiel dann gleich zurück. Er stand und pendelte Mit einer Woge hin und her. Wärme brach aus jedem Sonnenstrahl der blonden Haare, Die den Rücken dir umgaben. |
Ich war versucht, mit meinem Atem Über deine Haut zu fahren; Ich war versucht, dir meine Sinne Als die deinen anzutragen, Dir ein Wort im Wort zu sagen, Hätt ich nur gewusst, Auf welcher Flucht du Deine Angst verbüßtest. Auch als die Schritte dich Ins tiefre
Wasser lenkten Und sich die Arme Hinter deinem Kopf verschränkten, Blieb ich stumm. Nach kurzer Zeit erschienst du drüben, Vorgelagert auf dem Dünensand Und riefst mir zu und winktest, Dass ich kam. |
Doch wurd' das
Wasser Meinen Füßen tief und tiefer, und Der Anstieg dir zum Strand Fing nicht an. Da sagtest du, ich dürfte Meinen Fuß in deine Hände legen, Und hobst mich ab vom Grund Zu dir. Erstaunt gestandst du mir, Dass eine Reise über deinen Mund, Dem rosarot gewölbten, Wegen deiner schneidend weißen Zähne, dir aus Angst Um mich bestand. Schon ein leises Kosewort Wär ein Abgrund. |
|
Schon in der
Morgenfrüh Spie dein Vulkan Geröll und Asche
der Verletzten. Den Vorwurf, den
ich Gestern sprach
und Dessen Stachel
mir Nicht dir, im
Fleische Saß, Nahmst du von
Neuem an. Als ich um Hilfe suchend Meine Seele dir
entblößte, Sahst du nur den Übergriff, Und glühend breit Floss aus auf mich Der Lavastrom. Was blieb, war
mir der Kalte Sprung in Die
Verzeihung. |
Das Land stand Bis zur Küste hin
in Flammen, Und selbst das Nahe Meer kocht
dumpf. Ich hielt dir zu
den Mund Und nahm dich mit Gewalt. Du hieltst
gesperrt den Widerstand,
vielleicht Aus Angst, das
Land Könnt unter dir Versinken. Ein andres Mal,
so war Dein Schwur, würd
dir Die Sache ganz
gelingen. |
Der Ascheregen
schwebte lange Über heißer Flut Im Tageslicht Und stahl die
weite Sicht. Auch Boot und
Holz Und alles, was
einst schwamm, War nun verbrannt In Glut. |
|
Erschrocken stand ich vor dem Wohnungseingang. Beim Betreten, Auf dem Treppenabsatz, Störte mich das Knirschen wie Von Zucker unter meinen Schuh'n, und nun erkannt Ich erst, dass fein der Wüstensand Aus halb verschlossner
Tür Durch Ritzen fand. Es konnte doch nicht sein, Dass hinter dieser Mauer Trockenheit begann, Sich Hitze staute. Ich klemmte mich hinein. |
Ein schmaler Schein von Grellem Licht fiel durch Die scheibenlosen Fenster In die Stube Auf den Sandberg, der, Im steilen Anstieg, weiter Hin nach draußen lief. Zwei Bilder an der Wand, Fast ganz ertrunken schon Im Sand, Und auch die feine Spur Von einem Tier, das hier Noch Wohnung
nahm, Bemerkte ich gebückt Im Fensterausgang. Im Freien packte mich die Dürre. |
Ich konnt mir
euren Aufbruch lange nicht Erklärn, bis ich zum Alten Bahnhof kam Und sah, Wie sich die Schienen In dem Dünensand verliefen. Mir war nicht aufgefalln, Im Kommen, Noch entfernt vom Haus, Die Menge Sand In eurer Wohnung und Dahinter. Auch sagte keiner, dass Ein Anschlusszug Nicht zur Verfügung stand. |
|
Ins schwarze Rund, Ich sagte es, tiefschwarz, Versuchte ich den Blick Zu senken. Zwei Schilde, undurchdringlich, Waren deine Augen. |
Ich drehte langsam dich Zum hellen Licht. Du fandest darin Keine Absicht. Doch Auf dem Pupillenrand Erkannte ich Wie nun dein Herz In Wärme Zuckte, und In dunkler Tiefe stand Ein Bild, mir unbekannt, Und hinter meinem Rücken Doch vorhanden. |
Allzu gern hätt' ich gewusst, Ob deine Augen sahn, Was ich in deinen Augen fand. |
|
Verschwommen ist
das Weiß des Tellers. Halb im Dünensand
versteckt, Sieht ein Mond
hervor. Gelbe Körner
schlägt der Wind An den
Tellerrand. Dicht dahinter Fängt ein Berg Sein Wachstum an, Verschlingt die
Mahlzeit, Die er selber
schafft, Und gibt dem
Wind, Was er
dahingerafft, Viel zu spät erst
wieder frei: Einen weißen
Teller In der Wüste. |
Niemand sieht die
Speisung, Einst in Fülle
über, um Und auf dem
Teller, Nun ein Meer Im Meer. |
Viele brachtest
du vor Langeweile Um ihr Leben. Niemand drang im
Kampf mit dir Bis hier, Das Weiß in seine
Hand Zu nehmen. |
|
Schrei nicht in der Not! Denn wer dich hörte, der hörte dich nicht, Und wer dich sähe, der sähe dich nicht, Und wer dich kennte, der kennte dich
nicht. Schrei nicht in der Not! |
Doch, schriest du in der Not, So würde dich hören, den du nicht hörst, So würde dich sehen, den du nicht siehst, So würde dich kennen, den du nicht
kennst, Er würde schreien wie du in der Not. |
|
|
Dir war das junge Grün in Deiner Nähe Filigran am Halse Und im Kleid, Und Dreiecksstäbe, ganz aus Glas, Hieltst du vor deine Augen, Auf der Suche nach den Tausend Farben oft Versprochner Prismen. |
Du wurdst
belohnt, Und blendend rot traf Dich im Kreuz von Stirn und Nase frei der Eintritt in das Breite Spektrum. |
Neu und unerhört War, was du fandst, Ein Ausschnitt nur Für dich, doch mir Erschienst du ganz Im Regenbogen. |
|
Das Wasser der Verlassnen Ufer Schlug im Rhythmus Tag und Nacht Die fluchtverbot'ne
Sandbank, Und die Kiesel spülte es ins Meer, Und später warf es diese wieder Auf den Strand und Spülte sie ins Meer zurück Und auf den Strand, Ins Meer und auf Den Strand, Ins Meer Und auf den Strand. |
Niemand kam Und sah die Leere, Niemand kam Und nahm sich dieser Leere an. |
Nur einmal trug ein großer Vogel Lange Schatten auf die Grenze zwischen Meer und Ufer. Tränenvoll verliebte ich Mich in den Abschied, Den wir hatten. |
|
Das Papier, Aufgeweichte schwarze Schwellung, Punktesammlung, hell und dunkel. Regentropfen, der vom Himmel fiel, Brachte die Verwirrung. Nichts ist eher gesagt Als vor dem Gedanken gesprochen. Und die Tat ist Gleichmaß, Gleichschritt, Eine Spur im Schnee, In die der nächste tritt. |
Selbst der Appell Verhallt im Sonnenlicht Einer Kunststofflampe, Und kein Reiz Erhöht die Sinnenlust. |
Tief im Berg Verhallt der Ruf Nach Luft. Eine gläserne Kuppel Ist die Krönung Der Behausung. |
|
Langgestreckte
Welle Sehnsucht, Schiffchen Seufzer
tanzt Auf deinem
Rücken, Hisst den Fetzen
Fahne Hoffnung. Buntes Seil,
Erinnerung, Läuft durch meine
Hand, Endlos auf und
ab. |
Fort sind all die
Ufer Meiner Träume, Meiner Wünsche. Schlaf begehr
ich, Schlaf, Schlaf,
Schlaf. |
|
Worte,
Ihr gefiederten Geburten
Meiner Lippen,
Reisende
Ohne Ziel,
Ohne Wiederkehr,
Nie hör ich mehr
Euer Echo,
Wo ihr bleibt,
Wen ihr trefft,
Wen ihr sucht,
Wenn ihr meinem
Mund entflieht,
Und wer euch Nahrung gibt.
Vergessen im
Vergessen
|
Der Turm im Turm Der Türme ist
geweiht, Und auch die
Kunst dir In der Kunst der Künste angezeigt. Und jedem
sichtbar führt Der Weg im Weg
durch Kunst in Kunst
zum Turm im Turm. |
Aus großer Höhe
in der Höh der Höhe Und aus Nähe in
der Näh der Nähe Wird dein Blick
den Blick im Blick Und Überblick den
Überblick im Überblick Verlieren. Vergiss Vergessen
im Vergessen Nicht. |
|
|
Im Augenblick der Unaufmerksamkeit Ließt du die Hohe
Schule Deiner Wissenschaft. In Nacht standst du im Freien, Zähltest Sterne, die dir Funkelnd oder blass ins Auge stiegen. Du warst schnell geneigt, Sie in die Hand zu nehmen, Konntest du doch einst Mit ihnen spielen. Doch dich schreckte ihre Vielzahl. |
Noch im Hände heben machtest Du aus der Bewegung ein Gelangweilt Strecken deiner Arme, und Dein Blick, der schon die hellsten Unter ihnen nah zum Greifen sah, Ließ dich erneut erschrecken, als der Mond unmittelbar Durch deine Haare strich, Und seine Kälte Wich dir nicht aus dem
Gesicht. |
Aus einem Mikrobild entwich Einst in der Analyse einem Virus, das im Sterben lag, Das umcodierte Gen zum Überleben. |
|
Die tänzelnden Worte, Melodiös, Mantel verborgener Leidenschaft, Ein Regen schwer und fruchtbar. Frühe Stunden des Verhangenen Werden licht beim Spiel. Über Felder weites Bangen, Rauch und Lieb, Verrat und Sehnsucht. |
Die Augen Nur ein wenig auf die Erde: Blick von Dauer, Leises Lächeln, Und verbirg die Hand. Die schweren Karren, Welche Last! Jetzt in die Sonne, Vergessen die Grate der Steine Unter wunden Füßen, Einst umschmeichelt. |
Wo der Mund, Der deine Lider
schloss Sanft und warm und weich, Wie der Regen. |
|
Ach, Spinnweb,
Tag, Vom Morgentau Beperlt hängst du Im Espenlaub Und zitterst vor
Erwartung. Kalt und
glitzernd Hältst du fest an
deiner Zier. Der erste
Sonnenstrahl Zerschießt in
deiner Nähe. |
Langsam greift
nach mir Ein Frösteln. Angst behängt mit Dünnen Fäden Mein Erwachen. Sie zersprangen Und befangen, Unsichtbar und
spürbar klebrig, Mein Verlangen, Sich von dunkler
Nacht Zu trennen. |
|
|
Leises Rufen höre ich, Atmen einer fremden Welt, Wenn im morgendlichen Nebel Herbstblatt feucht zur Erde Fällt. Lange Nebelfinger greifen Mit dem Atem schwer mein Herz. Seh geheimnisvolle
Zeichen, Schweben namenlos daher. |
Schon verklingt in naher Ferne Ein geträumter Augenblick. Hätt dem Rufenden so gerne Eine Antwort zugeschickt. |
|
|
Über uns am Himmel standen Lange die weißen Weihrauchfahnen Der schnellen Maschinen. In ihnen saßen, Vor irgend einer Landung Ausgeschieden, Die fliegenden Hirne Unserer Zeit. Ausgebreitet und Ganz dem Flug Ohne Rast ergeben, Strebten sie neue Landungen an. |
Dann, irgendwann, Trugen sie ihre Taschen, Entblößt von den Jagdgewehren ihrer Vergangenheit, Doch voll Zuversicht, Versehen mit den Waffen Der Gelegenheit, In ein zu versuchendes Land. Kurz nur lag ihre Hand in fremder Hand, In andrer Hand. Zu bleiben War ihnen nicht beschieden. |
Auch stand der Sinn Schon vor der Landung Nach neuen Landungen an. Ihre fliegenden Hirne Waren ja vor der Landung Lange schon Ausgeschieden und In den Maschinen Sitzen geblieben. |
|
Heimatlos Hatte er manche
Nacht Ohne Nacht
verbracht. Er wusste nicht
genau, Wann ein harmloses
Wort Anwendung fand, Wann war dem
Liebsten Nähe zu geben, Wann von dem
Nächsten Liebe anzunehmen. Er stimmte zu Oder lehnte, wenn
es verlangt war, Ab, Und schlich sich
laut Aus Fängen, deren
spitze Kralle ihn nicht
stach. |
Nur einmal wurd er wach, Als aus dem
Inneren, Aus seinem Leib, Ihm ein Geschwür Aufbrach, Das zur
Behandlung Anlass gab. Er nahm es damals Als Besonderheit, Dass während der
langen Operation Keine
Bluttransfusion Bei ihm nötig
war. |
Aus keiner der
Adern, Mit scharfem Skalpell
durchstoßen, War ein einziger
Tropfen Blutes geflossen. Dieser Bericht
ging später auch, Mehr aus Routine, An eine Höhere
Kommission. Die befand, dass Ein ähnlicher
Fall schon In alten Urkunden
stand Und hier keine
Abnormität Vorläge. |
|
Es war der Tag, Der mir zerbrach, In Gestern, Heut und Morgen. Ich hab versucht, Den Alltag mir Alltäglich zu besorgen, Und stieß auf dein "Vielleicht". |
Es gab mir nicht, Wie ich erhofft, die Sicherheit, Es war die Frage Nach der Gültigkeit, Dem Anspruch, Den mein Wunsch Erhob. |
"Vielleicht", du Eckstein Meines Wohngebäudes, Wurd'st zum Stolperstein Dem Tag in schneller Fahrt, Dass er zerbrach, Und lässt den Alltag Nicht mehr Alltag sein. Drei Tage hab ich nun Statt einem zu Besorgen. |
|
Sie hatte sich Im Traum gesehn In einem Kleid Aus ihren eignen Haaren. Wunderschön Darein geflochten Wob ein goldner
Faden Ihr ein dünnes Netzwerk, Das den Leib umschloss. Nur ihr Gesicht, der Hals Und ihre zarten Arme Blieben unbedeckt. Im Traume war ihr auch Im Traume Eine Frau erschienen, Deren ganze Haut umspann Ein in ihr langes Haar Geflochtnes goldnes Garn.. |
Im Traume hatt
die Frau im Traum Im Traum ein Weib Erkannt, Das trug die langen Haare Gold durchwirkt Als Umhang. |
Der Anfang Dieses goldnen
Fadens Wuchs dem Weib Aus seinen Zähnen, Weiter aus dem Saum Heraus der andren Auf die Zunge Und heraus und weiter Durch die Kleider Ihr dann selber In den Mund. Es hing auch noch Ein Stückchen Goldband Sichtbar aus dem Schlund, Als sich die Frau Erhängt in ihrer Kammer fand. |
|
Ich kann dir Die Welt erklären. Der kleine Splitter Aus gelbem Glas Vom schmutzigen Straßenrand, Den ich auflas, Als ich ihn fand, An dem ich mich schnitt, Er brachte mein Leben In Gefahr, Dieser unwürdige Splitter Aus einem Flaschenhals Erklärte mir die Welt. |
Solange er noch zwischen Blättern und Steinen lag, Eine züngelnde Schlange Im warmen Sand, War ich nicht in Gefahr. Aber der Sonne brach Er tausendmal Das Rückgrat, Und mich erreichte Ein farbiger Strahl. |
Hätt ich mein Leben Im Umgang mit Splittern Aus Glas Zugebracht, Könnte ich dir die Welt Nicht erklären. Ich sagte dir ja, Ich hätte mein Wissen Um ein Haar Mit dem Leben bezahlt. |
|
Am Bahnhof, In den Reihen
weit, weit Hinter mir,
erhebt ein Fotograf die
Kamera Zum Zeugen. In seinem
Blickfeld trifft Kein Bild die
Wirklichkeit, Kein
ungeschminkter Augenblick Die Suche nach dem
Ungewohnten. In Heimkehr küsst
ein Weib den Mann, Ein Gast trifft
ein Und deckt mit
seiner Schulter zu den
Prominenten. |
Es langweilt ihn, Er möchte gehn, und Auch in seinem
Objektiv Ist alles, ganz
absichtlich, Nur verkehrt
herum Zu sehn. Das soll Die Echtheit
einer Wahrheit Stumm beweisen, Wenn richtig sich
und Aufrecht ihm die
umgekehrten Menschen zeigen. Er selbst glaubt
nicht Daran, es zu
erleben, Und verfolgt im Bild den Mann Am Rande einer
großen Stillen
Wasserlache. Glatt und spiegelnd
stellt Sie ihn verkehrt
herum Und aufrecht hin. Wenn nun die Füße
sich Vom Spiegelbilde
trennten ... |
Da setzt der Mann
zum Sprunge Über diese Fläche
an Und eilt, Im Spiegel hastig
auf das Bild Gebannt, im Freien Raum und
aufrecht Durch das
Objektiv. Es gab 'mal eine
Wirklichkeit, Die war
tatsächlich nur Durch ihre eignen
Taten Von der
Wirklichkeit Zu trennen. |
|
In seiner
Professur, Im Leistungsfach
der Kybernetik, War er
aufgewacht, Als man ihn rief, Den Vortrag
andernorts Zu halten. Beim
Überschreiten einer Straße traf er
den Studenten, Den er noch im Weitergehn Gefragt: "Entschuldigung,
kam ich von Links, vom
rechten Teil Der andren
Straßenseite?" Die Antwort war
ganz klar: "Von rechts,
Herr - - ." "Gut, dann
hatte ich schon Meine
Speise." |
Er nutzte diesen
Zeitgewinn Und fertigte ein
Ebenbild Von sich, das
schickte Er auf Reisen. Beförderung und
Ankunft Unterkunft und
Aufenthalt, Die waren längst
bezahlt. Das Referat
jedoch und auch Das Thema seines
Ebenbildes Kamen nicht
spontan und Überzeugt wie
sonst bei seinen Hörern an. |
Es fehlte wohl
die Eigenart Seiner Gegenwart. Als er ein
nächstes Mal Sich heimlich
unter die Besucher stahl,
kam Keiner in
Beschwerden. Er war wie früher Und in seinen
Reden Viel, viel
transparenter. |
|
Das kleine
Schiff, das uns, Der Strömung
folgend, Durch die Riffe
führte, Schwankte stark
bei jedem Ruf nach Hilfe. Den Steuermann Bestimmten wir im
Überschwang Noch selbst. Ein Wrack, das
menschenleer Auf einem Felsen
lag, Kieloben, zeigte,
wie gering Der Wert des
Ruders war. |
Von jeder harten
Kante Stießen wir das
Boot mit Stangen ab und
tasteten Im Tiefen, Grund zu finden. Sturm kam auf,
und wir Beeilten uns, den
Kahn am Wrack, noch ganz
in unsrer Nähe,
festzubinden. Anker sollte es
in letzter Not Uns sein. |
Es tat sich
leicht, im Nachhinein Den Jammer
festzuhalten, Der uns einst
befiel, Und alte Schatten
neu mit Bunten Kleidern
zu gestalten. Die Nacktheit,
die uns Tag für Tag umgab, Und nachts dem
Schlaf die Kälte brachte,
blickte voller Neid auf unser Mühn. |
|
Die Burg, die scharfe, weiße Türme Dir bewachten, war ein Labyrinth. Zwei offene Passagen gaben Jedem Gast den Weg ins Innre Frei. Sie waren oft verloren. Du hattest eigene Soldaten, Strenge Polizisten, auserkoren, Die im Hinterhalt und offen Für die Burg den Schutz getroffen hatten. |
Ihr Übereifer brachte dir Betroffenheit, Wenn selbst ein braver Gast Noch lange vor dem Wort im Wort Am Boden lag. Auch die Kinder deiner Burg Zensiertest du im Streben Ihnen Überleben vor dem Schreiten über deine schnell Bewegte Brücke ohne Rückkehr mitzugeben. |
Mancher der Besucher aber Trat ganz plötzlich dir Vor Augen, kam direkt und Ohne Umweg in dein Herz Geflogen. Du, ein König und ein Meister Ungesprochner Worte, Klagtest, dass dein Herz In Schmerzen schrei und dass Das Schweigen, welches dir so viel
bedeute, Voller Worte sei. |
|
Die Schnelligkeit
in Schnelligkeit der Schnelligkeit, Die Wort im Wort
des Worts Zum Dolch im
Dolch des Dolchs Verhalf, Bekannte später
Mord im Mord des Mordes. |
Das Wort im Wort
des Worts, Dem Schnelligkeit
in Schnelligkeit der Schnelligkeit Zum Dolch im
Dolch des Dolchs Verhalf, Bekannte Später
Mord im Mord des Mordes. |
Der Dolch im
Dolch des Dolchs, Zu dem die
Schnelligkeit in Schnelligkeit der Schnelligkeit Dem Wort im Wort
des Worts Verhalf, Bekannte später
Mord im Mord des Mordes. |
|
Leise klirrt das Birkenhaar. Vergangenes Jahr Sang es noch
nicht unsre Zeit. Dunkelheit. Im Mai brach die
Knospe der Armut an. Graues Gewand, Bettlerkleid. |
Wir vergaßen, Verzeihendes
Blicken, Verständnis in
die Nacht zu schicken, Lernten nur
armselig hassen. Mich dürstet. |
|
|
Die herbe
Reinheit einer Morgensonne... Der Rückstoß aus
Raketenfeuer Ist ihre Glut am
Bauch des Flugzeugs, Weit, weit über
mir, Ein Stern im
Tagesgrau. |
Die bittersüße
Ferne Und mein Verlangen
nach der Wärme Lassen mich nicht
ruhn. |
|
|
Ein löchrig grauer Schleier Mit den Fäden verhaltener Unruh' Treibt auf den glatten Wellen Des jungen Tages. Die Nähe des Strandes Und fünfzig-, ja hundertfaches Auf und
Nieder Bewegen die ersten Sonnenstrahlen In jedem Gedanken. |
Rot, dann gelblich, färbt sich Langsam das Grün der Gräser, Wie Glas, so zerbrechlich, Und neigen sich doch im Wind Bis hinab zum Sand. |
|
|
Der Gurt verlief
durch Tausend Spitzen
deines Kleides hin zu
festem Halt Und zwang dich, Still zu sitzen. Dir schien, als
müsse Das Geschehen
ohne dich Geschehn, und was zu
deiner Sicherheit
geschah, War Band in dem
Gefährt, Das deine
Freiheit maß, Und schnitt dich
ein. |
Dem Gurt
entsprang auch Ungebundensein, sobald Du das Gefährt verließt
und Angstvoll in der
dunklen Straße Schatten hinter
jedem Baum Und jeder
Häuserecke sahst. |
Den Absturz eines
Flugzeugs Über unwirtlichem
Busch Und der Region
Verdammter, Konnte eine junge
Frau als einzige Mit ihrem Leben
überleben, Weil sie durch
Zufall in dem Studium von dem
Geheimnis Im Geheimnis,
Urwald, Nahrung in den
Wurzeln fand, War ihr die
Freiheit der Maschine Wie den vielen
andren, Die mit ihr
zunächst am Leben blieben, Nicht zum Grab
beschieden. |
|
Eine Nacht Hab ich verbracht In der Gefangenschaft. Noch abends war ich frei, Als ich in Freundschaft Zu dir kam. Doch mein Besuch, Mein Kommen, fand dich Eitel triumphierend, Über Siege schluchzend, Die du früher nur belacht. Sie waren diesmal dir Gegönnt. Ein andermal erkennst Du nicht Den Kampf, Der unter fremden Gegnern brennt. |
Zu selten warst du Sieger, Um besiegt zu sein, Zu selten stellte sich bei dir Der Hass des Gegners ein. Um deiner Rettung willen, Hab ich verbracht Die Nacht In der Gefangenschaft. |
|
|
Ich hatte einmal
das Singen gelernt Und mir an dem
Feuer die Hände gewärmt. Ich kam einst aus
eisiger Nacht, Und andere haben
mein Bett gemacht. Ich war sehr
lange verschollen Und wurd erst vermisst, als ich kam. Ich hätte mich
melden sollen, Nahm man an. Man konnt ja nicht wissen, In meinem Herzen
war eine Eisgefrorene
Melodie. Ich kannte doch
nur sie All die Zeit. |
Dies Glasgewächs
war meine Wohnung, wie
könnt' ich sie missen; Ihre
Durchsichtigkeit meine Ewigkeit. Ich brachte sie oft
zum Klingen, Ich lernte dabei
das Singen. Und brach sich im
Eis ein Sonnenstrahl, War ich dankbar. |
In der Nacht noch
sah ich das Feuer, Es strahlte so
merkwürdig klar, Und es wuchs ein
gläserner Pfahl Aus der Pracht. In fremdem Bette
lag ich jede Nacht, Durchbohrt von
dem hellen Kristall. War unbeweglich
in der Qual. Wie hätt ich mich
melden sollen, In mir und um
mich das gläserne Eisgemäuer, Blieb ich
verschollen. |
|
Der Schatten einer jähen Hand Berührte die Gedanken. Sie tropften kalt und klar herab, Den Schößling
in der Hand zu tränken. Der spross so schnell, Und seine grünen Fäden Durchzogen rasch das Denken. Die Speisung war nicht knapp, Gedanken gab es ohne Schranken, Ein heilloser Quell. |
Erst war es nur der frische Wuchs, Der sich, wie im Spiegel, ein Abbild
schuf, Dann trieb er Blüten, die zu Früchten
wurden, Und lud zur Ernte, Dass der Saft zum Rinnsal fand, Und Ungeduld mit Hoffnung Und die Hoffnung mit der Unschuld sich
entfernte. |
|
|
Gott, oh mein Gott, Mach ungeschehen Diese Tat. Kann nicht verstehen Meine Not. Mich grausts Bei meinem Leben. Ach, könnt' ich's von mir geben. Hab nicht die Kraft, Mich zu erhalten, Hab nicht geahnt das Schlimme, Das mich traf. Nein, nein, Es darf nicht Wahrheit sein. |
Mein Lebtag rief ich dich nicht an. Doch irgendwann, Es musste ja so kommen, Wurd' mir das Liebste
von der Welt genommen. Und dieser Hohn, Den ich mir selbst bereite, Die unglaubliche Demut, Die mein Herz nicht einen Deut befreit, Und mich verlässt Und mich belässt In der Gedankenlosigkeit. Bin ja zum Sterben so bereit. |
|
|
In mir ist stündlich, täglich Ein Prozess. Ich klag mir an Die Untat, die mein Herz ersann, Und prüf, Wie's wär Wenn's eine Wirklichkeit gegeben hätt. Ganz qualvoll Überschüttet mich die Lust, Dem, der in letzter Not mich ruft, Gelähmt den Rücken zuzukehren, Nur weil er Dinge sprach Und Sachen tat, Die mich im tiefsten Grund Verletzten. |
Bevor ich flieh vor dem Entsetzen, Dafür von mir bestraft zu werden, Steht jener wieder auf Und lacht mir Schallend hinterher. Er ist nun das Gericht. Er treibt mir Panik ins Gesicht, Und nass vom Schweiß Wird meine Haut. Ich schrei' vor Angst um Hilfe, Ruf' wohl vertraute Namen laut Und kann es ihm nicht wehren, Mir nun den Rücken zuzukehren. |
|
Aus hohlen Händen
Unlösbar verstrickter Ohnmacht
Trifft dein Blick die Gegenwart.
Lautlos ist dein Ruf
Nach Zärtlichkeit,
Nach trockener Umarmung,
Warmem Umhang,
Den dir fremde Schultern
Leihen sollen;
Schultern, die zugleich den
Purpur deines Königs tragen,
Eines Königs, der dich rief,
Eines Rufers tief
Aus deiner Seele,
Einer Seele, die in Stricken
Schreit,
Eines Schreis, den deine eignen
Hohlen Hände dir ersticken.
Wilder Wein
|
Ich riss von deinen Wangen ab Den Rank Aus wildem Wein, Und auch die Beeren aus Achat Ließ ich an deinem Hals Nicht sein. Es war dir gleich, Wie ich dich sah. |
Von jedem Saugnapf der Entfernten Reben blieb Ein Quell aus roter Angst Auf deiner Haut. Du wolltest mir auch nicht Die Frische der Befreiung geben, Verrietst mir nicht den Rebstock, Seinen Aufenthalt. |
Mein Morden und mein Töten Trieben nur den Wuchs Noch stärker an, Bis du gebarst in deinen Nöten Und voller List aus deinem Wein Den Saft, Der mir Besinnung nahm Und der die Kraft, Bei dir zu sein, Mir raubte. |
|
Die Atemlosigkeit
der selbstgeschaffnen Freiheit Hielt ihn fest
umklammert. Und er beschwor In größter Furcht
um den Verlust, In Strenge, Seine Lieben, Zwang sie alle zu
Respekt, Zum Kniefall. Von Frau und Kind
kam Jedes Opfer ohne
Klage. Sie richteten
sich ein und Nahmen an
Verzicht und Auch Geborgensein
in der Gemeinsamkeit. Sie trieb voran Die Angst um
diesen Mann. |
Und ihre Angst
erhoben Sie zum Ritual, Das sie nach
draußen trugen. So schufen sie
sich ihre Zeit In seiner Zeit Zu leben. Ihm verhieß in
Wachsamkeit Der Grund Für die
Umklammerung: Nach deiner Zeit Wird dir die Zeit Zu leben Auch gegeben. Das nahm er
willig hin. |
|
|
Das Blau des
Himmels War tief in die Nacht
getaucht, Die Sonne lang
zuvor verbrannt Im Rauch und
Staub der Stadt. Sternenlos und
gelblich hell wurd nun Der schwarze Rand Am Horizont. Ein Nachtzug
spiegelte im Braungetönten
Fensterglas Vom Bahnsteig
langsam Die Gesichter mit
sich fort, Und drinnen saßen
ihre Koffer. |
Am Ziel der Reise
angelangt Versuchte
mancher, sich, das Tagesblau Aus dieser Fahrt
zu retten, Suchte zögernd
seine Hand In eine warme
Hand zu stecken. Ein anderer
ergriff nur trocken Einen abgebrochnen Ast von Jenem Baum, der
splitternd fällt, Wenn ihn die
Windlast Allzu lange
quält. |
Und still in
diesem Märchenland Saß auf dem Stein
ein fremdes Kind, Das fand, den
Kopf gelehnt an eine Wand, Halb schlafend
schon im Lärmen, Das Paradies auf
Erden. |
|
Als Frau von Außerordentlicher
Reife Erzog sie ihre
Puppen In der Poesie. Sie liebte sie
und War doch streng In ihrer Auswahl Stummer Lehrer. Nur das Auge galt
Ihr viel. Belebt und voller Reden mussten die Betrachter sein, Das gäbe ihren Puppen Leben. |
Auch hatte sie
den Übergang vom Tag Zur Nacht für Ihre Lieben
abgeschafft. Frei nach ihrer
Wahl, Man brauchte sich
nicht Lang zu sehnen, Schuf sie
Mondlicht, Sonnenschein und Regen gar. |
Im Laufe der
Erziehung Dieser Kleinen
fing sie An, von jenem Tag Zu träumen, An dem die Puppen Ihr in Poesie Entflögen. Das nahm sie
jetzt schon Stolz und als ihr
Schicksal Hin und wusste
auch, Sie würde dann
aus Einem
Puppenladen, Neue, unerzog'ne Puppen Zu sich laden. |
|
Du sammeltest die
Splitter Der durchwachsen
Nacht In schaler
Absicht. Was in Müdigkeit
von Fremden
mitgeteilt, In weher Hoffnung
dir, Dem Unbelasteten,
zu tragen Anvertraut, das
warfst Du nur zusammen. Du brauchtest
mehr, Viel war dir noch
lange Nicht genug. Du merktest auch,
zu oft War es das
gleiche und Die Gleichen
kamen dir zu oft. |
Um Farbenpracht,
wie Du sie
brauchtest, Zu erreichen, Gingst du mit der
Sammeldose auch Noch Tags zu den Bedrückten. Du sagtest frech,
es sei die Nacht, die sich
im Tage Tummelte, und
auch, Du wärst dabei,
ein wenig Licht in
Finsternis Zu tragen. |
In einem
Treppenaufgang Konnt ein hilflos
krumm Gewachs'ner Mann, Die Spitze seines
Kinns Berührte fast das
Knie, Die Stufen
einzeln nur Erklimmen, weil
in Blindheit eine
Frau, Der er die
Führung übernahm, Ihn schob und
zerrte. In seiner
ausgestreckten Hand erhob er
zitternd über sich Vor ihre Augen Ein Kaleidoskop, Mit dem er ihr
versprach: "In deiner
Dunkelheit werd Ich dir heut die neuen
Splitter Zwischen den
Glasscheiben Zeigen und im
Drehen Immer neue Muster
weben." |
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An jenem Sonnentag Erstarrte hell der Weg, Den du gegangen warst, Im blanken Weiß Des Sandes Dir zu sprödem Eis. Ohne Schuh gingst du Am Rande des Erlaubten. Rot und funkelnd machten Deine Füße zögernd jeden Schritt nach vorn. |
Den Saum des Kleides, Dass du daran dachtest Ihn zu schonen, Oder war es deine Neugier, Fuß im Fuße deiner Sohlen Anzuschauen, Hobst du maßvoll in die Höh. Ganz unumwunden Trugst du nun schon Tag für Tag Und ohne jede Sorgfalt Teuersten Karat Ins Stirnhaar eingebunden. |
Und du erzähltest jedem Von dem Bild, das du Im Bilderbuch gefunden. Viel zu stark empfandest du Dein Glück im Glück. |
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Zwanzig Jahre Kampf, Und messen mit dem Unmessbaren. Zwanzig Jahre achten Auf die Uhr, Ihr Ticken, Auf ihr Schweigen, Wenn der Lärm der Zweifel Ihre Ruhe überdeckt. |
Ungeweckt, Und schon dem Greisenalter näher, Kommt ganz unverhofft ein Ungekrönter Mund Und singt dir deine Lieder, Immer wieder, Immer wieder. Kennt auch deine Lieblingsmelodie, Die, nie gesungen, Doch ein ästevoller Baum Und blütenreich Dich schmückt. |
Lausche ihr Und traue ihr Und deinem Glück. Es kam nun doch Nach langer Irrfahrt Als ein Wohnschiff In dein Haus zurück. |
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Mich überfällt die Minute der Andacht Ohne Grund, Mitten im Treiben. |
Ich bin auch nicht Auf diese Stund
versessen. Nur Stille, eine Sekunde Des Friedens, die mich Überkommt, Ganz ungewohnt, Lässt mich Alles unterbrechen Und vergessen. |
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Dir,
Simone, Kind im Kind, Entnahm ich aus der Hingestreckten Hand das Blau deiner Augen. Was du mir gabst, Kam ohne Argwohn, Ohne Frage nach Warum, Weshalb, Und ich umschloss es Angstvoll, hütete mein Übermaß an Glück. |
Kein Juwelier konnt Besser Fassung einem Steine bringen, Als der kleinen Hand in Führung meine Führung war. Es war dein Kleid, das Von den Schultern kinderleicht, Als Turm Auf deinen Füßen stand. Die Wendeltreppe nahm darin Im Augenblick des Augenblicks Kein Ende. |
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Die Dämmerung beginnt Der Nacht den Hof zu machen. Es richtet sich die Stadt, Ein Hofhund, Hinter dem die langen Ketten schleifen, Zu scharfer Wacht und auch zugleich Zum Schlafen ein. Das Nachtlicht Bricht sich Schon im Glas der Fensterscheiben, In dem schwarzen Blank Der Wagen, Die vorüber treiben. Am Bahnhof treffen sich die Sehnsuchtsvollen, Die Namen- und die Heimatlosen. Manch einer nimmt Gelegenheit Und ausdruckslos ein billig Weib, Ein anderer den weißen Traum zu reiten. Ein Reisender bemerkt es kaum. Ihn treibt der Anschluss, Auch der Weg nach Haus. |
Im Vorort geht ein jugendlicher Zug Zu irgendeinem Treffen. Ein junges Eheweib empfängt Mit Schimpf den Mann, Der fängt das Saufen wieder an. Und in dem Vorsaal, am Empfang, Am Operneingang, Im Foyer, Hebt offiziell der elegante Mann Zur schönen Frau sein Glas. Und vielen Frauen Wird am Telefon gesagt: "Ich komm heut später, Warte nicht auf mich, Es wird ein langer Tag." Sie ist zu keiner Gegenfrage In der Lage, Und hält den Kindern wieder Überstunden vor. Nur dem Großen traut sie sich nicht Solches noch zu sagen. Sie baut sich so Ein strohig Nest der Einsamkeit Und kann doch
über sonst nichts klagen. |
Ein Einbruch findet in belebter Nähe statt. Ein altes Weib, Das zeternd schreit, Bleibt ungehört. Dies ist die Zeit der Fütterung, Die Zeit, in der ein Fernsehbild Den aufgebrochnen
Hunger stillt. |
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Hab keine Zeit, Zu denken, was gescheh'n. Hab keine Zeit, Mich umzudrehn. Hab keine Zeit, Mich deiner anzunehm'n. Hab keine Zeit, Darf nicht zur
Seite sehn. Hab keine Zeit,
hab keine Zeit. Was für die Zeit
ist, soll von mir aus dauern, Das, was von Wert
ist, soll ein andrer untermauern. Was für den
Augenblick gemacht, Das hab ich
gestern schon bedacht. Hab keine Zeit,
hab keine Zeit. Die Zeit ist viel
zu kurz, Mein Weg ist noch
so weit. |
Hab keine Zeit, Zu überdenken,
was begann. Hab keine Zeit, Dir zu erklären
meinen Wahn. Hab keine Zeit, Mich nach dem
Grund zu fragen. Hab keine Zeit, Muss schnell mein
Päckchen weitertragen. |
Hab keine Zeit,
hab keine Zeit, Mir sitzt der
Affe fest im Nacken. Er hat die Zeit
mir zu bewachen, Er schreckt mich
auf, wenn mich die Zeit erreicht. Hab keine Zeit,
hab keine Zeit. Es ist kaum Zeit,
die mir noch bleibt, Bevor sie
auseinander treibt. |
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Mich drängt der Tag, Den Traum der Nacht Neu zu beginnen. Nicht weiß ich mehr, Und hab doch lange nachgedacht, Wie er verlief. Der Tag will heute Traum und Wachheit sein. Die ausgehöhlten Steingehaunen Treppen In den Turm geh ich hinauf. Ein Falke ist im Ausguck Noch zu sehn, Und Tauben flattern auf, Und Menschen, Kinder, Seh ich weiter oben stehn. Zur Seite führt ein Weg, Zu einem leicht geschwungnen
Steg Aus Holz. Ich muss ganz dicht an dieser Mauer gehn, Nun um den Erker noch herum Fällt steil der Glockenturm Nach innen ab. Im Gegenüber in der Wand Verdecken jene Menschen mit der Hand Sich wohl ein Auge, auch den Mund, Und warten auf den Sprung. |
Der Weg, den ich doch eben kam, Ist nicht mehr so, wie ich ihn nahm, Viel schmaler, enger scheint er mir. Ich greif zur Seite, öffne eine Tür. Auch hier ist nur ein halber Schritt Zu machen, Grad noch die Mauerbreite fasst den
Tritt. Von einem hoch gewachsnen
Baum Erreichen Blätter, dünne Äste, Wie ein trügerischer Zaun, Den Ausgang. Dessen Ende Sind erneut die steilen Wände. |
Die Tür fällt hinter mir ins Schloss Ich stürz nach vorn ins Leere von dem
Stoß. Die Hände Greifen, fassen, Rutschen ab vom Blattwerk. Immer länger, leichter wird mein Fall. Ich seh mich
um, Man stößt mich an: "Bitte weiter gehn,
Sie sind der letzte, Mann." |
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Der grüne
Flaschenhals des neuen Tages Wird an einer
harten Kante Abgetrennt mit
einem Schlage. Trüb und
sprudelnd Zieht der jüngste
Zeitenbote ein. Grau, verhangen,
ist der Himmel Von der langen
Nacht. Wer sein Glück
bis jetzt bewacht, Der nimmt es
sorgsam in sein Heim, Das Liebchen, gut
gestimmt vom Tanz, Das kranke Kind, Mit müden Augen
von der Ambulanz. Und wer sein
Glück In dieser letzten
Dunkelheit verlor, Der traut sich
nicht zurück, Traut nicht zu
klopfen in der Früh An seines Freundes
Tor, Bleibt ganz mit
einem fremden Hund Am Weg zum Park
allein. Dem wirft er nach
den Stein, Der dem Geschick
gegolten hat. Die Hast, die
Unruh, Greift um sich Wie ein Gerücht, Von Tür zu Tür. |
Man sieht
Gesichter dort und hier Mit irrem stumpfem
Blick. Ein andrer nimmt
sein Weib, Die Hand, Ein leichter
Kuss, gedrückt auf seinen Mund. Die Autos fahren
viel zu eng, Und dort, im
Eingang zu den Zügen Wird gedrängt. Der
Assistenzarzt, der die Nacht Am Schreibtisch,
Krankenbett, In der Kantine
zugebracht, Stellt seine
leere Tasche in der Bahn Zum unbekannten
Sitznachbarn. Der sieht ihn
lang Mit blutig roten
Augen an, Geschunden von
dem Wein, dem Bier. 'Um dieses Untier Zu bewahr'n, Tret ich
vielleicht Die nächste Wache
an,' Denkt er, und plant
zugleich, Nicht mehr nach Aussehn, Äußerem zu gehn. |
Der Unfall auf
der Straße, Ein Zusammenstoß Und eine
Menschentraube, Die zusammen
floss, Die bleiben
schnell und weit zurück. Doch manchen Mann
erregt das Bild. So wird der Tag Dem Durstigen
süß, der trinkt mit Hast, Dem Satten sauer
ausgeschenkt, Und jeder Zu dem Napf
gedrängt, Und trocken
schluckt Im blanken Grund Der arme Hund Den Rest. |
|
Du verlangtest den Blick Auf den Meeresgrund, Dabei war Nacht Und schaumgeknotete Kraft Schlug die Wellen. Du verlangtest das Wort Aus verschämt verschwiegenem Mund, Dem rebellische Tat die Zunge schnitt aus dem Schlund. |
Du wolltest die Liebe Aus dem Leibe stampfen, Einem Schoß, dem, vergewaltigt, Neues Leben gepflanzt. Du wolltest das kalte Eisen biegen, Nach deinem Verstand. |
Vergiss deine Macht, deine Größe. Nimm für den Meeresgrund Den Strand, nachthell erleuchtet Vom Wellenbrand, Und für das Wort jenen Schrei Aus den Augen, Und nimm für die Liebe den Schößling an. Ja, Macht und Größe, Nehmt euch dieses Mannes An. |
|
Es tut sich
nichts. Kein Laut, kein
Wind, Kein Summen von
Maschinen, Keine Stimme, Die sich regt. Selbst Schritte
im Entfernten eines Uhrentickens
bleiben stehn, Und weiße Laken
makelloser Stille haben sich
gelegt. |
Ruhe weit und
breit. Das Atmen
blätterreicher Bäume schweigt Und lässt in
Langsamkeit den Blütenduft, die
Wolke, schweben. Ein Kind, das
bettelnd, arm, Am Straßenrand in
einem Fremden Lande
stand, Erkannte nicht
die wortlos hingehaltne Gabe. |
Der nottrainierte
Sinn der Kleinen Blinden
sprach nur Noch auf Schatten
an. Sie konnte keine
Ruhe In der Ruhe
übergroßer Leere Finden. |
|
Voll loser Heimlichkeiten ist ihr Körper. Wie ihre Schwester schon vor langer Zeit, Trägt auch sie kein Unterkleid, Sie hat es einfach abgelegt. Sie hat es gern, wenn ihre runde Fülle Sich bei jedem Schritt bewegt, So wie sie ihre Haare Nicht als Kunstwerk, sondern offen trägt.
Sie hat oft Stoffe angelegt, Die sind ganz transparent. Sie liegen an der Haut Wie eine zweite Haut, So eng, Und woll'n dem
fremden Auge Alles zeigen. |
Sie ist auch heute schon, In jungen Jahren Nicht mehr unerfahren, Und lange vor der Reife einer Frau Versorgt sie sich, um Liebesglück zu
haben, Mit den Mitteln, die vor Leibesfrucht bewahren. Sie fühlt sich frei Und lenkt sich ihr Geschick, Und manches scheint ihr einerlei. Ihr Glück, glaubt sie, Ist ganz und gar in ihrer Hand. |
Dem jungen Mann
ist dieses Fühlen ungewohnt. In manchem
Augenblick ist er von ihr entthront, Auch wieder
schnell von ihrem Tun gebannt. Verständnislos
und oft zu viel Verlangt sie dann Von ihm das alte
Rollenspiel, Er darf wohl
siegen, Doch ihr Herr
nicht sein. "Du engst
mich ein", Und Kinder will
sie auch von ihm nicht kriegen. Der Mann, dem sich
das Mädchen wieder Gänzlich
offenbart Glaubt an sein
Glück, An ihre Neue unerhörte
Art. Dann tritt er
lautstark Für sie ein, Bis sie ihm
schreibt Auf einem rosa
Kärtchen: "Ich lebe
jetzt viel lieber Ganz für mich
allein." |
|
Früh am Morgen in
der Bahn Seh ich deine jungen
Augen. Aus dem schwarzen
Haar Fällt dir im
Gleichmaß der Bewegung Ein Ohrgehänge In den Schoß. Deine Hand
umschließt Es schnell. Neigst den Kopf
in Mädchenhafter
Zier Zur Seite. Blickst zu mir. Und die beiden
schlanken Hände Sind dir streng
bewachte Zofen, Mein Gesicht dein
Spiegel. |
Hinterm Baldachin
der dunklen Locken Brauchst du
lange, dich zu richten. Deine Lippen
formen lautlos Worte. Ob du meine
Sprache sprichst? Nein, nein,
versuch es nicht, Zu zerbrechlich Trägst du deine
Anmut. Aus dem Dunkel
fährt der Zug Ins Tageslicht, Bricht die
sanften Schatten Deiner Lider,
färbt die Wangen, Formt den Mund. Wieder neige ich
dir deine Schönheit Zu verraten. |
Doch im leichten
Zucken, Flackern Deiner
Augenbrauen, Im Erkennen, eines
Hebens deiner Hand, Zur Wand in
meiner Nähe, Spür ich dich
entgleiten In die unnahbare
Ferne Einer Spiegelung. |
|
Sieh mich an und
in den Spiegel Hinter mir. Trag ich nicht Dein Gesicht? Merkst du nicht,
wie ich dich Bestahl, Deinen Augen Meinen Blick
befahl? Merkst du nicht, Wie meine Hand
sich Deiner Hand
versah, Und die Wärme
meines Blutes Mühsam von dir
Kenntnis nahm? |
Merkst du nicht,
wie Dein Gesicht aus Meinen Augen strahlt? Doch du bleibst
stumm, Und kann es sein, Dass ich im
Spiegel stand Und ganz allein
davor, Dass niemand
außer mir Mich selbst
erfand? |
|
|
Über dieses
Sternenband Aus weißen runden
Platten Läuft ein Kind Barfuss in den Garten. Vom Hofe führt
der Weg zur Tür Im Gartenzaun, Den ließ die
Bäuerin im Herbst Aus alten
Brettern bau'n. Die sonnenhellen
Steine Gab der Bauer
seiner Frau. Ein schöner Rest
vom Küchenanbau Vor drei Jahren, Als die Familien
hier Zur Hochzeit
waren. Nun läuft das
Kind Geschwind Zur Schaukel Unter'm Apfelbaum. |
Und sieht aus
schwungvoller Luftiger Höh Die kleine Brücke
Ganz in der Näh. Schon ist es
wieder 'runter Und über die
Beete, durch den Zaun. Die Welt ist
voller Wunder, Das Kind hat viel
zu schaun. Der Schulbus
kommt vom Nachbarort. Der Fahrer lässt
die Höfe seitwärts liegen, Er muss um enge
Kurven biegen, Setzt dann den
Weg zur Brücke fort. Das Kind erkennt
nicht den Koloss, Springt auf die
glatte Straße. Der Fahrer winkt
zu einem Haus Und kuppelt das
Getriebe aus, Den großen Gang
zu nehmen. |
Da sieht das Kind
im Gras versteckt Ein junges
Kätzchen liegen, Mit weißem Hals
und schwarz gefleckt, Will es es fangen, kriegen Und läuft den
Schritt Ins Grün zurück. Es hört auch
nicht Den satten Klang Der Räder auf der
warmen Bahn, Von dort, wo es
noch eben stand. Nur die
Bauersfrau im Hof vernimmt von Weitem Das Singen der
Zwillingsreifen. |
|
Ein Richter verlangt vom Schöffen: "Seh'n Sie
sich bitte Das gerichtsmedizinische Gutachten an." Auch der Angeklagte, Den die Berichte betreffen, Wirft einen Blick hinein. So sah der Schöffe einst An einem Bauernhaus Ein Schlachtvieh hängen. Doch der Kopf der Toten Auf dem Bild liegt separat. Auf einem anderen Das Präparat Der Haut ihres Halses. "Angeklagter, können es drei Oder vier Schnitte sein, Auf der Fotografie, Hier!" "Einspruch, Herr Vorsitzender, das
soll .... "Genehmigt, bitte streichen Aus dem Protokoll." |
Die Haare, welche man Im Bett der Toten fand, Stammten von einem Toupet, Wie es der Angeklagte Trug, seit eh und je. Als letztes wurde das Blut verglichen, Zufällig gefunden an seiner Jacke Und ihrer Puppe. Eine seltene Gruppe. Achtundneunzig Prozent Der Bevölkerung wurden gestrichen. So nahm die Verhandlung Ihren Verlauf. Der Angeklagte tischte Kindische Lügen auf Und war nur bereit, Kleinigkeiten zu gestehen, Nicht die Tat aber zuzugeben. Offen blieb nur noch zu sagen, An welchem von den drei In Frage kommenden Tagen War das Verbrechen geschehen. |
Die Ehefrau und Zeugen Sagten nur für die Nächte aus. Der Gutachter sprach von Natürlichen Zeichen, Blaufärbung im Unterleib, Von vielen vergleichbaren Leichen, Totenstarre in den Beugen. Gelassen sah das Gericht Dem weitren
Verlauf entgegen, Hörte jedoch als Resultat: Die Tat war geschehen am vierten Tag, Unumstößlich nach strenger Wissenschaft. Der Mörder traute seinen Ohren nicht. Der Verteidiger, der die Pflicht Übernommen hatt, Strich seine Bögen wieder glatt. Aus dem Stegreif kam das Plädoyer. Für den Mordtag stünde das Alibi. Man sah den Angeklagten später Geld verdienen. Im Kaufhaus vertrieb er Nähmaschinen. |
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Beim Blasen Von gläsernen Vasen Über der weißen Lampe, Direkt vor seinem Gesicht, War sie ihm entstanden. Er hatte sie erst gezeichnet, Sie dann in der Glut Zum Leben erweckt. Ihre Arme konnte sie sich In den Leib verschränken, Und beim Betrachten Ihrer schlanken Figur Den Meister verachten. Das reizte seine Kreatur. |
Sie kam schon manchen Morgen in der Früh' Vor seinen Tisch, Ihm zuzusehn. Im Blick durch seine Glasgeschöpfe Wurd sie zu seinem Goldenen Fisch. Er blies und schaffte Und dachte nur, Wie er sie in Gefangenschaft brächte. |
Als er nun endlich ihr Ebenbild fand Und sie bat, für ihn zu verweilen, Überzog er die erste gläserne Wand, Er musste sich in der Glut beeilen, Voller Hinterhalt mit einem Überfang. So wurde sie in seinen Kerker gebrannt. Um keinen Verrat zu entdecken, Hat er das Glas nach dem Mädchen benannt. |
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Auf der Brücke, Die im Bogen Grau die Schienen überspannt, Steht die Frau Und hält in Sorgen Einem Kind am Zaun Die Hand. |
Unten jagen schnell Die Züge. Meine Durchfahrt Gibt im Blick, Nun schon weit entfernt, Mir das kleine Bild zurück. |
Welcher Gott hat wohl die Frau Dem Kind auf seiner Reise In den Weg gestellt, Oder gar das Kind der Frau? Schwarz zum Punkt Verschmelzen nun die Beiden Über Fernzuggleisen. |
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Es gibt dieses Blech, Das gewölbt ist und krumm, Vielleicht von Künstlerhand geformt, Nur ein Stück. Es gibt dieses Rot, Vielleicht ein Sonnenlicht, Warm und verstreut, Wie Lockenhaar. Und man weiß nicht, Ist es neu, ist es alt, War es gestern, Ist es noch sichtbar, Oder schon ein Traum. |
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Wellenbrand. Deine Meerschaumfächer Spreizen über weißen Sand, Gleiten, Sind das Tasten einer Frauenhand. Schneeend treibt der Wind die Flocken Von den Brechern, Trägt die tiefen Seufzer Der Erleichterung nach Tränen. Weit, Aus deinem Schweigen, Quellen Abendsonnenflammen, Drängen Diese Sommernacht. |
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Die Einsamkeit treibt müde Füße an den
Strand, Den Blick zu senken in den Splitter, Meerschaumflimmer und den Kuss aus Blut Beim Sonnenuntergang. Schweigen, Dämon Sehnsucht, schleicht
verratend In den Schemen dunkler Wanderer. Im Flitter bricht verwehter Schleier Über alles hin, Im Dünengras das Stirnhaar Unsichtbarer Züge. Dann locken tausend Lampen einer Stadt Die Nachtgesichter, und es geht der Atem Wilden Trunkes. Ich tanze mit! Bringt morgen nicht die Sonne Dieser Erde Horizonte und schickt
Grenzen, Enge Räume wieder? |
Das Licht der Straßen schmettert nachts Zerrissene Gestalten, und das Meer, Unweit der Stadt, brüllt höhnend. |
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Frische Blätter haben helle Unterseiten. Hochgestellt vom Wind Treiben sie das Baumboot Durch die sommerlichen Jahreszeiten. Mag auch mancher Sturm auf ihnen reiten, Laue Luft sie lind Schaukeln in dem Abendrot, Rauschen, reisen sie doch fort, Zerren an den grünlich, schwarzen Seilen. |
Nachts verschmelzen sie zu einem Dunklen Vogel, Dem sich hier und da Sträubt Das Federkleid. Er hockt auf seinem Einen Schwarzen Bein. Die Krallen greifen in die
Dunkelheit. |
Der frühe Morgen wandelt ihn alsbald Zu übergroßer Betergestalt, Verhüllt in wallendes Kleid Aus grobem Zeug. Der Silhouette deutet man Die gebeugte Haltung an, Sieht Hände, Stock und Nase. Doch dann, schon mit dem ersten Erwachen, Brechen ein ohne Zahlen Die roten Strahlen Und richten wieder auf Ihre Sommersonnensegel. |
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So tropft noch
spät im Jahr, Nachdem der
schöne Sommer war, Ganz leise, Blatt
für Blatt, Das Gelb herab. Wie lieb ich
diese stille Zeit. Zu ruhen ist nun
manches Herz bereit, Zu ernten auch die
Früchte weit und breit, Das neugeborne Kind zu tragen Und Dank zu
sagen. |
Ich denk auch an
die weite Reise, Als du, die
Königin im fremden Frauenkreise, Sich anmutvoll
zur Erde neigtest. Und mich nahm
eine Männerhand Als Gast des
Abends an. Doch anders als vergangne Bilder zeigen Verkörpern mir
mein Weib, mein Kind, mein Eigen, Die Sehnsucht
hier zu bleiben, Zu lieben dieses
Land Im Herbstanfang. |
|
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Erst, als das
flache Sonnenlicht Ihr leichtes,
weißes Kleid erhellt, Als ich im weit geschwungnen Fenster Ein bewegtes
Spiegelbild gestellt, Kann ich sie
plötzlich sehn. Im Reisebus sitzt
sie ganz vorn' Und sagt in
fremder Sprache etwas an, Sieht gradeaus, So dass ich sie
von hinten kaum, Nun aber klar und
ganz Im Fensterglanz Ihr Ebenbild
erkennen kann. |
Im Fensterrund
erscheint sie mir Zunächst zu
zweit, Die eine üppig,
etwas breit, Die andre in der
Fensterseite Zart und schmal. Sie sehen sich
nicht an, Wie Schwestern
die nur aufeinander horchen, Wie sich
verschämt die Brüste einer Frau wohl kennen, Und doch, ein
wenig abgewandt, Einander nicht
mit Namen nennen. Dann geht mein
Blick durchs Seitenfenster, Und nun, im
Spiegel der nach hinten zeigt, Begegnen unsre
Augen sich genau. |
Sie bleibt
verwirrt in ihrem Vortrag stecken, Rückt schnell vom
Sitz sich seitwärts hin, Als wollte sie
die Beine strecken. Die nächste Kurve
lässt dazu Das Doppelbild
verlöschen. Kein Abbild
bleibt. Durchs Mikrofon Dringt wieder nur Das monoton Erzählte, Ausgewählte. Das kannte ich
von andren Reisen schon. |
|
Überreife Frucht! Mein Fernweh sucht Deine Fiestaschaukel, Deinen Farbengaukel, Den Stank der heißen Stiere Und das Brüllen der Tiere, Dampfende Gesänge Aus der Straßenenge, Das Gitarrenflammen, Brennendes Verlangen Und ein lächelndes Augenblitzen Aus Kellerritzen; |
Das Klatschen der Kastagnetten, Die lebenden Silhouetten Aus der Spelunke tief, Den Schauer, der über die Menge lief, Als der Matador hinter die Hörner stieß, Und wieder das wirbelnde Tanzen, Flamenco stampfen, Mantilla wehen, Gehen und Drehen, Taumeln, Stehen! Das Weiterreichen Der quellengleichen Vollen Karaffe in der Rund' Von Mund zu Mund. |
|
|
Ab ich vom Dorf
her, ganz allein, Den steilen Weg bergauf
begann, Zerstob der erste
Regentropfen Den gelben Staub. Unbewegt war noch
das Laub. Vom Festzelt
hörte man die Hämmer klopfen, Die Regenwand zog
schnell heran. Die Bauersfrau
rief ihre Kinder heim. Am Friedhof
ging's vorbei zum Feld, Dem schrägen
Abhang, das war lange schon bestellt. Mir fiel im
Nachhinein noch auf, Ich konnt die Kreuze nur von hinten sehn, Sah eine junge
Frau am Eingang stehn. Mit einem
Tüchlein wischt' sie den Geländerlauf. Dann höre ich,
dass aus dem Stall ein Glöckchen schellt Und wie ein
Dorfhund hinter seinem Echo bellt. |
Wie abendliche
Dunkelheit Steht nun die
schwere Wolke über mir. Aus ihr bricht leis' und fällt der Regen Aus einem
übergroßen Sieb herab in dünnen Fäden Und prasselt auf die
Blätter, an die Fensterläden. Das Flüsschen
hier schwillt an im Nu, Lässt Sand und
Steine sich bewegen. Ein umgefallner Baum liegt wie ein Tier Mit nassem Rücken
und verschränkten Beinen unterm Leib. |
Dann bleibt der
langgestreckte Ort Und jeder andre
Laut weit hinter mir. Im Weg frisst
sich ein Rinnsal seinen Lauf Ich seh' den Torkelflug der kleinen Fledermaus, 'Mal unterm Baum,
dann wieder dicht am Haus. Weiter oben, noch
ein Stückchen Wegs bergauf, Steht aus Zement
ein kleines Kreuz: "Verweile hier!" Doch ich versäum'
die Rast und gehe fort. |
|
Sterne, Ihr goldenen
Fingerspitzen Unzähliger
unsichtbarer Hände, Die zu uns
herüberreichen. Lehrt ihr mich
bei Nacht zu sehn? Ich nehme euren
Gruß Von fernen
Welten, Gesandt von
einem, Lange schon vor
meiner Zeit. |
Mein Gruß ist
auch auf Reisen, Hin zu einem Der noch nach mir
kommt. Sagt ihm, ich
hätte nur versäumt Das Grußwort zu
verbreiten. Vielleicht nimmt
er dazu Gelegenheit. |
|
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Grün zur Nacht verliert Die Sonne ihre Kraft Und schwarzer Schienenstrang Trägt in der Ferne Ihren Kopf. Der Farn am Wegesrand, Der Leiterbahn entlang, Wird stumpf vom Abendtau. |
Ein Zug steht, Rastern gleich Und einer Kettenexplosion, Sekundenlang im Bild. Dann wird die Stille Wieder still, Das grün Verschwiegne Wieder lautlos wild. Bunt erglänzt Ein ölig Fleck. Ihm fehlen schon Die violetten Ringe. |
|
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In der Nachtfahrt Wirfst du, Blinkendes Geldstück, Mond, Aus unterbrochenem Häuserschwarz, Im Fluge deine Silberschatten In die Fenster Rasender Züge. |
Doch plötzliche Rast Zeigt deine sinnlose Reise. Wie still du stehst. Man könnte lachen. Dann wieder neue Hast Durch Sträucher, Bäume, Wälder, Häuser. Sie berührt mich in seltener Weise, Lass ich doch diese Fahrt Dich machen. |
|
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Brutal schlugst du Im Überfall Mit deinen Sorgen Meine Namen tot. Ich griff um deine Weichen Hüften, Doch als Kreisel Drehtest du dich fort. |
Auf meine Art Wollt ich dir Nur den Tag Begrüßen. Ausgeraubt Und namenlos Entließt du Mich dann In die Nacht Des unwillkommnen
Tags. |
Ich hatte nicht vermocht, Des Kreisels Peitsche Dir so schnell zu werden. |
|
An manchen Tagen War es leicht, Ein Gott zu sein; Er starb dann einfach. Nur, wenn Knappheit Seine Kasse überkam, Verstieß ihn seine Ruhe. Sie gab ihm List Und die Verschlagenheit Mit auf den Weg, Und raffinierte Angst Sah ihn aus seinen Misserfolgen an. Die Krallen seiner Launenhaftigkeit geschärft Und das Gehör gespitzt Auf die Gelegenheit, Nahm er zuerst noch Rücksicht, Wollte sich nicht gleich In Rohheit sein Gesicht Beiseite legen. Doch die Krämpfe Kamen und sie Nahmen nicht nur sein Gesicht. Sie gaben ihm Mit einem Schlag Die Antwort. |
Und er verfluchte wieder Seine Zeit und alles, Was ihm noch vom alten Leben wertvoll war. Er schrie auch Namen Auf die Straße und Verfluchte neu Und sah, wie ihn der Schoß Der Mutter jetzt gebar, Und sah, Schon hundertmal, Wie unter seinen katzenhaften Bissen, weiß der Stoff Aus ihren vollen Brüsten Quoll. Umschlungen hielt er seine Knie Und flüsterte und schluchzte Im Verzagen: Hilfe, Hilfe, Leute, Helft mir Armem. Einmal, nur einmal, Wirklich nur noch einmal Wollte er, egal woher, woran Woraus, den weißen Teufel jagen. Diesmal wollt er fest Auf seinem Nacken bleiben, Wollte ihn auf seiner Höllenfahrt begleiten. |
Schluss aus! Vorbei Sollt alles sein, Kein Gott wollt' er mehr werden, Nicht mehr sterben. Er richtete sich grade auf. Der alte Mann kam Aus dem Park. Das bisschen Geld Warf der ihm ohne Frage Hin. Er sah in seinem Alter gleich, Wie schlimm es stand, Und die Entschlossenheit. In diesem Jahr Erfuhr zum ersten Mal ein Vater, wie unendlich Krank und wie verlassen, Wie unendlich, endlos Einsam Diese Menschen sind. Auf einem Abort, Seinem Kind Die letzte Zuflucht, Fiel zum Schluss ganz leis Der goldene Schuss. |
|
Störe mich nicht, Denn dieses Gedicht Schreib' ich für alle Kreatur, Die vor Gottes Angesicht Einzig und nur Vor Hunger zusammenbricht. Erst macht der Hunger krank und blind, Dann tötet er Mann, Frau und Kind Ohne Zahl In unendlicher Langmut und Qual. |
Ihr verstecktes Sterben Bringen Bilder an den Tag, Die um Gerechtigkeit werben, Eine Gleichheit, die niemand mag. Nur eines erkennt man dankbar an, Uns geht es nicht so wie dem Nachbarn. Mildtätig geben wir Mit spitzen Fingern ab, Besorgt, dass das wilde Tier, Nach unseren Händen schnappt. Und bauen einen Käfigzaun Um unsren Feigenbaum. |
Ist nicht dem Hungernden Alles zuzutraun? Gehören nicht dem Lungernden Füß' und Hände abgehaun? Um ihretwillen muss ich schrein Und um meinetwillen, NEIN! NEIN! NEIN! Denn jedem einzelnen, der dort noch
steht, Bitter in Scham um Almosen fleht Und einen schrecklichen Leidensweg geht, Dem sitzt im Nacken Die Schuld der Satten. |
|
Mein Bruder schuf als Kind Ein Bild im Sand, Von dunklem Braun der Gegenstand, Und überall war'n Ränder ohne Rand. Es wurd' mehr
ein Relief als Bild. Von einer Puppe riss er ab Den Kopf, die Arme, Beine, Nahm den Bauch, Ein wenig angehaucht, Ihn formschön in den Sand zu drücken. Den Kopf macht' er zur Sonne. Die Arme drückt' er einzeln ab Und rundherum zu Strahlen. Die Beine ließ er laufen Als Speichenrad, Wie Spielzeug, Das wir hatten. Doch das Gesicht, So engelsgleich und rund, Das küsst' er einmal auf den Mund Und drückt es sorgsam in den Sand. Die Augen konnten deutlich sehn, Dass Beine sich und Arme drehn. |
Uns Kinder konnte dieses Spiel erfreun. Mein Bruder schuf ein Bronzebild, Das schmückt im Hause Eine Wand. Von dunklem Braun ist das Metall, Und Ränder ohne Rand Sind überall. |
Es ist mehr ein Relief als Bild Und scheint den Krieg zu zeigen. Zerrissen ist der Mensch, Und losgelöst von ihm sein Eigen. Die abgerissnen
Beine laufen Rad, Und auf zerbrochnem
Gut Hockt, wie ein abgelegter Hut, Pausbäckig schön ein Kinderkopf, Auch ohne Hals und Rumpf. Die Augen blicken starr und stumpf Doch voller Gleichmaß Auf das Karussell aus Beinen. Auch Arme sind gelegt Wie Sonnenscheinen. |
|
Was sie an ihm nicht verstand, War die Wand Seiner Gegenwart. Eine Kreidespur Aus weißem Sand, Eine Kreatur, Die sich nicht vertreiben ließ. So sehr getrennt von ihrer Welt Durch ihn Sah sie vom untersten Treppenabsatz Zu ihm hin. Er stand oben. |
Was er an ihr nicht verstand, War die Wand ihrer Gegenwart. Wenn im Rauschen von Seide und Taft Sie an ihm vorüber trieb, Die Säume aus Angst Vor Verschmutzung gerafft, Und ängstlich jede Berührung vermied. So sehr getrennt von seiner Welt Durch sie, Sah er vom untersten Treppenabsatz Zu ihr hin. Sie stand oben. Er hatte sich oft danach gesehnt Oben zu stehn. Sein Treppenabsatz roch zu sehr nach
Almosen geben. Auch würde er sie dann bitten, Damit sie mehr Gemeinsames hätten, Mit ihm den oberen Platz zu teilen, Solange sie mochte, zu verweilen. |
Sie hatte sich oft danach gesehnt Ihn nicht mehr oben stehen zu sehn. Sein Platz Wurd' zu sehr von ihm
selbst begafft. Sie würde ihn zu gerne bitten, Damit sie mehr Gemeinsames hätten, Mit ihr den unteren Platz zu teilen, Solange er mochte, zu verweilen. In einer Art modernem Verfahren Waren die Stufen dieser Treppe Lange schon abgetragen. |
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Mir Verklebtest du die Augen Schnell mit Goldpapier. Doch du vergaßt es ganz, Ich war ein Greis zuvor. Nur zitternd Und im Mut des Hungers Nahm ich an Und wagte von der übervollen Tafel Meine Speisung. Man war geneigt Zu helfen, Man hatte auch gezeigt Den Überfluss, weil man's verstand Zu wählen. |
Huldigungen hier und dort. Ein Wort Verlor ich vor dem ersten Bissen: "Danke", kam mir in den Sinn. Auch fielen mir die Gäste, Die ihr gestern hattet, wieder ein: Du tratest, meinte ich, Als Bettler vor sie hin. Fast ließest du Sie dich beschenken. Ganz anders heute diese Flut. Du zeigtest keinerlei Bedenken, Dich den Armen gestern arm Und nun den Reichen reich zu schenken. |
Das Goldpapier auf meinen Augen Sollte wenig taugen. Es verschwand Beim ersten Weinen. Und durch die Tränen schien es mir, Als trügen deine Gäste gestern, Heute hier Und ihr, Das goldene Visier. |
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Im letzten
Raureif dieses Frühjahrs Fuhr dein
Fährschiff Nach so langer
Fahrt In Offenheit vom Freien Meer Ins Klemmbett Eines kleinen
Hafens Ein. Kein Fährmann
kam, Um dir die Taue Abzunehmen. Ächzend stöhnten, Ungewohnt der
neuen Last, die Teer
geschwärzten Dalben. |
Viele Blicke
huschten Aus den nahen Fensterscheiben Auf den Pier, Die Gäste deiner
Reise Zu erwarten. Doch kam kein
Bootsmann Und es kam Kein Passagier. Dein Fährschiff
saß so Fest im Holz, Ein längst verlassner Adlerhorst im Hohen Baumgeäst. Und manche
Rostspur Tropfte braun ins
Wasser. |
Die stumme Suche, Tagelang an Bord
und Auf den Planken, Blieb, Bis ich begriff, Erfolglos. Dann band ich an an dich Mein eignes
Schiff, Das schaukelte
und, klein, Mir mehr zur
Rettung diente. Kaum angetaut, Nahmst du ganz
ruhig, Rücksichtsvoll, Die Fahrt ins offne Meer, Mit mir im
Schlepp, von Neuem auf. |
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Im Augenblick, Ich sah nur kurz
zurück, Bemerkte ich den
Fall. Dein Stürzen ließ
mir Keine Wahl, Ich griff nach
deinem Leib Und riss mit
einem Gegenstand Dein Herz dir
auf. Du sagtest auch, Es sei dir neu, In fester Hand zu
sein, Ein Opfer, klein
wie dieses, Wäre die
Begegnung wert. Für mich warst du
im Fallen Viel zu schwer. Dein Halt an
meinem Halten Traf mich mehr, Als die
Verletzung, Die ich dir doch Unabsichtlich
beigebracht. |
Du wurdst zum schweren Stein An meinem Hals, Dein Puls
bedrängte mich Mit Schlägen. In meiner Not sah
ich umher Nach meinem Weg, den
ich gegangen Wär, und ließ es
zu, Dass mich Geröll,
das In die Tiefe
stieß, Aus deinen Armen
riss. In einem
Wartesaal War alles still. Von Zeit zu Zeit
umblätterte Nur ein Gesicht. Die blanken,
schwarzen Schuh An meinen Füßen Spiegelten die
Zimmerlampen. |
Das linke Bein
lag übers rechte Knie geschlagen,
und Der Reflex der
Lampen, Von dem Schuhwerk
In den Schlägen
meines Pulses Auf und ab
getragen, Zeigte mir, wie
atemlos Das Blut durch
meinen Körper schoss. |
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Die gelbe Flut Verwischt den roten Streif im Auge. Nichts steht mehr Der Blindheit vor, Dem Gebälk aus Hartem Stein, der Wucherung Aus nie gedachten Liedern. Sollte der Verzicht uns doch Erreichen? |
Unvergessen jene Klarheit der Gedanken, die uns trifft, Im unverhofften Augenblick, Im Scherbenhaufen, Auf dem Schleudersitz. Das Trümmerfeld war stets Mir die Behausung. |
Unerreichtes Glück Sah aus zerbrochener Vergangenheit hervor. Nur eins In dieser Zeit ertrag ich, Nicht den Mangel oder Den Verzicht, Ein Rapsfeld soll die Gelben Wogen über mir Verschließen. |
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Es waren Körner
in der Wüste, Staub, Den rieb der
Wind, Den trieb der
Wind. Laub war es, Wie es der Wind Aus andren
Ländern kannte. |
Es waren Zeiten
in der Welt, Zu gleicher Zeit. Die fanden sich, Benannten sich. Jahreszeiten
waren es, Die sich von Zeit
zu Zeit Erkannten. |
Es kamen Worte
aus dem Mund, Luft, Die rieb der
Wind, Die trieb der
Wind. Schall war es, Wie ihn der Wind
ganz ähnlich Dünnen Halmen abverlangte. |
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Im Flug, Vorbei an deinen Fensterscheiben, Übergoss die rote Flut Der Abendsonne, Dort, aus den Spiegeln, Uns, die draußen weilten. Die ganze gläserne Front Zerbrach ein Rubin. Und tausend Sonnen zogen im Augenblick, als wir Vorüberflogen, Mit uns dahin. |
Erst als wir größere Höhen erreichten, Erfuhren wir von der Last, die du im Vorbeiflug uns aufgebürdet Hattest. Wir sollten der Sonne Von ihrem verlorenen Blut Das, was im kalten Glas So sinnlos Zerbrochen war, Zurück erstatten. |
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Im Kern begann die Rotation und schon Die Angst um den Zusammenhang. Bang griff eine Hand Der andren in die Räder. Doch durch den Mangel an Gewicht Verlor'n sich Angst um
Angst Schnell aus dem Gesicht. Man dacht an das Nachher Und hörte bald, dass sich Draußen, wo sich Kollisionen zugetragen, Unbekannte in den Armen Lagen und in der Dunkelheit Nach Licht verlangten. Auf ihrer Reise bis hierher Trug sie das schwarze Flammenmeer der Unterdrückten. Weiter noch als alle andren Waren, traf man auf die Schnell bewegten Schwaden Hoher Funktionäre. Sie befahlen nicht nach Innen, hin zum Kern, Nein nach außen. Dadurch erst wurd
dieser Sternenhaufen Für die vielen weit entfernten Sichtbar. |
Morgenröte schien es noch Dem nächsten Rang, Der sich gelassen in der Obrigkeit befand. Die Reihen wurden lichter, Und um den Zusammenhang Wurd hier, bei der Entfernung zwischen den Sultanen, keinem bang. Verschwiegen sprang ein Wassertropfen in die Schale. Das Echo klang im weiten Saale, Wurde zum Geräusch, Das man erst feierte und zelebrierte, Später dann zu Grabe trug. Der Tag war ausgefüllt und Hatte sich gelohnt. Die Rotation war diesen Lange zur Routine und Zum guten Ton geworden. |
Eines war jedoch, Und niemand konnte Diese Kleinigkeit begreifen. Von Zeit zu Zeit begab Sich jemand von den Äußersten Auf Reisen. Kurze Zeit Nach jedem Start Verriet nur eine Lichtspur Noch die Richtung, Wie man sagt, ein Funke Sprüht aus glühend Eisen. Der Wissenschaft befahlen sie Eine Lösungstheorie. Man gab ins geheim die Idee vom Spiralnebel an, Und alle erkannten in den Verbannten ihre Abgesandten. |
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Ich hatte einst versucht, Mir dein Geheimnis zu entdecken Und kam vorbei an deinem Haus, Zugemauert, tür-
und fensterlos. Ein Schuppen lag davor und War mir das Versteck. Du wusstest nicht, Ich selbst war auf der Flucht. Man sagte mir, Die im Geheimnis bleiben, Würden schweigen, Aber oft vernahm ich Singen Aus dem Hause dringen. Zeugen, die ich mit Mir nahm, erklärten mir, Es wäre nichts, es wären nur Der Wind und Balkenknarren. Auch käme keiner 'rein und 'raus. |
Mir war die Flucht von Fremden Aufgetragen, Und das Versteckte im Geheimnis Zu erfragen, Sei der Grund. Da nahm ich meine Wohnung In der Gartenlaube. Noch in der nächsten Nacht Begann das schnelle Wachsen Meiner Insel aus dem Meer. Ringsumher kam täglich Kahn Um Kahn entlang gefahren, und Auch dein Haus schwamm Als ein Boot daher. In nichts nahm es sich Von den andern aus. Ich fuhr zu dir. |
Es war tatsächlich leer und auch Beim Näherkommen niemand Zu erkennen. Wenn Winde aber um Die Seile gingen, hörte man Das leise Singen. Auf meinem Boot sah es Ganz ähnlich aus, Und keine Menschen waren Anzutreffen. Wem sollte nun mein Wissen Ums Versteckte Im Geheimnis weiterhelfen. Es war zwar nichts Und wurde nichts Und doch wurd'
ich vom Nichts, Wie viele neben mir, Getragen. |
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Voll Überraschung Sahen meine Finger Im Begreifen. Unbekannt war jedes der Objekte, Die aus deiner Tasche ragten. Du botst sie uns zum Kaufen an. Wozu, mir schwindelte, Begann dein Unterricht bei mir. Ich fühlte nun verstärkt, doch Kopflos, eine angenehme Form. Ein glatter Stahl schien es zu Sein, ein Messer, oder, weil Zu lang, ein Schwert. |
Du stachst zum Spaß den Nachbarn, der dir seinen Rücken Bot, Tot: "Man muss die Gegenstände Realistisch euch beweisen, Sonst glaubt ihr nicht Die Not." Ich kaufte dieses Ding, weil Ich nun auch mit meinen Augen Sah Die Gefahr. |
Ein andrer Nachbar ließ mich Ruhig sein: "Das Spielzeug fährt die Klinge ein, Drück doch auf den Knopf." Er hatte wirklich nicht die Pausenlose Angst und Furcht Im Kopf. |
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Schon lange fehlte dir An deiner Luft Die Luft zum Atmen. Mit einem unbeschriebnen Blatt Papier Verdecktest du die Vorgedruckten Zeilen, Und die Fingerkuppen Spürten im Betasten Endlich bodenlose Reinheit. |
Dein Seufzer kam Und maß den Atem neu. Endlich. Die Augen machtest Du dir zu, um Zu genießen. |
Ein Funken Ausgelassenheit Und Freude überkam dein Herz. Was du nicht merktest, war, Dass Druckerschwärze deiner Hände Beim Bestreichen jener Fläche Schattenhaft und Wort Für Wort und Satz für Satz Den Druck neu auf die Seite warf. |
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Auf meinem
Speiseplan Fand ich ein
wenig Deiner Gegenwart. Das Lied, das du
grad sangst, War Würze meiner
Mahlzeit, Die mir nicht,
wie sonst, Nur der Verdauung
diente, Sondern dir: |
Du wolltest doch,
dass ich Dich aufnahm. Du kamst in der
Eskorte. Sie galt dir. Du fristetest
dein Dasein Schutzlos in der
Wolke Eskortierter, der
du Ihr Gefangner warst. Nur im Verzehr,
so mahntest du, Gelänge dir die
Freiheit, Die du meintest. |
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Nur unfreiwillig Geht das Kind zu den Erwachsenen, die ihm Von Herzen Wohlgesonnen sind. Die Mutter, selbst ein Kind, Begreift die Qual. Gemeinsam tasten sie sich Durch die Zeit der Großen. |
Dem Kind ist noch versperrt die Tür zu einer andren Welt, Und schützend hat die Mutter Sich davor gestellt, sie Spricht für beide. Ein Vater sieht das Zerren, Kind am Kind der Narren, Wachsoldaten an dem Zelt. |
Nur unfreiwillig Geht das Kind zu den Erwachsenen, die ihm Von Herzen Wohlgesonnen sind. |
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Hoch im Geäst Deiner Gedanken Erkenn ich klein Ein Nest, Und hurtig fliegen Die Worte aus und ein. Ihr Kommen und Gehen Ist nicht zu verstehen. Vom Boden picken sie Brosame auf Und trauen keinem Geräusch. |
Unbekannt sind uns sonst, Und wenig vertraut, Ihre Horte. Am schnellen Flügelschlag, Am bunten Federkleid, Und häufiger noch Entdecken wir ihr Leben, Wenn sie es geben. |
Umschlungen hält ganz Fest im Arm die Frau Das Kind: "Verloren, wie wir alle sind, Sollst du nicht sein. Flieg, mein kleines Herz, Flieg fort, Dass fern dein Nest In meinem Herzen sei." |
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Kraftvoll trug dich ganz allein, Im breit gespreizten Federkleid, Der Aufwind in die Wipfel. Weit, weit unter dir Sahst du das Kriegervolk, Ein Spielzeug, dessen Mechanismus Du nicht kanntest. Doch alle Augen folgten Deinem Flug. Dein kleiner Schatten huschte, Schnell den steilen Felsen Immerzu entrissen, Näher auf dich zu. Nur ein Getreuer noch Nahm dankbar die Sekunde Deiner Dunkelheit als Sonnenschutz vor Blendung wahr. |
Allen andern schienst du Schattenlos. Die Ruhe dieser Menschen Tat dir wohl, Auch stauntest du Ein wenig über die Entfernung. Das blinkend Ding, Das sich dann plötzlich Aus der Menge löste, Dich ereilte, Hieltst du Für Begeisterung, Als rot das Blut schon Deine Federn teilte. |
Nur milde Seelen standen Später an dem Grab herum, Wie immer, wenn sich ahnungslos Ein Kopf vom Rumpf Entfernte. |
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Du liefst, Als sei es heut' das erste Mal, Dass deine Kinderfüße Dich zum Ufer tragen. Der Fluss Schnitt in Geduld Wie immer diese Wiese ein. Mit deinen über vierzig Jahren Konntest du den Weg dorthin Durch Sumpf Wohl nicht mehr wagen. Doch dir im Blick war nur der Kleine Landvorsprung, In dessen Wasserschnellen Sich die Forellen stellen. Entfernt vom Strand Erhaschtest du den Baum, An welchen, angelehnt, Sich Kindertraum mit Kindheitsträumen eng Vermengte. |
Im Weitertasten Brachst du ein Ins Moor. Die dünne Decke Gräser Konnte dich nicht tragen. Ein Schuh blieb in der Tiefe. Du zweifeltest, ob deine Sehnsucht Wirklich dieser kleinen Küste Galt. Nein, hier machtest du nicht Halt. Noch einmal wehte Unbefangen dir das Haar Im hinderlichen Laufen um Die Stirn. Dann stecktest du mit Beiden Beinen in den Schlaufen freier Wurzeln. |
Du konntest dich auch diesmal In den Bruchteil'n
einer Panik Aus dem Band Befrein. Nur wenig später lagst du in Den Armen langen Rohrs. Das sprach dir in dein Ohr Auf feuchtem Moos und In dein Schluchzen: "Auch wir sind aus dem Fluss Und mussten lange warten Auf den Trost." Den klaren Bach Unsichtbar hinter Sträuchern, Dir vor Augen, Gabst du nach, Auch insgeheim, weil dir die Angst Vor dem Zurück Nun plötzlich deine Kehle Drückte. Doch aus den Augen brach Unmäßig Zorn. |
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Ich übertreib Und schreite an der Grenze Meiner Tage. Das Hohelied von gestern, Das ich unvermittelt in Der Zeitung las, Berührte meine Spannung Nicht. |
Meine Frage trug ich Auf als Pfeil dem Bogen Und schoss ihn sportlich ab. Doch außer mir war Niemand auf das Übungsfeld Gezogen. Keiner las die Punkte auf Der Scheibe. Ich wollt doch nicht die Kraft der Muskeln An dem Bogen messen Und ließ es sein. |
Da brach vom Nachbarfeld Die Jagd nach einem Dieb Mir in die Arme. Man trug hoch in der Hand Den Pfeil und stach ihn vor Mir in die Erde: Der, der den Bogen trägt, Ist auch der Dieb Des Pfeils, und band Mir beide Hände. Im Unverstand Wurd mir das Hohelied Gesungen, Und meine Spannung Gab mir freie Hand. |
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In der Tunneldurchfahrt, Monoton beleuchtet Nur von Deckenstrahlern, Tausend Silberfischen in Den vollen Netzen hoch am Haken, Bleicht dein Antlitz neben mir Mit jedem Lichte auf Und stirbt sofort darauf, Bis es in zusätzlicher Nacht, Beim Ausfall einer Lampe, Unbewacht entkommt. |
Ich greif in Hast nach dir Und denk an deine schwarzen Haare, Die dich günstig tarnen. Auf deinem Sitz erfasse ich Ein abgeriss'nes
Stück Papier. Sonst ist er leer. In meiner Tunneldurchfahrt, Die bei hellem Licht begann, Fall ich am Ende über deine Locken In die Finsternis. |
Die Fahrt jedoch wird lang Noch nicht vollbracht. Beim nächsten Mondlicht Werd ich Ausschau halten. Die schwarz gelockte Dunkelheit Wird wohl noch einmal Unter hellem Fischleib Dich gestalten. |
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Der Vorhang, der die Stube Dir vom Schreibtisch Trennte, war aus harten Balken. Teergetränkte Schwellen Unbefahrner Gleise hingen Dort in Stäben tief herab, Ein Xylophon, kaum zu bewegen, Das im steten Windzug schwang, Und ganz verhalten Rollte dumpf ein Klang Bei dem Zusammenstoß der Hölzer. Dein Stuhl war leer. |
Und dennoch warntest du Mich vorm Betreten: Der Abendzug würd gleich Vorüber fahrn. Hier, vor deinem Leben Gäb' es leider Keine Schranken. Von ferne kam ein Nachtzug an. Es schien, als machte er Station Bei dir, doch dann nahm er Mit ganzer Kraft die Reise auf, Und aus dem Führerhaus Sah ich dich zu mir winken. |
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Du wähntest dich allein Und konntest nicht verhindern, Dass ich doch mit Haut und Haar und in Gedanken Ganz und gar in deinem Zimmer war. Terror und Gewalt, Ein Anschlag, der den Kindern Leben raubte, Nichts verschonte und Sich frech im Überdruss Bekannte, Zog im schnellen Wachsen Enges Wurzelwerk. |
Du wusstest nichts von alledem, Und ich vergaß, was ich gesehn. Mir gab die Lässigkeit, mit Der du deinen Körper pflegtest, Deine Schönheit, deine Artigkeit, Die Liebe zu dem Ungeschützten, Das du hegtest ohne großen Unterschied, angesiedelt in Den Wänden deiner Stube, Zu vergessen Kraft. |
Du wähntest dich allein Mit dir und hieltst mich An der Hand. Du machtest wenig Unterschied Zu mir und anderen, Und dein Bekennen in dem Überfluss Der Freiheit, die dich ganz umgab, Zog im schnellen Wachsen Enges Wurzelwerk. In dichten Maschen Schlang einst Untertage Draht um Draht Ein Netz. |
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Das Auf und Ab
der dünnen Schnüre Unsichtbarer
Telegraphen, Dir als
Kopfschmuck In dem Fensterrahmen Deines Reisezuges Voller Ungeduld In wechselvoller
Schwingung Angetragen, Knüpft kein Netz,
das Dich behielte. |
Weiß ich doch, du
würdest sagen, Dass der Anfang
jenes Fadens Nicht in deinen
Händen läge, Würdest auch
woanders Stören, griffest du Hier ein. Ich sage dir,
durch Diese Drähte
sehen Fremde, was sie
nie gehört, Und ihnen dient Das Garn. |
Dir Gereichen sie nur
in bewegtem Spiel zur Zier. Hilflos lässt du
sie vorüberziehen, Nackte Nerven
anderer, Und fürchtest Jene Zuckung, wie
elektrisiert, Bei dem Berühren. |
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Du, Königin, Du, goldner
Reif, Du, handgeschliffnes Herz aus Glas, Sieh dich um Im Kreis der Ungeschliffnen, Ungefassten. Unser Haus im Haus Der Häuser, Unser Dach im Dach Der Dächer, Und die Tür, ja, Unsre Tür, die findest du Nur in der Tür Der Türen. |
Siebenfach verriegelt War das Schloss, Und als der Schlüssel Dir abhandenkam, Bemühtest du ein Heer Der Wissenschaft, den Durchlass wieder Herzustellen. |
Anders war der Schoß Der Jungvermählten. Er barg ihr nach Erstem Einbruch alles: Königin und goldnen
Reif, Handeschliffnes Herz Aus Glas, das Ungeschliffne Und das Ungefasste, Haus und Dach und Tür Und siebenfach Verriegelt Schloss Und hatte doch den Durchlass grad Und schlüssellos Geschaffen. |
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Oft standst du Tag und Nacht In Sattheit. Knietief schlug dir die Völlerei Entgegen. An deinem Ohr versprach man sich Doch nicht zu viel von dem Zuviel Zu reden, Zu oft geschah es, dass Ein Fremder kam und nahm. |
Dir war das Nötigste davon Genug. Du sahst auch ein, Du konntest nicht entweichen, Ohne ohne Hab
und Gut zu sein. Scham stieg langsam in dir auf, Suchte dich zu nehmen mit Gewalt. |
Ein Mädchen trug ganz unbeschwert Kastanienbraun die schönen Locken Schulterlang Im Kreis der Damen, die Mit List versuchten, dieses Kind An dunkle Wand zu locken. Sah man dort doch kaum noch etwas Von dem Braun. |
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Dein Arm umschlang In Angst um den Besitz Die Niederschrift der Güter. Draußen vor dem Tor ließt Du die Kontrolleure deiner Eigenmächtigkeiten warten. Punkt für Punkt nahmst du, Ein Raubtier, jenen Hütern ihre Beute, Brachtest Reichtum aufs Papier. |
Von ihnen traute keiner Sich zu dir, Und du tatst gut, die Meute Nicht zu rufen. Auch fehlten dir Vertraute, Klagtest du. Es ging ein Habenichts Am Strand. Im Spiel mit Muscheln, Steinen, Sand und Wasser aus dem Meer, Schuf er im Handumdreh'n Ein Wunderland. |
Es wurd sein
Werk von Einer viel zu frühen Welle Eines Schiffes, das vorüber kam, Noch lange vor der Flut, Die sonst die Sandgebilde nahm, Zerstört. |
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In deiner Überbrückung War Geländer dir das Fenster und die Durchfahrt Band nach draußen. Es stand ein Schild, das die Station auf Brücken Untersagte. Nur der Notfall brachte Dir Besuch. Lange kämpftest du Mit dir, Passage Gänzlich zu verweigern, Um Blockade Gingen die Gedanken. |
Die Termine unbekannter Obrigkeit zur Inspektion Nahmst du begierig wahr. Doch der Aufschub, den sie brachten, War kein Trost, auch wusstest du, Wenn man die Überbrückung schloss, Blieb dir nur Ihre Brüchigkeit Noch zu bewachen. |
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Damit du nicht im Tiefen Wasser fremder Fragen stecken bliebst, Entsandte ich den Schuster. Aus der Haut des Lachses Schnitt er deinem Fuße Schutz, und perlend glitten Alle Tropfen ab. |
Das neue Schuhwerk war Geeignet, Moor und Sümpfe Zu durchqueren und Den Fersen Angriff Abzuwehren. Wohl wurd dir
und warm, Und beinah zeigtest du Schon Interesse, Sympathie, Mit denen, die dich so Erfolglos jagten. |
Einmal, als du ohne Haut den Lachs im Schnellen Wasser sahst, Ergriff dich doch ein Unerklärlich' Frieren. |
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Aus aufgerissenem Kaninchenleib Fraß zerrend eine Krähe. Der Sturm zerfledderte Ihr schwarzes Kleid und Sträubte, Schirm im Schirm, die Federn über das Gedärm. |
Im Krieg des Kriegs, Der unter den Giganten In der Planung Sich befand, beteuerten Die Gegenseiten schriftlich Die Notwendigkeit, Im Kampf, der zwischen Krähe und Kaninchen stand, Bereitschaft zur Verteidigung In der Verteidigung Des Gleichgewichts zu halten. |
Auch sagte man, es zähle ein Kaninchenleib nicht mehr Als der Kadaver einer Krähe. Höchste Sorgfalt im Vergleichen Der Vergleiche Galt es zu erreichen. |
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Aus deiner flachen Schale, Übervoll mit Tapferkeiten,
Sah selbst ich Besonderheiten Ragen. Du ließt sie
dem Ruf nach Mut Zur Tat in unsren Tagen Vor die Füße tragen. |
Neu erwuchs dir Tapferkeit In Tapferkeit und gab dem Ruf im Ruf nach Mut im Mut Die längst verdiente Mahlzeit, Daran zu ersticken. |
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Damdadadam, damdadadam. Als König musst du stets verkleidet gehn. Als König darfst du nie Minister sehn. Damdadadam, damdadadam. Es könnte dir sonst ein Leid gescheh'n. Damdadadam, damdadadam. Als Bettler darfst du nicht ehrlich sein. Als Bettler lebst du von Lumperein. Damdadadam, damdadadam. Man könnte dich sonst wegen Betrugs erschlag'n. |
Damdadadam, damdadadam. Als Arzt hast du niemals die Wahrheit zu
sagen. Als Arzt hast du selber die Krankheit zu
haben. Damdadadam, damdadadam. Man würde dich sonst zu den Kranken
tragen. |
Damdadadam, damdadadam. Mein Lied darf ich nur für mich singen,
ganz leis'. Mein Lied darf mir gar nichts einbringen,
ich weiß. Damdadadam, damdadadam. Sonst würd' es für mich eine höllische
Speis'. Damdadadam, damdadadam. |
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Ich kam zu dir Ans Krankenlager. Du, ein alter Mann, Dem einst Verführer Haut vom Leib getrennt Und Knochen deines Widerstands gebrochen, Von dir war nur das Weiß der Augen noch Geblieben. Die Zeit, aus der du uns Berichtetest, ließ nicht die Zeit zum Überleben. Du selbst warst mitten drin Im schlappen Krieg um Niedertracht gewesen, Im Kampf um Krumen, Ums Verschenken Sanfter Worte an die Jugend. |
Stark war damals noch Das Weiß in deinen Augen, Und manchem, der dort starb, Ward es zum Hellen Totenlaken. Auch lange noch danach, Als deinen neuen Herren, Die mit dir Den Chor der ungehörten Rufer einst so qualvoll stellten, Deine Schreie wieder In den Ohren gellten, Blitzte dieses Weiß Aus wiederum verbotnen Kellerritzen. |
Bis zuletzt bliebst du Vor deinen Augen Unbestritten König, Und wusstest auch, Ein Ungerufner
würd es Noch 'mal sein, Der von dem weißen Porzellan Den Glanz dir raubte. |
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Am Kindergrabe steh'n Verzweifelt
Elternpaar Und jene kleine Schar
von Freunden,
Anverwandten. Sie alle hatten
großes Leid Mit angesehn. Selbst für die
Mutter war Die Zeit der
Tränen schon vorbei, Und nur dem Vater
brach Im Aufbegehren
noch der Blick um das
versagte Wunder Aus den Augen. Aus heitrem Himmel War das Kind im
fünften Lebensjahr von
Übelkeit, Erbrechen,
Schwäche angetan. Die Diagnose, für
das Kind Mit tausend
Ängsten vor den Drähten, Lampen,
weißen Kitteln, Sonden, dunklen
Räumen festgestellt, Von einer
Schwester nahm es noch ein Rotes Kabel mit, War ein Tumor im
Kopf, inoperabel. |
Die Frist war abzusehn Und eine Hölle
jeder Tag und jede Nacht. Das wilde
Wachstum nagte Lautlos an dem
Lebensfaden. Zu den Gebrechen
kam nur eine Fieberhafte Lust, Der Durst, so
sehr. Doch Schlucken
fiel dem Menschenkind So schwer, Dass es dann
endlich Nur im Anblick Vieler bunter
Becher, Flaschen, Rund ums
Krankenbett verstreut, Seine Phantasie
ertränkte. |
Mit sechzehn
Pfund Gewicht Und nach zwölf
Wochen Qual Entschlief das
Kind. Die Augen standen Weit geöffnet im
Gesicht Und sahen jedes,
wie verdreht, Ganz kurios, doch
ohne Glanz, Den Vater und
zugleich Die Mutter an. |
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Mein Gott' Wie hab' ich an dem Kind gehangen, An ihm, das keiner recht gewollt. Fast hätt' ich mich an mir vergangen Bei seinem Tod. Mein Gott, Wie still ist nun das Haus im Haus. Aus jedem Winkel hör ich noch sein
Lachen. Wer löschte dieses Licht im Lichte aus, Und seine hellen Schatten. |
Mein Gott, So schnell floss mir die Seele leer, So schnell ward mir das Herz zerrissen. Der falsche Schritt war doch viel mehr, Als Unfallärzte ahnen ließen. Mein Gott, Es sind schon Wochen her. Ich wag mich nicht zum Kindergrabe. Verzeih mir meine Gegenwehr, Des Nachts den Schweiß, die Furcht am
Tage. |
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Vor deiner Wohnungstüre, Rechts vom Eingang, Bautest du den Unterstand. Hier erlaubtest du zu warten. Viele, die dir zu Gesichte Kamen, kanntest du, Doch erst an dem Gesicht Erkanntest du die Vielen. Mit Namen nanntest du Gar keinen. Fremde wurden nicht von dir Gefragt. Nur, die schönen Wächterinnen Kümmerten sich ums Befinden. |
Wer dort im Unterstand die Wohnung nahm, Besorgte links den Weg. Er blieb dir als Passage. Viel Geduld verlangtest du Von deinen Bettlern. Ohne Habe, ohne Gut, Und nur bepackt mit Schwerer Last, trafen sie Dort ein. Du ließest sie gewähren. |
Ihre Bündel, die sie häufig Dir beließen, hieltst du fest In dem Bericht. Selten auch sahst du im Päckchen Spielzeug, lächeltest Ob der Einfalt, Oft im Spielzeug deiner Gäste wieder Giftig jenen Todesboten, Dir zur Last. In deiner Ohnmacht, nur Als Schreiber eines Protokolls Zu dienen, warst du Manchmal froh, Vom Krebs in dir Zu wissen. |
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Ich musste schmecken den Geschmack, Wie man ihn hat Nach frischem Töten. Das Gegenüber hingestreckt, Die Sitze, Polster, Autotüren Blutbefleckt, Der Kopf, durch die Verbundglasscheibe Abgetrennt vom Rumpf, Liegt weit entfernt. Man konnte ihn so schnell Nicht finden. jetzt lernte ich den Abscheu überwinden Vor der toten Kreatur. |
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Abendsonne lässt ihr Blut Müde in die Gärten fallen, Wo der Sommer war. Feuchte, zähe Nebelbrut Kämmt mit unsichtbaren Krallen Rotes Blätterhaar, Hebt sich, plötzlich reißt das Tuch, Zeigt die Blöße dunkler Äste, Pfähle tief im Leib. |
Schrecklich ist der Nacktheit Fluch. Feier kalte Wahrheitsfeste Nur in Einsamkeit. |
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Dürre kreidet durch das Land. . Weißer Staub Bricht in Adern deine Hand, Irden Laub. |
Fieberwinde flimmern grell, Schattenglanz. Sonnenspiele heiß und hell, Totentanz. |
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Der Staub vergangener Beklemmnis, Ein pelzig Überzug auf meiner Haut. Stockig der Geschmack im
Mund. Mit großer Geste tu ich so, Als wäre nichts. |
Wie die Verderbnis lebt! Ein madig Loch im Fleisch. Jeder hütet sein Geheimnis, Legt Tücher, Geld und Lügen drauf. |
Haarig auch die Worte. Heiß der Kuss im Schoß der Frau, Und fern, so fern
die Welten heiler Tempel, Geschützt vom Ohrwurm Monotoner Litanei. |
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Deine Worte sind ein schillerndes Band, Eine Regenwand, Auf welche Sonne fällt. Deine Worte sind wie jene mitfahrende
Perlenwand, Jenes Wasser zerstäubt zum gläsernen
Fächer, Den, hochgedrückt vom nassen Straßenrand,
Ein schwarzer Autoreifen in den Händen
hält. |
Deine Worte sind dein Kleid, Doch deine Worte erwecken auch Neid Auf deinen weißen Körper. Trotzdem, Vor dir legen andre ihre Lumpen ab, Verdecken die Blößen mit schmutzigen
Händen. Einst gab dir ähnliche Nacktheit zu
denken, Als die Wahrheit noch neben dir stand. |
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Die eigenen Worte sind eine Wahrheit Und der Verdacht, Die üble Kreatur in dir zu füttern. Die Lüge ist der Hunger, Die den Wolf in dir nicht stillt, Sie quält und nagt An deinem Kleid Und wagt Sich nicht hervor. |
Du, der Tor, Weißt nicht Mehr, was du sprichst. Du hörst dir zu, einem Fremden: So redet also einer, Der so denkt wie ich. Ich fürchte mich. |
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Es kommt die Zeit, Da wünsch ich mir den Tod. Ein Kleid, das nicht mehr Viel zu eng, wie all die Tausend andern Waren, bringt mir Wohligkeit Und Wärme. Wenn nur das Wort Abschied Nicht wäre. Nie werd ich es versteh'n, Noch im Davongehn
werd Ich nach Erklärung suchen. Mir, ausgerechnet mir, Soll das gescheh'n. |
Von jedem, glaub ich, Könnte ich mich trennen, Nur von dir Fiel mir Das Abschiednehmen Unsagbar schwer. Versprich, dass du nie vor Mir gehst. Ich müsst dir sonst ja Meinen Unverstand Erklären und stürbe Meinen Tod schon Vor der Zeit im viel zu Engen Kleid. |
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Du sprachst zu mir, Du hättest Tote mehr gesehn, Als Leichen je da waren. Ich sage dir, wahr, Wahr redest du, Denn jede Zeitung schreibt Und hunderttausend Mal Wird es erfahren, Dass die Toten lebend Noch geboren haben Wieder ihren Tod. |
Sie starben ihren Tod Im Voraus viele Mal. Ich selbst, glaub mir, Starb einen fremden Tod. Mich selbst, glaub mir, Hat Tod im Tod getragen. Die Leichen, die du sichtbar Fandst, ja, es ist schlimm, Die waren nur noch Todeszeichen. Tot auch der, Der sie als Tote nimmt. |
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Seltsam schaumig Tropfen Auf dem Wasserblech. Ein stockig
Zeiger Ohne Zahl Ragt aus dem Ufersand In die Höh. Auch läuft der Weg nicht rund, Nein, steil bergauf. Schnaufend fällt Der abgestoßne
Stein Der Magerkeit Ins Tal Und schlägt dem Blech Die Risse kreuz und quer Durch Mark und Bein. Nur dumpf und sacht Erzittert rundherum das Moor. So sanft erbebte einst Der Sinn, als ihn Erkenntnis traf. |
Verschon, oh Herr, dies Kind, Es hütet sanfter Schlaf. Um seinetwillen Lern ich beten. |
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Aus tiefer Not Ein Schrei zum Himmel Trifft auf über tausend Satelliten! Die haben den Verdacht gebracht, Dass eventuell fremde Wesen ... Aber Konkretes Ist dort nicht gewesen. |
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Jesus am Kreuz, Und darunter, In Synkopen, Die Schachtel mit den grünen Schleifen. Ich darf doch nicht weinend dahinsterben! |
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Nichts scheint so schwarz Wie selbst ein Loch, Das wohl in einem schwarzen Loch Noch schwärzer wird, Und nichts so grau Wie eine Felswand, Die sich weiter hinter Eine andre schiebt. Nie scheint der Jugend Eine dürre Zeit, Die neu ist, Mehr voll Kraft zu sein, Und nie dem Alter Eine satte Zeit Als Inbegriff Für alles was befreit. |
Nie scheint die Liebe Flüchtiger zu sein, Als wenn man liebt, Und nie ist mehr Bestand gegeben, Als wenn in Sorge lebt das Herz Um neues Leben. |
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Der Regenbogen Hat mich betrogen. Als sichtbares Zeichen Zwischen Ihm und meinesgleichen Wird er gespannt. So steht es zu lesen. Doch als ich an seinem Rand gewesen, Um mich auf seine Brücke zu wagen, Meine Last hinüber zu tragen, Sie drüben abzuladen, Nahm mein Näherkommen hinweg Den Weg. |
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Mein Herz Du liebes Kind meiner Seele, Bleibe ruhig. Vergiss die unheilvollen Pläne, Lass Gewesenes vergangen sein. Sei nicht der Würger In dem hohen Turm Der Eitelkeit. Sei auch die Taube nicht Im Drahtverhau, Ein niedlich nickend Ding, Das tanzt im weißen Federkleid. Ertrage dich Und auch das kleine Stückchen Deiner Unschuld, Das dir blieb. |
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Zu unbedeutend ist der Singsang hoher Priesterschaft Und seiner Wiederholung Durch gekniete Münder. Reste faulen Ungehorsams Gären in den Liebgewordnen, Auserwählten und Verdammten Immer wieder auf Zu Blüten toller Freiheit. |
Nichts kann Nachtzugfenster Schneller Züge In das Flutlicht Menschenvoller Hallen zwingen, Nichts die gute Einsicht Zum Bekenntnis bringen. |
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Durch die Straßenleere Schleicht der Dämon der Vergangenheit, Der Jesus weher Schuld. In der Krone Statt der Dornen Die Gesichter all der Fernen Und Verkauften. Doch die Fährte dünnen Blutes Von der Stirn Perlt in Sühne Auf die Gegenwart. Wie leicht wird da das Singen Hinterm Zucken sanfter Lichter In den Fenstern. Nur ein wenig der Erinnerung Ist mildes Löschen, furchtsam Hüten Einer hellen Flamme. |
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Ich habe ein blaues Eiskristall Gesehn. Im grellen Sonnenstrahl, Es war ein wirbelnder Splitter aus Stahl, Brach es der Frost Von dem Zweig. Schön War sein funkelnder Flug Auf die Erde. Es ist Weihnachtszeit. |
Im nächtlichen Wald Aus weißem Licht, So kalt, Gibt ein Stoß an den Ast Die ganze Last einer Glitzernden Wolke frei. Kommt alle herbei, Es ist Weihnachtszeit. |
In den kurzen Schatten Unter dem senkrechten Mond Entsteht, kaum erkennbar für mich, Ein hageres, dunkles Gesicht. Heute Morgen hielt ich Aus ärmstem Land Einen Bettelbrief in der Hand. Sag mir, Gesicht, Was fange ich Mit der Bittschrift an, Es ist doch Weihnachtszeit. |
Raum-, Zeitgedichte Nr.
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Es ist eine Zeit,
Raum-, Zeitgedicht Nr. 1
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Es ist eine Zeit, Die ist schon
vorbei Und wird doch
erst kommen. Es ist ein Wort, Das ist schon
gesprochen Und wird doch
erst vernommen. Es ist ein Ziel, Das ist schon
vorbei Und wird doch
erst erreicht. |
Es wird die Zeit
kommen, Die ich heute
erlebte. Es wird das Wort
vernommen werden, Das ich heute
hörte. Es wird das Ziel
erreicht werden, Das ich heute
verfehlte. |
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Zeitreisende,
Raum-, Zeitgedicht Nr. 2
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Die super schnell bewegten Räume Sind nicht mehr sichtbar. Sie sind du, und du bist sie, Sie stehen still. Du lebst in einer Computerzeile, In einem Rechner. Er ist dein Atem, Lebenserhaltend. Du weißt, du kannst jederzeit diesen Raum und Neuerdings auch diese Zeit verlassen Und wechseln. Doch wer das macht, Verliert an Substanz. Der Rechner kann dich dann Nicht mehr fuhren, Du gibst dich Fremden an die Hand. |
Du gewinnst deine neue Zeit, Doch die Ereignisse liegen so weit Auseinander Und sind keine Zuflucht mehr. Du weiß nicht, wen du noch kanntest, Wen du noch mit
Namen nanntest, Und manches ist sehr lange her. Auch ist die Rückkehr Schwer, Es überholt dich der Zeitenwechsel, Und die alten Räume Sind noch einmal neu; Auch nicht ohne Verlust Für dich. |
Unfälle soll es kaum noch geben, Hört man. Doch das hat bei dieser Menge an Räumen und Zeiten Nichts zu bedeuten. Gleichzeitige Dinge, Die sich heute ereignen, Können der Rückkehr Des Reisenden Zukunft Und dem, der wechselt, Schon lange Vergangenheit sein. Viele klagen über die Eintönigkeit. Manche sprechen noch heut' von
Melancholie. |
Zeitenwechsel,
Raum-, Zeitgedicht Nr. 3
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Vor dem ersten
Wechsel In die andre Zeit Hattest du noch
Argumente. Glaubhaft trugst
du Unsren Namen Vor dir her. Über deine
Schulter Sahen wir dein
Werk. Du warst wie wir. Doch die andre
Zeit War schneller, Maßlos war ihr
Anspruch Auf Besitz an
dir. Du verlorst dich
ganz An sie. |
Du erlerntest
eine Sprache, Die war neu, Kalt das Für und
Wider, Ohne zu
verletzen. Es trieb dich Auch nicht heim. Nur, wenn dein
Weg Den unseren
schnitt, Wurdest du uns
greifbar. Was wir hielten, War ein Stück Aus der andren
Zeit, Weit, weit von
uns, Neben oder hinter
uns. |
Wir warfen dir
Verzweiflung In dein Tun. Als du, Für dich nach kurzen
Augenblicken, Wieder zu uns
kamst, War unser Leben
alt. Doch, freundlich Suchten wir dich
einzuordnen. Jäh wich deine
Zeit uns aus. Mit nichts warst
du Mehr einzuholen. Nur einmal noch Sahst du uns so Verlassend an. |
Die Zeit in einer
andren Zeit, Raum-, Zeitgedicht Nr. 4
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Die Zeit in einer andren Zeit Wär absolute Einsamkeit, Könntst du Erinnerung bewahr'n. Schon lange Zeit, vor jener Zeit, Treibt dich die Sorge, Was du doch versäumst, Zu ordnen. Nie weiß man, Auch nicht ungefähr, Die Rückkehr, Kaum das Jahr. Den Partner mitzunehmen Ist Gefahr, Ihn zu verlieren. Die andre Zeit Verändert jeden ganz, Und ungebunden bist du bald Zu neuer Partnerschaft bereit, Du denkst jetzt ja In vierter Dimension. Sie ist dir eigen, dein, Ein Teil deiner Person. Den Partner mitzunehmen Wurd auch lange schon
verboten. Das ist einzusehen. |
Die neue Partnerschaft ist Zwar erlaubt, Doch kann sie nur in andrer Zeit besteh'n. Auch neue Partner legen, so wie du, Schon beim Verlassen Die Erinnerung an diese Zeiten ab Und nehmen an den Wandel. So ist der Wechsel ganz gerecht. Man lebt ja nur für sich, Nicht gut, nicht schlecht, Und die Ereignisse im Raum Berühr'n dich kaum, Sie treiben ohnehin ja immer Von dir weg. Es gibt auch Leute, Die den langen Wechsel planen. Ihr Abschied ist für immer. Meist handeln sie aus einem Kummer, Melden ganz spontan Den Wechsel an. Wenn's geht, entscheiden sie noch heute. Sie kommen dann, Wie kürzlich erst, Nach unvorstellbar langer Reise Auf technisch einwandfreie Weise In unsre Zeit zurück. |
Man sagt, sie wären selbst ein Stück Vergangenheit, Und kommen doch aus Vorgelebter Zeit, Aus nicht gewes'nem
Leben Auf Besuch zu uns. Sie kennen nichts mehr hier Und sprechen auch nicht mehr wie wir, Und lassen sich beim Amt für Ihre Angelegenheiten Gar nicht erst den Eintrag Für die Rückkehr vorbereiten. |
Fremde Wesen,
Raum-, Zeitgedicht Nr. 5
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Der Umgang mit fremden Wesen Wurde mich nie gelehrt. Nicht nur, dass man nicht daran dachte, Schien er es auch nicht wert. Die erste Begegnung würde nicht gleich
die letzte sein, Warf man ein. Auch musste die Fremdheit im fremden
Wesen Nicht fremdartig sein, Vielleicht nur ungewohnt. Ich war nicht vorbereitet. So wunderte mich Eine Zeitlang nicht Die Begleitung dieser Art. Merkwürdig, ich war wie im Trunk Und voller Begeisterung, Als ich auf sie traf. |
Die Sprache, die wir anfangs hatten, War wie gemeinsamer Schlaf, Traumgleichheit unser Erleben. Doch sie kam aus einer anderen Zeit, Das wurde ich schnell gewahr. Sie lebte ohne Erinnerung In den Tag. Sie sagte oft, sie möchte Keine erlebten Geschichten, Die sie ohnehin Tatsächlich mit nichts verband. Sie konnte meine Worte in einer Sprache
einrichten, Die ich nicht verstand. Oft schloss sie auf Dinge, Die waren nur schön Anzusehn, So als bringe Sie farbiges Speiseeis Ohne jeden Geschmack. |
Dann wieder überraschte ihr Tun: Wie auf gläsernen Stelzen, Hilflos, zerbrechlich und beinahe
fallend, Zerstreute sie Argwohn, Ließ Zweifel Mit einem Blick ihrer Augen Zerschmelzen. Gefährlich wurde sie erst, Als ich sah, Dass ihr Handeln nach einem Muster
geschah, Und sie sich auf meine Vorgaben berief. So wie es verlief War sie sogar im Recht. Um sie zu schützen Nein, um mir zu nützen, Sie mir willig zu neigen, Machte ich bald mir ihr Denken zu eigen. |
In amtlichen
Büchern, Raum-, Zeitgedicht Nr. 6
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In amtlichen Büchern kann man lesen, Wann der Start von dem und dem In eine andre Zeit gewesen. Aus vergangenen Tagen Sagt man heute, Gibt es Leute, Die in Särgen ruhn, In hölzernen oder auch steinernen Truhn, In Gräbern, auf Feldern. |
Das ist lange vorbei. Zu viele leben in anderer Zeit. Man kann heute nicht mehr fragen, Wie in früherer Zeit "Lebt derjenige noch?" Was sollte man darauf sagen. Und erst auf die Frage, "Wie kam es, dass er starb?" |
Nein, nein, zu sterben ist So ungewiss. Es hat doch wohl jeder zwei Verschiedene Zeiten oder mehr. Wie viele, ist dabei Einerlei. Gefragt wird nur noch in anderer Zeit- "Von wann kommst du her?" |
Zeitlose Zeit,
Raum-, Zeitgedicht Nr. 7
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Wer konnte früher schon erklären, Was das sei, die Zeit. Kein Mensch hatte je genau vernommen, War es Anfang, die Zukunft,
Vergangenheit, Einfach aufgereiht. |
War, was sie am Sternenhimmel sah'n Die Gegenwart, doch vergangene Sonnen? Was wär, wenn sie still stand, die Zeit, Wenn nichts sich täte im Kern. Das wär eine Antwort gewesen, Jede Reise zum entferntesten Stern. Keine Zeit könnt vergeh'n, Woanders dagegen schon Zukunft sein Vergangenheit dort, wo du warst. Du könntest verschiedene Zeiten bewahr'n Und endlich eine zeitlose Zeit erfahr'n. |
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Gleichzeitige
Zeiten, Raum-, Zeitgedicht Nr. 8
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Befindet man sich auf Reisen In anderer Zeit, Ist niemand zu erreichen, Außer in eigener Zeit. Das ist allen bekannt Und war oft der Grund, Warum Einer nicht den anderen fand. Er aber hatte verzweifelt versucht, Seine eigene Zeit Mit anderen zu vergleichen. Es ging dabei nicht um die Fragen, Eine Botschaft in andere Zeiten zu
tragen, Nein, um den absoluten Zeitenvergleich, Wer läge vorn, Wen habe er Durch schnelleres Leben verlor'n, Wen könnte er überrollen, Wer wäre gerade dabei, Im Sprung, ihn einzuhol'n. . |
Langreisende stellten ihm oft und gern Ihr Zeitprotokoll unter irgend einem
Stern Zur Verfügung. Das nahm er als beißenden Hohn Seiner Bemühung. Das kannte er alles schon. So musste ja irgendwann Ihn der Beschluss ereilen, In zwei verschiedenen Zeiten Gleichzeitig zu verweilen. Nach seinem Plan Würd' er sich dann In dritter Zeit erfahr'n. Er ließ sich von Freunden alles vorbereiten Und dachte an außergewöhnliche Begebenheiten, Die wollte er selbst bedenken. So schnitt er natürlich die Frage an, Woran Versteh ich an mir Nachher Die unterschiedliche Zeitenbahn Und ihr Zusammentreffen. |
Als er daran Die Unmöglichkeit des Erkennens vernahm Kam ihm spontan Der Verdacht, Er habe Vielleicht grade Den Schnittpunkt Hinter sich gebracht Und so das Unmögliche Doch möglich
gemacht |
Ein Zeitprotokoll,
Raum-, Zeitgedicht Nr. 9
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Seit alter Zeit, Das ist übrigens etwas, Was wohl immer bleibt, Trägt man beim Wechsel In eine andere Zeit, Die räumlichen Daten Der nächsten Planeten, Eines Sternes oder Übermagneten In amtliche Bücher ein. Neuerdings legt man Darüber hinaus Wert darauf, Den Zweck, den Sinn Einer Reise zu erfahr'n, Und, ganz wichtig, Welche Zeit strebt Der Reisende an. Dabei erkennt allerdings jedermann, Dass nur der Grund Für den Wechsel Genannt werden kann. Alles weitere ist eine Mode. Natürlich beginnt der Zeitenplan In anderer Zeit. Den vierdimensionalen Biochemisch gesteuerten Daten Schließen sich etwas Unverständlichere Nicht mehr nachvollziehbare Übergangsregelungen an. |
Diese Vereinbarung ist Zu quittieren, Welches geschieht, Ohne dass Reisende Davon erfahr'n, Durch Ablegen der Erinnerung. Nach dem Wechsel ist man dann frei. Den persönlichen Schutz Übernehmen, schon aus Eigennutz, Fremde Systeme. Die hier erreichte Perfektion Ist auch ein Teil, Mehr eine Ergänzung schon, Der Übergangsregelung: Sie programmiert eine Zeitenvorschau, Um Katastrophen zu umgeh'n. Der Aufenthalt soll nun genau, Und hier beginnt das Protokoll, Von denselben Systemen erfassbar sein. Man richtet sich ein, Fragt nach irgendwelchem Tun, Beschafft Informationen, Die sich im allgemeinen kaum lohnen, Und tritt alsbald die Reise zurück Wieder an. |
Das gleiche Programm. Das Protokoll bleibt In der neuen Zeit. Dieser Ausflug, ohne Besondere Vorkommnisse An vergleichbaren Kaum vierzehn Tagen, Beschert dem Mann, der Frau Einen Zeitensprung von Zehn bis zwanzig Jahren, Nach vorne oder zurück. Ein Stillstand Bringt nach allgemeinem Wissensstand Wirklich nichts. |
Das Kleinste im
Kleinen, Raum-, Zeitgedicht Nr. 10
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Neuerdings kann man, Bei einer Reise in die Zeit, Auch den Mikrokosmos wählen. Als aufgeladenes Ion, Auch als Lichtquant gesandt, Das Kleinste im Kleinen erleben. Dorthin, wo im Leinen Die dickeren Fäden Sich zu Mustern weben, Wurd seine Welle
ausgesandt. Sein Denken hatte ein Speicher In der Hand. Seine Landung auf dem ersten Kern War zu vergleichen mit der Auf einem Stern. |
In absoluter Bewegungslosigkeit Und mehr als unendlich weit Entfernt, waren auch hier die Gestirne. Die Geräusche und Laute in optischer
Gestalt Kamen von seinem Aufenthalt. Er konnte natürlich nicht hoffen, Auf wellengleiche Quanten zu stoßen, Doch konnten sein Erscheinen, Die ihm bekannten Systeme, Auch nicht verneinen. Berechnungen hatten gezeigt, Dass benachbarte Sternensysteme In jeder Gewebezelle zum Kern Ebenso entfernt sind Wie die Erde zu einem uns messbaren
Stern. |
Er hatte beim Eintritt Darauf bestanden, Gezielt zu werden auf Reflektoren, So waren ihm durch seine Abenteuer Nur knapp zehn Jahre verloren, Bevor er zurück in den Speicher fand. Die irdische Zeit hatte kaum Eine Nanosekunde gebrannt. Unverständlicherweise Hatt er nach dieser
unbedeutenden Reise Seine Familie nicht wieder erkannt. Er verzog in ein völlig anderes Land. Auch seine Sprache war kaum zu versteh'n. Fachleute kannten dieses Problem. |
Eine andere Zeit,
Raum-, Zeitgedicht Nr. 11
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Im Zentrum der Reflexion War sie schon gewesen Und hatte nachgefragt. Dort hatte man ihr schlicht gesagt, Dass keine Nachricht vorläge. Sie sei in Wahrheit nicht In anderer Zeit Und würde auch ganz gewiss Woanders nicht vermisst. Ihr waren aber, Was selten genug vorkam, Für viele war es einfach Wahn, Erinnerungsfetzen Deutlich geword'n. Man bot ihr an, Auf verschiedenen Reisen Die Zeiten zu durchstreifen. |
Unsicher trug sie die einzelnen Bilder Zusammen. Nach ihrem Schluss Musste sie aus der Zukunft sein Und nahm das so programmierte Angebot an. Als sie nach dem Wechsel In die andere Zeit Sich in anderer Zeit Wiederfand, War der Beginn ihrer Langen Erinnerung Tatsächlich Gegenwart. |
Nur konnte sie das nicht erfahr'n, Weil Reisende, bei ihrem Wechsel In andere Zeit, Keine Erinnerung bewahr'n. Das trug der erstaunten Frau Ein ganz gewöhnlicher Rechner an. |
Die einzige
Gelegenheit, Raum-, Zeitgedicht Nr. 12
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Er sah im Wechsel in eine andere Zeit Die einzige Gelegenheit Sein Leben, über sein Leben hinaus, Zu retten. Seit langem rechnete er sich aus, Dass ein Zeitensprung Von zwanzig Jahren Enorme Vorteile habe. Jedenfalls würden ihm Zwanzig Jahre Vorsprung Gewiss nicht fehlen. Auch nahm er das Risiko in Kauf, Normaler Reiseverlauf Vorausgesetzt, Dass er in anderer Zeit Verbliebe. Doch ließ er den Rechner Vorsichtigerweise auch Die Rückkehr seiner Reise Vorprogrammieren. |
Von amtlicher Seite War das alles erlaubt. Nachdem er noch einmal den Abschied Bedacht, Hat der törichte Mensch Jenen Ausflug gemacht. In der neuen Zeit Gab es kaum eine Angelegenheit Von Bedeutung. Jedes Ereignis wurde durch Zeitenvorschau abgeleitet. So kam er ohne Schaden In unserer Zeit zurück, Mit seinem Zeitgewinn Von gut zwanzig Jahren Und einer Reisezeit, In seiner Zeit, Von wenigen Tagen. |
Nur eines hatte er dabei nicht erkannt, Dass von den irdischen zwanzig Jahren Für ihn nicht eine Stunde Und keine Sekunde geschehen waren. |
Die Rückkehr,
Raum-, Zeitgedicht Nr. 13
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Vielen andren war es so Wie ihm ergangen. Als Kind aus schwacher Obhut Und in Abenteuerlust befangen, Floh er heimlich diese Zeit. Andrenorts die Häscher Salbten seinen Mut Und nahmen ihm den Code Zur Rückkehr. Nach knapp zwei Jahren Dieser Fremdheit Kam jedoch die automatisch Abgefragte Rückholforderung Auch so an ihn. Er kehrte heim. |
Aus längst vergilbten Büchern musste er erfahren, Dass über siebzig Jahre Unsrer Erdentage Hier verstrichen waren. Natürlich konnte er die Sprache nicht versteh'n. Die Eltern waren tot, Und ob Geschwister je gewesen, War nicht mehr nachzulesen. Man zeigte ihm die Gegend, Wo das Grundstück Seiner Eltern einst gelegen. Überall warn Unterholz, Wildwuchs, Zügellose Unzugänglichkeit Und tierische Gefahr Erwachsen. |
Zum Neubeginn Ward ihm daher Ein mittelmäßig Menschenweib mit wenig Kenntnis, doch mit Urverstand und Sinn Fürs Überleben An die Hand Gegeben. Die hielt ein Plan Als Übergang Für diese Zeit Ganz allgemein bereit. |
Unerreichbar,
Raum-, Zeitgedicht Nr. 14
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"Erhebe deinen Aufenthalt In andrer Zeit Nicht zum Gebet." Nur dieser Kinderreim Fiel ihm in seiner Zeit, In andrer Zeit, Bei jedem abverlangten Protokoll Als Eintrag ein. Die chronologischen Daten Führten ohnehin die Automaten. Entscheidungen, Prozesse Gab es nicht. Die Zeitenreise geschah Im überdimensionalen Raum Ohne jede Steuerung. |
So flossen seine Gedanken immer neu Wieder ein in Den Kinderreim und Malten die Worte zum Bilde. Seine ungenutzten Gedanken Begannen das Bild zu umranken. Wilde Spekulationen Zu fremden Zeitenstationen Nahmen bald überhand, Und wie der Fluch Einem Spruch anhängt So konnte ihn dieser Vers Nur wenig vor den Gefahren Bewahren. |
Die Automaten erfassten seinen Zeitendrang Und brachten ihn, An der Peripherie Seiner Reise angelangt, Unkontrolliert in Den nächsten Zeitenrand. Dort musste er verweilen, Als Flüchtling unter vielen Ein gleiches Schicksal teilen. Sie hofften auf dieser Zeitenbahn Doch irgendwann Der allgemeinen Kontrolle Zu unterliegen. Eine groß angelegte Amnestie Kam ohne jeden Vorteil für sie. In ihren unbekannten Zeiten Waren sie nicht zu erreichen. |
Kein Eintrag,
Raum-, Zeitgedicht Nr. 15
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Bei seinem Eintrag In das Protokoll, Das Reisende In anderer Zeit Begleiten soll, Hinterließ er für das Zentrum der Reflexion In verlassener Zeit: |
Er könne nicht mehr Verantwortung tragen Für die Antwortgeber, Für seine Automaten, Die auf sämtliche jemals Gedachten und noch zu Denkenden Fragen Bereits eine Antwort haben. |