Societ lyrics / deutsch - englisch, was ist das?
|
Namenlos von meiner Insel (9. Brief) Meine
Briefe fanden nirgends Echo, Dass,
obwohl sie nachzulesen und zu hören waren. Niemand
fand es sonderbar, Von
einem Namenlosen ohne jeden Umweg
etwas zu erfahren. Die
Erlaubnis, Briefe zu verfassen, ohne Dass
man an den Schreiben Etwas
änderte, erfüllte mich mit Mut. In
Zukunft würde ich mich gleich an jeden Und
an alle in der Heimat wenden Und
um Hilfe bitten. Ich
sprach mit der Frau, die mich versorgte, Und
erfuhr, dass meine Briefe schon von Anfang an Für
jeden zugänglich und öffentlich gewesen waren. Dass
das Urteil über meine Namenlosigkeit Und
lebenslängliche Verbannung als persönliches Geschick Und
meine eigne Schuld empfunden wurde. Niemand
würde sich je um mich kümmern wollen. |
Als
die Frau, die mich versorgte, Meine
Angst erkannte, riet sie mir, Ich
sollte Angst mit Angst bekämpfen, Und
sie sagte: „Willkür
ist der schlimmste Terrorismus“. Das
verstand ich nicht. Dann
aber kam sie eines Abends, Legte
sich entkleidet auf mein Bett,
als wollte sie sich mir beweisen. Das
verwirrte mich, und ich war traurig Und
sah hoffnungslos auf sie herab. Sie
aber zeigte mir mit ihrem Finger An
der Taille eine schwarze Tätowierung, Die
mich tief erschrecken ließ, Es
war das mittelalterliche Zeichen Von
der Tür zu einem an der Pest Erkrankten. „So
kannst du dich schützen“, sagte sie. Dann
sah sie mich sehr lange an. Ich
hätte sie gern lieben wollen, Und
mein Herz war wach, Doch
das, was ich die Seele nannte, Wog
in mir so schwer wie Stein. Ich
dachte auch daran, Dass
sie sich in vier Männern teilte. |
Nun
schreib ich den neunten Brief Und
hoffe auf kein Wunder, Denn
ich spüre die Gefahr Um
die Organe meines Körpers. Einer
ihrer Männer hat mir das Tatoo gestochen. Er
war freundlich und entgegenkommend. Dieser
Brief blieb ein paar Tage unentdeckt, Dann
war er fort wie all die anderen. |
Harald Birgfeld, aus: Namenlos von meiner Insel
Copyright 2011 beim Autor, Harald Birgfeld.