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*         Societ lyrics / deutsch - englisch, was ist das?


 

Namenlos von meiner Insel

(9. Brief)

 

Meine Briefe fanden nirgends Echo,

Dass, obwohl sie nachzulesen und zu hören waren.

Niemand fand es sonderbar,

Von einem Namenlosen ohne jeden

Umweg etwas zu erfahren.

Die Erlaubnis, Briefe zu verfassen, ohne

Dass man an den Schreiben

Etwas änderte, erfüllte mich mit Mut.

In Zukunft würde ich mich gleich an jeden

Und an alle in der Heimat wenden

Und um Hilfe bitten.

 

Ich sprach mit der Frau, die mich versorgte,

Und erfuhr, dass meine Briefe schon von Anfang an

Für jeden zugänglich und öffentlich gewesen waren.

Dass das Urteil über meine Namenlosigkeit

Und lebenslängliche Verbannung als persönliches Geschick

Und meine eigne Schuld empfunden wurde.

Niemand würde sich je um mich kümmern wollen.

 

 

 

 

Als die Frau, die mich versorgte,

Meine Angst erkannte, riet sie mir,

Ich sollte Angst mit Angst bekämpfen,

Und sie sagte:

„Willkür ist der schlimmste Terrorismus“.

Das verstand ich nicht.

 

Dann aber kam sie eines Abends,

Legte sich entkleidet auf mein

Bett, als wollte sie sich mir beweisen.

Das verwirrte mich, und ich war traurig

Und sah hoffnungslos auf sie herab.

Sie aber zeigte mir mit ihrem Finger

An der Taille eine schwarze Tätowierung,

Die mich tief erschrecken ließ,

Es war das mittelalterliche Zeichen

Von der Tür zu einem an der Pest Erkrankten.

„So kannst du dich schützen“, sagte sie.

Dann sah sie mich sehr lange an.

Ich hätte sie gern lieben wollen,

Und mein Herz war wach,

Doch das, was ich die Seele nannte,

Wog in mir so schwer wie Stein.

Ich dachte auch daran,

Dass sie sich in vier Männern teilte.

 

 

 

 

Nun schreib ich den neunten Brief

Und hoffe auf kein Wunder,

Denn ich spüre die Gefahr

Um die Organe meines Körpers.

 

Einer ihrer Männer hat mir das Tatoo gestochen.

Er war freundlich und entgegenkommend.

 

Dieser Brief blieb ein paar Tage unentdeckt,

Dann war er fort wie all die anderen.

 

 


 

Harald Birgfeld, aus: Namenlos von meiner Insel

 

Copyright 2011 beim Autor, Harald Birgfeld.