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*         Societ lyrics / deutsch - englisch, was ist das?


 

Namenlos von meiner Insel

(16. Brief)

 

Ich verließ das Haus

Und ging spazieren.

Da fuhr neben mir ein Wagen auf.

Der wurde von der Frau gelenkt, die mich versorgte,

Und sie fragte, ob ich sie begleiten wollte.

Sie war auf dem Weg zum „Großen Haus“.

Das kannte ich noch nicht.

So stieg ich zu ihr ein.

Sie sah ein wenig anders aus als sonst.

Ich sah sie von der Seite an, mir fiel jedoch nichts weiter auf.

Wir fuhren zu dem „Großen Haus“.

Es schien sehr herrschaftlich.

Von weitem sah ich viel Geschäftigkeit.

In nächster Nähe gingen dann zwei Frauen,

Die der Frau, die mich versorgte, zum Verwechseln

Glichen.

Ich war irritiert,

Die Frau saß neben mir und war auch draußen.

Eine von den beiden sah ein wenig jünger aus,

Die andere schien älter.

 

 

 

 

Meine Fahrerin blieb ungerührt.

Wir traten ein.

Gleich hinter dem Empfang stand ich.

Ich stand dort zweimal,

Einmal so wie ich vor Jahren ausgesehen hatte

Und daneben ganz genau wie jetzt.

Ich wollte mich verstecken.

 

In dem ganzen Haus war reges Tun und auch viel Lässigkeit.

Ich traf auf immer neue Doppelgänger.

Keiner staunte, alle waren ungewöhnlich frei.

Ich kannte mich bald nicht mehr aus.

Die Frau, die mich versorgte und den Wagen

Hergefahren hatte, konnte ich nicht mehr entdecken.

Sie war in zu viele gleiche Frauen eingetaucht.

Da wurde ich von einem meiner Doppelgänger angesprochen.

Er sah mich sehr freundlich an.

Er sprach jedoch nicht meine Sprache,

Und ich lächelte verständnislos zurück.

Ein wenig aber spürte ich Vertrauen,

Und ich hatte Lust ihn zu berühren.

 

 

 

 

Viele Wochen lebte ich im „Großen Haus“.

Wir gaben uns an Kleidung, Essen, Überflüssigem

Und an Erforderlichem was wir brauchten.

Immer war jedoch schon alles angetan und

Stand bereit für mich, für alle meine Ichs

Und für die Doppelgängerinnen von der Frau,

Die mich versorgte, und sie selbst darunter.

 

Eines Tages redete von denen eine ganz vertraut mit mir,

Dass ich „der in Verbannung“ sei,

Sie führe wieder heim und wenn ich wollte..

Ich war gleich dabei und sagte: „Ja“,

Doch trauen konnte ich ihr nicht.

 

So fuhren wir zurück.

 

Zu Hause angekommen

Stand die Frau, die mich versorgte, uns im Weg,

Und ohne Staunen öffnete sie mir die Wagentür.

Sie fragte nur, ob ich im „Großen Haus“ gewesen sei

Und sah gelangweilt auf die Doppelgängerin.

Die grüßte sie und fuhr, als wäre nichts, davon.

 

Mein neuer Brief erhielt die Nummer sechszehn,

Und er wurde schon am andren Tag

Von jemand wortlos abgeholt.

 

 


 

Harald Birgfeld, aus: Namenlos von meiner Insel

 

Copyright 2012 beim Autor, Harald Birgfeld.