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*         Societ lyrics / deutsch - englisch, was ist das?


 

Namenlos von meiner Insel

(11. Brief)

 

Ohne Vorbereitung holte man mich ab von meiner Insel.

Die Bewacher kannten mich,

Doch ihre Sprache blieb mir fremd.

Ich zeigte keinen Widerstand,

Und war ergeben in mein Los:

Zu lebenslanger Namenlosigkeit verurteilt.

 

Der Transport war eigentlich mehr eine

Reise, weil man höflich zu mir war und

Mich in keiner Weise drangsalierte.

Mehrfach wendete man sich an mich mit

Fragen oder mit Bemerkungen,

Doch die verstand ich nicht.

 

Wir kamen wieder zum Reaktor-U-Boot.

Das war aufgetaucht auf hoher See, und ich gelangte

Aus dem Helikopter über eine Einstiegsluke in das Schiff.

Man hatte mich erwartet, und man brachte mich

In eine aufwendig gestaltete Kabine,

Wo ich, wie das zweite Mal davor,

Zur Körperpflege und zur Kleidung alles passend fand.

 

 

 

 

Am ersten Abend hatte ich

Begegnung mit dem Mann, der über allem stand.

Der lud mich freundlich ein zu einem Essen mit den

Frauen, die ich von dem zweiten Treffen her

Noch kennen sollte.

Das gefiel mir nicht, weil man mir damals

Keine Wahl gelassen hatte, und ich nacheinander

Mit drei amputierten Frauen für drei Nächte

Unfreiwillig schlafen musste.

 

Die drei Frauen kamen auf mich zu

Und gaben mir fast schuldbewusst

Ein wenig Selbstvertrauen, weil sie mich in meiner

Sprache grüßten und nach meinem

Wohlbefinden fragten.

Ihre Hände lagen dabei voller Stolz

Auf ihren Unterleibern.

Eine trat heraus und sagte mir, wie

Glücklich sie nun wären, und sie kämen

Aus dem Land, wo Männermangel herrschte,

Ja, ich sollte alle drei in dieses Land, das hoch in

Kalten Bergen liegt, begleiten,

Und ich wäre sofort frei.

 

 

 

 

Sie überreichte mir drei Fotos von den Ungeborenen.

An meinem Urteil über lebenslange Namenlosigkeit

Vermochten sie zwar nichts zu ändern,

Aber sie versprachen Wohlstand und dass ich mit

Allen drein gemeinsam leben dürfte.

Alle gratulierten mir zu diesem Glück,

Und Tränen standen ihnen in den Augen.

 

Ich verfluchte aber diesen Augenblick

Und sehnte mich sekundenlang nach Selbstkasteiung.

 

Eine Antwort gab ich nicht.

 

Ich ging statt dessen aus dem Raum durch eine Tür,

Die war ein wenig angelehnt,

Und stand vor meiner Unterkunft auf meiner Insel,

Vor der Frau, die mich versorgte.

Sie nahm mir die Fotos aus der Hand

Als wüsste sie Bescheid.

 

Ich schrieb den elften Brief

Und gab ihr den dazu.

Sie wandte sich mit einem Lächeln ab

Und ließ mich wortlos stehen.

 

Mir im Rücken spürte ich die

Unzufriedene Gesellschaft.

 

 


 

Harald Birgfeld, aus: Namenlos von meiner Insel

 

Copyright 2011 beim Autor, Harald Birgfeld.