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Namenlos
von meiner Insel (10. Brief) Am neuen Morgen schienen alle
meine Spuren wie verweht, verwischt. Ein Ungefühl
nach völliger Verlassenheit Stand mir im Hals. Im Haus lag nichts, stand nichts Und es gab nichts, was mich an
mich Erinnerte. Im Nachbarhaus war niemand, und
die Frau, die mich versorgte, gab es
scheinbar nicht. Ihr Haus war leer und ohne Möbel, Kein Gerät und keine Gegenstände. Nichts bezeugte, dass hier jemals
jemand ein Zuhause hatte oder hatte haben
können, Und es steckte auch kein Schlüssel
in der Tür. Ich ging zum Strand und dort
entdeckte ich, Dass meine Spur von mir vor mir im
Sand Zum Wasser führte, Das entfernte sich mit jedem
Schritt Und immer schneller in die Ferne. Ich begann dem nachzulaufen, doch
es Floh mit wachsender
Geschwindigkeit. Da blieb ich stehen. Statt nun selbst zu fliehen, hielt
ich fest an Diesem Augenblick der Leichtigkeit
in mir Und hatte keine Angst. |
Mit einem Helikopter brachte man
mich Heim auf meine Insel. Nichts an meinem Körper hatte sich
verändert, Lediglich ein kleines Pflaster auf
dem Oberschenkel Überdeckte einen Einstich. Von der Frau, die mich versorgte,
sah ich bei der Ankunft gleich den Rücken und die
federnd Dunkelroten Haare, die in langen
Locken Fast bis zu den Hüften reichten. Ihr Gesicht sah ich im Spiegel,
und sie kämmte sich. Sie sah daraus voll
Freundlichkeit zu mir. Ich hätte meinen Mund, die Nase
und die Hände gerne In ihr Haar gedrückt. Da kam sie langsam auf mich zu und
Drehte mir, ganz nah, den Rücken
zu. Mit ihrer rechten Hand schob sie
die Haare aus dem Nacken Über mein Gesicht und über meinen
Hals, Und sah mich von der Seite an. Die Leute, die mich brachten,
nahmen Nicht Notiz davon. Es war als stünden wir auf einer
Bühne Ohne jedes Publikum. Mein Herz schlug schnell, Es war der engste Schritt in
unsrem Tanz. |
Ich schrieb danach den zehnten
Brief und Rätselte nicht um Erklärungen. Ich weiß auch nicht, wer diesen
Brief und wohin Weitertrug. |
Harald Birgfeld, aus: Namenlos von meiner Insel
Copyright 2011 beim Autor, Harald Birgfeld.