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20 Raum-, Zeitgedichte |
Buchtitel, ISBN
3-937264-00-0
20 Raum-,
Zeitgedichte
aus: Auf deiner Reise zum Rande im Rande
des Randes der Sonne
"Auf deiner Reise zum Rande im
Rande des Randes der Sonne"..... geschieht Merkwürdiges: Im Innern der
Sprache werden Kräfte freigesetzt. Sinn der Operation: eine neue Sprache, die zur
adäquaten Darstellung unserer heutigen, von Wissenschaft und Technologie
geprägten Welt geeignet ist.
"Es lohnt sich, einmal einen heutigen
Dichter kennenzulernen, der mit der deutschen Sprache einen faszinierend
fremden Weg betritt und trotzdem dem Leser Freiraum lässt für eigene
Gedankengänge, ohne dass die Probleme in erhobener Zeigefingermanier zu
zeitkritischen Trampelpfaden werden."
Copyright 2009 beim Autor, Harald
Birgfeld, alle Rechte vorbehalten. Kein Teil dieser Veröffentlichung darf ohne
schriftliche Erlaubnis des Herausgebers, Harald Birgfeld, reproduziert werden.
Das gilt insbesondere für Vervielfältigungen, Übersetzungen, Verfilmung und
Einspeicherung sowie Verarbeitung in elektronischen Systemen.
Herausgeber, Autor, Redakteur: Harald
Birgfeld, e-mail:. Harald.Birgfeld@t-online.de
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Raum-,
Zeitgedichte, Nr. 1 bis 20 Das Kleinste im Kleinen, Raum-,
Zeitgedicht Nr. 10 Die einzige Gelegenheit, Raum-,
Zeitgedicht Nr. 12 Die
Rückkehr, Raum-, Zeitgedicht Nr.
13 Die
Zeit der Zeit, Raum-, Zeitgedicht Nr. 19 Die Zeit in einer andren Zeit, Raum-, Zeitgedicht Nr. 4 Dir
und dir. Raum-,
Zeitgedicht Nr. 20 Ein Zeitprotokoll, Raum-,
Zeitgedicht Nr. 9 Eine
andere Zeit, Raum-,
Zeitgedicht Nr. 11 Es
ist eine Zeit, Raum-,
Zeitgedicht Nr. 1 Fremde
Wesen, Raum-,
Zeitgedicht Nr. 5 |
Gleichzeitige Zeiten, Raum-,
Zeitgedicht Nr. 8 In amtlichen Büchern, Raum-,
Zeitgedicht Nr. 6 Kein
Eintrag, Raum-,
Zeitgedicht Nr. 15 Reservoir,
Raum-,
Zeitgedicht Nr. 17 Selbst ein Sonnenstrahl, Raum-,
Zeitgedicht Nr. 18 Unerreichbar,
Raum-,
Zeitgedicht Nr. 14 Von
Zeit zu Zeit, Raum-,
Zeitgedicht Nr. 16 Zeitenwechsel,
Raum-,
Zeitgedicht Nr. 3 Zeitlose
Zeit, Raum-,
Zeitgedicht Nr. 7 Zeitreisende,
Raum-,
Zeitgedicht Nr. 2 |
Es ist eine Zeit,
Raum-, Zeitgedicht Nr. 1
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Es ist eine Zeit, Die ist schon
vorbei Und wird doch
erst kommen. Es ist ein Wort, Das ist schon
gesprochen Und wird doch
erst vernommen. Es ist ein Ziel, Das ist schon
vorbei Und wird doch
erst erreicht. |
Es wird die Zeit
kommen, Die ich heute
erlebte. Es wird das Wort
vernommen werden, Das ich heute
hörte. Es wird das Ziel
erreicht werden, Das ich heute
verfehlte. |
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Zeitreisende,
Raum-, Zeitgedicht Nr. 2
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Die super schnell bewegten Räume Sind nicht mehr sichtbar. Sie sind du, und du bist sie, Sie stehen still. Du lebst in einer Computerzeile, In einem Rechner. Er ist dein Atem, Lebenserhaltend. Du weißt, du kannst jederzeit diesen Raum und Neuerdings auch diese Zeit verlassen Und wechseln. Doch wer das macht, Verliert an Substanz. Der Rechner kann dich dann Nicht mehr fuhren, Du gibst dich Fremden an die Hand. |
Du gewinnst deine neue Zeit, Doch die Ereignisse liegen so weit Auseinander Und sind keine Zuflucht mehr. Du weiß nicht, wen du noch kanntest, Wen du noch mit
Namen nanntest, Und manches ist sehr lange her. Auch ist die Rückkehr Schwer, Es überholt dich der Zeitenwechsel, Und die alten Räume Sind noch einmal neu; Auch nicht ohne Verlust Für dich. |
Unfälle soll es kaum noch geben, Hört man. Doch das hat bei dieser Menge an Räumen und Zeiten Nichts zu bedeuten. Gleichzeitige Dinge, Die sich heute ereignen, Können der Rückkehr Des Reisenden Zukunft Und dem, der wechselt, Schon lange Vergangenheit sein. Viele klagen über die Eintönigkeit. Manche sprechen noch heut' von
Melancholie. |
Zeitenwechsel,
Raum-, Zeitgedicht Nr. 3
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Vor dem ersten
Wechsel In die andre Zeit Hattest du noch
Argumente. Glaubhaft trugst
du Unsren Namen Vor dir her. Über deine
Schulter Sahen wir dein
Werk. Du warst wie wir. Doch die andre
Zeit War schneller, Maßlos war ihr
Anspruch Auf Besitz an
dir. Du verlorst dich
ganz An sie. |
Du erlerntest
eine Sprache, Die war neu, Kalt das Für und
Wider, Ohne zu
verletzen. Es trieb dich Auch nicht heim. Nur, wenn dein
Weg Den unseren
schnitt, Wurdest du uns
greifbar. Was wir hielten, War ein Stück Aus der andren
Zeit, Weit, weit von
uns, Neben oder hinter
uns. |
Wir warfen dir
Verzweiflung In dein Tun. Als du, Für dich nach
kurzen Augenblicken, Wieder zu uns
kamst, War unser Leben
alt. Doch, freundlich Suchten wir dich
einzuordnen. Jäh wich deine
Zeit uns aus. Mit nichts warst
du Mehr einzuholen. Nur einmal noch Sahst du uns so Verlassend an. |
Die Zeit in einer
andren Zeit, Raum-, Zeitgedicht Nr. 4
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Die Zeit in einer andren Zeit Wär absolute Einsamkeit, Könntst du Erinnerung bewahr'n. Schon lange Zeit, vor jener Zeit, Treibt dich die Sorge, Was du doch versäumst, Zu ordnen. Nie weiß man, Auch nicht ungefähr, Die Rückkehr, Kaum das Jahr. Den Partner mitzunehmen Ist Gefahr, Ihn zu verlieren. Die andre Zeit Verändert jeden ganz, Und ungebunden bist du bald Zu neuer Partnerschaft bereit, Du denkst jetzt ja In vierter Dimension. Sie ist dir eigen, dein, Ein Teil deiner Person. Den Partner mitzunehmen Wurd auch lange schon
verboten. Das ist einzusehen. |
Die neue Partnerschaft ist Zwar erlaubt, Doch kann sie nur in andrer Zeit besteh'n. Auch neue Partner legen, so wie du, Schon beim Verlassen Die Erinnerung an diese Zeiten ab Und nehmen an den Wandel. So ist der Wechsel ganz gerecht. Man lebt ja nur für sich, Nicht gut, nicht schlecht, Und die Ereignisse im Raum Berühr'n dich kaum, Sie treiben ohnehin ja immer Von dir weg. Es gibt auch Leute, Die den langen Wechsel planen. Ihr Abschied ist für immer. Meist handeln sie aus einem Kummer, Melden ganz spontan Den Wechsel an. Wenn's geht, entscheiden sie noch heute. Sie kommen dann, Wie kürzlich erst, Nach unvorstellbar langer Reise Auf technisch einwandfreie Weise In unsre Zeit zurück. |
Man sagt, sie wären selbst ein Stück Vergangenheit, Und kommen doch aus Vorgelebter Zeit, Aus nicht gewes'nem
Leben Auf Besuch zu uns. Sie kennen nichts mehr hier Und sprechen auch nicht mehr wie wir, Und lassen sich beim Amt für Ihre Angelegenheiten Gar nicht erst den Eintrag Für die Rückkehr vorbereiten. |
Fremde Wesen,
Raum-, Zeitgedicht Nr. 5
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Der Umgang mit fremden Wesen Wurde mich nie gelehrt. Nicht nur, dass man nicht daran dachte, Schien er es auch nicht wert. Die erste Begegnung würde nicht gleich
die letzte sein, Warf man ein. Auch musste die Fremdheit im fremden
Wesen Nicht fremdartig sein, Vielleicht nur ungewohnt. Ich war nicht vorbereitet. So wunderte mich Eine Zeitlang nicht Die Begleitung dieser Art. Merkwürdig, ich war wie im Trunk Und voller Begeisterung, Als ich auf sie traf. |
Die Sprache, die wir anfangs hatten, War wie gemeinsamer Schlaf, Traumgleichheit unser Erleben. Doch sie kam aus einer anderen Zeit, Das wurde ich schnell gewahr. Sie lebte ohne Erinnerung In den Tag. Sie sagte oft, sie möchte Keine erlebten Geschichten, Die sie ohnehin Tatsächlich mit nichts verband. Sie konnte meine Worte in einer Sprache
einrichten, Die ich nicht verstand. Oft schloss sie auf Dinge, Die waren nur schön Anzusehn, So als bringe Sie farbiges Speiseeis Ohne jeden Geschmack. |
Dann wieder überraschte ihr Tun: Wie auf gläsernen Stelzen, Hilflos, zerbrechlich und beinahe
fallend, Zerstreute sie Argwohn, Ließ Zweifel Mit einem Blick ihrer Augen Zerschmelzen. Gefährlich wurde sie erst, Als ich sah, Dass ihr Handeln nach einem Muster
geschah, Und sie sich auf meine Vorgaben berief. So wie es verlief War sie sogar im Recht. Um sie zu schützen Nein, um mir zu nützen, Sie mir willig zu neigen, Machte ich bald mir ihr Denken zu eigen. |
In amtlichen
Büchern, Raum-, Zeitgedicht Nr. 6
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In amtlichen Büchern kann man lesen, Wann der Start von dem und dem In eine andre Zeit gewesen. Aus vergangenen Tagen Sagt man heute, Gibt es Leute, Die in Särgen ruhn, In hölzernen oder auch steinernen Truhn, In Gräbern, auf Feldern. |
Das ist lange vorbei. Zu viele leben in anderer Zeit. Man kann heute nicht mehr fragen, Wie in früherer Zeit "Lebt derjenige noch?" Was sollte man darauf sagen. Und erst auf die Frage, "Wie kam es, dass er starb?" |
Nein, nein, zu sterben ist So ungewiss. Es hat doch wohl jeder zwei Verschiedene Zeiten oder mehr. Wie viele, ist dabei Einerlei. Gefragt wird nur noch in anderer Zeit- "Von wann kommst du her?" |
Zeitlose Zeit,
Raum-, Zeitgedicht Nr. 7
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Wer konnte früher schon erklären, Was das sei, die Zeit. Kein Mensch hatte je genau vernommen, War es Anfang, die Zukunft,
Vergangenheit, Einfach aufgereiht. |
War, was sie am Sternenhimmel sah'n Die Gegenwart, doch vergangene Sonnen? Was wär, wenn sie still stand, die Zeit, Wenn nichts sich täte im Kern. Das wär eine Antwort gewesen, Jede Reise zum entferntesten Stern. Keine Zeit könnt vergeh'n, Woanders dagegen schon Zukunft sein Vergangenheit dort, wo du warst. Du könntest verschiedene Zeiten bewahr'n Und endlich eine zeitlose Zeit erfahr'n. |
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Gleichzeitige
Zeiten, Raum-, Zeitgedicht Nr. 8
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Befindet man sich auf Reisen In anderer Zeit, Ist niemand zu erreichen, Außer in eigener Zeit. Das ist allen bekannt Und war oft der Grund, Warum Einer nicht den anderen fand. Er aber hatte verzweifelt versucht, Seine eigene Zeit Mit anderen zu vergleichen. Es ging dabei nicht um die Fragen, Eine Botschaft in andere Zeiten zu
tragen, Nein, um den absoluten Zeitenvergleich, Wer läge vorn, Wen habe er Durch schnelleres Leben verlor'n, Wen könnte er überrollen, Wer wäre gerade dabei, Im Sprung, ihn einzuhol'n. . |
Langreisende stellten ihm oft und gern Ihr Zeitprotokoll unter irgend einem
Stern Zur Verfügung. Das nahm er als beißenden Hohn Seiner Bemühung. Das kannte er alles schon. So musste ja irgendwann Ihn der Beschluss ereilen, In zwei verschiedenen Zeiten Gleichzeitig zu verweilen. Nach seinem Plan Würd' er sich dann In dritter Zeit erfahr'n. Er ließ sich von Freunden alles
vorbereiten Und dachte an außergewöhnliche Begebenheiten, Die wollte er selbst bedenken. So schnitt er natürlich die Frage an, Woran Versteh ich an mir Nachher Die unterschiedliche Zeitenbahn Und ihr Zusammentreffen. |
Als er daran Die Unmöglichkeit des Erkennens vernahm Kam ihm spontan Der Verdacht, Er habe Vielleicht grade Den Schnittpunkt Hinter sich gebracht Und so das Unmögliche Doch möglich
gemacht |
Ein Zeitprotokoll,
Raum-, Zeitgedicht Nr. 9
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Seit alter Zeit, Das ist übrigens etwas, Was wohl immer bleibt, Trägt man beim Wechsel In eine andere Zeit, Die räumlichen Daten Der nächsten Planeten, Eines Sternes oder Übermagneten In amtliche Bücher ein. Neuerdings legt man Darüber hinaus Wert darauf, Den Zweck, den Sinn Einer Reise zu erfahr'n, Und, ganz wichtig, Welche Zeit strebt Der Reisende an. Dabei erkennt allerdings jedermann, Dass nur der Grund Für den Wechsel Genannt werden kann. Alles weitere ist eine Mode. Natürlich beginnt der Zeitenplan In anderer Zeit. Den vierdimensionalen Biochemisch gesteuerten Daten Schließen sich etwas Unverständlichere Nicht mehr nachvollziehbare Übergangsregelungen an. |
Diese Vereinbarung ist Zu quittieren, Welches geschieht, Ohne dass Reisende Davon erfahr'n, Durch Ablegen der Erinnerung. Nach dem Wechsel ist man dann frei. Den persönlichen Schutz Übernehmen, schon aus Eigennutz, Fremde Systeme. Die hier erreichte Perfektion Ist auch ein Teil, Mehr eine Ergänzung schon, Der Übergangsregelung: Sie programmiert eine Zeitenvorschau, Um Katastrophen zu umgeh'n. Der Aufenthalt soll nun genau, Und hier beginnt das Protokoll, Von denselben Systemen erfassbar sein. Man richtet sich ein, Fragt nach irgendwelchem Tun, Beschafft Informationen, Die sich im allgemeinen kaum lohnen, Und tritt alsbald die Reise zurück Wieder an. |
Das gleiche Programm. Das Protokoll bleibt In der neuen Zeit. Dieser Ausflug, ohne Besondere Vorkommnisse An vergleichbaren Kaum vierzehn Tagen, Beschert dem Mann, der Frau Einen Zeitensprung von Zehn bis zwanzig Jahren, Nach vorne oder zurück. Ein Stillstand Bringt nach allgemeinem Wissensstand Wirklich nichts. |
Das Kleinste im
Kleinen, Raum-, Zeitgedicht Nr. 10
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Neuerdings kann man, Bei einer Reise in die Zeit, Auch den Mikrokosmos wählen. Als aufgeladenes Ion, Auch als Lichtquant gesandt, Das Kleinste im Kleinen erleben. Dorthin, wo im Leinen Die dickeren Fäden Sich zu Mustern weben, Wurd seine Welle
ausgesandt. Sein Denken hatte ein Speicher In der Hand. Seine Landung auf dem ersten Kern War zu vergleichen mit der Auf einem Stern. |
In absoluter Bewegungslosigkeit Und mehr als unendlich weit Entfernt, waren auch hier die Gestirne. Die Geräusche und Laute in optischer
Gestalt Kamen von seinem Aufenthalt. Er konnte natürlich nicht hoffen, Auf wellengleiche Quanten zu stoßen, Doch konnten sein Erscheinen, Die ihm bekannten Systeme, Auch nicht verneinen. Berechnungen hatten gezeigt, Dass benachbarte Sternensysteme In jeder Gewebezelle zum Kern Ebenso entfernt sind Wie die Erde zu einem uns messbaren
Stern. |
Er hatte beim Eintritt Darauf bestanden, Gezielt zu werden auf Reflektoren, So waren ihm durch seine Abenteuer Nur knapp zehn Jahre verloren, Bevor er zurück in den Speicher fand. Die irdische Zeit hatte kaum Eine Nanosekunde gebrannt. Unverständlicherweise Hatt er nach dieser
unbedeutenden Reise Seine Familie nicht wieder erkannt. Er verzog in ein völlig anderes Land. Auch seine Sprache war kaum zu versteh'n. Fachleute kannten dieses Problem. |
Eine andere Zeit,
Raum-, Zeitgedicht Nr. 11
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Im Zentrum der Reflexion War sie schon gewesen Und hatte nachgefragt. Dort hatte man ihr schlicht gesagt, Dass keine Nachricht vorläge. Sie sei in Wahrheit nicht In anderer Zeit Und würde auch ganz gewiss Woanders nicht vermisst. Ihr waren aber, Was selten genug vorkam, Für viele war es einfach Wahn, Erinnerungsfetzen Deutlich geword'n. Man bot ihr an, Auf verschiedenen Reisen Die Zeiten zu durchstreifen. |
Unsicher trug sie die einzelnen Bilder Zusammen. Nach ihrem Schluss Musste sie aus der Zukunft sein Und nahm das so programmierte Angebot an. Als sie nach dem Wechsel In die andere Zeit Sich in anderer Zeit Wiederfand, War der Beginn ihrer Langen Erinnerung Tatsächlich Gegenwart. |
Nur konnte sie das nicht erfahr'n, Weil Reisende, bei ihrem Wechsel In andere Zeit, Keine Erinnerung bewahr'n. Das trug der erstaunten Frau Ein ganz gewöhnlicher Rechner an. |
Die einzige
Gelegenheit, Raum-, Zeitgedicht Nr. 12
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Er sah im Wechsel in eine andere Zeit Die einzige Gelegenheit Sein Leben, über sein Leben hinaus, Zu retten. Seit langem rechnete er sich aus, Dass ein Zeitensprung Von zwanzig Jahren Enorme Vorteile habe. Jedenfalls würden ihm Zwanzig Jahre Vorsprung Gewiss nicht fehlen. Auch nahm er das Risiko in Kauf, Normaler Reiseverlauf Vorausgesetzt, Dass er in anderer Zeit Verbliebe. Doch ließ er den Rechner Vorsichtigerweise auch Die Rückkehr seiner Reise Vorprogrammieren. |
Von amtlicher Seite War das alles erlaubt. Nachdem er noch einmal den Abschied Bedacht, Hat der törichte Mensch Jenen Ausflug gemacht. In der neuen Zeit Gab es kaum eine Angelegenheit Von Bedeutung. Jedes Ereignis wurde durch Zeitenvorschau abgeleitet. So kam er ohne Schaden In unserer Zeit zurück, Mit seinem Zeitgewinn Von gut zwanzig Jahren Und einer Reisezeit, In seiner Zeit, Von wenigen Tagen. |
Nur eines hatte er dabei nicht erkannt, Dass von den irdischen zwanzig Jahren Für ihn nicht eine Stunde Und keine Sekunde geschehen waren. |
Die Rückkehr,
Raum-, Zeitgedicht Nr. 13
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Vielen andren war es so Wie ihm ergangen. Als Kind aus schwacher Obhut Und in Abenteuerlust befangen, Floh er heimlich diese Zeit. Andrenorts die Häscher Salbten seinen Mut Und nahmen ihm den Code Zur Rückkehr. Nach knapp zwei Jahren Dieser Fremdheit Kam jedoch die automatisch Abgefragte Rückholforderung Auch so an ihn. Er kehrte heim. |
Aus längst vergilbten Büchern musste er erfahren, Dass über siebzig Jahre Unsrer Erdentage Hier verstrichen waren. Natürlich konnte er die Sprache nicht versteh'n. Die Eltern waren tot, Und ob Geschwister je gewesen, War nicht mehr nachzulesen. Man zeigte ihm die Gegend, Wo das Grundstück Seiner Eltern einst gelegen. Überall warn Unterholz, Wildwuchs, Zügellose Unzugänglichkeit Und tierische Gefahr Erwachsen. |
Zum Neubeginn Ward ihm daher Ein mittelmäßig Menschenweib mit wenig Kenntnis, doch mit Urverstand und Sinn Fürs Überleben An die Hand Gegeben. Die hielt ein Plan Als Übergang Für diese Zeit Ganz allgemein bereit. |
Unerreichbar,
Raum-, Zeitgedicht Nr. 14
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"Erhebe deinen Aufenthalt In andrer Zeit Nicht zum Gebet." Nur dieser Kinderreim Fiel ihm in seiner Zeit, In andrer Zeit, Bei jedem abverlangten Protokoll Als Eintrag ein. Die chronologischen Daten Führten ohnehin die Automaten. Entscheidungen, Prozesse Gab es nicht. Die Zeitenreise geschah Im überdimensionalen Raum Ohne jede Steuerung. |
So flossen seine Gedanken immer neu Wieder ein in Den Kinderreim und Malten die Worte zum Bilde. Seine ungenutzten Gedanken Begannen das Bild zu umranken. Wilde Spekulationen Zu fremden Zeitenstationen Nahmen bald überhand, Und wie der Fluch Einem Spruch anhängt So konnte ihn dieser Vers Nur wenig vor den Gefahren Bewahren. |
Die Automaten erfassten seinen Zeitendrang Und brachten ihn, An der Peripherie Seiner Reise angelangt, Unkontrolliert in Den nächsten Zeitenrand. Dort musste er verweilen, Als Flüchtling unter vielen Ein gleiches Schicksal teilen. Sie hofften auf dieser Zeitenbahn Doch irgendwann Der allgemeinen Kontrolle Zu unterliegen. Eine groß angelegte Amnestie Kam ohne jeden Vorteil für sie. In ihren unbekannten Zeiten Waren sie nicht zu erreichen. |
Kein Eintrag,
Raum-, Zeitgedicht Nr. 15
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Bei seinem Eintrag In das Protokoll, Das Reisende In anderer Zeit Begleiten soll, Hinterließ er für das Zentrum der Reflexion In verlassener Zeit: |
Er könne nicht mehr Verantwortung tragen Für die Antwortgeber, Für seine Automaten, Die auf sämtliche jemals Gedachten und noch zu Denkenden Fragen Bereits eine Antwort haben. |
Alles hätten die Kristalle Bedacht und jede nur mögliche Frage möglich gemacht, Doch ginge ihm beim Wechsel In diese Zeit und durch Den langen Aufenthalt Der Grund und der Sachverhalt Für die Reise verloren. Auch die Automaten Könnten ihm nicht das Ziel Verraten Und würden diesen Eintrag Nicht gestatten. |
Von Zeit zu Zeit,
Raum-, Zeitgedicht Nr. 16
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Von Zeit zu Zeit Kamst du in unsre Zeit, Wenn Hunger dich auf Suche Nach der Nahrung überkam. Gierig nahmst du jeden Bissen, Selbst die Reste noch, Vom Tellerrand. In schlimmen Zeiten Schämtest du dich nicht, Sogar uns aus der Hand Zu fressen. |
Unterdessen kämpftest du Oft gegen Übelkeiten an. Du sahst die Hände, Die wir hatten, Schmutzig, ungewaschen. Wenn endlich Sattheit kam, Und war dein Durst gestillt, Dann sprachst du mit uns überlegen Und gönnerhaft Das Gestern an. |
Einst hattest du wohl vor, Von uns nur einem Zu gewähren Deine Zeit in andrer Zeit. Doch warntest du uns gleich, Wir hätten zwei dann zu Ernähren. Du zweifeltest, Ob unsre Nahrung noch Für beide reicht. |
Reservoir, Raum-,
Zeitgedicht Nr. 17
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In diesem Land, Woanders mocht'
es Anders sein, War es schwer, Zu überleben Im gewohnten Leben. Die unwirtliche Gegend Gab den Leuten Kaum dazu Gelegenheit Und machte Männer, Frau und Kind wortlos, Voller Argwohn, Doch mit hellem Sinn, Den Ihren Jede Hilfe zu gewähren. Zeitenlos War auch die neue Zeit Der Zeiten Auf sie zu und Dann vorbei geeilt Und keine Reflexionsstation Verblieben. |
Ein Rechner hatte Diese Leute Und die Landschaft schon Vor manchem Jahr Zum Schutzgebiet Erklärt und konsequent Von jedem Einfluss Abgeschirmt. Man nannte diese Gegend Einfach "Reservoir". Für Reisende aus anderer Zeit, Die nach sehr langem Aufenthalt Zurück zur Erde kamen, Brauchte man zum Schutz und auch zum neuen Eingewöhnen Menschen Mit trainiertem Sinn Fürs Überleben. Die erfragte dann der Rechner Aus dem Reservoir. |
Um insgeheim Sich neue Inseln anzulegen, Sandten die Die Besten aus Aus ihrem Land. Dem Rechner war dies gut Bekannt, So dass er nur Durch Speis und Trank Noch sorgte, Dass im fremden Land Vermehrung dieser Menschen nicht einträte Und so den Absoluten Schutz gewährte. |
Selbst ein
Sonnenstrahl, Raum-, Zeitgedicht Nr. 18
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In seiner Zeit Hat selbst ein Sonnenstrahl Viele Zeiten. Absorptionen, Re-Emissionen Seiner kurzwelligen Tage, In unserer Zeit sind es Mehr als hundert Millionen Jahre, Vergehen von seinem Lebensanfang Bis zum Sonnenrand. |
Von dort, als Lichtstrahl Ausgesandt, ist es für ihn, In seiner Zeit, das endgültige Abschied nehmen. Ein Nichts, schon vorbei, ist Sein Weg ins All und zur Erde. Wir jedoch Begrüßen ihn noch In unserer Zeit. Begeisterung und Ausgelassenheit Bringen wir ihm als Fanfaren Entgegen. Ja, wir staunen über die Kraft, Die er hat, Und jeder frohlockt In seinem Geleit. |
Im letzten Verglühn Zündet er an unser Bemüh'n, In seinem Lichte Zu leben. |
Die Zeit der Zeit,
Raum-, Zeitgedicht Nr. 19
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Als neu die Zeit der Zeit Begann, Nahm mancher an, In andrer Zeit Verginge keine Zeit. Ein trügerischer Wahn, Der nur den Unverstand Entdeckte. Die neue Zeit der Zeit Hieß nur zu wählen, Welche Zeit begann. Ließ man es sein Und wählte keine Zeit, Den Stillstand gar, Um zeitenlos zu sein, Dann fror das Leben ein. |
Viele kamen so ganz aus Verseh'n Um ihre Zeit zu leben, Ohne tot zu sein. Das war das Ungeheuere
daran. Natürlich gab es Spielerein. Wie Schnecken wollten viele sein, Die Gräser wachsen sehen, Wie die Fliegen, zehnmal schneller Als bisher Bewegtes miterleben. Es krankte diese Zeit daran, Dass das Programm die Zeit für Alle Zeiten wählte. |
Erst später, als in neu gewählter Zeit, weit außerhalb, Auch hier ganz neu die Zeit der Zeit begann, Verstand man den Zusammenhang und Führte automatisch Abgeruf'ne Rückholforderungen Ein. Man schloss nun endlich Nicht mehr aus, Dass alle irgendwie Aus andren Zeiten Stammen könnten. |
Dir und dir, Raum-,
Zeitgedicht Nr. 20
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Selbst den Automaten war es neu, Und auch die Rechner hatten Nichts davon verstanden, als Du sprachst von konservierter Zeit. Ganz verschiednen
Kommissionen Blieb das Unbehagen. Doch behauptetest du, Zeit aus andrer Zeit In dir zu tragen. |
Das Fehlen dieser Zeit woanders Könnte leicht dem Zeitenreisenden zur Falle Werden, Also musstet du, und auch Um dich nicht zu zerstören, Doppelt Leben führen. |
Das erkannten Rechner, die dein Leben hier und kontrolliert in Jener Zeit bewachten, Dir und dir von Deinem und von deinem Leben regelmäßig Nachricht brachten. |
ISBN 3-937264-00-0